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2024.03._Nordportugal und Galicien

Der Norden Portugals und auch Galicien waren uns gänzlich unbekannt und so kam die angebotene geführte Busrundreise gerade recht. Eine für uns sehr angenehme Abflugzeit um 13.50 Uhr versprach einen entspannten Anreisetag. Das Boarding verzögerte sich um ein paar Minuten – aber das ist ja meistens so… Unüblich war allerdings dass, nachdem die ersten Passagiere schon im Flugzeug waren, diese wieder aussteigen mussten. Es wurde uns mitgeteilt, dass das Flugzeug auf dem Hinweg eine Kollision mit einem Vogel hatte und dieses erst genauer untersucht werden muss. Wir hatten ein flugzeugnahes Gate und konnten den Mechanikern bei der Arbeit zuschauen. Mich faszinieren bei solchen Gelegenheiten immer die Menschen, die hinter der Scheibe fachkundige Ratschläge geben *lach.

Eine Mitreisende hatte eine App der Fluggesellschaft auf dem Handy und verkündete sehr laut und stolz wie Bolle jede kleinste Veränderung, die auf der App sichtbar war. Wir verließen uns lieber auf die Aussagen der Crew, die uns in regelmäßigen Abständen informierte. Ich mache es kurz: es stand die Überlegung im Raum, ob wir ein anderes Flugzeug bekommen oder ob der Schaden repariert werden sollte. Irgendwann war klar, dass wir mit einem anderen Flugzeug gen Portugal starten. Also wurde das Gate gewechselt und wieder ging die Warterei los. Ich dachte an so manches Bild im Fernsehen, in dem Familien mit Kindern in solchen Situationen waren und fand jede Meckerei von Erwachsenen absolut überflüssig.

Nach 2 Stunden bekamen wir einen Verzehrgutschein über 10 € und alle wartenden Leute waren eine Weile beschäftigt, diesen in irgendetwas Ess- oder Trinkbares einzutauschen.

Schön war, dass wir uns schon am Flughafen mit einigen Mitreisenden bekannt machen konnten. Aus einer Reisegruppe aus dem Jahr 2023 trafen wir sogar 2 Mitreisende wieder und freuten uns sehr. Wir hatten sie von damals in sehr angenehmer Erinnerung.

Nach etwas mehr als 3 Stunden Verspätung konnten wir endlich starten. Eine super freundliche Stewardess klärte uns darüber auf, dass, wenn ein Vogel ins Triebwerk gerät die Federn verbrennen und dieser Duft in die Lüftung des Flugzeugs gelangt. Mit diesem Duft nach verbrannten Federn wollten wir vermutlich alle nicht fliegen. Außerdem erfuhren wir, dass es immer Personal in Bereitschaft gibt. Diese Menschen müssen innerhalb einer Stunde am Flughafen sein, wenn z. B. ein Fall wie der unsrige eintritt. Da die Arbeitszeiten genau geregelt sind, war klar, dass die Crew des geplanten Fluges mit der Verspätung außerhalb des gesetzlichen Rahmens gewesen wäre und deshalb kam die Ersatzmannschaft zum Einsatz und deshalb entstand die lange Verspätung.

Mit diesen Erklärungen war ich zufrieden.

Anstatt nach unserer Ankunft in Porto noch einen schönen Strandspaziergang zu machen, gingen wir sofort nach der Ankunft im Hotel zum Abendessen. Während des Abendessens ging mehrere Male das Licht aus und wir saßen im Dunkeln. Erst musste ich lachen, erinnerte ich mich doch an unsere letztjährige Reise. In einem anderen Hotel in Porto ging auch mehrmals das Licht aus und sogar der Feuermelder an…. Vielleicht ist das in Porto normal??

Nach dem Essen verzogen wir uns ziemlich schnell auf unser Zimmer. Die nun doch lange Reise steckte uns spürbar in den Knochen. Im Zimmer war es dunkel = kein Strom. Mich begann es zu nerven: müde und k. o. im fremden Zimmer ohne Licht, Handy fast leer, Koffer noch nicht auf…. Ich kann ganz schön schimpfen *lach. Vermutlich hat das Schimpfen geholfen: irgendwann funktionierte alles wieder und wir sanken todmüde in die Kissen.

Über Portugals Geschichte, Kork und Portwein werde ich in diesem Bericht nicht viel schreiben, sondern ich verweise zu diesen Themen auf den Bericht von 2023, in dem ich dazu ausführlich berichtete.

Der zweite Tag begann zu einer entspannten Uhrzeit. Um 8.30 Uhr wurden wir zu einer Panoramafahrt durch Porto abgeholt. Unsere Reiseleiterin Raquel stellte sich vor und war uns gleich sympathisch. Mit viel Wissen über Land, Leute und Geschichte, gewürzt mit einer angenehmen Portion Humor begleitete sie uns durch unsere Urlaubwoche.

Wir wurden mit vielen Zahlen, Daten und Fakten versorgt, die ich zum Teil nachstehend aufführe. Vollständig ist diese Aufführung nicht und der Reihe nach ebenfalls nicht *lach.  

Porto ist mit 220.000 Einwohnern nach Lissabon die größte Stadt des Landes.

Porto und Lissabon stehen seit alter Zeit in Rivalität. Dies äußert sich in Sätzen wie:

Portugal ist Lissabon, der Rest ist Landschaft.

Das Beste an Porto ist die Autobahn nach Lissabon.

Spitzname für die Einwohner Portos ist Tripeiros = Kuttelesser. Das stammt aus einer Zeit, als sie die Seefahrer mit gepökeltem Fleisch versorgten und selber die Innereien der Tiere aßen. Man kann aus dieser kleinen Geschichte schon erahnen, das Portugal ein armes Land war. Auch heute sieht man, dass wenig Geld für nötige Sanierungen der alten Häuser vorhanden ist. Viele Häuser sind in schlechtem Zustand. Als Tourist lässt man das Flair auf sich wirken, wenn man aber einmal genauer hin schaut, fragt man sich schon, wo das hin führen soll. Das besondere Flair wird unterstrichen durch den verbauten dunklen Granit und die bergige Landschaft. Das historische Zentrum Portos zählt zum UNESCO-Welterbe.

Für manche Sachen ist dann aber doch Geld da: so wird z. B. derzeit an der U-Bahn gebaut und es gibt viele Baustellen.

Auf der einen Seite des Flusses Douro liegt Porto, auf der anderen Seite Gaia. In Gaia leben 300.000 Einwohner. Die Mieten sind dort erheblich günstiger als in Porto. Das Bruttodurchschnittsgehalt in Portugal liegt bei 1.300 €, der Mindestlohn bei 820 €. Sozialabgaben gehen natürlich auch noch ab. Für eine kleine Wohnung in Porto bezahlt man ca. 800 €.

Der Douro entspringt in der spanischen Provinz Soria und mündet nach etwa 897 Kilometern bei Porto in den Atlantik. An der Mündung des Douro ist es wunderschön und deshalb auch teuer. Grundstücke kosten etwa dreimal so viel wie im Zentrum von Porto.

Einer der größten Häfen des Landes liegt in Porto. Er heißt Porto de Leixoes und ist größter Arbeitgeber in Nordportugal. Es werden viele Waren exportiert, z. B. Hüte aus Filz (in vielen Filmen zu bewundern, z. B. Dallas), Kork, Granit und Marmor, Schuhe, Holz für Papierverarbeitung, Wein (z. B. Vinho Verde), Portwein, Kiwis uvm.

Für Touristen ist Porto durchaus sehr sehenswert. Allerdings schrecken circa 150 Regentage im Jahr Sonnenanbeter ab. Oft ist es vormittags nebelig und trübe und klart erst mittags auf.

Deshalb machen die Bewohner des Nordens Portugals meistens an der Algarve Urlaub. Dort scheint die Sonne im Jahr etwa 3.000 Stunden und das Wasser ist warm. Der Atlantik ist nach Meinung unserer Reiseleiterin sowieso nicht für Menschen, sondern eher für Pinguine zum Baden gedacht.

Die durchschnittliche Temperatur im Norden beträgt 13 Grad, im Süden 18 Grad. Unter 0 Grad ist es allerdings selten.

Etwa 800.000 Ausländer leben im Land Portugal und etwa 5 Millionen Portugiesen leben im Ausland.

Ein Thema, welches in Porto sehr wichtig ist, sind die 6 Brücken von Porto über den Douro nach Gaia. Die Namen der Brücken lauten:

  • Ponte Dom Luis I, ist die am häufigsten fotografierte Brücke und hatte den größten Brückenbogen aus Schmiedeeisen, als sie 1886 gebaut wurde. Seit 2003 fährt die Metro auf dem Oberdeck und auf dem Unterdeck öffentliche Verkehrsmittel wie Busse und Taxis.
  • Ponte Infante D Henrique, dem Namen von Heinrich dem Seefahrer, mit 4 Fahrbahnen, mit einem 280 m langen Stützbogen, der weltweit für viele Brücken als Vorbild dient. Sie wurde im Jahr 2003 erbaut und ist somit die jüngste unter den Brücken.
  • Ponte Donna Maria Pia, ist eine seit 1991 stillgelegte Eisenbahnbrücke, entworfen von Gustave Eiffel (dem Architekten des Eifelturms). 
  • Ponte de Soa Joao, eine eingleisige Eisenbahnbrücke mit minimalistischer Architektur.
  • Ponte da Arrabida, bei dieser Brücke mündet der Douro ins Meer, die Autobahn A1 verläuft darüber, in den Säulen befinden sich Aufzüge, eine Treppe führt über 262 Stufen auf 65 Meter Höhe über dem Flussbett.
  • Ponte do Freixo, wurde 1995 eröffnet, 4 Fahrbahnen werden täglich von ca. 100.000 Autos genutzt. Eigentlich sind es 2 Brücken, denn sie sind in der Mitte um 10 Zentimeter voneinander getrennt.

Auf unserer Rundfahrt durch Porto kamen wir am Haus der Musik „Casa da Musica“ vorbei. Für dieses Kunstwerk begann die Planungsphase bereits 1999, 2005 wurde es mit 4 Jahren Verspätung eingeweiht. Der Architekt Rem Koolhaas hat es entworfen und er bekam dafür einen Architekturpreis. Auf allen 1.300 Plätzen hat man das gleiche Klangerlebnis. Die Idee des Architekten war: „Ein weißer Meteorit fällt vom Himmel“… Ich bin wirklich kein Kunstkenner. Wenn Raquel uns nicht darauf aufmerksam gemacht hätte, was sich Großartiges hinter diesem großen Betonklotz verbirgt, hätte ich es nicht als wertvoll erkannt.

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weißer Meteorit, der vom Himmel fällt

Eine große Menschenschlange erregte unsere Aufmerksamkeit. Die Menschen standen an, um in „Livraria Lello“, einen der schönsten Buchläden Europas zu kommen. Es wird der Buchhandlung ein Zusammenhang zu Harry-Potter-Geschichten nachgesagt. Die Autorin der Bücher lebte eine Zeitlang in Porto und soll sich gerne in der Buchhandlung Lello aufgehalten haben. Ein Grund für Harry-Potter-Fans, sich in die Warteschlange zu stellen.

Vom 75 Meter hohen Glockenturm Torre dos Clerigos hat man einen tollen Ausblick auf Porto und Gaia. Gottseidank war nur der Anblick von außen in unserem Programm enthalten: 240 Treppenstufen wären mir doch recht viel geworden.

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Der Bahnhof Porto Sao Bento ist einer der schönsten Bahnhöfe der Welt. 20.000 Azulejos (blaue Kacheln) zieren die Wände und erzählen Geschichten aus alter Zeit. Ich konnte mich kaum satt sehen an den wunderschönen Bildern. Je länger man schaute, desto mehr Details konnte man erkennen. Die Erklärungen von Rachel zeigten uns viele Zusammenhänge auf.

Eine Stunde freie Zeit bekamen wir für den Besuch der berühmten Markthalle Mercado do Bolhao. Alleine die Architektur der Überdachung ist sehenswert. Es war schön, im eigenen Tempo an den Ständen vorbei zu schlendern und zu schauen, was es so alles gibt. Frische Fische, Austern, Oliven und vieles mehr ließen mir das Wasser im Munde zusammen laufen. Wir gönnten uns einen leckeren Expresso (das ist die portugiesische Schreibweise) und Pastel de Nata.        

Zum Mittagessen wurde uns ein Lieblingsgericht der Portuenser versprochen: Francesinha – die kleine Französin – ein Sandwich aus Kochschinken, Wurst und Steak mit geschmolzenem Käse übergossen.

Wir betraten durch einen von außen sehr unscheinbaren Eingang eine festlich geschmückte Halle. Wieder einmal ein spontaner Wow-Effekt. Die Tische waren festlich gedeckt und die Bewirtung begann zügig. Was soll ich sagen, meine Vorstellung war ein Sandwich mit etwas drauf. In der Realität waren die Sandwichscheiben sehr groß und was drauf war, war mein Fleischbedarf von mindestens einer Woche. Steak, Bratwurst, etwas Frikadellen-ähnliches, viel, viel Käse und dazu Tomatensoße. Irgendwie hat es mir geschmeckt. Es lag nur ziemlich lange und schwer im Bauch.

Bei herrlichem Wetter konnten wir ein wenig freie Zeit am Douro verbringen. Das bunte und gemütliche Treiben ließ uns in das portugiesische Lebensgefühl eintauchen. Um diese Jahreszeit waren noch nicht viele Touristen da. Ich mag es sehr, wenn mehr Einheimische als Touris da sind – obwohl ich ja auch eine Touristin bin *lach.

Unser Heimweg führte uns an der Küste entlang Richtung unser Hotel in Povoa de Varzim.

Einen kurzen Stopp machten wir am Castelo do Queijo, der Käseburg. Direkt auf den Felsen gebaut bildet sie eine kleine Anhöhe, von wo aus man schöne Ausblicke auf den Atlantik und das Terminal, an dem die Kreuzfahrtschiffe anlegen, hat. Ganz Mutige wagten sich sogar mit den Füßen ins Wasser.

Als hätten wir lange nichts mehr gegessen, stürzten wir uns im Hotel ans Büfett. Ich kann mich selbst nicht verstehen*lach, zu Hause hätte ich noch einen Joghurt gegessen und der hätte gereicht….

Am dritten Tag waren wir um 8.00 Uhr mit unseren gepackten Koffern am Bus, denn für die kommenden drei Nächte hatten wir ein Hotel in Galicien. Für die bevorstehende Zeitumstellung auf Sommerzeit in Deutschland eine gute Übung: in Portugal waren wir eine Stunde zurück gegenüber Deutschland, in Spanien hatten wir wieder die gleiche Zeit wie in Deutschland und am Rest unserer Reise wieder portugiesische Zeit. Der Blick auf die Uhr erforderte also höchste Konzentration *lach.

Nach gut eineinhalb Stunden Fahrtzeit durch den stark besiedelten Norden Portugals, erreichten wir die Grenze zu Spanien. Am Fluss Rio Minho liegt auf portugiesischer Seite die Stadt Valenca und auf der spanischen Seite die Stadt Tui.

Mit interessanten Geschichten über Portugal und Spanien gestaltete Raquel die Fahrt kurzweilig. So ist z. B. im Vergleich zu Portugal die finanzielle Situation in Spanien etwas höher angesiedelt: Durchschnittsbruttolohn liegt bei 1.822€ und der Mindestlohn bei 1.134€.

Über den Dichter Luis Vaz de Camoes erfuhren wir, dass er als Nationaldichter verehrt wird. Sein Todestag am 10. Juni wird als portugiesischer Nationalfeiertag hoch gehalten. Eine Büste von ihm steht in Porto. Ein bemerkenswertes Werk ist wohl ein Buch über die Geschichte Portugals in Versform.

Die Legende von Pedro und Ines erzählt von einer verbotenen Liebe zwischen dem Infanten D. Pedro und der Ines de Castro, der Begleitdame seiner Gattin D. Constanca Manuel. Die Geschichte handelt von Mord, Heimtücke, Rache, Macht und allem was zu einer Liebesgeschichte dazu gehört, wenn sie Jahrhunderte überleben soll. Sie hatte übrigens kein Happy End.

Auch das politische Spanien wurde uns näher gebracht. So unterteilt sich Spanien in 17 sogenannte autonome Gemeinschaften. Sie heißen Andalusien, Aragonien, Asturien, Balearen, Baskenland, Extremadura, Galicien, Kanarische Inseln, Kantabrien, Kastilien-La-Mancha, Kastilien, Katalonien, La Rioja, Madrid, Murcia, Navarra und Valencia. Davon abgesehen, dass ich viele der Namen noch nie gehört habe, beeindruckt mich diese Anzahl von politischen Bezirken. Jede Region hat einen besonderen Charakter. Wenn man die Bewohner der einzelnen Gebiete fragt, woher sie kommen, sagen sie selten, sie seien Spanier. In aller Regel nennen sie den Landstrich oder Regierungssitz – wie immer man das korrekt nennt.

Unsere Reise ging nach Galicien. Der Ursprung ist keltisch und Galicien hat eine Größe von 29.000 qkm. Es unterteilt sich in 4 Provinzen und die Hauptstadt ist Santiago de Compostela. Man nennt es auch das Land der 1.000 Flüsse. Viele Rias gibt es, das sind überflutete Flusstäler.

Wir fuhren an der Stadt Vigo vorbei, die einen großen Hafen hat und Fisch in alle Herren Länder exportiert. Peugeot und Citroen produzieren hier einige Autotypen. Das heißt, dieser Landstrich steht wirtschaftlich gut da.

In Portugal werden 60 kg Fisch/Kopf/Jahr verzehrt, in Spanien 46 kg/Kopf/Jahr. Es wird oft diskutiert, warum Fisch so hochpreisig ist. Raquel klärte uns auf, welche Kosten ein Fischer hat: Diesel für sein Boot, Netze die ca. alle 6 Monate ersetzt werden müssen, seine Mitarbeiter, die Verkäufer usw.

Unser erstes Tagesziel war der Ria Arousa und wir machten eine Bootsfahrt mit Besichtigung einer Miesmuschelproduktionsstätte. Ich esse gerne Muscheln, habe mir aber noch nie darüber Gedanken gemacht, wo oder wie diese wachsen. Deshalb fand ich die Einblicke in die Zucht mit den Erklärungen sehr interessant.

Ich versuche, in Kurzform ein wenig Wissen weiter zu geben: Die Muschelmännchen geben ihren Samen ins Wasser ab und die Weibchen ihre Eizellen. Da die Muscheln dicht beieinander leben, finden Samen und Eizellen zueinander, befruchten sich und entwickeln sich zu Larven. In den Zuchtstätten hängen an Flößen aus Holz viele Seile, die sich im Wasser bewegen und an denen heften sich die Larven an. Die Holzflöße sind mit Ketten am Meeresboden befestigt. Die Muscheln brauchen bis zu ihrer Ernte kein zusätzliches Futter, sondern ernähren sich vom Plankton im Wasser. An einem Meter Seil können bis zu 10 kg Muscheln wachsen. Bis zur marktfähigen Größe von 8 – 10 cm wachsen sie in 9 bis 15 Monaten heran. Normalerweise haben die die Muscheln keine Bodenberührung und sind vollkommen sandfrei. Etwa 20 % der Weltproduktion wird in Galicien erzeugt. 

Bei schönem Wetter ist so ein Ausflug auf dem Ria Arousa super. Die Kunst ist, es auch super zu finden, wenn das Wetter nicht so toll ist. Wir hatten ziemlich starken Wind und Helmut und viele andere Mitreisende entschieden sich gleich, die Tour im geschützten Innenbereich des Schiffes zu erleben. Wenn schon Schifffahrt, dann will ich draußen sein und den Wind spüren…

Wir sollten Muscheln zum Probieren bekommen und so saßen Hildegard, Karin und ich an einem Tisch und genossen die Reise. Eine Flasche Wein und Becher sowie eine große Schale mit frischen Muscheln wurden uns gereicht. Ich war hin und hergerissen zwischen Begeisterung und Vernunft. Morgens um 10 Uhr Wein zu trinken bin ich überhaupt nicht gewohnt. Ich habe die Begeisterung gewinnen lassen und ließ mir Muscheln und Wein schmecken. Frische Muscheln …. Ich kann das Wort nur auf der Zunge zergehen lassen, den Geschmack kann man nicht beschreiben.

Blöd war, dass zu dem starken Wind auch noch Regen kam. Ich hatte ein Regencape dabei und fand, dass man es damit auch gut aushalten kann *lach. Mit zunehmendem Regen verschwanden zunächst Hildegard und kurz danach auch Karin in die trockenen unteren Räume des Schiffes. Als ich mich umschaute, waren nur noch wenige Robuste an einem windgeschützten Unterstand. Ich gesellte mich dazu und wir hatten schöne Musik und unseren Spaß *lach.

Nach der wirklich feuchtfröhlichen Bootsfahrt hatten wir freie Zeit und waren ziemlich dringend der Meinung, dass wir etwas essen sollten um aus dem Kicher-Karussell wieder aussteigen zu können. Es war gar nicht so einfach etwas zu finden, denn wir waren noch sehr früh im Jahr und die meisten Lokale hatten zu. Wir fanden eine Eisdiele und mangels ausreichender Sprachkenntnisse auf beiden Seiten ließen wir uns überraschen, was wir bestellt hatten. Es kamen frisch gebackene Waffeln und das war ok.

Unsere Fahrt führte uns weiter zu der kleinen Insel Illa da Toxa, die über eine Brücke mit der Halbinsel O Grove verbunden ist. Durch eine kleine Geschichte, die uns Raquel erzählte, verstanden wir, wie vor langer Zeit die heilende Wirkung des Thermalschlammes und der Heilwasserquellen entdeckt wurde: Ein Pfarrer musste auf Reisen gehen. Er hatte einen alten, kranken Esel, den er auf der Insel zurück ließ und war sich sicher, dass dieser bei seiner Rückkehr gestorben sei. Bei seiner Rückkehr war der Esel jedoch wieder putzmunter und der Pfarrer glaubte, dass dieses nur von dem Schlamm, in dem der Esel sich gewälzt hatte, kommen konnte. Im Garten neben einer Kirche steht eine Skulptur des Esels und die Außenfassade der Kirche ist komplett mit Muscheln verkleidet. Ein sehr beindruckender Ort mit schöner Parkanlage und heute noch ein bekannter Heilkurort in Galicien.

Kein Reisebericht ohne Toilettenabenteuer: wir waren mit 2 Bussen auf der gleichen Route unterwegs. Die Abfahrtszeit der beiden Busse rückte näher und einige der Mitreisenden suchten eine Toilette. Wir fanden diese auch: 1 Toilette für ca. 100 Menschen… das dauert… Neben dem Toilettenhaus war ein Geschäft und wir kamen mit der Verkäuferin ins Gespräch… normalerweise sind hier 5 Toiletten offen, aber der Herr, der diese reinigt und bewacht, machte gerade Pause. Sie versuchte ihn telefonisch zu erreichen. Er kam dann auch, als fast alle fertig waren…. Gottseidank warteten unsere Busse.

Unser Hotel für die kommenden drei Nächte war in Santiago de Compostela. Nach einem ausgiebigen und leckeren Abendessen verzogen wir uns in unsere Zimmer um ausgeruht in den kommenden vierten Tag starten zu können.

Passend zum Sonntag stand Santiago de Compostela auf dem Programm. Nach nur 10-minütiger Fahrt vom Hotel ins Zentrum machten wir mit Raquel einen Rundgang. Ihre Erläuterungen erleichterten es, uns in der anschließenden Freizeit gut zurecht zu finden. Ausnahmsweise war kein gemeinsames Ende der freien Zeit angesetzt, sondern um 17 Uhr ein Treffpunkt am Bus und wer da war, konnte mit dem Bus nach Hause fahren. Es war auch kein Problem, zu Fuß ins Hotel zu gelangen. Auch eine Taxifahrt war möglich und nicht teuer. Also ein Tag mit freier Zeiteinteilung, ganz nach unserem Geschmack.

Das Ende des Rundganges mit Raquel war im Paradores de Santiago de Compostela, einer prunkvollen Herberge direkt an der Kathedrale, welches heute zu den Parador-Hotels gehört. Mit einer Auswahl an leckeren Kuchen und Kaffee genossen wir das edle Ambiente. So würde mir pilgern auch gefallen.

Gestärkt von den Leckereien schlenderten wir durch die Gassen und mussten uns sputen, um an der 12-Uhr-Messe teilzunehmen. Wir gehören nicht dem katholischen Glauben an, und alles war für uns hoch interessant. Katholische Mitreisende erklärten uns später, dass die Liturgie gleich wie zu Hause war. Uns gefiel die gelebte Spiritualität und fühlten uns sehr wohl. Wenn der Geist die Sprache nicht versteht, dann muss die Seele etwas mehr Stimmung aufnehmen.

Die Kirche war bis auf den letzten Platz belegt und ich konnte mir nicht vorstellen, wie das zur Hochsaison aussieht. Im Fernsehen sahen wir einmal, dass nach der Messe der Weihrauchkessel durch die Kirche geschwenkt wird…. das war bei dieser Messe leider nicht der Fall. Einige unserer Mitreisenden hatten sich auch darauf gefreut.

Nach der Messe besichtigten wir ausgiebig diese tolle Kirche mit ihrem ganz besonderen Spirit. Im vergangenen Jahr machten wir u. a. einen Besuch in Fatima. Im Vergleich zu Santiago de Compostela fanden wir in Fatima die Energie wesentlich schwerer. Santiago de Compostela fühlte sich für uns leichter an.

Santiago de Compostela ist die Hauptstadt von Galicien und hat etwa 100.000 Einwohner. Davon sind 28.000 Studenten. Jährlich kommen circa 3 Millionen Besucher. Viele kommen als Pilger auf den beiden bekanntesten Pilgerwegen. Der berühmteste ist der französische Pilgerweg mit 760 km Länge. Der portugiesische Weg ist nur 250 km lang und angenehmer zu gehen. Es gibt klare Regeln, über die man sich im Vorfeld informieren sollte, wenn man sich mit dem Gedanken trägt, den Jakobsweg gehen zu wollen. Raquel erzählte uns einige davon, die ich aber vergessen habe. Wenn ich denn den Weg gehe, informiere ich mich *lach.

Überall in der Gegend um Santiago de Compostela findet man das Zeichen der Muschel. Die Muschel hat mehrere Bedeutungen, eine davon gefällt mir besonders: sie symolisiert eine offene Hand, die gibt.  

Besondere Tiefe an diesem besonderen Ort gab uns ein Gespräch mit Heinz. Heinz verlor im Jahr 2022 seine Tochter im Alter von erst 43 Jahren. Um diesen Schicksalsschlag irgendwie zu verarbeiten, fuhr er alleine mit dem Fahrrad 2357 km von seinem Heimatort nach Santiago de Compostela. In der Kapelle des Heiligen Franziskus versteckte er eine kleine Muschel für seine Tochter. Unsere gemeinsame Reise machte er unter anderem, um seiner Frau vieles zu zeigen, was ihn auf seiner Reise und an diesem Ort prägte und um nach der versteckten Muschel zu schauen.

Wir begleiteten die Beiden gerne um mit ihnen diesen intensiven Moment zu erleben. Die Muschel war nicht mehr auffindbar. Das war zu erwarten. Trotzdem hatten wir den Eindruck, dass Heinz an diesem Ort sehr stark mit seiner Tochter verbunden war und ihm dieser Besuch gut tat.

Es setzte leider Regen ein und wir machten uns gemeinsam auf die Suche nach etwas Essbaren. Ein Schild, das Tapas versprach, erweckte unsere Aufmerksamkeit. Wir waren in einem Lokal gelandet, das von der üblichen Norm abwich, „100 Montaditos“ – falls es mal jemand sucht. Auf jedem Tisch lagen Zettel mit über 100 verschiedenen Gerichten. In englischer Sprache bekamen wir eine kleine Einweisung von einem Gast am Nebentisch: auf dem Zettel aussuchen, dann Zettel abgeben, dann warten bis der Name ausgerufen wird und dann genießen.

Wir wurstelten uns mit Handyübersetzer und nach dem Ausschlussverfahren durch und waren am Ende satt, ein bisschen stolz * lach – und lecker war es auch!

Wir bummelten noch ein wenig durch die Gassen dieser wirklich besonderen Stadt und ließen uns zum Abschluss nochmals in der Kathedrale nieder. Ein guter Ort um diesen intensiven Tag zu reflektieren.

Der fünfte Tag führte uns in den Norden Galiciens und war somit mit einigen Kilometern im Bus verbunden. Raquel verstand es wieder sehr gut, die Zeit im Bus interessant zu gestalten und uns einiges nahe zu bringen, über das wir uns noch nie Gedanken gemacht hatten.

Zum Beispiel die Geschichte Spaniens hat mich noch nie interessiert, aber wenn man so durch die Lande fährt und das eine und andere erzählt bekommt, finde ich es schön, Zusammenhänge zu sehen und zu verstehen. Geschichte zählte nie zu meinen Lieblingsfächern in der Schule. Mittlerweile bin ich in einem Alter, in dem ich selbst schon Geschichte erlebt habe und deshalb verstehe ich manche Zusammenhänge besser als früher. Besser spät als nie! Ich versuche mal wieder eine verständliche Kurzversion von hunderten von Jahren zu schreiben:

Griechen, Kelten, Iberer und Römer versuchten sich die Halbinsel zu Eigen zu machen. Eine Zeitlang hatten die Römer die Oberhand, dann wieder die Westgoten und danach auch muslimische Heere. Danach waren die Mauren an der Macht und danach gewannen die Christen. Wenn man das so Revue passieren lässt, kann man sich vorstellen, dass jede Kultur Spuren hinterlassen hat.

1492 entdeckte Kolumbus Amerika. Zu dieser Zeit wollte man aus Spanien heraus ein einheitliches katholisches Reich bilden. Das Land war auch hundert Jahre später noch in Kriege mit Frankreich, den Niederlanden, England und auch dem Reich der Osmanen verwickelt.

Um 1700 wütete ein Krieg in weiten Teilen Westeuropas. Napoleon eroberte Spanien und setzte seinen Bruder als König ein. Aus dem Untergrund wurde dies bekämpft. Napoleon verlor und Ferdinand VII. wurde als König von Spanien eingesetzt. Seine Tochter Isabella II. folgte ihm auf den Thron.

Nach der Revolution von 1868 entstand die spanische Republik. Die Unruhen blieben und die Kämpfe zwischen den katalonischen Anarchisten und der republikanischen Regierung führten 1936 bis 1939 zu einem Bürgerkrieg. Die Nationalisten unter Franco setzten sich durch.

Aus dem zweiten Weltkrieg hielten sich die Spanier heraus. Durch die Diktatur geriet das Land allerdings in eine politische und wirtschaftliche Isolation. Nachdem 1975 Franco verstarb konnte sich einiges verändern. Es entstand eine Monarchie unter Juan Carlos I., der dafür sorgte, dass es keine Diktatur mehr gab. Unter Ministerpräsidenten Adolfo Suarez wurden die nötigen Reformen eingeführt, die letztendlich zur Einführung einer Demokratie führten. Seit 1985 ist Spanien Mitglied der NATO und gehört seit 1986 zur Europäischen Gemeinschaft. Juan Carlos I. dankte im Jahr 2014 ab und sein Sohn Felipe VI. wurde Nachfolger.

Puh, das ist geballte Geschichte, die noch vieles mehr beinhaltet, ich weiß. Das würde den Rahmen dieses Reiseblogs allerdings sprengen. Wieviel Leid und Elend mag es gegeben haben – unfassbar! Wenn ich heute auf so manche Nachricht aus Spanien achte, dann verstehe ich mehr und hoffe, dass dieses von Kriegen gebeutelte Land Frieden behalten kann.

… so fährt man durch die Lande und merkt gar nicht, wie viele Kilometer man schon geschafft hat *lach.

Ein erstes Ziel an diesem fünften Tag war der Wasserfall Fervenza do Ezaro. Der Rio Xallas fällt ca. 30 Meter tief in den Atlantik in einer atemberaubend schönen Gegend. Über einen langen Holzsteg kann man ziemlich dicht an den Wasserfall kommen und wir konnten tolle Fotos machen. Die Realität kann ein Foto allerdings leider nicht einfangen. Der Wasserfall dient auch der Stromversorgung der Region.

Ans Ende der Welt wollte ich immer schon mal – ohne zu wissen, wo das war *lach. Kap Finisterre ist die Lösung. Es liegt etwa 60 km westlich von Santiago de Compostela. Pilger, für die Santiago de Compostela noch nicht das Endziel bedeutet, gehen bis hier her. Hier befindet sich der Nullpunkt des Pilgerweges.

Über viele Jahrhunderte glaubte man, dass hier die Welt endet und sich dahinter nur Abgrund und Wasser befindet. Der Ort wird auch „Tor zum Jenseits“ genannt und ich fand, er hat wirklich etwas Mystisches. Der steile Abhang, das wilde Meer lassen einen verstehen, warum diese Küste auch Todesküste genannt wird.

Hier werden auch Entenmuscheln geerntet. Eine höchst riskante Arbeit. Ein Kilogramm der Muscheln kostet etwa 200 €. Ich sah mal eine Dokumentation über die Ernte und mein Respekt wächst mit den Eindrücken vor Ort.

Der Öltanker „Prestige“ verunglückte 2002 vor dieser Küste und 64.000 Tonnen Schweröl flossen ins Meer. Man las davon in den Zeitungen…

Auf dem Weg nach A Coruna erfuhren wir wieder einige Vergleiche zwischen Spanien und Portugal. So dauert z. B. die Schulpflicht in Portugal 12 Jahre, von 6 bis 18 Jahren. In Spanien dauert sie nur 10 Jahre, von 6 bis 16 Jahre. In beiden Ländern ist es üblich, die Kinder ab 3 Jahren in einen Vorschule zu schicken. In Portugal lernen die Kleinen ab der 3. Klasse bereits Englisch. In Spanien lernen sie ab 6. Jahren die Sprache der Region in dem sie wohnen, also galizisch, baskisch etc. Englisch ist als Fremdsprache ebenfalls in der Grundschule angesagt.

Picasso lebte in jungen Jahren in A Coruna und erlebte viele prägende Momente in dieser Stadt. Auch seine Liebe zur Kunst hat hier ihre Wurzeln.

Der Künstler Salvadore Dali wollte übrigens Mitte der Siebziger mit John Lennon und 100 Hippies den Jakobsweg gehen und daraus einer Art Happening machen. Leider kam es nicht mehr dazu. Seine Schwester ist den Weg in seinem Gedenken gegangen.

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A Coruna Ist eine Hafenstadt auf einer Landzunge im Nordwesten Spaniens. Viele Häuser haben vorgebaute Glasbalkone, sog. Galerias. Das gibt der Stadt einen besonderen Charme und auch den Beinamen „Stadt aus Glas“. In A Coruna leben ca. 21.000 Studenten. Sie haben die Möglichkeit unter 20 verschiedenen Studienzweigen zu wählen. Bevorzugt wird Architektur gelehrt. Kein Wunder, wenn man sich die prächtigen Bauten der Stadt anschaut. Die mittelalterliche Altstadt ist ansprechend und wir freuten uns über freie Zeit. Den kleinen Hunger zwischendurch zu stillen war nicht einfach, da wir außerhalb der Mittagszeit waren und es noch früh im Jahr waren. Wir fanden mit Heinz und Brigitte eine nette Pizzeria und ließen uns die italienische Spezialität in Spanien schmecken.

Zur verabredeten Zeit fanden wir uns wieder am Bus ein, bis auf 2 Personen. Wir warteten und warteten – ca. 20 Minuten lang, dann kamen die Beiden ziemlich aufgelöst mit einem Taxi und entschuldigten sich sehr: sie hatten sich verlaufen…

Mir hat es wieder gezeigt, dass es durchaus Sinn macht, sich gleich am ersten Tag einer solchen Rundreise die Kontaktdaten, die immer bekannt gegeben werden, ins Handy zu speichern oder mitzunehmen. Wir hatten sie auch nicht dabei…. Buh-Rufe im Bus fand ich mehr als unpassend.

Eine kurze Fahrt führte uns zum Herkulesturm, einem römischen Leuchtturm mit Panoramablick auf die Küste in einer schönen, großzügigen Parkanlage. Wir sollten 1 Stunde Zeit bekommen, um uns auf eigene Faust umsehen zu können.

DER notorische Motzer im Bus (er wusste wirklich zu fast allem etwas – Negatives natürlich) beschwerte sich, was wir denn eine Stunde lang dort machen sollten… Gottseidank reagierte Raquel sehr souverän und ließ abstimmen. Alle anderen Mitreisenden wollten gerne diese eine Stunde haben und im Nachgang kann ich sagen, 2 Stunden hätten wir auch sehr gut dort verbringen können!!!

Im Park war ein Skulpturenpark angelegt und wir hätten durchrasen müssen, um einen Eindruck zu bekommen. So konzentrierten wir uns auf die herrliche Aussicht und den Turm. Er gilt als ältestes aktives Sichtzeichen der Seeschifffahrt und ist seit 2009 UNESCO-Welterbe.

Wie wir es schon öfter mitbekamen, ranken viele Geschichten um solche Orte. Eine davon ist, dass der Legende nach der Turm auf einem Felsen entstand auf dem Herkules und der Riese Geryon drei Tage und drei Nächte gekämpft haben sollen. Herkules gewann und aus Dankbarkeit wurde der Leuchtturm auf den Felsen gebaut.

Müde und voll von Eindrücken gingen wir gleich nach dem Abendessen schlafen. So viele Eindrücke müssen verdaut werden. Ich könnte unmöglich am Ende eines solchen Tages Reise-Blog schreiben. Ein paar Notizen und Fotos genügen allerdings, um zu Hause die Emotionen und Eindrücke wieder zu wecken und aufzuschreiben.

Am sechsten Tag packten wir morgens unsere Koffer und die Reise ging wieder Richtung Portugal.

Ein ganz besonderes Schmankerl war ein Stopp in Combarro. Ein super idyllisches kleines Dorf mit 1.600 Einwohnern, direkt am Meer. Wir schlenderten mit unserm Knopf im Ohr hindurch und lauschten den Erklärungen von Raquel. Kleine wunderschöne Gassen, Lokale direkt am Wasser und eine sehr entspannte Stimmung zogen uns ganz in ihren Bann.

Eine Besonderheit in diesem Landstrich sind die Getreidespeicher. Kleine Häuser stehen auf Stelzen und es werden heute noch Vorräte darin aufbewahrt. Der Aufbau der Häuser ist so gut durchdacht, dass keine Mäuse oder sonstiges Ungeziefer hinein kommen können, gute Durchlüftung dafür sorgt, dass nichts schlecht wird oder schimmelt und dazu sieht es wirklich sehr apart aus.

Wir freuten uns über die Informationen und darüber, dass uns Raquel auch auf Details aufmerksam machte. Als wir wieder im Bus waren, schaute ich sofort in meiner Wohnmobil-Stellplatz-App nach, ob es hier eine Möglichkeit zur Übernachtung gibt: es gibt *lach. Wenn uns einmal der Weg mit dem Wohnmobil in diese Gegend führt, will ich auf alle Fälle hier einige Zeit verbringen!!

Der Motzer fiel mir wieder unangenehm auf. Der Satz: „Wer glaubt denn sowas“, wenn man etwas erklärt bekommt was man nicht kennt, macht mich sprachlos. Solche Leute sollten nicht in Gruppenreisen unterwegs sein. Gottseidank saß er im Bus nicht so nah bei uns, dass ich alle dämlichen Kommentare hören musste *lach

Weiter ging die Fahrt Richtung Portugal. Schon auf dem Hinweg hörten wir einiges über die beiden Städte Tui (auf spanischer Seite) und Valenca (auf portugiesischer Seite) am Grenzfluss Minho. Zwei Brücken verbinden die beiden Städte: die Autobahnbrücke und eine 318 Meter lange Gitterträgerbrücke. Sie wurde 1885 erbaut und dient bis heute dem Straßen- und dem Eisenbahnverkehr.

Wir machten einen Halt in Valenca und staunten über die wunderschöne Altstadt, die unter Denkmalschutz steht. Der gesamte Ort ist von einer Festungsmauer umgeben. Wir hatten von dort einen herrlichen Blick zurück nach Galicien. Viele Spanier kommen nach Valenca zum Einkaufen, weil es preisgünstiger ist. Entsprechend sind die Souvenirläden ausgestattet. Wir hatten ausreichend Zeit, das Städtlein zu erkunden und sogar, einen portugiesischen Expresso in der Sonne zu genießen.

Beide Busse hatten eine ähnliche Abfahrtszeit ausgemacht und die Parksituation für Busse war auf diesem öffentlichen Parkplatz etwas schwierig. Deshalb war Pünktlichkeit angesagt, was auch gut klappte. Wenn natürlich ca. 100 Personen in 2 Busse einsteigen wollen, dauert das eine Weile.

Es näherte sich ein kleines Auto und fuhr langsam aber ständig auf unsere Gruppe zu. Der Ruf „Auto kommt“ ließ uns wohl zusammen rücken, aber irgendwann ging nicht mehr. Ich sah wie in Zeitlupe, wie der vordere Autoreifen auf die Sohlen (also hinten auf die Sohlen) von Karin´s Schuhen fuhr. Sie merkte, dass ihr das Auto zu nahe kam, wollte ausweichen, konnte aber die Füße nicht weg bewegen, da das Auto auf den Sohlen stand. Karin verlor den Halt, wollte sich instinktiv an jemandem festhalten, diese Frau stürzte mit ihr zu Boden und schubste noch eine Weitere mit. Puh, was für eine Aufregung.

Ich will den Spannungsbogen nicht weiter ausdehnen: es ist gottseidank nichts wirklich Schlimmes passiert. Was uns allen sehr leid tat war, dass die Letzte die umgeschubst wurde ausgerechnet eine unserer ältesten Mitreisenden war, die sich tapfer mit Gehwägelchen und Stöcken (je nach Bedarf) auf allen schwierigen Pfaden geschlagen hatte. Sie hatte eine Platzwunde am Kopf und war ziemlich unter Schock. Unter Schock standen die beiden anderen und die „Zuschauer“ ebenfalls. Die beiden Busfahrer und Reiseleiterinnen kümmerten sich hervorragend um alles. Unser Bus fuhr weiter, denn die Beteiligten waren aus dem anderen Bus. Es kamen noch Polizei und Krankenwagen, aber alle konnten die Reise fortsetzen.

Auf dem Weg nach Braga, was als nächstes Ziel für diesen Tag vorgesehen war, erzählte uns Raquel einiges über Religionen. Der Spruch: „In Braga betet man, in Coimbra studiert man, in Porto arbeitet man und in Lissabon amüsiert man sich“, sagt einiges über die „Qualität“ dieser Orte aus.

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Braga, eine weitläufige und quirlige Stadt

Man hat in Portugal für jede Lebenssituation, jedes Problem einen Heiligen: gegen Augenprobleme Luzia, gegen Bauchschmerzen Anna, gegen Kopfschmerzen Stefan, wenn die jungen Damen einen Traummann suchen Anthonius, wenn ältere Damen einen Traummann suchen Gonzalo, auf Reisen Ulrich von Augsburg, gegen Schlaflosigkeit Hubertus von Lüttich, und so weiter. Hier kann man für und gegen fast Alles einen passenden Heiligen finden.

Um das zu verstehen, muss man in die Geschichte von Staat und Kirche in Portugal einsteigen. Etwa 80 % der Portugiesen gehören dem römisch-katholischen Glauben an und ca. 14 % keiner Kirche. Wallfahrtsorte und die Schutzheiligen spielen eine wichtige Rolle im alltäglichen Leben. Bis ins Jahr 1911 waren Staat und Kirche eine Institution und schrieben die Art, wie Religion zu leben war, vor. Erst im Jahr 2001 wurde die Religionsfreiheit in der Verfassung verankert.

Die Zahlen in Spanien sind ähnlich wie in Portugal, mit 60 % Katholiken. Die Trennung von Staat und Kirche und die Einführung der Religionsfreiheit waren dort bereits im Jahr 1978.

Wenn ein großer Teil der Bevölkerung diese Religiosität lebt, dann fällt es dem Einzelnen bestimmt leichter, „mit dem Strom zu schwimmen“. Ich höre manchmal die Frage, warum sich fremde Religionen bei uns so breit machen können und stelle gerne die Gegenfrage, warum wir nicht unserer Christentum öffentlicher leben und bekennen…

Zurück zur Stadt Braga (ca. 190.000 Einwohner), eines der wichtigsten religiösen Zentren Portugals mit herausragenden religiösen Festen. Die Osterprozession, die nachts stattfindet, ist weit über die Grenzen hinaus bekannt. Die interessante Mischung aus Antik und Modern zieht einen rasch in den Bann. Seit 2017 hat Braga die UNESCO-Auszeichnung City of Media Arts. Über 30 Kirchen befinden sich in der Stadt. Die älteste Kathedrale Portugals, die Se de Braga und die bedeutende Wallfahrtskirche Bom Jesus do Monte möchte ich an dieser Stelle nennen.

Bekannt ist Braga unter anderem für seine filigrane Handarbeiten und den filigranen Schmuck. Auch dazu gibt es viele Geschichten. So tragen neugeborene Mädchen ab dem 4. Tag bereits Ohrringe und bekommen diese in aller Regel von der Patin. Witwen tragen tropfenförmige Ohrringe. In vielen Schaufenstern kann man die Kunst bewundern. Die Handwerkskunst der Glockengießerei ist ebenfalls in Braga zu Hause. Die Glocke von Notre Dame in Paris z. B. wurde hier gegossen.

Ein typisches Gebäck in Braga ist die Tibia de Braga und wir konnten diese Spezialität probieren. Ich vermute, dass es ein Brandteig, der mit Pudding gefüllt ist, war. Lecker war´s!!

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Mit der ältesten funktionstüchtigen Wasserballastbahn der Welt fuhren wir hinauf zur Wallfahrtskirche Bom Jesus do Monte. Einer unserer Mitreisenden hatte aufgrund Höhenangst Bedenken sich in die Bahn zu setzen. Raquel nahm sich seiner an und er fand es nach den 3 Minuten Fahrt dann gar nicht so schlimm wie befürchtet. Die Geräusche der Bahn konnten einem auch ohne Höhenangst Bange machen *lach. Übrigens hat ein Schüler von Herrn Eifel, dem Erbauer des Eifelturmes, diese Bahn im Jahr 1882 gebaut.

Über 116 Meter Höhenunterschied führen barocke Monumentaltreppen mit 581 Stufen hinauf zu diesem Wallfahrtsort. Eine sehr gepflegte Parkanlage und die beeindruckende Kirche ließen uns staunen und genießen. Bereits im 17. Jahrhundert wurde die Kirche errichtet und unter den verschiedenen Bischöfen und Herrschern erweitert und ausgebaut. Man hat einen herrlichen Blick über Braga. Wen wundert es, dass wir schon wieder einmal mitten in einem UNESCO-Kulturerbe standen.

Dieser Tag war wieder einmal prall gefüllt mit Erlebnissen, Eindrücken und Informationen. Redlich müde ließen wir den Abend ausklingen.

Der siebte Tag begann etwas früher, denn wir hatten einige Kilometer im Bus vor uns. Schon ab 6.30 Uhr gab es Frühstück und um 7.45 Uhr war Abfahrt mit dem Bus in Richtung Dourotal.

Der weltweit berühmte Portwein wird im Dourotal produziert. Schon im Jahr 1703 gab es einen Vertrag zwischen Portugal und England, in dem festgelegt wurde, dass Textilien gegen Portwein getauscht wurde.

Ein paar Jahre später, in 1756 veranlasste die Regierung die strenge Abgrenzung des Portweingebietes mit Namen Alto Douro. Wenn ich es richtig verstanden habe, darf nur Wein mit Trauben aus diesem Gebiet sich Portwein nennen. Es gibt roten und weißen Portwein und viele verschiedene Qualitätsstufen. Mehr zu dem Thema habe ich bereits letztes Jahr beschrieben und ist hier zu finden.

Als besondere und aktuelle Leckerei hat uns Raquel auf ein Getränk namens „Port Tonic“ hingewiesen: weißer Portwein mit Tonic und Minze. Leider habe ich es irgendwie nie probiert – ein Grund, dort nochmal hin zu fahren.

Der Douro entspringt in der spanischen Provinz Soria und mündet nach etwa 897 Kilometern bei Porto in den Atlantik. Viele Schleusen ermöglichen auf dem portugiesischen Teil des Douro auf ca. 213 km Länge die Schifffahrt. In Spanien gibt es keine Schleusen. Auf 112 km Länge bildet er die natürliche Grenze zwischen den beiden Ländern.

Der Nordosten Portugals ist dünn besiedelt mit 46 Einwohnern pro qkm. 9 Monate im Jahr sind Winter und 3 Monate im Jahr ist es super heiß mit 40 Grad. Die typische Lebensart sind solidarische Gemeinschaften. So hat z. B. einer einen großen Backofen und die anderen nutzen den mit. Jeder macht etwas für jeden mit allen Rechten und Pflichten. In solch karger Landschaft macht das Sinn.

Für kleine Winzer wird es wirtschaftlich schwierig zu überleben. Sie bekommen ca. 25 ct. pro Kilo Trauben für die Produktion von tafelwein und 1,20 € für die Produktion von Portwein. Davon können sie nicht leben. Deshalb verkaufen viele kleine Winzer ihre Weinberge und so entsteht Stück für Stück ein Monopol i. S. Portwein. Das Problem Erntehelfer zu finden kennen wir in Deutschland auch. Hier in Portugal helfen Menschen aus aller Welt bei der Traubenlese mit.

Die Douro-Boys sind ein Zusammenschluss von Winzern, die sich miteinander organisieren, in neue Technologien investieren und auf Messen die Vermarktung optimieren. Die Douro-Kids ist schon die nächste Generation, die diese aufgeschlossenen Wege beschreitet.

Übrigens trinkt man in Portugal 56 Liter Wein/Kopf und Jahr. Das kam mir ziemlich viel vor, bis ich es ausgerechnet hatte … 153 ml/Tag würde sogar ich schaffen *lach.

Im Dourotal dürfen die Weinberge normalerweise nicht bewässert werden. Nur wenn die Temperaturen zu hoch liegen darf mit Genehmigung eines Prüfinstitutes eine Ausnahme gemacht werden. Der Grund liegt nicht, wie ich annahm am Wassermangel, nein: wenn die Trauben gegossen werden, werden sie nicht so süß. Diese Süße ist für den Portwein sehr wichtig.

Sehr imposant anzusehen sind die Steilhänge, an denen der Wein angebaut wird. Oft sind die Hänge durch Mauern gestützt. An vielen Stellen sieht man Schilder, auf denen „Quinta“ steht. Quinta heißt Weingut.

Im Dourotal wachsen nicht nur Trauben, sondern auch Oliven, Kork, Mispel, Mandeln, Zitronen, Rosmarin usw.

Durch landschaftlich sehr interessante Gegenden führte uns der Weg nach Pinhao, von wo aus unsere zweistündige Schifffahrt auf dem Douro startete. Es war schon sehr beeindruckend diese herrliche Landschaft zu genießen. Das Wetter war schön und wir bekamen eine Kostprobe des leckeren Portweines. Ich kann von mir sagen, dass ich rundherum zufrieden war. *lach

Zum Mittagessen fuhren wir nach Favaios auf die Quinta Da Avessada. Dieses Weingut ist auf viel Besuch mit vielen Bussen eingestellt. Trotzdem hatte ich nicht das Gefühl als Massentourist abgefertigt zu werden. Alles war super und liebevoll organisiert.

Die Quinta liegt etwa 600 Meter über dem Meeresspiegel und dort wird der Muskatellerwein angebaut. Wir wurden mit Akkordeon-Musik begrüßt, vermutlich um uns gleich ein wenig in Stimmung zu versetzen. Ein Gläschen Muskatellerwein tat das Seine für die gute Stimmung. Das Essen war traditionelle Kost und jeder Gang wurde mit einer netten Geschichte im Vorfeld angekündigt. Mir hat es geschmeckt und gefallen. Den liebevoll gestalteten Garten konnten wir nach dem Essen noch eine Weile genießen bevor wir gegen 16 Uhr die Fahrt ins Hotel antraten.

Raquel brachte uns wieder ein paar Geschichten nahe, der volle Bauch und der Alkohol ließen den Großteil der Businsassen allerdings in einen Döse-Zustand verfallen. Mit einem freundlichen „Kuckuck liebe Gäste“ weckte sie uns sanft kurz vor dem Hotel wieder auf.

Der achte Tag war der Abreisetag. Unser Transfer zum Flughafen war für 13 Uhr angesetzt und so hatten wir ausreichend Zeit, gemütlich zu frühstücken und früher Abreisenden nachzuwinken. Ein letzter portugiesischer Expresso in einem typisch portugiesischen Café und ein kleiner Spaziergang am Strand machten diesen Tag rund.

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Wir lernten auf dieser Reise wieder super nette Menschen kennen und nehmen viele beeindruckende Bilder und Geschichten mit. Ein Dank an Raquel, die ihre Begeisterung für Geschichte und die Liebe zu ihrem Land sehr ansprechend vermittelte. … und für´s Korrektur lesen ein Extradank!!

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2023.04._Toscana im Frühling

Bevor ich unsere Toskana-Erlebnisse erzähle frage ich in die Runde: sind die Berichte zu lang? Mir wurde empfohlen, jeden Tag in eine neue Mail zu packen. Meine Idee ist, dass man den Bericht in mehreren Etappen lesen kann. Was meint ihr? Gebt gerne ein Statement in den Kommentaren ab oder auch persönlich an mich. – Danke!!

Der Plan war, in einem freien Zeitfenster von 4 Wochen die Toskana zu bereisen. Leider raubte uns eine hartnäckige Erkältung eine halbe Woche und wir konnten erst ein paar Tage später als geplant starten. Manchmal muss man halt vernünftig sein.

Das Wetter war zu Hause nass und viel zu kalt für Mitte April (10 Grad) und die Vorstellung auf angenehme Temperaturen in der Toskana fiel mir schwer. Diese Vorstellung sollte man beim Packen des Wohnmobils aber schon haben…

Sehr wichtig war mir, dass wir noch in Deutschland eine neue, zweite Gasflasche kauften, damit wir genügend Gas zum Heizen hatten. Kurze Hosen und T-Shirts packte ich natürlich auch ein, aber – so weit will ich schon einen Vorausblick geben: viel zu wenige. Pullis und Jacken blieben ab Tag 2 in den unteren Regionen der Kleiderbox und die zweite Gasflasche hätten wir auch nicht gebraucht *lach.

Den ersten Stopp machten wir noch in Deutschland in Efringen-Kirchen auf dem Stellplatz Gutenau. Man kann dort ruhig stehen, hat Ver- und Entsorgungsmöglichkeit und wird von einer WebCam bewacht. Was will man mehr? Für den zweiten Tag war die Fahrt durch die Schweiz gen Italien geplant. Den Rat lieber Menschen gebe ich an dieser Stelle gerne weiter: in der Schweiz (und auch schon davor), sollte man im Handy das Roaming ausschalten. Die Schweiz gehört nicht zur EU und somit können Telefongebühren anfallen. Die schweizer Netze sind ziemlich stark und schon einige Kilometer vor und nach der Grenze sind die Handys mit Netzen der Eidgenossen verbunden. Da wir mit Google-Maps navigieren, machte es in der Vorbereitung Sinn, die geplante Route herunterzuladen.

Die Fahrt war entspannt und wir bewunderten die imposante Landschaft. Interessant fanden wir unter anderem, dass an ganz normalen Parkplätzen an der Autobahn Ladestationen für E-Autos eingerichtet waren.  

Kurz vor dem Gotthardt-Tunnel machten wir eine ausgiebige Pause und stellten uns dann in den – nicht angekündigten – Stau. Im Radio vernahmen wir später: 1,5 Stunden Stau vor dem Gotthardt-Tunnel. Gut dass wir unserer Intuition und dem Blasendruck nachgegeben hatten – so war der Stau zwar lästig, aber nicht wirklich schlimm. Die fast 17 km Fahrt durch den Tunnel lehrten mich: ich kann 15 Minuten die Luft anhalten *lach. Es geht einspurig mit Gegenverkehr durch den Tunnel. Wir waren froh, endlich wieder Tageslicht zu sehen. Es wird an einer zweiten Röhre durch die Berge gebaut und wenn diese fertig ist und der Gegenverkehr im Tunnel weg fällt, ist die Fahrt bestimmt wesentlich angenehmer. Laut Internetrecherche soll dies 2029 sein.

Unser Ziel für diesem zweiten Tag war ein Stellplatz in Como in Italien. Der Stellplatz liegt relativ nahe an der Grenze und es hatten offensichtlich noch einige Wohnmobilisten die gleiche Idee wie wir: nach der Schweiz, ganz oben auf der Landkarte, in Italien zu übernachten. Der Stellplatz war voll besetzt, aber davor konnten wir noch ein Plätzchen ergattern. Die Stadt Como kennt wohl die Thematik und duldet die Übernachtungsgäste wurde uns erzählt. Gleich nach der Ankunft war Kleiderwechsel angesagt, denn bei sonnigen 20 Grad abends um 17 Uhr waren die mollig warmen Pullover definitiv out. Irgendwie kamen wir uns vor wie Träumer. Die vielen Eindrücke der Schweizer Bergwelt wirkten noch in uns nach und auf einem kleinen Spaziergang an den Comer See genossen wir bereits mediterranes Flair.

Comer See

Der dritte Tag führte uns durch die Poebene nach Parma. Ein schöner Stellplatz mit allem was wir brauchten war vor Ort. Sogar ein Supermarkt lag gleich nebenan und wir füllten unsere Vorräte auf. Mir gefällt es, zu schauen was man woanders einkauft und isst. Deshalb kann ich viel Zeit in Supermärkten zubringen *lach. Die Übersetzer-App im Handy leistete uns wertvolle Hilfe, wenn wir ratlos vor manchen Leckereien standen. Jede Menge Fisch und allerlei Meeresgetier taten es mir besonders an. Da erst andere Lebensmittel verarbeitet werden sollten, verschoben wir den Einkauf auf später…. Ein Fehler, wie sich „später“ herausstellte, denn so eine tolle Angebotspalette in Sachen frischer Fisch fanden wir auf unserer Reise leider nicht mehr. Lehre: gleich zugreifen, wenn etwas beeindruckt!

Mit den Rädern fuhren wir in die Innenstadt von Parma. Von der Piazza Garibaldi aus erkundeten wir die Straßen und Gassen zu Fuß. Viele Geschäfte mit eleganter Herrenmode und extravaganter Damenmode fielen uns auf. In den Gassen erfreuten kreative Hingucker unseren Blick. Bars, Cafés und Restaurants luden zum Ausruhen ein. Das Geschäft, an dem ich nicht vorbei kam, war ein Spezialitätenladen mit Parmaschinken. Ich musste natürlich eine Kostprobe kaufen. Ein Espresso am Tresen einer Bar war für Helmut das Highlight.

Parma Musikgasse

Was man alles in Parma sehen und besichtigen könnte, sahen wir nicht. Dafür müsste man eine Städtetour buchen – diesen Plan hatten wir auf dieser Tour allerdings nicht. Glücklich und zufrieden verspeisten wir abends am Wohnmobil die gekauften Köstlichkeiten und freuten uns auf den nächsten Tag.

Der vierte Tag begann mit einem Schreck, denn Helmut touchierte beim Ausparken ganz leicht das hinter uns stehende Wohnmobil. Die Frau des Besitzers war gerade im Bad, stürzte leicht und hatte sich natürlich sehr erschrocken. Wir tauschten die Adressen aus und hofften, dass kein körperlicher Spätschaden auftrat (nach Monaten zu Hause denken wir, dass alles gut ausgegangen ist!). Blechschaden war keiner. Die Mitwohnmobilisten waren sehr nett und nahmen unsere Entschuldigung an.

Mann, Mann, Mann: eine klitzekleine Unaufmerksamkeit und schon gab es einen Grund, der den Puls ziemlich hochtrieb…

Hellwach und konzentriert machten wir uns auf den Weg nach Pisa. Wir überquerten Flüsse, die sehr ausgetrocknet waren. Wir lasen schon zu Hause von der anhaltenden Trockenheit in Italien. Das in live zu sehen war schon beeindruckend. Es sprengte unsere Vorstellungsgabe, wie es mit normalem Wasserstand aussehen könnte. Waren die Flüsse dann ganz voll? Sind sie sowieso immer im Sommer ziemlich trocken… viele Fragen und keine Antworten…

Die Landschaften links und rechts der Autobahn waren sehr abwechslungsreich: weite Landschaften die sehr dünn besiedelt sind, Berge mit und ohne Häuser, Burgen auf Berghöhen, kleine Orte, die wie in die Bergwelt geklebt wirkten. Wir stellten uns das Leben in diesen Regionen recht einsam und auch anstrengend vor. Alleine zum Einkaufen müsste man ziemlich weit fahren.

Schon von weitem sah man das Marmorgebirge mit knapp 1900 Metern Höhe. Dort wird der weltberühmte weiße Carrara-Marmor abgebaut. Da unser Ziel die Toskana war, ließen wir diese bestimmt auch sehr interessante Region auf der Autobahn an uns vorbeirauschen. Wir konnten Blicke auf riesige Blöcke des weißen Marmors erhaschen, der dort gelagert wurde.

Einen kleinen Absatz möchte ich den Mautstationen widmen. Wir hatten uns eingelesen, dass wir auf den gelb markierten Spuren nicht fahren durften, weil wir keine Mautbox hatten. Wenn man auf die erlaubten Schranken zu fährt, beginnt sofort eine weibliche Stimme – auf Italienisch – logisch! – ohne Punkt und Komma zu reden. Das macht einen nervös. Die Nervosität steigt, wenn man merkt: der untere Terminal ist zu nieder, da für PKWs und der obere Terminal ist zu hoch, da für LKWs. Die Türe geht nicht auf, weil man dicht dran fahren musste. Helmut hing also so halb aus dem Seitenfenster und suchte eine Möglichkeit mit der EC-Karte zu bezahlen. Ich „half“ ihm vom Beifahrersitz aus mit klugen Ratschlägen. Um die italienische Dauerrednerin zu übertönen, mussten wir uns auch laut unterhalten. Zu guter Letzt bezahlten wir mit Bargeld und waren nur froh, als sich diese Schranke öffnete… puh, das kostete jedes Mal richtig Nerven. Da will man wirklich alles richtig machen und blickt es nicht…. Meistens mussten wir nach ein paar Kilometern herzhaft über unseren Stress lachen. Wir sind halt doch Landeier *lach.

Mautstation
… wenn ich das Foto sehe, steigt schon mein Puls *lach

In Pisa fanden wir einen Stellplatz, der zweckmäßig war, das heißt, alles war da, was Camper brauchen. Wir fühlten uns sicher, konnten ruhig schlafen und der Weg zu den Sehenswürdigkeiten war kurz. Diesen Weg legten wir mit den Rädern zurück.

Fahrradfahren in Italien machte uns übrigens keinen Spaß. In Italien fährt man anders Auto als in Deutschland. Als Radler fühlten wir uns nicht wirklich sicher. Radwege gab es ab und zu, aber diese endeten irgendwo und man musste auf der Straße weiter fahren. Vielleicht bin ich einfach schon zu alt, um mich auf dieses Abenteuer einzulassen *lach.

Wirklich lustig war der Besuch des Schiefen Turmes. Um die Piazza dei Miracoli (Platz der Wunder) zu erreichen, passierten wir einen Straßenzug, auf dem sich Händler mit ihren Ständen platzierten und unglaublich viele Menschen an den Ständen vorbei drängten – um etwas zu kaufen, etwas zu essen oder einfach um die Piazza zu erreichen. Man bedenke, es war der 19. April – wie ist es dort im Sommer und zur Ferienzeit????

Als wir die Piazza dei Miracoli (mir gefällt dieser Name – weckt kulinarische Erinnerungen an früher *lach) erreichten, staunten wir über Menschen aus aller Herren Länder, die sonderbare Verrenkungen machten. Eine Probe fürs Theater? – Nein, alle wollten ihren ganz speziellen Schnappschuss mit dem berühmten Turm, dem Schiefen, machen. Wir natürlich auch, das ist doch klar. Irgendwann waren wir es müde und fanden ein Plätzchen auf einer Treppe und ließen dieses Treiben auf uns wirken. Viele Menschen legten einen unglaublichen Ehrgeiz an den Tag, um eine ausgefallene Pose vor und mit dem Turm zu fotografieren. Es lagen wirklich Omas auf der Straße und brauchten Hilfe zum Aufstehen – aber ein tolles Foto hatten sie – das zu beobachten war besser als jeder Film im TV: life ist live *lach.

In den Gassen Pisa´s war das Leben etwas beschaulicher. Wir bummelten an Cafés, Restaurants und vielen kleinen Läden vorbei und ließen später am Wohnmobil die Eindrücke Revue passieren.

Piazza mit Hinterhofatmosphaere

Am fünften Tag erwachte ich mit einer kräftigen Erkältung. Trotzdem machten wir uns auf den Weg nach Lucca. Der Stellplatz dort war ein großer Parkplatz, hatte aber alles, was wir brauchten. Gleich um die Ecke waren ein kleiner Bäcker und ein Metzger, der auch Gemüse aus der Region verkaufte.

Der Bäckerladen war wirklich klein: es konnte nur ein Kunde mit Begleitung in den Verkaufsraum. So warteten wir geduldig vor der Türe, bis wir dran kamen. Es gefiel uns, wie sich die Leute begrüßten. Helmut und ich unterhielten uns über den schönen Klang der italienischen Sprache und kamen so mit einer italienischen Frau ins „Gespräch“ – also sie auf Italienisch und wir auf Deutsch über die Musik der Sprache. Wenn man „Bon Giorno“ und „Guten Tag“ gegenüber stellt, kann man es sehr gut erkennen *lach.

Ein Gewitter am frühen Nachmittag kam mir gerade recht, denn ich konnte mich ausruhen und meine Erkältung pflegen. Gegen später schauten wir uns das Städtlein an. Auf uns wirkte es ein wenig duster, da die Häuser ziemlich hoch und die Gassen mit ihrem Kopfsteinpflaster ziemlich eng waren.

Die Piazza dell´ Anfiteatro war sehenswert. Die Römer erbauten hier ein Amphitheater und bis heute ist es in seiner historischen, ovalen Form erhalten. Auch das bekannteste Wahrzeichen von Lucca besuchten wir und beradelten es ein Stück: die gut erhaltene Stadtmauer, die das historische Stadtzentrum umgibt. Breite Wege auf den Festungswällen aus dem 16. und 17. Jahrhundert werden heute zum Spazierengehen, Radfahren, Joggen genutzt. Viele Bäume spendeten Schatten und man konnte das bunte Treiben auf einer Parkbank sitzend auf sich wirken lassen.

Früh schlafen gehen, war an diesem Abend mein Wunsch und es lohnte sich, denn am sechsten Tag war mein Befinden schon wieder wesentlich besser als am Vortag.

Auf der Landkarte hatten wir einen kleinen Ort mit Namen San Miniato gefunden. Einen Stellplatz sollte es dort auch geben und da es nicht so weit von Lucca entfernt war, nahmen wir uns das als nächstes Ziel vor. Herrliche Landschaften begleiteten uns und schon von weitem sahen wir auf einem Hügel wie gemalt das schöne San Miniato. Leider konnten wir den Stellplatz nicht finden. Auch Fragen an Einheimische halfen uns nicht weiter. Eine große Herausforderung war, dass die Straßen zu Sträßchen wurden und vermutlich irgendwann zu Gassen und Gässchen. Helmut weigerte sich an einem bestimmten Punkt weiter zu fahren. Mit viel Geschick konnte er das Wohnmobil wenden. Das war auf diesem engen Raum wirklich eine Herausforderung. Auf die Schnelle musste ein neues Ziel her, denn Plan B hatten wir nicht.

In der Stellplatz App fand ich einen Ort mit Namen Montaione. Der Weg dorthin führte über kleine Nebenstraßen. Das klingt jetzt vielleicht nicht besonders interessant, aber mit dem großen Wagen und den wirklich engen Straßen war es schon sehr besonders. Landschaftlich war es ein Traum, so abseits der touristischen Pfade unterwegs zu sein.

In Montaione fanden wir den Stellplatz sehr schnell: er war für zwei Wohnmobile vorgesehen, hatte Ver- und Entsorgung, Strom, Müllbehälter und – tara: kostete nichts. Das erlebten wir in Italien ein paar Mal und waren und sind es immer noch: sehr begeistert. Manche Orte wissen, wie man Touristen positiv stimmt. Wir honorierten das auf Touristenart und unterstützten die dortige Gastronomie. Auch unsere Vorräte füllten wir wieder auf.

Wenn sich der ängstliche Typ Leser jetzt fragt, ob der Platz auch sicher war: wir denken schon. Mehrmals am Tag und Abend hielt die Polizei auf einem Parkplatz in der Nähe und die Polizisten daddelten auf ihren Handys. Der Platz war in einem Wohngebiet und obwohl das zweite Wohnmobil abends weg fuhr, hatten wir keine Bange, sondern eine ruhige und angenehme Nacht.

Ach ja, Montaione per Pedes zu erkunden lohnte sich auch. Wir empfanden es als ein nettes kleines Städtchen mit fantastischen Aussichtspunkten ins weite Land!

Für den siebten Tag, einem Samstag, nahmen wir uns vor nach Volterra zu fahren. Wir suchten nach einem Plätzchen, an dem wir uns evtl. etwas länger aufhalten konnten, denn Dienstag war ein Feiertag in Italien und wir konnten uns ausrechnen, dass Italiener an Feiertagen das Gleiche machen wie wir in Deutschland: die Brückentage nutzen für Ausflüge mit dem Wohnmobil.

Volterra war für mich kein wirklich interessantes Ziel, denn ich hatte im Vorfeld gelesen, dass sich Schreiber von Vampir-Romanen dort inspirieren ließen. Das passt überhaupt nicht zu meinen Vorlieben und das Vorurteil war fertig! In Gesprächen unterwegs wurde uns allerdings immer wieder erzählt, wie schön es dort sei und so gab ich meiner Neugierde nach – gottseidank!

Aber nun der Reihe nach, denn der Besuch in Volterra barg viele Abenteuer in sich. Als wir so von Montaione nach Volterra fuhren begeisterte uns wieder die herrliche Landschaft. Volterra ist eine Festung auf einem Berg und schon von weitem konnte man sie sehen.

Je näher wir dem Ort kamen, desto voller wurden die Straßen. Ein deutsches Wohnmobil, welches uns entgegen kam, hielt an und informierte uns, dass „alles dicht sei, es sei Markt, die Polizei würde sofort abschleppen lassen und man käme nicht einmal zu dem Stellplatz“. Na toll… Helmut wendete bei nächster Gelegenheit und ich zückte meine Stellplatz-App. Im Vorbeifahren sah ich im letzten Moment ein kleines Schild, das einen Weg zum Wohnmobil-Stellplatz wies. Reaktionsschnell konnte Helmut abbiegen. Nach der nächsten Kurve sahen wir den Stellplatz und viele, sehr viele, eigentlich viel zu viele Wohnmobile. Mit großen Augen stellten wir uns erst einmal in die Reihe, um auf den Stellplatz zu kommen. Wie erwartet, waren es fast nur italienische Fahrzeuge und wir merkten: unsere Idee, sich einen Stellplatz für ein paar Tage zu suchen war grundsätzlich richtig, wir waren nur zu spät dran. Jedes Plätzchen war belegt, ob es ein vorgesehener Parkplatz war oder nicht. Wild gestikulierend liefen Männer auf dem Platz herum und wiesen Wohnmobile ein.

Manchmal habe ich so eine unerklärliche bockige Art und mag Situationen nicht so sehen, wie sie wirklich sind. Also stieg ich aus und marschierte auch über den Platz. In einer Ecke stand doch tatsächlich noch ein Wohnmobil mit deutschem Kennzeichen und ich sprach die Bewohner an. Deutsche unter sich im fremden Land sollten das so tun *lach. Hocherfreut vernahm ich die Botschaft, dass sie in wenigen Minuten weg fahren wollten. Sie wollten noch so lange warten, bis Helmut sich mit unserem Wohnmobil durchgekämpft hatte. Also war ich jetzt auch wild gestikulierend auf dem Platz unterwegs und lotste Helmut an den frei werdenden Platz. Puh, das war eine große Erleichterung, als wir endlich dort standen. Wir saßen lange im Wohnmobil und sahen durch unsere Frontscheibe einen Film der allerbesten Sorte!

Man stelle sich die Situation in Deutschland vor: der Stellplatz ist voll – fertig.

In Italien versuchte man durch zusammen rücken und miteinander reden so viele Wohnmobile wie möglich unterzubringen. Wichtig zu sagen ist mir auch, dass immer darauf geachtet wurde, dass niemand zugeparkt wurde und jederzeit eine Abreise möglich war. Sogar eine Reservierung mit einem Campingstuhl wurde respektiert. Es standen abends auf dem Wohnmobil-Stellplatz für offiziell 30 Wohnmobile (lt. App) mehr als 60 Wohnmobile. Auch auf dem benachbarten Parkplatz standen die fahrbaren Wohnungen und niemand störte sich dran, sondern freute sich, dass so viele ein Plätzchen gefunden hatten.

Typische italienische Lebensart konnten wir auch in der Situation beobachten, als Tische und Stühle herausgeräumt wurden. Neben den Womos war kein Platz mehr dafür. Kurzerhand wurde eine lange Tafel auf dem verbleibenden Fahrweg gebildet und miteinander gegessen, getrunken und gelacht. Nein, es wurde kein Gelage daraus, sondern zu ziviler Zeit war alles wieder weg geräumt und es kehrte Ruhe auf dem Platz ein.

Der Besuch in Volterra hatte sich wirklich gelohnt. An jeder Ecke gab es einen optischen Wow-Effekt. Der Stadtkern ist eine große Fußgängerzone. Handwerkskunst mit Alabaster und Olivenholz ist in kleinen Geschäften zu bestaunen. Man kann dort auch einen Turm besichtigen, von welchem man direkten Blick auf die Hofgänger des aktiven Gefängnisses werfen kann. Wir waren zu spät dran (leider? gottseidank?). Der Aufgang auf den Turm war schon geschlossen und wir ließen uns von andern Touristen davon berichten. Die prominente Lage auf dem Berg beschert in alle Richtungen wunderschöne Ausblicke in das weite Land. Musikalische Klänge einer tollen kleinen Band zauberten zusätzlich eine märchenhafte Stimmung, die wir auf der Piazza bei Eis und Espresso genossen.

Von Abenteuerlust gepackt, machten wir uns am nächsten, dem achten Tag trotz nahendem Feiertag und Stellplatz-Turbulenzen auf den Weg nach San Gimignano. Wir fuhren relativ früh los und unser Plan ging auf, denn in San Gimignano hatten andere Reisende die gleiche Idee und wir bekamen problemlos einen Platz auf dem angepeilten Stellplatz. San Gimignano kannte ich bereits von einer früheren Reise mit Kollegen und hatte es in wunderschöner Erinnerung. Deshalb stürzten wir uns in die Touri-Hochburg, aßen das obligatorische Weltmeister-Eis und bestaunten die schönen alten und gut erhaltenen Häuser. Sonntags sind mit Sicherheit noch mehr Touristen als normalerweise dort und deshalb nahm in unserer Planung der Wunsch nach etwas einsameren Gegenden Gestalt an.

San Gimignano Ausblick

Diesen Wunsch konnten wir uns am neunten Tag in Monteriggioni erfüllen. Ein sehr schöner Stellplatz in nicht touristisch überlaufener Lage war genau nach unserem Geschmack. Ein gemütlicher Tag am Womo mit Wäsche waschen und einem kleinen Spaziergang gab uns die Gelegenheit, unsere Reise ein klein wenig zu verdauen.

Das Bezahlsystem des Stellplatzes funktionierte wie ein Parkhaus: Ticket ziehen, dann öffnet sich die Schranke. Bei uns klappte das, wir konnten allerdings beobachten, dass viele Fahrzeuge bei der Ausfahrt Probleme hatten und über die Sprechanlage mit der Zentrale diese Probleme klärten. Abends gegen 22 Uhr vernahmen wir ein permanentes Piepen – piep – piep – piep…. das kann schon nerven, auch wenn man nicht sehr empfindlich ist. Wir ordneten es der Schranke und den Ausfahrtproblemen zu. Mangels italienischer Sprachkenntnisse unterließen wir aber den Klärungsversuch über die Sprechanlage…. irgendwann hörte das Piepen auf.

Für den zehnten Tag planten wir, mit dem Bus nach Sienna zu fahren. Die Bushaltestelle war direkt am Stellplatz und wir waren pünktlich dort. Nach einer geraumen Weile mussten wir verstehen, dass an diesem Tag kein Bus kommen sollte. Die Bushaltestelle bediente u. a. eine Schule und wurde am Feiertag nicht angefahren. Unsere Enttäuschung hielt sich in Grenzen. Wir fuhren mit den Rädern ein wenig in der Gegend herum, besichtigten das Castello Monteriggioni und freuten uns darüber, dass es uns so gut ging.

Der elfte Tag war für mich ein Highlight, denn unser Weg führte uns nach Castiglion Fibocchi zur Fattoria la Vialla. Die Fattoria lernte ich über kunstvolle und sehr kreative Prospekte kennen und hatte zu Hause schon einmal im Onlineshop bestellt.

Für eine Nacht darf man kostenlos auf dem Wohnmobilstellplatz bleiben, wenn man dort einkehrt oder einkauft. Gottseidank hatten wir reserviert, denn der Stellplatz war voll. Wir spürten eine richtig schöne und heitere Stimmung und fühlten uns sofort wohl. Helmut war vor dem Besuch ein wenig kritisch, weil er meine Begeisterung für Bio und Besonders kennt. Er ist nun auch infiziert *lach.

Zunächst gönnten wir uns ein Mittagessen. Es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn man sich Prospekte angeschaut hat und sitzt auf einmal in der gezeigten Szenerie. Ich bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht und genoss wirklich jeden Moment. Meine geheime Frage war ja, ob sie (die Bewohner der Fattoria) in Wirklichkeit genauso sind, wie sie es auf den Fotos vermitteln. Die Antwort darauf ist ein klares Ja. Die Fröhlichkeit des Personals springt über, die Qualität der Speisen und Getränke ist super gut und das gesamte Ambiente ein Träumchen.

Alle paar Stunden wird eine kostenlose Führung über die Fattoria angeboten und wir waren natürlich dabei. Wir erfuhren Interessantes über den Olivenanbau und die Verarbeitung zu Öl, durften im Weinkeller eine Weinprobe mitmachen und hörten, dass die Fattoria 20.000 Schafe auf Sardinien hat, die die Grundzutaten für den leckeren Pecorino liefern. Wir konnten einen Blick in die Zauberküche und die Bäckerei erhaschen und den Angestellten bei der Arbeit zuschauen.

Für unsere weitere Reise deckten wir uns im Hofladen mit Lebensmitteln ein. Super ist, dass man fast alles probieren kann und vieles erklärt bekommt. So z. B. dass aus Oliven, die aus der Gegend kommen ein geschmacklich intensiveres Öl gepresst wird, als aus den Oliven, die aus Sizilien geliefert werden. Dieses Olivenöl ist milder. Ich weiß, dass das intensivere Olivenöl wegen der Polyphenole gesünder ist, trotzdem schmeckt mir das Milde besser *lach. Die gekauften Waren werden mit einem kleinen Golfwägelchen zum Wohnmobil gebracht – eine heitere Angelegenheit, da sich jeder freut, dass er nichts den Berg runterschleppen muss.

Lustig war, dass an der Kasse eine deutsche Frau arbeitete, die uns fragte, wo wir her kämen – sie kommt aus dem Nachbarort in unserer Heimat. Die Welt ist klein. Durch sie kamen wir zu der für mich wertvollen Information, dass über den Winter in Deutschland ebenfalls probiert und eingekauft werden kann, z. B. in Horb unter dem mich verwirrenden Namen Fattoria la Vialla Speisekammer. Als Insider weiß man es…

Abends machten wir einen langen Spaziergang auf der Fattoria und genossen die entspannte Atmosphäre und die herrliche Landschaft.

Tage später trafen wir Leute, die auch auf dem Wohnmobilstellplatz waren und ihre Augen strahlten, denn sie hatten die gleiche Meinung wie wir: die Toscana ist wunderschön aber das Highlight war die Fattoria la Vialla.

Am zwölften Tag ging die Reise weiter. In der Nähe von Castiglion Fibocchi liegt Arrezzo, eigentlich auch eine Reise wert. Wir waren aber noch nicht soweit, dass wir gleich neue Eindrücke aufnehmen wollten und so legten wir Montepulciano als nächstes Ziel fest.

Die ca. 60/70 km lange Strecke erwies sich als sehr abenteuerlich. Die Straßen waren eng und einfach nur schlecht. Helmut war irgendwann so genervt, dass ich in der Stellplatz-App eine Lösung suchte. Auf dem Weg lag die Ortschaft Toritta di Sienna und hier sollte es einen Stellplatz geben. Als wir auf den Stellplatz fuhren hatten wir wieder dieses Wow-Erlebnis: herrliche Aussicht, ruhig, kostenlos sogar incl. Strom. Auf einem Spaziergang lernten wir einen netten kleinen Ort mit interessanten Ecken kennen und waren wieder einmal sehr, sehr happy.

Im Gespräch mit Womo-Nachbarn tauschten wir uns aus über woher und wohin und bekamen tolle Tipps für Ziele, die wir nicht auf dem Schirm hatten.

Am dreizehnten Tag stand wieder Montepulciano auf dem Plan. Auf dem Platz, auf dem die Wohnmobile stehen dürfen, war allerdings Kirmes mit allem was dazugehört (Riesenrad, Fahrgeschäfte Essensstände…). Also ein Satz mit X und Montepulciano musste auf unsere Bekanntschaft verzichten.

Die Stellplatz-App zeigte einen Stellplatz in Chianciano Terme. Der Platz war schön, gut organisiert und mit super sauberer Dusche, Toiletten und Waschmaschine. Normalerweise nutzen wir alles (außer Waschmaschine) im Wohnmobil. Hier habe sogar ich eine Ausnahme gemacht und die sanitären Anlagen benutzt.

Chianciano Terme scheint ein eher gehobener Badekurort zu sein. Um diese Zeit (Ende April) war allerdings noch nicht viel los und so erschienen uns die tollen Hotels und Geschäfte eher trostlos. Einen ganz normalen Supermarkt konnten wir nicht finden. Zum ersten Mal veräppelte uns Google Maps nach Strich und Faden und wir marschierten ziemlich weit vergeblich durch die Mittagshitze um einfach nur Trinkwasser zu kaufen. Lehre: lass es nie knapp werden.

Zur Frustbewältigung kehrten wir in einem kleinen Lokal ein, in dem sich offensichtlich viele Einheimische nach Feierabend trafen. Ich bestellte einen Aperol Spritz und Helmut einen Espresso mit einem Croissant. Wir bekamen ein kleines Tablett mit verschiedenen Häppchen, Nüssen und Chips dazu gereicht. Das ist offensichtlich so üblich, staunten wir und ließen es uns schmecken. Wir bezahlten übrigens 7 €. Wir ließen das la Dolce Vita auf uns wirken und beobachteten die Gespräche, die uns, da Hände und Füße intensiv beteiligt waren, manche Erkenntnisse erschlossen *lach.

Der vierzehnte Tag brachte uns nach Montalchino. Geplant war, dass wir unterwegs zunächst Wasser kaufen wollten. Google Maps versprach uns einen Supermarkt in unserem Zielort. Tja, irgendwie war der Wurm drin… Montalchino liegt auf einem Berg. In die Stadt dürfen keine Autos und natürlich schon gar keine Wohnmobile. Parkplätze sind ziemlich weit außerhalb und eher für PKWs gedacht. Also sind wir auf den Wohnmobil-Stellplatz gefahren. Montalchino liegt auf einem Berg und daneben ist ein noch höherer Berg und auf diesem ist der Stellplatz *nicht lustig.

Mit Rucksäcken ausgerüstet machten wir uns per Pedes auf den steilen Weg nach unten – wohl wissend – heimwärts ist er mindestens genauso steil, dieser Weg. Wir kauften mit Maß und Ziel ein, aber es war dann doch recht viel. Helmut traute sich zu, zusätzlich zum Rucksack noch 4 2-Ltr. Flaschen Wasser zum Wohnmobil zu schleppen. Gaaanz langsam schritten wir voll bepackt den Weg nach oben. Etwa in der Hälfte des Weges hielt ein kleiner Fiat neben Helmut und eine nette Italienerin fragte ihn, ob er zum Wohnmobilstellplatz wolle und bot ihm an, ihn mitzunehmen. Nett, wie er ist, wollte er mich mitfahren lassen, aber für uns alle war kein Platz in dem Auto, also ließ ich ihn ziehen *lach, mit der hübschen, netten Italienerin und 8 Litern Wasser.

Nachmittags marschierten wir den Weg noch einmal und besichtigten das wirklich wunderschöne Städtchen. In der Innenstadt sind die Gassen sehr eng und wir verstanden, warum keine Autos in die Stadt dürfen. Viele Geschäfte mit Wein sahen wir. Der berühmte Brunello de Montalchino kommt von hier – Weinkenner kennen ihn vielleicht – wir nicht.

Wir verwöhnten uns mit Espresso an der Bar (Helmut strahlt jedes Mal) und Eis. Wir kamen mit 4 Schwedinnen ins Gespräch und konnten uns mit unseren Englisch-Kenntnissen in Italien über unsere Reise austauschen. Wenn das mal nicht Multi-Kulti ist *lach.

Gerade rechtzeitig bevor Regen einsetzte waren wir wieder am Wohnmobil. Ohne vollen Rucksack war der Weg zwar anstrengend aber gut machbar (schreibt die, die nicht gerne Berge hoch läuft).

Da für den nächsten Tag auch viel Regen angesagt war entschieden wir, den fünfzehnten Tag noch auf dem Stellplatz zu bleiben.

In einer Regenpause schlenderten wir wieder durch die Altstadt von Montalchino, besichtigten die Kirche und staunten wieder einmal über die herrliche Landschaft, die man von dort oben sehen konnte. Wir kamen an einem Festzelt vorbei und es wurde gegessen und getrunken. Unser Magen meldete sich und wir studierten die dortigen Mahlzeiten. Nix mit Wurst und Brötchen, oder Schnitzelweck oder so… Mit der Übersetzer-App konnten wir die Speisekarte entziffern und trauten uns an den Tresen. Heute noch kann ich sagen, dass ich selten auf einem Fest so lecker gegessen habe.

Montalchino speisekarte

Den restlichen Tag verbrachten wir faul im Wohnmobil und ließen uns von den Regentropfen auf dem Dach unterhalten.

Schon oft sahen wir in Dokumentationen über die Toscana die warmen Quellen von Saturnia. Deshalb war es mein Wunsch, diese auch auf die Reiseroute zu packen. Am sechzehnten Tag standen sie auf dem Programm.

Die Route führte uns durch die Berge der Toscana zum Teil auf 900 Meter Höhe. Wir waren ungefähr 1,5 Stunden unterwegs – allerdings auf abenteuerlichen Straßen. Ich weiß, ich schrieb das schon das eine und andere Mal, aber es gibt immer noch eine Steigerung. Als wir am Ziel angekommen waren, hatten sich die Fahrräder in der Garage gelockert, aus jedem Schrank fiel uns etwas entgegen und – man fasst es kaum: sämtliche Kleiderbügel waren von der Stange gefallen… Helmut war vorsichtig gefahren! Daran lag es nicht!!

Gesund und durchgerüttelt fanden wir einen netten Platz auf dem Stellplatz in Saturnia. Man konnte die Nähe zu den Thermen überall erkennen, denn es hingen fast an jedem Wohnmobil Handtücher und Badebekleidung zum Trocknen.

Wir gönnten uns zunächst eine ausgiebige Mittagspause und machten dann einen Erkundungsspaziergang zu den Quellen. Auf dem Parkplatz davor waren sehr viele PKWs und Menschen, die sich umzogen. Unsere Vermutung, dass es sich um einen Besuchermagnet handelte, bestätigte sich immer mehr – als wir um die letzte Ecke bogen, hatten wir die Gewissheit … so, wie auf den Werbefotos, werden wir die Quellen nicht genießen können. Unzählbar viele Menschen standen oder lagen im Wasser. Wir fassten den Entschluss, abends noch einmal zu kommen – in der Hoffnung, dass dann weniger Menschen da sind.

Die Vorab-Information über die Gegebenheiten war für mich hilfreich: es gab keine Bank, um die Kleidung abzulegen, es war leicht schlammig, so konnte man (also wir) auch nichts auf dem Boden platzieren und die Vernunft ließ keinen Zweifel daran, dass immer nur einer ins Wasser gehen und der Andere bei den Klamotten bleiben sollte. Das Wasser war angenehm warm und der erwartete Schwefelgeruch nicht übermächtig.

Wir hatten einen entspannten Nachmittag und machten uns gegen Abend nochmals auf den Weg, um uns auch in den berühmten und gesunden Fluten zu aalen. Wie erwartet, waren weniger Menschen da, aber immer noch zu viele. Da ich ziemlich verfroren bin, ließ ich Helmut gerne den Vortritt.

Meine persönlichen Eindrücke sprechen jetzt nicht unbedingt für die berühmten Quellen. Ich bin allerdings nicht der Maßstab, was Bewegung im Wasser außerhalb eines gechlorten Pools angeht. Ich schlurfte also durch den Schlamm ins Wasser und stellte fest (ich habe das vorher wirklich nicht so wahrgenommen) dass das Wasser nur bis zu den Knöcheln, maximal bis Mitte Wade geht. Im Wasser war der Grund mit kleinen Kieseln bedeckt. Ich fasste mir ein Herz und legte mich in diese Brühe, dass nur der Kopf herausschaut. Helmut machte ein paar Fotos und spätestens als der eine und andere Hygieneartikel an mir vorbei schwamm war meine Saturnia-Euphorie vorbei. Das angelesene Wissen über die „Würmer“ im Wasser, konkret um die Larven der Zuckmücke, die völlig harmlos sein sollen, hatte auch seine Wirkung. Gottseidank gab es Duschen vor Ort.

Wenn ich heute Fotos von den Quellen sehe, denke ich, dass es ein unglaubliches Naturschauspiel ist, welches wirklich sehens- und erlebenswert ist. Wenn ich allerdings die Menschen selig lächelnd im Wasser sehe, muss ich grinsen: ich habe mein Foto…. einmal und nie wieder *lach.

Wir kamen mit super netten Womo-Nachbarn ins Gespräch. Manchmal denkt man sich, schade, dass die Wege sich so schnell trennen. So ging es uns mit Gerhard und Bianca. Sie wollten an den Bolsena-See und wir zur Laguna di Orbetello. Als wir am nächsten Morgen, dem siebzehnten Tag, weiter zogen, hinterließ ich meine Handy-Nr. am Scheibenwischer * lach, das habe ich vorher noch nie gemacht!!! Wir hatten uns eigentlich verabredet, um uns zu verabschieden, verpassten uns aber.

Quer durch das Land fuhren wir durch herrliche Landschaften – über die Nebenstraßen lasse ich mich jetzt nicht schon wieder aus. Wir machten manchen Fotostopp um die Bilderbuch-Atmosphäre einzufangen und in uns aufzusaugen. In einem klitzekleinen Ort machten wir eine Kaffeepause, in der Helmut wieder seinen geliebten Espresso am Tresen einer Bar einnahm. So gefällt uns das! Abseits der Touristenströme mit den Einheimischen in urigen Kneipen.

Von der Laguna di Orbetello hatten wir in Gesprächen mit Wohnmobilisten als sehr fahrradfreundlich erzählt bekommen. Vor Ort schaute ich mir Routen über die Komoot-App an und stellte fest, dass die meinen Leistungslevel sprengen würden: über Berge, zum Teil am Strand, zum Teil Fahrrad tragen … ne, ne…

So machten wir uns mit dem Fahrrad auf, im Nachbarort Porto Ercole einen Bäcker zu finden. Der Radweg führte uns erstaunlich lange an der Hauptstraße entlang und endete irgendwann … Etwas misslaunig radelte ich durch den Straßenverkehr hinter Helmut her, den Berg hinunter. Die Vorstellung, dass ich das alles wieder hochstrampeln musste, gefiel mir nicht. Uralte Häuser und enge Gassen vermochten meine Laune nicht positiv beeinflussen.

Als wir unten waren tat sich vor uns eine Kulisse auf, die mir kurz den Atem nahm: das Meer, der Hafen, links und rechts eingerahmt von massiven Festungsanlagen. Deren Geschichte geht bis ins 16. Jahrhundert zurück und sie ließen uns den mächtigen Schutz vor Wasser, Wind und Feinden spüren. Wieder einmal so ein Wow-Moment!!!

Linker Hand lag der Yachthafen, mit einer hübschen Promenade mit Geschäften und Lokalen und rechter Hand waren die Fischerboote. Wir hatten Glück und konnten miterleben, wie ein Fischerboot ankam. Viele Kisten verschiedenster und bereits vorsortierter Fische wurden ausgeladen. Leider war es nicht möglich, einen frischen Fisch zu kaufen, denn die Ware war schon vorbereitet für einen Großhändler aus Rom. Trotzdem super spannend zu sehen.

Einen kleinen Bäckerladen fanden wir auch. Es gab viele kleine verschiedene Kuchen/Kekse/Kaffeestückchen und natürlich auch Brot. Die Bäckerei-Verkäuferin freute sich, als wir von vielen Keksen ein Probiererle kauften – und wir freuten uns auch.

Ab dem achtzehnten Tag drehte sich die Himmelsrichtung unserer Reise. Wir rechneten uns den Heimweg aus, und planten genügend Zeit ein, um an schönen Plätzen verweilen zu können.

Einen ersten Stopp machten wir in Grosseto, aber außer Einkaufsmöglichkeiten fanden wir nichts, was uns zum Bleiben animierte. So freuten wir uns wieder einmal über die Freiheit des Reisens und zogen weiter.

Wir hatten in Toritta di Sienna einen Tipp für einen wunderschönen Stellplatz bekommen und dieser lag jetzt auf unserer Route: San Vincenzo. Etwas abseits auf der Höhe hat ein Aussteiger ein Stückchen Paradies für sich geschaffen und bietet einige wenige Stellplätze für Wohnmobile an. In Original-Toskana-Umgebung mit Zypressen und Kräuterwiesen, Blick übers Meer, am Horizont konnte man die Inseln Elba und Korsika erkennen Ruhe und Natur – boa, ich weiß nicht, wie ich dieses herrliche Fleckchen Erde in Worte fassen kann. Wir genossen jeden Augenblick und ich erinnere mich noch gut daran, als ich vor dem Wohnmobil kochte und gar nicht fassen konnte, in welcher traumhaften Umgebung ich gerade war.

Einen Störer gab es dann doch…. auch im Paradies gab es das *lach: Ein weiteres Wohnmobil näherte sich und der Fahrer stieg aus, besah sich alles, kam zu uns und meinte, dass dieser Platz doch sehr teuer sei (30€/Nacht) und er nicht verstehen könne, warum. Ich zeigte nur mit dem Arm auf die herrliche Landschaft und sagte: „darum“. Er blieb dann trotzdem und kam später nochmal zum Nörgeln: keine Duschen da (hallo, er hat bestimmt eine im Womo). Der Stellplatzbetreiber wies die Plätze sehr sorgfältig zu, dass jeder einen ungestörten Blick auf das herrliche Panorama hatte und auch weit genug weg war vom Nachbarn. Darüber regte der Nörgler sich auch auf und zu guter Letzt natürlich das Wichtigste: er hatte keinen Empfang mit seiner SAT-Schüssel… Mann, Mann, Mann, derartige Leute können einem echt leidtun…. Meine Freundlichkeit hat bei solchen Menschen Grenzen und ich gehe ihnen aus dem Weg…

Wir besahen uns auch die Ortschaft San Vincenzo. Der Strand ist wohl sehr bekannt, aber da wir noch in der Vorsaison waren, wurde dort gearbeitet und vorbereitet für die kommenden Touristenströme. Auch der riesiger Yachthafen beeindruckte uns und wir konnten uns gut vorstellen, dass im Sommer dort wirklich viel los sein würde.

Der Abend bescherte uns einen traumhaften Sonnenuntergang am Wohnmobil und ich denke, die Bilder sprechen eine eigene Sprache…

Später, als es dunkel war, hörten wir auf einmal ein Piepen: piep, piep, piep… genau das gleiche Piepen wie in Monteriggioni. Nur, hier war keine Schranke, der wir damals dieses Piepen zuordneten. Kurzerhand rief ich den Stellplatz-Chef an (er wohnt auch auf dem Platz). In meinem besten Englisch (ich muss heute noch schmunzeln) fragte ich ihn: „Outside is a „piep, piep“, what is it?“. Ich hörte wie er eine Türe öffnete, eine Weile lauschte und mich dann aufklärte: „Its a little bird. We are in nature.“ Aha….

Mit Google ist heute vieles möglich und ich konnte tatsächlich herausfinden, dass es sich um eine Zwergohreule handelte – wieder was gelernt *lach.

Schweren Herzens wollten wir uns am neunzehnten Tag auf den weiteren Weg Richtung Heimat machen, als früh morgens mein Handy klingelte und Gerhard und Bianca am anderen Ende der Leitung fragten, wo wir denn gerade wären. Das war eine Freude!! Am Bolsena-See war um diese Zeit überhaupt nichts los und sie wollten sich ebenfalls Richtung Heimat bewegen. Wir schwärmten von unserem Paradies und nach einem kurzen Check der Route kündigten sie ihr Kommen in ca. 3 Stunden an. Juchhu: noch ein Tag im Paradies mit super netten Leuten….

Wir verbrachten einen tollen Nachmittag und Abend miteinander und die schönen Gespräche klingen immer noch in unseren Herzen nach.

Am zwanzigsten Tag siegte die Vernunft und wir fuhren weiter Richtung Norden. Auf der Höhe von Pisa gibt es einen Stellplatz in Marina di Pisa. Wenn man wollte, könnte man mit dem Fahrrad auf ausgewiesenen! Fahrradwegen nach Pisa fahren. Wir haben es nicht getestet, ob diese ausgewiesene Fahrradroute brauchbar ist.

Wir schauten uns das nette Städtchen an, genossen den schönen Hafen, gönnten uns eine Fischplatte und freuten uns wieder einmal über all das Schöne was wir erleben durften und dürfen.

Der einundzwanzigste Tag hatte wieder einige Abenteuer für uns bereit… Unser Tagesziel war ein Stellplatz in Santa Margherita bei Portofino. Nachdem wir die Autobahn verlassen hatten, waren die Straßen so unglaublich voll, dass es höchste Konzentration bedeutete unbeschadet ans Ziel zu kommen. Rollerfahrer fuhren ohne Rücksicht einfach drauf los und vertrauten darauf, dass PKWs und Womos auf sie aufpassten. In einer Situation klappte sich unser rechter Seitenspiegel an einer Hecke ein und ich wies Helmut drauf hin, dass er weiter links fahren sollte… das war nicht möglich, da Roller an Roller die Straße vereinnahmten. Auf Hupen wurde sowieso nicht reagiert, weil – wer eine Hupe hatte hupte…. Ich sehnte mich zurück ins Landesinnere – so einen Wahnsinn erlebten wir dort nie.

Als wir endlich den Stellplatz erreichten und sogar noch den letzten freien Platz ergatterten, genügte ein Blick und wir waren uns einig: hier bleiben wir nicht. Also stürzten wir uns wieder ins Getümmel und fuhren quer über die Halbinsel nach Camogli.

Der Stellplatz war zwar auch nicht wirklich schön, aber es war entschieden ruhiger. Womo-Nachbarn erzählten uns von Wildschweinen, die früh morgens bis an die Womos kämen – wir haben sie nicht gesehen, aber das Wissen darum gefiel uns.

Die Womo-Nachbarn waren übrigens Schweizer, die uns den Tipp gaben, dass wir doch einfach unser Essen aus Deutschland mitbringen sollten, wenn wir in die Schweiz fahren würden. Es war ihnen bewusst, dass die Schweiz für Deutsche relativ teuer ist. Auf diese Weise könnte man die schöne Schweiz erkunden und erleben.

Auf einem Spaziergang auf einem wunderschönen Höhenweg, mit Blick übers Meer bis nach Genua, konnten wir den Trubel des Tages abschütteln.

Am zweiundzwanzigsten Tag, übrigens einem Sonntag, wurden wir um 5 Uhr morgens von der Müllabfuhr geweckt… So kamen wir wenigstens früh weg, denn wir peilten als Tagesziel den Lago Maggiore an. Die Autobahn durch die ligurischen Alpen war nicht nach meinem Geschmack: Tunnel, Brücke, Tunnel, Brücke usw. Ich war froh, als wir endlich die Poebene erreichten.

Die weite, flache Landschaft tat meinem Auge wohl und ich konnte mir gut vorstellen, einmal nur die Poebene zu bereisen, von Stellplatz zu Stellplatz zu tingeln bis an die Adria. Es ist eine fruchtbare Gegend und wir sahen sogar Reisfelder…

Am unteren Ende des Lago Maggiore, in Ranco fanden wir einen wunderschönen Stellplatz, der fast die Annehmlichkeiten eines Campingplatzes hatte. Wir gönnten uns auch den dreiundzwanzigsten Tag in dieser schönen Gegend, machten eine kleine Radtour, fanden einen schönen Fährhafen, eine wunderschöne Parkanlage und genossen die Sonne.

Mit der Sonne war es das dann auch. Laut Wetterkarte sollte ab dem vierundzwanzigsten Tag ein Wetterumschwung mit Regen kommen.

Auf Empfehlung vieler Reisender nahmen wir auf dem Heimweg die Route über den San Bernadino-Tunnel. Was uns nicht bewusst war, dass der Tunnel auf 1.600 m Höhe liegt = da muss man erst mal hinauf fahren. Bei schönem Wetter ist das bestimmt richtig schön. Als wir nach oben fuhren, konnte man die Hand nicht vor Augen sehen (siehe Wetterumschwung). Gottseidank hatten wir einen LKW vor uns, der mit max. 40 km/h fuhr. So konnten wir uns relativ stressfrei anhängen. Als wir auf der anderen Seite der Berge durch den Tunnel kamen, war schönes Wetter. So ein Erlebnis ist einfach jedes Mal schön.

Wir steuerten den ersten Rastplatz an und eine andere Wohnmobilistin bedankte sich bei uns, weil sie sich an uns angehängt hatten *lach… man tut was man kann.

Die Rückreise durch die schöne Schweiz, vorbei am Bodensee, mit einem Stopp bei Freunden verlief ruhig und problemlos und wir freuten uns nun auch auf ein paar Tage zu Hause, um die vielen, vielen Eindrücke zu verarbeiten.

** Kurz vor Weihnachten, also nach 7/8 Monaten trudelten 2 Strafzettel bei uns ein: wir hätten an 2 Mautstationen nicht bezahlt. Der nicht bezahlte Betrag lag einmal bei 9,40 € und das andere Mal bei 1,34 € – die Rechnungen von einer Anwaltskanzlei beliefen sich auf 53,08 € und 11,32 €. Recherchen im Internet ergaben, dass es sogenannte Touristenfallen gäbe. Da sind wir wohl reingetappt. Sollten wir nochmal nach Italien reisen, dann werden wir uns für eine MautBox entscheiden. Damit sollte so etwas nicht passieren.

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2023.03._Rundreise durch Portugal mit vielen Highlights

Wir waren schon oft in Portugal und die Lebensart gefällt uns. Eigentlich wissen wir aber über Kultur, Geschichte und viele interessante Themen sehr wenig. So kam uns eine Rundreise gerade recht, die genau die Punkte abdeckte, die uns interessierten. Terminlich entschieden wir uns für die erste mögliche Reise Anfang März. Die Erwartungen an das Wetter waren realistisch: etwas wärmer als zu Hause und wenn wir Glück haben, schon ein paar Sonnenstunden. Nach dieser Reise erhöhen sich auch zu Hause die Chancen auf angenehmere Temperaturen und dann lockt das Wohnmobil…

Am ersten Tag war wieder frühes Aufstehen angesagt, um den Flughafen in Frankfurt rechtzeitig zu erreichen. Koffer packen und diese frühe Anreise sind für mich schon ziemlich nervig… ohne geht es halt nicht – und es ist Klagen auf hohem Niveau *lach.

Flug, Abholung vom Flughafen durch den Reiseveranstalter und Fahrt zum Hotel nach Ericeira klappten wie am Schnürchen. Das Hotel liegt direkt am Meer, ist schon etwas in die Jahre gekommen, hat aber einen ganz besonderen Charme. Wir kamen uns vor wie die Träumer: im eigenen Bett aufgewacht und einige Stunden später das Meer mit seinen Wellen und sogar schon einigen Windsurfern zu bestaunen. Wir erkundeten das überschaubare Städtlein auf eigene Faust und spätestens als wir einen Espresso mit einem Pastel de Nata in der Sonne genossen, fiel alle Reiseanspannung von uns ab und die portugiesische Lebensart erreichte unsere Herzen.

Abends erhielten wir von der Reiseleitung einige Informationen über unsere Reise und nach dem vorzüglichen und vielfältigen Abendessen vom Büfett freuten wir uns noch mehr auf die vor uns liegenden Tage.

Am zweiten Tag fuhr der Bus um 8.15 Uhr vom Hotel ab nach Lissabon. Wir fanden das eine zivile Zeit (wir hatten andere Vergleiche – siehe Skandinavien-Reise). Um diese Uhrzeit war, wie fast überall auf der Welt, relativ viel Berufsverkehr. Lissabon hat ca. 500.000 Einwohner, in der Metropolregion leben etwa 2.800.000 Menschen. Die Straßen sind gut ausgebaut.

Unsere Reiseleiterin Teresa nutze die Zeit, um uns viel Interessantes über die Region zu erzählen. Im Herzen Lissabons, dem Praca de Dom Pedro IV, begann unser Stadtspaziergang. Der Platz ist von schönen Gebäuden umgeben und hat eine entspannte und doch quirlige Atmosphäre. Besonders gefiel mir das wellenförmig verlegte Mosaik auf dem Boden. Da noch nicht sehr viele Touristen unterwegs waren, konnte man dieses Kunstwerk uneingeschränkt genießen.

Eine Kaffeepause machten wir in einem der vielen Cafés und natürlich durfte ein Pastel de Nata nicht fehlen. Man konnte bei der Herstellung zuschauen – dann schmeckt es mir nochmal so gut *lach.

Ich finde eigentlich gar nicht die richtigen Worte, um das Gefühl in dieser tollen Stadt zu beschreiben: quirlig, beschaulich, alt, neu… Mit großen Augen marschierten wir hinter Teresa her – unseren Knopf im Ohr um ihren Erzählungen zu lauschen und immer ihren orangenen Schirm im Blick, damit wir sie ja nicht aus den Augen verloren.

Der Unterschied zwischen dem auffälligen ALT und NEU führt zurück zu dem schlimmen Erdbeben zusammen mit einem Großbrand und Tsunami am 1. November 1755. Es zählt zu einer der verheerendsten Naturkatastrophen europäischer Geschichte mit unzählbar vielen Todesopfern. Bis an die Algarve hinunter blieb fast kein Stein auf dem anderen. Nur die Oberstadt und ein alter, maurischer Stadtteil Lissabons (Alfama), blieben fast völlig verschont. Die Altstadt Alfama liegt zwischen dem Castelo S. Jorge und dem Flussufer des Tejo und Touristen lieben es heute noch durch die romantischen, engen Gassen zu schlendern.

Mit diesem Wissen schaut man noch ehrfürchtiger auf die Stadt und das ganze Land und lernt zu verstehen, warum viele alte Gebäude so gehegt und gepflegt werden und auch Ruinen Anziehungspunkte für geschichtsinteressierte Menschen sind.

Die Besichtigung der Catedral Sé Patriarcal aus dem 12. Jahrhundert war sehr interessant. Beeindruckende Fliesenbilder machten die Geschichte lebendig. Wir waren froh, so früh im Jahr hier zu sein, denn es bedurfte wenig Fantasie, sich diesen Platz im Sommer vorzustellen, wenn viele Menschen Urlaub machen.

Teresa wies uns eindringlich auf „Taschendiebe“ hin und darauf, unsere Taschen und Rucksäcke vor dem Körper zu tragen. Trotzdem wurden tatsächlich bei zwei Mitreisenden die Rucksäcke geöffnet. Gottseidank ohne Schaden, da wir gegenseitig aufeinander aufpassten und sich keine Wertsachen in den Rucksäcken befanden. Wir waren trotzdem ein wenig schockiert, wie schnell und unbemerkt das geht. Teresa erklärte uns, dass arme Menschen aus vielen verschiedenen Ländern sich solche Orte, an denen viele Menschen aufeinander treffen, aussuchen um sich widerrechtlich zu bereichern. Man kennt das ja auch aus anderen Ländern. Also immer, wenn es eng wurde, war die Aufforderung Taschen und Wertsachen vor dem Körper zu tragen.

Nach der „offiziellen“ Führung hatten wir ca. 2 Stunden Zeit für individuelle Mittagspause und/oder Besichtigungen auf eigene Faust. Wir wollten unbedingt mit der ältesten Standseilbahn, der Ascensor do Lavra fahren. Gegen eine kleine Gebühr kann man die Strecke von 182 Metern mit einer Höhendifferenz von 43 Metern zurücklegen. In jeder Dokumentation über Lissabon kann man sie sehen und mich freut es: ich bin damit gefahren und es hat mir sehr gefallen *lach. Aus Zeitgründen sind wir hoch und hinunter gefahren. Man kann auch nur eine Richtung buchen und dann in der Oberstadt spazieren gehen. Wir haben es vorgezogen, zu Fuß durch verwinkelte Gassen die Oberstadt zu erreichen und die vielen kleinen Lokale und Geschäfte zu bewundern.

In der Oberstadt hielten wir uns Richtung Elevador de Santa Justa, ein 45 m hoher, kunstvoll gestalteter Aufzug der die Ober- mit der Unterstadt verbindet und im Jahr 1902 gebaut wurde. Man hat einen herrlichen Ausblick auf Lissabon und den Tejo. Da wir bei einem früheren Besuch Lissabons bereits mit dem Aufzug gefahren waren, zogen wir es vor, zu Fuß Richtung Treffpunkt zu gehen und unterwegs eine Pasteis de Bacalhau – eine portugiesiche Stockfisch-Pastete auf die Hand mitzunehmen. Stockfisch und Kartoffelpüree als Nocken geformt in Öl ausgebacken – sie schmecken uns warm und kalt.

Die Besichtigung des Hieronymus-Klosters auf Portugiesisch: „Mosteiro dos Jeronimos“, seit 1982 UNESCO-Weltkulturerbe hat uns super gefallen. Das Kloster ist nicht mehr als solches aktiv, aber man kann die Spiritualität immer noch spüren. Kunstvolle Architektur, Fliesen die Geschichten erzählen, eine beeindruckende Kirche – ein Besuch lohnt sich und man kann verstehen, warum es selbst um diese frühe Jahreszeit schon Wartezeiten beim Einlass gibt.

Wenige Minuten Busfahrt brachten uns zum Torre de Sao Vicente im Stadtteil Belem. Der Turm wurde zur gleichen Zeit erbaut wie das Hieronymus-Kloster, stand aber zum Zeitpunkt seiner Erbauung mitten in der Tejo-Mündung. Heute liegt er am Ufer des Tejo.

Ein Espresso am Wasser, gemütliches Gemurmel einiger Touristen, aus der Ferne der Klang einer Geige … ein schönes Plätzchen zum Entspannen.

Ein weiterer Stopp am Seefahrerdenkmal rundete den Tag ab. Der 52 Meter hohe Bau wurde 1960, 500 Jahre nach dem Tod von Heinrich dem Seefahrer zu dessen Ehre und zu Ehren vieler Seefahrer, die Portugal den Handel mit Europa ermöglichten, errichtet. Sehenswert ist auch das große Windrosen-Mosaik auf dem Boden vor dem Denkmal. Es zeigt unter anderem eine Weltkarte, auf der die Orte und Routen portugiesischer Seereisen und Entdeckungsrouten zu sehen sind.

Voller Eindrücke freuten wir uns auf die relativ frühe Heimkehr ins Hotel und überlegten, ob wir uns eine Runde Sauna vor dem Abendessen gönnen sollten. Zeit genug war – theoretisch – denn beim Durchzählen vor der Abfahrt fehlte ein Mitreisender. Teresa telefonierte mit allen möglichen Stellen, wir fuhren zwischen den verschiedenen Treffpunkten hin und her – vielleicht hatte er ja etwas missverstanden. Irgendwann tauchte er auf. Mit einem fröhlichen „Tschuldigung“ war für ihn die Sache abgehakt. Leider habe ich Kommentare aufgeschnappt, die in die Richtung „die Gruppe solle sich nicht so anstellen“ gingen. Solche Menschen eignen sich wirklich nicht für eine Reise in einer Reisegruppe!!

Nach einem wieder sehr vorzüglichen Abendessen (leider ohne vorherigen Saunagang) verzogen wir uns auf die Zimmer um früh schlafen zu gehen.

Die Geschichte Portugals begegnete uns immer wieder und ich muss gestehen, dass ich mir nicht merken konnte, wann welcher König welche Kirche oder welches Kloster erbaut hat und deshalb ein Denkmal bekam. Während der Erzählungen von Teresa war es sehr interessant, aber die Fülle der Informationen war letztendlich zu einem Brei in meiner Erinnerung geworden. Da ich den Anspruch an mich habe, dem Leser auch ein wenig dieser Informationen weiter zu geben, bediente ich mich des Internets und will an dieser Stelle in einfacher Kurzform die Geschichte darstellen.

  • Portugal wurde im 12. Jahrhundert als unabhängiges Königreich gegründet.
  • Im 15. Jahrhundert führte Portugal unter der Führung von Heinrich dem Seefahrer zahlreiche Entdeckungsreisen durch, die zur Entdeckung neuer Gebiete und zur Gründung von Kolonien in Übersee führten.
  • Im 16. Jahrhundert wurde Portugal eine bedeutende Seemacht und kontrollierte ein weltweites Imperium, das von Brasilien bis nach Indien und China reichte.
  • In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchlief Portugal eine turbulente Phase mit politischen Unruhen, Diktatur und Revolutionen. Nach1974 verlor Portugal den Rest seiner Kolonien.
  • Seit dem Ende der Diktatur in den 1970er Jahren hat sich Portugal zu einer stabilen Demokratie und einer aufstrebenden Wirtschaft entwickelt.
  • Heute ist Portugal ein Mitglied der Europäischen Union mit interessanter Kultur und Geschichte.

Portugal hatte im Laufe seiner Geschichte viele Könige. Hier sind einige der bekanntesten Könige und ihre wichtigsten Leistungen:

  • König Dom Afonso Henriques: Er war Portugals erster König und gründete das Königreich Portugal im Jahr 1139. Er führte auch erfolgreiche Kämpfe gegen die Mauren, die damals in Portugal lebten.
  • König Dom João II.: Er war ein mächtiger König, der im 15. Jahrhundert regierte. Er förderte die Entdeckungsreisen und die Gründung von Kolonien in Übersee (zu dieser Zeit spricht man allerdings noch nicht von Kolonien…). Er war auch dafür bekannt, dass er seine Feinde schnell und unerbittlich bestrafte.
  • König Dom Manuel I.: Er regierte im 16. Jahrhundert und war während seiner Amtszeit ein großer Unterstützer der Entdeckungsreisen. Unter seiner Herrschaft wurde der berühmte Seefahrer Vasco da Gama zum ersten Europäer, der von Europa nach Indien segelte.
  • König Dom João V.: Er war ein mächtiger König im 18. Jahrhundert und regierte während einer Zeit des Wohlstands und der kulturellen Blüte in Portugal. Er förderte den Bau von prächtigen Palästen, Klöstern und Kirchen und unterstützte auch die Künste.
  • König Dom Pedro IV.: Nach der französischen Invasion Anfang des 19. Jahrhunderts und als sein Vater, König Portugals zurück kehrte, kämpfte er für die Unabhängigkeit Brasiliens und wurde Brasiliens 1. Kaiser. Nach dem Tod des Vaters in Portugal wurde er König Pedro IV. Als Liberaler und nach seinem Sieg über die Absolutisten gab er den Thron Portugals an seine Tochter Maria. Sie wurde Königin Maria II.

Am dritten Tag fuhren wir wieder durch den Berufsverkehr Richtung Lissabon, allerdings dieses Mal über die Vasco da Gama-Brücke, die mit 17,2 km eine der längsten Brücken Europas ist. Den Blick auf die Brücke bzw. zurück auf Lissabon fand ich sehr eindrücklich. Es war gerade Ebbe und wir konnten die Sandbänke erkennen. Bestimmt ist Schifffahrt auf dem Tejo nicht ganz einfach.

Der erste Halt war in Azeitao in einer kleinen Keramikmanufaktur. Auf sehr anschaulicher Weise zeigte uns der Inhaber die verschiedenen Arbeitsgänge, die nötig sind, bis eine kunstvolle Fliese entsteht. Über mehrere Trocknungsvorgänge schrumpft das Naturprodukt kontrolliert auf die gewünschte Größe. Die typischen Azulejos, was etwa „kleiner polierter Stein“ bedeutet, sind in Blautönen gehalten. Manches Mal sieht man auch gelbe oder grüne Bestandteile und kann Rückschlüsse auf das Jahrhundert der Herstellung schließen: blau-weiß-gelb = 17. Jahrhundert, blau-weiß = Anfang 18. Jahrhundert. Ein Highlight war natürlich, dass wir selbst Azulejos bemalen durften. Es gab verschiedene Motive zur Auswahl und wir bekamen eine ausführliche Anleitung – übrigens schon im Vorfeld im Bus von Teresa, somit waren wir bestens vorbereitet. Meine künstlerische Begabung liegt jetzt nicht wirklich im Malen. Trotzdem freue ich mich an meiner Fliese und verbinde eine sehr schöne Erinnerung damit. Fertig gebrannt bekamen wir sie am letzten Tag unserer Reise überreicht.

Der lt. Programm geplante Besuch bei der Cristo-Rei-Statue konnte leider nicht stattfinden. Wegen Bauarbeiten ist sie derzeit nicht erreichbar. Als Ersatz machten wir einen schönen Ausflug nach Cascais, einer Küstenstadt westlich von Lissabon. Cascais ist bekannt für seine schönen Strände und den Jachthafen. Mehrere bekannte Kirchen und Paläste mit wunderschönen Azulejos geben dem Ort ein schönes Flair. Wir genossen eine ausgedehnte Mittagspause mit Zeit zum Bummeln durch die Gassen.

Über die Strandstraße fuhren wir weiter nach Sintra, einem kleinen Städtlein in den Bergen. Größter Anziehungspunkt ist der Königspalast Palácio National de Sintra. Prächtige Holzdecken und wunderschöne Wandverkleidungen mit den Azulejos ließen uns den Reichtum der damaligen Zeit erahnen. Die Kegelschornsteine der großen Küche fallen schon von weitem auf.

Beim Besuch des Palastes fiel mir auf, dass wir doch einige Personen mit Handicap, sprich mit einem oder 2 Stöcken/Gehhilfen in der Gruppe hatten. Die Begehung des Palastes war mit sehr vielen Treppen, unebenen Stufen und Wegen verbunden. Nie hatte ich den Eindruck, dass jemand Rücksicht eingefordert hat. Ich ziehe meinen Hut vor so viel Mut und Disziplin!

Müde und zufrieden kamen wir am frühen Abend ins Hotel nach Ericeira zurück und genossen noch einige Augenblicke die herrliche Brandung – nur mit Augen und Ohren– damit keine Missverständnisse aufkommen *lach. Das Hotel liegt direkt am Meer und man kann sich der grandiosen Naturgewalt nur schwer entziehen. Nach dem Abendessen bereiteten wir unsere Koffer für die Weiterfahrt am nächsten Morgen vor und sanken müde in die Kissen.

Der vierte Tag begann ein wenig früher. Schon um 7.15 Uhr sollten wir unser Gepäck zum Bus bringen, damit wir pünktlich um 7.30 Uhr abfahren konnten. Auf der Fahrt zu unserem ersten Stopp in Nazare hörten wir von Teresa viel über Könige, ihre Kinder und die danach benannten Schlösser und Klöster. Es war sehr interessant zu hören – für mich allerdings nicht zu behalten. Ich habe Probleme, im näheren persönlichen Umfeld verwandtschaftliche Bande zu verstehen.

Vieles behalten kann ich allerdings, wenn es um das Thema Essen geht. So haben verschiedene Klöster ihre Geheimrezepturen zu bestimmten Backwaren. Deshalb gibt es in vielen Städten leckere Gebäcke, die es nur dort gibt. Wir wurden von Teresa darauf aufmerksam gemacht und konnten vieles probieren. Ich muss nicht betonen, dass ich alle, die ich versuchen konnte, sehr lecker fand!

Auch der soziale Aspekt des Klosterlebens hat mich beeindruckt. So konnten sich z. B. Witwen in Klöstern einkaufen und dort in Ruhe ihren Lebensabend verbringen. Zu Kriegszeiten nahmen Klöster Mädchen auf, um sie vor den Kriegsgeschehen zu schützen.

So manche Geschichte über Orte und ihre Namen wurde uns von Teresa nahe gebracht und machten die Fahrt kurzweilig.

In Nazare machten wir Pause und ließen die Landschaft auf uns wirken: ein wunderschöner, weitläufiger Sandstrand der auf einer Seite von einer über 100 Meter hohen Landzunge begrenzt wird. Die meisten Einwohner leben mittlerweile in der Strandregion. Früher war das unklug, denn der Atlantik barg viele Gefahren – nicht nur riesige Wellen, sondern auch Piraten, die leichten Zugang zur Bevölkerung gehabt hätten. Deshalb lebte man früher auf der Anhöhe. Wenn die Stürme und Wetter das Meer heute aufwühlen, verbarrikadieren die Einwohner ihre Häuser mit Brettern. Durch die Möglichkeiten der Technik kann man schon früh gefährliche Wetter erkennen. Nazare zählt zu einer sehr beliebten Urlaubsregion – auch für die Portugiesen. Die Anhöhe ist mit der Strandregion durch eine Bahn verbunden und die Strandpromenade lädt ein zu bummeln und zu genießen.

Auf der einen Seite bedrohliche Naturgewalt und auf der anderen Seite zieht genau diese Situation viele Surfer aus aller Welt an. Zwischen November und Februar gibt es die höchsten Wellen und zieht die Big Wave Surfer*innen von überall nach Nazare. Mit fast 30 Metern wurde die größte Monsterwelle gemessen. Im Februar finden die Weltmeisterschaften statt. Ich habe mir im Internet ein paar Videos angeschaut und bin im Nachgang noch sehr froh, dass sich während unseres Besuches das Meer friedlich präsentierte. Unter Stichwort: „Nazare, Monsterwellen“ kannst du es bei Google anschauen.

Der nächste Halt war in Alcobaca, wo wir das Kloster Mosteiro de Alcobaca besuchten, welches seit 1989 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Es handelt sich um ein ehemaliges Zisterzienserkloster und gehört zu den größten, ältesten und berühmtesten Klöstern des Landes. Gefühlt mitten in der Stadt liegend prägt es diese sehr. Über 250.000 Besucher pro Jahr zeugen von der magischen Anziehungskraft. Eine Klosterbäckerei präsentierte die dortigen Spezialitäten, die so kunstvoll aussahen, dass man sie nur mit Ehrfurcht essen konnte.

Weiter ging es nach Coimbra, einer Universitätsstadt mit besonderem Flair. Rund 30.000 Studenten stillen hier ihren Wissensdurst. Die verschiedenen Studiengänge erkennt man an der Farbe der Kleidung. Die Besichtigung der Universität war ausgiebig möglich, da am Samstag keine Vorlesungen stattfanden. Die Atmosphäre von viel Geschichte und viel Wissen ließ uns ehrfurchtvoll durch die Gänge schreiten. Da die Universität in der Oberstadt liegt, hatten wir einen herrlichen Blick über die Stadt bis ins Umland hinein.

Am Rande bekamen wir einen Brauch mit, bei dem die ersten Semester eine Aufnahmeprüfung bestehen sollten. Wenn ich es richtig interpretiere, sollten die jungen Burschen in Unterhosen eine öffentliche Treppe hinunter gehen – eigentlich ziemlich harmlos und es sah aus, als hätten sie viel Spaß miteinander. Wenn man im Internet recherchiert, ist diese Universität dafür bekannt, viele studentische Traditionen zu pflegen.

In der Mittagspause schlenderten wir durch die Fußgängerzone Coimbra´s. Eine Mitreisende hatte leckeren Frischkäse entdeckt und den ließen wir uns mit einem Brötchen auf einer Parkbank schmecken. So hatten wir etwas mehr Zeit, die Stadt auf uns wirken zu lassen und natürlich die dortigen süßen Leckereien zu probieren.

Ganz anders geartet war unser nächstes Ziel. Aveiro liegt an einer Lagune mit Kanälen, die man mit farbenfrohen Booten befahren kann. Früher wurden diese zur Seetang-Ernte genutzt. Man nennt Aveiro auch das Venedig Portugals. Heute ist Salzgewinnung ein Standbein der Wirtschaft. Schöne Fliesenbilder an den Häusern erzählen Geschichten von früheren Zeiten. Eine süße Köstlichkeit ist hier ein mit einer Eigelbcreme gefülltes Blätterteigtörtchen. Die Eigelbcreme wird mit Wasser und Zucker gekocht. Super lecker und sehr hübsch anzusehen. Die Tradition stammt aus alter Klosterzeit und erfreut heute noch die Sinne. Die übrig gebliebenen Eiweiße wurden zum Stärken beim Bügeln benötigt – vermutlich war es umgekehrt, dass die Eigelbe übrig blieben und verwendet wurden.

Die nächsten beiden Nächte verbrachten wir in einem Hotel in Porto, ein Hochhaus mit 19 Stockwerken. Als wir uns für das Abendessen frisch machten, ertönte ein Feueralarmsignal. Aus vielen Türen schauten Hotelgäste auf den Flur heraus. Aus unserer Reisegruppe waren mehrere Zimmer in diesem Stockwerk belegt. Wir beratschlagten, was klugerweise zu tun ist, denn die Aufzüge funktionierten nicht mehr und telefonisch konnte man die Rezeption nicht erreichen. Wir waren in der 6. Etage untergebracht und entschieden uns, über den Notausgang nach unten zu gehen. Also schnappten wir uns Papiere, Handy und Jacke und liefen hinunter. Dort bekamen wir die Auskunft, dass eine Störung im Wellnessbereich den Feueralarm ausgelöst hätte und bereits alles wieder in Ordnung sei. Hoch konnten wir dann mit dem Aufzug fahren. Ich fand es eine interessante Erfahrung, denn so mancher Gast ließ sich von dem Alarm nicht irritieren. Beim Abendessen am 2. Abend in diesem Hotel war die gleiche Situation wieder. Wir waren allerdings schon beim Essen und ließen uns von der Gelassenheit des Personals anstecken. Wenn es einmal einen echten Notfall gibt, dann bricht Panik aus – weil mancher es aussitzt bis zum Schluss…

Am fünften Tag, einem Sonntag war es möglich, sich aus dem Vormittagsprogramm der Reisegruppe auszuklinken. Diese Möglichkeit nahmen wir gerne wahr. Gegen Mittag machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt. Leider war das Wetter an diesem Tag ziemlich nass und ungemütlich. Trotzdem hatten wir schöne Einblicke in das sonntägliche Porto als wir durch die schmalen Gassen Richtung Hafen gingen.

Am Nachmittag sollte eine Schifffahrt auf dem Duoro stattfinden. Darauf freute ich mich sehr, hatte aufgrund des Wetters aber gemischte Gefühle. Ich mache es kurz: wir waren froh, als die Fahrt vorbei war *lach. Gegen den Regen waren wir durch eine Plane geschützt, gegen den Wind schützten wir uns mit unseren Regenschirmen. Meinen Schirm habe ich übrigens in Porto am Hafen gekauft *lach – eine Erinnerung. Gottseidank waren wir eine kleine Gruppe, die viel Spaß hatte und die Situation mit Humor meisterte. Wenn ich heute daran zurück denke, sehe ich uns noch auf der Bank sitzen, offene Schirme so sortieren, dass uns wenig Wind erwischt und lachen.

Von den 6 berühmten Brücken und der herrlichen Landschaft links und rechts des Flusses haben wir nicht viel gesehen und es hat uns in diesem Moment auch nicht wirklich interessiert. Es muss ja Gründe geben, nochmal nach Porto zu fahren…

Passend zum Wetter hatten wir zum Abschluss der Douro-Schifffahrt einen Termin in einer Portweinkellerei mit Verkostung. Dort konnten wir uns wieder aufwärmen – innerlich und äußerlich.

Über Portwein und seine Herstellung hatte uns Teresa schon einiges erzählt. Vor Ort Einblick zu bekommen war sehr interessant. Ganz einfach zusammen gefasst ist Portwein ein Weinverschnitt aus jungen und älteren Weinen und hat 19-21 % Alkohol. Die Lagerung hat großen Einfluss auf den Geschmack. In 20.000-Liter-Fässern hat der Wein wenig Kontakt mit dem Holz, der Geschmack ist neutral und die Farbe rubinrot. In 600-Liter-Fässern, wird der Geschmack des Holzes intensiver und die Farbe wird bernsteinfarbig. Seit etwa dem 17. Jahrhundert wird Portwein hergestellt, indem nach Lese und Pressung der Gärprozess mit 80 %igem Brandwein unterbrochen wird. Dadurch bleibt der Zucker im Wein. Die Süße des Endproduktes kann mit der Länge der Gärung gesteuert werden. Ein Portwein-Institut macht Qualitätskontrollen und dokumentiert diese mit Stempeln auf der Flasche. Die beste Qualität ist „vintage“. Dieser Wein hat 10-12 Jahre Lagerung hinter sich. Es empfiehlt sich, diesen zu dekantieren, da sich Satz bildet. Wenn eine Flasche Portwein vintage geöffnet wird, sollte sie innerhalb 24 / 48 Stunden getrunken werden, da der Wein sonst oxidiert. Er eignet sich deshalb für besondere Anlässe. Der Portwein für „normale Gelegenheiten“ ist der LBV = LateBottleVintage.

Der sechsteTag begann regnerisch. Im Bus erzählte uns Teresa viel Interessantes über Portugal, die gesellschaftlichen Strukturen und Sozialabgaben. Das Durchschnitts-Einkommen liegt bei ca. 700 €/Monat. Darüber kann sich jeder selbst seine Gedanken machen. Wir waren in Geschäften und in der Gastronomie und die Preise sind etwas günstiger als bei uns – allerdings bei weitem nicht in diesem Verhältnis…

Als wir an unserem ersten Ziel, in Batalha ankamen, war es wieder trocken und wir konnten das berühmte Dominikaner-Kloster Mosteiro de Santa Maria da Vitoria innen und außen bewundern. Das Kloster ist UNESCO-Weltkulturerbe und wurde im 14. Jahrhundert aufgrund eines Gelübdes zum Dank für den Sieg Portugals über Kastilien errichtet. Über viele Jahrhunderte wurde daran gebaut und es ist bis heute nicht fertig. Was nicht fertig sein soll, hat sich meinem Auge allerdings verschlossen.

06.03.2023 Batalha Kloster
Dominikaner-Kloster Mosteiro de Santa Maria da Vitoria

Fatima war unsere nächste Station. Wir hatten genügend Zeit, diese wichtigste Pilgerstätte Portugals auf uns wirken zu lassen. Der große Platz vor der Kirche war gottseidank nicht so sehr mit Menschen gefüllt, wie man das manches Mal schon auf Fotos gesehen hat. Die Frage, ob wir Menschen gesehen haben, die auf Knien die letzten Meter zur Kirche gerutscht sind, wurde uns schon öfters gestellt: Nein, haben wir nicht gesehen. Wir konnten eine große Spiritualität wahrnehmen und waren beeindruckt wie auch junge Gläubige sehr andächtig waren. Es fällt mir schwer, diese spirituellen Momente in Worte zu fassen, was mir wieder einmal bestätigt: man kann viel lesen und erzählt bekommen – was man selbst erlebt ist etwas anderes. In der Ortschaft Fatima holt einen der touristische Kommerz schnell wieder ein. Madonnenfiguren in allen Farben und Formen werden zum Verkauf angeboten. Das sind bestimmt für die Käufer kostbare Erinnerungen an ihre Pilgertour.

Unser Weg führte uns in der Mitte des Landes vom Norden so langsam Richtung Süden. Sehr verblüfft war ich als ich an den Ufern des Tejo Reisfelder sah. Die hätte ich in Portugal wirklich nicht erwartet. Im Landesinneren sind im Sommer um die 40 Grad. Trotzdem lohnt sich in unmittelbarer Nähe zum Tejo der Anbau.

Das oberflächliche Laienauge sieht auf der Fahrt durch Portugal manches Mal Viadukte in der Nähe von historischen Städten. Teresa klärte uns auf: das sind Wasserleitungen, sogenannte Aqädukte. König Joao V. legte 1799 fest, dass Wasserleitungen auch kunstvolle Bauwerke sein könnten. Zum Teil kann man sie besichtigen.

Wasserleitungen
Äquadukt

Des Öfteren waren auch Störche die Hingucker. Auf Überlandstrom-masten oder auf Baumplantagen waren oft viele Nester zu sehen. Wir erfuhren, dass ältere Störche nicht mehr den Weg nach Afrika auf sich nehmen und in Portugal bleiben. Die Jungen fliegen noch dort hin. Wenn sie zurückkommen, müssen sie sich ein eigenes Nest bauen. Störche leben übrigens monogam.

Auf den Besuch in einer Korkeichenfabrik in Azaruja, in der Nähe von Evola freute ich mich schon im Vorfeld sehr und wurde nicht enttäuscht. Mein Staunen über dieses kostbare Naturprodukt ist noch größer geworden. Eine Korkeiche muss 25 Jahre lang wachsen. Dann wird sie zum ersten Mal geschält mit einer ganz bestimmten Technik und sehr vorsichtig, denn wenn man den Baum verletzt, stirbt er. Nach diesen ersten 25 Jahren wird der Baum alle 9 Jahre geschält. Wenn man durch die Lande fährt, sieht man große weiße Zahlen auf den Bäumen. Diese sagen aus, wann der Baum das letzte Mal geschält wurde. Eine 2 steht z. B. für 2022. Die Schälung darf nur von Mai bis August durchgeführt werden. Danach kann der Baum durch die Hitze Schaden nehmen. Der geschälte Kork wird 1 Stunde lang bei über 100 Grad gekocht um Bakterien zu eliminieren. Dann wird er nach Qualität sortiert. Nach 21 Tagen findet der gleiche Prozess von Kochen und Sortieren nochmal statt. Es wird alles verwendet. Minderwertige Ware wird zu Granulat verarbeitet und dämmt gut gegen Feuchtigkeit, Lärm und Temperatur. Im zur Korkeichenfabrik angeschlossenen Geschäft konnten wir bewundern, was man alles aus Kork machen kann.

Die Früchte der Korkeiche sind übrigens normale Eicheln. In Portugal macht man daraus u. a. Eichelmehl für Brot. Eicheln werden auch an bestimmte Schweinerassen verfüttert.

Wenn ich diesen langwierigen Prozess der Korkherstellung betrachte, dann blutet mir noch mehr das Herz, wenn ich im Sommer brennende Berghänge in Portugal sehe. Die Natur hat es so eingerichtet, dass der Baum über die Wurzeln immer wieder austreibt.

Weitere Baumbestände sind Pinienbäume. Mit ihren tiefen Wurzeln verfestigen sie den Sandboden. Pinienkerne dürfen übrigens nur Dezember bis März gesammelt werden, damit sich die Bäume gut entwickeln können. Bei dieser Fahrt, aber auch schon früher fand ich die Pinienwälder immer sehr einladend. Im Sommer im Schatten von Pinienbäumen ein Picknick zu machen stelle ich mir sehr schön vor.

Seit geraumer Zeit vermehren sich auch Eukalyptusbäume in Portugal. Diese wachsen in Monokultur und ihre Samen überleben auch bei Waldbränden ohne Probleme. Sie sind schneller in ihrem Wachstum als andere Pflanzen. Es gibt Stimmen, die behaupten, dass die Industrie mehr Vorteile im Anbau von Eukalyptus sieht, als im Anbau der traditionellen Bepflanzung mit Korkeiche und Pinien. 

Unser Hotel in Evora bot wieder alles, was das Herz begehrte und so konnten wir die Eindrücke des Tages verarbeiten und uns auf die Weiterreise vorbereiten.

Der siebte Tag begann mit mystischem Nebel in Evora, der uns anfangs auf unserem Stadtspaziergang begleitete. Mir hat diese Stimmung gefallen und sie passte auch gut zu den historischen Gebäuden, die wir betrachteten, wie den römischen Tempel von Evora. Die mittelalterliche Kathedrale von Evora ist eines der wichtigsten Denkmäler der Stadt. Mit herrlichem Innenhof und einem gotischen Kreuzgang bleibt sie in meiner Erinnerung. Die Sonne zeigte sich zum Abschied von Evora und so konnten wir fröhlich weiter zu unserem nächsten Ziel fahren.

Ab und zu hörten wir die eine und andere Stimme, die so langsam von Kirchen und Klöster satt waren. Jo, irgendwie konnte ich es verstehen und trotzdem ist jede Geschichte wieder anders und interessant. Außerdem sollte man das Programm für die Reise anschauen – genau so hatten wir es gebucht.

Gebucht hatten wir auch einen Besuch in einer Olivenölmanufaktur. Auf dem Weg dorthin sahen wir große Plantagen mit blühenden Mandelbäumen. Seit etwa 4 Jahren werden Mandelbäume angebaut, sind also ganz neu in Mode. Die Bäume blühen erst und dann kommen die Blätter – das wusste ich auch nicht. In der Pfalz in Deutschland blühen die Mandelbäume erst im Mai, an der Algarve sogar schon im Januar.

Viele Landgüter haben eine Olivenmanufaktur und gleichzeitig auch eine Weinmanufaktur. So können die Mitarbeiter das ganze Jahr beschäftigt werden.

6-7 kg Oliven ergeben etwa einen Liter Olivenöl. Nicht filtriertes Olivenöl ist intensiv grün und hat ca. 0,2 % Säure. Oliven werden von November bis Januar gelesen. Grüne Oliven sind nicht reif. Reife Oliven sind schwarz und schmecken bitter, würde man sie direkt vom Baum essen wollen. Deshalb werden sie in Wasser und Salz eingelegt.

Geerntet wird traditionell indem man Tücher unter die Bäume legt und den Baum schüttelt oder die Äste schlägt. Die herunter gefallenen Oliven können so sauber gelesen werden.

Wenn man in größerem Stil Oliven anbaut, pflanzt man die Bäume enger zusammen. Ähnlich wie im Weinanbau kann man dann die Oliven mit Maschinen ernten, indem man mit einem kleinen Traktor durch die Reihen fährt und die Oliven ansaugen lässt. Wenn die Olive keinen Kontakt mit dem Boden hat, wird eine Verunreinigung durch Erde vermieden, was eine bessere Qualität zur Folge hat. Die Oliven werden gewaschen, die Blätter entfernt und kommen dann in eine Mühle. 14.000 kg Oliven kann die Mühle in einer Stunde verarbeiten. Das Öl fließt während dieses Vorgangs schon ab und die erste Pressung ist fertig. Übrig bleiben das Fleisch und die Kerne. Diese bilden eine Paste, die in lauwarmen Wasserbad bewegt wird. Es entsteht die kalte Pressung, die in großen Stahlbehältern aufbewahrt wird.

Die restliche Paste – ohne die kleinen Kerne, die werden herausgesiebt – wird an Firmen verkauft, die sie weiter verarbeiten. Zwei bis dreimal kann noch Olivenöl herausgeholt werden, das in seiner Qualität aber nicht mehr gut ist. Als Seife, Creme, Futter, Dünger findet bis zum Schluss alles seine Verwendung. Die Kerne werden für die Heizung benutzt.

Tipps für die Aufbewahrung von Olivenöl gab’s vom Chef persönlich: im Kühlschrank flockt gutes Olivenöl aus. In Glasflaschen verändert es seine Farbe, wird gelb und schmeckt schnell ranzig. Also nicht in den Kühlschrank geben und darauf achten, dass die Flaschen aus dunklem Glas sind.

Auf einem Rundgang durch den Garten sahen wir einen Erdbeerbaum. In Portugal wird daraus Schnaps (Medronho) und Likör gemacht. Auch mit dem Verzehr der Früchte sollte man vorsichtig sein, denn sie gären im Magen und man kann davon betrunken werden.

Auch einen Pfefferbaum sahen wir. Interessant, die Pfefferkörner am Baum zu sehen. Wenn man ein Blatt reibt, riecht es wie schwarzer Pfeffer.

Die Verkostung von Olivenöl, Wein und Mandeln war sehr ansprechend gestaltet und wir fuhren fast wie Freunde vom Hofgut weiter.

Gegen 16 Uhr kamen wir an der Algarve in Lagos an und nutzen die Zeit bis zum Abendessen trotz leichtem, aber warmen Regen für einen schönen Strandspaziergang.

07.03.2023 Lagos im Regen

Das Hotel liegt direkt am Strand und ließ wieder keinen Wunsch offen. Ein Teil der Reisegruppe hatte eine Verlängerungswoche gebucht und wir freuten uns mit ihnen, dass sie es so schön hatten und auch die Wetteraussichten perfekt waren.

Bevor es an´s Abschied nehmen ging, verbrachten wir am achten Tag noch ein paar schöne Stunden miteinander. In Sao Goncalo de Lagos bewunderten wir die herrliche Aussicht an einem Aussichtpunkt und konnten einen vorsichtigen Blick auf die unter uns liegenden Grotten werfen. Einige Teilnehmer nutzten die Gelegenheit und gönnten sich am Nachmittag eine Grottenfahrt. Wir erlebten diese schon vor ein paar Jahren und schwärmen immer noch.

08.03.2023 Postkartenmotiv
Postkartenidylle

Wir fuhren an den südwestlichsten Punkt Europas, nach Sagres. Die wilde Natur, die sich den Naturgewalten stellen muss, beeindruckt mich bei jedem Besuch. Die Festung liegt 60/70 Meter über dem Meer und wurde von englischen Piraten zerstört. Die kleine Capela de Nossa Senhora da Graça (Gnaden Kapelle) blieb unversehrt. Der Altar hat wunderschöne Fliesen.

Übrigens war trotz starkem Wind, wie er an dieser Stelle der Welt wohl normal ist, die Temperatur so, dass Kurzarm angesagt war – so schnell kann das gehen *lach.

Die Reise ging weiter zum Cabo de Sao Vicente und wir sahen den lichtstärksten Leuchtturm des europäischen Festlands.

08.03.2023 Sao Vincent Leuchtturm

Auf dem Rückweg machten wir noch eine kleine Stadtführung in Lagos und bekamen von Teresa Informationen über das eine und andere Denkmal sowie Instruktionen, über Busverbindungen, öffentliche Toiletten, und einige praktische Hinweise, die besonders für die Teilnehmer, die eine Verlängerungswoche gebucht hatten, hilfreich waren.

Unser neunter und letzter Tag war wieder ein wenig verregnet. Die Fahrt Richtung Lissabon bzw. Ericeira unterbrachen wir in Monchique zu einem Spaziergang in strömendem Regen. Ich gehörte eigentlich zu der Fraktion, die im Bus bleiben wollte, bin dann aber doch kurzfristig in die Regenjacke gesprungen und habe den Spaziergang mitgemacht. Gottseidank, denn es war richtig interessant und schön. Aus dem Monchique-Gebirge kommen Heilwässer, die in ganz Portugal verkauft werden. Man kann dort auch in Thermalwasser baden. Wir sahen Johannesbrotbäume, Mispelbäume, riesige Flächen mit Kapuzinerkresse, Cistrosen, einen stattlichen Gummibaum und vieles mehr.

09.03.2023 Regenspaziergang Caldes
Es war trotzdem schön!!

Der nächste Stopp in Silves verlief trocken und wir konnten entspannt die Festung besuchen und unsere Mittagspause genießen – mit „draußen essen“ *lach. Wir waren schon öfters in Silves und hatten deshalb nicht den Anspruch vieles anzuschauen.

Am späten Nachmittag kamen wir wieder in Ericeira, unserem ersten Hotel der Rundreise an. Diesmal hatten wir ein Zimmer mit Balkon und Meerblick und wir konnten uns nicht an der Brandung satt sehen. Das Meer hatte sich zum Abschied nochmal richtig ins Zeug gelegt *freu.

Am Morgen der Heimreise klappte auch alles wie am Schnürchen, wir wurden zu ziviler Zeit am Hotel abgeholt. Am Flughafen Lissabon wartete ein netter junger Mann und brachte uns zu unseren Gates. Im Nachgang bekam ich mit, dass bei einem Teil den Teilnehmer der Verlängerungswoche Probleme mit Streiks am Flughafen in Deutschland auftraten und der Reiseveranstalter deshalb kurzerhand den Urlaub um einen Tag verlängerte, damit die Urlauber ohne widrige Umstände nach Hause kamen.

Mein persönliches Fazit ist, dass mir das Inland von Portugal sehr viel mehr gefällt als die Algarve. Ich bin nicht der Mensch, der gerne stundenlang am Strand liegt und ich finde die hübschen kleinen und größeren Städtchen, die wir besuchten sehr ansprechend. Mit dem Wohnmobil hätten wir mehr Zeit …. * lach

Ein herzlicher Dank geht an Teresa, die uns mit viel Begeisterung für Geschichte und Geschichten immer wieder gut unterhielt und informierte und auf alle Belange der Gruppe und Einzelner einging, soweit es möglich war.

Ein herzlicher Gruß geht auch an unsere Mitreisenden. Jeder konnte seinen Urlaub individuell gestalten. Erst an den letzten beiden Tagen sind wir alle – so meine Beobachtung – ein wenig „aufgetaut“ und haben uns ausgetauscht.

Sehr interessant fand ich die Möglichkeit, Einblick zu bekommen, wie es sein kann, wenn man ein halbes Doppelzimmer bucht – bei den einen sehr positiv und bei anderen sehr negativ. Ich habe des Öfteren schon die Angebote gelesen und mich gefragt, wie so etwas abläuft. Mit gutem Willen und Rücksichtnahme von beiden Seiten kann das offensichtlich gut funktionieren.

Als abschließenden Kommentar kann ich diese Reise uneingeschränkt weiterempfehlen!

Die nächste Reise steht in den Startlöchern. Als nächstes wollen wir wieder mit dem Wohnmobil schöne Erfahrungen an Orten machen, die wir noch nicht kennen… wir sind gespannt und du kannst es auch sein *lach

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2019.08._Kurztrips und viele Kilometer mit dem Wohnmobil

Rund um Geburtstage in der Familie und im Freundeskreis bauten wir zeitlich kürzere Routen. Wir lernten den Stellplatz Dörpershöhe bei Remscheid kennen – eigentlich ein Wanderparkplatz, auf dem man mit dem Wohnmobil stehen kann, wenn man denn autark stehen kann.

Auf dem Campingplatz Bad Gandersheim genossen wir ein paar schöne Stunden beim Grillen, Schwimmen, Minigolf spielen und vor allem mit der Familie.

In der Nähe von Großkarlbach feierten wir in einem Wingertsheisel (in einer Weinbergshütte) die Geburtstage von und mit Freunden und freuten uns wieder einmal an der Flexibilität des Wohnmobilisten, denn wir konnten direkt an der Hütte übernachten und mussten uns abends nicht in ein Hotel oder eine Pension bringen lassen. Die Atmosphäre am Morgen nach so einem Fest, finden wir auch schön. Es wird aufgeräumt und man kann die Gespräche und Begegnungen noch einmal Revue passieren lassen. Die Helfer genossen noch eine nette Zeit miteinander, bis der nächste Mieter der Hütte den Platz beanspruchte. Das scheint ein sehr begehrtes Feierplätzchen zu sein – kein Wunder! Es liegt abgelegen, alles was man braucht ist vorhanden und landschaftlich ist es einfach traumhaft schön, mitten in den Weinbergen mit Weitsicht ins Pfälzer Land.

Es bot sich an, im Nachbarort Bissersheim (vermutlich hätten wir das ohne diesen Geburtstag niemals gefunden) das „Fest der offenen Höfe“ zu besuchen. Winzer, Landwirte und Gastronomen hatten ihre Pforten geöffnet und boten ihre Köstlichkeiten an. Die Stimmung im gesamten Ort war von einer gemütlichen Leichtigkeit getragen und wir erlebten mit unseren Freunden nochmals ein paar wunderschöne Stunden.

Auf dem Heimweg verbrachten wir einige Nächte auf dem uns schon bekannten Stellplatz in Lorsch. Zum Frühstück war eine in der Nähe wohnende Freundin da und wir freuten uns über die Möglichkeit des ziemlich spontanen Zusammenseins.

Wieder einmal wurde ein Enkel eingeschult und wir feierten dieses für ihn markante Ereignis mit ihm und der Familie.

Eine Wanderung in Bensheim mit Freunden, die wir auch nicht oft sehen können rundete diese Tour ab. Das Fürstenlager und das Kirchberghäuschen in Bensheim sind Tipps, die wir für Spaziergänge oder Wanderungen – je nachdem wie man das möchte – gerne geben. Wunderschön gelegen, geschichtsträchtig, sehenswert und nach unserem Geschmack immer wieder einen Stopp wert.

Wenn man gerne Eis isst und im kleinen Gefrierfach im Wohnmobil Platz hat, sollte man unbedingt in Heppenheim die Autobahn verlassen und sich im Fabrikverkauf der Firma Langnese mit Eis eindecken. Wir haben mittlerweile den Trick raus, bzw. ein Auge dafür, wieviel Eis ins Gefrierfach passt. Jahrelanges Tetris-Training hilft dabei. Der kleine Umweg lohnt sich.

Etwas verrückt (für unsere Maßstäbe) war der nächste Ausflug. Nach wenigen Tagen zu Hause zum Wäsche waschen und Besuch beim Frisör fuhren wir für 5 Tage nach Hamburg. Nein, kein Besuch in irgendeinem angesagten Musical, sondern ein Seminar, das uns damals als wichtig erschien.

Auf dem Stellplatz in Bad Nauheim verbrachten wir die Nacht (da haben wir schon öfters auf dem Weg gen Norden übernachtet), bevor wir am anderen Morgen weiter Richtung Hamburg fuhren. Sehr angenehm überrascht waren wir von dem Stellplatz Elbepark-Bunthaus, auf dem wir noch ohne Reservierung einen Platz bekamen. Das sei eine glückliche Ausnahme wurde uns gesagt. Man kann einen herrlichen Spaziergang zu einem Leuchtturm machen.

Der Stellplatz liegt nahe am Wasser, ist umgeben von viel Natur und doch ist die Großstadt ganz nahe – das gefiel uns Landeiern gut! Mit dem Bus kommt man direkt vom Stellplatz in die Innenstadt und wir nutzten unseren Ausflug zu einer Besichtigungsrundfahrt mit dem Hopp-on-Hopp-off-Bus und zu einer Hafenrundfahrt mit einem Abstecher in die Speicherstadt. Hamburg: wir kommen wieder! Dann allerdings mit mehr Zeit!!!

In der Nähe von Lüneburg wurden wir zum Mittagessen bei lieben Menschen erwartet und das erleichterte uns den Abschied von Hamburg – und, was soll ich sagen: Lüneburg ist auch wunderschön.

Wir sollten unsere Reisen strukturierter planen, denn so ist das ja fast stressig: überall ist es schön und überall muss man zu schnell weiter….

Auf dem Heimweg zeigte uns die Stellplatz-App einen netten Stellplatz in der Nähe von Kassel an, den wir zur Übernachtung anfuhren. Er befindet sich auf dem Gelände einer Jugendherberge und – so schnell kann man eigentlich gar nicht denken – waren wir wieder in einer ganz anderen Welt. Diese Welt gefiel uns auch. Den jungen Leuten wird viel geboten an Sport und Spiel und es hatte den Anschein, dass ihnen ihr Aufenthalt gefiel.

Einen Ruhetag gönnten wir uns noch unterwegs. Wir haben festgestellt, dass es uns gut tut, noch einen letzten Tag gemütlich im Wohnmobil, ohne neuen Input die Reise Revue passieren zu lassen. Bei einem Besuch auf dem Wochenmarkt in Friedberg deckten wir uns mit allem ein, was man so braucht für einen entspannten Abend mit leckerem Essen und auf dem Stellplatz in Ladenburg fanden wir noch ein freies Plätzchen, sodass wir unseren Plan ausleben konnten.

Auf dem relativ kurzen Nachhauseweg kreisten die Gedanken schon um den nächsten Urlaub. Mal schauen, was uns wieder einfiel … nach der Reise ist vor der Reise …

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2022.08_Skandinavien

Schon seit geraumer Zeit liebäugelte ich mit einer Reise nach Skandinavien. Gerne wollte ich die Länder mit dem Wohnmobil bis ans Nordkap bereisen und mit viel Zeit die Schönheiten dieser Länder genießen. Meinem lieben Mann grauste vor den vielen Kilometern, die gefahren werden müssten. So drehten sich unsere Gespräche immer im Kreis – bis eines Tages ein Newsletter ins E-Mail-Postfach flatterte und eine Reise angeboten wurde: mit dem Bus in 12 Tagen ans Nordkap und zurück. Da war er, der Kompromiss, der für uns beide gangbar war!

In der Vorbereitung lasen wir einiges und beschäftigten uns mit der Reise. Die vielen Kilometer innerhalb sehr kurzer Zeit waren uns bewusst und die Vorfreude enthielt deshalb eine gewisse Spannung. Macht das der Rücken mit? Wird das langweilig? Man kann sich ja verrückt machen, wenn man das möchte.

Endlich ging es los. Um 2.55 Uhr aufzustehen ist grundsätzlich gegen meinen Biorhythmus und bis dahin zu schlafen war mir nicht möglich. Das konnte ja heiter werden: so eine Reise völlig unausgeschlafen anzutreten. Wir wurden in Pforzheim mit dem Bus abgeholt. Noch 2 weitere Paare stiegen zu. Wie sich später herausstellte, waren darunter die ältesten Teilnehmer der Gruppe mit 82 und 84 Jahren. Zunächst waren wir erst mal mit uns selbst beschäftigt. bzw. ich mit mir. Zeit zum Schlafen im Bus wäre gewesen, aber wir waren viel zu neugierig auf das was kommt. In den kommenden Stopps stiegen Mitreisende zu und in Darmstadt war der Bus voll. Ich hatte mir das ziemlich blöd vorgestellt, in jedem Dorf zu halten und Leute einsteigen zu lassen. Das war es definitiv nicht. Die 6 Stopps waren gut verteilt und die Reise zu unserer ersten Übernachtung nach Hamburg konnte unkompliziert weiter gehen.

unser Bus
Unser Bus und Hauptaufenthaltsort für die nächsten 12 Tage

In Hamburg wurden wir bereits vom Reiseleiter unseres Reiseveranstalters erwartet. Wir erfuhren, dass 2 Busse die gleiche Tour machten. Der andere Bus sammelte die Leute von Freiburg bis Karlsruhe ein. Ab und zu gäbe es Berührungspunkte der beiden Busse, aber normalerweise sei jeder Bus eine eigenständige Gruppe. Es gab Informationen über die Reise und Dinge, die beachtet werden sollten, wie z. B. dass es in Skandinavien Diebstahl ist, wenn man etwas vom Frühstücksbüfett mitnimmt. In aller Regel kommt die Polizei und man bekommt eine Anzeige und eine Geldstrafe wird fällig (unsere Reiseleiterin erlebte so eine Situation schon einmal auf einer früheren Reise). Auch an die Pünktlichkeit wurde appelliert, da die Reise zeitlich straff geplant sei. Wir lernten unsere Reiseleiterin Bärbel kennen und nach einem leckeren Abendessen vom Bufett und einem kleinen Spaziergang rund um das Hotel fielen wir ziemlich k. o. ins Bett.

2022 Map 09

Tag 2 fing ziemlich früh an: ab 5.30 gab es Frühstück im Hotel und die Abfahrt war auf 7 Uhr fest gelegt. Unser Busfahrer gab uns die Order, jeden Morgen 10 Minuten VOR Busabfahrt am Bus zu sein, da er Zeit brauchte, die Koffer einzuladen. Mein Gefühl war, dass die Zeit langsamer läuft. Ruckzuck waren wir in Puttgarden und fuhren mit der Fähre nach Rödby in Dänemark. Auf unserer Fahrt durch Dänemark erhielten wir immer wieder interessante Informationen von unserer Reiseleiterin. Die Fahrt über die Insel Lolland, durch den Guldborgtunnel zur Insel Falster und über die größte dänische Insel Zealand war sehenswert. Ich wusste schon, dass es in Dänemark viele Inseln gibt, aber in meinem Kopf war Dänemark der Zipfel oberhalb von Flensburg. Schon jetzt war mir klar, dass sich die Reise lohnt, denn ich war es zu diesem Zeitpunkt und bin es immer noch: sehr begeistert von den schönen Landschaften Dänemarks.

Kurz vor Kopenhagen machten wir Mittagspause und sollten vom Busfahrer versorgt werden. Dieses erste Mittagessen ging ziemlich in die Hose (Name: Nudelsuppe, Fakt: braunes Wasser ohne alles – und geschmeckt hat es auch nicht wurde uns berichtet). Helmut und ich merkten es gottseidank noch rechtzeitig und versorgten uns an der Rastplatz-Gastronomie mit einem leckeren Baguette. Der Busfahrer Eberhard entschuldigte sich später für die missglückte Kulinarik. OK, so etwas passiert, aber wir waren wachsam. Lecker Essen gehört zu einer gelungenen Reise dazu und wir waren gespannt, wie das weiter geht.

Als nächstes machten wir eine Stadtrundfahrt in Kopenhagen. In den knapp 2 Stunden erfuhren wir sehr viel über die Geschichte Kopenhagens, das Königshaus und Hygge, die dänische Gemütlichkeit. Wir standen vor Schloss Amalienburg, bewunderten die kleine Meerjungfrau, sahen die Börse, den Tivoli und das neue Opernhaus. Mich begeisterten die ausgebauten Fahrradwege und die Möglichkeiten, die Fahrradfahrern geboten sind. Neben den Radwegen gibt es extra abgetrennte Bereiche für Fußgänger. Mit meiner Begeisterung konnte ich leider nicht anstecken, denn wir wurden mehrfach darauf hingewiesen, wie gefährlich man als Fußgänger lebt. Die Radler seien ziemlich rücksichtslos unterwegs. Gegenseitige Rücksichtnahme ist vermutlich überall auf der Erde ein Thema. Um mir ein eigenes Bild zu machen, fehlte leider die Zeit – ein Grund, noch einmal herzukommen. 

Auf der Küstenstraße fuhren wir den Öresund entlang nach Helsingör um mit der Fähre nach Helsingborg in Schweden überzusetzen. Die Fähre fährt an Schloss Kronborg vorbei. Dort soll Shakespeare zur Handlung in Hamlet inspiriert worden sein. Man nennt es deshalb auch das Hamlet-Schloss.

In der Region Smaland in Alvesta übernachteten wir in einem kleinen gemütlichen Hotel. Das Abendessen war lecker und mit den vielen Eindrücken in uns hatten wir keine Einschlafschwierigkeiten.

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Tag 3 fing auch wieder früh an: ab 6 Uhr Frühstück, Abfahrt 7 Uhr. Von den 3 Paaren, die in Pforzheim zugestiegen waren, verstanden wir uns von Anfang an sehr gut mit Manuela und Ingo. Sie saßen auf den Plätzen vor uns im Bus und wir teilen u. a. den gleichen Humor. Ingo und Helmut frühstücken gerne lang und ausgiebig. Die beiden waren von der kurzen Frühstückszeit etwas gestresst: musste doch in relativ kurzer Zeit ziemlich viel an Nahrung aufgenommen werden, damit es bis zur Mittagspause reichte. Zwar waren wir mit Keksen etc. versorgt, aber das war nicht wirklich zufriedenstellend.

Wir fuhren den Vätternsee entlang, der ca. 3,5 x so groß wie der Bodensee ist. In Gränna hielten wir bei einer Zuckerfabrik und ich brauchte viel Disziplin, meinen Einkauf in Grenzen zu halten. Da wir vorher von Bärbel schon die Geschichte der Zuckerfabrik erfahren hatten, schauten wir mit anderen Augen darauf. Nur in Kurzform: aus der Not geboren von einer Mama, die ihre Kinder irgendwie durchbringen wollte und vom Erfolg der Geschäftsidee überrascht war. Ein jeder kennt bestimmt die rot-weißen Zuckerstangen, die man z. B. an den Weihnachtsbaum hängen kann…. Die kommen hier her!

Zuckerfabrik in Graenna scaled e1667652545838

Apropos Einkauf, außer in Finnland konnte man nirgendwo mit Euro bezahlen, aber mit EC-Karte. Selbst kleinste Beträge waren kein Problem mit der Karte. Wir brauchten in keinem Land Geld umtauschen.

Die Mittagspause verbrachten wir in Berg am Götakanal. Darüber hatte ich wenige Wochen zuvor eine tolle Dokumentation im TV gesehen und stellte fest: in echt ist es noch viel schöner!!! Ein Wohnmobilstellplatz neben unserem Bus-Parkplatz ließ mir ein wenig das Herz bluten…. Der Götakanal ist 190 km lang und hat einen Höhenunterschied von 91 Metern, der mit 57 Schleusen ausgeglichen wird. Ein geschichtsträchtiges Bauwerk in herrlicher Landschaft.

Mit Hackbällchen, Soße und Brötchen versöhnte uns Eberhard übrigens mit dem missglückten Mittagessen vom Vortag.

Wer meint, das wäre alles nicht zu toppen, der hat noch keine Stadtführung in Stockholm gemacht. Als Überschrift kann man setzen: eine tolle Stadt. Eine Stadt, die auf 14 Inseln liegt, die durch mehr als 50 Brücken verbunden sind. Wir konnten die Wachablösung am Schloss erleben (muss man gesehen haben, auch wenn ich eigentlich drüber lachen muss, weil es so aus der Zeit gefallen wirkt), durch die Altstadt gehen und einen Eindruck vom Flair der Stadt mitnehmen. Quirlig, traditionell, architektonisch interessant und vieles mehr trifft auf Stockholm zu. Auch der Begriff teuer passt: Grundstücke kosten wohl zwischen 8.000 und 12.000€/qm.

In Stockholm aßen wir zu Abend, da wir um 19 Uhr über Nacht mit der Fähre durch das Schärenmeer nach Turku in Finnland fahren wollten. Vor dieser Überfahrt war mir ein wenig bange, da Innenkabinen gebucht waren und ich unter Platzangst leide. Gottseidank konnte ich es aus meinen Gedanken ausblenden, wo sich die Kabinen befanden und hatte sogar einen angenehmen Schlaf in der minikleinen Kabine.

Den Abend verbrachten wir an Deck bei herrlichem Wetter und später erhaschten wir noch einen Blick auf den fast vollen Mond. Diese Bilder haben sich mir ganz tief eingeprägt – soo schön!! Man merkte übrigens bereits, dass es später dunkel wurde, weil wir schon ziemlich weit im Norden waren und wir musste den Tag aus Vernunftgründen nach der Uhr beenden.

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Der vierte Tag begann richtig gut! Frühstück auf der MS Galaxy am Panoramafenster bei der Einfahrt in den Hafen von Turku, der ältesten Stadt in Suoni – das heißt Finnland. Das Frühstücks Bufett ließ keinen Wunsch offen, das Ambiente war traumhaft – auch dieser Tag konnte nur super werden! Über die Uhrzeit des Frühstücks reden wir gar nicht mehr: 6 Uhr und um 7 Uhr war Abfahrt. Der Bus wartete außerhalb der Fähre auf uns, da im Bauch der Fähre kein Platz zum Ein- und Aussteigen war.

Angeberwissen: Finnland hat etwa die Größe von Deutschland, allerdings mit 5,5 Mio. Einwohnern. Diese leben überwiegend im Süden des Landes. Im Norden leben ca. 0,5 Einwohner auf einem Quadratkilometer. Man nennt Finnland auch das Land der tausend Seen. Als See darf sich allerdings erst eine Wasserfläche von 5a nennen. Ca. 86 % Finnlands sind Waldfläche und ab September ist mit Schnee zu rechnen.

Um kurz nach 10 Uhr erreichten wir bereits Helsinki. Wieder stieg eine sehr nette Stadtführerin zu und brachte uns ihren Lebensraum nahe. Mittelpunkt in Helsinki ist der schneeweiße Dom mit seinen türkisenen Kuppeln. Viele Künstler verwirklichten sich hier und geben der Stadt ein schönes Bild. Wir machten am Fußballstadion eine kurze Pause, und stellten fest, dass am Abend vorher ein Fußballspiel von Eintracht Frankfurt gegen Real Madrid stattgefunden hatte. Die Fußball-Interessierten waren ziemlich elektrisiert. Wir fuhren am Opernhaus vorbei, standen am Denkmal von Paavo Nurmi, einer Läuferlegende und bewunderten eine Skulptur von Passio Musicae, der 1967 verstarb. Lustig ist auch die Idee, in einem Riesenrad eine Saunakabine zu installieren, die man buchen kann. Ein kleiner Sprachkurs in finnischer Sprache kam im Bus sehr gut an und wir übten fleißig ein paar einfache Worte, z. B. Bussikuski für Busfahrer oder yksi (eins), kaksi (zwei), kolme (drei), kippis (Prost) und natürlich kiitos (danke).

Mich beeindruckten die Ausführungen der Stadtführerin zur finnischen Lebensart. Auf dem Glücksatlas steht Finnland auf Platz 1. Sie nannte als Grund dafür, dass die Finnen ein zufriedenes Volk sind und sich als Gemeinschaft empfinden. So weiß jemand, wenn er Müll in die Landschaft wirft, dass ein anderer aus seiner Gemeinschaft diesen wegräumen muss und unterlässt es. Man ist zufrieden mit der Regierung und den Gegebenheiten, die das Leben mit sich bringt. Was geändert werden sollte wird diskutiert und dann findet man eine Lösung, mit der wieder alle zufrieden sind. Ich finde, daran kann man sich eine große Scheibe abschneiden, besonders, wenn man aus einem Land kommt, in dem Nörgeln und Besserwissen chic sind.

Die Mittagspause war ebenfalls nach unserem Geschmack: eine ganze Stunde Zeit auf einem Markt am Hafen von Helsinki und man konnte finnische Leckereien probieren. Wir sahen einige Frankfurt-Fans mit ihren Koffern. Sie nutzten den Ausflug zu ihrem Verein auch dazu, ein wenig von der Stadt zu sehen. Der Platz, an dem die Helsinkier feiern liegt ebenfalls am Hafen. Mitten auf dem Platz steht ein Brunnen mit einer nackten Dame als Bronzestatue. Wir hörten einige lustige Begebenheiten zu dieser Statue und rund um den Brunnen.

Weniger lustig ist die Tatsache, dass im Hafen einige große Schiffe als Eisbrecher bereit stehen. Da Finnland nichts vom Golfstrom abbekommt, frieren die Wasserstraßen recht schnell zu.

Zur Kaffeezeit erreichten wir Lahti, eine durch den Wintersport sehr bekannte Stadt. Im Sommer ist der Auslauf der großen Schanze ein großes Freibad. Doppelte Nutzung ist eine gute Idee!! Überhaupt ist Lahti eine heimliche grüne Hauptstadt, weil schon sehr früh wirtschaftliches Wachstum mit Umweltschutz verbunden wurde. Wieder etwas, von dem andere Länder lernen können.

In Finnland werden übrigens viele Rastplätze an der Autobahn bzw. Hauptverkehrsstraßen mit Supermärkten bereichert. Wir fanden das super, denn so konnten wir uns immer wieder mit frischem Obst und Keksen o. ä. eindecken.

Eine Weile genossen wir noch die Fahrt durch die finnische Seenplatte und übernachteten in einem tollen Sport & SpaHotel in Leppävirta.

Ein ganz spezielles Thema möchte ich nur kurz anreißen: Pippi-Pausen. Alle 2 – 2,5 Std. gab es einen Stopp zu diesem Thema mit klaren Hinweisen, wo sich die Toiletten befanden. Für dringende Notfälle stand uns die Toilette im Bus zur Verfügung. Aus Erfahrung kann ich sagen, das funktioniert auch! In Deutschland sind die Toiletten kostenpflichtig in den anderen Ländern nicht! Wir fanden immer saubere Örtchen vor – geht also auch ohne Kosten….

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Der fünfte Tag hatte wieder ein pralles Programm und versprach in der Vorschau Höhepunkte der Reise.

Zunächst war „ausschlafen“ angesagt: Abfahrt war erst um 7.30 Uhr – man wird bescheiden.

Ein erster Stopp im Glockenmuseum in Pyhäjärvi ließ uns über die Menge der ausgestellten Glocken in allen Größen staunen. Natürlich ließen wir die eine und andere Glocke erklingen und hatten unseren Spaß dabei.

Vorbei an Oulu, der größten Stadt Nordfinnlands mit 200.000 Einwohnern wurden wir an den östlichsten Punkt der Ostsee, im Bottnischen Meeresbusen in Finnland gefahren.

Herrliche ursprüngliche Landschaft und ein rauer Wind begeisterten uns und wir ließen uns das „Dreigangmenü“ Brötchen, Wurst, Senf zur Mittagszeit schmecken. Mit einem Blick auf die Landkarte wurde das Staunen immer größer, denn wir waren schon ganz schön weit im Norden unterwegs.

Die Zeit drängte und so ging es zeitnah weiter Richtung Polarkreis und der Heimat des Weihnachtsmannes in Rovaniermi. Ja, alles ist touristisch aufgezogen, aber trotzdem kam das Kind in den meisten hervor. Die Taufe zur Polarfrau bzw. zum Polarmann war lustig und ein Besuch beim Weihnachtsmann weckte Gefühle aus frühen Kindheitstagen. Den Auswirkungen der Pandemie war es geschuldet, dass viele Geschäfte früh schlossen, da einfach noch nicht viele Kunden da waren. Unsere Portemonnaies waren dankbar. Bestimmt hätte man einiges für Weihnachtsdeko ausgeben können.

Mit weihnachtlichen Melodien im Ohr legten wir das letzte Stück Wegs für den heutigen Tag zurück. Wir übernachteten im Skigebiet Levi, das den Wintersportfans bestimmt bekannt ist. Levi liegt in einer traumhaften Landschaft und wenn wir nicht so hungrig und müde gewesen wären, hätten wir gerne noch einen Spaziergang gemacht. Beim Einchecken ins Hotelzimmer funktionierte unsere Karte nicht. Helmut machte sich auf den Weg zur Rezeption, um den Fehler zu melden. Die Karte wurde neu aufgeladen und voller Freude auf ein leckeres Abendessen wollte er die Zimmertüre öffnen – funktionierte wieder nicht. Etwas knurrig ging er wieder zur Rezeption, ich sang ein beständiges Ommmmm vor mich hin und bewachte unsere Koffer. Die sehr nette Rezeptionistin kam dieses Mal mit, um nach dem Fehler zu schauen, denn das konnte sie sich nicht erklären. Auweia, wie peinlich: wir standen am falschen Zimmer. Die vielen Eindrücke erschöpfen und Helmut hat sich bei der Übergabe der Zimmerkarten irritieren lassen und sich die falsche Nummer gemerkt. Auf den Zimmerkarten stand keine Zimmernummer drauf…. Ich bin bei dem Thema sowieso draußen, den Zahlen sind normalerweise Helmuts Welt *lach.

Endlich konnten auch wir uns dem Abendessen widmen und waren begeistert von dem leckeren Essen vom Buffet.

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Der sechste Tag begann mit einer abenteuerlichen Fahrt durch Lappland. Etwa 40 km ungeteerte Straße verlangsamten unsere Reise. Es kam uns ungefähr pro halbe Stunde ein Auto entgegen, ab und zu sahen wir Rentiere links und rechts der Straße und ab und zu auch auf der Straße.

Wir erfuhren einiges Interessantes über Lappland und ihre Einwohner. In meiner Erinnerung an lange zurückliegenden Schulunterricht heißen die Einwohner von Lappland Lappen. Das empfinden diese allerdings als Schimpfwort. Die Einwohner von Lappland sind die Samen. Es leben wenige Menschen in diesen Regionen. Unsere Reiseleiterin legte eine CD mit traditioneller Musik von den Samen auf und wir genossen die Landschaft, die an uns vorüberzog. Typische Holzhäuser standen ab und zu in Sichtweite zur Straße zum Teil von Bäumen verdeckt. Bären leben hier auch – leider (oder gottseidank?!) hat sich uns keiner gezeigt.

Unter dem Eindruck dieser ganz besonderen Musik und Landschaften verlor ich mein Herz an Lappland. Jetzt, da ich Monate später diese Zeilen schreibe, kann ich noch den Emotionen und Eindrücken der Weite, der Ursprünglichkeit und der Lebensfreude nachspüren.

Am Inarisee (Inarijärvi), dem drittgrößten See Finnlands machten wir eine schöne Pause und staunten wieder über die Gegensätze, die dieses Land zu bieten hat. Auf dem See schaukelten große Yachten, Motorboote und Wasserflugzeuge. Wasserspiele auf dem See erzeugten ein Gefühl von Urlaub und Entspannung. Shopping durfte natürlich auch nicht zu kurz kommen und in den kleinen aber feinen Geschäften konnte man sich mit Kleider aller Art für den kommenden Winter eindecken. Hier weiß man, was gut gegen Kälte ist *lach.

In Gesprächen in der Gruppe kam die Frage auf, wie es sich bei einem medizinischen Notfall in dieser einsamen Gegend verhält. Wir kamen oft an Hubschrauberlandeplätzen vorbei, am Inarisee standen die Wasserflugzeuge und man hat wirklich überall Handyempfang. Sorgen braucht man sich meines Erachtens nicht zu machen. In Deutschland steht der Notarzt auch nicht sofort am gewünschten Ort.

Kurz nach dem Inariesee sahen wir den ersten Wegweiser zum Nordkapp: noch 343 km. Gegen Mittag überquerten wir die Grenze nach Norwegen und fuhren den Porsanger Fjord entlang Richtung Nordkapp. Der Porsanger Fjord ist der viertlängste Fjord in Norwegen und zum Teil 310 m tief. Dass man bei Fjorden auch Ebbe und Flut in großer Deutlichkeit sieht, überraschte mich. Die Dimension der Landschaft in seiner Größe und Weite beeindruckten uns sehr.

Die Mittagspause am Fjord bei Ebbe ermöglichte es, weit in den Fjord hinein zu gehen. Wieder gab es „Dreigangmenü“ mit Brötchen, Wurst und Senf. Brötchen wurden frisch aufgebacken, Wurst gibt es mit Abstand bessere. Einmal auf dieser Reise hätte gereicht. Eine Ausweichmöglichkeit gab es nicht. Apropos Essen, in dieser Gegend, so hoch im Norden wächst die Moltebeere. Sie ist eine gute Vitamin C-Quelle für die Menschen, die hier leben. Die Natur ist schon sehr klug!

Wir fuhren den Porsanger Fjord entlang, machten in Olderfjord nochmal eine kleine Pause und freuten uns auf das Ziel unserer Reise: das Nordkapp. Schon die Anfahrt machte uns sprachlos ob der unbeschreiblichen Natur. Die Dimension der Landschaft sprach ich schon an und ich könnte es immer wieder tun…. man kommt sich vor wie ein kleines Krümelchen auf dieser Erde und kann nur staunen.

Abenteuerlich waren die vielen engen und nur mäßig gut ausgebauten Tunnels. Da doch erstaunlich viele Menschen das Nordkapp mit dem Fahrrad anfahren (ich weiß nicht, wie ich dazu stehen soll…) ist die Situation auf den Straßen noch mehr angespannt. Die Tunnel sind selten beleuchtet, Fahrradwege gibt es nicht und in den Tunnels kommen 2 große Autos (z. B. Bus, LKW, Wohnmobil) gerade so aneinander vorbei.

Es ist also höchste Konzentration vom Fahrer gefragt. An dieser Stelle ein dickes Lob und Dankeschön an unsere beiden Busfahrer, die uns immer das Gefühl der Sicherheit vermittelten. Dieses Lob und Dankeschön gehörte eigentlich an den Abschluss eines jeden Tages!!! Wenn wir uns beim Essen labten und dann müde unsere Zimmer bezogen, sorgten sie für Sauberkeit und Ordnung im Bus, bereiteten mit Bärbel zusammen die exakte Route für den kommenden Tag vor usw. Wenn uns unterwegs einmal die Augen zufielen waren sie entspannt und trotzdem hochkonzentriert am Steuer.

Eberhards Frueh und Spaetsport Danke
Busfahrer Eberhards Sportprogramm: morgens Einladen und abends wieder Ausladen

Endlich waren wir am Ziel dieser Reise! Man kann darüber auf verschiedene Arten berichten: Es regnete, war kalt und stürmisch und man sah nicht viel… und zu Hause waren 34 Grad. Schade, wenn man das so empfindet.

Ich hatte so meine Vorstellungen vom Nordkapp… man fährt durch den Tunnel und ist dann auf der Insel und am Nordkapp…. jo, nicht falsch, aber eigentlich überhaupt nicht richtig. Dass die Insel 925,7 qkm hat ist der erste Punkt, den ich mir nicht vorstellen konnte. Es sind fast 50 km auf recht engen Straßen durch einsame schroffe Natur und unendlicher Weite vom Nordkapptunnel bis ans Nordkapp zu fahren. „Das Nordkapp ist der nördlichste vom Festland aus auf dem Straßenweg erreichbare Punkt Europas“, sagt Wikipedia.

Ich war tief beeindruckt und sog jede Kleinigkeit in mich auf. An der Kugel zu stehen war für mich ein Erlebnis, das ich vermutlich nur in diesem einen Zeitfenster von 2 Stunden in meinem Leben hatte. Der Regen störte mich nicht, er gehört in diesen Breitengraden dazu, genauso wie der Wind. Im Museum wurden uns in einem Film Eindrücke über das Leben auf der Nordkapp-Insel gezeigt und unser Staunen wurde immer größer. Hier leben ca. 3000 Menschen mit der Natur und der sehr rauen Witterung.

Unser Hotel befand sich in Kamoyvaer auf der Nordkapp-Insel und war urig und gemütlich. Es gab die eine und andere negative Stimme dazu – uns gefiel es. Es war blitzsauber und unser Bad war renoviert. Ich versuchte mir vorzustellen, wie man hier in monatelanger Dunkelheit bei Wind und Wetter und jeder Menge Schnee leben kann.

Nach dem Abendessen hatten wir die Gelegenheit bei der Künstlerin Eva Schmutterer einen Besuch zu machen. Dieses Angebot nahmen wir gerne an: super, mit jemandem reden zu können, der hier wirklich lebt!! Sie kam vor vielen Jahren der Liebe wegen von Deutschland in diese Region. Gerne beantwortete sie unsere Fragen und wir erfuhren vieles über das alltägliche Leben auf dieser Insel. Eine Situation, die in unseren Breitengraden unvorstellbar wäre ist z. B. die, dass man sich im Winter zum Einkaufen verabredet, hinter dem Schneepflug im Konvoi in die nächste Stadt nach Honningsvag fährt und genauso auch wieder zurück. Wenn die Bewohner von Kamoyvaer im Winter einmal einige Zeit von der Außenwelt ganz abschnitten sind, schicken sie dem Bürgermeister per Mail ihre Einkaufslisten und sobald es irgendwie möglich ist, werden die Waren per Boot angeliefert. Das ist jedes Mal ein Fest im Ort und wer es möglich machen kann steht an dem kleinen Hafen und bejubelt die Ankunft des Bootes.

Mit speziellen Lichtlampen gleichen sie den Mangel an Licht aus und sogar die Haustiere haben jeden Tag ihre Zeit, unter der Lichtlampe ihre Serotonin-Depots aufzufüllen. Die Häuser sind im Boden verankert, damit ihnen der Sturm nichts anhaben kann. Spezielles Fensterglas kann sich nach innen wölben und so dem Wetter trutzen. So eine ganz andere Welt, andere Gegebenheiten, extreme klimatische Verhältnisse usw. beeindrucken mich zutiefst und ich habe großen Respekt vor Menschen, die sich dort zurechtfinden und sogar wohl fühlen.

Wir erfuhren übrigens im Nachgang, dass am Tag vor und am Tag nach unserem Besuch am Nordkapp dieses wegen Orkan gesperrt war. Wohnmobile können direkt am Nordkapp stehen und bei dem Orkan seien einige umgefallen…. das erste Mal, dass ich richtig froh war, mit dem Bus dort zu sein.

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Das Frühstück am siebten Tag war wie zu Hause nur mit Blick auf einen kleinen Hafen und mit mehr Menschen. Es gab kein Buffet, sondern alles stand auf dem Tisch. Ich fand es gemütlich und passend für diese Gegend. Die Rezeption muss man sich wie ein großes Wohnzimmer vorstellen, auf mich wirkte alles sehr heimelig. Die Frau, die strickend in dem überdimensionalen Sessel saß, verstärkte diesen Eindruck noch. Ich wäre gerne noch geblieben…

Das Nordkapp verabschiedete sich von uns mit einem herrlichen Regenbogen. Die Fahrt ging Richtung Vesteralen und Lofoten. Ich war froh, dass ich die Landschaft vom Bus aus auf mich wirken lassen konnte und wenig intensives Programm geplant war.

Eine Pause machten wir an der Nordlicht-Kathedrale in Alta und eine weitere auf dem Gildetun Rastplatz, von wo aus wir einen herrlichen Blick auf die grandiose Landschaft hatten. Interessant war auch, im Fjord die kreisrunden Lachsbecken zu sehen. Ich weiß nicht, wie sie korrekt heißen.

Unser nächstes Hotel war in Tromsö am Hafen und nach dem Abendessen erkundeten wir noch auf eigene Faust die Gegend. Im Sommer kann es hier 20 Grad werden. Da der Golfstrom hier vorbeikommt, ist das Klima angenehm. Tromsö hat einen Flughafen und einen Hausberg, auf den man mit einer Seilbahn hinauf fahren kann. Das wäre doch auch nochmal eine Reise wert.

Einen Absatz widme ich den lieben Mitreisenden und meinen Beobachtungen dazu. Man wächst schnell zu einer Zweckgemeinschaft zusammen und jeder respektiert den Freiraum des Anderen. So hatten wir nicht den Eindruck, irgendwelche Gespräche aufgedrückt zu bekommen. Gemeinsames Interesse waren die vielen unglaublichen Eindrücke dieser Reise. Mit einem Schmunzeln denke ich an unsere beiden Senioren, die offensichtlich nicht wissen, dass eine Warteschlange hinten beginnt *lach. Auch die beiden Damen, die weite Strecken einfach verschlafen haben, störten niemanden. Ganz interessant finde ich immer noch die Geschichte der beiden Frauen mit dem gleichen Nachnamen. Warum das so ist? Sie waren beide einmal mit dem gleichen Mann verheiratet. Familien-geschichten können auch friedlich und schön enden. Auch die Mitreisende mit der lauten Stimme störte mich nicht – aber nur, weil ich ziemlich vorne im Bus saß und sie ziemlich hinten. Verwundert habe ich ab dem 5./6. Tag Gespräche mitbekommen, wo man sich ernsthaft Gedanken darüber machte, ob das Taxi für die Heimfahrt bestellt ist und ob man sich darauf verlassen könnte. Es ist schon interessant, was für unterschiedliche Menschen in einem Bus zusammengewürfelt sind. Einige Kontakte haben sich bis heute gehalten und ich freue mich, wenn ich von dem einem oder anderen etwas höre oder sehe.

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Der achte Tag versprach wieder interessante Eindrücke. Die erste Pause machten wir an einem Samenzelt, wo die Samen warme Schuhe, Jacken, Mützen, Trolle uvm. verkauften. Urig fand ich das offene Lagerfeuer mitten im Zelt. Von der knapp bemessenen Pausenzeit verloren wir wertvolle Minuten an der Hightech-Toilette. Natürlich stand wieder eine Schlange an und wir freuten uns, dass wir vor dem nächsten Bus angekommen waren. Das Problem war, dass die Türen immer wieder aufgingen und niemand sich die Zeit nahm, die Technik zu verstehen und das Wissen dann weiterzugeben. So war helle Aufregung, wer wem die Türe zuhält. Ganz besondere Herausforderungen auf so einer Reise *lach. Die Gegensätze Hightech-Toilette und Verkaufszelt der Ureinwohner beeindruckten mich wieder einmal.

Auf der weiteren Reise erfuhren wir geschichtliche Hintergründe, denn Bardufoss, wo wir vorbei fuhren, ist heute ein wichtiger Standort militärischer Einrichtungen und die meisten der 2500 Einwohner sind wirtschaftlich direkt oder indirekt davon abhängig. Der Flugplatz war im 2. Weltkrieg strategisch wichtig. Vor Narvik gab es 1940 ein großes Seegefecht – ein unschönes Kapitel deutscher Geschichte.

Ab Narvik fuhren wir den 80 km langen Ofotfjord entlang, der 550 m tief ist und von 1700 m hohen Bergen umgeben ist. Hier sind wir wieder beim Thema Dimensionen.

Zum Mittagessen gab es nun zum 3. Mal Brötchen, Wurst und Senf. Nur der Hunger trieb es rein und ein leckeres Softeis musste den Frust stillen. Das hat das Eis auch geschafft!!! Eis in Skandinavien ist lecker und obwohl die Temperaturen frisch sind, wird unendlich viel Eis gegessen. An jeder sinnvollen Möglichkeit steht ein Geschäft oder ein Stand mit Softeis. Das Softeis ist übrigens mit dem, was wir in Deutschland kennen nicht vergleichbar.

Wieder ein wenig Angeberwissen:

Über die Tjeldsundbrücke kamen wir auf die Vesteralen, eine Inselgruppe, die den Lofoten vorgelagert ist. Man kann den Unterschied leicht erkennen: die Vesteralen haben runde Bergkuppen, da in der Eiszeit der Eispanzer darüber gegangen ist. Die Lofoten haben spitze und zackige Berggipfel – sie schauten aus dem Eispanzer heraus. Endlich habe ich verstanden, was ich vor vielen Jahren in der Schule lernen sollte….

Auf Verkehrsschildern stand eine Ortschaft mit Namen A i Lofoten, ein Tipp fürs Kreuzworträtsel.

In dieser Gegend leben die Menschen in erster Linie vom Fischfang. Kabeljau wird zu Stockfisch verarbeitet und in alle Welt verkauft. Erst an zweiter Stelle kommt der Tourismus.

Es gibt sogenannte submarine Tunnel, die als Ersatz für Fähren unter dem Wasser durchführen. Man kann es spüren, denn zunächst fährt man leicht bergab und dann wieder bergauf.

Das größte Tier auf den Lofoten ist der Fuchs.

Eine schöne Fotopause machten wir in der Nähe von Sildpollnes am Austnesfjord in der Gemeinde Vagan. Eine Kirche steht auf einer Landzunge, dazu wieder die Dimension der Landschaft – diese Schönheit lässt wirklich den Atem stocken. Wir hatten herrliches Wetter mit strahlend blauem Himmel und angenehmen Temperaturen. Genauso hatte ich mir das vorgestellt. Bärbel wies uns immer wieder darauf hin, dass wir großes Glück mit dem Wetter hatten. Sooo wunderschön zeigen sich selbst die Lofoten nicht immer.

Die größte norwegische Holzkirche, auch Lofoten Kathedrale genannt, steht in Kabelvag und hat 1200 Sitzplätze. Wenn ich über die Bevölkerungsdichte nachdenke, ist das eine riesengroße Kirche. Die Holzbauweise vermittelt eine schöne Atmosphäre und schafft architektonische Möglichkeiten, die bei uns nicht bekannt sind.

Ein besonderes Schmankerl war eine Bootsfahrt von Svolvaer aus und die Möglichkeit die Lofoten und Vesteralen vom Wasser aus zu bewundern. Der Bootsführer lockte Möwen mit Futter an und automatisch auch Seeadler. Wer wollte, durfte sich an der Fütterung beteiligen. Mir war es zu riskant, mit der Verdauung der Möwen konfrontiert zu werden – und das war auch gut so.

Im Hotel in Sortland kamen wir recht spät an und nach einem leckeren Abendessen sanken wir todmüde in die Kissen. Ach ja, nachts wurden wir durch leise Geräusche geweckt: von unserem Hotelfenster aus konnten wir sehen, wie die berühmten Hurtigruten anlegten.

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Ein Blick auf den Reiseverlauf und die Landkarte machte uns klar, dass viele Kilometer Heimweg vor uns lagen und wir viel weniger Zeit als für den Hinweg hatten. Der neunte Tag begann mit der Fährüberfahrt von den Lofoten zurück aufs Festland nach Bognes. Die Überfahrt dauerte etwa 1 Stunde und es wehte ein laues Lüftchen bei 22 Grad. Das waren Temperaturen, die wir lange nicht mehr hatten. Im Wandergebiet Steigen zeigte uns die Reiseführerin Bärbel eine tolle Flusslandschaft und wir staunten wieder über die Kraft und Schönheit der Natur. In der Nähe von Sorfold machten wir einen kurzen Stopp an einem Wasserfall, dem Kobbelv Vertshus, der von einem Troll bewacht wird.

Wir fuhren dort vorbei, wo der in aller Welt berühmte Marmor in den Farben rosa, weiß und hellgrau abgebaut wird. Sogar das UNO-Hauptquartier in New York hat den Marmor aus dieser Gegend verbaut. Die Mittagspause durften wir in einem Einkaufszentrum individuell gestalten. Im Hotel wurde morgens gegen Gebühr ein Lunchpaket angeboten und das hatten wir gekauft. Also war unsere Mittagspause sowieso gerettet. Diese Idee will ich im Hinterkopf behalten, denn auf Nachfrage gibt es das bestimmt in den meisten Hotels.

Kurz vor der Grenze nach Schweden überraschte uns Reiseleiterin Bärbel mit einer „Belohnung“ für unsere Pünktlichkeit: über eine Hängebrücke gelangte man zu einem schönen Fleckchen Erde an einem Fluss. Diesen Stopp kann sie nur einlegen, wenn die Gruppe gut in der Zeit ist. An dieser Stelle kann deshalb gerne ein Dank an die ganze Gruppe stehen, dass wirklich jeder die angegebenen Zeitfenster eingehalten hat. Es ist ärgerlich, wenn ein Teilnehmer zu spät kommt und die ganze Gruppe darunter leiden muss, weil der Tag nun mal nur 24 Stunden hat und die Zeit stramm getaktet ist.  

Ungefähr ab der Grenze zu Schweden führte unsere Straße über die Skanden, die bis zu 2400 m hoch sind. Bereits ab 800 m gibt es keine Vegetation mehr und die Landschaft sieht wie glattgeschliffen aus. Große runde Findlinge liegen überall herum. Das waren schöne Eindrücke und wieder ganz anders als alles bisher gesehene.

Mit einem großen Schild ist der Polarkreis auf dieser Strecke ganz unspektakulär gekennzeichnet. Wir machten eine Pause für ein Gruppenfoto.

Unser Hotel lag in Arjeplog. Die Gegend ist charakterisiert von riesigen Seen. Im Winter sind diese zugefroren und bilden eine riesige Eisfläche, auf der die Autoindustrie seit 1973 Wintertests durchführt. Die Stadt hat ca. 2000 Einwohner, im Winter leben für rund 3 Monate mehr als doppelt so viele Menschen dort. Fast jede namhafte Automarke ist dort vertreten. Nach Erlkönigen dreht sich dort niemand um.

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Am 10 Tag musste ich beim Frühstück etwas schmunzeln. Nicht nur ich suchte Joghurt …. irgendwann entdeckte ich ihn: im 1 Liter-Quetschbeutel. Andere Länder andere Joghurtbehältnisse….

Um uns die Rückreise ein wenig kurzweilig zu gestalten, legte Reiseleiterin Bärbel eine Instrumental-CD von ABBA auf. Man mag zu der Musik stehen wie man will, aber wenn man durch´s ABBA-Land fährt, ist diese Musik passend (ich mag ABBA sowieso). Bei diesen beschwingten Melodien die Landschaften vorbei ziehen zu sehen machte Spaß. Zwischendurch bekamen wir immer wieder interessante Informationen, wie z. B. dass die Eisenbahn nur ungefähr bis zum Polarkreis fährt. Irgendwo ungefähr in der Mitte Schwedens machten wir eine kurze Mittagsrast und bemerkten, dass die Zivilisation schon näher kam.

Eine DVD über die Öresundbrücke war hochinteressant und eine gute Vorbereitung für den übernächsten Tag. Nur ein paar kurze Informationen an dieser Stelle: die Verbindung zwischen Nord- und Ostsee ist der Öresund. Die Verbindung besteht zwischen Kopenhagen und Malmö und ist 16 km lang. Es ist eine Kombination zwischen Brücke und Tunnel. Um das verwirklichen zu können, wurde in der Mitte auf offener See eine Insel aufgeschüttet. Würde man das gesamte Bauprojekt hochkant stellen, wäre es ein 60-stöckiges Bauwerk. Eine 4-spurige Autobahn ist im Obergeschoß und im Untergeschoß fährt die Eisenbahn auf 2 Gleisen. Der Hammer ist: nach 5 Jahren Bauzeit, genau nach dem Zeitplan, war alles fertig!!!!

Rätsel: 46 Menschen rasen im Gänsemarsch durch den Park eines wunderschönen Freilichtmuseums. Kurz vor Ende biegen die Männer nach rechts und die Frauen nach links ab und bilden von oben gesehen ein Y. Auflösung: Das Y ist uninteressant! Es handelte sich um eine Pippi Pause mit klarer Ansage wo was ist *lach.

In einer Sportarena in Östersund hatten wir Mittagspause mit einem riesigen Buffet. Da auf die Entfernung von ca. 900 km ein Termin zum Abendessen nur stressen würde, wurde die Hauptmahlzeit auf den Mittag verlegt. Uns kam das entgegen. Wir sind eher Mittagesser und ich wollte noch gar nicht wissen, was die Waage zu Hause sagt. Ungefähr die Hälfte des Tagesplanes an Kilometern war geschafft.

Mit der DVD „Michel bringt die Welt in Ordnung“ versüßte Bärbel uns die nächsten Kilometer. Im Bus breitete sich schläfrige Stimmung aus. Die Anstrengungen der letzten Tage machten sich doch bemerkbar.

In Sveg, einer 2500-Seelen-Stadt kaufte jeder individuell in einem Supermarkt für sich das Abendessen ein. Mir machte das Spaß und mit dem Übersetzer im Handy war das auch kein Problem. Wir warfen noch einen kurzen Blick auf die größte Bärenskulptur der Welt und weiter ging die Reise durch die Dalarna Provinz. Wir erfuhren, dass es hier keine Bodenschätze, Landwirtschaft oder sonstige Industrie gibt, nur Wald. Früher schnitzten die Bewohner die Dala-Pferdchen um sie zu verkaufen. Heute werden sie in Nusnäs produziert. Die Originale sind rot, grün und weiß und sind wohl überall auf der Welt bekannt (ich kannte sie nicht).

Wir fuhren an Mora am Siljansee vorbei. Mora ist bekannt durch den Wasa-Lauf. Es treffen sich jährlich am 2. März tausende Skilangläufer um eine Strecke von 90 km zu überwinden zum Gedenken an Gustav Wasa, der vor langer Zeit einmal König war und sich im Freiheitskampf Schwedens einen Namen gemacht hat. Ich kannte nur das Knäckebrot, das knäcke ich jetzt auch bewusster.

Ein Toilettenstopp irgendwo im nirgendwo kostete uns kostbare Minuten *lach. Irgendwer (die „Verursacherin“ hatte sich gleich geoutet … ) drückte auf einen Knopf in der WC-Kabine und laute Sirene und Blinklicht ließen sich nicht mehr stoppen. Alle technikbegabten Männer versuchten ihr Glück vergebens. Nach kurzer Beratung, entschieden wir (keine Ahnung, wer das entschied) dass wir trotzdem weiterfahren – und siehe da, es war wohl ein Alarm mit einem Zeitsensor, denn auf einmal war Ruhe und auch das Blinklicht erlosch. Puh, da waren wir alle mal kurz richtig wach *lach.

Wir waren froh, als wir nach fast 900 km unser Hotel in Borlänge erreichten und jeder zog sich auf sein Zimmer zurück und genoss es, nicht im Bus zu sitzen. Auf ein Phänomen möchte ich hinweisen: schon ab dem 3./4. Tag hatte ich ab und zu ein leichtes Schwindelgefühl, wenn ich außerhalb des Busses zur Ruhe kam. In Gesprächen zeigte sich, dass einige Mitreisende das auch bei sich bemerkten. Bärbel hatte des Rätsels Lösung: das kommt vom vielen Busfahren, denn wie ein Matrose auf See, der sich erst wieder an das Festland gewöhnen muss, muss sich unser Gleichgewicht nach vielen Stunden im schaukelnden Bus an den festen Boden gewöhnen. Der Leser mag nun nicht erschrecken: das Schaukeln im Bus war ganz normal – wir hatten einen ziemlich neuen Bus mit besten Stoßdämpfern *lach.

Tag 10 sollte ein klein wenig entspannter werden, bevor dann der Endspurt kommt, wurde uns versprochen. Geplante 600 km sind ja fast ein Klacks…. Die Temperaturen waren wieder so, dass man mit kurzen Hosen und T-Shirt ausreichend angezogen war. Im Bus war es allerdings an unserem Platz recht frisch, da die Klimaanlage den vorderen Teil des Busses ziemlich unterkühlen musste, damit der hintere Teil des Busses angenehme Temperaturen hatte. Ich hatte gottseidank eine Decke eingepackt, die mir während der ganzen Fahrt gute Dienste leistete.

Eine erste Pause machten wir in Örepro, einer Studentenstadt. Es gibt leider keine schöne Altstadt, da die gesamte Stadt früher abgebrannt war. In einem Freilichtmuseum in Wadköping konnten wir wundervolle Einblicke in das frühere Leben in diesen Gefilden nehmen.

Ein großes Stück führte uns der Weg den Vätternsee entlang und unsere Mittagspause machten wir am Schloß Vadstena, das von einem mit Wasser gefüllten Wallgraben umgeben ist und ein tolles Fotomotiv darstellt. Gustav Wasa (der aufmerksame Leser hat den Namen schon mal gelesen) ließ es 1545-1620 erbauen. Apropos Mittagspause: Ravioli gab´s – habe ich gefühlte 100 Jahre nicht mehr gegessen und hatte sie besser in Erinnerung.

Am Nachmittag besuchten wir einen Elchpark in Laganland. Vielleicht wird man durch die vielen Eindrücke leicht abgestumpft – mir gefallen Rentiere wesentlich besser. Trotzdem war es schon ein Erlebnis vor einem ausgewachsenen lebendigen Elch zu stehen. Die sind ganz schön groß!! Im Schwedenshop habe ich natürlich Elchwurst gekauft. Es gibt Dinge, die muss ich einfach probiert haben *lach.

Ein letztes Hotel bezogen wir in Helsingborg und genossen ein leckeres Abendessen.

2022 Map 19.20
Falsches Datum… ist natürlich der August

Der 11. Tag reichte bis in den 12. Tag hinein und wurde bis zum Moment der Abfahrt um 7 Uhr erfolgreich aus unseren Gedanken verdrängt. Bis zu uns nach Hause waren es 1200 km.

Ich will nur in Stichpunkten die Eindrücke dieser Stunden niederschreiben: die Fahrt am Öresund entlang nach Malmö wurde von Bärbel kurzweilig gestaltet, indem sie uns Interessantes über die Gegend und die Geschichte von Malmö nahebrachte. Die Fahrt über die Öresundbrücke und durch den Öresundtunnel war dank der Vorbereitung mit der DVD vor 2 Tagen hochinteressant und sehr beeindruckend.

Wie schon auf dem Hinweg ging es zack durch Dänemark *lach und schon um kurz nach 10 Uhr erreichten wir die Fähre von Rodby nach Puttgarden. Auf der Fähre wurden unter anderem Würstchen verkauft – der Duft in der Nase lies mir kurzfristig übel werden…

In Puttgarden verließ uns unsere Reiseleiterin Bärbel und ich muss sagen, in diesen schönen vergangenen Tagen ist sie mir sehr ans Herz gewachsen. Man merkte ihr die Begeisterung für Skandinavien an und wir profitierten vom Schatz ihrer Erfahrungen und ihres Wissens. Auch wie sie mit der Gruppe und mit Problemen Einzelner umging hat mir sehr gut gefallen. Ihre positive und fröhliche Art kam bei mir richtig gut an und deshalb an dieser Stelle 100 Punkte mit Sternchen für Bärbel!

Wieder in Deutschland hatten wir alle einen kleinen Kulturschock: sooo viele Autos und sooo viele Menschen. Alleine für die Strecke bis hinter Hamburg brauchten wir 3 Stunden. Richtige Pausen gab es nicht mehr, nur noch Toilettenpausen – aber das war auch in unserem Sinn. Jetzt wollte jeder nur noch nach Hause. Auffällig war, wie verschmutzt deutsche Rastplätze waren – boa, so etwas haben wir auf der ganzen Reise nicht gesehen.

Um 2.00 morgens kamen wir in Pforzheim an. Unser Taxi brachte uns nach Hause und wir waren müde und sehr, sehr dankbar für alles, was wir auf dieser Reise erlebt haben.

Das Schlusswort widme ich gerne noch unseren beiden Bussikuskis, die einen unglaublichen Job gemacht haben. Ingrid ist Eberhards Frau und hat den Busführerschein erst seit wenigen Jahren. Pandemiebedingt konnte sie wenig Fahrpraxis erlangen. Das hat man nie gemerkt!!! Mit ihrer Frohnatur und Eberhards Routine haben sie die 8000 km in 12 Tagen fantastisch gemeistert und für diese Leistung vergebe ich ebenfalls gerne jeweils 100 Punkte mit Sternchen.

Die Kulinarik ist in dieser Bewertung nicht enthalten und ich biete gerne meine Dienste als Beraterin an. Von Busreisenden anderer Touren bzw. Bussen wurde uns von leckeren Mahlzeiten berichtet – will heißen: es ist möglich…

Fazit:

Alle Befürchtungen bezüglich Rücken, Langeweile, Mitreisenden, jede Nacht ein anderes Hotel und vieles andere haben sich nicht erfüllt. Uns hat die Reise sehr gefallen und sie hat Lust gemacht, die Länder im hohen Norden näher kennen zu lernen.

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2022.06._Fränkische Seenplatte und Altmühltal

Schon oft hörten wir von Urlaubern, die im Altmühltal waren: „da ist es sooo schön!“ Sie hatten Recht!

Davon überzeugten wir uns jetzt mit eigenen Sinnen. 4 Wochen hatten wir Zeit und diese Zeit erschien uns in der Vorschau endlos lang.

Der erste Weg führte uns zum Stellplatz Surfzentrum Altmühltal Schlungenhof. Wir fühlten uns schnell wohl. Mit dem Fahrrad kann man den See relativ zügig umrunden, eine Strecke von ca. 13 km. In Gunzenhausen gibt es alles was man braucht um einzukaufen, sogar einen schönen Bioladen fanden wir. Ein Marktplatz mit viel unterschiedlicher Gastronomie lädt zum Verweilen ein und viele schöne Details, welche die Stadt schmücken, sieht man erst, wenn man sich mit Ruhe umschaut.

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Schönes Gunzenhausen

Auf Wohnmobilstellplätzen liegt es in der Natur der Sache, dass man meistens außer einem kurzen Smalltalk mit den Wohnmobil-Nachbarn relativ wenig zu tun hat. Auf diesem Stellplatz war das anders, denn wir lernten Menschen kennen, die uns sehr beeindruckten. Ralf hat eine unheilbare, fortschreitende Krankheit und ist überwiegend mit dem Rollstuhl unterwegs. Andrea meistert alle Arbeit, die beim Camping anfällt alleine. Die beiden strahlten Ruhe und Freude aus und wir verbrachten lustige Abende zwischen unseren Wohnmobilen. Wie oft wünschen wir uns Gegebenheiten im Leben anders und beklagen uns – von den Beiden haben wir eine große Lektion fürs Leben gelernt. Danke dafür und für die Zukunft alle Kraft, die Ihr braucht!

Eine Radtour zum Brombachsee können wir sehr empfehlen. Das Radwegnetz ist super ausgebaut und beschildert. 50 km muss man rechnen, wenn man den Brombachsee umrunden will und am Stellplatz Surfzentrum Altmühlsee Schlungenhof startet. Die Strecke geht zum Teil durch den Wald auf gut ausgeschilderten Radwegen und ist überwiegend eben. Das Fränkische Seenland, wie dieser Landstrich auch genannt wird, ist eine in den 70-er Jahren künstlich angelegte Seenlandschaft. Auf der Vogelinsel im Altmühlsee, kann man die Entstehung anhand von Fotos verfolgen. Ich versuchte mir vorzustellen, wie groß die Empörung damals in der Bevölkerung war als Visionäre ihre Idee von zwei relativ großen Badeseen, Naturschutzgebiet und Förderung des Tourismus kund taten – im Rückschauen war es das Beste was man für diese Region machen konnte.

Als nächstes stand Cham auf unserem Wunschzettel – eine kleine Stadt in der Oberpfalz in Ostbayern. Der kleine Stellplatz am Regen war einfach nur super. Gegen Abend landeten Kanuten mit ihren Booten, bauten ihre Zelte auf und verbrachten die Nacht auf der angrenzenden Wiese. Es war interessant zu beobachten, was zu dieser Art Aktivurlaub so dazugehört. Für mich habe ich entschieden: Kanufahren ja, im Zelt auf einem schönen Platz übernachten nein *lach. Ein weiterer Pluspunkt für diesen Stellplatz ist die Tatsache, dass aufgrund des Kanu-Zeltplatzes die Toiletten und Duschen immer geöffnet waren. Normalerweise braucht das der Wohnmobilist nicht. Wenn aber alles so blitzblank sauber ist, erfreue sogar ich mich an diesem Luxus.

Der Grund Cham anzufahren war, dass wir unsere neu kennengelernten Freunde von unserem Istanbul-Abenteuer besuchen wollten. Groß war die Freude, diesmal unter ganz entspannten Umständen ein paar sehr schöne Tage miteinander zu verbringen. Marianne verwöhnte uns kulinarisch und wandernd konnten wir ein paar schöne Eindrücke dieser herrlichen Landschaft sammeln. Da es in diesen Tagen sehr heiß war, genossen wir auch entspannte Stunden plaudernd im Garten unter einem Apfelbaum.

Die weitere Reise führte uns nach Donaustauf. Diesen Ortsnamen hatte ich vorher noch nie gehört. Des Rätsels Lösung ist ganz einfach: Regensburg hat keinen Stellplatz und Donaustauf liegt in der Nähe. Wenn man autark stehen kann, ist das ein schöner Platz für 1-2 Tage. Die Walhalla ist in wenigen Minuten mit dem Fahrrad erreichbar. Sie hatte ich schon so oft aus der Ferne von der Autobahn aus gesehen und natürlich jedes Mal gedacht: da will ich mal hin! Nicht nur der herrliche Ausblick sondern das ganze wunderschön angelegte Areal ist einen Ausflug wert!

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Ein beeindruckender Bau: Walhalla

Mit dem Fahrrad ist man von Donaustauf in ca. 30 Minuten in Regensburg. Das Radnetz ist super ausgebaut und beschildert. Auch in Regensburg ist man mit dem Fahrrad besser bedient als mit dem Auto. Wir schauten uns die Innenstadt an und aßen natürlich in der historischen Wurstküche neben der Steinernen Brücke ein paar Bratwürstl mit Sauerkraut.

Der Stellplatz Kelheim war unser nächstes Ziel. Wir hatten Glück und konnten auf dem regulären Stellplatz unterkommen. Es ist alles, was man als Wohnmobilist braucht vorhanden und das auch noch für günstiges Geld (8,50 € im Sommer 2022). Kelheim hat zusätzlich noch einen Ausweichstellplatz, der für eine Nacht auch ok ist.

Das Wetter war nicht sehr einladend und wir wollten nur einen kleinen Rundgang machen, um uns zu orientieren. Als wir am Schiffsanleger vorbei kamen, war gerade ein Schiff startklar Richtung Donaudurchbruch (die Donau hat den Durchbruch übrigens ganz alleine geschafft – hat nur gedauert…) und zum Kloster Weltenburg. Kurz entschlossen fuhren wir mit. Leider wurde das Wetter unterwegs sehr ungemütlich. Es begann zu regnen und wurde ziemlich frisch – und wir waren kleidungstechnisch überhaupt nicht drauf eingestellt. Am Ziel angekommen schauten wir uns vor Ort nur kurz um und entschlossen genauso spontan, wie wir die Schifffahrt machten, dass wir mit dem gleichen Schiff wieder mit zurück wollten. Wir können also sagen: wir waren im Kloster Weltenburg, auch in der Asam-Kirche – aber ehrlicherweise haben wir nichts gesehen. Ein weiterer Grund nochmal in diese Region zu fahren *lach.

Der nächste Tag entschädigte uns wettertechnisch wieder und wir machten eine Radtour zur Befreiungshalle, die über Kelheim thront. Wie die Walhalle bei Regensburg ein sehr beeindruckender Ort.

Beeindruckend auf ganz andere Art war eine weitere Radtour zum Zusammenfluss vom Main-Donau-Kanal und der Donau. Viel Natur und Ruhe taten uns gut. Abends genossen wir in einem der vielen Biergärten in der Region typische Leckereien der Region.

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Hmmm, lecker…Obatzter, Wurstsalat und Radler

Wenn man so lange unterwegs ist, Hochsommer und Hitze herrschen, braucht man irgendwann ein Plätzchen zum Wäsche waschen. Deshalb steuerten wir den Campingplatz Felbermühle in Neustadt an der Donau an – ein kleiner aber sehr feiner Stellplatz. Der Stellplatz ist von Wasser umgeben (kleiner Bach) deshalb ist mit kleinen Kindern Vorsicht geboten. Sehr angenehm fanden wir, dass auf der Hälfte des Platzes Hunde willkommen sind und auf der anderen Seite nicht. Beide Teile sind naturgemäß durch einen Bachlauf getrennt. Das sei auch für Hundebesitzer entspannend wurde mir von einer Hundebesitzerin berichtet.

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… da braucht man keine Wimpel mehr

Im Internet las ich etwas von einem Wochenmarkt in Bad Gögging, einem Ortsteil von Neustadt an der Donau. Das fand ich eine gute Gelegenheit unsere Vorräte wieder aufzufüllen. Leider war das ein Mini-Mini-Markt und wir fanden nichts, was wir gebraucht hätten. Gottseidank gibt es Lebensmittelmärkte.

Da wir in Bad Gögging die Limes-Therme besuchen wollten wechselten wir vom Campingplatz Felbermühle auf den Stellplatz Bad Gögging an der Therme. Im Sommer ist das Erlebnis Sauna und Therme ein anderes als im Winter, wir mögen das auch … und … ein Honigpeeling im Dampfbad tut zu jeder Jahreszeit gut.

Porentief rein und tiefenentspannt radelten wir am nächsten Morgen nach Abensberg. Das ist ein sehr nettes Städtchen und hat unter anderem die touristischen Magnete: Hundertwasserturm und Kuchlbauer Brauerei. Während einer Besichtigung erfuhren wir interessante Hintergründe. Die Werke des Künstlers Hundertwasser stehen an vielen Orten und beeindrucken durch ihre Vielfältigkeit, Farbenpracht und Genialität. Der Turm in der Brauerei Kuchlbauer soll das letzte Werk des Künstlers sein. Übrigens schmeckte uns sogar das Bier dort, obwohl wir keine Biertrinker sind. Ehrlicherweise haben wir nur eine Sorte probiert: das Sportbier mit 2,8 % – Biertrinker lächeln vermutlich jetzt nur müde.

Nun wollten wir aber unseren ursprünglichen Plan, das Altmühltal zu bereisen wieder aufgreifen. Der Stellplatz Riedenburg war deshalb unser nächstes Ziel. Der Stellplatz hat alles was man braucht in bester Lage an der Altmühl.

Gut in Erinnerung ist mir bis heute der Hahn, der von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang krähte. Gegen Abend klang er schon ziemlich erschöpft – armer Kerl…

Da der Stellplatz direkt am Radweg liegt, kann man sich gut orientieren: wir fuhren einen Tag Richtung Kelheim bis Essing und am anderen Tag nach Dietfurt. Beide Wege sind landschaftlich wunderschön. Am Anfang fand ich es irritierend, dass die Altmühl einmal ein richtiger Fluss und dann wieder ein stilles Gewässer war. Wer reist, lernt was: Ab Dietfurt läuft der Main-Donau-Kanal in ihrem Bett und deshalb ist Schifffahrt möglich. Es gibt immer wieder links und rechts des Kanals ruhige Seitenarme die das Naturerlebnis unterstreichen. Die Altmühl ist auch als Bootswanderfluss bekannt und wir fanden es schön, immer wieder die Kanus in der zum Teil sehr ursprünglichen Natur zu sehen.

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Das sieht sehr entspannt aus!

Das nächste Ziel war der Stellplatz in Eichstätt eine vielschichte Stadt an der Altmühl. Kreisstadt, Bischofssitz, Hauptsitz der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt – hier ist viel geboten. Für uns interessant war das Altstadtfest. Seit der Pandemie waren wir eigentlich nicht mehr auf Festen unterwegs – es gab ja auch keine. Hier freuten wir uns auf bayrische Küche und urige bayrische Atmosphäre und wurden nicht enttäuscht.

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Fahrrad von Eichstätt nach Dollnstein. Das war wieder eine wunderschöne Strecke. Unterwegs versorgten wir uns mit Lebensmitteln, die zu einem guten Picknick gehören und begeisterten uns für die herrliche Landschaft, schauten Kletterern zu, wie sie die zum Teil steilen Felsen erklommen und freuten uns wieder einmal darüber, wie gut es uns geht. 

Als nächstes stand Weißenburg auf unserem Plan. Für eine Stadtbesichtigung war das kein guter Plan, denn es war viel zu heiß dafür. Auch der Stellplatz sagte uns wenig zu (er liegt auf einem Parkplatz am Freibad und ist abends und nachts ziemlich laut) und so blieben wir nur eine Nacht und fuhren dann weiter nach Treuchtlingen auf den Wohnmobilstellplatz. Dort war es zwar auch heiß, aber näher an der Natur ließ sich das besser ertragen.

Der Stellplatz in Treuchtlingen am Kurpark darf auch den Namen „TOP-Platz“ tragen und das wirklich zurecht. Von dort aus konnten wir unsere Altmühl-Fahrradtour fortführen und entschieden uns für die Richtung nach Dollnstein.

Endlich wissen wir auch, wo die Pappenheimer herkommen, nämlich aus Pappenheim. Mit einem Schmunzeln im Gesicht wurde ich diesen Satz nicht mehr los. Dort gibt es unter anderem eine wunderschöne Weidenkirche mit einer tollen Atmosphäre. ein schöner Platz zum Innehalten.

Kurz vor Dollnstein beschlossen wir nach einem Fußbad in einem extra angelegten Kneipp-Becken in der Altmühl umzukehren, weil wir Hunger bekamen. Wie wir feststellten, waren wir hier doch ziemlich abgelegen und kein Biergarten o. ä. wie auf den anderen Strecken war in Sicht.

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In Solnhofen wurden wir fündig und bekamen im Klosterbrot Museums-Cafe eine sehr urige fränkische Brotzeit. Alleine dafür würde ich nochmal dorthin fahren. Danach hatten wir auch wieder Augen und Sinne für die schöne Landschaft. Die Felsformation „die 12 Apostel“ fanden wir beeindruckend. Sie ist wohl eine sehr oft fotografierte Felsformation und wir fragen uns immer noch, wie man auf die Idee kommt, 12 Felsen 12 Apostel zu nennen.

Am nächsten Tag sollte sich ein Kreis auf unserer Reise schließen und wir wollten mit dem Rad Richtung Gunzenhausen fahren. In Markt Berolzheim hatten wir ein nettes Gespräch und erfuhren, dass es dort keinen Lebensmittelmarkt mehr gibt und ein paar Menschen der Dorfgemeinschaft aktuell einen SB-Laden auf Vertrauensbasis eröffnet haben. Dort gibt es fast alle Dinge für den täglichen Gebrauch und eine Kasse, bei der man selbst eingibt, was man gekauft hat und dann per EC-Karte bezahlt. Wir wünschen den Bürgern, dass der mutige Schritt funktioniert!!

Es war wieder drückend heiß und der Fahrtwind tat gut. Sobald man stehen blieb, machte der Ausflug keinen Spaß. Deshalb bogen wir in Markt Berolzheim ab in Richtung Weißenburg und belohnten uns dort mit einem leckeren Eis.

Vielleicht aufgrund der Hitze, vielleicht aufgrund verwirrender Schilder – wir hatten Mühe, den Fahrradweg in die richtige Himmelsrichtung Richtung Heimat-Stellplatz zu finden. Ich fragte einen Fahrradfahrer danach und er fuhr ca. 1 km mit uns, bis er uns auf dem richtigen Weg wusste. Es gibt schon supernette Menschen!!!

Unser Urlaub neigte sich dem Ende zu und wir wollten dort, wo alles begann auch den Abschluss machen. Deshalb fuhren wir nochmal zum Stellplatz Surfzentrum Altmühltal Schlungenhof. Am Wasser sitzend, den Kite-Surfern und den Surfkurs-Teilnehmern zuschauend konnten wir die vielen Eindrücke, schönen Landschaften, intensiven Begegnungen an unserem inneren Auge vorbei ziehen lassen und ein wenig verarbeiten. Es war soo schön!

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Den Wassersportlern kann man stundenlang zuschauen.

…aber auch noch nicht ganz zu Ende, denn Helmut traf zufällig 2 Bekannte aus früheren Zeiten, die mit ihrem Wohnmobil auf dem Stellplatz in Muhr standen, nur 15 Minuten von uns entfernt. Die Freude war auf beiden Seiten riesengroß und wir verbrachten ein paar schöne Stunden miteinander.

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Nächtliche Heimfahrt vom Treffen mit Freunden.
Dieses Bild hätten wir sonst verschlafen…

Auf dem Heimweg stoppten wir in Leutershausen: auch hier schloss sich ein Kreis. An unserem ersten Tag auf dem Stellplatz Surfzentrum Altmühltal erzählten uns Wohnmobilnachbarn von der Gerberei Georg Oechslen GmbH in 91578 Leutershausen (eine Webseite gibt es leider nicht) , die dort biologisch arbeiten, Schaffelle aus der Gegend bekommen und dazu noch ziemlich preiswert sind. Sie hatten damals ein Schaffell gekauft und ich konnte mich von der Qualität überzeugen. Da ich schon lange ein solches Schaffell haben möchte, lag es nicht nur auf der Hand, sondern auch auf dem Heimweg…. Wir haben nun auch Schaffelle und einiges an Wissen über Pflege und Handhabung derselben.

Zu Hause brauchten wir ein paar Tage länger als sonst zum Einleben und Verarbeiten, aber wer uns kennt, weiß, dass schon wieder neue Reisepläne im Gespräch sind und ich kann dem geneigten Leser versprechen: die nächste Reise wird gaaaaanz anders aber bestimmt auch super interessant: Mit einer Reisegesellschaft im Bus nach Skandinavien bis ans Nordkap….

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2019.06. Warum in die Ferne schweifen

Kennt ihr auch den Widerspruch in euch? Man ist noch kaputt von der letzten Tour und hat so viele Eindrücke zu verarbeiten, aber man will trotzdem wieder mit dem Wohnmobil los … Genau so erging es uns und wir beschlossen, ein wenig in der Umgebung zu bleiben und das Nützliche mit dem Entspannten zu verbinden oder besser gesagt, das Entspannte mit dem Nützlichen.

Die Himmelsrichtung gab die Südwesse in Villingen-Schwenningen vor, auf der wir uns für ein Projekt in unserer Wohnung umschauen wollten. Ja, eine Wohnung gibt es auch und auch sie braucht ab und zu etwas Pflege und Optimierung.

Gemütlich treiben lassen, das war unser Plan. Auf dem Stellplatz in Haigerloch machten wir für einen Tag Station.

Haigerloch
Vorbildlich beschriftet für Wohnmobilisten zur Orientierung.
Danke Haigerloch!

Der Stellplatz liegt in der Nähe einer Schule und auf einem Erkundungsspaziergang entdeckten wir Tischtennisplatten auf dem Schulhof. Es waren Ferien und wir störten niemanden. Flugs holten wir unsere Tischtennisschläger im Womo und tobten uns an der Tischtennisplatte aus. Wir sind keine Tischtennisprofis, spielen aber sehr gerne, sobald sich Gelegenheiten bieten.

Abends saßen wir noch eine Weile vor dem Wohnmobil und kamen mit unseren Nachbarn ins Gespräch. Ihr Wohnmobil war sehr betagt und die beiden Insassen ebenfalls. Sie hatten schon die halbe Welt bereist und erzählten gerne davon – in breitestem Schwäbisch und sehr laut, da der Chef am Steuer nicht mehr so gut hörte. Auf unsere Frage nach Fremdsprachen und Verständigungsmöglichkeiten lernten wir, dass man die halbe Welt bereisen kann, wenn man nur Schwäbisch spricht. Man zeige mit dem Finger auf etwas was man möchte, was zu bezahlen ist, stünde auf dem Display an der Kasse – mehr braucht es nicht! Alle Achtung! Dieser Mut fehlt uns.

Der nächste Stopp war auf dem Stellplatz in Mössingen.

Moessingen
Manche Städte wissen wie es geht.
Auch hier: Danke Mössingen für die Info´s.

Mit dem Fahrrad erkundeten wir das Städtchen, gönnten uns ein Eis und verbrachten wieder einen entspannten Abend vor dem Wohnmobil. Da es recht warm war, wollten wir endlich einmal unsere Außendusche ausprobieren. Auf dem Stellplatz hatten wir einen Randplatz, außerdem war der Platz nicht sehr voll und es drängte sich nahezu auf, draußen, hinter dem Womo zu duschen. Wir versuchten eine Weile einen Sichtschutz zu basteln mit offenen Türen von Garage und Gasflaschenfach und Handtüchern. Irgendwann gaben wir es auf: es kam sowieso niemand hier vorbei. Wie Gott uns schuf brausten wir uns ab und fanden, dass wir mit dem Kauf der Außendusche eine gute Entscheidung getroffen hatten.

Schreck lass nach: wir waren gerade in unsere Handtücher gewickelt, als 2 halbwüchsige Mädels einen Trampelpfad direkt hinter dem Wohnmobil entlang gingen. Den Trampelpfad konnten wir vorher nicht sehen … wären die Mädels sehr wenige Minuten früher hier entlang gekommen, hätten wir erheblich Ärger bekommen können. Puh – Glück gehabt.

Wenn man schon in der Gegend ist, sollte man unbedingt einen Abstecher zu Ritter Sport in Waldenbuch machen wurde uns erzählt. Stimmt!! Man erfährt viel über Kakao und Schokolade, kann nach Anmeldung seine eigene Schokolade kreieren und im Shop natürlich gnadenlos zuschlagen *lach. Auch für und mit Kindern ein unvergessliches Erlebnis und sehr empfehlenswert.

Ritter Sport
Herz, was begehrst du?

Da uns der Stellplatz in der Nähe von Waldenbuch nicht gefiel, fragten wir nach, ob wir auf dem Parkplatz von Ritter Sport die Nacht verbringen dürften. Cool: wir durften! Offensichtlich war die Security-Mannschaft eingeweiht und wir haben vermutlich noch niemals so gut bewacht geschlafen. Bei jeder Runde um das Gebäude war unser Womo mit im Blick. Ich hoffe, dass jetzt nicht jeden Tag dort Wohnmobile nächtigen möchten und sich auf diesen Beitrag beziehen *lach.

Am kommenden Tag besuchten wir wie geplant die Südwest Messe in Villingen-Schwenningen und konnten unser Wissen zu dem Vorhaben zu Hause erweitern. Unsere platten Füße ließen wir abends auf dem Stellplatz Herrenberg ausruhen. Das ist ein neuer und sehr schöner Stellplatz in der Nähe der Autobahn. Nach unserer Meinung zeigt hier die Stadt Herrenberg positiv, wie es gehen kann mit den Stellplätzen. Einziger, für uns erkennbarer Nachteil ist, dass nachts öfters Martinshorn zu hören ist, da ein Krankenhaus in der Nähe liegt. Aber damit können wir umgehen.

Ein paar Termine zu Hause ließen uns eine kurze Womo-Pause einlegen aber dann ging es gleich wieder weiter. Die Bundesgartenschau in Heilbronn lockte und wieder wollten wir ohne Stress und gemütlich unser Ziel erreichen. Zu Hause hatte ich auf der Stellplatz-App von Promobil „Stellplatz-Radar“ einen Platz in Mühlacker herausgesucht. Zur Abendessenszeit kamen wir dort an, fühlten uns aber nicht wohl. Manches Mal hat man ein Gefühl und kann es nicht erklären…

Wir fuhren deshalb weiter nach Bietigheim-Bissingen und fanden auf dem riesigen Stellplatz einen Platz. Schöner war der Stellplatz in Mühlacker schon, das muss man ehrlich sagen, aber wie geschrieben – das Gefühl sagte etwas anderes, warum auch immer… Der Stellplatz in Bietigheim ist eigentlich nur ein großer Parkplatz mit einem markierten Teil für Wohnmobile. Ver- und Entsorgung ist möglich und nachts ist es erstaunlich ruhig, trotz der belebten Straße, die daran vorbei führt.

Die Altstadt von Bietigheim-Bissingen ist fußläufig zu erreichen und sehr sehenswert. Wir blieben gleich zwei Nächte, weil wir uns in dem Städtchen sehr wohl fühlten. Samstagvormittags besuchten wir den Wochenmarkt (ich liebe es) und kauften verschiedene regionale Produkte für ein Festmahl am Wohnmobil.

Essen im Wohnmobil ist auch so ein Thema, an dem sich die Geister scheiden. Wir beobachten viele Wohnmobilisten, welche die Gastronomie unterstützen und essen gehen. Da ich sehr gerne koche, bereiten wir meistens unser Essen im bzw. am Wohnmobil zu. Ja, es muss anschließend gespült werden, aber das geht zu zweit ruckzuck und macht uns meistens nichts aus. Das gemütliche Essen vor dem Womo entschädigt uns für das bisschen Arbeit mehrfach.

Abends fuhren wir weiter nach Heilbronn zur Bundesgartenschau. Die Stadt Heilbronn hatte für Wohnmobilisten einen Stellplatz an der Theresienwiese eingerichtet (keine Ahnung, ob der außerhalb der Veranstaltung auch existiert) und wir fanden alles super organisiert um mit dem Bus die BUGA zu erreichen.

BUGA Zwerge
Niedliche Begrüßung durch die BUGA-Zwerge

Am kommenden Tag spazierten wir durch die wunderschön hergerichtete Anlage, hörten interessante Vorträge und genossen einen sehr inspirierenden Tag. Es wurden wechselnde Abendveranstaltungen angeboten und wir schauten uns im Open Air-Kino von Abba „We do it again“ an. Vermutlich wären wir für den Film nie in irgendein Kino gegangen, aber die schöne Atmosphäre unter freiem Himmel und bei herrlichem Wetter bescherte uns einen besonders schönen Abend, der noch lange in uns nachklang.

Am anderen Tag bummelten wir noch durch Heilbronns Innenstadt und ließen das fröhliche Treiben auf uns wirken, bevor wir uns wieder auf den Heimweg machten.

Immer wieder wurde uns bewusst, wie gut es uns geht, dass wir die schönen Seiten des Lebens genießen können.

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2019.06. Grenzerfahrungen

Ende Mai bis Anfang Juni 2019 fand in Düsseldorf der Internationale Jugendtag, kurz: IJT statt. Da wir normalerweise aus verständlichen Altersgründen keine Möglichkeit mehr haben, an einem Jugendtag teilzunehmen, nutzten wir die Gelegenheit, als wir den Aufruf nach ehrenamtlichen Helfern vernahmen. Super, eine riesige Veranstaltung mit 30.000 jungen Christen versprach eine sehr interessante Zeit mit viel Spaß. Wir machten keine Einschränkungen bei der Auswahl der Tätigkeiten und ließen uns überraschen.

Wir wurden in einer Schlafhalle, genauer in Halle 15 eingeteilt. Die Aufgabe war, als Ansprechpartner für die Jugendlichen da zu sein und darauf zu achten, dass kein Unbefugter in die Halle kommen konnte. Wer schon einmal in Düsseldorf auf einer Messe war, kann sich die Dimension der Größe der Hallen vielleicht vorstellen: Es gab alleine sieben Schlafhallen, in denen die Jugendlichen wie im Matratzenlager in Reihen nebeneinander in ihren Schlafsäcken nächtigten. Da uns jegliche Festival-Erfahrung oder ähnliches fehlt, war alleine dieser Anblick für uns schon ein Erlebnis.

Die Hallen wurden rund um die Uhr von verschiedenen Schichten mit je 8 freiwilligen Helfern „bewacht“. Die Aufgabe war durchaus ernst zu nehmen; wir wurden immer wieder von der Messeleitung kontrolliert und auf die Wichtigkeit hingewiesen. So eine Mammutveranstaltung soll ja ein schönes Event sein und auch bleiben. Deshalb war Wachsamkeit in allen Bereichen notwendig.

Die Schichten wechselten alle 8 Stunden und so kam jeder einmal zu jeder Schicht dran. Wenn tagsüber ein wenig Zeit war, konnte man sich in das muntere Treiben stürzen und auch den einen oder anderen Programmpunkt mitnehmen.

Schon ab dem 2. Tag waren wir nur noch müde. Wir wollten uns in einer Pause eine Halle anschauen, von der wir wussten, dass dort viel Interessantes aus aller Welt geboten wird. Schnell merkten wir, dass wir überhaupt nicht mehr aufnahmefähig waren und in einer sogenannten Chill-Ecke war ein Riesensitzsack für Zwei frei – ein Blick zur Verständigung genügte und wir ließen uns niedersinken und schliefen sofort ein…. in einer Halle in der es laut und geschäftig zu geht – das war davor für mich undenkbar.

Schlaf Sitzsack
Wenn man müde genug ist, schläft man sehr gut darauf 🙂

Wir waren mit dem Wohnmobil angereist. Der Stellplatz am Messegelände bietet alles was man braucht. Was man wissen sollte ist, dass er in der Einflugschneise des Flughafens Düsseldorf liegt. Ab 6 Uhr morgens war an Schlaf nicht mehr zu denken, erst abends ab 23 Uhr war Ruhe. Es ist durchaus sehr interessant, sich aus der Nähe die großen Flugzeuge von unten zu betrachten – man konnte wirklich fast das Profil der Reifen erkennen (ich übertreibe – aber nur ein bisschen!). Nur tagsüber schlafen, das kann man vergessen – und genau das hätten wir in diesen Tagen gebraucht.

In der dritten und letzten Nacht hatten wir den Nachtdienst und sind eigentlich ein bisschen stolz, dass wir das so gut hinbekommen haben. Wir sind die ganze Nacht in der Halle herumgelaufen und haben den Schlaf der jungen Menschen bewacht. Irgendwann kommt die Phase, bei mir wenigstens, da finde ich alles nur noch lustig… in der Phase war ich in dieser Nacht… Am anderen Morgen war in der Arena der große Abschlussgottesdienst vorgesehen und nachdem unser Dienst zu Ende war, konnten wir zeitlich gesehen daran teilnehmen. Physisch gesehen, standen wir ziemlich neben uns. Auf die Idee, dass wir ins Wohnmobil gehen und schlafen könnten, kamen wir nicht. Ich leide manchmal an Verpassens-Angst – die Angst etwas zu verpassen…

Gottesdienst
Gottesdienst einmal anders als gewohnt

Als der Gottesdienst vorbei war – mir wurde später erzählt, das er schön war – ich hatte nur zu kämpfen, dass ich nicht schlafend vom Stuhl falle – sollten wir noch mithelfen, die Schlafhalle zu räumen, damit sie besenrein an die Messeleitung übergeben werden konnte. Eine Dankesrede der Verantwortlichen nahmen wir auch noch mit und wankten schließlich zu unserem Wohnmobil. Die Womo-Nachbarn warteten schon auf uns und wollten besprechen, was wir – evtl. gemeinsam – vorhaben: schlafen…. sonst nix!!!

Das konnten wir dann ab ca. 15 Uhr trotz Flugzeugen die in kurzen zeitlichen Abständen über unser Wohnmobil flogen. Am anderen Morgen gegen 9 Uhr wurden wir wach… die Flugzeuge ab 6 Uhr störten uns bis dahin überhaupt nicht…. Nachts soll ein heftiges Gewitter die Mitcamper in Angst und Schrecken versetzt haben – wir hörten nichts.

Also hier ein Tipp für diesen Stellplatz: entweder ausgeruht sein und zwischen 23 Uhr und 6 Uhr schlafen, oder soooo übermüdet, dass einen nichts mehr stört.

Ziemlich gestärkt von dem langen Schlaf schlossen wir uns den Nachbarn an und fuhren gen Holland nach Zoutelande auf einen wunderschönen Campingplatz direkt am Meer. Dort wollten wir die vielen Eindrücke der vergangenen Tage verarbeiten und nachklingen lassen.

Strand Holland einsam 1
Ruhe und Weite, genau so wollten wir es!

Leider bekam Helmut in der Nacht Magen-/Darmprobleme mit hohem Fieber. Das ist unter normalen Umständen schon nicht schön, im Wohnmobil aber noch weniger…. Ich möchte hier nicht auf Einzelheiten eingehen. Wer Wohnmobile und die Bäder, bzw. Nasszellen ist die korrekte Bezeichnung und trifft es genauer, wer die von innen kennt, kann sich vorstellen, was ich meine. Für mich bedeutete die Auszeit Ruhe und Erholung. Helmut holte sich die, indem er nur schlief, nachdem sich die Situation im Magen-Darmtrakt beruhigt hatte.

Eine neue Herausforderung hatte diese Situation allerdings für mich und ich schob sie den ganzen Tag vor mir her – wissend: ich muss es tun: die Campingtoilette ausleeren… Es hatte sich seit Beginn unseres Camperlebens so ergeben, dass sich eine gewisse Aufgabenverteilung einschlich. Toilette leeren war Helmuts Teil. Ich wusste schon in der Theorie Bescheid, habe aber nie nach der Praxis verlangt. Das holte mich nun ein. Irgendwann war der Füllstandsanzeiger so rot, roter ging nicht und ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und marschierte mit der vollen Toilettenkassette Richtung Entsorgungsanlage. Tschaka, ich schaffe das!!! So schlimm, wie es mir vorstellte, war es gar nicht und ich war wieder mal ein bisschen stolz, eine Herausforderung gemeistert zu haben. Ein bisschen grinsen musste ich auch, denn jeden Tag tun das Menschen und stellen sich nicht so an….

Strand Holland

Helmut war am nächsten Morgen wieder gesund und wir machten uns noch einen gemütlichen Tag mit Strandspaziergang und viel Ruhe im schönen Zoutelande.

Für den Heimweg wählten wir eine Route über Luxemburg und machten Halt auf dem Stellplatz in Vianden. Der liegt an einem herrlich idyllischen Bach mit Blick auf Schloss Vianden.

Wir besichtigten das Schloss und waren hellauf begeistert, wie leicht eingängig die Geschichte des Schlosses und der Stadt erklärt wurden. Licht-Animationen ließen uns Ritter bei ihrem Rundgang beobachten und technische Finessen zeigten uns im Zeitraffer Jahrhunderte lange dauernde Bauabschnitte und Veränderungen. Das Schloss ist eine klare Besuchsempfehlung, auch mit Kindern!

Der Campingplatz Luxemburg Kockelscheuer war unser nächstes Ziel. Aus Erzählungen hatten wir schon einiges vom wunderschönen Flair der Stadt Luxemburg gehört und wollten uns das anschauen. Organisatorisch war es perfekt gelöst, denn man konnte direkt vom Platz aus mit dem Bus in die Stadt fahren. Laut unserer Information war/ist es geplant, dass man ab dem Jahr 2020 sogar kostenfrei mit Bus und Bahn unterwegs sein kann. Luxemburg Land und Stadt sind definitiv eine Reise wert und wir werden dort bestimmt wieder einmal einen Stopp einlegen – auch für ein paar Tage länger als dieses Mal.

Auf dem Heimweg machten wir – mal wieder – einen Besuch bei der Familie und freuten uns danach auf ein paar ruhige Tage zu Hause. Diese Reise hatte es in sich und brauchte Zeit zum Nachsinnen und Erholen.

…aber keine Bange, der nächste Reisebericht ist schon in Arbeit!!

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2019.05. Altes Land – Bremerhaven – Bad Zwischenahn

Anfang Mai 2019 zog es uns in den Norden. Auf dem Weg dorthin machten wir wieder bei Familie einen Stopp. Praktisch sind die Besuche, bei denen man mit dem Wohnmobil direkt vor dem Haus stehen kann. Auch für die Besuchten ist es praktisch, haben die Gäste doch das eigene Bett dabei.

Unsere Tour führte uns auf der Landkarte links an Hamburg vorbei, die Elbe hoch, Richtung Nordsee, zunächst auf den Stellplatz „Am Yachthafen“ bei Jork. Direkt hinter dem Deich können 12 Wohnmobile angenehm ruhig stehen. Es war alles vorhanden, was man brauchte. Auf dem Deich ist ein kleines Café, das „Café Möwennest“, das einen sehr netten Eindruck machte.

schoen geschuetzter Stellplatz 1
schöner geschützter Stellplatz „Am Yachthafen“ bei Jork

Wir radelten durch die Apfelplantagen im Alten Land und bewunderten die herrliche Landschaft mit ihrer ganz besonderen Ausstrahlung. Schließlich erreichten wir den Bio-Herzapfelhof Lühs. Zufällig startete gerade eine Führung und wir konnten uns anschließen. Das waren sehr interessante und beeindruckende Erzählungen, denen wir lauschen konnten. Seitdem essen wir Äpfel mit mehr Bewusstsein für Anbau, Vertrieb, Sorte und Geschmack. Ein leckerer, selbst gebackener Kuchen und ein Tässchen Kaffee im hofeigenen Café ließen uns den Reichtum dieses Landstriches schmecken.

Herzapfelhof ... der Name ist Programm
…der Name ist Programm

Der kommende Tag führte uns auf einen Stellplatz nach Stade. Als wir dort ankamen, stellen wir fest, dass wir einen sogenannten „Top Platz“ erwischt haben. Ja, er machte diesem Namen alle Ehre. Moderne Bezahlmöglichkeiten ließen zwar manchen Mitcamper verzweifeln, wir mögen das so (das Moderne, nicht die verzweifelten Mitcamper). In Stade war an diesem Sonntagvormittag Flohmarkt in der ganzen Innenstadt. Normalerweise sind wir nicht die Flohmarkt-Fans, aber in diesem Fall genossen wir das bunte Treiben und die unglaubliche Vielfalt der angebotenen Dinge.

Stade

Es zog uns wieder ans Wasser und so ließen wir uns auf dem Stellplatz „Am alten Hafen“ in Drochtensen nieder. Das war ein echter Glücksfall, denn hinter dem Stellplatz war Gebüsch und hinter dem Gebüsch ein Sandstrand, der uns denken ließ, wir wären in der Südsee gelandet. Das Wetter war super und wir erhielten die Information, dass am vergangenen Wochenende in Hamburg der Hafengeburtstag gefeiert wurde und die großen und bekannten Schiffe in diesen Tagen wieder Richtung Meer fahren. Schnell hatte ich eine App herunter geladen, die uns sagte, wann welches Schiff in Drochtensen vorbei kam. Es machte richtig Spaß, am Sandstrand zu sitzen und die tollen Schiffe vorbei ziehen zu sehen. Wirklich vorstellen kann man sich die Dimension nicht, wenn man noch keine Kreuzfahrt gemacht hat.. …So eine Kreuzfahrt machen wir auch einmal, das war eine Idee, die hier entstand.

Weil es wirklich ein wunderschöner Platz dort war, verlängerten wir um einen Tag. Erwähnte ich schon, dass man mit dem Wohnmobil sehr viel Freiheit genießen kann? Das war wieder so ein besonderer Augenblick der Freiheit.

wirklich an der Elbe
… das ist wirklich an der Elbe!

Die Freiheit hat aber auch ihre Grenzen, nämlich dann, wenn man sich verabredet hat oder auf eine Feier eingeladen ist…

Wir fuhren weiter nach Bremerhaven und kamen gerade dazu, als der Platzwart des Stellplatzes „An der Doppelschleuse“ eine Hafenrundfahrt mit einem Bus bewarb. Diese Gelegenheit nahmen wir natürlich wahr und waren extrem beeindruckt, von der Größe und Logistik des Hafengeländes. Fotografieren war leider verboten. So viele Informationen über Schiffe, Verlademöglichkeiten und Abläufe innerhalb dieses Unternehmens erschlugen uns fast. Deshalb vertrödelten wir den restlichen Tag gemütlich am Wohnmobil und sortierten die Eindrücke in uns.

Der Stellplatz an der Doppelschleuse ist für sich eigentlich schon ein Abenteuer und die Funktion der Doppelschleuse ließ uns staunen. Wir kommen wieder, das war uns klar. Zumal Bremerhaven sehr viel mehr zu bieten hat!

Stellplatz Alte Schleuse in Bremerhaven
vom Stellplatz in Bremerhaven ist alles Sehenswerte fußläufig zu erreichen

Zunächst mussten wir allerdings weiter nach Bad Zwischenahn – übrigens auch eine Reise wert! Als Ruheständlerin waren ich und mein Mann von meinem ehemaligen Arbeitgeber zum 30-jährigen Firmenjubiläum eingeladen. Das Wohnmobil parkten wir auf dem Hotelparkplatz und zogen für zwei Nächte in ein tolles Hotel. Ja, das Hotel war toll, aber geschlafen hätte ich im Wohnmobil besser und es wurde mir wieder ein fast vergessener Grund klar, warum wir –auch- ein Wohnmobil haben: ich kann in einem anderen Bett die erste Nacht nicht schlafen.

Es war schön, die alten Kollegen (nee, die ehemaligen Kollegen, denn eigentlich bin ich ja die Alte) wieder zu sehen und eine gute Zeit miteinander zu erleben.

Ein besonders schönes Geschenk ist in unserer Erinnerung: ein Gutschein zum Ruhestand von zwei Kolleginnen die Helmut und mich in den „Park der Gärten“ in Bad Zwischenahn einluden. Sie verwöhnten uns mit leckerem Sekt und Häppchen und machten den ohnehin wunderschönen Park zu einem ganz besonderen, unvergesslichen Erlebnis.

Auf dem Heimweg gab es wieder eine Möglichkeit, Verwandtschaft zu besuchen und am nächsten Morgen traten wir sehr dankbar den restlichen Heimweg an. Dankbar für die tolle Zeit, die vielen Eindrücke und dafür, dass wir so ein tolles Leben überhaupt führen können.

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2019.04. Startschwierigkeiten

Endlich konnten wir Ende März den Frühling spüren und die Reiselust wollte ausgelebt werden. Als erste Tour nahmen wir uns einen kleinen Abstecher nach Bad Bergzabern vor, um uns wieder mit der Technik und dem Handling unseres Wohnmobils vertraut zu machen. Total happy saßen wir wie die Könige in unserem fahrbaren Zuhause und freuten uns auf ein schönes Wochenende.

Am Stellplatz angekommen wollten wir zunächst Wasser auffüllen. Ordentlich wie wir sind, wurde zunächst in der Bedienungsanleitung geschaut, was alles nach dem Womo-Winterschlaf zu erledigen ist und danach gingen wir vor. Ein Plätschern unter dem Wohnmobil ließ uns aufhorchen. Na toll, da lief das Wasser gerade wieder heraus – aber an einer anderen Stelle, wo wir es einfüllten. Erfahrene Camper werden jetzt grinsen – ja dieser Fehler ist vermutlich jedem am Anfang passiert – wir wollten ihn auch nicht auslassen. Der Warmwasserboiler muss geschlossen und verriegelt werden, sonst läuft das Wasser eben wieder heraus. Das wissen wir aber erst seit jenem Tag.

Zunächst sind wir ganz entspannt nochmal Schritt für Schritt vorgegangen – mit dem gleichen Ergebnis. Nachdem uns zum dritten oder vierten Mal das Wasser unter dem Wohnmobil herausgelaufen war – und zwar restlos, wurden wir doch nervös. Wir fragten den einen und anderen Camper auf dem Stellplatz und bekamen abenteuerliche Vorschläge. Wir hatten zwar keine Ahnung, wussten aber im Hinterkopf, dass es eigentlich einfach sein muss.

So langsam wurde es dunkel und wir überlegten, wie wir weiter vorgehen. Wir beschlossen, dass eine Katzenwäsche aus dem mitgenommenen Trinkwasserkanister reichen musste und wir am anderen Morgen direkt zu unserem Händler fahren würden. Trotzdem war es schön, sich wieder im kuschelig engen Wohnmobil zu bewegen und wir verbrachten einen gemütlichen Abend. Am anderen Morgen machten wir uns zeitnah auf dem Weg. Bei unserem Händler war nur ein Mitarbeiter anwesend, der sich nur mäßig mit Wohnmobilen auskannte (es ist eine Fiat Werkstatt, die auch Wohnmobile verkauft). Diesen Kniff wusste er aber gottseidank und zeigte uns in welche Richtung man den Warmwasserboiler verschließt und mit welchem Knopf man den Boiler verriegelt. Tststs – so einfach…. Es klebt seitdem in der Bedienungsanleitung ein Zettel mit dieser Information.

Der Mitarbeiter war so nett, mit uns gemeinsam die nächsten Schritte zu gehen: Wasser einzufüllen und die Wasserhähne zu öffnen, damit die Pumpe die Leitungen füllen kann. Während wir ganz erleichtert waren und uns bei ihm bedankten, bemerkten wir, dass am Fußboden Wasser aus der Wand lief, hinter der sich das Bad befindet. Hääh, was ist das denn??? Der Mitarbeiter schaltete schnell: da muss die Armatur der Dusche defekt sein. Och manno, dass es so ist wie es ist – und gottseidank ist das gleich vor Ort bemerkt worden. Wir vereinbarten zeitnah einen Termin zur Reparatur.

Der nächste Ausflug führte uns zunächst auf den Stellplatz in Schwetzingen. Wir hatten am anderen Morgen ein ADAC-Sicherheitstraining mit dem Wohnmobil gebucht und wollten ausgeschlafen vor Ort sein.

Ich denke, wir sollten diesen Wunsch nicht mehr haben, denn irgendwie erfüllt er sich selten. Der Stellplatz in Schwetzingen liegt bei verschiedenen Einkaufsmärkten und die bekommen nachts Ware. Die Mitarbeiter, die Waren anliefern machen ihren Job und nehmen keine Rücksicht auf evtl. schlafen wollende Wohnmobilisten. Keine Ahnung, ob wir nur Pech hatten oder ob das dort immer so ist – wir waren dort nicht mehr. Trotz unruhiger Nacht waren wir gespannt darauf, was der neue Tag so bringen sollte.

Ein ADAC-Sicherheitstraining können wir wirklich sehr empfehlen. Zunächst wurden die Wohnmobile inspiziert. Ein Wohnmobil durfte gar nicht teilnehmen, weil die Reifen zu alt waren. Der Trainer hatte Sorge, dass bei den Bremsmanövern die Reifen platzen. Die Geschichte dahinter ist nicht schön. Die Eltern der Teilnehmerin hatten dieses Wohnmobil gebraucht gekauft und diese Reifen waren drauf. Vom Profil her noch ok, aber der Fachmann erkannte sie als uralt und porös.

Der Trainer schaute sich auch die Garagen und die Schränke in den Wohnmobilen an. Wurde alles so verpackt und verstaut, dass nichts zum gefährlichen Flugobjekt werden kann? Auch hier mussten ein paar Teilnehmer während des Sicherheitstrainings einige Sachen am Rand der Anlage parken. Immer wieder hatten wir ein paar theoretische Einlagen, bei denen uns anschaulich erklärt wurde, wie die Schwerkraft funktioniert und warum alles ordentlich verstaut werden soll. Ich will nur am Rande erwähnen, dass wir und unser Wohnmobil keinen Grund zur Beanstandung gegeben haben… *lach.

ADAC Sicherheitstraining
Gute Erklärungen beim Sicherheitstraining für Wohnmobile und Wohnwagen-Gespanne

Der praktische Teil war abenteuerlich und Helmuts größte Herausforderung war, eine Vollbremsung zu machen. Ich hatte mit dem PKW schon einmal ein Sicherheitstraining absolviert und hatte damals genau die gleiche Thematik – übrigens haben das wohl die meisten Teilnehmer. Auf alle Fälle machte es einen riesigen Spaß!

Zur Erholung nach diesem Tag gönnten wir uns noch einen Tag in der Therme in Schönborn. Da ist ein schöner Stellplatz dabei und unsere kleine Welt war sehr in Ordnung.

Ende April lösten wir einen Gutschein bei einem Enkel ein. Wir verschenken Gutscheine zum Geburtstag: einen Ausflug mit dem Wohnmobil mit Übernachtung – sofern sie das wollen natürlich. Da wir aufgrund Patchwork eine stattliche Anzahl von Enkeln haben, ist das ein schönes Geschenk für die Kinder. Wir nehmen sie übrigens nur einzeln und erst ab einem Alter von 6 Jahren mit. So haben wir alle etwas davon.

Wir besuchten einen Campingplatz in Lindenfels im Odenwald. Nach einem Rundgang auf dem Campingplatz wollten wir gemütlich das Abendbrot vorbereiten.

Campingplatz Lindenfels im Odenwald
Lindenfels im Odenwald

Es zogen ziemlich rasch dunkle Gewitterwolken auf und Helmut wollte noch schnell vor dem Essen duschen gehen. Er schaffte es nicht mehr, vor dem Gewitter wieder das Wohnmobil zu erreichen. Es platschte ein sehr heftiges Gewitter hernieder. Im Wohnmobil konnte man sein eigenes Wort nicht verstehen, weil der Regen so sehr drauf prasselte. Der Enkel saß mit großen Augen auf seinem Lieblingssitz und wusste nicht genau, ob er meine Begeisterung teilen oder Angst haben sollte. Helmut kam erst wieder, als der Regen nachließ und dann war der Kleine wieder entspannter. Wir hatten trotzdem einen schönen Abend und das Abenteuer Schlafen im Wohnmobil gefiel ihm sehr gut. Am anderen Tag brachten wir ein beeindrucktes Kerlchen nach Hause zurück. 

Für den Mai war die nächste größere Tour geplant und wir genossen die Vorfreude und die Planung und malten uns schon schöne Bilder in die Köpfe …