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2025.07._Japan-Rundreise

Träumen und Träume verwirklichen

Schon seit vielen Jahren sah ich ab und zu Berichte über Japan im Fernsehen und der Wunsch wurde intensiver, dieses weit entfernte und fremde Land sehen zu wollen. Wieder einmal brachte der Newsletter eines Reiseveranstalters den Stein ins Rollen.

Die gleiche Idee hatte ein lieber Mensch, den wir auf einer früheren Tour kennenlernten und „zufällig“ stellten wir fest, dass wir uns mit der gleichen Reise in der Planung befanden. Wir überlegten gemeinsam, welcher Termin für uns der optimale sein könnte, und entschieden uns, die Reise im selben Zeitraum zu machen.

1. Reiseroute
Als erste Information sah das vielversprechend aus.

Wir bereiteten uns gut vor und lasen viel über Land und Leute sowie Sitten und Gebräuche. In meinem Denken gab es nur noch die Zeitrechnung „vor Japan“ und „nach Japan“. Das Wetter sollte schön warm werden, also wurde die Kleidung entsprechend ausgewählt. Sehr bedacht war ich auf die Situation, dass man in Japan nicht viel Haut zeigt, also keine Trägershirts und ähnliches trägt. Deshalb packte ich T-Shirts und Blusen mit Ärmeln und kurze Hosen ein. Meine leichten Sommerkleider ließ ich zu Hause, da sie die Schultern nicht bedecken. Im Handy-Übersetzer lud ich mir „Japanisch“ herunter und stellte fest, dass diese Sprache sehr fremd für unsere Ohren klang. Auch eine e-Sim-Karte für das Handy für Japan hatte ich mir im Vorfeld besorgt, um z. B. mit Google Maps und auch dem Übersetzer auf der sicheren Seite zu sein.

Endlich war der Anreisetag angebrochen und wir verließen schon um 8 Uhr das Haus. Ein lieber Nachbar brachte uns zum Bahnhof und unser Zug nach Frankfurt fuhr pünktlich im Bahnhof ein. Es ist ja immer die große Frage, ob die Züge pünktlich sind, deshalb hatten wir uns für einen frühen Zug entschieden, um auf keinen Fall in Stress zu geraten, wenn Verspätungen auftreten. Tja, was soll ich sagen, auf der Strecke Karlsruhe-Frankfurt, mit dem ICE nur 2 Haltestellen, hatten wir am Ende 40 Minuten Verspätung. Gottseidank waren wir so früh dran.

1.Bahnhof KA

Im Einchecken und Koffer abgeben waren wir schon „routiniert“ und wussten auch um die strengeren Grenzkontrollen in Nicht-EU-Länder. Vom letzten Flug nach England hatte ich die Erfahrung mitgenommen, dass man neuerdings Trinkwasser durch die Sicherheitskontrolle mitnehmen darf. So hatte ich eine angefangene und eine volle Flasche Wasser offensichtlich an meinem Rucksack (Handgepäck) angebracht. Der Mitarbeiter am Band der Sicherheitskontrolle zog meinen Rucksack aus dem normalen Ablauf heraus und mich natürlich auch. Die halbvolle Wasserflasche musste identifiziert werden und ich sollte meine Sachen zusammenpacken und mitkommen. Der normale Stress mit Gürtel auszuziehen, Hosentaschen zu leeren, Uhr auszuziehen, Handy und Powerbank sichtbar in der Box zu platzieren, manchmal auch Schuhe auszuziehen– und auf der anderen Seite alles schnell wieder anzuziehen und verstauen, weil die nächsten Reisenden schon hinter einem stehen (oder besser organisiert sind) reichte mir eigentlich schon. Ich bin bei jedem Flug in dieser Situation etwas angespannt *lach.

Nun kamen noch der offene Rucksack und die Aufforderung, dem Mitarbeiter zu folgen, zum normalen Stress dazu. Ich packte meine komplette Box und schleppte sie hinter ihm her in eine Ecke, wo er die angefangene Wasserflasche in ein Gerät stellte, ein Knöpfchen drückte und sie mir kurz danach wieder in die Hand gab.

Meine vielen Fragezeichen im Kopf konnte ich formulieren und bekam die Auskunft, dass es in Frankfurt neue und alte Sicherheitsbänder gibt. Die neuen Sicherheitsbänder können geschlossene Wasserflaschen erkennen und winken sie durch, die alten Bänder können das nicht und man muss die Wasserflaschen abgeben. Es kann also sein, dass an Band A jemand sein Wasser mitnehmen darf und an Band B nicht. – Das muss man wissen, um es zu verstehen.

Angefangene, also offene Wasserflaschen müssen getestet werden, ob da wirklich nichts anderes drinnen ist. Ich stellte mir vor, dass das vermutlich weltweit von Flughafen zu Flughafen unterschiedlich ist und nahm mir vor, in Zukunft maximal eine geschlossene Flasche Wasser mitzunehmen, die notfalls eben entsorgt wird. Zurzeit geht der Sachverhalt der neuen und alten Sicherheitsbänder durch die Presse…

Nachdem ich – wieder entspannt – meine Sachen zusammengepackt und Helmut alles berichtet hatte (er verfolgte mit großen Augen von weitem die Situation) hatten wir ausreichend Zeit, zu unsrem Gate zu schlendern, und die vielen Geschäfte zu bestaunen. Ich frage mich jedes Mal, wer das alles kaufen soll. Normalerweise packt man doch vorher…

Flug

Der Reiseveranstalter buchte unsere Flüge mit der Fluggesellschaft Emirates und mit einem Zwischenstopp in Dubai. Uns fiel auf, dass sich an Bord besonders nett um die Kinder gekümmert wurde. So wurden von den Kindern Fotos mit einer Sofortbildkamera gemacht, Spielsachen wurden ausgegeben und die Kids bekamen ihr Essen vor den anderen Fluggästen.

Apropos Essen: das fand ich lecker und es machte mir Spaß, aus den vielen Gefäßen auf engstem Raum zu speisen. Es erforderte nur ein wenig Konzentration, damit nichts oder wenig verkleckerte und war eine willkommene Abwechslung auf dem 6,5 Stunden dauernden Flug nach Dubai.

1.Menu life
Davon kann man satt werden.

In Dubai ist die Uhrzeit 2 Stunden vor Deutschland und wir flogen in den Abend hinein. Die Zeit vertrieb ich mir damit, Tennis in Wimbledon anzuschauen *lach.

1.Langeweile vertreiben

Dubai fehlt mir leider immer noch auf meiner Reiseliste. Die Gründe dazu findet man unter diesem Link.

Ich hatte gehofft, aus dem Fenster einen Blick auf Dubai erhaschen zu können, aber da wir keine Fensterplätze hatten, waren wir auf die Einstellungen der Flugzeugkameras und die Nettigkeit des Sitznachbarn angewiesen.

1.Anflug auf Dubai
Wow

Um 21.45 Uhr Dubai-Zeit (19.45 Uhr in Deutschland) war es schon dunkel und wir konnten die Größe der beleuchteten Stadt nur erahnen.

Der Umstieg in Dubai Richtung Tokio gestaltete sich problemlos. Wir hatten genügend Zeit uns auf diesem riesigen Flughafen zurecht zu finden und über die Dimensionen zu staunen. Mit einem Zug fuhren wir zum Abflug zu den Gates A.

1.Dubai Flughafen

Mit einem überdimensionalen Aufzug gelangten wir auf das richtige Stockwerk und viele Laufwege mit Geschäften luden zum Verweilen ein – nein, nicht wie in Frankfurt, sondern viel, viel größer. Wie gesagt: Dubai fehlt mir – noch!! *lach

1.Dubai flughafen Aufzuege
riesige Aufzüge

Der Flug nach Tokio startete um 2.55 Uhr Dubai-Zeit, 0.55 Uhr deutscher Zeit. Ich schreibe das, weil unser Körper natürlich noch auf deutsche Zeit eingestellt war. Zusammenfassend heißt das, man isst zu Zeiten, zu denen man zu Hause normalerweise nicht essen würde und man läuft viele Schritte, wenn der Körper eigentlich auf Schlafen eingestellt ist.

Leider war es auf diesem langen Flug von mehr als 10 Stunden nicht möglich, mit Helmut zusammen zu sitzen. Wir trösteten uns damit, dass wir sowieso schlafen würden und ab und zu einen kleinen Spaziergang machen könnten.

Kaum hatten wir eine gewisse Flughöhe erreicht, wurde uns Frühstück serviert: Lachs mit Reis, Gemüse, Croissant, Obst, Quark, Butter Marmelade *lach – das meinte ich, normalerweise esse ich das nachts um 2.30 Uhr (zu Hause) nicht. Lecker war es trotzdem und mit vollem Bauch konnte man ein wenig dösen.

1.Flugzeug Dubai Tokio Essen
Lecker war es!!

Da wir in den Morgen flogen, wurden die Jalousien auf dunkel gestellt und somit die Möglichkeit zum Schlafen gegeben. Gut schlafen ist anders – aber ich tröstete mich damit, dass wir abends in Tokio ankommen würden und dann gleich eine Nacht käme…

Lunch gab es natürlich zur Ortszeit. Für mich war es Frühstück und ich habe tatsächlich nicht alles geschafft. Das passiert mir echt selten!!! Ab und zu bin ich eine Runde durch das Flugzeug gelaufen, um die Beine ein wenig zu vertreten und Helmut hallo zu sagen bzw. über seinen Schlaf zu schmunzeln.

1.Flugzeug mit Bildschirm
Ab und zu konnte man eine Runde laufen …

Leider durfte man nicht in das obere Stockwerk des Airbus 380 gehen. Ich weiß also nicht, ob oben auch belegt war – das war aber auch nicht wichtig, sondern hätte nur mein Interesse befriedigt *lach.

1.Treppe ins Obergeschoss
Ich hätte schon gerne mal um die Ecke geschaut…

Ab und zu gab es kleine Turbulenzen und sogar die Crew musste sich anschnallen – es fühlte sich für mich wie „holprige Straße“ an.

Da ich keine Filme anschauen kann, schaute ich auf dem Sportkanal vor lauter Langeweile Fußball an. Keine Ahnung, wer gegen wen, aber besser als nur den Vordersitz anzustarren *lach. Das Angebot an Filmen war übrigens groß – nur ich kann halt keine anschauen.

Die Fluginformationen waren eigentlich nur für einen Moment interessant, z.B. Flughöhe 41.000 Fuß (rund 12.500 Meter) und -56 Grad Außentemperatur.

1.Route Dubai Tokio
Das ist ein weiter Weg …

Pünktlich um 17.30 Uhr Ortszeit (12.30 Uhr zu Hause) landeten wir in Tokio und hatten ruckzuck unsere Koffer. Ein paar Mitreisende hatten wir schon in Dubai getroffen und gemeinsam wurden wir von unserem Reiseleiter in Empfang genommen. Er gab uns den Hinweis, direkt am Flughafen ein wenig Geld umzutauschen. Dann fuhren wir etwa eine Stunde mit dem Bus zu unserem Hotel „Monday Toyosu“ in Tokio.

1.Tokio Zimmer
Unser Hotelzimmer in Tokio – eines der größten auf dieser Reise.

In Japan wird es aufgrund der geografischen Lage im Osten des Landes und der Nutzung einer einzigen Zeitzone, die für das gesamte Land gilt, früh dunkel. Da der Osten Japans bereits von der aufgehenden Sonne beschienen wird, werden die Tage kürzer und der Sonnenuntergang findet früher statt, verglichen mit westlicheren Ländern oder Regionen. Im Uhrenvergleich sind uns die Japaner um 7 Stunden voraus. Es wird relativ schnell dunkel bzw. hell. Eine Sommerzeit gibt es nicht. Es war um 19 Uhr bereits dunkel. Mir war das Recht, denn damit fiel es mir leichter, ins Bett zu gehen.

Mum entfernung
Irgendwie surreal, diese Entfernung
(Antwort von zu Hause auf meine „Bin gut angekommen-WhatsApp“)

Nach einer kurzen Vorausschau auf die kommenden Tage und vor allem auf den nächsten Tag entließ uns unser Reiseleiter mit einem Lunchpaket auf unsere Zimmer. Das Lunchpaket sah lecker aus – aber es gab als Essbesteck nur Stäbchen. Wir waren zu müde, um uns auf dieses Abenteuer einzulassen und kramten unser mitgebrachtes Besteck aus dem Koffer und ließen es uns schmecken.

1.Tokio Lunchpaket im Hotel
Lunchpaket – schon wieder essen *lach

Herausfordernd war der Besuch der Toilette… Hightech vom Feinsten erwartete uns. Wir hörten schon davon, konnten es uns aber gar nicht so richtig vorstellen. Dazu schreibe ich später mehr. Jetzt galt es erst einmal die vielen Knöpfe zu identifizieren und mit der Kamera des Handy-Übersetzers ins Deutsche zu übersetze.

1.Tokio Toilettenbedienung
Eieiei…

Nur spülen wollten wir fürs erste *lach. Müde, sehr müde sanken wir in die Kissen und konnten doch nicht gut schlafen…

Zweiter oder schon dritter Tag?

14. 1.Route
Route am 1. Rundreisetag
1.Tokio Blick vom Hotel
Tokio – und wir mitten drin! Blick aus unserem Hotelfenster

Das Frühstücks Büfett bot für jeden Geschmack etwas. In Japan frühstückt man so, wie wir in Deutschland zu Mittag oder Abend essen. Ich mochte es sehr gerne, mich schon am frühen Morgen durch die vielen Köstlichkeiten durchzuprobieren.

2.Tokio Fruehstuecksbuefett 2
So viel Neues zu probieren!

Natürlich gab es auch eine Ecke mit Cerealien und Joghurt sowie Toastbrot und Marmeladen. Nicht jeder mag gleich in fremde Ernährungsformen einsteigen.

2.Tokio Fruehstuecksbuefett
Unglaublich!

Gut fand ich, dass man am Eingang zum Frühstücksraum (übrigens in jedem Hotel unserer Reise) eine Karte bekam, mit der man seinen Tisch reservierte, während man sich am Büfett bedient. Wenn man mit Frühstücken fertig war, drehte man die Karte um: das Signal, der Tisch kann abgeräumt, geputzt und wieder neu vergeben werden. Ich bin ein Fan von Struktur und sinnvollen Regeln. Die Beschreibung, wie mit der Karte zu verfahren ist, erfolgte übrigens entweder in gebrochenem Englisch – oder pantomimisch mit freundlichstem Lächeln.

Interessante Fakten über Japan

Während der Stadtbesichtigungsfahrt durch Tokio erzählte uns unser Reiseleiter Franz einiges Wissenswertes über Japan, aber auch Wichtiges für unseren Aufenthalt:

Die Zimmer in japanischen Hotels sind in der Regel sehr klein. Japaner reisen mit kleinem Gepäck. Wir hatten 2 mittlere Koffer dabei und konnten sie nicht in jedem Zimmer aufgeklappt stehen lassen. Wenn es möglich war, schoben wir sie unter das Bett. Da wir fast jede Nacht in einem anderen Hotel verbrachten, lohnte es sich nicht, die Koffer auszupacken.

Unseren Abfall sammelten wir in Tüten im Bus und nahmen ihn mit ins Hotel. In Japan gibt es keine, bzw. nur sehr wenige öffentlichen Mülleimer. Der Müll wird zu Hause entsorgt.

Die Japaner sind grundsätzlich serviceorientiert und helfen gerne. So sind z. B. alle öffentlichen Toiletten kostenlos – und sehr sauber, das kann ich nach 2 Wochen Erfahrung betonen.

Das Leitungswasser ist überall in Japan trinkbar. In größeren Städten wird es allerdings etwas mehr gechlort.

Es gibt nach aktuellen Zahlen 5,5 Mio. Verkaufsautomaten in Japan. Das ist pro 23 Einwohner 1 Automat. Ein Grund dafür ist, dass sich in den sehr heißen Sommermonaten Menschen ausreichend mit Getränken versorgen können. Es gibt zu günstigen Preisen Wasser, Elektrolytdrinks, Cola, Tee, Dosenkaffee, Eiskaffee, Lebensmittel, Babywindeln und – so wurde es erzählt, manche skurrile Sachen. Für eine eisgekühlte 0,5 Liter Wasserflasche bezahlten wir übrigens weniger als 1 €. Auch die Elektrolytdrinks taten uns gut. Im Winter soll es warme Suppen in den Automaten geben.

2.Verkaufsautomaten
Die Automaten sind wirklich an jeder Ecke zu finden.
Automaten2
… und werden rege genutzt.
Automaten Windeln
Windeln aus dem Automaten – falls sie mal knapp werden ….

Viele Supermärkte haben rund um die Uhr geöffnet. Geldautomaten und Geldwechselautomaten gibt es auch in Supermärkten, manches Mal sogar mit deutscher Menüführung.

In Drogerien werden nicht verschreibungspflichtige Medikamente und natürlich Körperpflege- und Kosmetikprodukte verkauft.

Japan besteht aus 47 Präfekturen. Tokio ist eine davon und hat rund 37 Mio. Einwohnern. Damit ist Tokio die bevölkerungsreichste Metropolregion der Welt. Bei dieser Zahl handelt es sich um den Großraum Tokio. Die „Kern-Stadt“ selbst hat „nur“ 14 Mio. Einwohner.

Teile der Stadt sind künstlich aufgefüllt und das Stadtbild mit vielen Kanäle zeugt davon, wie man neue Räume schaffen kann. Da Japan eine Insel ist, ist Fläche begrenzt. Mit Sicherheit ein Grund, warum man in den Städten so beeindruckend in die Höhe baut. Aufgrund der relativ jungen Geschichte findet man wenig großartige alte Architektur.

2.Tokio viel Wasser 2
Viel Grün, viel Wasser, viele Häuser.

Man baut erdbebensicher, denn durchschnittlich sind 73 Erdbeben/Monat spürbar. Reiseleiter Franz gab uns mit dieser Information auch Instruktionen, wie wir uns im Falle eines spürbaren Erdbebens verhalten sollten: auf herunterfallende Gegenstände achten, den Kopf schützen, Ruhe bewahren und abwarten. Ein Frühwarnsystem merkt auch kleinste Erdstöße und soll vor größeren Beben warnen. Irgendwie bin ich froh, dass wir zu Hause diese Thematik nicht haben.

Normale Wohnungen sind klein. Manches Mal sind über dem Bad so etwas wie Schlafkojen. Im Wohnmobil nennt man das Alkoven. Die Mieten sind sehr teuer, lt. Franz definitiv teurer als in München. Die Größe der Wohnungen ist auch ein Grund, warum man selten Gäste nach Hause einlädt, sondern sich mit Freunden in Restaurants oder Cafés trifft. Auch Karaoke, ein japanisches Kulturgut, ist eine beliebte Freizeitbeschäftigung im Freundeskreis.

Mitten durch die riesengroße Stadt führen Autobahnen. Diese sind kostenpflichtig – ohne Stau an den Mautstationen *lach. Wie schon beschrieben ist Platz Mangelware in einer solchen Stadt und deshalb sind die Straßennetze zwei- und dreistöckig gebaut. Die Autobahn ist meistens die obere, dann sind mehrspurige Straßen drunter und ganz unten auch noch einmal. Manchmal sind auch Gleise des Eisenbahnnetzes in dieses geordnete Chaos eingeflochten. Es gibt keine ungenutzten Flächen, denn sogar unter den Brücken sind Läden oder Parkplätze zu finden.

2.Tokio Strassen mehrstoeckig 2
Straßen-Wirrwarr

Schreine, Gebete, Religion

Beeindruckt von den vielen Fakten und den Eindrücken der Fahrt quer durch Tokio erreichten wir den Meiji-Schrein, der dem verstorbenen Kaiser Meiji und seiner Frau gewidmet ist. Zwei große, wunderschöne Bäume symbolisieren den Kaiser und seine Frau als zwei Individuen, die doch miteinander verbunden sind.

2.Meiji Schrein Kaiser und Frau
Zwei wunderschön gewachsene und mächtige Bäume…
2. Tokio Kaiserpaar verbunden
zwei Individuen unzertrennlich verbunden.

In dem riesigen Park um den Schrein sollen 100.000 Bäume stehen.

2.Meiji Schrein
Meiji Schrein

Kirchliche Versammlungen, wie wir sie kennen sind in Japan eher unbekannt. Dafür unterliegen die Besuche eines Schreines oder eines Tempels besonderen Ritualen. Fast immer befinden sich Brunnen vor einem Schrein oder Tempel, an denen man sich nach einem bestimmten Ritual reinigt, bevor man vor dem Schrein betet.

2.Meiji Schrein Reinigungsritual
Reinigungsritual vor dem Betreten der Tempelanlage – sogar in englischer Sprache – also wichtig!
2. Tokio Meji Reinigung
An solchen Stellen reinigt man sich, bevor man den Tempel betritt.

Die Gebete sind sehr individuell, haben aber auch einen gängigen Ablauf. Nach zwei Verbeugungen wird zweimal in die Hände geklatscht. Das geschieht vor dem eigentlichen Gebet, um der Gottheit zu „sagen“, dass man nun da ist. Dann folgt das stille Gebet und im Anschluss daran verbeugt man sich wieder vor der Gottheit. Obwohl mir diese Art des Betens fremd ist, empfand ich es als heilige Momente, wenn ich solches hautnah erleben durfte.

In Japan werden die Religionen Shintoismus und Buddhismus gelebt. Ja, ich weiß, man kann darüber streiten, ob man das als Religion bezeichnen kann. Der Einfachheit halber lasse ich es in diesem Bericht so stehen. Shintoismus ist eine Naturreligion, die keinen „Gründer“ und keine Schriften hat. Die Glaubenspraxis bezieht sich auf Besuche und Anbetung der Schreine, die heiligen Gedenkstätten. Man glaubt nicht an ein Leben nach dem Tod, sondern lebt im Hier und Jetzt.

Der Buddhismus kam erst im 6. Jahrhundert nach Japan und hat als zentrale Botschaft die Wiedergeburt auf irgendeine Weise je nach Lebensweise. Viele Japaner haben beide Anschauungen in ihr Leben integriert. Wie ich finde, passen beide Weltanschauungen gut zueinander. Mir erklärt es die freundliche und im besten Sinne demütige Haltung der Japaner.

Das Christentum spielt keine große Rolle in der japanischen Glaubenskultur. Etwa 1 % der Bevölkerung gehört zu einer christlichen Gemeinde. In der Edo-Zeit (1600-1800) war das Christentum verboten und Christen wurden sogar verfolgt. Seit ca. 1900 besteht wieder Religionsfreiheit und Christen können nach ihrem Glauben leben.

Weihnachtstraditionen und christliche Hochzeitsrituale wurden zum Teil in die japanische Kultur übernommen.

Tokio von oben

Von weitem sahen wir den Sky Tree, einen 634 Meter hohen Fernseh- und Rundfunksendeturm. Er wurde erst 2012 eröffnet und ist der höchste Fernsehturm und nach dem Burj Khalifa in Dubai und dem Merdeka 118 in Kuala Lumpur das dritthöchste Bauwerk der Erde. Er bietet eine tolle Aussichtsplattform, die zurzeit aber umgebaut wird und wir deshalb nicht hinauf konnten.

2.Tokio Skytree
Sky-Tree

Ein weiteres interessantes Bauwerk ist der rote Tokio Tower, welcher mit 332 Metern Höhe einer der höchsten selbstragenden Stahltürme der Welt ist. Wir konnten immer wieder vom Bus aus einen Blick darauf erhaschen. Leider war ich mit der Kamera immer zu spät dran.

Einen unfassbar herrlichen Blick auf diese riesengroße Stadt hatten wir von der 260 Meter hohen Aussichtsplattform des Mori-Towers.  Deshalb lasse ich einfach nur die Bilder sprechen…

2.Tokio Blick von oben 2
2.Tokio Blick von oben
2.Tokio von oben Baerbel
2.Tokio von oben 4
2.Tokio von oben Friedhof
In der Ferne konnte man einen riesigen Friedhof entdecken.

Shibuya und mitten in Tokio

Unsere Fahrt ging weiter zur bekanntesten Kreuzung der Welt, der Shibuya-Kreuzung, welche auch die ALLES GEHT Kreuzung genannt wird, und die der gefühlte Mittelpunkt Tokios ist. Wenn man sich in der Stadt verabredet, dann macht man das häufig an dieser Kreuzung.

2.Tokio shibuya Kreuzung 2
Gerade ist „rot“ an den Fußgänger-Ampeln

Alle Ampeln schalten zur gleichen Zeit auf grün und tausende Menschen überqueren gleichzeitig die Kreuzung in alle Richtungen. Man kann googeln, dass täglich bis zu 500.000 Menschen die Kreuzung überqueren. Manche Quellen schreiben sogar von doppelt so vielen. Eigentlich ist die Zahl egal – ich kann es mir sowieso nicht vorstellen. Als wir dort waren, war es verhältnismäßig ruhig. Vom Starbucks Café aus hat man einen guten Blick auf das Geschehen. Naturgemäß hat dieses Starbucks Café die meisten Kunden Japans.

2.Shibuya Kreuzung 5
Bei „grün“ wirkt die Kreuzung wie ein Ameisenhaufen.

Nahe der Kreuzung ist der Shibuya-Bahnhof, der als der verkehrsreichste Bahnhof des Landes mit 2,4 Millionen Fahrgästen täglich gilt. Der Bahnhof hat über 100 Ausgänge – die Wahrscheinlichkeit, sich dort zu verlaufen ist groß.

2.Tokio Shibuya
Einer der vielen, vielen Eingänge zur Shibuya-Bahnstation.

Über das Bahnnetz kann ich nicht sehr viel schreiben, da es sehr komplex ist. Unglaublich viele Züge fahren sekundengenau im 2 ½ – 4 Minutentakt von A nach B. Farblich gekennzeichnet, erkennt der Pendler seine Route. Meistens bezahlten Firmen ihren Mitarbeitern eine Pendlerkarte. Damit wird der innerstädtische Verkehr entlastet und viele Menschen benötigen kein Auto.

Die Geschichte von Hachiko, einem treuen Akita-Hund, kennt bestimmt mancher Tierfreund. Seine Statue steht zwischen der Kreuzung und dem Bahnhof und man hätte sich lange anstellen müssen, um ein Foto mit ihm zu machen.

2.Tokio Hachiko 2 1
Statue von Hachiko, dem treuen Hund.

Wir hatten unsere Mittagspause inmitten von Tokio und schlenderten gemütlich durch die Straßen und staunten über den Lärm, das bunte PlingPling und das Getümmel. Es war kein bisschen so, wie ich Japan erwartet hätte.

2. Tokio Stadtmitte
lustige Gesellen

Ein Teil unserer Gruppe folgte dem Tipp von Franz und ging Sushi essen. Wir wollten lieber die Stadt auf uns wirken lassen und es reichte uns ein belegtes Brötchen *lach, ja auch das kann man in Japan finden, wenn man denn lange sucht. Man isst übrigens nicht auf der Straße, sondern in Cafés und Restaurants.

Eine wichtige Information war auch, dass man in Japan kein Trinkgeld gibt. Nach japanischem Empfinden denkt man in so einem Fall, die Bedienung würde zu wenig verdienen – und das verletzt ihren Stolz.

Auffallend war, dass überall viel Personal Hilfestellung für alles Mögliche gab – immer super freundlich und zuvorkommend. Am Anfang befremdete es uns ein wenig, dass sich die Menschen leicht vor uns und überhaupt verbeugen. In unseren Köpfen hatte es eine andere Wirkung. Je länger wir aber in Japan waren, gefiel uns diese Geste. Sie erschien uns immer ehrlich und wir empfanden es als ein Zeichen des Respektes voreinander.

Ich war wenige Wochen vor unserer Japanreise in London und dort erklang gefühlt im 10-Minuten-Takt das Martinshorn von Feuerwehr, Polizei oder Krankenwagen. Nun befanden wir uns im Herzen Tokios und hörten nichts dergleichen. Wenn ich es heute reflektiere, dann hörten wir auf der ganzen Reise vielleicht 5-mal ein Martinshorn. Gegenseitiger Respekt und Rücksichtnahme wirken sich offensichtlich aus.

Senso-ji

Nachdem wir mit einem Shintoismus-Schrein den Tag begannen, war unser nächstes Ziel ein buddhistischer Tempel, der Senso-ji. Er ist Tokios ältester und bedeutendster Tempel.

2.Senso ji 2

Die fünfstöckige Pagode ist wirklich sehenswert. Pagoden gibt es nur in buddhistischen Tempeln und sie dienen der Meditation und dem Gebet.

2.Senso ji Pagode
5-stöckige Pagode

Der Legende nach angelten zwei Fischer eine Statue aus dem nahegelegenen Fluss und erkannten diese als Buddha Statue. Ihr zu Ehren wurde der Tempel erbaut und die Statue soll verhüllt ihren Platz im Inneren des Tempels haben.

2.Senso Ji Raeuecherstaebchen
Platz für viele Räucherstäbchen.

Wir sahen viele junge Frauen in Kimonos und Franz erklärte uns, dass man Kimonos leihen kann und es oft ein Geschenk für und mit Freundinnen ist, einen Tag im Kimono und entsprechend geschminkt zu verbringen.

2. Tokio Senso ji Kimonos
Sehr hübsch anzusehen!
2.Senso ji

Wenn ich die beiden Besuche der religiösen Stätten an diesem Tag vergleiche, dann war der buddhistische Tempel sehr vom Kommerz geprägt. Man konnte alles Mögliche und Unmögliche kaufen, aber Spiritualität konnte ich trotz Weihrauchdüften nicht erspüren. Es hatte für mich ein bisschen was von Jahrmarkt, beeindruckend, schön, aber eben nicht spirituell.

Stadtteil Ginza

Einen letzten Stopp machten wir im Stadtteil Ginza. Kurz zusammengefasst kann man sagen: Gold, Geld, Einkaufsmeile. Nach diesem Tag voller Kontraste und Eindrücke hatte ich null Lust auf Einkaufsmeile – eigentlich habe ich das im normalen Leben auch selten.

2.Tokio Ginza 3
Wer kommt drauf?: Spielwaren über viele Stockwerke *lach
2.Tokio ginza 4
Eine Nobelmarke neben der anderen…
2.Tokio Ginza 5
Hier prägte sich mir der Name ein: gesprochen wird es Uniklo *lach

Trotzdem marschierten wir die Straße auf und wieder ab und waren ziemlich früh an der verabredeten Stelle, an der uns der Bus wieder aufsammeln sollte. Wir waren nicht die Einzigen aus unserer Gruppe, die erschöpft waren *lach – kein Wunder.

Nach einer schnellen Dusche im Hotel gingen wir zu Fuß in ein nahegelegenes Restaurant und hatten ein leckeres Abendessen.

2.Tokio Abendessen
Keine Ahnung, was das im Einzelnen war: lecker war es!!

Die Herausforderung waren wieder die Stäbchen. Ich stellte mich der Herausforderung und bin ein bisschen stolz, dass ich es im Laufe der Reise immer besser hinbekam. Es war auf alle Fälle immer lustig und ich vergesse nie den Satz einer Mitreisenden, die meinte: „Zuerst esse ich mich mit der Gabel satt und dann probiere ich mit Stäbchen zu essen.“ Nicht in allen Restaurants konnte man Messer und Gabeln bekommen. Es war schon klug, im Reisegepäck entsprechendes Besteck dabei zu haben.

2.Tokio Abendspaziergang
Tokio by night

Nach einem wunderschönen Verdauungsspaziergang durch das schon dunkle Tokio waren wir früh im Hotel und gingen bald schlafen.

Dem Datum nach der 4. Tag

14. 2. Route
Route am 2. Rundreisetag

Aufgrund der Zeitumstellung musste ich mich immer noch an Fakten halten – mein normales Zeitgefühl hatte sich noch nicht eingestellt. Wir hatten ausnahmsweise den Luxus, ohne gepackte Koffer in den neuen Tag zu starten. Das Frühstück gestaltete sich etwas lebhafter als am Vortag, denn mehrere Schülergruppen frühstückten mit uns. Ja, es war lauter als am Vortag, das lag in der Natur der Sache: mehr Menschen, mehr Gespräche. Ich war höchst beeindruckt über das gute Benehmen der Kinder. Niemand rannte herum, sie unterhielten sich normal, waren höflich untereinander, brachten ihr Geschirr ordentlich zurück und hinterließen einen sauberen Platz.

Als wir schon im Bus saßen, beobachteten wir die Kinder, wie sie sich im Hof versammelten. Einer von ihnen trat vor die Gruppe, hielt eine kleine Ansprache, verbeugte sich und setzte sich wieder. Alle anderen hörten aufmerksam zu. Die Lehrer waren im Hintergrund. Franz erklärte uns, dass vor und nach dem Unterricht ein Appell in Japans Schulen normal sei. Auch normal ist, dass schon ab der Grundschule die Schüler ihre Klassenräume und das Schulgebäude selbst reinigen.

Für uns stand ein Ausflug zum Fuji-san auf dem Programm. Das bedeutete, einen langen Tag im Bus zu verbringen.

3.Fahrt durch das Land 4
Fahrts durchs Land

Pausen auf Rastplätzen an der Autobahn waren natürlich auch Programminhalt. Wir lernten eine neue Begrifflichkeit: „Harmonie herstellen“, was Toilettengang bedeutete. Der Begriff kommt wohl nicht aus dem japanischen, aber Franz gefiel das und uns auch. Es ist doch angenehmer, den Bus zu einem Stopp zu animieren mit der Bitte: „Ich möchte Harmonie herstellen“, als zu sagen: „Ich muss aufs Klo“. *lach.

3.Fahrt durch das Land
Fahrt durch das Land, vorbei an Reisfeldern

Auf den Rastplätzen war immer die Möglichkeit sich etwas zu essen, zu trinken oder zu knabbern zu kaufen. In diesem Fall war es eine gute Idee, sich mit Verpflegung einzudecken, denn für eine ausgiebige Mittagspause mit Einkehrmöglichkeit war das Zeitfenster an diesem Tag zu knapp. Es war spannend, zu schauen, was es in Japan so alles zu kaufen gab und ich war richtig froh über meinen Handy-Übersetzer. Einen Fehlgriff hatten wir dadurch nie. Manches was lecker aussah, entsprach überhaupt nicht dem, was wir uns ausgemalt hatten.

Essen kaufen
Essen kaufen 2
Hokaido-Melonen-Brioche: also lecker!

Einkommen, Renten und ähnliches

Reiseleiter Franz erzählte uns viel über Land und Leute. Unter dem Thema: „Frag doch mal den Reiseleiter“, beantwortete er unsere Fragen.

Das durchschnittliche Jahreseinkommen der Japaner lag 2023 bei 4,9 Mio. Yen, was etwa 28.000€ (in Deutschland 45.552€) entspricht. Wohnen ist teuer, je näher man an Städten wohnt, desto teurer. Die Lebenshaltungskosten sind eher gering.

Arbeitslosen-, Renten- und Krankenversicherungen gibt es ebenfalls. Die Arbeitslosengelder sind allerdings niedriger als in Deutschland und werden für einen kürzeren Zeitraum bezahlt. Das Rentenniveau liegt bei ca. 38 % des Einkommens und Altersarmut ist durchaus ein Thema. Viele Rentner nehmen nach Renteneintritt Teilzeitjobs an, aber nicht nur des Geldes wegen, sondern auch, um dem Tag Struktur zu geben.

Arbeiter
Da wird das Bett des Baches geschrubbt ….

Das Renteneintrittsalter liegt ähnlich wie bei uns bei 65 Jahren, in manchen Betrieben bereits ab 60 Jahren. Der Mindestlohn beträgt ca. 6-7 €/Std.

Die Arbeitslosenquote liegt in Japan bei 2,5 % und in Deutschland bei 6,2 %. Der Unterschied zwischen den beiden Ländern liegt in der Mentalität: Japaner empfinden es als große Schmach in die Situation der Arbeitslosigkeit gerutscht zu sein und bemühen sich, schnellstmöglich wieder herauszukommen. Oft verheimlichen sie in ihrem Umfeld die Misere. Es werden auch gering bezahlte Arbeiten angenommen, um diesen Zustand rasch zu beenden. In Deutschland herrscht oft (nicht immer!!) die Meinung vor, dass irgendwer dafür verantwortlich ist und helfen muss.

Im Krankheitsfall werden 70 % der Arztkosten übernommen. Den Rest muss man selbst erbringen. Es wird von allen sparsam mit den Ressourcen umgegangen.

Die Lebenserwartung bei Frauen liegt bei 88 Jahren (83,2 in Deutschland) und bei Männern bei 83 Jahren (78,5 in Deutschland). Es gibt auch Pflegeheime – ähnlich wie in Deutschland. Allerdings wird die Familie stärker in die Pflege eingebunden.

3.Fahrt durch das Land 2 Berge
Vom Bus aus

Die lange Busfahrt verging zügig, auch dank der interessanten Informationen von Franz.  Wir bewunderten die herrliche Natur. Die Landschaft war grün, also ich meine aufgrund des feuchten Klimas richtig satt grün sowie bergig. Durch die plattentektonischen Prozesse sind auch viele Berge vulkanischen Ursprungs.

3.Fahrt durch das Land 3 Berge
Unglaublich viel grüne Landschaft …

Japan hat ca. 68 % Waldfläche, Deutschland im Vergleich 31 %. Nach jeder Biegung der Straße konnte man aufs Neue staunen und fotografieren. In den Wäldern leben Bären und wilde Affen, die durchaus bis an die Straße kommen.

Fuji

Wir fuhren weiter Richtung Fuji und kamen kurz vor unserem Ziel in der Stadt Fujiyoshida an einem großen Vergnügungspark vorbei, dem Fuji-Q Highland. Dort gibt es einige rekordverdächtige Achterbahnen.

3.Fuji Q Highland 3
Was für ein Konstrukt!

Eine davon konnte man von der Autobahn aus gut sehen. Wenn man auf ihr den höchsten Punkt erreicht hat, kann man – im besten Fall – den Fuji sehen und danach geht es steil bergab. Uii – ich denke an meine einzige Achterbahnfahrt im Leben zurück und schwanke zwischen Begeisterung und Entsetzen. *lach.

3.Fuji Q Higland

Arakura Sengen Schrein und Pagode

Als wir an unserem Ziel ankamen, waren wir schon darauf vorbereitet, einen ausgiebigen Fußmarsch vor uns zu haben. Was wir im klimatisierten Bus verdrängten, war die erbarmungslose Hitze und Luftfeuchtigkeit von 68 %. Frohen Mutes machten wir uns trotzdem auf den Weg zum Arakura Sengen Schrein.  Dieser befindet sich in einem wunderschönen Park am Hang des Berges Arakura. Der Schrein wurde im 9. Jahrhundert zu Ehren einer Göttin errichtet, die mit dem Fuji und den Kirschblüten in Verbindung steht.

Dem aufmerksamen Leser ist bestimmt das Wort „am Hang“ aufgefallen…. Ja, es ging beständig bergauf. Man spricht von 400 Stufen – es führte aber auch ein etwas angenehmer zu gehender Fußweg nach oben.

3.Arakura Fussweg
Fußweg

Die Bemerkung eines Mitreisenden: „Es gibt Stellen, an denen man schwitzen kann, die kannte ich vorher gar nicht,“ mag unseren Zustand ein klein wenig beschreiben. Hätte jemand die Herausforderung nicht angenommen und wäre im Bus geblieben, hätte er wirklich etwas verpasst.

3.Fuji verhuellt
Dort, in den Wolken versteckt er sich, der geheimnisvolle Berg.

DAS Postkartenmotiv mit dem Fuji (leider in Wolken – aber egal) im Hintergrund, die rote, fünfstöckige Chureito-Pagode und die Kirschbäume im Vordergrund waren die Schinderei wert. *lach. Selbst fotografiert und nicht gekauft – dieses Erlebnis nimmt uns niemand!

3.Arakura Pagode
Pagode

Die Pagode hat eine recht junge Geschichte: sie wurde 1963 im Gedenken an Kriegsopfer und für den Frieden erbaut.

Interessantes zum Fuji

Fuji oder Fuji-san sind die japanischen Schreibweisen. Das bei uns bekannte „Fudschijama“ wurde aus dem englischen Fujiyama „eingedeutscht“. Ich bleibe hier bei der Schreibweise Fuji.

Dieser 3.776 Meter hohe Vulkanberg ist seit 2013 UNESCO-Weltkulturerbe und liegt in der Präfektur Yamanashi. Schon seit Jahrhunderten wird er als heilig verehrt und selbst die Kaiser Japans beugten sich vor dieser „Gottheit“, um sie und ihre Ausbrüche milde zu stimmen. Aufgrund der symmetrischen Kegelform gilt er als einer der schönsten Berge der Welt. Er inspirierte manchen Poeten zum Verfassen von Gedichten und Liebesgeschichten. Manche Sage rankt sich um diesen mystischen Berg. Mittlerweile wurde die Landschaft um den Fuji zum Naturdenkmal und Nationalpark ernannt.

3.Fuji in voller Pracht von Franz
So kann man ihn sehen, wenn das Wetter passt. Danke an Franz für dieses tolle Foto!

Der Klimawandel ist auch hier spürbar: Ende Oktober 2024 lag erstmals, seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, noch kein Schnee auf dem Fuji. Normalerweise beginnt die Schneesaison dort Anfang Oktober.

Leider verhüllt sich der Fuji an vielen Tagen im Jahr in Wolken. Wir hofften auf einen klaren Blick und bekamen ihn nicht. Ein beeindruckendes Erlebnis, dem Fuji so nahe zu sein, war es trotzdem. Deshalb kann ich nicht von „Enttäuschung“ sprechen.

Reisezeiten mit verschiedenen Effekten

Die Chance auf einen klaren Blick auf den heiligen Berg hat man übrigens am ehesten in den Monaten Oktober bis Februar. Die Kirschen blühen im April, dann wollen das allerdings sehr viele Menschen sehen, fotografieren und erleben… von Vorteil sind dann die angenehmeren Temperaturen – man kann nicht alles haben…

Regenzeit in Japan ist Juni/Juli, der August ist schwül – hm wir waren im Juli dort und hatten es sehr schwül aber trocken – die statistischen Angaben sind vermutlich fließend. Eine schöne Jahreszeit ist auch der Herbst, wenn der Ahorn seine Blätter rot färbt. Im Oktober und November liegen die Temperaturen bei angenehmen 20-25 Grad.

Ashisee

Auf dem Rückweg zum Bus kauften wir die größten Äpfel ever. Sauber gewaschen und auf Wunsch zerteilt ließen wir sie uns auf der Fahrt zum nächsten Ziel schmecken.

3.Arakura Apfel
So groß und so lecker

Durch den Nationalpark fuhren wir quasi um den Fuji herum zum Ashinokosee kurz Ashisee. Er entstand vor 3.000 Jahren bei einem Vulkanausbruch und hat keinen natürlichen Zu- oder Ablauf. Aufgrund des vulkanischen Untergrundes friert er im Winter nie zu. Er liegt auf 700 Metern Höhe.

Kluge Geschäftsleute machten diese Region zu einer Touristenattraktion, Piratenschiffe sind ein Teil davon.

3.Piratenschiff
„Unser“ Piratenschiff

Wenn man Glück hat, kann man den Fuji auf einer solchen Bootsfahrt sehen. Wir erfreuten uns an dem Wissen, dass er sich hinter den Wolken versteckt und genossen den Fahrtwind.

3.Fuji vom See aus
Theoretisch sieht man den Fuji auch vom See aus ….

Um den Fuji herum gibt es viele heiße Quellen. Man kann es bei entsprechenden Temperaturen schon von Weitem am aufsteigenden Dampf erkennen.

Pazifik

Über Odawara ging unsere Reise am Pazifischen Ozean entlang Richtung Kamakura. Wir konnten gut verstehen, dass die schönen Badeorte und Strände viele Einheimische, Urlauber und Surfer anzogen.

3.Pazifischer Ozean2
Tolle Strände

Franz beschrieb diese Gegend als Hawaiianisch – ich war noch nie auf Hawaii, aber wenn es dort so aussieht, dann gefällt mir das.

Insel Enoshima

Die kleine Insel Enoshima hat auch den Namen „Liebesinsel“. Wenn man auf die Insel Enoshima eingeladen wird, kann man davon ausgehen, dass eine Liebeserklärung geplant ist. Die Japaner sind eher zurückhaltend mit ihren Liebesbezeugungen und zeigen dies lieber durch symbolische Gesten. Der 14. Februar ist auch in Japan der Valentinstag, allerdings beschenken Mädels die Jungens. Der Ausgleich kommt am 14. März, dann ist White Day und dann werden die Mädels von den Jungens mit Gaben bedacht.

Enoden

Durch Influenzer wurde eine Eisenbahnlinie sehr berühmt und wir waren Zeugen, wie sich viele junge Menschen genau dort mit dem Zug fotografierten. Es handelt sich um den Enoshima Electric Railway, kurz Enoden genannt.

3.Enoden
… ein Zug *lach

Die Strecke, die der Zug fährt, soll wunderschön sein, da sie genau an der Küste entlang führt.

3.Enoden warten auf
Warten auf Enoden

Mir erschließt sich der Sinn, sich mit dem Zug zu fotografieren nicht. Mitfahren ja, aber ein Foto von mir und dem Zug????

Kamakura – Großer Buddha

Letzte Etappe dieses 4. Reisetages war in Kamakura der Besuch des Tempels Kotoku-in mit der berühmten großen Buddha-Statue. Der Buddha wiegt 121 Tonnen und ist 13 Meter hoch.

3.Kamakura grosser bddha und Platz
Eine schöne Anlage mit Park

Gegen eine kleine Spende kann man das Innere der Statue besichtigen – ich war natürlich auch drin. Aha, alles war hohl *lach – und doch war es ein eigentümliches Gefühl, IN einem Buddha zu stehen.

3.Kamakura grosser Buddha von innen
Im Inneren des Buddha

Nette Reisebegleiter meinten später, sie haben gesehen, wie wir dem Buddha in den Allerwertesten gekrochen wären… *lach – so kann man das auch sehen.

Der Buddha stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist eine der am meisten besuchten Sehenswürdigkeit Japans. Rund um den Buddha gibt es kleine Verkaufsstände. Mich hat besonders die wunderschöne Parkanlage beeindruckt. Ich empfand den Ort als friedlich und schön. Vielleicht lag es auch daran, dass wir gegen Abend dort waren und die meisten Besucher schon weg.

Heimwärts am 4. Tag

Vorbei an Yokohamas Skyline, die in der untergehenden Sonne gut zur Geltung kam, fuhren wir zu unserem Hotel in Tokio.

3.Yokohama Skyline
Skyline Yokohamas

Abendessen gab es in Büfett-Form im Hotel. Wir entschieden uns, ungeduscht und zügig zum Essen zu gehen, damit wir danach frühzeitig auf die Zimmer konnten, um die Koffer für den nächsten Tag vorzubereiten und auch zur Ruhe zu kommen.

3.Abendbuffet 3
leider, leider …
3.Abendbuffet 2
… war es nicht möglich, …
3.Abendbuffet
… alles zu probieren ….

Das Büfett war super und ich aß zum ersten Mal im Leben Königskrabbenbeine. Das dazu benötigte „Werkzeug“ lag neben den Krabben und ein netter Kellner zeigte mir, wie es benutzt wird – eher pantomimisch wieder *lach. Ja, es ist mühselig, bis man alles herausgepult hat, aber es schmeckte dann auch lecker!!!

3.Koenigskrabbenbeine
Königskrabbenbeine

Wie ich später mitbekam, versuchten sich noch mehrere Mitreisende zum ersten Mal an dieser Köstlichkeit. Man muss die Gelegenheiten nutzen, wie sie kommen!!

5. Tag

14. 3. Route
Route am 3. Rundreisetag

Beim Frühstücken war ich mittlerweile von den vielen Eindrücken nicht mehr so erschlagen und beobachtete, wie Japaner die erste Mahlzeit des Tages zu sich nahmen. Was mir auffiel war, dass durchaus auch zu einem Toastbrot mit Marmelade gegriffen wurde. Mangels Messer wurde die Butter mit einem kleinen Holzspatel aufgetragen – in manchen Hotels waren kleine Buttermesser im Einsatz.

Ansonsten ging alles mit Stäbchen, sogar ein hartgekochtes Ei wurde mit Stäbchen aus der Schale gelöffelt – ist das falsche Wort: gestäbelt? *lach. Suppen, Reis, Currysoßen, Fisch in allen möglichen Varianten machten gut satt und stark für den Tag.

Messer und Gabel waren in den Hotels für Touristen vorhanden. Japaner benötigen sie nicht. Ich verglich es mit einem Besuch von Japanern in Deutschland: Sie hätten, wären sie nicht darauf vorbereitet, durchaus ihre Schwierigkeiten alles mit Messer und Gabel zu essen und würden unser Besteck liegen lassen, wenn Stäbchen angeboten würden.

Im Bus wurden wir mit einem neuen Mitreisenden bekannt gemacht: Mario, der sich überlegte, selbst als Reiseleiter tätig zu werden und bei Franz zum Lernen mitfahren sollte. Ich denke, da hatte er einen wirklich guten Lehrmeister, denn Franz konnte ziemlich schnell eine gute Verbindung zu allen Reisenden herstellen und auch komplizierte Situationen souverän meistern.

5.Tokio ade
Bye bye Tokio. Am Arakawa-Fluss entlang Richtung Nagano

Unsere Fahrt ging Richtung Norden nach Nikko. Entlang des Arakawa-Flusses in Tokio sahen wir viele Menschen, die Sport trieben.

5.Tokio Arakawa Sport
Frühsport

Am frühen Samstagmorgen waren schon zahlreiche Sportsfreunde unterwegs, um sich mit Baseball oder Fußball fit zu halten. Baseball ist in Japan Nationalsport.

5.Tokio Arakawa sport Basketball
Baseball
5.Tokio Arakawa Sport Zuschauer
Meine Sportart: Zuschauer

Nachdem wir das Zentrum Tokios hinter uns gelassen hatten, waren die Häuser nicht mehr so überdimensional groß. Die kleineren Häuser werden oft in Fertigbauweise gebaut und gehen bei Erdbeben leichter kaputt. Sie werden nicht für die Ewigkeit gebaut, sondern es ist normal, dass Häuser nach einer gewissen Lebensdauer abgerissen und neu erbaut werden.

5.Tokio Randbezirke
Auch das ist Tokio.

Franz erzählte uns auf dem Weg wieder allerlei Interessantes. Z. B. gibt es in Japan viele Liebeshotels. Der Grund ist, dass zu Hause meistens wenig Platz ist und die Wände dünn…

Geschichte

Auch über die Geschichte Japans erfuhren wir Wissenswertes:

Vor etwa 30.000 Jahren kamen erste Menschen über eine Landbrücke von Korea und Sibirien nach Hokaido. Diese Landbrücke gibt es schon lange nicht mehr.

Eigentlich ist Japan eine Inselkette, mit den 4 Hauptinseln: Hokkaido, ganz im Norden, Honshu, der größten und bevölkerungsreichsten Insel, Shikoku und Kyushu im Süden. Zum japanischen Archipel gehören weitere 6800 kleine und kleinste Inseln.

Landschaft 1
Interessante Landschaften

In früheren Zeiten hatte das Militär mit seinen Shogunen viel Macht. Die Samurai waren die Berufskrieger. Bei Bürgerkriegen ging es in aller Regel um die Macht zwischen Familien. Kaiser Tokugawa Ieyasu einigte das Land im 16. Jahrhundert mit dem Leitsatz: „Vertrauen und Kontrolle“, das funktioniert bis heute.

Während der Edo-Zeit, also der Zeit, als die Shogune regierten (von 1603 bis 1868) hatte Japan kaum Beziehungen zu anderen Ländern und Ausländern war die Einreise verboten. Nachdem die Shogune gestürzt waren und der Kaiser zurückkam, öffnete sich das Land Stück für Stück.

Fahrt durch das Land 5
Fahrt durch das schöne Land

Bis auf die Zeit etwa 600 v. Chr. lässt sich die Geschichte der Kaiser in Japan zurückverfolgen.

Der Legende nach soll der erste Kaiser von der Sonnengöttin Amaterasu abstammen. Die Familie des ersten Kaisers stellt bis heute den Kaiser. Im 6./7. Jahrhundert gab es auch Kaiserinnen, ansonsten wurden nur männliche Thronfolger zum Kaiser ernannt. Ein anderes Wort für Kaiser ist Tenno, was so viel wie himmlischer Herrscher bedeutet. Japan hat die älteste durchgängige Monarchie der Welt. Der aktuelle Kaiser ist seit 2019 Kaiser Naruhiito, seine Frau ist Kaiserin Masako. Beide leben im kaiserlichen Palast in Tokio.

Wir fuhren an dem schönen Park vor dem Palast vorbei. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges (1945) hat der Kaiser „nur noch“ repräsentative und zeremonielle Verpflichtungen. In der letzten Phase des Krieges fanden die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki statt. Dazu später mehr.

Nikko

Wir merkten gar nicht, wie unter den Erzählungen die Zeit verging und wir an unserem ersten Ziel, dem Nikko-Futarasan-Schrein ankamen. Da es in der Nähe noch einen Futarasan-Schrein gibt, wird der Name der Stadt, in unserem Fall Nikko, vorne angestellt. Die Anlage ist in den großen und großartigen Nikko-Nationalpark eingebettet, der mit seiner gesunden Natur und Spiritualität an vielen Stellen einfach nur wohltuend war.

Die wunderschön geschwungene Shinkyo Brücke war der erste Blickfang, den wir vom Bus aus sahen.

5.Nikko Futarasan Schrein Bruecke
Shinkyo Brücke

Im Jahr 782 wurde der Futarasan-Schrein gleich neben dem Toshogu-Schrein und dem Taiyuin-Tempel von einem Mönch gegründet. Der Tempel ist den umliegenden drei heiligen Bergen gewidmet.

Der prunkvolle Toshogu-Schrein ist Tokugawa-Ieyasu, dem Gründer der gleichnamigen Dynastie zu Ehren erbaut worden. Als Teil der Holzschnitzerei kann man die wohl älteste Darstellung der bekannten drei Affen, mit ihrer Symbolik: „nichts (Böses) sagen, nichts (Böses) hören und nichts (Böses) sehen“, an der Stirnseite des Toshogu-Schreines sehen.

5.Nikko Futarasan Schrein Affen
Kennt jeder

Das prachtvolle Bauwerk hat viele schöne Schnitzereien, aber die drei Affen erlangten quasi Weltruhm.

Vor der goldenen Hasenstatue in der Nähe des Toshogu-Schreines kann man für Glück, Erfolg und gute Beziehungen beten.

5.Nikko Futarasan Schein Hase
Goldene Hasenstatue

Im Futarasan-Schrein sind 2 Schwerter aufbewahrt, die zu Japans Nationalschätzen gehören.  Die Gesamtheit der Bauwerke auf dem Gelände ist seit 1999 UNESCO-Weltkulturerbe.

Über 200 Stufen führten hinauf zum Mausoleum, von wo aus wir einen herrlichen Blick über die gesamte Anlage hatten.

5.Nikko Futarasan Schrein Anlage
Blick von oben auf die Anlage.

Dieser Weg war bis ins Jahr 1960 nur dem Kaiser vorbehalten.

5.Nikko Futarasan Schrein
Nikko-Futarasan-Schrein

An dem Tag, als wir dort waren, wanderte eine nicht enden wollende Menschenmenge die steilen Treppen nach oben und nach unten.

5.Nikko Futarasan Schrein Treppen nach oben
Alle Altergruppen waren auf dem Weg nach oben vertreten

Bemerkenswert fand ich ein Tor, auf das uns Franz aufmerksam machte. Auf der einen Seite waren über dem Torbogen eine schlafende Katze und wenn man durch das Tor ging, auf der Rückseite, kleine Vögel zu sehen. Sinnbildlich wird hier dargestellt, dass man durchaus friedlich miteinander leben kann: die Katze bewacht die Vögel und die Vögel warnen die Katze, wenn Gefahr droht.

Wir hatten Zeit, uns umzuschauen und den herrlichen Park in eigenem Tempo zu bewundern.

5.Nikko Futarasan Schrein jap Garten
Schöne Parkanlage …

An jeder Ecke war ein Kleinod zu entdecken und wir hätten durchaus noch länger bleiben können.

5.Nikko Futarasan Schein Teich
… mit Teich

In unserer Reisegruppe waren auch Menschen dabei, die sich sehr für Architektur und Bauweise der Tempel interessierten. Sie sind hoffentlich beim Lesen dieses Berichtes nicht enttäuscht. Ich persönlich habe von Architektur wenig Ahnung und kann nur meine eigenen Eindrücke wiedergeben. Dass da noch viel Interessantes zu berichten wäre, ist mir klar.

Richtung Nagano

Auf der Weiterreise nach Nagano erreichte uns die Nachricht, dass ein Koffer aus unserer Reisegruppe im Hotel in Tokio stehen geblieben war. Groß war der Schreck bei der alleinreisenden Besitzerin. Sie hatte verstanden, dass die Koffer vom Hotel in den Bus gebracht würden und deshalb ihren Koffer an dem vereinbarten Platz im Hotel stehen lassen. Japan wäre nicht Japan, hätte man dieses Missgeschick nicht reibungslos lösen können: am nächsten Tag war der Koffer ins neue Hotel nachgeliefert worden (für einen kleinen Obolus!). Einen Abend/Nacht musste sie ohne den Inhalt ihres Koffers zurechtkommen. Es wurde von vielen Seiten Hilfe angeboten und ich denke, dass das Hauptproblem in dieser Situation sie selbst war, weil sie sich über sich so sehr ärgerte *lach. Das kann ich gut verstehen. Ein großes Lob an Franz, der die Sache ruhig und souverän klärte.

5. Weg nach Nagano 1
Immer wieder überquerten wir große und kleine Gewässer

Franz brachte uns auf der etwas länger dauernden Busfahrt die japanische Sprache nahe und zeigte an ein paar wenigen einfachen Schriftzeichen die Komplexität dieser Sprache auf. Mein Respekt für Menschen, die japanisch lernen ist riesengroß!!! Kleinste Unterschiede ergeben eine komplett andere Bedeutung. Mein Sprachschatz beschränkte sich auf: Arigato, das heißt Danke. Das R wird eher weich ausgesprochen und so sprachen wir es immer als „Aligato“ aus und ich hatte das Gefühl, dass sie es verstanden. Hai heißt ja und Ohayo heißt guten Morgen.

5.Weg nach Nagano
Auf dem Weg nach Nagano

Auf dem letzten Stück Wegs ins Hotel und nach einer Pause auf einem Autobahnrastplatz, genoss ich es, die herrliche, sattgrüne Landschaft an mir vorbeiziehen zu lassen und die vielen unglaublichen Eindrücke sacken zu lassen.

Nagano

Bevor wir im Hotel in Nagano eincheckten, aßen wir in einem kleinen Lokal zu Abend. Eigentlich war uns allen nach Duschen zumute, aber wenn wir erst ins Hotel gefahren wären, hätte es ziemlich spät Abendessen gegeben, deshalb war ich persönlich mit dem Kompromiss einverstanden. Das Abendessen war wieder ganz anderer Art, als wir es bisher kennen gelernt hatten. Viele kleine Schälchen – das kannten wir schon, aber dann wurde auf einem vorbereiteten Kocher auf dem Tisch gebrutzelt und jeder nahm sich seine Portion. Eine besondere Sorte Bohnen, die man aus der Schale pult, war eine neue und leckere Erfahrung.

5. Abendessen
Abendessen in Nagano

In dem Lokal waren wir auf mehrere kleine Räume verteilt. Franz ging von Tisch zu Tisch, um zu erklären, was wir vor uns stehen hatten. Glücklicherweise hatte Mario an unserem Tisch einen Platz gefunden und wir konnten ihn mit unseren Fragen löchern.

Bemerkenswert finde ich, dass in allen Lokalen Trinkwasser kostenfrei angeboten wird.

Onsen

Satt und müde erreichten wir unser Hotel Kokusai 21 in Nagano. Trotzdem machte sich eine kleine Gruppe Frauen – ich natürlich mit dabei – noch auf, in einen öffentlichen Onsen zu gehen. Wenn man ganz einfach erklären möchte, was ein Onsen ist, könnte man sagen: ein Thermalbad. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn zum Onsen gehören, wie ich das in Japan mittlerweile schätzen gelernt hatte, viele Rituale. Onsen sind fester Bestandteil der japanischen Badekultur und haben eine lange Tradition. Japaner gehen zum Teil mehrmals in der Woche in einen Onsen.

Männlein und Weiblein sind getrennt. Tattoos sind verboten. Kleine Tattoos können abgeklebt werden, Menschen mit größeren Tattoos werden nicht eingelassen. Für sie bleibt nur der Besuch in einem privaten Onsen. Die Schuhe wurden am Eingang ausgezogen und in einem Schließfach deponiert. In einer Umkleidekabine entkleidete man sich und hatte ein weiteres Schließfach für die Kleidung und persönlichen Dinge.

Normalerweise werden Onsen von Quellen gespeist, die aus vulkanischen Aktivitäten entstanden sind. Deshalb spricht man ihnen eine besondere Heilkraft zu. Ein Onsen ist ein Ort der Ruhe und Entspannung – außer es sind deutsche Touristinnen drin *lach. Bevor man den Onsen betritt, reinigt man sich nach einem bestimmten Ritual. Ich konnte den korrekten Ablauf nicht genau erkennen und wollte natürlich die anderen nackten Ladys nicht unangemessen beobachten. Mindestens 3-mal seift man sich ein, incl. Haare – und duscht sich jedes Mal wieder gründlich ab – so viel konnte ich unauffällig erkennen. Geduscht wird im Sitzen auf kleinen Hockern, denn würde man stehen, könnte man andere Onsen Besucher*innen nass spritzen. Danach legt man sich für 10-15 Minuten in das sehr warme Thermalwasser und lässt die Ruhe und Wärme auf sich wirken.

Auf der Toilette hatte ich übrigens zum ersten Mal Kontakt mit den ab und zu beschriebenen Toilettenschuhen: Man zieht auf der Toilette besondere Hausschuhe an, die außerhalb dieses Raumes nicht getragen werden. Ich las davon, hatte im Hotel aber nie welche gesehen. Vermutlich wird das eher in privaten Haushalten so gehandhabt.

Eine kleine Sauna war in diesem Onsen auch vorhanden, sowie ein Abkühlbecken. Ich glaube, in dem Abkühlbecken fielen wir unangenehm auf, denn wir waren ziemlich laut und hatten unseren Spaß. Nachdem wir den ganzen Tag den sehr feuchtwarmen Temperaturen ausgesetzt waren, tat uns eher die Abkühlung nach der Sauna als die Hitze gut.

Gut gelaunt und völlig entspannt gingen wir zum Hotel zurück und schliefen wie die Babys. Fotos gibt es von diesem Programmpunkt naturgemäß nicht *lach. Im Internet kann man sich eine Anleitung über Verhaltensweisen im Onsen anschauen.

6. Tag

14. 4. Route
Route am 4. Rundreisetag

Meine Begeisterung für japanisches Frühstück wuchs von Tag zu Tag und ich wurde immer mutiger. Der frühen Stunde war es geschuldet, dass ich nicht mit Stäbchen frühstückte – diese Konzentration hob ich mir für den Abend auf und da funktionierte es schon ganz gut.

6.Nagano Fruehstueck
Relativ normale Sachen gab es auch
6.Nagano Fruehstueck Rahmen
Vorbereiteter Rahmen (Nudelsuppe): die Toppings fügt man nach eigenem Gusto dazu

Eine für uns erkennbare Besonderheit hatte unser Hotel in Nagano: Jedes Zimmer hatte einen Schirm in einem abschließbaren Schirmständer. Vermutlich musst du das Foto etwas länger betrachten, um es zu erkennen *lach.

5. Hotel Schirme
Schirme für jedes Zimmer, bzw. die Vorrichtung zur Aufbewahrung.

Leider sahen wir nicht viel von Nagano, sondern mussten weiterziehen. Das liegt in der Natur einer Rundreise…

6.auf dem Weg
Idyllische Dörfer
6.auf dem Weg fruchtbares Land
Felder

Wieder genoss ich die Fahrt durch die herrliche, grüne Landschaft. Neu an der Landschaft war, dass es bergig wurde.

6.auf dem Weg immer Hoeher
Dorf in den Bergen

Franz erzählte uns, dass es in der kühleren Jahreszeit am Dunst gut sichtbar sei, wo sich im Wald Onsen, also vulkanische heiße Quellen, befinden.

Jigokudani Monkey Park

Unser erstes Ziel an diesem Sonntag war der Jigokudani Monkey Park.

6.Monkey Park
Ich betone nicht, dass es schon am Morgen sehr feuchtwarm war …

Er wurde 1964 gegründet, um das Verhalten der Schneeaffen zu erforschen. In dieser Gegend liegt im Winter sehr viel Schnee und durch die hohen Berge kommen nur wenige Sonnenstrahlen im Tal an. Die Schneeaffen, auch Japanmakaken genannt, kamen schon immer im Winter zu den heißen Quellen, um sich beim Baden zu erwärmen. Um sie erforschen zu können, wurden sie mit Futter zu bestimmten Tageszeiten angelockt. Bis heute kommen die Schneeaffen zu den heißen Quellen und werden mit Futter „belohnt“.

Ein wunderschöner Weg führte dorthin.

6.Monkey Park schoener Weg
6.Monkey Park Wasser am Weg
Ein plätscherndes Bächlein begleitete uns
6.Monkey Park Rastplatz
Möglichkeiten eine Pause zu machen, gab es auch.
6.Monkey Park Weg Baeume
Traumhafte Natur
6.Monkey Park letztes Stueck mit Treppen
Schweißtreibender Abschnitt

Es war ein schwülheißer Tag und die Affen hatten offensichtlich keine Lust, sich in das heiße Wasser zu legen.

6.Monkey Park Affe trinkt 2
… aber Durst hatte er

Die Tiere sind sehr scheu und aufmerksame Mitarbeiter der Forschungsstation beobachteten genau, wenn wir den Tieren zu nahe kamen und griffen dann sofort ein.

6.Monkey Park Affe trinkt
Er hat auch Durst

Wir kennen Affen eigentlich nur aus dem Zoo und mir fiel es schwer, zu begreifen, dass es sich hier um wildlebende Affen handelt, die nach einer geraumen Zeit (Stunden) wieder in die Wildnis zurückkehrten. Sie waren weder eingezäunt noch sonst irgendwie eingeschränkt. Es war ihre eigene Entscheidung, bzw. die ihres Magens und Belohnungssystems an diesen Quellen zu bleiben, solange sie Lust hatten.

6.Monkey Park Affenfamilie
Affenfamilie
6.Monkey Park junger Affe
Vermutlich meistfotografiertes Motiv *lach

Viele Schneeaffen-Mamis hatten kleine Babys und uns gefiel das natürlich sehr. „Wie süß“, diesen Ausruf hörte man mehr als einmal. Ich habe eine Unmenge von Fotos gemacht.

Was tun bei Hitze?

Die Hitze des Tages machte uns zu schaffen und wir waren froh, dass eine längere Busfahrt im klimatisierten Bus vor uns lag. Gegen die schwüle Hitze hatte jeder seine eigene Methode entwickelt.

Ich war froh über mein feuchtes Kühltuch, welches ich mir um die Stirn band und die Bändel mir noch den Nacken kühlten. Es sah nicht gut aus und die Frisur war schnell dahin, aber das war mir sehr egal!!

Helmut tat es gut, sein Kühltuch um den Arm zu binden, um den Puls zu kühlen. Auf Fotos sieht er oft aus, als ob er einen Verband am Arm hätte – auch egal! Die kühlenden Tücher wurden übrigens von manchen Mitreisenden in Japan gekauft.

Eine weitere Methode waren Fächer. Man konnte sich damit ein wenig Erleichterung verschaffen. Ich mochte sie nicht so gerne, weil man immer etwas in der Hand halten musste.

Kleine Hand-Ventilatoren waren auch im Einsatz. Da bekam ich manches mal mit, dass die Akkus leer waren und erst wieder neu geladen werden mussten. Das war dann natürlich ärgerlich.

Auch ein Spray zur Kühlung war im Einsatz und ich glaube, dass der Wassernebel die Erleichterung bringen sollte.

Bei manchen Japanern, vor allen Dingen bei denen, die draußen arbeiteten, beobachteten wir, dass sie sehr dicke Jacken trugen. Franz erklärte uns, dass Ventilatoren in den Seiten eingenäht seien, die die Jacke aufblasen und durch den Wind kühlen. Tatsächlich kann man das auch in Deutschland schon kaufen…

Aufblasbare Weste
Weste mit eingebauten Ventilatoren

Bei jeder Pause wurden kalte Getränke aus den Automaten gezogen. Zu Hause vertrage ich keine eisgekühlten Getränke – dieses Problem hatte ich in Japan nicht.

Ich kaufte mir einen Schirm, der 98 % UV-Strahlung abhält, und fand ihn eigentlich gut, außer dass man eben wieder etwas in der Hand hält.

Bei diesem Kauf erlebte ich wieder einmal, wie sehr unsere Kultur in unseren Knochen steckt. Ich wusste, dass man sich in Japan niemals per Handschlag begrüßt oder verabschiedet. Die Verkäuferin des Schirmes, mit der ich via Übersetzer kommuniziert hatte, reichte mir nach Abschluss des Bezahlvorganges die rechte Hand über den Tresen – meinte ich. Natürlich ergriff ich reflexartig die Hand, um mich zu verabschieden. Ihr entgeistertes Gesicht ließ mich schnell merken, dass irgendetwas nicht stimmte… Ich hatte den Einkaufskorb noch in der Hand und wollte diesen zurückbringen – sie wollte ihn mir abnehmen. Mehr nicht. Als sie dann mein entsetztes Gesicht (über mich) sah mussten wir beide herzlich lachen. Mit der bereits gut gelernten Verbeugung verabschiedete ich mich dann so, wie es sich in Japan gehört.

„Frag doch mal den Reiseleiter“

Auf der langen Fahrt bot uns Franz immer wieder die Fragerunde: „Fragt doch mal den Reiseleiter“ an. Das taten wir gerne und bekamen gute und verständliche Antworten:

Dienstleistungsunternehmen wie Post und Baumärkte sind an 7 Tagen in der Woche geöffnet. Rund um die Uhr ist das nur bei Lebensmittelmärkten der Fall. Die Arbeitszeit ist normalerweise von 9-18 Uhr mit 1 Stunde Pause.

Japaner haben 10 Tage Urlaub im Jahr. Bei längerer Betriebszugehörigkeit können es im Laufe eines Arbeitslebens bis zu 20 Tagen werden. Bezahlte Krankheitstage gibt es nicht. Wenn man wirklich für einen Tag krank ist, nimmt man Urlaub.

Alltag Waesche
Normalen Alltag gibt es auch *lach

An diese Stelle passt das Thema „Mundschutz“ ganz gut. Unter den gegebenen Umständen will man nicht gerne krank sein und seine Urlaubstage verplempern.

Wo viele Menschen sind, kann man sich anstecken – oder – wenn man selbst erkältet ist, will man rücksichtsvoll die Menschen in seiner Umgebung schützen. Das geht am besten mit einer Maske.

Manche Menschen haben Heuschnupfen, der mit einem Mund-Nasenschutz ebenfalls gelindert wird.

Wer im Service arbeitet, ist verpflichtet, eine entsprechende Maske zu tragen.

7.Landschaft
Herrliche Ausblicke vom Bus aus

Schulsystem:

Normal sind 9 Schuljahre: 6 Jahre Grundschule, 3 Jahre Mittelschule und danach absolvieren 95 % der Kinder für weitere 3 Jahre die Hochschule.

Kinder werden sehr früh zur Selbständigkeit erzogen. Es ist nicht unüblich, dass Kinder mit 4 Jahren schon – kindgerecht – allein einkaufen gehen. Bei uns schickt man sie auch schon mal zum Bäcker mit abgezähltem Geld.

Schüler reinigen die Klassenräume und Schulgebäude selbst. Das erwähnte ich schon einmal, finde es aber so bemerkenswert, dass ich es ein zweites Mal schreibe.

Mahlzeiten werden von Schülern bereitet und ausgeteilt. Es gibt Unterricht in Ernährungskunde, damit die Kinder lernen, wie wichtig ausgewogene Mahlzeiten sind.

In der Grundschule wird mehr Wert auf Vermittlung von Werten und Normen als auf den Lernstoff gelegt. So lernen die Kinder Respekt, Höflichkeit, wie man Reis anbaut und auch Hauswirtschaft.

Schon in manchen Grundschulen tragen Kinder Schuluniformen. Ein Schulranzen kostet ca. 400 €.

In der Mittelschule geht es schwerpunktmäßig um den Lernstoff. Ab der Mittelschule tragen alle Kinder eine Schuluniform. Diese kostet 200-300 €. Staatliche Zuschüsse können beantragt werden.

Wer zur Hochschule will, muss eine Aufnahmeprüfung machen. Es gibt staatliche und private Hochschulen, beide kosten Schulgeld. Schüler müssen 92 % der Unterrichtstage anwesend sein, um einen Abschluss der Hochschule zu bekommen.

Viel soziales Leben findet an der Schule in Klubs statt, in denen die Kinder ihren Interessen nachgehen können, wie z. B. Sport oder Musik.

Oft haben die Kinder samstags Unterricht. Das liegt im Ermessen der einzelnen Schule. Normalerweise beginnt der Unterricht um 8.30 Uhr mit einer Klassenleiterstunde. Das ist eine Besprechung über das, was an diesem Tag anliegt. Der Unterricht hat 6-7 Schulstunden á 45 Minuten mit einer kleinen Mittagspause. Danach gibt es 20/30 Minuten Klassenappell und die Schüler reinigen ihren Klassenraum. Später sind die Klubaktivitäten und falls nötig gehen sie zur Nachhilfe. Hausaufgaben sind oft Förderprogramme.

Das Image einer Schule liegt den Schülern am Herzen. An ihren Schuluniformen kann man erkennen, auf welche Schule sie gehen. Eine Schule mit einem hohen Ansehen bekommt evtl. mehr Spenden und Zuschüsse und kann damit den Kindern mehr bieten.

Fahrt durch das Land 5 1

Schüler haben 6 Wochen Ferien.

Um studieren zu können muss man eine Aufnahmeprüfung machen und die findet an 1 Tag im Jahr statt. Hat man die verpasst, muss man ein Jahr warten.

Berufsausbildung dauert zunächst 2 Jahre und findet in einer Berufsschule statt, die Praxisausbildung erfolgt danach in den Betrieben.

An Grenzen stößt dieses geordnete System, wenn Kinder nicht angepasst sind und im Rahmen ihrer Pubertät ihre Grenzen austesten. Freigeistiges Denken und Kreativität haben wenig Platz in der japanischen Gesellschaft und die Kinder werden unter Druck gesetzt. Einige bekommen psychische Probleme oder geraten auf Abwege. Eine Möglichkeit der Abgrenzung ist es, sich die Haare bunt zu färben. Das war lange Zeit verboten und ist ein ganz neuer Weg, sich anders darzustellen. Ich kann mir gut vorstellen, dass japanische Eltern völlig überfordert sind, wenn sich ihr Kind unangepasst entwickelt. Da sie selbst nichts anderes kennen, machen sie sich bestimmt große Sorgen. Bilder, die vom anderen Ende der Welt (Deutschland, Europa) zu ihnen kommen, machen da gewiss keinen Mut…

Das Bildungsniveau ist in Japan sehr hoch. Auch gebildete Leute verrichten Arbeiten niederer Art.

Arbeiter2

Kindergärten gibt es in Japan wenige. Auch Krippen und Tagesmütter sind unüblich. Wenn keine Oma oder ähnliches zur Betreuung des Kindes greifbar ist, bleiben die Mütter bei den Kindern zu Hause, bis diese in die Schule kommen. Diese Entwicklung ist aber laut Internet-Recherche im Wandel begriffen, da in vielen Haushalten beide Eltern zur Arbeit gehen.

Im Jahr 2024 erblickten in Japan weniger als 700.000 Babys das Licht der Welt. Mit 1,15 Kindern pro Frau hat die Geburtenrate in Japan einen historischen Tiefstand erreicht und damit steuert Japan in eine ernsthafte demographische Krise.

Wenn Frau Kinder bekommt sind die finanziellen Einbußen sehr groß. Schwangere Frauen werden eher kritisch gesehen, weil sie dem Arbeitsmarkt lange Zeit nicht zur Verfügung stehen. Was Emanzipation angeht, hinkt Japan dem deutschen Anspruch deutlich hinterher.

Ein Arbeitgeber kann seinen Arbeitnehmer nur sehr schwer entlassen. Man umgeht diesen Prozess, indem man ihm nur stumpfsinnige Arbeiten gibt und mobbt ihn auf diese Weise aus der Firma. Fällt jemand in die Arbeitslosigkeit, verheimlicht er das sehr oft in seinem unmittelbaren Umfeld. Normalerweise ist eine Bindung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aber dauerhaft und gibt somit beiden Sicherheit.

7.Landschaft4

Grundsätzlich kann man sagen, dass in Japan viel gearbeitet wird, aber nicht immer effizient. An jeder Ecke stand ein freundlicher Mensch, der einem den Weg wies, oder aufpasste, dass man sich so verhielt, wie es vorgesehen war. Das bringt naturgemäß eine gewisse Unflexibilität mit sich. Ich erkenne Vor- und Nachteile.

Nur Japaner können Beamte werden und der Anspruch an ihre Arbeitsleistung ist hoch.

Bettler gibt es sehr wenige, weil es als persönliches Versagen und Schmach empfunden wird. Obdachlose gibt es wenige, die offizielle Zahl lautet 0,02 %. Aber hier kann angenommen werden, dass die Dunkelziffer höher liegt, da Wohnraum sehr teuer ist und die Situation eher verheimlicht wird.

Reinigungsarbeiten

Der Ausländeranteil liegt bei unter 3 %. Meistens handelt es sich um Chinesen, Thailänder, Koreaner und Philippinos. In Deutschland liegt diese Zahl bei 15 %.

Die Antwort auf die Frage, warum Franz in Japan lebt, verstand ich sehr gut: er schätzt die Harmonie, die Freundlichkeit und die Ordnung. Die Haltung, immer das Gesicht zu wahren und diese Möglichkeit auch dem Gegenüber zu geben, bestimmen die Grundstimmung und den Umgang miteinander. Über work & holiday kam er nach Japan und lernte die Sprache in einer zertifizierten Schule.

Einen interessanten Faktor fand ich die Regelung des Güterverkehrs: der findet nämlich auf den Schienen statt. LKW´s werden normalerweise nur im Nahverkehr eingesetzt. Das erklärt, warum wir keine LKW-Schlangen auf den Autobahnen sahen…

Eine gute Erklärung bekamen wir auf die Frage, warum in Japan Linksverkehr herrscht: Das kommt aus der Zeit, als noch viele Samurai unterwegs waren. Sie trugen links ihre Schwerter und um sich nicht ins Gehege zu kommen, war man zu Fuß rechts unterwegs. Das wurde dann auf den Straßenverkehr übertragen. Böse Zungen behaupten, dass es dazu mehrere Erklärungen geben soll…

In Japan gibt es ca. 10.000 Straßentunnel. Einer der Längsten auf unserer Strecke war 12 Kilometer lang.

Nahe dem Japanischen Meer machten wir unsere Mittagspause an einem Rastplatz an der Autobahn. Wir konnten wie immer leckere Sachen finden, die wir uns schmecken ließen. Tische und Bänke – natürlich sehr sauber – im Schatten mit Blick aufs Meer luden zum Picknick ein.

Essen
Sandwich – das muss reichen, wenn es morgens und abends warmes Essen gibt *lach

Auf der Weiterfahrt ließ uns Franz weiterhin an seinem Wissen über Japan und die Japaner teilhaben:

Kuriose Eigenarten

Eine Sammlung von kuriosen Eigenarten der Japaner zeigt auf, wie viele Fettnäpfchen überall lauern können:

  • Suppe wird leise geschlürft
  • Nase wird hochgezogen (Nase putzen gilt als unfein)
  • Absolutes NoGo ist essen während des Gehens. Der Respekt dem Lebensmittel gegenüber verbietet das.
  • Die Verbeugung beim Begrüßen und beim Verabschieden – wie tief, wie lange … muss man lernen oder sehr genau beobachten.
  • Händeschütteln macht hier niemand.
  • Drängeln gibt es nicht.
  • In öffentlichen Verkehrsmitteln herrscht absolute Ruhe. Wenn man per Handy während einer Bahnfahrt angerufen wird, wird der Anruf weggedrückt – das ist für alle Beteiligten ok.
  • Toilettenslipper – Hausschuhe, die nur im Toilettenraum getragen werden.
  • Balkonschlappen – Schuhe, die man nur auf dem Balkon trägt.
  • Schuhe ausziehen, wenn man eine Wohnung betritt. (Das machen wir zu Hause auch *lach)
  • Stäbchen niemals senkrecht in den Reis stecken (das bringt Unglück).
  • Heiligabend bei KFC verbringen. Weihnachten ist in Japan rein kommerziell.
  • Die 4 ist eine Unglückszahl.
  • Es gibt für viele Tiere Inseln, so z. B. Haseninsel, Hirschinsel etc.
  • Züge haben im Durchschnitt 18 Sekunden Verspätung im Jahr. Der Shinkansen sogar nur 6 Sekunden. In Deutschland waren es im Jahr 2024 10,3 Minuten. Der Zug gilt in Deutschland allerdings als pünktlich, wenn er weniger als 6 Minuten Verspätung hat *lach.
  • Trinkgelder sind unüblich, denn guter Service gilt als selbstverständlich.
  • Die Vielzahl an Automaten für Getränke, Essen und sonstige Dinge, die man so braucht.
  • Obst ist relativ teuer, aber lecker und schön anzusehen.
  • Eine Kaffee- und Kuchenkultur, wie wir sie kennen, gibt es eher nicht.

Shirakawago

Unter den vielen Erzählungen erreichten wir unser letztes Ziel an diesem Tag: das Dorf Shirakawago.

6.Shirakawago Bruecke
Über diese Brücke errreichten wir das Dorf
6.Shirakawago idyllisches dorf
Malerisch – etwas anderes fällt mir dazu nicht ein!

Es ist UNESCO-Weltkulturerbe, ein Museumsdorf, welches bewohnt ist und liegt in Japans schneereichster Region auf 1736 Metern Höhe. Seine Besonderheit liegt an der einzigartigen Architektur. Beim Bau der Häuser wurden keine Nägel oder andere Metallmaterialien verwendet. Diese Art zu bauen nennt man Gassho.

6.Shirakawago ohne Naegel 2
Alles ist fest, auch ohne Nägel
6.Shirakawago ohne Naegel

Die Dächer sind ziemlich steil, damit im Winter der Schnee herunterrutscht. Nicht selten sind dort Schneehöhen von 2 Metern zu messen. Alle 10-15 Jahre müssen die Dächer erneuert werden und alle Einwohner des Dorfes helfen sich gegenseitig bei dieser Arbeit.

Eines der Häuser war für die Öffentlichkeit zugänglich.

6.Shirakawago Schuhschrank
Schuhschrank für Schuhe der Besucher

Am Eingang wurden ordentlich die Schuhe ausgezogen und ich empfand es als sehr angenehm auf den japanischen Fußbodenmatten, den Tatami, zu gehen. Sie bestehen hauptsächlich aus Reisstroh und gehören zur japanischen Wohnkultur. Wenn sie gut gepflegt werden, haben sie eine Haltbarkeit von 20 Jahren.

6.Shirakawago gute Stube
Wohnzimmer

Die Wohnkultur zu sehen, fand ich sehr interessant. Steile und enge Stiegen führten uns in die oberen Etagen und wir konnten viele Gegenstände des alltäglichen Lebens bestaunen.

6.Shirakawago Werkzeug
Werkzeuge

Ich kann mir vorstellen, dass vieles davon heute noch genauso benutzt wird.

Interessantes über Reis

Bei einem Bummel durch die Straßen des sehr ansprechenden Dorfes konnten wir uns kaum an den vielen schönen Details satt sehen.

6.Shirakawago hinterhof

An vielen Häusern waren Reisfelder. Ich hatte im Kopf, dass Reis immer terrassenförmig angebaut wird und im Wasser steht, und mich schon gewundert, warum ich auf der Fahrt durch die Lande viele Reisfelder in der Ebene sah. Übrigens ein wunderschönes Bild!

Reisfelder
Reisfelder unterwegs gesehen

Leider konnten wir nicht sehr viel über Reisanbau erfahren und ich habe ein wenig gegoogelt, um meine Wissenslücke zu schließen: Im Frühling sind die Reisfelder wassergefüllt, wie ich das schon auf Fotos sah.

Reis im Wasser
Neu angebaute Reispflanzen

Im Sommer fallen die Felder durch ihr sattes Grün auf – so sahen wir es auf unserer Reise.

Reis schon aelter
Reisfeld im Juli – noch ohne Rispen

Im Herbst verfärben sich die Felder und leuchten goldgelb. Der Reis wächst in Rispen an der Pflanze und ist goldgelb, wenn er erntereif ist. Die Reiskörner fühlen sich dann fest und trocken an. Geerntet wurde früher mit Sicheln und anschließend händisch gedroschen. In modernen Anbaugebieten übernehmen heute Mähdrescher die Ernte und das Dreschen. Angebaut wird je nach Region terrassenförmig, aber auch in den Ebenen.

Vermisst

Franz gab uns wie üblich eine Uhrzeit vor, wann wir am Bus sein sollten, um nach diesem langen Tag im Bus zum Abendessen und in das nächste Hotel zu fahren. Beim obligatorischen Durchzählen fehlte eine Person. Franz hatte uns am 1. Tag für diesen Fall eine Notfallkarte mit seiner Telefonnummer gegeben. In japanischen Schriftzeichen stand da drauf, dass man sich in einer misslichen Lage befindet und er angerufen werden sollte. Die sollten wir im Fall der Fälle irgendwem geben … Japaner sind nett und kümmern sich!! Manche Mitreisenden hatten sich eine japanische SIM-Karte gekauft oder, so wie ich auch, schon zu Hause eine e-SIM eingerichtet. Nach geraumer Zeit des Wartens kam endlich der erlösende Anruf: die Vermisste hatte in dem kleinen Dorf irgendwo eine falsche Abzweigung genommen und kam am anderen Ende des Dorfes heraus. Sie wunderte sich, dass weder Bus noch andere Reisende zu sehen waren. Franz flitzte los, um sie zu finden. Das Flitzen war bei der herrschenden Temperatur eine äußerst anstrengende Angelegenheit. Mario übernahm für kurze Zeit das Zepter im Bus und nach einer Weile bekam er telefonisch die Order, mit dem Bus an einen bestimmten Punkt zu kommen, wo die Beiden dann zustiegen. Nach den wenigen gemeinsamen Tagen waren wir als Reisegruppe schon so weit zusammengewachsen, dass wir nur erleichtert waren, dass alles gut ging!

Das Abendessen in Takayama war ausgesprochen lecker und wieder etwas anderes, als wir bisher hatten.

6.Abendessen 2
Vospeise
6.Abendessen
Es wird gebrutzelt
6.Abendessen3
Viele kleine Schälchen

Eine Besonderheit in diesem Lokal war es, die Schuhe draußen zu lassen …

Privater Onsen im Hotel

Später im Hotel angekommen, entschieden Helmut und ich, in den hoteleigenen, privaten Onsen zu gehen. Ich war ja bereits im öffentlichen Onsen, aber Helmut kannte es nur aus meinen Erzählungen. Private Onsen in diesem Hotel waren große, mit heißem Wasser (Thermalwasser?) gefüllte Wannen unter freiem Himmel. Davor gab es einen Raum für das Reinigungsritual. Alles war mit Bambus im japanischen Stil wirklich schön dekoriert… Man kann es sich kaum vorstellen: da schwitzt man den ganzen Tag wie dolle und abends tut die Hitze im Onsen gut…

Die Hotels, die einen Onsen haben, stellten auch spezielle Kleidung zur Verfügung – so haben wir es wenigstens verstanden.

Onsenbekleidung
Onsenbekleidung Unisex

Damit läuft man dann im Hotel herum *lach. Da wir nicht die Einzigen in dieser Bekleidung waren, wird es wohl richtig gewesen sein.

Obwohl wir viele Stunden und Kilometer im Bus saßen, hatte ich übrigens doch über 11.000 Schritte auf meinem Schrittzähler…

Start in den 7. Tag in Takayama

14. 5. Route
Route am 5. Rundreisetag

Nach einem ausgiebigen Frühstück hatten wir an diesem Tag nur 15 Minuten Anfahrt zu unserem ersten Ziel: dem Morgenmarkt in Takayama. Es war gut, dass Franz uns trotzdem schon um 8 Uhr aus dem Hotel scheuchte, denn um diese Uhrzeit war es auf dem Markt noch sehr ruhig und wir konnten in aller Ruhe die schöne Altstadt besichtigen.

7.Takayama noch leere Hauptstrasse
… noch leere Hauptstasse
7.Eingang Geschaeft
Geschäft war noch geschlossen . auf dem Rückweg keine Möglichkeit mehr, ohne Menschen auf den Bildern zu fotografieren

Heute noch werden in Takayama Filme gedreht, die in alter Zeit spielen.

7.Takayama privat Schrein
Kleiner Schrein über dem Geschäftseingang

Nach einer Führung durch die Altstadt mit Franz, der uns auf viele Besonderheiten aufmerksam machte, an denen wir achtlos vorbeigelaufen wären, hatten wir noch reichlich Zeit, durch die Geschäfte und Stände auf dem Markt zu bummeln. Wir merkten den stetig ansteigenden Besucherstrom …

7.Takayama Markt
Marktstände und Geschäfte
7.Takayama Reis am Stiel 1
Reis am Stiel
7.Takayama Fisch
Kleine, verzehrfertige Fische
7.Takayama Reispapierpaeckchen
Gefüllte Reispapier-Päckchen
7.Takayama Schaelchen kaufen
In unserer Kultur benutzt man die vielen Schälchen beim Essen nicht – leider.

Wir nahmen an einer Sake-Verkostung teil und konnten die geschmacklichen Unterschiede feststellen. Sake hat einen Alkoholgehalt von etwa 15-20 % und wird durch die Fermentierung von Reis hergestellt. Oft wird er als Reiswein bezeichnet, ist aber aufgrund seiner Herstellungsweise eher mit Bier vergleichbar. Wir trinken wenig Alkohol und vom Sake hat uns keine Geschmacksrichtung überzeugt. – Wir sind in dieser Thematik aber eher die Außenseiter.

7.Takayama Sake Verkostung
Sake zum Verkosten

Was mich sehr begeisterte, war die Verkostung von Miso. Miso ist eine japanische Würzpaste aus fermentierten Sojabohnen, Reis und Gerste. Sie wird oft als Grundlage für Suppen, als Zutat in Saucen und Dressings verwendet. Der Geschmack kann von mild und süß bis kräftig und salzig variieren. Da es durch seinen Herstellungsprozess reich an essenziellen Nährstoffen, Probiotika und Antioxidantien ist, ist Miso sehr gesund. Im Netz wird es auch als Superfood bezeichnet.

7.Takayama Miso
Geschäft für Miso und Sojasoße – mit Verkostung

Auch Sojasoßen konnten probiert werden und ich wunderte mich über die vielen unterschiedlichen Geschmacksnuancen. Selbstverständlich deckte ich mich mit Miso und Sojasoße ein – so viel Platz war im Koffer… Für eine Teetasse war auch noch Platz – die bringe ich mir gerne von weiten und besonderen Reisen mit und schwelge dann beim Teetrinken in Erinnerungen.

7.Takayama Cafe

Wir waren übrigens im Großraum Kobe unterwegs und manchem Fleischliebhaber wird das Kobe-Fleisch etwas sagen. Bei uns ist es fast unbezahlbar, dort gab es Kobe-Fleisch als Streetfood fast an jeder Ecke.

7.Takayama Streetfood Kobe
Kobe-Fleisch als Streetfood. 1.000 japanische Yen waren ca. 5,70 €

… und nochmal: „Fragt doch mal den Reiseleiter“

Die längste Busfahrt unserer Reise, fast 400 km, lag vor uns. Franz versprach uns 5/6 Stunden Fahrt mit 2 Pausen – und dem beliebten Spiel: „Fragt doch mal den Reiseleiter“:

Die an vielen Orten zu sehende Winkekatze hat in Japan die Bedeutung, Glück und Wohlstand anzulocken.

7. Winkekatze
Winkekatze – immer wieder zu sehen und zu kaufen.

Müll wird getrennt in brennbar, nicht brennbar, recyclebar und organisch. Müllsäcke werden gekauft, das entspricht der Müllgebühr. Die Säcke sind durchsichtig das erleichtert die Identifizierung des Mülls. Es gibt Müllsammelplätze und am Abend vor der Abholung werden die Beutel rausgestellt.

Muell 1
Sehr ordentliche Müllaufbewahrung

Wir sahen manchmal, dass die Müllsäcke mit Netzen abgedeckt waren, vermutlich damit sie bei Wind nicht weg fliegen oder damit sich keine Tiere daran zu schaffen machen – oder beides…

Muell abgedeckt
Abgedeckter Müll

Sperrmüll wird angemeldet und bei der Anmeldung muss man einen Aufkleber kaufen, welcher der Gebühr entspricht.

Das Thema Nachhaltigkeit ist in Japan leider noch nicht wirklich angekommen. Es war für uns als Reisende durchaus praktisch, dass man alles in kleinen Portionen abgepackt kaufen konnte. In Summe handelt es sich aber um eine riesengroße Menge von unnötigem Plastikmüll. Es gibt zum Glück eine größer werdende Bewegung, die für Kreislaufwirtschaft und Müllvermeidung steht.

7.Muell
Müllentsorger

Windkraft wird wenig eingesetzt. Der Grund ist verständlich, denn die Winde sind zum Teil unberechenbar stark. Damit können Windenergieanlagen nicht gut umgehen. Die Hauptenergiequelle ist nach wie vor Atomstrom.

Es wird genau geprüft, wer ins Land einreist, damit niemand illegal einwandert und untertaucht. Einbürgerung dauert bis zu 10 Jahre. Bei hochqualifizierten Arbeitskräften und Selbständigen geht es schneller. Doppelte Staatsbürgerschaften gibt es nicht.

Deutsche sind bei Japanern aufgrund des Sinnes für Ordnung beliebt. – Sie sind vermutlich nicht auf dem aktuellen Stand *lach

7.Takayama kehrende Frau
Das wird bei uns nur noch ungern getan …

Unbeliebt sind Chinesen, da diese drängeln und laut sind (schöne Grüße vom Vorurteil – bestimmt gibt es auch andere Chinesen).

Japan gilt als eines der sichersten Länder der Welt mit einer sehr niedrigen Kriminalitätsrate. Es gibt im Vergleich zu Deutschland deutlich höhere Strafen, und die Verurteilungsrate ist sehr hoch. Bei Körperverletzung wird sehr streng geurteilt, bei Kavaliersdelikten wird auch mal ein Auge zugedrückt. Die Dunkelziffern in häuslicher Gewalt und sexueller Belästigung werden ziemlich hoch vermutet. Da steht sich der japanische Grundsatz „Leben und Leben lassen und andere nicht belästigen“ selbst im Weg…

Die japanische Gesellschaft ist bei Veränderungen sehr träge. Das Gute daran ist Verlässlichkeit.

Uns fiel auf, dass Japaner nicht so viele Hunde haben wie wir das von Deutschland kennen. Wenn, dann haben wir eigentlich nur kleine Hunde gesehen und diese wurden zum Teil mächtig verwöhnt.

Hunde 2
ohne Worte

Sogar ein Gaschäft für Hundebekleidung sahen wir.

Hundebekleidung
ich sag nix …

Autobahn-Rastplatz de Luxe

Einer der beiden Rastplätze, die wir an diesem Tag anfuhren, war ein Rastplatz de Luxe! Wir wunderten uns schon über die Vorfreude von Franz, dass er uns dieses Erlebnis bescheren konnte. Alle bisher angefahrenen Rastplätze waren um ein Vielfaches besser als die, die ich von Deutschland kenne, dieser hob sich aber sehr ab. Ich lasse mal ein paar Fotos sprechen…

7.Autobahnrastplatz
Unglaublich
7.Autobahnrastplatz Schminktische
Nebenan Schminktische
7.Autobahnrastplatz Kinder
Da möchte man nochmal Kind sein.
7.Autobahnrastplatz Behindertenfreundlich
Behindertengerechte Toilette

Toiletten *lach – eine Überschrift wert!!

An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen, um über die Toiletten in Japan zu berichten: Ich hatte 1-mal eine weniger saubere Toilette – das war an einem Platz, an dem sich viele Touristen aus aller Herren Länder trafen.

Alle anderen Toiletten waren sehr sauber. Die Toilettenbrillen sind beheizt, was für ein sehr angenehmes Sitzgefühl sorgt. Es gibt die berühmte Dusche in der Toilette, der Wasserstrahl kann je nach Vorlieben und für Männlein und Weiblein unterschiedlich eingestellt werden. Sollte es bei der Sitzung mal etwas lauter werden, kann man Musik oder Vogelgezwitscher laufen lassen, damit der Toilettennachbar nicht gestört wird. Die Bedienung dieser Hightech-Toiletten bedarf am Anfang sehr viel Zeit, um mit der Übersetzer-App auf dem Handy die Beschriftungen zu entziffern und die Symbole zu verstehen. Aber es lohnt sich *lach. Ich bekam von zu Hause die verwunderte Anfrage, warum man von Toiletten Fotos verschickt – tja – das muss man wirklich erlebt haben.

Himeji am Abend

Wir erreichten am frühen Abend unser Hotel „Monterey Himeji“ in Himeji.

7.Hotel Monterey Himeji
Mitten in der Stadt und in Bahnhofsnähe.
7.Hotelzimmer Himeji
Mehr braucht man nicht.

Zum Abendessen machten wir einen kleinen Spaziergang in ein Restaurant, wo wir wieder lecker speisten.

7.Abendessen
Viele verschiedenen Leckereien ergeben ein köstliches Mahl.

Für den Abend bot Franz als Programmpunkt einen Karaoke Abend an. Die Teilnehmer*innen am Karaoke Abend waren sehr begeistert über den tollen Abend, kamen allerdings auch recht spät nach Hause. Das hatten wir befürchtet und aufgrund der benötigten Nachtruhe entschieden wir uns dagegen und machten lieber einen Erkundungsgang durch das abendliche Himeji.

7.Eingang zur Einkaufsmall
Eingang zur Einkaufsmall.

Die schön beleuchteten Straßen hatten etwas von Weihnachtsstimmung – nur die Temperaturen passten nicht dazu. Wir spazierten bis zur beleuchteten Burg und erfreuten uns an schönen Effekten, die durch die Lichter erzeugt wurden.

7.Himeji Beleuchtung
Abendstimmung in Himeji – mit der Burg im Hintergrund.
7.Himeji Burggraben beleuchtet
Beleuchteter Burggraben
7.Himeji Eingang in den Park beleuchtet
Eingang zum Park
7.Himeji Burg bei Nacht
Burg Himeji vom Park aus

8. Tag

14. 6. Route
Route am 6. Rundreisetag

Der Speisesaal des Hotels befand sich im 14. Stock und bot einen grandiosen Ausblick auf die Berge, die Stadt und die Burg Himeji.

8.Himeji Hotel Speisesaal
Sehr edel

In dem Hotel werden auch Hochzeiten gefeiert und entsprechend waren die Räumlichkeiten – einfach nur super schön!!!

8.Himeji Hotel Speisesaal Nebenraum
Tolles Ambiente

Das Frühstücksbüfett ließ wieder keinen Wunsch offen und ich konnte die Schönheit des Augenblicks kaum fassen.

8.Fruehstueck
Für jeden etwas dabei.
8.Fruehstueck 2 1
… und auf der anderen Seite noch viel viel mehr …
8.Himeji nicht zu fassen
Augenblick genießen und festhalten …

Die Abfahrt war an diesem Tag erst um 8.30 Uhr, die Anfahrt mit dem Bus zur Burg Himeji kurz – das versprach einen entspannten Tag – so kann man sich täuschen….

Mit über 500.000 Einwohnern ist Himeji eine sehr ansprechende Stadt. Große Einkaufsmeilen und schöne Parks bestimmen das Stadtbild. Über der Stadt thront die Burg Himeji, die seit 1993 UNESCO Weltkulturerbe ist und zu den nationalen Kulturschätzen Japans zählt. Die Mischung aus Moderne und Tradition findet man in Japan oft, in Himeji war sie mir besonders präsent.

Burg Himeji

Die weithin sichtbaren weißen Außenmauern und Dächer gaben der Burg schon vor langer Zeit den Beinamen: Weißer-Reiher-Burg. Die ältesten Bauwerke der Burg stammen aus dem 13. Jahrhundert. Der Grundriss ist spiralförmig und eine architektonische Meisterleistung. Die Wehranlagen waren so gut durchdacht, dass die Burg als uneinnehmbar galt. Sie war nie zum Wohnen gedacht, nur zur Verteidigung. In mehreren Bauabschnitten unter verschiedenen Machthabern wurde die Burg zu dem, was sie heute ist: ein 7-stöckiger Bergfried.

8.Himeji Blick auf Burg
Blick vom Hotel auf die Burg.

Am Ende des zweiten Weltkrieges wurde Himeji bombardiert, die Burg überstand dies jedoch fast unbeschädigt. Auch Erdbeben bereiteten ihr keine nennenswerten Schäden.

8.Himeji Burg immer schoener

In der Burg wurden berühmte Filme gedreht (z. B. James Bond 007, Shogun, Last Samurai). Der Park um die Burg gilt als ein besonders schöner Ort zur Zeit der Kirschblüte, wenn ungefähr 1.000 Kirschbäume ihn in zartes Rosa färben.

8.Himeji Parkanlage
Wenn diese Kirschbäume blühen, sieht das bestimmt phantastisch aus!!

Franz führte uns durch den Park zu manchem schönen Fotostopp und erzählte uns die Geschichte der Burg. Wir freuten uns, dass wir so früh am Tag ungehindert Fotos machen konnten.

8.Himeji Burggraben am Tag
Der Burggraben

Das Thermometer zeigte um diese Uhrzeit allerdings bereits 33 heiße und feuchte Grad an und wir suchten bei jeder Gelegenheit den Schatten.

8.Himeji Wetterapp

Auf dem Weg zur Burg hinauf unterstützten uns wieder einmal alle möglichen Hilfsmittel, die Hitze zu ertragen. Aufgeben war keine Option – schließlich waren wir vermutlich nur einmal im Leben hier.

8.Himeji bestaendig nach oben
Stetig nach oben
8.Himeji Schuhe aus
Schuhe aus und ab in die Tüte.

Am Eingang der Burg wurden wieder die Schuhe ausgezogen. Um bei dem normalerweise großen Besucheransturm kein Schuh-Chaos zu produzieren, bekam jeder Besucher eine Plastiktüte, mit der er seine eigenen Schuhe durch die Burg trug – die Tüte hatte damit übrigens ihren Zweck erfüllt und wurde uns am Ende der Tour abgenommen und entsorgt…  Nein, sie wurde nicht irgendwo hineingestopft, sondern ein fleißiger Mitarbeiter nahm sie uns ab und legte sie in einen großen Behälter…

Schon auf der ersten Ebene wurden wir mit einem tollen Blick auf die Stadt belohnt.

8.Himeji Erklaerung der burg
Erklärungen von Franz.

In der Burg selbst waren die Temperaturen aufgrund eines leichten Durchzuges etwas erträglicher und wir erklommen über steile Stiegen Stockwerk für Stockwerk, bis wir den 7. Stock erreichten.

8.Himeji Blick von oben Einkaufsmall
Blick über die Einkaufsmall und die Hauptstraße zum Bahnhof.
8.Himeji blick von oben Land
Blick über die Stadt ins weite Land.
8.Himeji Blick von oben
Blick über den angrenzenden Park.
8. Himeji gut durchdachte
Gut durchdachte Schießscharten.
8.Himeji ganz oben
Höher kommt nur der Dachdecker.

Neben einem herrlichen Weitblick über die Stadt und das Umland, erblickten wir in der Mitte des obersten Raumes einen kleinen Schrein, welcher der Gottheit Osakabe gewidmet ist, die als Schutzgottheit der Burg gilt – sie scheint bisher gut aufgepasst zu haben.

8.Himeji Schrein
Schrein

Die Wege nach oben und unten waren Einbahnstraßen und jeder konnte in seinem Tempo wieder Richtung Ausgang kommen.

8.Himeji abwaerts aufpassen
Heißt vermutlich: Aufpassen – oder so ähnlich

Franz führte uns zu einem wunderschönen japanischen Garten und entließ uns dann in unsere freie Zeit.

8.Himeji Park Bruecke
Idyllisch
8.Himeji Park See
So stellte ich mir Japan vor.
8.Himeji Park ein Traum
8.Himeji Park
8.HimejiSteinbruecke

Die Idee, in diesem wirklich herrlichen Garten viel Zeit zu verbringen verwarfen wir, denn die Hitze war zu belastend und wir folgten ziemlich bald dem Tipp von Franz, über das überdachte Einkaufszentrum zu unserem Treffpunkt am Bahnhof zu gelangen. Es war genügend Zeit für eine kleine Einkehr, um bei einem kalten Getränk die Lebensgeister wieder zu wecken.

Shinkansen – ein tolles Abenteuer

Ein weiteres Highlight an diesem Tag war eine Fahrt mit dem Shinkansen.

8.Zug von vorne
Sieht sehr futuristisch aus.

Unser Bus war mit den Koffern bereits unterwegs nach Hiroshima und benötigte für die ca. 300 km bestimmt wesentlich mehr Zeit als wir mit dem Shinkansen. Shinkansen klingt für uns sehr exotisch und geheimnisvoll. Es heißt aber schlicht und einfach: „neue Hauptlinie“ und beschreibt seinen Zweck: zwischen den Millionenstädten schnell und effizient zu verkehren. Bis zu 320 km/h sind möglich, je nach Strecke. Fast alle großen Metropolen werden ungefähr im 10 Minuten-Takt erreicht. Zwischen Tokio und Osaka kann man sogar im 4-Minuten-Takt fahren. Die Strecke nach Sapporo im Norden auf der Insel Hokkaido ist in Planung. Seit der Inbetriebnahme im Jahr 1964 kam es zu keinem Unfall mit Todesfolge. Wenn es Unfälle gab, waren diese meistens in Verbindung mit Erdbeben. Jeder Shinkansen-Zug hat ein Erdbeben-Frühwarnsystem installiert und kann früh genug stehen bleiben.

Ein Shinkansen-Zug hat normalerweise 16 Wagen und bietet 1360 Sitzplätze, niemand steht während der Fahrt im Gang.

8.Zug Einteilung
„Heute stehen die Waggons in umgekehrter Reihenfolge“ ….. das gibt es hier nicht!!

Alle Fahrgäste fahren vorwärts. Für die Rückfahrt werden die Sitzreihen mit einem Handgriff umgedreht.

8.Zug innen
Sehr bequem und leise!

Meistens sind drei Zugbegleiter an Bord: vorne, in der Mitte und hinten.

8.Zug begleiter
Stolzer Zugbegleiter.

Franz verstand es, diesen Programmpunkt zu zelebrieren. Wir waren früh genug am Bahnhof um vor unserer Fahrt zwei Shinkansen-Züge vorbeirauschen zu sehen. Die Shinkansen-Züge fahren nicht im normalen Bahnhof ab, sondern haben eine eigene abgegrenzte Station, in die man nur mit einem entsprechenden Ticket hineinkommt.

8.Zug
Gut zu finden!
8.Zug eingang 2
Nur Shinkansen Fahrgäste und Menschen mit einem Besucher-Ticket kommen hier durch.

Die viel gerühmte Pünktlichkeit konnten wir vor Ort selbst bestaunen: 6 Sekunden Verspätung im Jahr für alle Shinkansen-Züge zusammen ist eigentlich gar nicht zu fassen.

Interessant war es auch, das Schienenkonzept zu sehen und zu verstehen. Für diese Hochgeschwindigkeitszüge wurden separate Schienen gelegt, in jede Richtung – versteht sich.  Für Züge, die anhalten gibt es eine separate Spur, auf der sie vor dem Bahnhof verlangsamen können – ohne die durchfahrenden Züge zu blockieren.

8.Zug langsame Spur
Reine Shinkansen-Strecke.

Wer darüber mehr wissen möchte, kann sich im Internet über viele interessante Fakten informieren, es lohnt sich!

Wir hatten Gruppentickets und in der Regel sitzen Gruppen in den hinteren Bereichen des Zuges. Unsere Platzkarten waren für Wagen 16. Der Zug hielt exakt an der am Boden markierten Stelle. Entspannt stiegen Menschen aus und wir ein. Alles ging mit Ruhe vonstatten: kein Drängeln, kein Schubsen – einfach relaxt. Mein Gedanke war, dass die Zeit, in der Passagiere ein und aussteigen in den Fahrplan großzügig miteingearbeitet war. Dieses Gefühl habe ich in Deutschland manchmal nicht.

8.Zug eingang

Viel Platz und bequeme Sitze erwarteten uns und wir fühlten uns sehr privilegiert, mit diesem Zug fahren zu dürfen. Eine Stunde dauerte die Fahrt von Himeji nach Hiroshima. Sie führte durch viele Tunnels und schöne Landschaften. Es war eine sehr angenehme Fahrt ohne Geratter und laute Fahrtgeräusche.

Ach ja, die Zugtoilette war es auch wert, fotografiert zu werden *lach.

8.Zug Toilette

Hiroshima

8.Hiroshima
Auschecken muss man sich nach der Bahnfahrt auch.

Über die Geschichte Hiroshimas braucht man, so denke ich, nicht viel schreiben. Fast jeder, der in der Schule ein wenig aufgepasst hat weiß, dass Hiroshima am 6. August 1945 Ziel des ersten kriegerischen Kernwaffeneinsatzes der Welt war.

8.Hirsohima Uhr
Da blieben die Uhren stehen.

Morgens um 8.16 Uhr explodierte die Bombe in ca. 600 Metern Höhe und zerstörte ca. 90 % der Stadt. 70.000 Menschen waren sofort tot und bis Ende des gleichen Jahres starben schätzungsweise 140.000 Menschen. Noch lebende Opfer dieses Angriffes leiden bis heute an den Folgen der Verstrahlung.

Intensiver empfindet man diese Fakten, wenn man vor Ort ist und sieht, wie sich Hiroshima augenscheinlich wieder zu einer weltoffenen Stadt erholt hat. Auf der anderen Seite erfühlt man aber, dass sich eine Stadt/ein Land niemals von so einer Katastrophe erholen kann.

8.Hiroshima alt und neu
Neues Hiroshima mit vielen mahnenden Elementen.

Im Hiroshima Peace Memorial Museum wurde sehr anschaulich von der schlimmen Zeit berichtet. Franz gab uns den Hinweis, dass jeder für sich sorgen und darauf achten solle, was er erträgt… Mit dem Audio-Guide im Ohr begaben wir uns auf Zeitreise und ich konnte es schon nach wenigen Minuten kaum aushalten. Relativ zügig ging ich durch die Ausstellung und meine Augen „scannten“ die vielen Bilder. Am Ende der Ausstellung befand sich eine große Sitzecke und dort hörte ich mir die zu den Bildern gehörenden Geschichten vieler Einzelschicksale an. So dosiert war es für mich erträglich.

8.Hiroshima Ansicht aus useum
Blick vom Museum auf den Park.

Zutiefst bewegt schauten wir uns im Hiroshima Peace Memorial Park und dem Friedenspark um und versuchten manche Symbolik von Denkmälern und Gedenkstätten zu verstehen.

Da gibt es z. B. die Geschichte und das Monument von Sadako Sasaki. Sadako überlebte den Atombombenabwurf als Kind, bekam später aber Leukämie. Sie glaubte, dass sie geheilt würde, wenn sie 1.000 Papierkraniche falten würde. Sie verstarb, bevor sie ihr Ziel erreichte. Ihre Geschichte wurde bekannt und die Papierkraniche wurden zu einem Symbol für Frieden und Heilung. Sie sind an vielen Orten in Hiroshima präsent.

8.Hiroshima Sadako
Sadako Sasaki-Monument
8.Hiroshima Kraniche
Gefaltete Kraniche

Jedes Jahr zum Jahrestag finden an der Atombombenkuppel Gedenkfeiern statt, um für den Frieden zu beten und um der Opfer zu gedenken. Das Gebäude mit der Kuppel ist die Ruine der früheren Industrie- und Handelskammer der Präfektur Hiroshima und stand im Epizentrum der Tragödie. Es war ein eigentümliches Gefühl vor diesem Hausgerippe zu stehen. Da die Bombe direkt darüber in der Luft explodierte, zerstörte die Druckwelle quasi alles um das Gebäude herum.

8.Hiroshima Atombombenkuppel
Atombombenkugel

Zwischen der Atombombenkuppel und dem Hiroshima Peace Memorial Museum wurde 1952 ein weiteres steinernes Denkmal erbaut. Das Kenotaph (leeres Grab) beinhaltet eine Liste von verstorbenen Opfern aller Nationalitäten. Die Liste wird stetig erweitert und enthielt im Jahr 2015 fast 300.000 Namen. Auf dem Stein steht geschrieben: „Lasse alle Seelen hier in Frieden ruhen, denn wir werden das Böse nicht wiederholen“.

In der Mitte dieser beiden Denkmäler steht ein Gebilde, welche zwei zusammengelegte Hände darstellt, die sich wie ein Kelch nach oben öffnen. In der Mitte brennt seit dem 1. August 1964 eine Flamme des Friedens, die so lange brennen soll, bis alle Atomwaffen von der Erde verschwunden sind – dauert also noch eine Weile – leider.

8.Hiroshima Friedensfeuer
Friedensflamme

Es gibt vor dem Museum eine Stelle, an der man alle drei Mahnmale sehen kann.

8.Hiroshima alles sehen
Blick auf alle Mahnmale

Etwas abseits in einem kleinen Park steht ebenfalls seit 1964 die Friedensglocke. Auf der runden Oberfläche der Glocke ist eine Welt ohne Grenzen eingeprägt – ein schöner Traum!! Die Glocke und ihre Aufhängung sind von einem Wasserbecken mit Lotosblumen umgeben.

8.Hiroshima Friedensglocke
Friedensglocke

Immer wieder beobachteten wir Menschen, die andächtig der Glocke einen Ton entlockten. Auch viele aus unserer Reisegruppe taten das und stellten sich ordentlich an, bis sie an der Reihe waren. Ich bot mich an, den einen und anderen bei dieser Handlung zu fotografieren. Zum Schluss wollte ich, gemeinsam mit Helmut, auch den Gong ertönen lassen. Es stand eine kleine Schülergruppe mit ihrem Lehrer am Eingang und warteten, bis die Glocke frei war. Ich bedeutete, dass ich nur „geschwind“ zu Helmut wollte …. Fettnapf, da bist du …

In scharfem Ton sprach der Lehrer mich an. Ich verstand kein Wort und wusste doch, was er sagte: in Japan wird nicht gedrängelt!!! Ich entschuldigte mich sofort bei ihm und den Kindern, die mit großen Augen die Situation beobachteten und stellte mich ordentlich hinten an. Einige Mitreisende fragten mich später, warum ich mich von der Gruppe abdrängen ließ. Der Lehrer habe doch genau gesehen, dass ich zu der Gruppe gehöre. Meine Haltung dazu ist ganz klar: ich habe einen Fehler gemacht, denn ich bin Gast in diesem Land und will mich an die Gepflogenheiten dort halten. Das Gleiche erwarte ich auch von Gästen in unserem Land. Ein wenig Milde walten zu lassen, wenn mal die alte Tradition (in dem Fall meine) mit einem durchgeht, will ich aus dieser Situation lernen.

Die Opfer und das Leid der Menschen in Nagasaki sollen an dieser Stelle nicht vergessen werden. 3 Tage später ereilte sie das gleiche Schicksal wie die Menschen in Hiroshima. Hoffentlich haben die Verantwortlichen in dieser Welt etwas gelernt und es geschieht nie wieder so eine gnadenlose Dummheit.

Abendessen: Okonomiyaki

Das Lokal zu unserem Abendessen befand sich in unmittelbarer Nähe zum Friedenspark im Orizuru Tower. Es gab eine typische Spezialität aus Hiroshima: Okonomiyaki.

8.Abendessen
Interessant, bei der Zubereitung zuschauen zu können.
8.Abendessen auf Teller
*lach – es schmeckte wirklich lecker!!!
8.Abendessen Zutaten
Zutatenliste

Zu Hause würde ich sagen, alles was weg muss kommt in die Pfanne, Nudeln dazu, Ei drüber und fertig … in Hiroshima hat es diesen unaussprechlichen Namen. Die Geschichte dieser Speise hängt mit den Ereignissen von 1945 zusammen. Die Menschen mussten irgendwie ernährt werden und es wurde alles was an Lebensmitteln aufzutreiben war in Pfannen gebraten und an die Überlebenden ausgegeben. Im Gedenken daran gibt es dieses Essen und dieses Lokal. Geschmeckt hat es übrigens sehr lecker!!

Als wir unser Hotelzimmer im „Orient Hotel“ betraten, musste ich erst mal lachen, denn es sah aus wie im Krankenhaus.

8.Hotel Zimmer
Es war ja nur für eine Nacht *lach.

Eine Glasscheibe trennte das Bad und den Schlafbereich. Gott sei Dank konnte man einen Vorhang zuziehen, um diesen Krankenhaus-Effekt zu mildern. Der Blick aus dem Fenster auf das abendliche Hiroshima war dafür sehr schön.

8.Hotel Ausblick

Ein Tag voller Emotionen und intensiver Eindrücke ging zu Ende und müde fielen wir ins Bett.

9. Tag

14. 7. Route
Route am 7. Rundreisetag.

Der 9. Tag begann mit ein paar Hindernissen. Eine Mitreisende hatte etwas im Zimmer vergessen und musste kurz vor der Abfahrt des Busses noch mal nach oben. Deshalb kamen wir einige Minuten später weg. Der erste und einzige Stau auf unserer Reise war natürlich auch an diesem Vormittag und unser Zeitplan dadurch durcheinander geraten.

Insel Miyajima

Die von Franz angepeilte Fähre auf die Insel Miyajima erreichten wir nicht, aber mit Disziplin von allen Gruppenteilnehmern hasteten wir gerade noch rechtzeitig zu einer späteren Fähre, und erreichten diese, bevor sie uns vor der Nase wegfuhr.

9.Miyajima faehre
Geschafft!

Die Überfahrt dauerte nur 10 Minuten. Miyajima zählt zu den schönsten japanischen Landschaften, liegt etwa 20 km südwestlich von Hiroshima, hat ungefähr 2.000 Einwohner und ist ca. 30 qkm groß.

9.Miyajima Eingang bewacht
Eingangstor zum Park.

Auf der Insel laufen zahme Rehe und Hirsche frei umher und in der Mitte der Insel, im bergigen Teil bewegen sich Japanmakaken, also Schneeaffen ohne Scheu zwischen den Besuchern. Die Rehe „begrüßten“ uns schon gleich nach der Fähre und waren zum Teil recht aufdringlich.

9.Miyajima Rehe zahm
Zahme Rehe
9.Miyajima Rehe sehr zahm
Sie sind überall auf der Insel zu finden – auch in Geschäften.

Meine Begeisterung für Tiere hält sich in Grenzen und ich sehe sie ganz gerne von weitem. Die frei lebenden Affen sahen wir während unseres Besuches auf der Insel nicht – das ist aber nicht schlimm *lach.

Früher durfte auf der Insel weder geboren noch gestorben werden, das galt als unrein – und Frauen dürfen die Insel erst seit dem 20. Jahrhundert betreten… mir würde sehr viel dazu einfallen, aber ich erspare es mir und euch, liebe Leser, mich dazu auszulassen – es ist ja schließlich vorbei ….

Schon vom Schiff aus konnte man eines der meistfotografierten Wahrzeichen Japans erblicken: das rote, hölzerne Torii. Es stammt aus dem Jahr 1875 und steht bei Flut vollständig im Wasser. Bei Ebbe kann es von der Insel aus zu Fuß erreicht werden.

9.Miyajima Torii mit Berg
Eingebettet in eine herrliche Landschaft.
9.Miyajima Torii von der Insel aus
Das rote, hölzerne Torii

Es steht vor dem Itsukushima-Schrein, dessen Grundform schon im Jahr 593 entstand. Die heute noch erhaltene Struktur wurde im 12. Jahrhundert erbaut. Der Schrein ist drei weiblichen Göttinnen mit für mich unaussprechlichen Namen (Ichikishima-hime-no-mikoto, Tagori-hime-no-mikoto und Tagitsu-hime-no-mikoto) gewidmet, der Göttin des Meeres, des Transports und des Glücks und der Künste.

9.Miyajima Klosteranlage bei Ebbe
Der Schrein bei Ebbe.

Die Hauptgebäude stehen auf erhöhten Plattformen, deren Pfeiler bei Flut im Wasser stehen. Es wirkt, als ob die ganze Anlage schwimmen würden, das konnten wir auf Fotos sehen. Über einen 280 Meter langen überdachten Korridor sind die Gebäude miteinander verbunden.

9.Miyajima Klosteranlage begehbar
Schatten und schöne Dinge sehen, was braucht man mehr?

Die Überdachung spendete uns Schatten, über den wir sehr froh waren, denn die Sonne brannte wieder ziemlich erbarmungslos vom Himmel.

9.Miyajima Klosteranlage innen
Innenraum der Klosteranlage

Seit 1996 zählen der Schrein und das Torii zum UNESCO Weltkulturerbe. In dieser malerischen Umgebung werden sehr gerne traditionelle japanische Hochzeiten ausgerichtet – wenn Geld keine Rolle spielt!

9.Miyajima Garten Rehe im Schatten
Auch die Rehe suchen den Schatten
9.Miyamjia Schoenes
Viele schöne Eindrücke
9.Miyajima Garten Blick aufs Wasser
Ein spiritueller Ort.

Wir hatten die Möglichkeit, uns auf der Insel umzusehen oder über die sehr nette Einkaufsstraße zurück Richtung Fähre zu gehen. Franz bot eine kleine Führung in einen höher gelegenen Schrein an. Uns war es zu heiß und deshalb schlenderten wir in aller Ruhe Richtung Fähre.

Wir hatten genügend Zeit, die kulinarische Spezialitäten der Insel, gegrillte Austern und mit roter Bohnenpaste gefüllte Kleingebäcke zu probieren.

9.Miyajima austern gegrillte
Austern auf dem Grill …
9.Miyajima Austern gegrillt essbereit
… und essbereit auf meinem Teller!
9.Miyajima Spezialitaet
Mit roter Bohnenpaste gefüllte kleine Kuchen – der passende Nachtisch!

Beides mochte ich sehr gern! Die Austernbänke vor der Insel versprachen superfrische Qualität.

9.Miyajima Austernbaenke
Austernbänke

Gegen 12 Uhr – nein, das stimmte so nicht, sondern um 11.55 Uhr – wir waren schließlich in Japan *lach, legte unsere Fähre Richtung Festland ab. Uns erwarteten ca. 6 Stunden Busfahrt bis nach Kyoto.

Erlebnisse und Beoabachtungen unterwegs

Rastplatz
Normaler Rastplatz an der Autobahn

In der ersten Pause auf einem Rastplatz an der Autobahn wollte Helmut sich ein Getränk an einem der Automaten kaufen, aber der Automat wollte seine Yen-Stücke nicht annehmen. Ausnahmsweise konnte nur mit einer japanischen Kreditkarte bezahlt werden. Ein Japaner beobachtete Helmuts vergebliches Bemühen, an eine Flasche Wasser zu kommen, zückte seine Kreditkarte und bedeutete ihm, sich am Automaten zu bedienen. Das Bargeld wollte er nicht annehmen. Helmut war sehr beeindruckt über so viel Freundlichkeit!!!

Die Fahrzeit nutzte Franz, uns die japanischen Schriftzeichen nahe zu bringen und mit der beliebten Fragerunde: „Frag doch mal den Reiseleiter“.

Sprache
Minimale Änderungen verwandeln „Ich liebe dich“ in „Du bist zu dick“.

Die meisten Fragen und Antworten habe ich schon in die vorigen Frage- und Antwortrunden, nach Themen geordnet, eingebastelt, weshalb der Eindruck täuscht, wir hätten auf dieser Tour weniger Informationen erhalten. *lach

Mir fielen sehr viele Frauen und auch Männer mit Schirmen auf. Auch wenn die Sonne nicht schien, wurden sie benutzt.

Alltag immer mit Schirm
Japanische Frauen waren sehr oft mit Schirm unterwegs.

Die Sorge vor der schädlichen UV-Strahlung scheint in Japan größer als bei uns zu sein, wo man sich immer noch in die Sonne legt und brutzelt wie ein Würstchen, bis man braun ist. Franz und auch Mario cremten sich immer mit Sonnenschutzcreme ein, bevor wir den Bus für längere Zeit verließen. Es gibt auch lange Ärmel (also nur die Ärmel) zu kaufen, um die Arme vor der Sonne zu schützen.

Kyoto

In Kyoto wohnten wir für zwei Nächte im „Monday-Hotel Karasumanijo“.

9.Hotel
Bitte den kompletten Namen merken!!! *lach

Zum Abendessen wurde uns in einem Restaurant ein Teppanyaki serviert und es machte Spaß, in unserer mittlerweile obligatorischen 6er-Gruppe auf dem Tischgrill Fleisch, Fisch und Gemüse zuzubereiten.

9.Abendessen Grill
Ich werde zu Hause die vielen kleinen Schälchen vermissen!
9.Abendessen
… auch das leckere Kobefleisch war dabei …

Abends trafen wir uns noch in kleiner Runde im Foyer des Hotels und tauschten uns über unsere vielen, vielen Eindrücke aus, bevor wir wieder k. o. ins Bett fielen.

9.Abends im Hotel
Im Hotel gab es allerlei Leckeres, um den Tag nett ausklingen zu lassen.

10. Tag

14. 8. Route
Route am 8. Rundreisetag

Ein traumhaftes Frühstücksbüfett erfreute uns und die Tatsache, dass wir morgens ein bisschen mehr Zeit als sonst hatten, da wir ohne unsere Koffer auf diese Tagestour gingen. Außerdem waren nicht viele Bus-Kilometer geplant. Einem entspannten Tag stand also nichts im Wege:

Kyoto liegt am Kamogawa-Fluss (Kamo-Fluss) und war bis 1868 Hauptstadt von Japan. Nach wie vor ist es ein kulturelles und historisches Zentrum und eine der wichtigsten Städte Japans – und natürlich ein beliebtes Touristenziel. Mit fast 1,5 Mio. Einwohnern eine große Stadt, in der man sich leicht verlaufen kann, weil viele Kreuzungen ähnlich aussehen. Da Kyoto im Krieg vor Zerstörung verschont blieb, gibt es noch zahlreiche buddhistische Tempel, wunderschöne Gärten, Kaiserpaläste, Shinto-Schreine und traditionelle Holzhäuser. Im historischen Gion-Viertel lebt eine Tradition, die Weltruhm erlangte: die japanischen Gesellschaftsdamen, die Geishas.

Der Kamo-Fluss bietet an seinen Ufern viele Möglichkeiten zu flanieren, in Restaurants zu genießen und zu entspannen.

10.Kyoto Leben am Fluss
Entspannung am Ufer des Kamo-Flusses

Bekannte große, aber auch mittelständische Firmen haben ihren Sitz in Kyoto, wie z. B. Nintendo, Shimano, Nissan.

An vielen Sehenswürdigkeiten gibt es buchbare Zeitfenster für die Busse. An diesem Tag sollte es wieder sehr heiß werden und unsere Parkplatzreservierung war um 11 Uhr. Franz versuchte das Programm umzustellen und die Reservierung früher zu bekommen, was ihm auch gelang: schon um 8.20 Uhr durften wir auf den Parkplatz fahren. Immer, wenn etwas gut klappte, hatte Franz den zufriedenen Spruch auf Lager: „Das freut den Franz“. Mich freute, dass Franz seinen Job mit so viel Herzblut und Umsicht macht, dass er sich freute, wenn ihm für uns etwas Gutes gelang. Danke dafür!!!

Altstadt von Kyoto und Yasaka-Pagode

In der fast menschenleeren und wunderschönen Altstadt (die Geschäfte waren noch geschlossen) boten sich tolle Fotomotive.

10.Kyoto Altstadt
Altstadt

Die Yasaka-Pagode befindet sich auf einer Anhöhe und ist mit ihren 46 Metern Höhe ein markantes Wahrzeichen der Stadt. Jedes der fünf Stockwerke ist frei schwingend um einen durchgehenden Kern gebaut und kann deshalb jede Erschütterung auffangen = erdbebensicher.    

10.Kyoto Yasaka Pagode
Schon von weitem ist sie sichtbar
10.Kyoto Yasaka Pagode 2
Baukunst vom Feinsten

Weiter oben am Berg, am Eingang des Kiyomizudera Tempels steht das schöne Niomon-Tor. Bei der Gelegenheit passt ganz gut der Hinweis, dass man nicht in der Mitte durch heilige Tore und Schreine gehen sollte, sondern am Rand. Die Mitte ist den Göttern vorbehalten.

10.Kyoto Tempel 2
Niomon-Tor im Vordergrund

Kiyomizudera Tempel

Der Kiyomizudera Tempel zählt zu den bekanntesten Tempeln Japans und nachdem man die vielen Treppen nach oben geschafft hat, wird man mit einem gigantischen Blick über Kyoto belohnt.

10.Kyoto Tempel
Gewaltige Tempelanlage
10Kyoto Blick vom Tempel
Traumhafter Blick auf Kyoto
10.Kyoto Raeucherstaebchen
Räucherstäbchen dürfen nicht fehlen
10.Kyoto im Tempel
Im Inneren des Tempels

Die meisten der 30 buddhistischen Gebäude auf dem Tempelgelände stammen aus dem Jahr 1633 und wurden 1994 zum UNESCO-Welterbe ernannt.

10.Kyoto Tempel Teil
Einfach nur schön!

Der Tempel liegt am Otowa-Wasserfall und mit Schöpfkellen kann man das reine Wasser schöpfen.

10.Kyoto Wasserfall 2
Brunnen des Otowa-Wasserfalles

Natürlich steht wieder viel Symbolik dahinter: Der Wasserfall unterteilt sich in drei Rinnsale und jedem wird eine andere Bedeutung zugemessen (Gesundheit, Langlebigkeit und Erfolg). Aus allen drei Wassern zu trinken, gilt als gierig. Ich sehe das eher pragmatisch: wenn man schon mal da ist … Wir beobachteten die Menschen eine Weile und ließen uns wieder in den Bann der Spiritualität ziehen, mit der ganz einfache Dinge mit Hingabe getan werden.

10.Kyoto Wasserfall
Das Wasser wird in Bechern gesammelt und dann getrunken.

Wir haben übrigens nicht getrunken *lach.

Sehr angenehm bei der Hitze fanden wir die natürlich angelegten Schattenplätze, in denen feiner, feuchter Nebel verteilt wurde. Für Naturlocken suboptimal (wer sie hat, weiß, wovon ich rede), aber ich empfand es als eine Wohltat, eine Weile darunter zu verweilen.

10.Kyoto feuchte Schattenplaetze
Herrliche Abkühlung
10.Kyoto Moeglichkeit zur Pause
Möglichkeit eine Pause zu machen.
10.Kyoto Symbole 2
Was sich wohl hinter dieser Symbolik versteckt?
10.Kyoto Symbole
Hier stellt sich mir die gleiche Frage…

Auf dem Weg zurück zum Bus bot sich uns ein völlig anderes Bild von der Altstadt in Kyoto: Die Geschäfte waren offen und viele Menschen schoben sich durch die Gassen Richtung Tempel.

10.Kyoto Weg zurueck
Geschäfte offen: Menschen da…

Wir waren sehr froh, dass wir so früh waren und in Ruhe alles betrachten konnten!!! Jetzt hatten wir noch genügend Zeit den einen und anderen Blick in Geschäfte zu werfen, die es zu Hause eher nicht gibt. Einen Laden nur für Fächer z. B., das sah ich vorher noch nie.

10.Kyoto Geschaeft fuer Faecher
Fächer, Fächer, Fächer …

In einem anderen Geschäft gab es alles, was eine Geisha braucht. Ich war ganz schön froh, keine Geisha zu sein…

10.Kyoto Geisha Geschaeft
Alles was Geisha braucht.
10.Kyoto Leckereien
Für den kleinen Hunger zwischendurch war auch gesorgt.
10.Kyoto Leckereien2
Wäre bestimmt auch lecker gewesen…

Nijo-Schloss

Das nächste Ziel an diesem Tag war die ehemalige Kaiservilla, das Nijo-Schloss. Am Eingang gab es neben vielen anderen Sprachen sogar deutsche Prospekte. Im Jahr 1601 wurde das Schloss vom ersten Shogun sehr großzügig angelegt und diente als Residenz für die Kaiser, wenn diese in der Stadt waren. 1994 wurde auch dieses Bauwerk zum UNESCO Weltkulturerbe.

Sehenswert ist das Karamon-Tor, durch welches man in den inneren Bereich der Burg kommt.

10.Kyoto Nijo Tor 2
Karamon-Tor

Bevor wir die Räume des Schlosses betreten durften, hieß es wieder: Schuhe ausziehen. Man war auf viele Besucher eingestellt, und man musste sich nur einen Buchstaben merken, damit man das Abteil wieder fand, in dem die eigenen Schuhe während des Besuches parkten.

Im Inneren der Räume durften keine Fotos gemacht werden. Ich kann aus der Erinnerung heraus sagen, dass es sehr prunkvoll bemalte Räume waren und die Lebensart der damaligen Kaiser/Shogune und ihrer Besucher darstellte. Der Fußboden zirpte leise beim drüber gehen und wird deshalb Nachtigallenboden genannt. Der Sinn des Knarrens war, dass niemand unbemerkt in die Räume kommen konnte. Die Töne entstehen beim Betreten des Bodens durch Verschiebung von Zapfen, mit denen die Dielen befestigt sind. Diese Form von „Alarmanlage“ findet man ab und zu in Japans alten Gebäuden. Da ohne Nägel gebaut wurde ist es beweglich und somit erdbebensicher.

Aufgrund der Hitze fand ich es in den Räumen sehr stickig und deshalb anstrengend den Ausführungen von Franz per Audioguide zu folgen. Ich war froh, als wir wieder draußen, in dem wunderschön angelegten Park um das Schloss herum waren. Dort war auf alle Fälle die Luft besser, wenn auch genauso heiß wie drin.

10.Kyoto Nijo Park1
Schattiger Park
10.Kyoto Nijo Park2
… wieder mit viel Wasser

Nishiki-Markt

Für die Mittagspause brachte uns unser Busfahrer Herr Kandar, oder wie es richtig heißen müsste: Kandar San (San heißt Herr und wird an den Namen drangehängt) zu einem Einkaufszentrum mit angeschlossenem Markt, dem Nishiki-Markt. Franz gab uns den Hinweis, nirgendwo einzukehren, wo keine Preise ersichtlich waren, denn dort würde man als Tourist abgezockt werden – und – wir sollten auf unsere Taschen und Wertgegenstände aufpassen, da viele Touristen und Menschen sich durch den Markt drängeln – die erste und einzige Warnung dieser Art auf unserer Reise.

10.Kyoto Markt bunte Meile
… rein ins Getümmel …

Der Ausflug durch den Markt war wieder sehr bemerkenswert. Unglaublich viele Spezialitäten auf engstem Raum zu sehen, überforderte unser Hirn und wir konnten lange keine Entscheidung treffen, was wir essen wollten.

10.Kyoto Markt 1
Ich vermute, das war etwas Süßes?

Bzw. was ich essen wollte, wusste ich eigentlich schon: alles mal probieren – aber das war unmöglich. Da wurde gebraten und mit offener Flamme hantiert, dass es mir angst und bange wurde.

10.Kyoto Markt 2
Meeresgetier

Es gab Dinge, die habe ich noch nie gesehen.

10.Kyoto Markt 7
Ich grüble heute noch, was das ist …

Wir gönnten uns Shrimps am Spieß.

10.Kyoto Markt 3
Das war lecker: Shrimps am Spieß
10.Kyoto Markt edle Stuecke
Edle Fleischstücke gab es natürlich auch.
10.Kyoto Markt Messer
Die passenden Messer – original aus Japan …..

Am Ende des Marktes kehrten wir in einem Café ein und aßen Brötchen mit „keine Ahnung was da drauf war“ und tranken Cappuccino.

10.Kyoto Markt unser Essen

Man konnte sitzen und die Ruhe nach dem Getümmel genießen. Wir waren nicht die einzigen aus der Gruppe, die dort gestrandet waren.

Die Hitze des Tages war auf dem Markt erträglich. Er war überdacht und in den Geschäften war alles klimatisiert.

Wir gingen gemächlich Richtung Treffpunkt zurück und ich hielt die Augen offen nach einem Kleid oder Rock. Tatsächlich wurde ich fündig und wollte das nette Teil anprobieren. Mit Händen und Füßen und sehr viel Freundlichkeit verständigte ich mich mit der Verkäuferin und machte wieder eine neue interessante Entdeckung: Schuhe zieht man VOR der Umkleidekabine aus… Leider passten Rock und ich nicht gut zusammen, trotzdem war ich für die Erfahrung dankbar.

Ryoanji-Tempel

Frisch gestärkt erreichten wir den Ryoanji-Tempel, der schon 1499 gegründet wurde und so viel wie „der zur Ruhe gekommene Drache“ heißt.

10.Kyoto Ryoanji Tempel Weg
Nomen et omen
10.Kyoto Ryoanji Tempel Deko
Auch im Inneren strahlt alles Ruhe aus

Als Zentrum des Tempels gilt der wohl berühmteste Zen-Garten Japans. Er besteht aus einer Fläche fein gerechtem Kies, ist 25 mal 10 Meter groß und stammt aus dem 15. Jahrhundert. 15 scheinbar zufällig platzierte große und kleine Steine stellen dem Betrachter die Aufgabe, alle 15 Steine gleichzeitig zu sehen, aber von keinem Blickwinkel aus sind alle 15 Steine sichtbar (außer von oben – aber Drohnen gab es damals noch keine).

10.Kyoto Ryoanji Tempel STeingarten
Steingarten
10Kyoto Ryoanji Tempel Steingarten ausschnitt
Ausschnitt, man erkennt, wie fein säuberlich alles gerecht ist…

Am Tempel befindet sich eine überdachte Sitzterrasse, von wo aus man den Steingarten betrachten kann. Auch der Park um den Tempel mit vielen versteckten Schönheiten gefiel uns sehr gut.

10.KyotoRyoanji Tempel See
Seerosenteich

Seit 1994 ist dieses Plätzchen ebenfalls UNESCO-Weltkulturerbe. Klein, fein und nicht überlaufen würde ich es zusammenfassen und ich wäre gerne noch länger an diesem Platz gesessen und hätte Steine geschaut – ommm.

Kinkakuji – Goldener Pavillon

Als fünfter Programmpunkt für diesen Tag stand Kinkakuji auf dem Plan. Eigentlich war ich so langsam müde, Tempel und Schreine zu besichtigen aber jedes neue Ziel war so interessant und spannend, dass ich im Rückschauen froh und dankbar war, es erlebt zu haben.

10.Kyoto Kinkakuji Goldener Pavillon

Kinkakuji heißt Goldener Pavillon und ist ein im Jahr 1397 erbauter Zen-Tempel in Kyoto. Seine beiden oberen Stockwerke sind komplett mit Blattgold bedeckt. Er steht direkt am Kyokochi-Teich und wenn die Sonne drauf scheint, ist das ein unglaublich schönes Bild.

10.Kyoto Kinkakuji Goldener Pavillon Rueckseite
rückwärtige Ansicht

Im Pavillon befinden sich Buddhas Reliquien (Buddhas Asche) und er ist für Besucher nicht zugänglich. Seine Architektur ist in Japan einzigartig, denn jede Etage ist in unterschiedlicher Bauweise gefertigt.

Im Jahr 1950 brannte er komplett ab, wurde aber bis Oktober 1955 neu aufgebaut.  Er ist, wie könnte es anders sein, von einem herrlichen Park umgeben und es war ein schönes Erlebnis, die Wege um den Pavillon herum zu beschreiten.

10.Kyoto Kinkakuji Garten
mystisch schön
10.Kyoto Kinkakuji Geld werfen
Wer mit seinem Geldstück den Becher in der Mitte trifft, hat besonderes Glück.
Ich traf nicht, bin aber mit meinem Glück sehr zufrieden!!!
10.Kyoto Kinkakuji Garten Treppe
Auf diesen Wegen schreitet man ….
10.Kyoto Kinkakuji Goldener Pavillon von oben
Letzter Blick von einer Anhöhe aus…

Ich empfand diesen Ort erhaben und besonders schön. Selbstverständlich handelt es sich um ein UNESCO-Weltkulturerbe.

Abendessen

Nach einer kurzen Busfahrt in den Osten Kyotos spazierten wir durch einen schönen Park Richtung Abendessen und waren gespannt, was sich hinter dem vielversprechenden Namen: Shabu-Shabu-Fondue verbarg.

10.Kyoto Weg zum Abendessen
Über diese Brücke …
10.Kyoto Weg zum Abendessen 2
… durch den Park mit See …
10.Kyoto Weg zum Abendessen Ende
… wurden wir schon erwartet.

Es gab bei manchen Mitreisenden etwas Unmut, weil wir doch extrem verschwitzt vom Tag waren und jeder gerne vor dem Essen unter die Dusche gesprungen wäre. Dieses Zeitfenster war aber leider nicht vorhanden und ich tröstete mich damit, dass wir alle gleich „babbisch“ waren*lach, in hochdeutsch: klebrig, verschwitzt, nicht mehr frisch usw.

Schuhe ausziehen war mittlerweile schon Standard. Einen Schreck bekam ich, als ich das Restaurant von innen sah, denn die Tische sahen aus, als müssten wir alle auf dem Boden sitzen. Ich konnte schon runterkommen, aber wie ich am Ende der Veranstaltung wieder hochkommen sollte, war mir ein Rätsel. Etwas Erleichterung stellte sich ein, als wir merkten, dass sich versteckt unter den Tischen Aussparungen für unsere Beine befanden. Gedanken über das Aufstehen verschob ich auf später.

10.Kyoto Abendessen Schummeltisch
„Schummeltische“

Vier Personen „opferten“ sich für den einzigen Tisch ohne Aussparung für die Beine. Sie saßen den ganzen Abend im Schneidersitz auf dem Boden. Es handelte sich nicht um Senioren unserer Gruppe *lach.

Shabu Shabu hat seinen Ursprung aus der Zeit, als in einem Pott für alle gekocht wurde. Auf unserem Tisch stand eine große Schüssel mit heißer Brühe auf einem Kocher. Doch zunächst wurden uns kleine Köstlichkeiten als Vorspeise gereicht.

10.Kyoto Abendessen 1
Erste Vorspeise
10.Kyoto Abendessen 2
Zweite Vorspeise

Sehr freundliche Mitarbeiterinnen des Lokales waren uns behilflich, als sie unsere ratlosen Blicke sahen: „was sollen wir jetzt damit machen?“ Sie auf Japanisch, wir auf Deutsch und alle mit Händen und Füßen: einfach nur schön!! Ich liebe es, wenn man versucht, sich zu verstehen.

Irgendwann war Schluss mit leckeren Vorspeisen und eine große Schale, gefüllt mit allerlei mundgerecht geschnittenen Lebensmitteln, wurde auf den Tisch gestellt.

10.Kyoto Abendessen 3
Hauptgang

Wir versuchten zu erraten, was das sein konnte. Pilze erkannten wir, aber nicht um welche Art Pilze es sich handelte – egal, das wird hier so gegessen. Sehr dünn geschnittenes Fleisch erkannten wir auch, genauso wie Chinakohl und Nudeln. Der Rest sah gut aus, auch wenn wir nicht wussten, was es war. Dazu wurden zwei verschiedene Soßen als Dip und Reis in den obligatorischen Schälchen gereicht.

10.Kyoto Abendessen 4

Die japanischen Mädels bedeuteten uns, dass wir portionsweise von allem etwas in die Brühe geben sollten und, wenn es gar ist, herauszufischen. Vier Leute teilten sich einen Topf und es war lustig.

Beim Recherchieren erfuhr ich, dass normalerweise jeder ein Körbchen für seine zu garenden Zutaten hat und am Schluss die Brühe als Suppe getrunken wird. Beides war bei uns nicht der Fall. Vermutlich wären wir alle überfordert gewesen, auch noch die Brühe in kleine Schälchen umzugießen. Vielleicht gibt es auch, wie so oft im Leben, mehrere Möglichkeiten.

Geisha live erleben

Gespannt waren wir auf die Vorführung einer Geisha und Maiko. Der Begriff Maiko war mir fremd und wir erfuhren, dass eine Maiko eine Auszubildende zur Geisha ist. In Kyoto nennt man Geisha auch Geiko. Eine Geisha ist eine professionelle Künstlerin, die Gäste bei Banketten und sonstigen Veranstaltungen mit Tanz und Musik unterhält, so z. B. unsere Reisegruppe aus Deutschland. Anfassen ist übrigens verboten!

Nach dem Abendessen wurde zügig aufgeräumt und wir entknoteten unsere Beine unter den Tischen. Jeder suchte sich ein entspanntes Plätzchen auf dem Fußboden und lehnte sich irgendwo an.

10.Kyoto Abendessen fertig
Alle lümmeln irgendwie auf dem Fußboden herum.

Der große Moment kam und „unsere“ Maiko und Geisha betraten den Raum. Auf kleinstem Raum boten sie uns ihre Künste dar. Die Geisha im Gesang und Ukulele-Spiel, die Maiko tanzte dazu. Irgendwie war es eine bezaubernde Stimmung und wir genossen die Darbietungen.

10.Kyoto Geisha alt
„Unsere“ Geisha
10.Kyoto Geisha jung
„Unsere“ Maiko

Die Geisha übergab am Ende der Vorstellung der Maiko die Bühne und wir durften Fragen stellen:

  • Schon im 17. Jahrhundert entwickelte sich diese Kultur und die Samurais wurden mit dem Tanz unterhalten.
  • Das Make-up wird deshalb in Weiß gehalten, damit man auch im Mondlicht die Schönheit sehen kann.
  • Sie brauchte für das Make-up ca. eine Stunde und machte es selbst.
  • Um den Kimono anzuziehen, benötigte sie Hilfe und brauchte dazu etwa 15 Minuten.
  • Die Haare werden von einem bestimmten Frisör gestylt und diese Frisur bleibt dann für eine Woche. In dieser Woche schläft sie auf speziellen Kissen, um die Frisur nicht zu zerstören. Spätestens an dieser Stelle stellte ich fest: das wäre nix für mich.
  • Man kann sich bei einer Agentur für die 5 – 6 Jahre dauernde Ausbildung bewerben. Während der Ausbildung wohnt man bei der Ausbilderin. Geld verdient man auf Veranstaltungen, auf denen man seine Künste zum Besten gibt.
  • Wenn man heiratet, ist der Job weg.
  • Derzeit ist die älteste Geisha 93 Jahre alt. Unsere Maiko befand sich im 2. Lehrjahr. Die Tradition ist eher am Aussterben. Nur wenige junge Frauen fühlen sich für ein Leben als Geisha berufen.
  • Die Tänze folgen einer festen Choreografie und die Lieder handelten von Veränderungen im Leben.

Zum Abschluss durften noch Fotos mit der Maiko gemacht werden. Der Weg zum Bus führte durch den gleichen Park zurück und sah nun ganz bezaubernd aus. Mittlerweile war es dunkel geworden und alles war wunderschön beleuchtet.

10.Kyoto Abendessen Heimweg
Passend zu dem Erlebten: bezaubernder Heimweg …

Wieder einmal sehr beeindruckt fuhren wir ins Hotel zurück. Duschen und schlafen – mehr wollten wir an diesem ereignis- und kontrastreichen Tag nicht.

11. Tag

14. 9. Route
Route am 9. Rundreisetag

Ich war jeden Morgen von der Vielfalt des Frühstückes begeistert, weiß aber auch, dass diese Begeisterung nicht jeder teilte. Natürlich konnte man auch ganz normal Toastbrot mit Marmelade, Obst und Cerealien essen.

11.Kyoto Fruehstueck
Frühstück klassisch
11.Kyoto Fruehstueck Fisch
Frühstück Fisch, Nudeln, Soße

Eine kleine Anekdote zum Thema Marmelade fällt mir ein: in einem Hotel auf unserer Reise (ich weiß nicht mehr in welchem), waren Marmeladeportionen in einer Verpackung abgepackt, die wir beim besten Willen nicht aufbekamen. Bevor wir mit brachialer Gewalt dran gingen, bat ich einen der freundlichen Kellner pantomimisch um Hilfe. Er lachte und zeigte mir, dass man die Verpackung quasi umgedreht mit Daumen und Zeigefinger zusammendrücken musste und dann kam automatisch die Marmelade heraus. Leider habe ich davon kein Foto gemacht, um es anschaulich darstellen zu können. Eine saubere und durchdachte Angelegenheit, wenn man vom unnötigen Plastikmüll mal absieht.

Unsere Abfahrtzeiten waren meistens um 8 Uhr und wir konnten auf unseren Fahrten zum jeweils ersten Ziel die Japaner in ihrem Alltag beobachten. Die Schulkinder hatten ihren Spaß auf dem Schulweg, auch ohne laut zu lärmen und zu schubsen.

11.Alltag schwere Schulranzen
Die Schulranzen sehen ziemlich schwer aus.
11.Alltag
Schuluniformen machen die Kleiderauswahl leicht.

Lotsen geleiteten Kinder an den Ampeln über die Straße. Meistens machen das Rentner, die sich noch nützlich machen wollen.

Wegweiser
Er sieht nur gefährlich aus – eigentlich lotst er Fußgänger über den Zebrastreifen.

Apropos Lotsen, unser Busfahrer lotste uns auch immer aus dem Bus in einen sicheren Bereich. Er trug dabei weiße Handschuhe und ich fand es ein schönes Gefühl so fürsorglich und fein geleitet zu werden.

Busfahrer
Kandar San – immer freundlich – immer sicher am Steuer – Danke!!!

Die Erwachsenen eilten zu ihrem Arbeitsplatz und manche Mami hatte Kinder auf dem Fahrrad dabei um sie, so vermute ich mal, irgendwo abzugeben.

Alltag

Alles wirkte auf mich ohne Hektik und trotzdem zügig.

11.Kyoto Friedhof zwischen den Haeusern
Friedhof zwischen den Häusern

Fushimi-Inari-Schrein mit 1.000 roten Torii-Toren

Im Stadtgebiet von Kyoto besuchten wir den Fushimi-Inari-Schrein. Er ist dem Reisgott Inari geweiht, der für Fruchtbarkeit, Reichtum und Erfolg im Geschäft verehrt wird.

11.Fushimi Schrein
Schrein
11.Fushimi Schrein Reinigung
Reinigungszeremonie

Bekannt ist er für seine tausende roten Torii-Tore, die von Personen, Familien und Unternehmen gestiftet wurden und lange Tunnel auf den Wegen des Berges Inari bilden.

11.Fushimi Schrein 2 Tore
Torii-Tunnel

Ein Tor kostet ca. 23 € und man hat eine Wartezeit von mindestens 3 Jahren, wenn man ein solches Tor spenden möchte. Auf der Rückseite stehen die Namen der Spender.

11.Fushimi Schrein Torgang von Hinten
Rückseite mit Namen der Spender.

Auf dem Gelände sah man immer wieder Fuchsstatuen, die als Boten des Gottes gelten.

11.Fushimi Fuchs
Fuchs-Statue

Der Schrein zählt zu den berühmtesten Schreinen Japans und wir beobachteten viele Menschen die genau wie wir, ein Foto von den Toren – möglichst ohne fremde Menschen drauf – machen wollten. Da spielte uns wieder in die Karten, dass wir recht früh am Morgen dort waren! Wir hatten nach der offiziellen Besichtigung mit Franz noch ausreichend Zeit, uns ein wenig umzuschauen, in den Geschäften zu bummeln und ein Eis zu essen.

12.Matcha Eis
Matcha-Eis
11.Fushimi Staerkung
Seinen Fleisch-Appetit konnte man auch stillen.

Wenige aus der Gruppe wagten einen Marsch auf den Berg. Es wurde ein herrlicher Ausblick auf Kyoto erwartet, aber der Weg war schlecht zu finden und zugewachsen. Vermutlich bleiben die meisten Besucher bei den Toren, dem Schrein und den Geschäften und ersparten sich den Aufstieg.

Franz bot uns ein besonderes Schmankerl an und führte uns etwas abseits in einen Bambuswald. Ich denke, ohne Ortskenntnisse kann man ihn nicht finden – und das ist gut so, denn nicht weit vom Trubel entfernt, umgaben uns Natur und Ruhe.

11.Fushimi abseits
Kleiner Fußmarsch und schon war Ruhe.
11.Fushimi Bambuswald2
Riesige Bambusbäume
11.Fushimi Bambuswald Weg
Mystische Pfade
11.Fushimi Bambuswald Treppe
Dort geht es vermutlich wieder Richtung Trubel…

Eine Mitreisende bat mich, diesen Tipp in meinem Reiseblog zu verschweigen, damit nicht „die Influencer“ alles kaputt machen. Ich kann versichern, dass ich diesen Blog nur zum Hobby betreibe und er so klein ist, dass bestimmt niemand der Leser aufgrund dieses Hinweises dorthin fährt.

Nara, Tempel und Hirsche

Auf unserem Weg in die alte Kaiserstadt Nara konnten wir uns ein wenig von den Eindrücken erholen und ich staune im Zurückschauen, wie verschieden die Schreine waren und die Besuche wirklich immer sehr sehens- und erlebenswert war. Das Thermometer zeigte schon vormittags 34 Grad an und aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit fühlte sich das wesentlich mehr an.

11.Nara Weg dorthin
Weg nach Nara mit Reisfeldern in der Ebene.
11.Nara Weg dorthin1
Interessante Landschaft
11.Nara Weg dorthin2
Wir nähern uns der Stadt

Nara ist vor allem für zwei Dinge weithin bekannt: historische Tempel und Hirsche.

11.Nara Hirsche2
Ihnen war es wohl auch zu warm.

Im zentralen Nara-Park leben rund 1.200 Sika-Hirsche und Rehe, die sich auch frei in der Stadt bewegen. Die Tiere gelten als göttliche Boten. Die einen mögen den näheren Kontakt mit den Tieren – ich gehöre eher zu den anderen … ich glaube, ich schrieb es schon mal *lach.

11.Nara Hirsche
Wenn man sie fütterte, wurde man sie nicht mehr los …

Vor lauter Getier will ich die echten Sehenswürdigkeiten nicht vergessen: wir besuchten den buddhistischen Todaiji-Tempel. Der Name bedeutet „Großer Tempel des Ostens“ und macht seinem Namen mit seinen Abmessungen alle Ehre (57.01 m breit, 50.48 m tief, 48.74 m hoch) und ist das größte, nur aus Holz gebaute Gebäude der Welt – selbstverständlich ein UNESCO-Weltkulturerbe

11.Nara Todaiji Tempel
Todaiji-Tempel
11.Nara Todaiji Tempel Anlage
… mit beeindruckenden Nebengebäuden

Die größte buddhistische Bronzestatue im Inneren des Tempels war mit 15 Meter Höhe, plus 3 Meter Sockel sehr prominent. Wie es sich für so einen großen Buddha gehört, bringt er auch ein ordentliches Gewicht mit: 452 Tonnen.

11.Nara Todaiji Statue

Es standen in dem Tempel noch mehrere große Statuen, deren Namen und Bedeutungen mir entfallen sind. Wenn jemand aus der Reisegruppe ein besseres Gedächnis hat, freue ich mich über eine Nachricht und trage die Daten dann nach….

11.Nara Todaiji Statue 4
11.Nara Todaiji Statue 2
11.Nara Todaiji Stuatue 3

Die Hitze machte mir zu schaffen und in meinem Kopf war gegen Ende unserer Reise nicht mehr viel Platz *lach. Beeindruckend anzuschauen war es trotzdem!

11.Nara Todaiji Park
Schöner Park um den Tempel

Mittagspause in Nara

Wir suchten für die Mittagspause ein Lokal und ich ließ mir leckeren Rahmen (Nudelsuppe mit Gemüse) schmecken und Helmut war mit seinem Reisgericht mit Gemüse ebenfalls sehr zufrieden. Kühle Getränke ließen unsere Lebensgeister wieder erwachen.Obwohl meistens viele Menschen an den Sehenswürdigkeiten und in den Lokalen waren, hatten wir nie das Gefühl, abgefertigt zu werden oder irgendwelche Pampe vorgesetzt zu bekommen. Ich kenne das von Sehenswürdigkeiten in Deutschland anders….

Als wir uns zur Abfahrt am Bus einfanden, erfuhren wir, dass ein Mädel aus unserer Gruppe ihren Rucksack in einem Restaurant vergessen hatte und Franz mit ihr auf dem Weg dorthin war. Die gute Nachricht: Der Rucksack stand noch genau dort, wo sie ihn vergaß und die weniger gute Nachricht: wir warteten 50 Minuten und hätten uns über ein ehrliches „Entschuldigung“ des Kindes gefreut.

„Frag doch mal den Reiseleiter“ – die letzte

Auf dem Weg nach Osaka, wo wir das letzte Quartier unserer Reise beziehen wollten, bot uns Franz wieder eine Fragerunde an.

  • Mich interessierte, was Japaner in ihrem Alltag essen. Wir bekamen jeden Abend ein anderes köstliches Menü serviert – immer etwas komplett anderes. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass dies der Standard in Japan ist. Franz gab uns dazu die Auskunft, dass man mittags oft die relativ günstigen Angebote einer Lunchbox nutzt. Abends zu Hause gibt es Reis, Misosuppe, frittierte Hähnchen, Fleisch, Zwiebeln usw. Auch Shabu-Shabu-Fondue mit Rindfleisch und Gemüse ist ein normales Essen zu Hause. Was immer und überall geht ist Rahmen, also eine Nudelsuppe mit verschiedenen Toppings.
11.Nara Todaiji Rahmen
Rahmen – eine leckere Nudelsuppe in dem Fall mit Gemüseeinlage.
  • Eine weitere Frage war nach den weißen Handschuhen, die unser Busfahrer trug, und die wir auch bei manchen anderen Leuten sahen. Die Bedeutung ist, eine gewisse Distanz zu wahren, aber auch eine Frage der Hygiene. Sie assoziieren Reinheit und Sauberkeit.
  • Mir gefielen die kleinen praktischen Autos. Sie heißen Keijidosha oder Kei-Cars und es sind spezielle Fahrzeuge mit strengen Größen- und Hubraumvorschriften. Sie machen ein Drittel der Neuzulassungen in Japan aus und sind preisgünstig in der Anschaffung und im Unterhalt. Außerdem gibt es Steuervorteile und niedrigere Mautgebühren. Verschiedene Firmen stellen sie her, wie z. B. Honda, Daihatsu, Suzuki, Nissan und Toyota.
11.Auto
Ich finde sie knuffig.
Autos zu verkaufen
Wenn es sein muss, kann man sie bestimmt ganz praktisch stapeln *lach

Osaka

11.Osaka Alter Kaiserpalast
Vom Bus aus konnten wir in der Ferne den alten Kaiserpalast sehen.

Als wir Osaka erreichten, fanden wir uns – wieder einmal – in einer komplett anderen Welt wieder.

11.Osaka Ausstieg aus bus
Kulturschock

Quirlig, laut und schrill würde ich es zusammenfassend beschreiben wollen. Bekannt ist Osaka für seine moderne Architektur, das Nachtleben und die vielfältigen Imbissstände. Es leben ca. 2,8 Millionen Menschen dort und im Großraum Osaka ca. 19 Millionen und damit ist sie die zweitgrößte Stadt Japans hinter Tokio. Osaka ist eine große Hafenstadt mit vielen Kanälen. Eine besondere Bedeutung hat der Fluss Dotonbori, der mitten durch die Stadt fließt.

11.Osaka Kanal
Am Wasser findet das Leben statt.

Franz lotste uns gleich mitten ins Zentrum. Entlang des Flusses gab es alles, was man sich vorstellen konnte: Restaurants, Bars, Geschäfte, große und kleine Lampions, überdimensionale Werbetafeln, Partyboote auf dem Fluss und: wir erblickten ein Riesenrad. Der spontane Gedanke einer Mitreisenden wurde von mir gleich aufgegriffen: na klar, da fahren wir mit, und genießen Osaka von oben.

11.Osaka Kanal mit Riesenrad
Das Riesenrad steht direkt am Kanal.

In Shinsaibashi-suj, DER Einkaufsstraße erhielten wir von Franz Hinweise zur Orientierung und prägten uns den Treffpunkt ein (bei Starbucks – ich vergesse es nie!). Wir schlossen uns gerne anderen Reisenden an, denn diese Stadt barg die Gefahr, sich zu verlaufen.

Mit großen Augen beobachtete ich viele Menschen, die irgendein Plakat fotografierten – mit und ohne Selfiestick.

11.Osaka muss man den kennen
Muss man den kennen??

Vorsichtshalber fotografierte ich auch mal drauf los – man weiß ja nie, an welcher berühmten Plakatwand man dort stand.

11.Osaka Moni fotografiert
Alles wird festgehalten.

Werbung für die Expo war natürlich ebenfalls noch sehr präsent.

11.Osaka
Expo

Wir machten uns auf den Weg zurück Richtung Riesenrad und konnten gerade noch eine Mitreisende davon abhalten, Karten für eine Schiffsfahrt zu erwerben, denn eigentlich wollte sie mit uns hoch hinaus.

11.Osaka Riesenrad
Das Riesen-Rad ist eigentlich ein Riesen-Ei.

Gemeinsam suchten wir den Eingang und ich war wieder einmal sehr froh über meinen Übersetzer auf dem Handy. Nach langer, abenteuerlicher Suche fanden wir den Eingang zum Riesenrad schließlich in der zweiten Etage eines Kaufhauses. Vier Leute hatten in einer Gondel Platz und wir teilten uns auf 2 Gondeln auf. Was ich vor der Fahrt zwar sah, aber nicht wahrgenommen hatte war, dass die Gondel nicht rund, sondern oval war. Höchst irritiert hatte ich das Gefühl in einem freischwebenden Aufzug zu sitzen und fragte mich wieder mal, wer denn auf diese Idee kam, hier mitzufahren. Der herrliche Ausblick entschädigte für alles und über den Dächern Osakas war es ruhig und erhaben.

11.Osaka Riesenrad 1
Schön, den Menschen auch in den Hochhäusern auf die Terrasse blicken zu können.
11.Osaka Riesenrad 3
Eieiei – nur nicht direkt runterschauen…
11.Osaka Riesenrad oben
Was für ein Ausblick!!!

Gemächlich schlenderten wir nach diesen Eindrücken zurück Richtung Treffpunkt und ließen uns im Starbucks nieder. Ich hatte genug von der Stadt gesehen und wollte mich mit einem Eiskaffee belohnen. Tja, der Eiskaffee bestand aus schwarzem Kaffee und vielen Eiswürfeln…. Da hätte ich vorher etwas genauer schauen sollen. Für mich war er nicht trinkbar, aber eine Mitreisende erfreute sich dran.

11.Osaka Treffpunkt

Treffpunkt Starbucks Coffee – neben Eingang Einkaufsmall

letztes Abendessen auf unserer Reise

Pünktlich fanden wir uns alle am vereinbarten Treffpunkt ein und verfolgten Franz durch die Gassen.

11.Osaka Abends Gassen
Osakas Gassen sind bekannt…

Obwohl viele Menschen unterwegs waren, war es in den Nebengassen nicht mehr so hektisch und laut. Viele kleine Lokale sahen nett aus und ich konnte mir vorstellen, dass man hier gut seinen Abend verbringen kann.

11.Osaka Abends bunt
Bunt, bunter ….
11.Osaka unser Restaurant
am buntesten: hier kehrten wir ein.

Für uns war das Abendessen wie immer vorbestellt und wir freuten uns drauf. Misosuppe, Salat und noch zwei Köstlichkeiten standen schon am Platz und danach kam eine große Platte nach der anderen aus der Küche an unseren Tisch.

11.Osaka Abendessen Vorspeisen2
Vorspeisenmix

Franz erklärte wieder, was wir da vor uns stehen hatten. Sehr vieles hatten wir auf dem Markt in Kyoto gesehen und hatten nun tatsächlich die Gelegenheit, alles zu probieren.

11.Osaka Abendessen fritiertes Gemuese
frittiertes Gemüse
11.Osaka Abendessen
… ich glaube Reisbällchen mit dünnen Fleischscheiben….
11.Osaka Abendessen gesamt
… das nenne ich mal „schlemmen“!!

Während wir speisten, ging draußen ein Gewitter nieder. Wir warteten, bis der Regen etwas nachließ und gingen dann mit Franz zum Bus.

Riesenschreck

Franz hatte einen ziemlich strammen Schritt drauf und aufgrund der verwinkelten Gassen hatten wir Sorge, ob die letzten der Gruppe immer die richtigen Abbiegungen fanden.

11.Osaka Abends Werbung
Es gab so viel zu schauen…

Wir bremsten ihn mit Pfeifen und Rufen aus und er wartete, bis wir alle beisammen waren.

11.Osaka bei Nacht
Im Herzen Osakas bei Nacht bzw am Abend.

Ein junger, sehr netter Mitreisender (nennen wir ihn S.) sprach aufgeregt mit Franz und wir bekamen mit, dass er nachmittags (also 2-3 Stunden vorher) in einem Einkaufszentrum auf der Toilette war und dort seine Gürteltasche mit Reisepass, Geld und allen wichtigen Dokumenten hängen ließ. Franz regelte die Situation so, dass er Mario mit ihm schickte, um nach der Tasche zu suchen. Sie sollten dann mit dem Taxi ins Hotel nachkommen. Uns bat er zügig zu gehen, da der Busfahrer sein Zeitlimit am Parkplatz bereits überzogen hatte und Ärger drohte.

Jeder war in Gedanken bei S. und ich glaube, dass manches Stoßgebet für ihn gen Himmel ging.

Im Hotel checkten wir zunächst alle ein. Für den letzten Tag stand „Tag zur freien Verfügung“ im Programm und Franz bot privat eine kleine Tour an. Aus diesem Grund war später ein Treffpunkt in der Lobby des Hotels mit den Teilnehmern der privat geführten Tour vereinbart.

Dort erfuhren wir, dass S. seine Tasche mit allem Inhalt wieder hatte. Sie hing noch so auf der Toilette, wie er sie vergessen hatte – für uns undenkbar in einer Stadt wie Osaka…

12. Tag

14. 10. Route
Route am 10. Rundreisetag

Das letzte japanische Frühstücksbufett stand auf dem Programm und übertraf wieder einmal alles, was wir bisher schon sahen:

12.Osaka Fruehstueck Ceralien
Ceralien nach europäischem Standard
12.Osaka Fruestueck Reisbaellchen
Warme Reisbällchen
12.Osaka Rahmen Toppings
Toppings für Rahmen
12.Osaka Fruehstueck Grillstation
Grillstation – nein, nicht nur für Spiegeleier sondern auch für Steaks, Kobe – versteht sich…

Nach dem Frühstück wollte ich schon vor Helmut auf unser Zimmer gehen – und fand es nicht. Ich suchte es im 5. anstatt im 8. Stock… Im 5. Stockwerk waren wir im letzten Hotel. Auch daran merkte ich, dass es langsam Zeit für Verarbeitung und Ruhe wurde.

12.Osaka Hotel
12.OsakaHotel Blick
Blick vom Hotel in Osaka

Unsere Zimmer mussten wir morgens schon räumen und auschecken. Wir stellten die Koffer in einem Aufbewahrungsraum des Hotels ab. Manche Teilnehmer unserer Reisegruppe erkundeten Osaka auf eigene Faust. Dazu hätte ich weder Mut noch Lust gehabt. Für uns war ohne Überlegung klar, dass wir uns Franz’ Programm anschlossen.

Unser Hotel lag neben dem Bahnhof und wir fuhren mit dem Zug nach Uji, der Hauptstadt des Grüntees.

12.Osaka Bahnhof gleich gegenueber
Vorteilhaft, wenn der Bahnhof so nahe liegt.

Es war schön, praktisch zu erleben, was wir bisher theoretisch über die Bahn gehört hatten. Alles lief super geordnet ab.

12.Osaka Bahnhof geordnetes Warten
Geordnetes Warten auf den Zug – abgetrennt von den Gleisen.
12.Osaka Bahnticket miniklein
Auf das kleine Bahnticket muss man gut aufpassen, weil man damit auch wieder auscheckt.

Das Einzige, was mich störte waren unsere deutschen Mitreisenden, die sich im Zug laut unterhielten. Offensichtlich hatten sie die Information von Franz nicht gehört, der mehrfach darauf hinwies, dass in Zügen Ruhe herrscht.

Mimuroto Tempel

Mit Taxen fuhren wir zum Mimuroto Tempel. Theoretisch hätten wir auch laufen können, aber in Anbetracht der Hitze und der günstigen Taxipreise hielt Franz die Taxi-Variante für sinnvoller. Für uns war es ein weiteres nettes Erlebnis, uns von freundlichen Fahrern durch Uji kutschieren zu lassen.

12.Uji Taxen
…alle Taxen (und noch ein paar mehr) für uns.

Schnell stellten wir fest, dass diese Tempelanlage nicht überlaufen war und eher von Einheimischen besucht wurde. Durch das Tempeltor gelangten wir auf das Gelände und genossen den Park mit seinen Blumenbeeten. Leider war die große Blütenpracht von Hortensien, von der Franz uns erzählte schon verblüht, trotzdem war der Garten sehr schön anzusehen.

12.Uji Mimuroto Park
Wenn die Hortensien blühen ist das ein Blütenmeer.

Über eine lange Treppe erreichten wir den Tempel.

12.Uji Mimuroto Treppen nach oben
Noch einmal jammern über die Temperaturen … *lach
12.Uji Mimuroto Schrein
Schrein
12.Uji Mimuroto
Brunnen
12.Uji Mimuroto Glocke
Glocke

Eine versteckte Pagode und Statuen von einer Kuh, einem Hasen u.v.m. erzählten Geschichten.

12.Uji Mimuroto Pagode
12.Uji Mimuroto Schwein 1
Glückskuh – steht wenigstens drauf …
12.Uji Mimuroto Schlange als Gluecksbringer
Schlange als Glücksbringer
12.Uji Mimuroto Hase
Noch eine symbolträchtige Figur, die Glück bringen soll.

Für mich war der große Lotosblütengarten ein Höhepunkt in diesem Park. Lotosblumen wachsen selbst in schlammigem Wasser und deshalb sind sie ein Symbol für Reinheit, Wiedergeburt und spirituelles Wachstum. Der Lotos-Effekt ist bekannt: Wasser perlt ab und nimmt Schmutzpartikel mit, deshalb bleibt die Blüte sauber und trocken.

12.Uji Mimutoto Tempel mit Lotos
Nebengebäude umrahmt von Lotosblättern, auch ohne Blüten ein imposanter Anblick.
12.Uji Mimuroto Lotos2
12.Uji Mimuroto Lotos
12.Uji Mimuroto Schein mit Lotos

Wir hatten Glück: eine Gruppe Japaner trank dort anlässlich eines speziell für sie gebuchten Events Sake aus Lotosblättern. Wasser hätte ich auch daraus getrunken, aber Sake um 11 Uhr vormittags bei 34 feuchten Grad im Schatten hätte mir wahrlich nicht gutgetan. Eine Mitreisende ließ sich auf das Abenteuer ein und dieses Erlebnis nimmt ihr niemand *lach.

12.Uji Mimuroto Sake trinken
Die Japanerinnen machten es vor…
12.Uji Mimuroto Sake
Das ist ganz schön viel Sake..
12.Uji Mimuroto Weg zurueck
Durch den herrlichen Park ging es wieder zurück.

Teefelder

Mit den Taxen fuhren wir zurück zum Bahnhof von Uji und gingen von dort zu Fuß an Teefeldern vorbei zu einem Teemuseum.

12.Uji Teemuseum
Richtung Teemuseum
12.Uji Teefeld mit Bedachung
Teefeld mit Beschattungsvorrichtung
12.Uji Matcha Verkostung im Museum
Seminarraum im Teemuseum

Ich hatte vor Jahren einmal das Vergnügen in Malaysia in einer Teeplantage zu stehen, in der ganze Berghänge mit Teepflanzen bewachsen waren. So groß und erhaben war das Erlebnis in Uji nicht, aber mir als begeisterte Teetrinkerin gefiel es sehr gut.

Überraschungs-Mittagessen

Wir hatten nicht sehr viel Zeit für die Mittagspause und verließen uns auf den Tipp von Franz: „Dort geht es schnell und ist gut!“ Was er nicht wusste war, dass das Restaurant an diesem Tag sehr voll war… Wir waren 7 aus unserer Gruppe und verteilten uns auf 2 Tische. Als ich die Speisenkarte sah, war ich ein wenig enttäuscht. Es gab Pizza – mir widerstrebte es schon immer, in fernen Ländern vertraute Mahlzeiten zu bestellen. Der Zeitdruck ließ mir keine andere Wahl. Recht schnell kam das Essen und sah lecker aus. Man konnte sich außer Stäbchen auch Messer und Gabel nehmen, das vereinfachte ausnahmsweise die Nahrungsaufnahme. Die Überraschung erfolgte nach dem ersten Schnitt: denn der Boden war kein knuspriger Hefeteig, sondern Reis. Schon war ich mit der Pizzabestellung versöhnt. Die Pizza war sehr lecker und ich freute mich wieder einmal über eine schöne Erfahrung.

12.Uji Pizza
Pizza auf japanisch

Der Bezahlvorgang war ein wenig kompliziert, aber wir schafften es und hatten unsere Quittung in der Hand. Am Ausgang wurden wir von einer Angestellten aufgehalten, die uns bedeutete, wir hätten nicht bezahlt. Wir hatten unsere Quittung und legten sie vor, aber sie redete wild auf Japanisch auf uns ein und wollte uns nicht gehen lassen. Zum Glück war auch Franz in diesem Lokal zum Essen und wir holten ihn zur Hilfe. Er übersetzte, dass wir zu 7 gewesen seien und die andere Gruppe nicht bezahlt hätte. Sie nannte auch eine Tischnummer, die von uns aber nicht belegt war. Franz ging allem Ärger aus dem Weg und bezahlte die Zeche und wollte sich später darum kümmern. Natürlich hatten unsere Mitreisenden auch bezahlt und besaßen darüber auch eine Quittung. Vermutlich war ein Fehler im System oder es war wirklich jemand ohne Bezahlen gegangen – allerdings niemand von uns. Franz erklärte, dass er die Rechnung mit seinen Spesen verrechnen würde. Es handelte sich um einen Betrag von unter 20 €….

Ich fragte mich, was wir ohne Franz gemacht hätten. Nach deutscher Mentalität auf unser Recht gepocht? Da hätten wir auf alle Fälle Probleme bekommen können, die wir als Urlauber lieber nicht hätten haben wollen. – Wieder etwas gelernt!

Tee-Erfahrung

Der Zeitdruck bestand, weil wir einen Termin zu einer Tee-Erfahrung (bei uns sagt man eher Tee-Zeremonie) hatten – und zwar beim Sohn des Weltmeisters in Sachen Matcha-Tee. Matcha-Tee wird aus jungen, grünen Teeblättern hergestellt und hat einen milden und angenehmen Geschmack, ohne Bitterkeit. Ist der Tee bitter, ist die Sorte minderwertig. Auch bei der Zubereitung kann man einiges falsch machen. Wenn das Wasser nicht die richtige Temperatur hat, oder die Menge des Pulvers nicht passt, schmeckt der Tee nicht gut. Das Geschäft besteht seit 500 Jahren und der Sohn des Inhabers führt es bereits in 17. Generation. Die Begeisterung für sein Handwerk konnte man ihm anmerken.

12.Uji Matcha Inhabersohn
Der Sohn des Weltmeisters, 17. Generation in diesem Geschäft.

Einige Wochen vor der Ernte werden die Felder beschattet, um die Produktion von Chlorophyll und Aminosäuren zu fördern. Zarte Blätter aus der ersten Pflückung werden ausgewählt, gedämpft, getrocknet und früher von Hand in Granitsteinmühlen fein gemahlen. Ein Mahlvorgang dauerte 1 Stunde für 45 Gramm. Heute gibt es Mahlautomaten, aber der Mahlvorgang ist immer noch eine aufwändige Angelegenheit. Die sehr feinen Partikel geben dem hochwertigen Tee seine sattgrüne Farbe und den milden Geschmack.

22 Mitarbeiter arbeiten von 6-20 Uhr täglich daran, den hochwertigen Tee zu produzieren, zu verarbeiten und zu verkaufen. Ernteausfällen durch schlechtes Wetter steuern sie mit Bewässerung oder Beschattung der Pflanzen entgegen und mit beten.

Durch einen kleinen Zen-Garten wurden wir in einen Nebenraum des Geschäftes zur Teezeremonie geführt.

12.Uji Matcha Zenpfad

Alles war vorbereitet und der Meister zeigte uns, wie man Matcha-Tee zubereitet. Die richtige Menge an Pulver war schon in unseren Teeschalen und es wurde heißes Wasser aufgegossen.

12.Uji Matcha vorbereitet

Danach wurde mit dem Matcha-Pinsel kräftig gerührt – und zwar schnell und stark aus dem Handgelenk heraus. Richtig macht man es, wenn sich feiner Schaum wie beim Cappuccino bildet. Mir gelang es nicht und ich bekam Hilfe von einer netten Assistentin.

12.Uji Matcha Cappuchino
… so hätte es aussehen sollen – mit der leichten Schaumkrone.

Zu den Etiketten gehört auch, wie man die Teeschale in die Hände nimmt. Wenn ich es noch richtig weiß, wird sie zweimal im Uhrzeigersinn in beiden Händen gedreht, erst dann nimmt man, leise schlürfend, einen kleinen Schluck aus der Schale. Ich mochte den Tee und erinnerte mich, dass ich vor Jahren schon einmal Matcha-Tee getrunken hatte, dieser war allerdings sehr bitter. Vermutlich hatte ich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann…

Es war noch Zeit für eine Fragestunde und ich erfuhr, dass Sencha-Tee 4–5-mal aufgegossen werden kann. Dass die Wassertemperatur max. 80 Grad betragen soll, das wusste ich, das es besser ist, wenn es noch kühler aufgegossen wird, wusste ich nicht.  Sencha ist die Teesorte, die ich zu Hause gerne trinke und das neue Wissen will ich gerne anwenden.

Wird Matcha-Tee mit Milch getrunken so nennt man ihn Matcha-Latte. Es gibt auch Matcha–Salz oder Matcha-Seife, der aufgrund der enthaltenen Antioxidantien eine heilende Wirkung für die Haut zugesprochen wird. Nicht vergessen werden sollte das leckere Matcha-Eis, welches ich auf unserer Japan-Reise oft gegessen habe.

12.Uji Matcha Eiszunge
Wenn gute Inhaltsstoffe drinen sind, sieht die Zunge so aus *lach

Beim Weltmeister des Matcha-Tees kann man den weltbesten Macha-Tee bestellen.

12.Uji Matcha Zertifikat
Dieses Zertifikat bekamen wir.

Einen kurzen Abstecher machten wir noch zum Schwager des Inhabers, einem Schweizer, der vor kurzer Zeit einen eigenen Teeladen eröffnete. Alles in deutscher Sprache zu hören, fand ich nochmal bereichernd. Ich habe mir einen Nagisa-Tee mitgenommen, einen grünen Tee, den man kalt aufgießen kann. Über die Homepage kann man Tee bester Qualität bestellen.

Entlang des Ujigawa Flusses schlenderten wir zufrieden über diesen Tag wieder zum Bahnhof und fuhren mit dem Zug zurück ins Hotel nach Osaka.

12.Uji zurueck am fluss entlang
12.Uji zurueck am fluss boote
Schöner Spazierweg zurück zum Bahnhof.

Abschied

Im Hotel holten wir unsere Koffer und zogen uns in der Hotel-Toilette um. Nach diesem Tag in der Hitze und vor der langen Heimreise machten wir uns ein wenig frisch. Ich muss heute noch über den entsetzten Blick von ein paar Japanerinnen lachen, die im Hotel zur Toilette wollten und einige unvollständig angezogene, sich waschende Frauen antrafen. – Details ersparen wir uns an dieser Stelle.

Pünktlich wie gewohnt, kam unser Bus und brachte uns zum Flughafen nach Osaka.

Kandar san 1
Ein herzliches Dankeschön an Kandar san!!

Dieser Flughafen hat eine interessante Geschichte. Er liegt vor der Stadt Osaka auf einer künstlich aufgeschütteten Insel. Der Untergrund verdichtet sich immer mehr und dadurch sinkt der Flughafen langsam ab. Von 1994 bis 1995 waren es 48 cm. Von 2006 bis 2015 waren es nur noch 7 cm/Jahr. Der Plan war, dass dieser Vorgang sich verlangsamt und schließlich aufhört. Die Realität ist, dass dieser Plan nicht aufgeht und wenn nicht entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen werden, der Flughafen bis 2050 unter den Meeresspiegel sinken wird.

Ein paar Gedanken machte ich mir über die Menschen, mit denen ich in den letzten 12/13 Tagen viel Zeit verbrachte. Gegenüber den bisherigen Gruppenreisen, die wir machten, war der Altersdurchschnitt sehr viel jünger. Ich denke, dass wir bei den Ältesten waren. Ich bewunderte die Eltern, die ihren pubertierenden Kindern die Welt zeigten, freute mich über die Oma, die mit ihrem Enkel unterwegs war, den Vater mit seinem Sohn und die Mutter mit ihrer Tochter. Die allein Reisenden, ob jung oder alt passten gut in die Gruppe und wir waren allesamt eine homogene Gruppe – das war wenigstens mein Eindruck. Viele Lehrer waren mit uns unterwegs. Seit ich Kind war, habe ich ein gestörtes Verhältnis zu Lehrern und manche haben mein Bild bestätigt – die meisten aber nicht. Sie waren sogar ausgesprochen nett *lach. Sogar einen Promi hatten wir an Bord. (Wenn es in deinem Sinn ist, dann melde dich bei mir und ich verlinke dich….)

Reisen in andere Kulturen bieten immer Gelegenheit, sich zu entwickeln und das Gute aus der Welt in die Heimat zu tragen. Mit etwas mehr Achtsamkeit, etwas mehr Dankbarkeit und etwas mehr Umsicht wird das eigene Leben bereichert und wir machen die Welt an unserem Platz ein wenig schöner.

Unsere Reise war auf alle Fälle sehr gelungen auch durch unseren Reiseführer Franz. Er war mit Freude bei der Arbeit und hat uns seine Liebe zu Japan vermitteln können. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an Franz.

Auch an Mario, der ab und zu als „Feuerwehr“ einsprang und ansonsten bescheiden im Hintergrund unterstützte sei ein herzlicher Dank gerichtet. Für seinen weiteren Berufsweg wünschen wir ihm alles Gute.

13. Tag

Die Heimreise führte uns wieder über Dubai und war grundsätzlich vom Reiseveranstalter gut geplant. Ein Direktflug wäre für mich angenehmer gewesen, aber vermutlich stellt sich hier die Kostenfrage. Spät abends nach japanischer Zeit flogen wir ab Osaka 9,5 Stunden nach Dubai.

12.Weltuhr

Als wir unsere Plätze im Flugzeug eingenommen hatten, nahm neben uns eine Schülerklasse Platz. Sie waren schätzungsweise 12/13 Jahre alt. Ich konnte nur staunen, wie diese Jungens miteinander umgingen. Sie hatten ruckzuck die Spielekonsole im Flugzeug verstanden (ich wusste jetzt erst, dass es sowas gibt) und spielten. Sie hatten Spaß und lachten, aber alles war in normaler Gesprächslautstärke. Beim Essen ging es sauber zu und später, als die ersten einschliefen, achteten sie aufeinander. Als im Schlaf einem Jungen etwas herunterfiel, hob es der andere vorsichtig für ihn auf. Diese Achtsamkeit miteinander war für mich höchst beeindruckend!!

Hinter uns saß eine Gruppe junger Musiker aus einem anderen Land, etwa im Alter von 25/30 Jahren. Die unterhielten sich laut, als die meisten Leute schon schliefen und das Licht gedimmt war. Spannend, diese Unterschiede so hautnah zu erleben.

13.Flugroute

Wie schon auf dem Hinflug verlor ich aufgrund der 3 Zeitzonen jedes Zeitgefühl. Ständig wurde uns etwas zu Essen vorgesetzt – je nach Zeitzone Frühstück, Mittagessen, Abendessen und mein Magen spielte lange Zeit mit. Da man eigentlich nur sitzt und döst, verbraucht man kaum Kalorien und so war ich tatsächlich bei der letzten Mahlzeit noch satt. Wer mich kennt weiß, dass ich das nur habe, wenn ich krank bin *lach.

Gerächt hat sich das in Dubai, wo wir 3 Stunden Aufenthalt hatten und ich Hunger bekam. Ich aß das vermutlich teuerste Panini meines Lebens für 14 €. Es war warm, frisch und sehr lecker!!!

13 Legos in Dubai
Lego-Kunstwerk

Von Dubai nach Frankfurt flogen wir 6 Stunden und kamen pünktlich an.

13 Flug mit Emirates
Die Flüge waren mit Emirates und wir fanden es super!

Unseren Zug nach Karlsruhe erreichten wir gut und freuten uns auf vertraute Gesichter, die uns am Bahnhof abholten.

Im Zug bekam ich schnell den „deutsche Mentalitäts-Schock“. Wir hatten keine Platzkarten reserviert, da wir nicht genau wussten, ob wir den angepeilten Zug erreichen würden. Auf diese Entfernung kann man nicht so gut planen. Wir ergatterten trotzdem Sitzplätze. Während der gesamten Fahrt mokierten sich Herrschaften am Nebentisch darüber, wie man eine Reise machen könnte und dann die 5 € für die Sitzplatzreservierung sparen wollte. Dann solle man besser zu Hause bleiben. Wenn die keine anderen Sorgen haben, geht es ihnen wirklich gut!!!

Um 18.00 Uhr waren wir zu Hause und um 18.15 Uhr schlief Helmut schon *lach. Ich hielt noch bis 20.00 Uhr durch, dann war auch mein Tag vorbei.

Die Reise in Zahlen und Schluss

30 Stunden dauerte unsere Reise vom Hotel in Osaka bis nach Hause.

13.350 Flugkilometer legten wir von Osaka nach Frankfurt über Dubai zurück. Ungefähr die gleiche Entfernung kommt für den Hinflug dazu.

Auf unserer Rundreise fuhren wir ca. 2.600 km mit dem Bus und 300 km mit dem Shinkansen.

Täglich zeigte mein Schrittzähler 11.000 – 14.000 Schritte an, meistens bei Temperaturen und einer Luftfeuchtigkeit, bei denen ich zu Hause nicht vor die Türe gehen würde.

Den Gedanken an meinen ökologischen Fußabdruck während dieser Reise blende ich aus …

Einige aus der Reisegruppe mussten montags gleich wieder arbeiten und ich frage mich, ob und wie ich das geschafft hätte – und bin über den Luxus meines Rentnerlebens wieder einmal sehr dankbar. Es dauerte fast eine Woche, bis ich wieder „ganz da“ war. Die Zeitumstellung war weniger das Problem, weil wir gleich im neuen Tag-/Nacht-Rhythmus weiterlebten. Die vielen, vielen Eindrücke waren noch sehr intensiv präsent in unseren Herzen und in den Gedanken.

Ein Dank geht an Anette, die sich die Zeit genommen hat, den Bericht vorab zu lesen und mich auf den einen und anderen Fehler aufmerksam gemacht hat.

Japan ist ein blitzsauberes Land, in dem fast alles irgendwie anders ist, die Menschen sehr freundlich, die Atmosphäre entspannt, das Essen lecker und und und – wenn es nicht so weit weg wäre, würde ich sehr gerne öfter dorthin reisen wollen.

Bei der Recherche haben mir übrigens Wikipedia, Google und KI geholfen.

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2025.04._Dänemark Rundreise

Anreise

Die erste Übernachtung planten wir in Alsfeld. Den Wohnmobilstellplatz dort kennen wir bereits und wissen, dass man eigentlich immer einen Platz bekommt, auch wenn man erst spät abends dort ist.

2025.04.01 Alsfeld

Die Nacht war ziemlich kalt (die Heizung hatten wir etwas zu nieder eingestellt), die Autobahn hörte man ausnahmsweise und irgendwie fanden wir nicht richtig die Ruhe in dieser Nacht. In Gedanken gingen wir noch alles Mögliche durch, lag doch eine recht lange Reisezeit vor uns und wir waren aufgrund der Winterpause aus der Übung *lach.

Besuch

Etwas unausgeschlafen fuhren wir am anderen Morgen weiter zu unserem nächsten Ziel. Auf einer Reise durch Portugal und Galicien lernten wir Karin und Hildegard kennen und verstanden uns gut. Beide sprachen die Einladung aus: „wenn ihr mal mit eurem Wohnmobil vorbeikommt, meldet euch.“ So etwas sagt man ab und zu, wir allerdings nehmen das wörtlich *lach. Mit Karin hatten wir Kontakt gehalten und meldeten uns an. In der Gegend hinter Hamburg war uns ein weiteres Zwischenziel genau passend. Karin und Hildegard freuten sich sehr über unsere Ankündigung und wir verbrachten einen schönen Abend miteinander. Ein leckeres Frühstück rundete den Besuch ab und dankbar für den bereichernden Austausch verabschiedeten wir uns.

Erste Planänderung – Schlei

Beim Planen der ersten Übernachtung in Dänemark fiel uns auf, dass wir ziemlich nah an der Schlei vorbeifahren würden. Wir hatten im TV eine Dokumentation über die Schlei gesehen und waren sehr davon angetan. Wenn wir denn schon in der Nähe waren, bot sich ein Stopp dort an. Also war unser nächstes Ziel Schleswig an der Schlei. Einen Platz auf dem Stellplatz zu bekommen war kein Problem. Das sind die Vorteile, wenn man so früh im Jahr unterwegs ist. Ein kleines Problem mit unserem Stromanschluss konnten wir gottseidank rasch lösen: die Sicherung war „draußen“ und mit Hilfe des Handbuches war die Störung schnell behoben.

Wir waren ziemlich müde. Ich kannte das von früheren Besuchen im hohen Norden: ich muss mich erst an das Klima gewöhnen und das geht am besten mit viel schlafen. Auf einem Spaziergang durch das schöne Schleswig – übrigens bei 16 Grad und Sonnenschein – nahmen wir wieder viele neue Eindrücke auf. Der evangelisch-lutherische St. Petri-Dom ist sehr sehenswert. Er wurde schon im Jahr 1134 erstmals erwähnt und ist ein wichtiger Ort der gemeinsamen deutsch-dänischen Geschichte der letzten 900 Jahre.

2025.04.03 Schleswig Kirche
St. Petri Dom Schleswig
2025.04.03 Schleswig Kirche innen 1
Innenraum
2025.04.03 Schleswig Kirche Kreuzgang mit Garten 1
Kreuzgang mit Garten
2025.04.03 Schleswig Kirche Kreuzgang 1
Kreuzgang

Auch die Fischersiedlung Holm beeindruckte uns sehr. „Holm“ bedeutet im dänischen Sprachgebrauch „kleine Insel“ und das war es in früheren Jahren auch. Mittlerweile ist die Holm mit dem Festland verbunden und ein Stadtteil der Stadt Schleswig.

2025.04.03 Schleswig Holm

Ein kleiner Friedhof mit einer eigenen Kapelle ist von kleinen Fischerhäuschen umgeben. Alles war super gepflegt und wir empfanden eine friedliche und angenehme Atmosphäre, die dazu einlud zu bleiben.

2025.04.03. Schleswig Fischersiedlung Friedhof

Wir kamen mit einem Bewohner des Viertels ins Gespräch und er erzählte uns, wie hoch das Wasser bei Überschwemmungen schon stand und dass es immer noch viele Fischer gibt – immer weniger – aber es gibt sie noch. Er berichtete auch von der Gilde der Fischer „Holmer Beliebung“, die 1650 mit dem Ziel gegründet wurde, sich bei Krieg und Pest zu helfen. Die Gilde gibt es heute noch.

Am Strand entlang der Schlei gibt es für Kinder viele Möglichkeiten zum Spielen, Klettern und Toben – und im Sommer auch zum Baden. Wir staunten über die Weitläufigkeit und die ansprechende Gestaltung des Geländes. Gelegenheiten zum Shoppen und Kulinarik kommen in diesen Orten natürlich nicht zu kurz.

2025.04.03 Schleswig Kinderspielplatz
Kinderspielplatz in Schleswig
2025.04.03 Schleswig Hausboote
Hausboote warten auf die Saison

Die Möglichkeiten, sich mit den Wikingern zu beschäftigen ließen wir aus. Bestimmt kann man im Wikinger Museum Haithabu und im Wikingerdorf in eine ganz andere Welt abtauchen. Wir können einen Besuch in Schleswig echt empfehlen.

Kappeln

Am frühen Vormittag des 4. Tages fuhren wir ca. 40 km weiter nach Kappeln an der Schlei. Wenn schon Schlei, dann richtig! Wir peilten einen Stellplatz mit Platz für 100 Wohnmobile an und freuten uns auf Platz und Ruhe. Oft schon dachten wir etwas und es kam ganz anders: Der riesige Stellplatz beherbergt über den Winter Boote und im Sommer Wohnmobile. Anfang April stand beides dort, und zwar kunterbunt. Uns wurde gesagt, dass man sich überall hinstellen könne. Wenn ein Boot herausgezogen werden müsse, solle man eben sein Womo kurz zur Seite stellen.

2025.04.04 Kappeln Stellplatz mit Booten
Wohnmobile und Boote

Es fühlte sich ein wenig an wie auf einer Werft – eigentlich war es ja auch eine Werft. Viele Bootsbesitzer waren am Werkeln an ihren Booten. Superspannend war für uns zu sehen, wie die großen Boote mit einem Kran ins Wasser gehievt wurden. Dass man einen Kran braucht, um einen Segelmast zu stellen, war uns auch nicht bewusst.

2025.04.04 Kappeln Arbeit an Booten 1
Überall wurde gearbeitet
2025.04.04 Kappeln Boot ins Wasser letzte Arbeiten
Letzte Pinselstriche bevor es ins Wasser gelassen wurde.

Kappeln wird auch die Heringsstadt genannt. Große Schwärme von Heringen schwimmen von April bis Mai die Schlei hinauf zum Laichen. In dieser Zeit kann man wohl Unmengen davon angeln. Wir sprachen mit Wohnmobilisten, die extra zum Angeln herkommen, große Gefrierboxen in ihrem Womo installiert haben und tagtäglich am Wasser sitzen und Fische herausziehen. Am Ufer sahen wir einen Angler neben dem anderen. Kleine Boote mit angelfreudigen Menschen schipperten auf der Schlei umher. Wir staunten wieder einmal darüber, was wir alles nicht wissen und nicht kennen.

2025.04.04.Kappeln Angler am Hafen
Ein Angler neben dem anderen
2025.04.04 Kappeln gefangene Heringe
Gleich vor Ort wurden sie ausgenommen.

Die Schlei ist übrigens ein sogenanntes Bracken Gewässer. Sie ist mit dem Meer verbunden und führt natürlich Salzwasser. Je näher man Schleswig kommt, desto geringer ist der Salzgehalt des Wassers. Manche nennen die Schlei den einzigen Ostseefjord Deutschlands. Eigentlich sind Fjorde allerdings durch Gletscher-Fortbewegungen entstanden.

Die Schlei war eine Art Gletscher-Schmelzwasser-Abfluss. Sie ist 42 km lang und durchschnittlich 1,3 km breit. Sie hat eine geringe Strömungsgeschwindigkeit und ist bis auf 2 Ausnahmen nicht tiefer als 3-5 Meter. Die maximale Tiefe befindet sich bei Rabelsund und in der Missunder Enge mit 11-16 m.

Sehenswert ist die zweiflügelige Doppelklappbrücke, die in Kappeln über die Schlei führt. Sie wurde 2002 erbaut und wird tagsüber stündlich für hohe Boote (z. B. auch die mit hohen Segelmasten) geöffnet.

2025.04.04 Kappeln Klappbruecke ueber Schlei
Doppelklappbrücke in Kappeln

Ein Rundgang durch Kappelns Innenstadt lohnte sich auch. Viele Geschäfte, die keiner Kette angehören machten das Stadtbild vielfältig und interessant. Ein Einkauf in einem Fischgeschäft steigerte die Vorfreude aufs Abendessen im Womo *lach.

Auffällig waren viele Tafeln mit dem Abbild eines Herings und mit Namen drauf auf dem Boden in der Fußgängerzone. Das Internet verriet mir, dass es sich um Namen von Bürgern handelt, die sich mit Spenden an der Verschönerung der Stadt Kappeln beteiligt hatten. Es gibt sogar einen Verschönerungsverein!

2025.04.04 Kappeln Fische am Boden

Wir machten eine Fahrradtour zur Stadt Arnis. Das kleine Städtchen ist wirklich klein und fein. Besucher müssen ihre Autos vor den Toren der Stadt auf einem Parkplatz abstellen. Nur zur Fähre darf man fahren – die war allerdings außer Betrieb.

2025.04.04.Arnis
… noch nix los…

Der Weg nach Arnis führte uns durch wunderschöne Landschaften. Wir hatten enormes Glück mit dem Wetter, denn es war nicht kalt und der Himmel war strahlend blau.

2025.04.04 Kappeln Richtung Arnis

Eigentlich war unser Ziel ja Dänemark – eigentlich…

Ein Feuerwehrmann war abends auf dem Stellplatz unterwegs und kündigte für den kommenden Vormittag eine große Feuerwehrübung auf dem Gelände an. Wer abreisen möchte, könnte etwas beeinträchtigt sein, man könne – mit gebührendem Abstand – auch gerne zusehen. Hm, abreisen war jetzt eigentlich keine Option. Warteten doch wieder ganz neue Eindrücke auf uns. Wann kann man schon mal mitten in einer Feuerwehrübung sein???

Zweiter Tag in Kappeln

Der Morgen brachte uns die gleiche Erkenntnis wie der Vortag: wir stellen uns etwas vor und es ist dann ganz anders. Die Feuerwehrübung fand zwar statt, aber außerhalb unserer Wahrnehmung. Wir standen ziemlich am Ende des Stellplatzes und die Übung war am anderen Ende und wir hatten nichts davon mitbekommen. Das war aber nicht schlimm *lach

Die Sonne schien so schön wie am Vortag, allerdings stoppte ein eiskalter Wind ihre wärmenden Strahlen. Gottseidank hatten wir gemäß dem Motto: „es gibt nur falsche Kleidung“, gepackt. Mit Wintermütze und dicken Handschuhen war es auch auf dem Fahrrad erträglich.

Eine Womo-Nachbarin erzählte uns, dass aufgrund des Witterungswechsels die Fische nicht bissen – sie waren schon früh am Wasser unterwegs und es wären alle Angler wieder nach Hause gegangen. Wir spürten die Enttäuschung. Sie tröstete sich tapfer mit der Erklärung, dass so eben die Natur ist… Sie waren extra zum Angeln nach Kappeln gekommen.

Nach einer kleinen Rundfahrt mit dem Fahrrad in Kappeln erledigten wir noch ein paar Besorgungen. Aufgrund der frischen Temperaturen hatten wir natürlich im Womo die Heizung an. Eine Gasflasche war schon zu Hause nicht mehr voll. In Dänemark gibt es ein anderes Tauschsystem für Gasflaschen wie in Deutschland und die Anschlüsse passen auch nicht zueinander – man braucht einen Adapter. Um dieser Problematik aus dem Weg zu gehen war es unser Bestreben, mit 2 vollen Gasflaschen weiterzureisen. Über Google fanden wir heraus, dass in unserer Nähe ein Baumarkt war, der Gasflaschen verkaufte bzw. tauschte. Helmut schnallte sich die fast leere 11 kg Flasche aufs Fahrrad und wir machten einen Spaziergang zum Baumarkt.

2025.04.04 Kappeln Gasflasche

Aufgrund der Kälte wäre ich gerne im warmen Wohnmobil geblieben, aber dann hätten wir nichts mehr von dieser schönen Gegend gesehen. Also entschieden wir, noch eine kleine Radtour zu machen. Das war mal wieder eine gute Idee, denn über Rabel gelangten wir zum Rabelsund und hatten wieder einmal so ein Wow-Erlebnis: als wir aus dem Wald ans Wasser kamen: standen dort viele Angler – allerdings nicht am Strand, sondern bis zum Bauch im Wasser. Die Schlei hatte an diesem Tag 5,3 Grad!!

2025.04.04 Rabel Angeler im Wasser

Wir kamen mit einer „Männerrunde“ ins Gespräch, die sich frisch gefangenen Fisch direkt am Strand briet (ich darf das Foto von ihnen verwenden!). Sie hatten unter den Neoprenhosen, die man übrigens Wathosen nennt, noch 2 Thermohosen an. Der Filius unter ihnen war stolz wie Bolle, dass er den ersten Fisch geangelt hatte.

2025.04.05 Rabel Maennerrunde

An dieser Stelle an der Schlei war es windstill und deshalb waren die Temperaturen angenehm. Wir ließen diese tollen Eindrücke auf uns wirken und freuten uns, als noch ein Raddampfer vorbeizog – auch das sieht man nicht alle Tage. Auf dem Hinweg hatten wir mächtigen Gegenwind – die Rückfahrt war schön *lach.

2025.04.05 Rabel Raddampfer
Ein Raddampfer zog gemächlich an uns vorbei.
2025.04.05 Rabel Strand 1
Schöner Sandstrand an der Schlei.
2025.04.05 Rabel Haeuser 1
Sehr idyllisch

Abends hatte ich noch ein wenig am PC zu tun und danach bereiteten wir uns auf den kommenden Tag, den Sonntag vor. Nach dem Besuch eines Gottesdienstes in Kappeln wollten wir nun endlich nach Dänemark fahren.

2025.04.06 Grenze Norden
Wie soll man das denn verstehen???
2025.04.06 Grenze
Juchhu, endlich Dänemark

Assens auf Fyn (Fünen)

Wir hatten als erstes Ziel einen Stellplatz in Middelfart ins Auge gefasst. Die Fahrt durch das Land gefiel uns. Alles wirkte so schön aufgeräumt, großzügig und sauber. Die Insel Fünen ist ca. 2.985 qkm groß und es leben etwa 476.191 Menschen dort, das sind 159,5 Menschen pro qkm. Zum Vergleich: in Deutschland leben 232,8 Menschen auf einem qkm.

Als wir in Middelfart ankamen, fanden wir eine große Baustelle vor. Den Stellplatz hatte man wohl verlegt und wir mussten eine Weile suchen, bis wir ihn fanden. Es stand nur ein Wohnmobil da. Uns gefiel es dort, inmitten der Baustelle nicht und nach einer kleinen Mittagspause entschieden wir, den nächsten geplanten Stellplatz anzufahren. Er lag etwa 35 km weiter entfernt in der Stadt Assens – übrigens fast 1.000 km von zu Hause entfernt.

Assens liegt am kleinen Belt an der Westküste der Insel Fünen. Der Stellplatz befand sich direkt am Wasser und an einem Hafen, der Platz für 600 Boote hat. Zurzeit standen viele Boote noch an Land – auch auf Wohnmobilstellplätzen, das hatten wir in Kappeln schon gesehen. Es herrschte reger Betrieb – trotz Sonntag. Es wurde gewaschen, gestrichen und geräumt. Wir überlegten uns, dass dieses Leben ähnlich ist wie das Leben im Wohnmobil – nur eben auf dem Wasser. Wir hatten vor unserer Reise auch geputzt, geschrubbt, eingeräumt und alles überprüft.

2025.04.06 Assens schoener Stellplatz
Stellplatz direkt am Wasser.
2025.04.06 Assens Stellplatz
Schiffsnachbarn *lach

Gegenüber dem Stellplatz war ein Werftbetrieb mit zwei Docks, eines davon überdacht. Wir machten es uns gerade im Womo mit einer Tasse Kaffee gemütlich, als wir sahen, dass aus dem überdachten Dock ein großes Schiff herausgezogen wurde. Flugs hatte ich Jacke und Schuhe an und spurtete den Steg entlang in die Nähe dieses – für mich – Spektakels und konnte es tatsächlich filmen. Ein kleines Boot zog dieses riesige Schiff heraus. Hinten angehängt war noch ein kleines Boot, um zu stabilisieren. So etwas aus der Nähe zu sehen, fand ich schon großartig.

2025.04.06 Assens grosses Schiff aus Werft
Sehr beeindruckend!!

Interessant ist auch das sogenannte „Erdbecken“ von Assens. Von 1884-2006 wurde in der Zuckerfabrik in Assens Zucker aus Zuckerrüben gewonnen. Die vielen herbeitransportierten Zuckerrüben mussten gewaschen werden und es fielen riesige Mengen an Erde an. Die Erde wurde im ehemaligen Sumpfgebiet gelagert, was dieses von 0,5 m auf ca. 10 m über den Meeresspiegel anhob. Heute ist es ein wunderschönes 40 Hektar großes Naturschutzgebiet, welches wir am Nachmittag durchwanderten. An die frühere Zuckerfabrik erinnert nur noch der restaurierte Schornstein.

2025.04.06 Assens Natuschutzgebiet 2
Naturschutzgebiet
2025.04.06 Assens Naturschutzgebiet
Friedliche Natur
2025.04.06 Assens Abendstimmung
Abends der Blick aus dem Womo.
2025.04.06 Assens Abendstimmung leerer Hafen
Der Jachthafen war noch ziemlich leer.

Nach einer ruhigen und erholsamen Nacht nahmen wir uns vor, den Tag entspannt zu gestalten. Zunächst wählten wir uns per Videokonferenz in unseren Englischunterricht ein. Parallel dazu lief bereits die Waschmaschine und anschließend der Wäschetrockner. Da die Wäsche nach 30 Min. im Trockner noch nicht ganz trocken und das Guthaben auf der Bezahlkarte verbraucht war, ließen wir die Wäsche am Womo im Wind fertig trocknen. Es war Zeit, ein wenig aufzuräumen und zu putzen. Mit alltäglichen Arbeiten kann ich gut meine Eindrücke verarbeiten…

2025.04.07 Assens Waschmaschine
Waschmaschine und Trockner auf Stellplatz
2025.04.07 Assens Waesche trocknen
Meditation: Wäsche trocknen lassen

Nachmittags machten wir einen Spaziergang nach Assens, ein kleines beschauliches Städtchen. Die Fußgängerzone war ziemlich menschenleer und wir genossen es wieder einmal, so früh im Jahr zu sein.

2025.04.07 Assens Innenhof
Hinterhof in Assens
2025.04.07 Assens rotes Haus

Die protestantische Kirche „Church of our Lady“ gefiel uns gut. Wir wurden auf ein Bild an der Wand aufmerksam gemacht, das von zwei Seiten betrachtet, unterschiedliche Motive zeigte. Bestimmt gibt es dafür einen speziellen Begriff, den ich allerdings bei Google nicht fand. Wenn ich den Informanden richtig verstand, gibt es so eine Technik nur 7-mal auf der Welt.

2025.04.07 Assens Kirche
Church of our Lady
2025.04.07 Assens Kirche Bild von vorne
Ansicht von vorne
2025.04.07 assens Kirche Bild von links
Ansicht von links
2025.04.07 Assens Kirche Bild von rechts
Ansicht von rechts

Bevor der nächste Einkauf an Lebensmitteln anstand, schlenderten wir entspannt durch einen dänischen Supermarkt, der auf dem Heimweg lag. Ich mag es, zu schauen, was man in anderen Ländern so isst. Dass die Preise höher sind als in Deutschland war uns vorher bewusst. In Dänemark gibt es eine Mehrwertsteuer von 25 %. Teuer sind Alkohol – das ist uns egal – und Süßigkeiten, da eine extra Zuckersteuer berechnet ist. Ein paar Kekse hatten wir noch an Vorrat und wenn es uns zu teuer sein sollte, Kekse zu kaufen, dann leben wir eben gesund – ohne Zucker *lach.

Rudköbing auf Langeland

Der Abschied von Assens fiel uns schwer, wir hätten noch ein paar Tage länger bleiben können, so wohl fühlten wir uns. Da wir aber einen Plan hatten, machten wir uns auf den Weg zu neuen Eindrücken. Die Fahrt von ca. 90 Minuten führte uns durch das weite, dünn besiedelte Land. Genau diese Weite war es, die uns während unserer Busreise nach Skandinavien so sehr beeindruckte, dass wir nun hier unterwegs waren. Alles ist weit und sauber.

2025.04.08 Langeland Landesinnere

Das Gefühl von Hygge stellte sich ein. Dieses Lebensgefühl ist Kernbestandteil der dänischen Tradition und umfasst eine herzliche sowie gemütliche Atmosphäre, in der man zusammen mit seinen Lieben das Gute des Lebens genießt. Daher ist es kein Wunder, dass Dänemark im World Happiness Report weit vorne landete. Das Land verteidigte seinen zweiten Platz vom Vorjahr und kam auf einen Glückswert von 7,521. Im Jahr 2016 stand Dänemark sogar noch auf Platz eins – bevor Finnland sich vorbeischob. Genau dieses Gefühl der Zufriedenheit der Däninnen und Dänen spürten wir und es steckte an.

Auf unserer Fahrt entdeckten wir unter anderem, dass die Postautos blau sind, die Polizei Politia heißt und NETTO ein Geschäft für Hundebesitzer ist – das dache ich tatsächlich ganz lange *lach.

2025.04. NETTO
… man könnte wirklich meinen …

Die Toiletten und Duschen auf den Stellplätzen sind sehr häufig unisex – also wie daheim. Da hat auch nicht jedes Geschlecht eine eigene Toilette.

Nicht gefällt uns, dass die Hundebesitzer die Hinterlassenschaften ihrer Hunde liegen lassen. Neutral sehen wir, dass Hundebesitzer ihre Hunde stets an der Leine führen sollten, außer es ist ausdrücklich erlaubt, den Hund frei laufen zu lassen.

Die vielen Kleinigkeiten, die anders sind als zu Hause, interessieren uns.

Eine sehr nette Wohnmobilnachbarin erzählte mir, dass die Dänen sehr gut deutsch verstehen, weil sie Filme in deutscher Sprache mit dänischen Untertiteln schauen. Die Synchronisation würde sich für die wenigen dänisch sprechenden Bewohner nicht lohnen. Unsere Erfahrung bestätigte, dass wir von fast jedem, den wir gefragt hatten, „Sprechen Sie deutsch?“, die Antwort bekamen: „ein bisschen“ und wir dann in nahezu perfektem Deutsch kommunizierten. Ich habe deshalb die Aussage der Wohnmobilnachbarin ungeprüft übernommen.

Wir überquerten die Insel Tasinge. Auf 69,5 qkm leben ca. 6.400 Menschen (92,1 Menschen/qkm). Überrascht waren wir, dass es vor unserem Ziel noch eine Insel, bzw. ein Insele zu durchfahren galt: Siö mit 1,32 qkm und ca. 24 Einwohnern (18,2 Menschen/qkm) wirklich klein. Die Zahlen stammen alle aus dem Jahr 2023 lt. Wikipedia.

2025.04.08 Langeland nach Rudkoebing 4

Alle Inseln konnten wir bis jetzt per Brücke erreichen. So auch die Insel Langeland über eine 770 m lange Brücke die erst 1962 fertig gestellt wurde. Langeland ist 52 km lang und ca. 11 km breit. Auf 283 qkm leben ca. 12.200 Einwohner (43,1 Menschen/qkm). Der Hauptort der Insel ist Rudköbing, der in der Inselmitte liegt.

2025.04.08 Langeland nach Rudkoebing 3
Überall Wasser und weites Land – so schön …

Der Wohnmobilstellplatz liegt an der Marina und auch hier standen noch viele Boote an Land und wurden nach und nach ins Wasser gelassen. Mittlerweile hatten wir uns schon an diesen Anblick gewöhnt. Der Blick vom Womo aus auf die große Brücke war sehr beeindruckend.

2025.04.08 Langeland Rudkoebing Bruecke
Blick vom Womo

Wir machten eine wunderschöne Fahrradtour quer über die Insel nach Spodsbjerg.

2025.04.08 Langeland Landesinnere Radtour
Idyllischer Radweg

Von dort geht die Fähre zur Nachbarinsel Lolland ab. Sie braucht dazu 45 Minuten. Als hätte sie auf uns gewartet konnten wir ihr beim Auslaufen zusehen.

2025.04.08 Langeland Faehre nach Lolland

Ortsnamen wie Tullebölle oder Simmerbölle erheiterten uns. Die dänische Sprache klingt für unsere Ohren sehr fremd. Manchen Sinn konnten wir erahnen, wenn wir es lasen, aber gesprochen klang es für unsere Ohren bis zum Schluss sehr fremd. Einige Buchstaben gibt es auf unserer PC-Tastatur gar nicht. Ich benutze dann ä oder ö.

2025.04.08 Langeland Rudkoebing Sonnenuntergang am SP
Viel schöner geht nicht …

Die Dänen grüßen mit einem freundlichen „Hej“.  Das ging uns gut ins Ohr und wir grüßten freundlich zurück *lach. Liebe Leser*innen, versucht mal mit mürrischer Laune „Hej“ zu grüßen – das geht gar nicht!!

Die Inseln Lolland und Falster

Am nächsten Morgen wachten wir beide relativ unausgeschlafen aus. Hatten wir ein bisschen viel frische und kalte Luft abbekommen? Egal, wir hatten Urlaub und ließen es gemütlich angehen. Unseren ursprünglichen Plan, über die Storebältbrücke auf die Insel Seeland zu fahren, verwarfen wir und entschieden uns dafür, mit der Fähre von Spodsbjerk auf Langeland nach Tärs auf Lolland zu fahren. Ohne Probleme bekamen wir um diese Jahreszeit einen Platz auf der nächsten Fähre und genossen die 45-minütige Überfahrt.

2025.04.09 Langeland Lolland Faehre
In der Saison wird die Fähre voller sein.

Auf der anschließenden Fahrt mit dem Wohnmobil über die Insel Lolland erschien es uns, als ob das Land noch flacher und noch weiter war, als wir es bisher gesehen hatten. Man konnte am Mittwoch schon sehen, wer am Sonntag zu Besuch kommt *lach – ein Spruch aus dem norddeutschen Raum. Lolland ist ca. 58 km lang und 15-25 km breit und flächenmäßig die viertgrößte Insel Dänemarks. Es leben auf Lolland ca. 57.500 Menschen auf 1.243 qkm (46,3 Menschen/qkm).

2025.04.09 Lolland weites Land

Der angepeilte Stellplatz in Saksköbing befand sich weitestgehend noch im Winterschlaf. Wir hätten dortbleiben können, aber so einsam und alleine gefiel es uns doch nicht. Andere Stellplätze/Campingplätze in der Nähe waren zum Teil noch geschlossen, oder zu weit entfernt von unserer Grundroute. Das waren Nachteile der frühen Jahreszeit…

Wir fuhren weiter zur Insel Falster, in einen außerhalb gelegenen Vorort von Nyköbing. Ausnahmsweise wählten wir einen Platz aus, der nicht am Wasser lag und freuten uns über einen großzügigen, ruhigen Platz, der alles bot, was Camper brauchen. Wir wollten sowieso einen Ruhetag einlegen. Die Insel Falster ist 513 qkm groß und hat ca. 42.000 Einwohner (81,9 Menschen/qkm). Über ein Drittel der Inselbewohner leben in Nyköbing.

2025.04.09 Falster Nykoebing schoener SP zum Ausruhen
Angenehm ruhig, sauber und alles vorhanden, was Camper brauchen.

Zealand / Rödvig und Stevns Klint

2025.04.10 Insel Bogoe
Insel Bogö

Weiter ging unsere Reise, zunächst über das Inselchen Bogö (7 km lang, 3 km breit, Fläche von 13,07 qkm und ca. 1170 Bewohner (89,5 Menschen/qkm)) auf die Insel Seeland (Zealand). Sie ist die größte dänische Insel mit 2.369.347 Einwohnern auf 7.031 qkm (337 Menschen/qkm). Mehr als die Hälfte davon leben in Kopenhagen.

Unterwegs stellten wir fest, dass alle Tankstellen die gleichen Preise hatten, sogar an der Autobahn. Das ist praktisch, denn man braucht keine App, um zu erkunden, wo es gerade am günstigsten ist. Interesse steuerte mal wieder die Wahrnehmung.

Auf dem Stellplatz Rödvig Fiskerihavn fühlten wir uns gleich wohl. Er war schon „aus dem Winterschlaf erwacht“ und lebhaftes Treiben, ein gemütliches Café und freundliche Dänen taten uns gut. Eine meiner ersten „Amtshandlungen“ war, einem „Schiffsnachbarn“ zu helfen, sein Boot festzuzurren. Er war wohl noch ein wenig aus der Übung und dankbar für die helfenden Hände.

2025.04.10 Zealand Roedvig Fiskerihavn SP
Wieder ein schönes Plätzchen…

Wir machten eine kleine Radtour zu Stevns Klint. Der Kalk- und Kreidefelsen Stevns Klint zählt zum UNESCO-Welterbe, weil man hier besser als irgendwo sonst auf der Welt die Spuren der Katastrophe erkennen kann, die vor 66 Millionen Jahren mehr als die Hälfte aller Arten auf der Erde auslöschte. Ein Ereignis, das wiederum Platz für das Leben schuf, wie wir es heute kennen.

Die alte Höjerup Kirche lässt sich heute sicher betreten, auch der Balkon. 1928 stürzten der Chorraum und Teile des Friedhofs ins Meer. An mehreren Stellen auf diesem Küstenabschnitt sind Gedenk- und Informationstafeln aufgestellt.

2025.04.10 Zealand Stevns Klint Kirche aussen
2025.04.10 Zealand Stevns Klint Kirche zum Meer

Ein Museum erzählt Interessantes zum Kalten Krieg, ein Leuchtturm lädt zum Erklimmen ein und schöne Wanderwege zum Wandern und fast überall hat man traumhafte Ausblicke auf die Ostsee.

Der Rückweg gestaltete sich zäh: gegen den Wind… Wir gönnten uns im Womo eine Pause, um die vielen Eindrücke sacken zu lassen.

Abends machten wir einen schönen Strandspaziergang. Der feine, weiße Ostseesandstrand gefiel uns gut und wir wollten uns gar nicht vorstellen, wie es hier zur Hauptsaison aussieht. Viele kleine und große und sehr hübsche Ferienhäuschen ließen es uns ahnen.

2025.04.10 Zealand Roedvig Fiskerihavn Sandstrand

Lustig war, dass wir am Hafen ein paar Deutsche beim Fotoshooting trafen, wovon zwei an diesem Tag in Rödvig standesamtlich geheiratet hatten. Der Wind frischte schon ziemlich auf und mir tat die Braut ein wenig leid, wie sie in die Kamera strahlen musste/wollte und mit Sicherheit sehr fror.

2025.04.10 Zealand Roedvig Fiskerihavn Hochzeit

Der Wind nahm abends und nachts zu und die Nacht wurde unruhig für uns. Bei jeder Windbö wackelte das Wohnmobil und man hörte, wie der Wind in den Seilen und Masten der Schiffe sonderbare Geräusche machte. Gewiss war es noch kein Sturm, aber mir reichte es *lach.

Ringsted

Ziemlich gerädert wollten wir in der nächsten Nacht definitiv einen ruhigen Schlafplatz. Der Himmel war bewölkt, es hatte angenehme 13 Grad auf dem Thermometer und wir entschieden uns für einen Stellplatz über die App „park4night“ in Ringsted. Normalerweise suchen wir unsere Plätze über die App „StellplatzRadar“ von Promobil.

In Dänemark gibt es nicht sehr viele Stellplätze und einige hatten noch geschlossen. Rund um Kopenhagen gestaltete sich die Suche schwierig. Das Preisniveau stieg auch erheblich an. Wir hatten Glück: in Ringsted bietet die Stadt einen kostenlosen Platz für 6 Mobile incl. Strom an. Wie in Dänemark mittlerweile gewohnt, war alles sauber und top gepflegt. Ein Dank an die Stadt!! Gleich nebenan befand sich ein Schwimmbad, wo man duschen konnte, wenn man denn wollte.

Abends war der Platz übrigens voll – wir waren also nicht die einzigen Bekloppten, die Anfang April nach Dänemark fuhren. Viele Schweden waren unterwegs, Dänen natürlich auch und wir hatten sogar Nachbarn aus Frankreich.

2025.04.11 Ringsted

Ringsted hat ein schönes Outlet und wir gönnten uns ein paar Stunden Kaufrausch *lach, nein, natürlich nicht. Aber schön war es trotzdem!!!

Kopenhagen

Der Plan war, zunächst an der Kirche in Kopenhagen die Parkplatzsituation anzuschauen, da mit dem großen Fahrzeug nicht überall geparkt werden kann. Danach wollten wir auf einen Stellplatz in ein paar Kilometern Entfernung fahren und am Sonntagmorgen wieder zurück. Wir hatten im Vorfeld schon per E-Mail Kontakt mit der Kirchengemeinde in Kopenhagen aufgenommen und es war angedacht, evtl. im Kirchenhof zu übernachten. Unsere Information war, dass die Toreinfahrt vermutlich zu eng für unser Womo sei. – Sie war es nicht und wir änderten spontan unseren Plan. Wir parkten das Womo im Kirchenhof und fuhren mit den Fahrrädern ca. 9 km ins Zentrum rund um den Hafen.

2025.04.12 Kopenhagen Kirche SP
Gut versteckt mitten in Kopenhagen *lach

Fahrradfahren in Kopenhagen ist ein Abenteuer!! Es gibt Fußgängerwege und daneben Fahrradwege, die so breit sind, dass 2 Fahrräder locker nebeneinander fahren können. Auf beiden Straßenseiten – damit keine Missverständnisse aufkommen. Die Fahrradfahrer waren ziemlich flott unterwegs und wir Landeier hochkonzentriert. Ab und an überholte uns ein Lastenfahrrad mit Mutter, Kind und Einkauf drin – Vater trat in die Pedale… dann wurde es schon ziemlich eng.

Wir hatten den Eindruck, dass alle aufeinander aufpassten. Fußgänger gingen nicht auf den Fahrradwegen, Fahrräder hielten an jeder Fußgänger Ampel und Autos waren ebenfalls rücksichtsvoll. Linksabbiegen mit dem Fahrrad war für uns irgendwie schwierig und wir schoben unsere Räder sicherheitshalber über den Fußgängerübergang *lach.

2025.04.12 Kopenhagen Fahrraeder
Hoffentlich finden wir unsere Fahrräder wieder.
2025.04.12 Kopenhagen Fahrradbruecke
Fahrrad- und Fußgängerbrücke
2025.04.12 Kopenhagen Fahrradbruecke vom Wasser aus
Fahrradbrücke vom Wasser aus

Nachdem wir unsere Räder an einem der unendlich vielen Fahrradständer mit unendlich vielen Fahrrädern untergebracht hatten, stürzten wir uns ins Getümmel. Sprachen aus aller Welt erreichten unser Ohr und wir ließen uns von der Heiterkeit und Leichtigkeit anstecken.

2025.04.12 Kopenhagen4
Kopenhagen
2025.04.12 Kopenhagen1
2025.04.12 Kopenhagen3
Unglaublich teure Wohnungen …
2025.04.12 Kopenhagen7
Beschauliche Plätze mitten in der Stadt

Staunend standen wir vor dem großen königlichen Opernhaus. Mit seinem weit ausladenden Metalldach und dem vielen Glas war es ein echter Hingucker. Das Haus hat 14 Stockwerke, davon sind 5 unterirdisch und es gilt als eine der modernsten Bühnen der Welt. Es wurde dem dänischen Staat von dem dänischen Reeder und Milliardär Arnold Märsk Mc-Kinney Möller geschenkt. Die erste Opernaufführung fand im Januar 2005 statt.

2025.04.12 Kopenhagen Oper 1
Schöne Parkanlage um die Oper
2025.04.12 Kopenhagen Oper
2025.04.12 Kopenhagen Oper vom Wasser aus
Oper vom Wasser aus

Dieses schöne Ambiente ließen wir bei einem Espresso und einem Stück Kuchen auf uns wirken und sogen die vielen Eindrücke auf. Preislich ist Kopenhagen auf einem sehr hohen Niveau, aber trotzdem waren die Cafe´s und Lokale voll.

2025.04.12 Kopenhagen Kaffee trinken
2025.04.12 Kopenhagen Preise
Preise geteilt durch 7 = ungefährer Preis in Euro

Eine Kanalrundfahrt rundete unser Kopenhagen-Erlebnis ab. Der Blick vom Wasser aus war nochmal intensiver als der an Land. Ein netter Guide erzählte in 3 Sprachen, woran wir gerade vorbeifuhren.

2025.04.12 Kopenhagen Bootsfahrt
Eines von vielen Touristen-Booten

Vieles hatten wir im Jahr 2022 bereits gesehen, als wir im Rahmen unserer Skandinavien Tour eine Stadtrundfahrt mit dem Bus durch Kopenhagen machten. Besonders klar wurde uns das, als wir an der Börse vorbeifuhren, denn diese brannte genau vor einem Jahr im Frühjahr 2024 zu 60 % ab. Wir sahen sie damals noch intakt und jetzt verhüllt. Sie soll komplett wieder rekonstruiert werden.

2025.04.12 Kopenhagen Boerse verhuellt wegen Brand
Verhüllte Börse

Die kleine Meerjungfrau war immer noch sehr klein.

2025.04.12 Kopenhagen kleine Meerjungfrau
Wirklich kleine Meerjungfrau

Der König war dieses Mal zu Hause, die Flagge auf dem Dach verriet es.

2025.04.12 Kopenhagen Koenig ist zu Hause Bootsanleger
Anlegestelle der königlichen Familie. In den Pavillons warten sie auf´s Boot.

Die königliche Bibliothek, wegen ihrer auffälligen Bauweise auch der „Schwarze Diamant“ genannt war von der Wasserseite aus ein toller Hingucker.

2025.04.12 Kopenhagen schwarzer Diamant
Schwarzer Diamant

Die Müllverbrennungsanlage von Kopenhagen ist weit über die Grenzen hinaus bekannt, weil sie parallel von der Bevölkerung als Skiabfahrt und als Kletterpark genutzt werden kann.

2025.04.12 Kopenhagen Muellkraftwerk
Müllverbrennung

Wir fuhren an einer Sauna vorbei, die mit einer großen Glasfront zum Hafen hin einen super Ausblick beim Schwitzen bot. Abgekühlt wird übrigens in der Ostsee. In Dänemark geht man mit Badekleidung in die Sauna.

2025.04.12 Kopenhagen Sauna
Sauna

Und den Kanuverleih, der des Öfteren schon in der Presse stand, weil man kostenlos ein Kanu leihen kann, wenn man Müll am Ufer und im Wasser einsammelt, sahen wir auch.

2025.04.12 Kopenhagen Hygge auf dem Boot
Hygge – Familienzeit auf dem Boot
2025.04.12 Kopenhagen Tunnelfahrt
Kanal- und Tunnelfahrt *lach

Viele, viele Eindrücke lassen sich gar nicht wieder geben. Wir brauchten uns nach der Kanalrundfahrt gar nicht abzusprechen: wir waren beide ko und hatten noch 9 km Fahrt mit dem Rad durch eine quirlige Stadt vor uns. 

Sonntag – weg vom Getümmel

Selten hatten wir so einen kurzen Kirchgang: nur um die Hausecke herum. Wir wurden sehr freundlich aufgenommen, bekamen sogar einen kleinen Predigtteil in deutscher Sprache und konnten uns nach dem Gottesdienst bei einer Tasse Kaffee noch ein wenig mit den dortigen Christen austauschen. Interessant für uns war, dass viele Deutsche nach Kopenhagen und Umgebung ausgewandert waren bzw. deutsche Vorfahren haben. Eine Familie, die wir im Jahr 2022 in Oberstaufen kennenlernten, wohnt in Kopenhagen und wir freuten uns, dass wir uns wiedersahen.

Nach dem Gottesdienst machten wir uns auf den Weg Richtung Insel Fünen – dieses Mal über die Störebalt-Brücke. Sie wurde 1988-1998 erbaut und die Kosten von 3,8 Milliarden Euro sollen innerhalb von 35 Jahren mit Hilfe von Mautgebühren refinanziert werden. Wir haben unseren Beitrag dazu geleistet. Man muss allerdings auch wirklich anerkennen, dass es eine enorme technische Leistung ist, eine Brücke von 18 km zu bauen!! Gebraucht wird sie sehr, denn durchschnittlich fahren täglich 27.000 Autos darüber. Zur Hochsaison im Sommer liegt das Verkehrsaufkommen bei ca. 40.000 Autos pro Tag.

2025.04.13 Storebaelt Bruecke2
Störebalt-Brücke
2025.04.13 Storebaelt Bruecke
Störebalt-Brücke

Vor der Brücke machten wir eine ausgiebige Mittagspause und genossen den Blick auf dieses gigantische Bauwerk. Interessant war ein kleines Museum auf diesem abgelegenen Stückchen Land, welches anschaulich zeigte, wie die Menschen damit umgingen, als die Ostsee in den Wintern 1927 und 1940 zugefroren war. Die Eisbrecher-Schiffe hingen selbst fest und die Besatzungen mussten gerettet werden. Mit Booten, die übers Eis geschoben wurden, konnte Material transportiert werden. Aufgrund der aktuellen Klimasituation werden wir solche Winter vermutlich nicht mehr erleben müssen.

2025.04.13 Museum
Sehenswertes, kleines Museum

Kerteminde

Der Stellplatz in Kerteminde am Hafen war gut gefüllt und zum ersten Mal auf unserer Reise sahen wir mehrere Fahrzeuge aus Deutschland. Kerteminde ist ein sehr hübsches Städtchen. Es wurde von Naturkatastrophen und Feuer weitestgehend verschont und deshalb findet man gut erhaltene Häuser, die in den Jahren um 1.600 erbaut wurden.

2025.04.13 Kerteminde1
Gepflegte alte Häuser
2025.04.13 Kerteminde
2025.04.13 Kerteminde2
Abendstimmung am Hafen

Wieder fiel uns auf, dass die Fenster nach außen aufgehen, wie wir das schon in England gesehen hatten. Wir überlegten, warum das so ist. Helmut hatte die Idee, dass es aufgrund des Windes sein könnte. Der Wind drückt die Fenster dann quasi zu. Mit dieser Erklärung kann ich gut leben.

2025.04.07 Assens Fenster nach aussen
Wie will man diese Fenster von außen putzen??

Julesminde

Nachdem wir uns wieder zu Hause in den Englischunterricht eingewählt und tapfer gelernt hatten, machten wir uns auf den Weg Richtung Festland. Unterwegs begleiteten uns ab und zu ein paar Regenschauer. Dazwischen schien immer wieder die Sonne. Nach einem Blick auf die Wetterapp machten wir uns aber keine Sorgen.

Auf Höhe von Veile hatte Helmut den Impuls, früher anzuhalten und flugs fand ich einen Stellplatz auf der App. Veile scheint eine Industriestadt zu sein und gefiel uns nicht. Wir staunten über „bergiges Land“. Das hatten wir auf unserer Reise so noch nicht gesehen. Der Stellplatz war in ungünstiger Lage zwischen Industrie und Industriehafen, sodass wir gleich zum ursprünglichen Ziel durchstarteten.

Gottseidank taten wir das, denn ein wunderschöner Stellplatz an einer Marina in einem kleinen und sehr feinen Ort, namens Juelsminde, erwartete uns.

2025.04.14 Julesminde Stellplatz

Am Hafen war eine kleine Promenade mit schönen Lokalen, einer Eisdiele, einem Fischgeschäft und Geschäften zum Bummeln. Nach einem Orientierungsgang wollten wir mit den Fahrrädern nach Björnsknude, der äußersten Spitze der Halbinsel Juelsminde. Von dort gab es um 1500 eine Fährverbindung zwischen Jütland und der Insel Fünen.

Google Maps gab uns die gleiche Route für Fahrräder wie für Fußgänger an. Nach der Hälfte des Wegs war allerdings nur noch Sandstrand und das Fahren mit den Rädern unmöglich. Wir ließen die Räder stehen und stapften zu Fuß weiter durch den Sand.

2025.04.14 Julesminde Sandstrand
Da kann man nicht mehr radeln…
2025.04.14 Julesminde Sandstrand Raeder
… dann halt zu Fuß weiter…

Die Natur fanden wir sehr intensiv und genossen die Ruhe und das leise Plätschern der Ostsee. Schade fanden wir, dass der äußerste Zipfel ziemlich zugebaut wurde. Es standen zwar wirklich schöne Häuser dort, auch war die Bauweise an die Natur angepasst, aber unberührte Natur ist eben doch anders als schön mit Häusern.

2025.04.14 Julesminde Bjoernsknude aeusserster Zipfel
Björnsknude – äußerster Zipfel der Halbinsel Julesminde

Eine Schrift im Sand von einem Menschen, der kurz vor uns diesen Weg entlang ging, hatte es mir angetan: Tak … tak heißt Danke und große Dankbarkeit stand und steht in mir, dass wir so viel Schönes erleben dürfen.

2025.04.14 Julesminde Tak
2025.04.14 Julesminde Stand mit Baum
Herrliche Plätze …

Unser Kalorienkonto füllten wir nach diesen körperlichen Anstrengungen mit einem Softeis auf. In Dänemark wird viel Eis gegessen und wir hielten immer wieder einmal Ausschau nach einem Stand für Softeis – fanden aber immer „nur“ italienische Eisdielen. Ich bin nicht die Viel-Eis-Esserin, aber wenn schon Eis bei 14 Grad, dann sollte es bitte ein Original Dänisches Softeis sein *lach. Lecker war es – und teuer. Über 5 Euro für ein Softeis fand ich viel.

2025.04.14 Julesminde Softeis
2025.04.14 Julesminde Hafen
Abendstimmung am Hafen
2025.04.14 Julesminde Hafen1

Nach der Routenplanung für die nächsten beiden Tage freuten wir uns auf eine ruhige Nacht.

Ebeltoft

Unser Weg führte uns weiter gen Norden Dänemarks und die Landschaft wurde hügelig. Das hatten wir nicht erwartet. Das Ziel, ein Stellplatz in Sködstruf, war schwierig zu finden und lag sehr in der Pampa. Wir mögen zwar gerne Ruhe, aber so abgelegen musste es dann doch nicht sein. Hinzu kam, dass ein großes Kraftwerk in Sichtweite war und irgendwie beengte es uns.

Kurzum entschieden wir uns für Plan B: Ebeltoft. Darüber hatte ich schon eine Dokumentation gesehen und eine Wohnmobilnachbarin empfahl Ebeltoft auch als sehr schön. Wir ergatterten den letzten Platz auf dem Stellplatz. Während der Saison sind viele Plätze für Wohnmobile vorhanden, die zurzeit allerdings noch – man glaubt es kaum *lach, von Booten belegt waren. An vielen Booten wurde gewerkelt und gestrichen und der Geruch von Farbe lag in der Luft. Der Platz war superschön, an einer Marina gelegen und wieder ganz anders als die vorigen Plätze.

Wir beobachteten, wie an einem Badesteg in Sichtweite immer wieder Menschen in die Ostsee sprangen. Die Ostsee hatte an diesem Tag 9 Grad und die windige Luft 13 Grad. Des Rätsels Lösung war, dass sich dort eine kleine Sauna befand und die Besucher zum Abkühlen die Ostsee nutzten. Leider war die Sauna nur für Clubmitglieder zugänglich – sonst wäre ich dort definitiv auch hingegangen.

2025.04.15 Ebeltoft Sauna Abkuehlung
Der Badesteg der Sauna …

Wir fuhren mit den Rädern in den nahegelegenen Nationalpark und staunten wieder über die unberührte und kraftvolle Natur.

2025.04.15 Ebeltoft Naturschutzgebiet
2025.04.15 Ebeltoft Naturschutzgebiet1
2025.04.15 Ebeltoft Naturschutzgebiet2
2025.04.15 Ebeltoft Naturschutzgebiet 3

Der Rückweg erforderte viel Kraft, denn der Wind kam von vorne. Nach einer kurzen Kaffee- und Kräftigungspause bummelten wir durch die nahegelegene Fußgängerzone. Die meisten Geschäfte schlossen um 17 Uhr – außer den Lebensmittelmärkten. Ich finde das gut, denn auf diese Weise hat die arbeitende Bevölkerung so etwas wie Feierabend und Lebensqualität.

2025.04.15 Ebeltoft
Ebeltoft City
2025.04.15 Ebeltoft1
2025.04.15 Ebeltoft SP und Hafen
Ebeltoft: Hafen mit Wohnmobilstellplatz

Die Lebensmittelmärkte hatten Hochsaison, denn Ostern stand vor der Türe. In Dänemark ist der Gründonnerstag auch schon Feiertag. Das bedeutete, man sollte für 5 Tage Vorräte haben, wenn man sich nicht am Samstag ins Getümmel stürzen wollte. An manchen Lebensmittelmärkten stand bei den Öffnungszeiten „All dag“, das könnte deutschsprechende Menschen verführen, denn es heißt nicht: „alle Tage“, sondern „den ganzen Tag“. Vermutlich ist über Ostern alles geschlossen.

Ein herrlicher Sonnenuntergang, direkt aus dem Wohnmobil heraus zu bewundern, krönte diesen schönen Tag und wir krochen zufrieden in die Federn.

2025.04.15 Ebeltoft Abendstimmung vom Womo aus
Sonnenuntergang vom Womo aus

Zweiter Tag Ebeltoft

Also, die Müllabfuhr war seehr früh unterwegs und weckte uns schon vor 6 Uhr. Es regnete zudem und so war die beste Entscheidung, sich umzudrehen und weiterzuschlafen. Ab 8 Uhr war an Schlafen nicht mehr zu denken, denn es herrschte reges Treiben auf dem Platz. Jede Menge großer und kleiner Boote wurden mit einem entsprechenden Gefährt auf dem Platz herumgefahren, um zu Wasser gelassen zu werden. Der Regen war vorbei und der Blick aus dem Fenster versprach einen schönen Tag.

Zunächst war einkaufen angesagt und gefühlt taten das fast alle Dänen gleichzeitig. Es lag trotzdem eine heitere Atmosphäre in der Luft. Dennoch waren wir froh, als wir hoffentlich alle Vorräte für 5 Tage im Womo verstaut hatten. Zwischen Wohnmobilstellplatz und Hafen entdeckten wir einen mobilen Fleisch- und Wurstverkaufsstand. Eine lange Schlagen wartender Kunden verhieß gute Qualität und wir machten auf dem Rückweg einen Stopp. Vor dem Verkaufsstand war ein Grill aufgebaut und darauf brutzelten Würste und Steaks. Kleine Probierstücke wurden präsentiert und wir entschieden uns für die schnelle Küche. Der Verkäufer verstand kein Deutsch und kein Englisch, also bestellte ich mit Händen und Füßen ein Steak und eine Wurst zum Mitnehmen. Ich wunderte mich, warum das offensichtlich schwierig war, weil der Verkäufer sich mit dem Personal im Verkaufswagen besprach, um uns dann einen Preis zu nennen. So ganz langsam begriff ich: die Würste und Steaks auf dem Grill waren nur zum Probieren gedacht. Wenn es schmeckt, kauft man am Verkaufsstand die Rohware. Egal: wir hatten unser schnell gekochtes – und sehr leckeres Mittagessen und einen Schaden hatte der Metzger auch nicht.

Ach ja, wer nicht einkaufen war, war in der Sauna, die wir in Sichtweite hatten. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang kamen Leute zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem PKW, alleine oder mit Kind und Kegel. Es war nie sehr voll, aber ständig waren Saunierer am Genießen und ich mächtig neidisch *lach.

Wir besichtigten in Ebeltoft den Hafen, eine Glasmanufaktur und eine ehemalige Malzfabrik, die jetzt spielerische Kunst für Groß und Klein zeigte. Auffällig war, dass vieles für Kinder geboten war. Die Dänen gelten als sehr kinderfreundlich und das war unser Eindruck auch. Wieder machten alle Geschäfte um 17 Uhr zu – bis auf die Lebensmittelketten. Vielleicht bringt das unter dem Strich mehr Lebensqualität, wenn man Feierabend hat und noch etwas damit anfangen kann.

2025.04.15 Ebeltoft Malzfabrik
Ehemalige Malzfabrik Ebeltoft
2025.04.16 Ebeltoft ausruhen
Einfach nur sitzen …

Helmut drehte nocheinmal eine Runde mit dem Fahrrad durch den wunderschönen Nationalpark und ich setzte mich vors Womo in die Sonne und genoss den Augenblick. Loriot lässt grüßen: einfach nur sitzen…

Horsens

Gemütlich machten wir uns am Feiertag, dem Gründonnerstag auf den Weg nach Horsens. Das Wetter war leicht regnerisch, um die 13 Grad und windig.

2025.04.17 Horsens
Grau, windig, nass

Wir wollten am Karfreitag in Horsens einen Gottesdienst besuchen, das war eigentlich unser einziger Grund, die Stadt anzufahren *lach. Der Stellplatz dort hatte ziemlich schlechte Bewertungen und so schauten wir uns erst einen Platz aus der park4night-App an. Ja, der wäre auch ok gewesen, aber ich hatte irgendwie kein gutes Gefühl dort zu stehen. Die Fahrt zum regulären Stellplatz von Horsens durch die Stadt zeigte uns eine gemütliche Industriestadt, die natürlich aufgrund des Feiertages wie ausgestorben wirkte. Der Stellplatz war zweckmäßig, hatte alles, was Camper brauchen, und wir konnten mal wieder die schlechten Bewertungen anderer Wohnmobilisten nicht nachvollziehen. Für eine Nacht und/oder den Besuch der Stadt, war er völlig in Ordnung.

2025.04.17 Horsens Yacht und Industriehafen
Jacht- und Industriehafen

Ein kleiner Abendspaziergang am Hafen war interessant, denn Horsens hat nicht nur einen großen Jachthafen, sondern auch einen Industriehafen. Große Schiffe wurden auch am Feiertag beladen und fuhren ganz langsam durch die enge Wasserstraße in Sichtweite an uns vorbei.

2025.04.17 Kunst Struempfe anziehender Mann
Kunst: der Strümpfe anziehende Mann

Wir nahmen uns ausreichend Zeit, die weitere Route zu planen und die Ruhe zu genießen.

Karfreitag

Auf unserer Fahrt durch Horsens zur Kirche stellten wir fest, dass die Lebensmittelläden geöffnet hatten. Wir hätten den ganzen Einkaufsstress gar nicht mitmachen müssen. Hinterher ist man meistens schlauer. Allerdings war es auch sehr angenehm, sich an den Feiertagen aus dem Alltag – zu dem zähle ich auch Einkaufen – herauszunehmen.

Die Kirche war schwierig zu finden. Wie wir erfuhren, waren die Räumlichkeiten nur angemietet und deshalb war kein Kirchenemblem zu finden, wie wir es normalerweise gewohnt sind. Die Gemeinde zieht im Laufe des Jahres in andere Räume um, die dann auch besser erreichbar sind. Wir fühlten uns trotzdem sehr, sehr wohl in der kleinen Gemeinde. Viele Kinder, viel Musik und herzliches Interesse füreinander werden uns in Erinnerung bleiben.

Berge

In Dänemark hatten wir vereinzelt hügelige Landschaften gesehen und recherchiert, dass sich in der Nähe von Horsens die höchste natürliche Erhebung Dänemarks – sprich Berg – befindet. Der Möllehöj ist 170,86 m hoch und somit 51 cm höher als der 200 Meter östlich gelegene Ejer Bavnehöj. Wir machten am Möllehöj unsere Mittagspause und als der Regen eine kleine Unterbrechung einlegte, erklommen wir den Turm. In unregelmäßigen Abständen erklang eine meditative Melodie, was dem Ort etwas Magisches gab.

2025.04.18 Moellehoej Turm
Aussichtsturm
2025.04.18 Moellehoej Ausblick 2
Kiosk auf dem Parkplatz und weites Land
2025.04.18 Moellehoej Ausblick
Bei klarem Himmel bestimmt noch beeindruckender
2025.04.18 Moellehoej vom Turm
Schöner Platz für eine Pause

Wir hatten eine herrliche Aussicht auf das weite Land und waren beeindruckt, wie weit man aus 170,86 m Höhe schauen kann. Kein Ort in Dänemark ist übrigens weiter als 55 km (manche Quellen sagen 52 km) vom Meer entfernt.

Hobro am Mariagerfjord

Unser Tagesziel war Hobro am Mariagerfjord. Der Regen lies nach und wir freuten uns, dass wir einen schönen Stellplatz direkt am Wasser ergatterten und trockenen Fußes einen herrlichen Spaziergang am Fjord machen konnten.

2025.04.18 Hobro am Mariagerfjord SP
Stellplatz direkt am Wasser
2025.04.18 Mariagerfjord
Am Fjord entlang kann man gut wandern

Wieder fiel uns die Sauberkeit auf. Immer wieder standen im Wald und am Wasser Tische und Bänke, wo man als Wanderer pausieren kann, und nirgendwo lag Müll herum oder war etwas zerstört und/oder angemalt. Ich dachte an manchen Spaziergang zu Hause wo wir kopfschüttelnd Müllberge neben den Bänken und Mülleimern sahen.

Der Pool im Fjord – so nenne ich es einfach einmal – ist im Sommer bestimmt eine tolle Attraktion für Groß und Klein. Das Wasser war klar und ruhig.

2025.04.18 Hobro Mariagerfjord Pool
Pool im Fjord
2025.04.18 Hobro Mariagerfjord Abendstimmung
Nach dem durchwachsenen Wetter über den Tag
wurden uns wunderschöne Farben zum Sonnenuntergang geschenkt.

Der Anregung eines Womo-Nachbarn, das nahegelegene Wikingermuseum zu besuchen, wollten wir eher nicht nachgehen. Mit Kindern wäre dies aber ein absolutes Muss gewesen. Uns zog es gen Norden, Richtung äußerster Zipfel Dänemarks.

Was tun bei strömendem Dauerregen?

Am Samstagmorgen weckten uns viele Regentropfen auf dem Womodach. Nach ausgiebiger Dusche in den – wieder einmal – sehr sauberen sanitären Räumen des Stellplatzes fuhren wir unserem geplanten Tagesziel entgegen. Der Stellplatz in Hobro hatte keine Ver- und Entsorgung für Wohnmobile und deshalb war es die erste wichtige Handlung des Tages, danach zu suchen. Schon ab und zu nahmen wir in Dänemark diesen Service auf Autobahnraststätten in Anspruch. Meistens war es eine ziemlich ekelige Angelegenheit, die gottseidank Helmut erledigte. Dieses Mal kam der strömende Regen erschwerend hinzu. Ekelig übrigens weniger wegen der Tätigkeit, sondern aufgrund der Hinterlassenschaften der Vorgänger…

Die erste Stellplatz-Idee in Dronninglund verwarfen wir aufgrund des Wetters. Der Stellplatz wäre auf einer Wiese gewesen und die Gefahr des Festfahrens zu groß.

2025.04.19 Regenfahrt
Regen, Regen, Regen

Die zweite Stellplatz-Idee war außerhalb von Frederikshavn auf dem großen Parkplatz eines Friedhofes – ruhig gelegen, kein Handy-Empfang, keine Menschenseele weit und breit und strömender Regen. Nach einer Mittagspause entschieden wir, weiterzufahren. Es machte keinen Sinn, die Zeit abzusitzen und auf das Regenende zu warten.

2025.04.19 Regenfront
Da müssen wir durch …

Am Stellplatz Marina in Frederikshavn fuhren wir interessehalber vorbei: er war schön gelegen, direkt am Wasser und bei anderer Witterung wären wir bestimmt dortgeblieben. Auch die Stadt schien interessant zu sein. Im Vorbeifahren sahen wir einen großen Fährhafen mit riesigen Fährschiffen… vielleicht gibt es ja ein nächstes Mal *lach – und: man kann nicht alles haben.

So fuhren wir Stück für Stück weiter, bis wir „auf einmal“ in Skagen waren.

2025.04.19 Regenfahrt1

Der Regen war immer noch unangenehm und wir schauten uns nach einem Plätzchen für die Nacht um. Trotz der Witterung und trotz Mitte April waren viele Wohnmobile unterwegs – auch viele aus Deutschland. Es gab reichlich Parkplätze für Womos und wir konnten an mehreren Plätzen Probestehen *lach. Der eine gefiel Helmut nicht (direkt am Fischereihafen) es könnte in der Nacht laut werden.

2025.04.21 Skagen Fischernetze
Fischernetze auf dem Hafengelände

Der andere gefiel mir nicht, nahe an der Stadt, die über Ostern zwar hübsch, aber nicht wirklich interessant war. Ein Womo-Nachbar war in der Stadt unterwegs und sagte, dass dort nur „tote Hose“ sei – wer will denn sowas *lach.

So landeten wir schließlich auf dem äußersten Parkplatz – von wo aus nur noch Fußwege weiter gen Norden führen. 12/13 Wohnmobile standen dort und wir stellten uns dazu. Das Meer konnte man nicht sehen und ausnahmsweise war ich froh darüber, denn bei dem Wetter wollte ich nicht direkt an der Küste stehen.

2025.04.19 Skagen Landkarte
Oberster Zipfel Dänemarks

Wir machen das Gleiche, was wir bei den Nachbarn beobachteten: gemütlich im Womo rumlungern und früh schlafen gehen.

Ostersonntag – Skagen

2025.04.20 Skaen Ostern
Frohe Ostern – auch im Wohnmobil
2025.04.20 Skagen Parkplatz
Parkplatz Skagen – letzter Parkplatz Dänemarks

Wie der aufmerksame Leser gewiss erahnt, nahmen wir per Livestream zunächst am Ostergottesdienst in der Heimat teil. Danach war das Regengebiet tatsächlich Vergangenheit und wir freuten uns darauf, endlich einen Blick hinter den Parkplatz zu werfen. Die Plätze um uns herum waren bereits ziemlich belegt mit Wohnmobilen und vielen PKWs aus Dänemark, Norwegen, Schweden und erstaunlich vielen Deutschen – meistens aus Norddeutschland. Viele Busparkplätze ließen uns erahnen, was hier während der Saison los war…

2025.04.20 Skagen Grenen
Richtung Grenen

Warm eingepackt marschierten wir in die Richtung, in die alle gingen *lach… normalerweise mache ich das gar nicht gerne.  

2025.04.20 Skagen Grenen1
Man sieht genau, von welcher Richtung der Wind kommt *lach

Wir staunten über mindestens 18 Frachtschiffe, die wie aneinandergereiht am Horizont zu sehen waren. Da sie auf unserem Rückweg immer noch da waren, vermuteten wir, dass sie dort vor Anker lagen. Vielleicht hat die Schifffahrt an Ostern Pause???

2025.04.20 Skagen Grenen Schiffe am Horizont
Schiffe am Horizont

Endlich erreichten wir DAS Ziel des Tages für uns und viele andere Menschen. An einer kleinen Sanddüne treffen sich Nord- und Ostsee und der Landstrich nennt sich Grenen. Das wusste ich, das liest man so, aber es wirklich zu sehen war schon ganz besonders. An dieser Stelle endet nicht nur Dänemark, sondern auch der europäische Kontinent. Die Wellen kommen aus unterschiedlichen Richtungen und brechen an dieser Düne. In der Schule lernte ich mal etwas von Skagerak und Kattegat und irgendwie ist doch etwas hängen geblieben *lach. Bei wärmeren Temperaturen hätte ich ganz bestimmt einen Fuß in die Nordsee und den anderen in die Ostsee gestellt – gleichzeitig – und vermutlich wäre ich nicht die Einzige gewesen. Interessant finde ich, dass sich die beiden Meere nicht vermischen. Die Nordsee ist kälter und salziger und die Ostsee wärmer und weniger salzhaltig.

2025.04.20 Skagen Grenen Nord und Ostsee1

Wem der ca. 6 Kilometer lange Weg (hin und zurück) durch den Sand übrigens zu beschwerlich ist, der kann gegen eine kleine Gebühr mit dem Sandormen (Sandwurm) fahren, einem wettergeschützt geschlossenen Anhänger, der von einem großen Traktor gezogen wurde.

2025.04.20 Skagen Grenen Sandormen
Sandormen

Wer sich für Geschichte interessiert, der besichtigt bestimmt auch das Bunkermuseum. Zu Kriegszeiten war es enorm wichtig, sich vor den vom Meer kommenden Feinden zu schützen. Konnten die das Skagen Riff passieren, dann war der Weg über das Kattegat frei bis Kopenhagen. Als 1807 die Engländer Dänemark angriffen, wurde deshalb befohlen, die Leuchtfeuer zu löschen, was dazu führte, dass viele Schiffe strandeten. Den Bewohnern Skagens kam das nicht ungelegen, denn mit der Bergung der Fracht konnten sie Geld verdienen. Am Strand wurde eine Geschützbatterie errichtet, um den Engländern den Zugang zu verwehren. Die halfen sich selbst, indem sie vor dem Riff ein Feuerschiff verankerten, das den Namen „The Fury Bomb“ (Wilde Bombe) trug. Große Bunker am Strand erinnern heute noch an diese Zeit.

2025.04.20 Skagen Grenen Bunker
Bunker

Das Riff vor Skagen erstreckt sich 4 km weit ins Meer hinaus und verändert bei stürmischem Wetter seine Form. Deshalb ist es noch heute für Schiffe schwer auszumachen. Verständlicherweise wird auch überall davor gewarnt, in Grenen baden zu gehen. Die Strömungen der beiden Meere sind unberechenbar und sehr gefährlich.

2025.04.20 Skagen Grenen Nord und Ostsee
Nord- und Ostsee treffen sich

Als wir wieder im Wohnmobil waren, wurde erst einmal ein – für Womo-Koch-Verhältnisse österliches Festmahl bereitet: Rouladen (mitgebracht von daheim), Tagliatelle und Brokkoli. Ein Mittagsschläfchen durfte auch nicht fehlen und erst gegen Abend, als sich der Parkplatz leerte, machten wir uns nochmal auf den Weg. Wir wollten den Weg an der Nordseeseite zur Spitze gehen – also quasi gegen den Strom. Leider mussten wir den Plan ändern, denn vermutlich vom vielen Regen des Vortages waren die Wege überschwemmt und nur schwierig zu begehen. Auch in den Dünen stand stellenweise das Wasser und wir entschieden uns dazu, umzudrehen.

2025.04.20 Skagen Grenen lieber umdrehen
Umkehren war eine kluge Entscheidung
2025.04.20 Skagen Grenen Duenen
Wunderschöne Dünenlandschaft

Richtung Leuchtturm war es auch schön am Strand zu laufen. Groß war die Freude, als wir im Wasser eine Robbe entdeckten. Am Strand stehen überall Schilder, dass Robben sogar am Strand liegen können und man diese bitte in Ruhe lassen solle. Unsere Robbe spielte im Wasser und ich freute mich riesig, dass ich das Köpflein tatsächlich fotografieren konnte.

2025.04.21 Skagen Robbe
Wie süß, das Robbenköpfchen
2025.04.20 Skagen Leuchtturm
Richtung Leuchtturm

Wir entschieden, noch eine Nacht auf diesem letzten Parkplatz Europas zu verbringen. Da noch keine offizielle Saison war, war der Platz noch nicht kostenpflichtig. Er hat keinerlei Serviceangebote, die Camper normalerweise brauchen und nur für „dastehen dürfen“ würde er in der Saison 30€/Nacht kosten. Eine öffentliche Toilette half uns, die „Achillesferse“ des Camperlebens zu überlisten: die Toilettenbox. Eine „Nachtportion“ passte noch rein *lach. Die öffentliche Toilette wurde von vielen Tagestouristen genutzt und war auch am Abend noch sauber… ich frage mich immer wieder, warum das bei uns nicht möglich ist…

Einen Depp gibt es aber auch in Dänemark: er fährt nachts um 24 Uhr mit Vollgas um die Wohnmobile, bremst ab, beschleunigt usw. und hört erst auf, wenn alle wach sind…

Ostermontag

Trotzdem waren wir am anderen Morgen ausgeschlafen und voller Tatendrang. Wir vertrödelten ausnahmsweise mal nicht den halben Vormittag, sondern waren um 9 Uhr schon am Strand. Es war herrlich, den Strand fast für uns allein zu haben.

Nur ein paar vereinzelte Naturfreaks mit riesigen Kameras waren unterwegs. Wir überlegten, was die wohl fotografieren wollten, und entdeckten auf einem Felsen nahe am Ufer einige Robben. Im Wasser um den Felsen herum schwammen auch Robben und kletterten den Felsen hoch zu ihren Kollegen – wenn man es denn klettern nennen kann. Das war so schön anzuschauen!!! Meistens kennt man die Tiere nur aus dem Zoo. Sie hier in Freiheit beobachten zu können war ein tolles Erlebnis!!

2025.04.21 Skagen Robben
Leider kann ich das Video hier nicht hochladen… So schön zu beobachten!

Zufrieden schlossen wir unseren Besuch am äußersten Zipfel Dänemarks ab und fuhren nach Skagen. Das Städtchen sahen wir auf der Hinfahrt nur kurz im strömenden Regen und das wollten wir ändern. Ein wirklich schöner Ort lud zum Bummeln ein und trotz des Feiertages hatten einige Geschäfte offen. So ein Städtchen wirkt dann einfach schöner, als wenn alles geschlossen ist.

Auffällig waren die vielen gelben Häuser, die typisch für diesen Landstrich sind. Die warme, gelbe Farbe, die auch als skagen-gelb bekannt ist, leuchtet im Schein der Sonne aber auch in grauen und stürmischen Tagen, um das Leben ein wenig freundlicher zu gestalten. Zusammen mit den roten Dächern trägt die Farbe zu einer gemütlichen Atmosphäre bei.

2025.04.21 Skagen 1
Skagengelber Straßenzug und Einladung zum Smörrebrod
2025.04.21 Skagengelb

Am Hafen kauften wir endlich den auf der ToDo-Liste stehenden Hotdog. Ich fand ihn lecker mit etwas Ketchup, scharfem Senf, Mayonnaise, rohen und gerösteten Zwiebeln, Gurke und natürlich dem Würstchen und Brötchen. Man braucht ein wenig Übung, bis man ihn zivilisiert essen kann – ähnlich wie beim Döner … *lach. Mit ca. 5 € pro Hotdog war er fast ein Schnäppchen.

2025.04.21 Skagen Hotdog
Hotdog – sieht aus wie bei IKEA, schmeckte aber besser!!!

Ein weiteres Besichtigungsziel war die nahegelegene versandete Kirche.

2025.04.21 skagen versandete Kirche Wegweiser
2025.04.21 Sandkirche
Der Turm schaut noch raus…

Die Kirche stammt aus dem Jahr 1387, der Kirchturm aus dem 15. Jahrhundert. Man muss sich diese Jahreszahlen einmal bewusst machen!! Sehr aufwändig musste die Kirche damals regelmäßig vom Flugsand gereinigt werden. 1795 erlaubte König Christian VII, dass die Kirche stillgelegt werden durfte. Der Kirchturm blieb stehen. Die Kirche wurde später abgerissen und der Kirchturm diente als Seezeichen und wurde weiß gekalkt. Die letzte Beerdigung auf dem Kirchhof fand im Jahr 1810 statt.

Der Weg vom Parkplatz zur Kirche führte auf Sandboden durch den Wald und war wunderschön. Unter der Kuppel in dem Kirchturm war eine fantastische Akustik. Schon ein kleines Summen klang voll und schön. Laut zu singen hatte ich mich nicht getraut *lach. Den Turm zu erklimmen war eine sportliche Angelegenheit, denn die Wendeltreppe war steil und sehr eng. Außerdem war sie sandig – man konnte die Geschichte vom Flugsand gut nachempfinden. Bestimmt muss der Turm auch heute regelmäßig vom Sand gereinigt werden.

2025.04.21 Skagen versandete Kirche Turmblick
Der Aufstieg hat sich für diesen Blick gelohnt.

Oberhalb der Kuppel wurde es etwas angenehmer zu klettern, denn es waren breitere Holztreppen verbaut. Aus den Fenstern hatten wir einen herrlichen Blick zum Meer und in die Dünen. Vor dem Weg nach unten galt es, sich zu vergewissern, dass gerade niemand nach oben wollte, und so sprachen wir uns ab: „please wait“ oder „it´s free“*lach. Zwei Menschen kämen definitiv nicht aneinander vorbei.

2025.04.21 Skagen versandete Kirche steile Treppe 1
Schmale Stiege
2025.04.21 Vesloes Kirche
Die Kirche in Veslös – so ähnlich hätte die versandete Kirche aussehen können.

Hirthals

Ich hatte ab und zu vom Fährhafen Hirtshals gehört und deshalb bestimmten wir das als nächstes Ziel. Die Idee war, dort zu übernachten. Diese Idee verwarfen wir aber schnell, als wir dort waren: eine Stadt mit viel Industrie war nicht nach unserem Geschmack. Wir fuhren an die Mole und machten dort unsere späte Mittagspause. Tatsächlich verließ während unseres Aufenthaltes eine Fähre den Hafen und wir waren ganz nah dran. Mehr wollten wir in Hirtshals nicht erleben…

2025.04.21 Hirthals Mole
Abenteuerlicher Platz an der Mole.
2025.04.21 Hirthals
Fähre beim Auslaufen.

Die Fahrt durch den hohen Norden erinnerte uns an manchen Stellen an Finnland. Karge, einsame Landschaften und Straßen bis zum Horizont, wie mit dem Lineal gezogen, gefielen uns sehr!

Limfjord

Einen gemütlichen Stellplatz an einem kleinen See hatten wir uns als Nachtlager in der App herausgesucht. Den See sahen wir nicht, der Stellplatz war ziemlich uneben und alles war so weit in der Pampa, dass wir uns entschieden, weiterzufahren. Gottseidank gab es in der Vorsaison keine Probleme mit Stellplätzen.

2025.04.21 Vesloes SP am Limfjord
Viel Platz, Natur und stilles Wasser.

Wir wurden am Limfjord in der Amtoft Bucht fündig und hatten einen schönen, geraden Platz direkt am Wasser. Zudem war er kostenlos, was unsere Reisekasse freute. Ein Mädel aus dem Nachbar-Womo klopfte und schenkte uns eine Muschel, die sie gefunden hatte *lach. Nette Menschen, eine schöne Umgebung und viele tolle Eindrücke an diesem Tag – was kann man sich mehr wünschen?

Nach einer sehr ruhigen und erholsamen Nacht fiel uns der Abschied vom Limfjord schwer und wir überlegten, noch eine Nacht dranzuhängen. Die Sonne schien, das Wasser war ruhig und es war einfach nur friedlich und still. Da wir auf unserem Heimweg nicht in Stress kommen wollten, fuhren wir gegen Mittag dann doch weiter.

2025.04.21 Vesloes am Limfjord1
Das Wasser war soo still und friedlich.

Kurz vor unserem neuen Ziel füllten wir unsere Vorräte im Supermarkt auf und freuten uns auf den neuen Stellplatz. Leider war der eine Enttäuschung für uns: zwar hatte man einen herrlichen Blick auf eine Brücke, über die wir wenige Minuten vorher noch fuhren, aber der Platz war ziemlich schlammig. Wir wären nicht alleine gewesen, da ein weiteres Wohnmobil schon dort stand, aber wir waren uns schnell einig, dass wir nicht bleiben wollten.

Da es mal wieder nötig war, eine Waschmaschine in der Nähe zu haben, konzentrierten wir uns bei der Suche nach einer Unterkunft für die Nacht darauf. Ein Stellplatz, der einem Campingplatz angeschlossen war, zeigte in der App die gesuchten Informationen.

Der Weg dorthin war mehr als interessant. Richtung Festland waren Fjorde und auf der anderen Seite der Straße die Nordsee. Ich weiß nicht, wie man diese Landzungen korrekterweise nennt, über die wir fuhren. Kleine Dörfer und Bauernhöfe waren dort angesiedelt und wir staunten wieder einmal über Landschaften, die wir mit einem oberflächlichen Blick auf die Landkarte von Dänemark nie vermutet hätten.

2025.04.22 Thorsminde Navi
Links und rechts Wasser.
2025.04.22 Thorsminde Duenen
So sah es in echt aus.

Thorsminde bei Ulfborg

Der Stellplatz Thorsminde in der Region Ulfborg war schön. Wir kauften gleich beim Einchecken die Münzen für die Waschmaschine und den Wäschetrockner und konnten in der Zeit, als die Maschinen die Arbeit für uns erledigten, die nähere Umgebung erkunden. Schnell beschlossen wir, eine zweite Nacht zu buchen. Auf dem Campingplatz waren viele Angler, die extra nur zum Angeln hier ein paar Tage verbrachten. Mit Tipps versehen, wo man den besten Fisch direkt vom Kutter kaufen konnte (leider haben uns die Angler nichts verkaufen wollen *lach), zogen wir uns ins Womo zurück und bewachten die zum Trocknen aufgehängte Wäsche.

2025.04.22 Thorsminde Waschtag
Waschtag: zu Hause macht es nicht so einen Spaß *lach
2025.04.22 Thorsminde Blick Richtung Fjord
Blick von der Düne Richtung Campingplatz und Fjord
2025.04.22 Thorsminde Blick Richtung Nordsee
Blick von der Düne Richtung Nordsee
2025.04.22 Thorsminde Duene ganz schoen steil
Wie steil das ist, kommt auf den Fotos nicht raus.
2025.04.22 Thorsminde Sandduenen

Nach ruhiger Nacht starteten wir neugierig in den neuen Tag. Mit den Fahrrädern erkundeten wir zunächst die nähere Umgebung. Am Hafen gab es viel zu sehen und wir nahmen uns vor, später per Pedes nochmals herzukommen. Erst einmal fuhren wir durch das platte Land. Ich bin begeisterte Radlerin auf diesen ebenen Straßen. Dass wir mit dem Wind fuhren, hatten wir im Sinn und deshalb machten wir bei einem kleinen, noch nicht belebten Feriendorf eine Pause und kehrten dann auch wieder um.

2025.04.22 Thorsminde Faszination Weite
Hab ich es schon mal geschrieben?: Ich liebe das weite platte Land.
2025.04.22 Thorsminde Ferienhaussiedlung
Feriensiedlung noch im Winterschlaf.

Die Pause in den Dünen war wunderschön. Es war ausnahmsweise an der Nordsee kaum Wind, das leise Plätschern der Wellen und der weite einsame Strand taten uns wohl. Am Strand entdeckten wir, dass auch hier, wie in Skagen schon gesehen, immer wieder Bunker am Strand standen. Hoffentlich werden sie nie wieder gebraucht.

2025.04.22 Thorsminde strand mit bunkern
Bunker am Strand.
2025.04.22 Thorsminde Idylle
Idylle mit See

Auf dem Rückweg nahmen wir gebackenen Fisch im Fischgeschäft mit. Im Wohnmobil warteten noch Kartoffeln auf die Verarbeitung und so hatten wir ruckzuck ein leckeres Essen. So frischen Fisch bekommen wir selten. Den angesprochenen Fischkutter verpassten wir wohl …

Der Landstrich ist an der Stelle, wo sich der Campingplatz befindet, geschätzte 600 Meter breit. Wir spazierten nach dem Essen an den Nissum Fjord. Während der Saison hat hier eine Kite-Schule Hochsaison – deutschsprachig, wurde uns erzählt. Das Wasser war klar und flach. Wir konnten uns gut vorstellen, dass hier gute Bedingungen für diesen Sport herrschten. Da an dem Tag noch nix los war, und man aufgrund von Schilf nicht am Wasser entlang gehen konnte, kehrten wir um und gingen zum Hafen, wie wir es eigentlich vorhatten.

2025.04.22 Thorsminde Strand am Fjord
Fjordseite

Zunächst entdeckten wir ein Anker-Museum und staunten mal wieder, was es alles so gibt. Bei vielen Ankern waren die Fundjahre angegeben: 1700 – 1900 Jahrhundert. Bei den meisten wusste man gar nicht, von welchem Schiff sie stammten. Viele Schiffe waren verunglückt – ich mag gar nicht drüber nachdenken, wieviel Leid es in diesem Zusammenhang gab.

2025.04.22 Thorsminde Ankermuseum
Teil vom Ankermuseum.
2025.04.22 Thorsminde ankermuseum1
Ankermuseum

Der Nissum Fjord ist ein Naturpark und in einer kleinen Ausstellung konnte man interessante Informationen bekommen. So z. B., dass der Wind in Dänemark durch viele wechselnde Tiefdruckgebiete gekennzeichnet ist und deshalb unzuverlässig, also nicht gut zu berechnen ist.

Die Landzunge an der Westkante des Nissum Fjords war früher einmal eine Reihe von Inseln. Schmale Kanäle verbanden Fjord und Meer, sandeten aber nach und nach zu und die Landzunge entstand. Menschen ließen sich auf der Landzunge nieder und leben mit der Situation, dass sich das Meer immer wieder einmal Wege durch die Landzunge sucht. Die Frage was geschieht, wenn der Klimawandel die Meere ansteigen lässt, ist hier sehr real.

In den Jahren 1870-1884 wollte man mehr landwirtschaftliche Flächen schaffen und den Fjord trockenlegen. Das Meer wehrte sich und während eines starken Sturmes brachen nicht die Deiche, sondern die Schleusen und das Wasser zerstörte alle bis dahin getane Arbeit.

In Thorsminde wurde eine Schleuse gebaut, um den Nissum Fjord zu entwässern und den Salzgehalt zu regulieren. Mehrmals in einer Woche muss der Meeresboden vor der Schleuse mit einem großen Spezialschiff entsandet, also abgesaugt werden.

2025.04.22 Thorsminde Schleuse
Schleuse Thorsminde

Der Sand war in früheren Jahren ein großes Problem, denn Flugsand und Sandverwehungen zerstörten Ernten und Häuser – ähnlich wie in der versandeten Kirche in Skagen. Unter König Frederik VII bauten die Bauern Bergkiefern und andere Pflanzen an, um die Verwehungen zu verhindern. Heute will man davon einiges wieder zurückbauen, um kontrolliert in der ursprünglichen Landschaft eine größere Biodiversität zu schaffen.

Wenn ich diese mir fremden Lebensumstände betrachte, dann bin ich sehr dankbar für den Ort, in dem ich wohne: keine Sorge vor Hochwasser und Sandverwehungen. Die Menschen an der Küste leben mit der Gefahr, kennen sie und gehen auch damit um. Deshalb ist das Thema Naturschutz ein größeres Thema als bei uns.

Eine Weile beobachteten wir die Angler bei ihrer Beschäftigung und gingen dann am Strand entlang Richtung Heimat – also Wohnmobil. Müde und beeindruckt ließen wir den Tag ausklingen.

2025.04.22 Thorsminde Angler

Esbjerg

Nach einer ausgiebigen Dusche packten wir gemütlich zusammen. Wir entdeckten hinter der Entsorgungsstation den Platz, an dem die Angler ihre Fische filetierten. Das fand ich natürlich wieder spannend und solange Helmut sich um die Entleerung von Grau- und Schwarzwasser kümmerte (das macht er sowieso immer alleine), suchte ich das Gespräch mit den Filetierenden und erfuhr wieder interessante Sachen. Mit einem kleinen Video durfte ich den kompletten Filetier-Vorgang aufnehmen. Vielleicht komme ich einmal in die Situation einen frisch gefangenen Fisch verarbeiten zu müssen, dann habe ich wenigstens schon mal gesehen, wie es geht *lach.

2025.04.22 Thorsminde Fische zerlegen

Eigentlich hatten wir keine Lust, weit zu fahren. Wir nahmen uns vor, uns treiben zu lassen und gaben als „Fernziel“ Esbjerg in unser Navi ein. Das wären ca. 120 km gewesen. Die Landschaften, durch die wir fuhren, waren sehr unterschiedlich: wir sahen kleine Wälder, große landwirtschaftliche Flächen, immer wieder – natürlich – Wasser und sehr hübsche kleine Dörfer. Was uns auffiel war, dass es an der Nordseeseite und Richtung deutsche Grenze viele Ferienhaussiedlungen gab. Sehr viele deutsche, vor allem norddeutsche Autos waren unterwegs. Vermutlich hatten sie noch Osterferien und der Weg ins schöne Dänemark ist nicht weit. Wo viele Touristen unterwegs sich, gibt es natürlich auch mehr touristische Angebote und wir sehnten uns in die nördlicheren Gegenden zurück, wo wir das Land viel ursprünglicher empfanden.

2025.04.24 Schoene Landschaften

Während unserer Fahrt fiel mir ein Windrad auf, das mir fast wie auf Straßenhöhe vorkam. Bei nächster Gelegenheit, in Hvide Sande machten wir einen Stopp und fanden einen Platz direkt am Hafen in Richtung Nordsee. In Hvide Sande waren viele Parkplätze für Wohnmobile ausgewiesen. Das hat man wirklich selten!!!

Zu Fuß machten wir uns auf den Weg durch die Dünen Richtung „kurzes“ Windrad. Der Weg war sehr schön zu gehen und wir waren froh, vor dem Getümmel der Stadt geflüchtet zu sein. Das Windrad entpuppte sich als ganz normales Windrad, welches direkt am Strand stand. Der Strand war tiefer als die Dünen und die Straße und deshalb ergab sich die optische Täuschung.

2025.04.24 Ringkoebing Weg durch die Duenen
Weg durch die Dünen
2025.04.24 Ringkoebing Windrad
Doch ein normales Windrad.
2025.04.24 Ringkoebing Windradblick
Windradblick… auf alle Fälle ist das Plätzchen windgeschützt.

Auf dem Rückweg erblickte Helmut auf der Seite Richtung Ringköbing Fjord einen schönen Platz für Wohnmobile und wir entschieden, dort eine schöne Mittagspause zu machen. Die Seite zur Nordsee ist durch die Dünen geschützt. Zum Fjord hin ist das nicht nötig und man kann deshalb direkt am Wasser stehen. Die Stellplätze dürfen tagsüber kostenlos genutzt werden und nur zum Übernachten von 20-9 Uhr sind sie kostenpflichtig. Viele haben auch Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten – also optimale Bedingungen für Wohnmobilisten. Das sind die Vorteile der touristischen Gegenden…

2025.04.24 Ringkoebing Fjordseite Womoparkplatz
Nur am Fjord kann man direkt am Wasser stehen.

Auf unserer Weiterfahrt führte die Route uns mehr ins Landesinnere und es wurde wieder idyllischer – nach unserem Geschmack. Die meisten Touristen zieht es halt doch ans Meer. Einen Einkauf mussten wir noch erledigen und – zack, schon waren wir in Esbjerg. Durch die Pause und die neuen Eindrücke war uns die Strecke gar nicht lang vorgekommen.

Der Stellplatz lag an einem Wassersportzentrum, welches sich am Esbjerg Kai befindet. Direkt neben unserem Womo machten junge Leute Wakeboarding: an einem 195 Meter langen Kabel wurden sie, auf einem Wakeboard stehend durch das Wasser gezogen. Fünf verschiedene Hindernisse im Wasser erhöhten den Level. Es machte Spaß, ihnen zuzuschauen und mitzulachen, wenn wieder mal einer ins Wasser fiel.

2025.04.24 Esbjerg Wakebording
Wakeboarding

Neben der Zone für Wakeboarding gab es eine Zone für Schwimmer. Brrh, es waren tatsächlich Leute im Wasser und saßen in Badebekleidung am Wasser. Ich hatte nicht mehr den dicken Anorak an, aber eine warme Windjacke schon noch. Wir überlegten uns, dass die Schwimmzone windgeschützt lag und vielleicht sogar wieder irgendwo eine Sauna versteckt war. Auf dem Deich waren einige Jogger unterwegs und Kanufahren konnte man auch.

2025.04.24 Esbjerg Pool
„Pool“

In Sichtweite waren die Skulpturen „Der Mensch am Meer“, die 1995 zum Anlass des 100-jährigen Jubiläums der Stadt Esbjerg erstellt wurden. Die 9 Meter hohen vier Figuren aus weißem Beton sind bei klarem Wetter vom Meer aus in bis zu 10 Kilometer Entfernung zu erkennen und sind heute das Wahrzeichen von Esbjerg.

2025.04.24 Esbjerg Der Mensch am Meer
2025.04.24 Esbjerg sind die so gross
Zwerg Monika – um die Dimension zu zeigen.

Der Künstler Wiig Hansen fertigte bereits 1954 eine Skizze der Skulpturen und sein ursprünglicher Plan war, die vier Männer auf Grenen in Skagen zu platzieren. Das wäre auch ein schöner Ort dafür gewesen!

2025.04.24 Esbjerg Stellplatz
Wohnmobilstellplatz

Zum Sonnenuntergang machten wir einen Spaziergang und konnten herrliche Fotos schießen. Wie ein Geschenk kam es uns vor, dass just zur passenden Zeit noch ein großes Schiff gemächlich in der schmalen Fahrrinne (es war Ebbe) den Hafen verließ, golden in der Sonne glänzte und so die Fotos vom Sonnenuntergang am Meer aufwertete.

2025.04.24 Esbjerg Sonnenuntergang mit Schiff

Unsere Überlegung, noch einen Tag länger zu bleiben und mit der Fähre und dem Fahrrad auf die Insel Fanö zu fahren, verwarfen wir. Mit der Fähre ist man in 12 Minuten auf der Insel und es wäre bestimmt ein schöner Ausflug gewesen, aber alles geht halt nicht.

Älteste Stadt Dänemarks: Ribe

Gemütlich machten wir uns am Morgen fertig und wollten frühzeitig in den Tag starten. Beim Wegbringen des Mülls kam ich mit einer netten Wohnmobil-Nachbarin ins Plaudern. Das Schöne ist, wenn man so unterwegs ist, dass man die Situationen nehmen kann, wie sie kommen *lach. Wir hatten beide keinen Stress und konnten das sehr angenehme Gespräch genießen. Als wir beim Womo ankamen, waren unsere Männer auch schon in Gespräche vertieft und so kamen wir ca. 90 Minuten später los, als wir wollten. Die schönen Dinge auszukosten, das konnten wir auf dieser Reise bisher ganz gut.

2025.04.24 Esbjerg Am Meer entlang
Am Strand entlang spazieren

Unser erstes Ziel an diesem Tag war die älteste Stadt Dänemarks: Ribe (deutsch: Ripen). Auf der Fahrt dorthin sahen wir mehr von Esbjerg und staunten über den großen Hafen. Obwohl wir Industriestädte nicht mögen, kam uns der Hafen mit seinen großen Kränen und Anlagen sehr gepflegt und großräumig vor. Bestimmt wäre eine Besichtigung dort interessant gewesen.

Die kleine Stadt Ribe, die Stand 2023 – 8365 Einwohner hatte wurde um 710 als Handelsplatz gegründet. An manchen Häusern standen Jahreszahlen von 1668 und 1523. Beim Bummel durch das wunderschöne, gepflegte Städtchen entdeckten wir viele schöne Ecken.

2025.04.25 Ribe 1
2025.04.25 Ribe 2

Der 1250 eingeweihte Dom hat als einzige Kirche Dänemarks 5 Schiffe und gefiel uns sehr gut. Den Aufstieg auf den Turm schenkten wir uns trotz Empfehlung im Reiseführer und bummelten lieber weiter durch die schönen Gassen.

2025.04.25 Ribe Kirche
2025.04.25 Ribe Kirche innen

Römö

Später gab es leckeres Mittagessen am Wohnmobil und danach peilten wir unser nächstes Ziel, die Insel Römö an. Wir hatten lange hin und her überlegt, ob wir diesen Abstecher machen sollten und fanden schließlich, dass man Römö mal gesehen haben sollte. Oft schon lasen wir abenteuerliche Geschichten von festgefahrenen Wohnmobilen usw. *lach – da will ich natürlich hin – nur mal gucken!!

Schon der Weg dorthin war ein Genuss. Bei strahlendem Sonnenschein fuhren wir über den 9,2 km langen Straßendamm auf die Insel. Recht schnell waren wir an einem der viel besprochenen Strände und staunten über die Weite und Größe der Landschaft.

Wir stellten unser Wohnmobil als bekennende Angsthasen gleich am Anfang des Strandes ab und machten einen ausgiebigen Rundgang über das Gelände.

2025.04.25 Roemoe Angsthasenparkplatz
Angsthasenparkplatz

Der Sand war – vermutlich aufgrund der Witterung der letzten Tage recht fest – vielleicht aber auch von den vielen Fahrzeugen festgefahren. Ziemlich vorne am Wasser gab es einen Streifen trockenen Sandes, der eventuell etwas kritisch zum Befahren war. Viele Wohnmobile und PKWs standen weit verteilt im Sand und wir konnten uns das Gefühl der großen Freiheit gut vorstellen. Übernachten ist dort übrigens nicht gestattet und ich fragte mich, wo die ganzen Camper nach 21 Uhr wohl hinfahren würden. Leider ergab es sich nicht, einen Camper anzuquatschen und diese Fragen für mich zu klären.

2025.04.25 Roemoe
Freiheit und Weite
2025.04.25 Roemoe Drachen
Wind ist hier wahrscheinlich immer.

Es reizte uns, auch einen Tag auf dem Sand zu verbringen – in sicherer Position – versteht sich. Aber unser Zeitfenster wurde kleiner und deshalb war leider keine Zeit mehr dafür.

2025.04.26 Hoyer Syltblick

Relativ spät erreichen wir den Stellplatz, den wir uns via App herausgesucht hatten und gottseidank war dies ein toller und super organisierter Platz und kein Abenteuer. Der Platz hieß „Syltblick“ in der Nähe von Hoyer und tatsächlich sah man am Horizont die Lieblingsinsel der Deutschen.

2025.04.26 Hoyer

Kurz vor Sonnenuntergang machten wir noch einen Erkundungsgang und genossen die absolute Stille. Nicht einmal das beruhigende Plätschern der Wellen hörte man, denn es war Ebbe. Die Ruhe tat nach den Erlebnissen des Tages gut. Helmut meinte, dass es einem bei dieser Stille vorkäme, als wäre Sonntag.

2025.04.26 Hoyer syltblick 1

Back in Germany

Auf unserem Weg zur Landesgrenze hielten wir nochmal an einem dänischen Supermarkt. Das Leergut wollte abgegeben werden und wir kauften ein paar Dinge für zu Hause, die wir probiert hatten und die sehr lecker waren. So z. B. eine Orangenmarmelade und Rogen in der Dose. Zweiteres kannte ich überhaupt nicht und ließ mir von einer dänischen Frau erklären, wie man das isst: auf Brot mit Remoulade oder Mayonnaise und Zitrone. Ich weiß, dass Geschmäcker verschieden sind, deshalb gebe ich an dieser Stelle den Tipp: liebe Leser*innen, traut euch einfach einmal etwas zu kaufen, was ihr überhaupt nicht kennt. Wir haben wieder nur gute Erfahrungen gemacht.

2025.04.26 Deutschland

Jenseits der Grenze verwunderten wir uns, dass außer den Verkehrszeichen alles aussah und beschriftet war wie in Dänemark. Später wurde uns erklärt, dass im Grenzgebiet viele Dänen gerne nach Deutschland kommen und einkaufen. Palettenweise Softgetränke z. B., da diese in Dänemark erheblich teurer sind. Wenn ich es richtig verstanden habe, brauchen die Dänen unsere Mehrwertsteuer nicht zu bezahlen, dann ist natürlich alles noch viel billiger für sie. Man muss sich als Kunde ausweisen, damit man in diesen Genuss kommt – um Sparbrötchens Gedanken gleich zu unterbinden *lach. Damit die Dänen sich gut zurechtfinden, auch sprachlich, ist vieles in der dänischen Sprache formuliert.

Interessant ist auch ein geschichtlicher Hintergrund. Im Grenzgebiet gab es nach dem Ersten Weltkrieg zwei Abstimmungen, bei denen die Bevölkerung befragt wurde, ob sie lieber zu Dänemark oder lieber zu Deutschland gehören wollten. Nach dem Ergebnis der Abstimmung wurde die Grenze im März 1920 so gezogen, wie sie heute noch besteht.

Das Thema Gasflasche, über das ich am Anfang schrieb, bereitete uns gottseidank keine Probleme. Wir standen häufig auf Plätzen, wo es möglich war, mit Strom zu heizen, so dass wir es im Womo gemütlich warm hatten, ohne unseren Gasvorrat zu verbrauchen. So langsam ging dieser Vorrat aber auch zur Neige und unser erstes Ziel war, in Niebüll einen Baumarkt anzufahren, um eine Gasflasche zu kaufen. Da denkt man immer, andere Länder, andere Sitten, aber auch in Deutschland gibt es Sitten, die nicht überall üblich sind: Der große Baumarkt hatte einen „Drive In“ und z. B. Gasflaschen wurden nur dort verkauft. Das hieß, mit dem Womo vor das große Tor zu fahren, welches sich automatisch öffnete, in den Baumarkt zu fahren, eine Gasflasche zu erhalten, weiter zur Kasse zu fahren und dann durch ein anderes großes Tor wieder herauszufahren – mit dem großen Womo *lach.

Wieder Schriften zu lesen, die man verstand, Preise nicht umzurechnen und sich an der Kasse auszudrücken, wie man es gewohnt war, waren bewusste Eindrücke. Daran merkten wir, dass wir doch 3 ganze Wochen in einem anderen Land unterwegs waren und alle unsere Sinne sich auf die jeweiligen Situationen fokussiert hatten.

In Norddeutschland sagt man „Moin“ – morgens, mittags und abends – das klang in unseren Ohren schön, wenngleich wir das heitere „Hej“ der Dänen ein wenig vermissten.

Uns war nach einem Ruhetag zumute und deshalb entschieden wir uns für einen Stellplatz in dem kleinen Ort Leck bei Niebüll. Ein bisschen räumen, ein bisschen nichts tun und ein bisschen in der Sonne sitzen musste auch mal wieder sein. Helmut drehte eine Runde mit dem Fahrrad und meinte, dass es im Land auch schön ist. Die meisten Menschen zieht es ans Wasser, logisch, denn das hat man ja zu Hause nicht. Etwas mehr im Land ist das Leben beschaulicher und gemütlich.

2025.04.26 Leck Strassenkunst 1
2025.04.26 Leck Strassenkunst 2
Alle wollen über die Straße…
2025.04.26 Leck Strassenkunst 5
2025.04.26 LeckStrassenkunst 4
Auf was die wohl warten??

Nordstrand

Nach einem schönen Gottesdienst in Niebüll wurden wir eingeladen, am sonntäglich üblichen Kaffeetrinken nach dem Gottesdienst teilzunehmen. Wir fühlten uns wohl in dem Kreis und viele inspirierende Gespräche beschäftigten uns noch eine Weile. Versehen mit Kuchen für den Nachmittagskaffee und vielen guten Wünschen für unsere weitere Reise machten wir uns auf den Weg nach Nordstrand.

2025.04.28 Nordstrand Wegweiser
Weltoffen
2025.04.28 Nordstrand Kloenschnackbank
Gesellig
2025.04.28 Nordstrand Kirche mit Strandkorb
Vom Strandkorb in die Kirche und/oder umgekehrt
2025.04.28 Nordstrand Seelenkraftstoff
Ausgediente Zapfsäule – mit Klappe für spirituelle Botschaften.

Nordstrand kannte ich aus früheren Jahren und hatte es als eine Landschaft mit viel Natur in Erinnerung. Der Stellplatz Womoland lag nicht am Meer, aber das störte uns nicht. Wir unternahmen eine entspannte Fahrradtour bis Süderhafen und noch ein Stückchen weiter.

Wunderschöne Anwesen, blühende Bäume und unzählbare Schafe erfreuten uns. Die Schafe gehören für mich zur Nordsee dazu. Jetzt erst fiel uns auf, dass es in Dänemark wenige Schafe gab. Es gab Kühe, Pferde und auch Schafe, aber am meisten sahen wir unendlich große Felder für Ackerbau, z. B. Kartoffeln. Beim nächsten Kartoffelkauf werde ich mal drauf achten, wo die herkommen. Vielleicht sind wir ja gerade an dieser Kartoffel vorbeigefahren *lach.

Wieder war Ebbe und das weite Watt hat für mich einen besonderen Reiz. Auf einer Informationstafel lasen wir, dass wir uns in der größten zusammenhängenden Wattlandschaft der Erde befanden. Sie reicht von Esbjerg in Dänemark bis Den Helder in den Niederlanden. Wir sahen schon viele Orte in dieser Wattlandschaft und ich bin jedes Mal beeindruckt von dem Weltnaturerbe Wattenmeer.

2025.04.27 Nordstrand Landgewinnung mit Schafen
Schon viel Land gewonnen

Müde und zufrieden erreichten wir unser Wohnmobil und hatten einen gemütlichen Abend.

Nach einer sehr ruhigen Nacht, in der wir außer dem „mäh“ einiger Schafe und Vogelgezwitscher nichts hörten, starteten wir erholt in den Tag. Zunächst deckten wir uns in einem nahegelegenen Hofladen Baumbach mit Lammfleisch für zuhause ein. Salzwiesenlamm hat einen besonders leckeren Geschmack aufgrund des Futters von den Weiden direkt am Meer.

2025.04.27 Nordstrand Schafe

Eine Radtour über die Halbinsel und an den Hafen war unser Tagesplan. Wir suchten nach einem Bäcker und fanden keinen. Aufgrund der Vorsaison erlaubten sich manche Geschäfte noch ruhige Tage. Wenn die Urlauber einströmen, dann haben sie wieder 7 Tage in der Woche offen. Verhungert sind wir trotzdem nicht.

Schöne kleine Ortschaften gefielen uns und mancher liebevoll dekorierte Garten fand unsere Bewunderung. In windgeschützten Ecken saßen Menschen auf einen Plausch zusammen und es hatte den Anschein, dass die Welt vollkommen in Ordnung war.

2025.04.27 Nordstrand Bluetenpracht

Am Meer in einem kleinen Bistro kamen wir mit zwei alten Damen ins Gespräch, die mit dem Bus von Husum herüberkamen und die gute Luft direkt am Meer genossen. Sie würden das ab und zu machen, erzählen sie uns, damit sie mal etwas anderes sehen *lach. Ja, wenn wir nicht 800 km fahren müssten, würde ich das auch sehr gerne ab und zu machen!!!

In dem kleinen Bistro gab es super Backfischbrötchen und auch die Currywurst mit Pommes waren sehr lecker. Auf unserer weiteren „Rundreise“ hatten wir Kontakt mit einem Paar aus der Schweiz: die Beiden waren seit Anfang April unterwegs und hatten ein Zeitfenster bis September. Sie wollten über Dänemark ans Nordkap – mit dem Fahrrad… Das sind ca. 4.000 Kilometer für die direkte Strecke – und sie fahren nicht den direkten Weg, sonst hätten wir sie nicht in Nordstrand getroffen.

Ich bewundere den Mut der Leute!!! Mich schmerzt der Podex schon nach 30 Kilometern.

Vom Hafen aus konnte man mit dem Schiff auf die Insel Pellworm fahren und auch verschiedene Halligen wären erreichbar gewesen. Unser Erlebnislevel war allerdings mehr als gedeckt und wir schauten uns das Treiben eine Weile an und radelten gemütlich weiter.

Im Wohnmobil noch ein wenig herumwursteln und aufräumen war angesagt und so ganz langsam kamen die Gedanken, an das, was daheim auf uns wartete und wie wir das eine und andere organisieren.

Büsum

Nach einer wieder sehr ruhigen und entspannten Nacht machten wir einen Abstecher nach Büsum.

2025.04.29 Buesum am Strand

Früher fuhren wir regelmäßig mit den Kindern dorthin in den Urlaub. Wenn es passt, mag ich gerne einfach durchbummeln und in Erinnerungen schwelgen.

2025.04.29 Buesum Fahrradgarage
Doppelter Fahrradständer – funktioniert ganz einfach.

Obwohl sich vieles verändert hatte, war mir vieles noch vertraut. Im immer noch bestehenden Fischgeschäft gönnten wir uns leckeren Fisch und natürlich musste eine Einkehr zu Kaffee und Kuchen ins Rolfs Café in Büsumer Deichhausen sein. Das Café kannte ich noch aus seinen Anfangszeiten vor ca. 30 Jahren und ich freute mich über die tolle Entwicklung und vor allem, dass die Kuchen und Torten immer noch so lecker sind wie damals.

Ein „wir sind wieder in Deutschland-Erlebnis“ hatten wir dort: Das Café hat Selbstbedienung, das heißt, man bestellt seinen Kuchen und sein Getränk, bezahlt und sucht sich dann einen Platz. Wir hatten unsere Bestellung aufgegeben und warteten auf den Kaffee, als ein älterer Herr mit 2 Enkeln immer dichter aufrückte, ungefragt seine Bestellung: 2 Eis, aufgab – und Helmut sich über unsere Rechnung wunderte. Der Kassierer hatte die Bestellung des Herrn so verstanden, dass wir zusammen gehören….  Dieses Missverständnis konnten wir leicht klären. Trotzdem schob der Herr seine Enkel immer näher an mich heran. Ich kann es nicht leiden, wenn man mir in den Nacken atmet…… also bat ich ihn relativ höflich, sich ein wenig in Geduld zu üben… ach was war er da sauer…. Von Unverschämtheit usw. war die Rede…. Willkommen in Deutschlands Hektik und Ellenbogengesellschaft. Einen Rüffel meines lieben Mannes musste ich auch noch einstecken – er ärgert sich lieber still *lach.

2025.04.29 Buesum Kinderspielplatz bei Rolfs
Spielplatz bei Rolfs

Trotzdem ging unser Tag schön weiter. Wir genossen ein Stündchen in der Sonne mit herrlichem Kuchen und Kaffee und radelten dann wieder Richtung Büsum.

Ein kleiner Streifen Seenebel über der Nordsee verwandelte das Watt in eine mystische Landschaft. Das Markenzeichen Büsums, das Hochhaus am Strand, war in den oberen Etagen vom Nebel eingehüllt. Die Krabbenkutter konnte man nur schemenhaft im Wattenmeer erkennen. Aber am Horizont konnte man die Sonne sehen. Die Licht- und Wolkenverhältnisse sind am Meer jeden Tag anders und ich liebe das sehr!

2025.04.29 Buesum Hochhaus imNebel 2
Hochhaus im Nebel
2025.04.29 Buesum Schiffe im Nebel
Schemenhafter Krabbenkutter
2025.04.29 Buesum Wattlaeufer
Wattenläufer

Das Thermometer zeigt abends um 20.00 Uhr 12 Grad Wasser- und 8 Grad Lufttemperatur an. Ziemlich durchgefroren erreichten wir das Wohnmobil und freuten uns irgendwie, dass unsere Reise ab morgen Richtung Landesinnere ging. Dort sei es wärmer, bekamen wir mit … Irgendwas ist immer *lach.

2025.04.29 Buesum Seehunde Skulptur

Kassel

Eine geschäftliche Angelegenheit führte uns nach Bremen mit einem kurzen Stopp. Wenn wir schon mal „in der Nähe“ waren, wollten wir diese Gelegenheit nicht verstreichen lassen und nahmen den Umweg in Kauf.

Am 1. Mai wollten wir aber gerne in Kassel sein. Die Strecke auf einmal zu fahren war uns allerdings zu anstrengend und wir übernachteten in Lehrte in der Nähe von Hannover. Die Stadt erlaubt hier, dass Wohnmobile stehen dürfen und je später der Abend, desto voller wurde der Platz. Vermutlich hatten die meisten davon auch die Idee, abseits der Autobahn zu übernachten. Morgens früh fuhren viele weiter, wir auch. Eigentlich fanden wir es schade, denn beim Durchfahren stellten wir fest, dass Lehrte ein sehenswertes Örtchen ist.

Immer, wenn wir auf der Autobahn an Kassel mit Blick auf den Herkules in der Ferne vorbeifuhren, fiel der Satz: „Da müssen wir unbedingt mal hin!!“ Als Kind war ich mit meiner Oma einmal bei den Wasserspielen in Kassel. Ich hatte „zufällig“ gegoogelt, dass die Wasserspiele am 1. Mai zum ersten Mal in diesem Jahr stattfinden sollten und damit war klar, wo wir am 1. Mai einen Stopp einlegen wollten.

2025.05.01 Kassel Wilhelmshoehe
Blick vom Herkules in die Stadt
2025.05.01 Kassel Wasserspiele1
Das Wasser kommt…

Der Besuch der Wasserspiele im UNESCO-Welterbe im Bergpark Kassel- Bad Wilhelmshöhe hatte sich wirklich gelohnt. Seit über 300 Jahren funktionieren die Wasserspiele nach dem gleichen Prinzip. Rein physikalisch, also ohne den Einsatz von Pumpen fließen 750.000 Liter Wasser vom Fuß des Herkules über die 210 Meter langen und 12 Meter breiten Kaskaden bis zum Schlossteich. Eine über 50 Meter hohe Fontäne bildet den Höhepunkt der Wasserspiele. Manche Menschen laufen mit dem Wasser über eine Strecke von ca. 2,3 km, davon alleine über 530 Stufen neben den Kaskaden. Der Zutritt zum Bergpark und den Wasserspielen ist kostenlos. Es ist auch für Kasselaner immer wieder ein schönes Ausflugsziel. In Gesprächen konnten wir hören, dass Menschen aus der Nähe schon öfters bei dem Spektakel waren. Manches Mal gibt es Bergpark-Leuchten mit Lichtkunst unter nächtlichem Himmel, das würde mir bestimmt auch gut gefallen *lach.

2025.05.01 Kassel Wasserspiele Schlossteich
… bald muss die Wasserfontaine kommen …
2025.05.01 Kassel Wasserspiele Schlossteich Fontaine
… dieser Moment wird wirklich mit Beifall bedacht!!!

Es war gut, dass wir schon gegen 10 Uhr dort am Parkplatz ankamen, denn etwas später wäre rangieren mit dem großen Fahrzeug schwierig geworden. Wir unternahmen erst einen Orientierungsspaziergang und wollten uns dann im Wohnmobil etwas zu Essen bereiten. Auf dem Weg dorthin trafen wir zufällig liebe Bekannte. Groß waren die Überraschung und die Freude und wir verabredeten uns an mehreren Stellen der Wasserspiele, um ein wenig zu plauschen.

2025.05.01 Kassel wasserspiele von unten nach oben
Blick zurück
2025.05.01 Kassel Wasserspiele Schloss
Schlosspark – und Weg zur Bushaltestelle

In der Parkgebühr ist zu Wasserspiel-Zeiten die Möglichkeit enthalten, mit einem Bus zurück zum Parkplatz am Herkules zu fahren. Deshalb war es keine Frage, dass wir auch an der Wasser Fontaine im Schlossteich dabei sein wollten – der entspannte Rückweg war gesichert. Die Temperaturen lagen bei ca. 30 Grad und mir machten sie zu schaffen. Mein Körper hatte Umgewöhnungsprobleme von den Temperaturen im hohen Norden.

Helmut wollte gerne die Kasseler Berge fahrtechnisch hinter sich lassen und deshalb nicht in Kassel übernachten. Am Feiertag war entspannt zu fahren und ich konnte ihn verstehen, wenn ich auch gerne geblieben wäre. Wir fuhren weiter bis zu dem uns schon gut bekannten Stellplatz in Alsfeld. Kopfschmerzen ließen leider nicht zu, den Abend zu genießen.

2025.05.02 Alsfeld 1
Immer wieder schön in Alsfeld
2025.05.02 alsfeld
Ups, Nachwuchs …
2025.05.02 Alsfeld Kaffee
… gaaanz langsam ausklingen lassen …

Am Freitag besuchten wir den kleinen Markt in Alsfeld und machten uns am Nachmittag gemütlich auf den Weg. Ein Besuch bei der Familie war eingeplant und am anderen Tag stand der Geburtstag eines Enkels auf dem Programm. Auf dem Weg dorthin fanden wir eine LKW-Waschanlage, die Wohnmobile von Hand wäscht. Ja, der Preis war stolz, aber wenn ich daran dachte, dass wir uns wieder 2 Tage damit beschäftigen müssten, das Wohnmobil von außen zu waschen, war es das wert! Die Mitarbeiter hatten das nötige Equipment und waren in 45 Minuten fix und fertig – und wir waren zufrieden.

2025.05.03 Hirschberg Wagenwaesche
Eine Wagenwäsche war wirklich angebracht…
2025.05.03 Hirschberg Wagenwaesche sauber
45 Minuten später strahlt es wieder – und wir auch!

Von den 1.419 dänischen Inseln, von denen 443 benannt und 78 bewohnt sind, haben wir 9 gesehen…. In 33 Tagen fuhren wir fast 4.000 km und hatten unfassbar schöne Eindrücke und Begegnungen. Dänemark und die Dänen haben neue Fans gewonnen. Die wohltuende dänische Gelassenheit ist uns immer noch präsent und wir denken sehr gerne an diese tolle Reise zurück.

2025.04.01 Uebersichtskarte
Route (gelb markiert die angefahrenen Plätze)
2025.05.03 Willkommensgruss am Himmel
Willkommensgruß zu Hause

Quellenangaben: Alle Zahlen über Einwohner und Flächen sind Wikipedia entnommen.

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2024.05._Kurztrip nach Kairo

Viel Neues schon vor der Ankunft

Liebe Menschen aus unserem Umfeld, Silvana und Raphael, leben derzeit aus beruflichen Gründen in Kairo und das veränderte unser Denken über die Stadt. Da unklar ist, wie lange dieser Aufenthalt dauert, packten wir die Gelegenheit zeitnah beim Schopf und sagten der Einladung zu. Der Ehrlichkeit halber will ich gerne zugeben, dass ich die treibende Kraft zu dieser Reise war und Helmut mit wenig Begeisterung an diesen Trip dachte. Die unklare politische Situation durch die Nähe zum Krieg am Gazastreifen und die ganz andere Lebenskultur machten ihm Bange. Gespräche mit Raphael und Silvana konnten ihn soweit beruhigen, dass er unserer Reise zustimmte.

Beruhigend für uns war, dass wir den Hinflug mit Raphael gemeinsam buchen konnten. Er fliegt regelmäßig dorthin und kennt sich aus. Die Fahrt zum Flughafen nach Frankfurt verlief problemlos. Ein herzlicher Dank an dieser Stelle nochmal für den unkomplizierten Bring Dienst. Die Temperatur lag bei ca. 20 Grad und es regnete mal wieder. Es freute uns, diesem Wetter ein paar Tage zu entfliehen.

Bei Flügen in Nicht-EU-Länder ist das Procedere der Kontrollen am Flughafen intensiver und uns – mangels Erfahrung – natürlich nicht vertraut. So gab es in Frankfurt 2 Check-in-Kontrollen. Das zweite Mal war die Grenzkontrolle der EU. Auf längeren Flügen gibt es für jeden Sitzplatz einen Fernseher. Man kann die Route verfolgen, Filme anschauen und auch die Sicherheitsvorschriften werden darauf übertragen. Mich beeindruckte, dass kurz vor dem Start ein kurzes arabisches Gebet erklang. Ich denke nicht, dass es mit den schlechten Flugkünsten des Piloten zu tun hat, sondern mit gelebter Religiosität und das gefällt mir.

Im Flugzeug der ägyptischen Airline wird arabisch und englisch gesprochen. Es dauerte wieder mal eine kleine Weile, bis der Klick im Kopf auf Englisch umgeschaltet hatte. Spätestens bei der Essensbestellung und der Frage nach „Beef or Chicken“ konnten wir die grundsätzlich wichtigen Vokabeln wieder abrufen*lach. Das Essen war übrigens lecker!

Im Flugzeug erhielten wir einen kleinen Zettel zum Ausfüllen. Mein Englisch war schon so gut, dass ich dachte, das wäre für die Getränkebestellung…. Nein, das war es definitiv nicht, sondern die Vorbereitung für das Visum bei der Einreise in Ägypten*schäme mich ein bisschen*lach. Dank der Hilfe des netten Sitznachbarn (wir hatten leider keinen 3-er Sitz mehr erwischt und Raphael saß separat) konnten wir alles richtig ausfüllen. Eine Rubrik war nur mit arabischen Zeichen versehen und vermittelte uns eine Ahnung, wie das mit Lesen in den nächsten Tagen so werden würde…

Nach Kairo sind es nur 4 Flugstunden und die Zeitverschiebung beträgt eine Stunde nach vorne. Beim Landeanflug kurz nach 20 Uhr war es schon dunkel. Die vielen Lichter unter uns sahen super schön aus und wir staunten über die unglaubliche Größe dieser Stadt. Der Anflug bei Nacht und auch noch bei Vollmond war sehr beeindruckend!

Nach der Landung marschierten wir hinter Raphael her und freuten uns sehr, dass er dabei war. Ansonsten wären wir zwei Landeier wohl ziemlich verloren gewesen. Der erste Weg führte uns in ein Office, in dem wir das Visum beantragten. Gegen 25€ Bargeld erhielten wir nach strenger Gesichtskontrolle den Stempel in unserem Reisepass. Damit ausgestattet konnten wir an die Einreiseschalter gehen, wo wir nochmals streng begutachtet wurden. Unter diesen prüfenden Blicken hat man gleich die Neigung, seine Unschuld zu beteuern – egal für was. Die Koffer am Kofferband abzuholen war eine leichte Übung und dann machten wir uns auf den Weg aus den klimatisierten Räumen nach draußen.

Angenehm warme Luft umgab uns – ein sehr positiver Kontrast zu dem Wetter vor wenigen Stunden. Silvana holte uns ab und wir freuten uns miteinander auf spannende Tage. Mit dem Taxi fuhren wir etwa eine Stunde zur Wohnung der Beiden. Da wir viel zu erzählen hatten, verging die Zeit wie im Fluge. Uns fiel wohl auf, dass der Straßenverkehr etwas, hm, sagen wir mal unkomplizierter ablief als in Deutschland, aber darüber machten wir uns wenig Gedanken.

Im neuen Domizil angekommen staunten wir über die tolle und große Wohnung. Wir wussten von einem Gästezimmer für uns, aber dass da auch ein separates Bad und Klimaanlage dazugehörten, wussten wir nicht. Super! Das entspannt manche Situation ungemein *lach.

Ein liebevoll gedeckter Tisch lud zu einem leckeren Abendessen ein. Ausgiebige Gespräche hinderten uns daran, zu vernünftigen Zeiten ins Bett zu gehen – aber dazu haben wir ja zu Hause wieder Zeit.

Silvana musste am nächsten Tag, dem Donnerstag, arbeiten. Raphael verwöhnte uns mit einem leckeren Frühstück und frisch gestärkt starteten wir in den Tag.

Schön finde ich es immer wieder in den islamischen Ländern, wenn man morgens vor Sonnenaufgang und bis zu 5-mal am Tag den Muezzin singen hört. Es hat für mich etwas Heiliges und wir sahen auf unserer kurzen Reise oft Menschen, die irgendwo in einer Ecke knieten und beteten. Bei uns macht man das im stillen Kämmerlein und geniert sich ein wenig, wenn man zugibt zu beten…

Raphael musste noch ein paar Besorgungen machen und wir begleiteten ihn gerne dabei. Hatten wir doch die Gelegenheit, einen Einblick ins ganz normale Leben in Kairo zu bekommen. Amüsiert hat mich, als ich beobachtete, wie im Supermarkt eine Frau den Boden wischte und ein Mann mit einer großen Pappe in der Hand hinterher wedelte, damit es gleich trocken ist und niemand ausrutscht. Eigentlich praktisch und 2 Arbeitsplätze gesichert. An der Kasse musste niemand seinen Einkauf selbst einpacken. Dafür sind Menschen angestellt, die das für einen machen. Man kennt das auch aus Amerika und ich finde es gut. Viele Produkte, die ich nicht kannte nahmen mich ziemlich gefangen. Die beiden Männer wollten einkaufen und fertig – ich könnte stundenlang schauen, habe mich dann aber der Mehrheit gebeugt *lach.

Eindrücke vom Straßenverkehr

Ganz normales Leben in Kairo bedeutet auch von A nach B zu kommen. Ich will an dieser Stelle über den Straßenverkehr schreiben (das kommt noch öfters): ein absolutes Abenteuer wenn man die deutsche Mentalität in sich hat! Es gibt auf der dreispurigen Hauptstraße (einer Autobahn?) – also drei Spuren in eine Richtung, durchaus Kennzeichnungen der Spuren. Nur hält sich niemand dran. Es fahren 5 Autos nebeneinander und Mopeds düsen durch jede kleine Lücke. In den wenigen Tagen in Kairo konnte ich leider das System, nach dem gehupt wird nicht erkennen. Es gibt aber eines!!! Ich vermute mal, einmal kurz hupen bedeutet: pass auf, ich fahre rechts an dir vorbei. Zweimal kurz hupen bedeutet: ok, ich habe dich verstanden. Länger hupen bedeutet: das war jetzt aber doof. Übrigens wird in aller Regel nur kurz gehupt und Unfälle haben wir keine gesehen, obwohl wir viel unterwegs waren. Auch hat sich die Huperei nicht aggressiv angefühlt. Ach ja, ab und zu, wenn es gerade passt, wird im Kreisverkehr auch einmal abgekürzt, also nicht außen herum gefahren, sondern den kürzesten Weg genommen …

Da wir ständig mit dem Taxi unterwegs waren, beobachtete ich gerne die Fahrer. Angeschnallt wird sich nur dort, wo zügig gefahren wird und nur vorne. Kommt man in die innere Stadt, wo der Verkehr zäh fließt, schnallt man sich ab. Beide Hände am Lenkrad zu halten, geht nicht, weil eine Hand ja das Handy halten muss, mit dem auch navigiert wird. Nur wenige Fahrer hatten eine Halterung fürs Handy. Manche Fahrer hatten wirklich gepflegte Autos, ab und zu hatten wir allerdings auch sehr – sagen wir mal: benutzte Autos. Auf dem Tacho standen mehr als einmal über 600.000 km.

Daran, mit einem Taxi zu fahren, mussten wir uns erst gewöhnen. In Deutschland ist das einfach nur teuer und für uns auf absolute Ausnahmen beschränkt. In Ägypten sieht das anders aus. Für eine Stunde Taxifahrt (die km kann ich nicht abschätzen) zahlt man ca. 10 €. Über die Firma Uber, die weltweit vertreten ist, kann man an jedem Ort und zu jeder Zeit ein Taxi per App anfordern. Über die App bekommt man die Information, welcher Fahrer die Tour angenommen hat und wann er da ist. Man kann sogar genau verfolgen, wo er sich gerade befindet und dann zielgerichtet z. B. einen schattigen Platz verlassen um einzusteigen. Die Autonummer, Autotyp und Farbe, der Name und ein Foto des Fahrers werden gleich mitgeliefert. Da hätten wir ohne Raphael wieder ein Problem gehabt, denn wir konnten die Nummernschilder in arabischer Schrift nicht lesen. Auch die Zahlen sind arabische Schriftzeichen.

Pyramiden von Gizeh

Zum Straßenverkehr komme ich später noch einmal zurück. Jetzt will ich erst unseren tollen Ausflug zu den Pyramiden und der Sphinx beschreiben. Mit dem Taxi fuhren wir nur wenige Kilometer bis zu unserem Ziel. An diesem Tag waren 40 Grad Hitze gemeldet. Man bedenke, dass wir uns knapp 24 Stunden vorher noch im Regen bei 20 Grad befanden.

Von weitem konnten wir die Pyramiden schon erblicken und es fühlte sich irgendwie surreal an. Als wir dann durch den heißen Sand darauf zugingen, und die Pyramiden immer größer wurden, konnte das mein Kopf nicht mehr fassen. Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll, aber ein Teil von mir wusste, wo ich war und ein anderer Teil kämpfte mit der Hitze. Die Sonne brannte wirklich erbarmungslos und die Schildkappe als Sonnenschutz war zu wenig. Der Sand von unten strahlte die Hitze ab und in mir war das Gedankenkarussell: du stehst an den Pyramiden von Gizeh und fällst jeden Moment um. Szenen aus Filmen, die in der Wüste spielten, schlichen sich immer wieder in meine Wirklichkeit… und ja, für alle die sich jetzt Gedanken machen: ich hatte genügend getrunken und Wasser dabei. Ohne Wasser geht man dort nicht aus dem Haus!!

Pyramide Eingang 1

Trotz meines Zustandes konzentrierte ich mich immer wieder auf DAS Ereignis in meiner Realität: ich war in Ägypten und stand vor der Cheops-Pyramide. Die unterste Reihe der Steine der Pyramide war schon höher als ich, die gesamte Höhe beträgt 139 m. Unfassbar was Menschen vor ca. 5000 Jahren geschaffen haben. Man kann die Cheops-Pyramide auch von innen besichtigen. Wer mich kennt, weiß, dass ich mir so etwas nicht entgehen lassen möchte. Raphael sah wohl meinen Zustand und wies mich darauf hin, wie Menschen, die drinnen waren aussahen: pitschnass geschwitzt und ziemlich erschöpft. Außerdem gab es eine Warteschlange in der prallen Sonne. Er machte den Vorschlag in eine Mastaba neben den Pyramiden zu gehen. Dort wurden wichtige Menschen der damaligen Zeit begraben – aber eben keine Könige. Die Gräber sind nicht so groß, nicht so bekannt und deshalb auch nicht so überlaufen. Einen Eindruck, wie sich eine Pyramide von innen anfühlt kann man dort auch bekommen.

Auf dem Weg dorthin, wieder durch den heißen Sand, heiße Felsen und pralle Sonne wurden wir immer wieder von Händlern angesprochen, die uns zu einem Kamel-Ritt, Pferde-Ausritt, einer Kutschfahrt und allem möglichen überreden wollten. Auch allerlei Schmuck, Amulette und Tücher wurden feilgeboten – so wie überall auf der Welt, wo viele Touristen hinkommen – und doch wieder ganz anders. Ich sah nur den Eingang zu dem Grabmal und den Schatten davor – das war mein Ziel.

Zwei Araber in weißen Gewändern bewachten den Eingang. Irgendwie wirkte das wie ein Film Sie hatten eine Sitzbank für sich im Schatten stehen und da fand ich erst mal einen Platz. Auf Fotos konnte ich später meinen roten Kopf sehen – oje, kein Wunder waren die so nett zu mir. Wahrscheinlich machten sie sich Sorgen um mich *lach.

Es stellte sich heraus, dass einer der beiden Herren am Eingang schon oft in Deutschland war und gerne nach Garmisch zum Skifahren fährt. Da habe ich erst mal Bauklötze gestaunt. Was für ein Kontrastprogramm: hier bewacht er bei 40 Grad die Grabkammer und dort fährt er Ski. Er freute sich, dass er seine Deutschkenntnisse auffrischen konnte und ich freute mich, dass ich eine Erholungspause im Schatten hatte.

Der Weg in die Grabkammer überraschte mich auch: in meinem Kopf ging es nach oben – in Wirklichkeit ging es tief unter die Erde. Kleidungstechnisch hatte ich mit meinem Sommerkleid die falsche Wahl getroffen. Eine Hose wäre besser gewesen. Aber ich hatte Glück, denn auf dem Weg nach oben und nach unten war niemand hinter mir *lach.

Tief unter der Erde war es nicht kühl, sondern stickig und feucht. Das Gefühl in einer Grabkammer zu stehen fand ich nicht sehr intensiv. Das lag vermutlich auch an meinem Zustand. Wir ließen die Atmosphäre eine Weile auf uns wirken und beobachteten andere Touristen, die den gleichen Weg auf sich genommen hatten.

Als wir wieder oben ankamen, gab ich dem arabischen Skifahrer 2 Euro, dafür dass die beiden mir eine Erholungspause ermöglichten. Achje, damit hatte ich etwas losgetreten: Er lief mir nach, schenkte mir ein Beduinentuch und zeigte mir, wie das richtig zu tragen ist. Ein Amulett und einen Anhänger bekam ich auch noch. Helmut konnte sich mit Mühe entziehen, auch ein Tuch anziehen zu müssen/dürfen/sollen. Er nahm nur das blaue Amulett dankend an. Raphael brachte sich in „Sicherheit“, indem der einfach los marschierte.

Die Idee, einmal um die Pyramiden zu laufen, verwarfen wir. 40 Grad sind einfach zu heiß. Ich staunte über Helmut: ihm machte die Hitze nichts aus. Raphael offensichtlich auch nicht. Auf dem Weg Richtung Taxi gab es einen schönen Platz mit Sitzgelegenheit, Schatten und Ausblick auf Kairo. Dort legte ich mich ein wenig hin und begann Globulis gegen Hitzschlag und Überanstrengung zu futtern. Relativ zügig spürte ich eine kleine Verbesserung, aber trotzdem war mir klar, dass ich den Weg bis ganz runter zur offiziellen Straße zu Fuß durch diese sengende Hitze nicht schaffen würde. Der Alptraum war für mich, dass ich umkippe und hier ins Krankenhaus käme!!!

Wir überlegten gemeinsam, was der beste und schnellste Weg nach unten sein könnte und entschieden uns für eine Pferdekutsche (Taxis dürfen nicht so weit nach oben fahren). Raphael machte sich auf den Weg um ein passendes Gefährt zu suchen und einen guten Preis zu verhandeln.

Während ich diese Zeilen schreibe muss ich lachen: ob ich das auch gemacht hätte, wenn ich gewusst hätte ….??

Voll sportlich quälte ich mich in die Pferdekutsche, Raphael neben mir und Helmut mit halbem Podex in der Mitte. Für drei ganze Po´s war es zu eng. Ein junger stürmischer Kutscher wollte wohl zeigen, wie gut er sein Gefährt im Griff hat und zwang das Pferd zu einer engen Wende. Dabei stand eine andere Pferdekutsche im Weg und da diese nicht beladen war, wäre sie beinahe umgefallen. Ich bin kein Pferdekenner, aber so etwas macht man nicht!! In unserer Situation hieß das: Schnabel halten und hoffen, dass wir heile unten ankommen.

Ich konnte die Kutschfahrt an den Pyramiden vorbei wirklich genießen. Als der stürmische Kutscher sein Pferd zu mehr Tempo antreiben wollte, konnte ich ihn mit dem Hinweis, dass er eine alte Oma an Bord hat, die gerne langsam fahren möchte, ausbremsen. Auch alt sein hat seine Vorteile *lach.

Das Abenteuer begann, als die Teerstraße steiler wurde. Ausgewählte Reisebusse durften bis zu einem Busparkplatz, der etwa auf der Hälfte der Strecke liegt fahren und die Pferdekutschen wurden auf einen sandigen Weg umgeleitet. So weit so gut. Nach wenigen Metern waren Löcher in diesem Weg von ca. 50 cm Tiefe. Ich hatte Angst, dass die Kutsche nach links = auf meine Seite kippt und die beiden Herren neben mir auf mich fallen würden. Kurze Zeit später das Gleiche in die andere Richtung = ich würde weich fallen.

Ab und zu hatte es den Anschein, dass das Pferd die schwere Last mit uns 4 Personen nicht ausbremsen kann. Dann sprang der Kutscher ab und versuchte das Pferd wieder in eine Bahn zu lenken. Die ganzen Aktionen waren so hektisch und unkontrolliert, dass es mir himmelangst war und wir uns nur irgendwo festhielten (deshalb gibt es davon auch keine Fotos). Auf Höhe der Sphinx war unsere Fahrt zu Ende und ich konnte wieder atmen *lach. Wir überlegten später, warum man diese Löcher im Weg nicht einfach zu macht? Da plagen sich jeden Tag x Kutscher mit ihren Pferden und niemand ändert etwas.

Die Sphinx schauten wir uns vom Weg aus an. Sie stellt einen liegenden Löwen mit einem Menschenkopf dar und soll die Pyramiden, also die Grabstätten der Könige, bewachen. Die Nase fehlt tatsächlich und es stellte sich mir die Frage, ob das wirklich Obelix war?

Irgendwann laufe ich das alles einmal ab: morgens um 6 oder 7 Uhr bei unter 30 Grad mit ein paar Tagen Zeit, um mich an das Klima zu gewöhnen!!!

Unser Weg führte uns mit dem Taxi zu einer Shopping-Mall. Dort gab es etwas zu essen und zu trinken und es war alles klimatisiert. Eine Cola brachte so langsam meine Lebensgeister wieder zurück. Ich sage es immer wieder: Cola ist Medizin, kein Alltagsgetränk *lach – für mich!

Ein schönes Erlebnis hatte ich in dieser Mall. Ich muss ein wenig ausholen, weil bei uns in Deutschland die Gegebenheiten meistens anders sind. Es gibt je nach Geschmack viele verschiedene Möglichkeiten etwas zum Essen zu holen. Gegessen wird dann an einer gemeinsamen Stelle. Ich kenne das von Deutschland so, dass theoretisch jeder seinen Müll selbst weg bringt, praktisch aber alles ziemlich unappetitlich ist.

In Ägypten ist es so, dass man seinen Müll stehen lässt und eine dort angestellte Frau alles weg räumt und den Tisch abputzt. Ich finde das super! Helmut suchte eine Toilette um sich vor dem Essen die Hände zu waschen. Er konnte keine finden. Da ich das gleiche Bedürfnis hatte, überlegte ich nach einer Lösung: die gleiche Wege abzulaufen bringt nichts. Also fragte ich genau jene Frau, die die Tische abräumte nach dem Weg zur Toilette. Sie sprach arabisch – ich nicht… Das Wort Toilette verstand sie wohl und wies mit freundlichem Lächeln mit der Hand den Weg: rechts, rechts, links und da *lach. Ich wiederholte, ebenfalls nur mit der Gestik, und wir freuten uns beide über unsere Art der Völkerverständigung.

Nach dem Essen ließen wir uns nach Hause bringen und ich sank erstmal ziemlich k.o. ins Bett. Als Silvana von der Arbeit nach Hause kam, hatten wir viel zu erzählen. Sie kann von ihrem Arbeitsplatz aus übrigens jeden Tag die Pyramiden sehen.

Abends gingen wir in ein nettes Lokal zum Essen. Eigentlich wollten wir draußen sitzen, denn es waren wieder angenehme Temperaturen. Viele Fliegen hätten uns den Spaß am lecken Essen allerdings verdorben und deshalb entschieden wir uns für die klimatisierten Innenräume. Nach einer Weile fühlte sich das an wie im Kühlschrank… mir kann man auch nix recht machen *lach.

Auf dem Heimweg machten wir noch einen ausgiebigen Rundgang in dem Compound, in dem die Beiden ihre Wohnung haben. Ein Compound ist eine abgeschlossene Wohnsiedlung und es kann kein Unbefugter hinein. Solche Compounds gibt es viele und ich kann sagen, dass man sich wirklich sicher fühlen kann. Dort wo unser Domizil war gibt es 4 Pools, ein Fitness-Center und sehr gepflegte Gärten. Uns fiel auf, dass manche Autos auf den Parkplätzen innerhalb des Compounds einen Scheibenwischer nach oben gestellt hatten. Raphael klärte uns auf, dass dies das Zeichen sei, dass das Auto gewaschen werden soll. Auch cool, wenn man morgens zu seinem sauberen Wagen kommt.

Nach einem schönen gemeinsamen Abend konnten wir nach diesem erlebnisreichen Tag wirklich schlafen wie die Babys. Übrigens kühlte es nachts soweit ab, dass wir mit offenem Fenster schliefen. Die Klimaanlage brauchten wir nicht.

Fahrt im Taxi durch die Stadt

Der Freitag ist in Ägypten so, wie bei uns der Sonntag. Geschäfte haben offen, aber Ämter, Ärzte usw haben geschlossen, wie bei uns sonntags auch. Wer mich kennt, weiß dass ich ein christlicher Mensch bin und regelmäßig Gottesdienste besuche. Zu Hause ist das einfach, im Urlaub manchmal etwas umständlich, aber immer sehr bereichernd, einmal woanders reinzuschauen. Diese Gelegenheit hatten wir an jenem Freitag in einem ganz anderen Kulturkreis. In Ägypten werden Christen kritisch beobachtet, wie bei uns die Moslems. Es ist mancherorts unklug, sich zum Christentum zu bekennen und es kann heute noch Nachteile mit sich bringen. Deshalb treffen sich Christen unserer Glaubensgemeinschaft in einem normalen Wohnhaus, das von außen nicht als Kirche erkennbar ist.

Wir bestellten schon sehr früh ein Taxi und freuten uns auf das, was auf uns wartete. Tja, am frühen Freitagmorgen (man stelle sich den frühen Sonntagmorgen zu Hause vor) gibt es vermutlich nicht so viele Taxifahrer, die schon unterwegs sein wollen. Wir erwischten einen, der besser einen anderen Beruf ausüben sollte. Es dauerte sehr lange, bis er uns überhaupt fand. Auf der App konnten wir den fahrenden Punkt genau verfolgen und Silvana schüttelte ein ums andere Mal den Kopf über die sonderbare Wegstrecke, die er fuhr. Als er endlich da war, überlegten wir tatsächlich kurz, ob wir überhaupt einsteigen sollen *lach. Die Zeit, die wir bisher mit Warten verloren hatten, sprach für Einsteigen. Vermutlich wurde das Auto noch nicht oft gereinigt und ich weiß es nicht mehr genau, aber es hatte bestimmt 600.000 km auf dem Tacho. Der Fahrer fuhr recht unsicher. Es waren nur wenige andere Autos unterwegs – das war auch gut so!! In dem Stadtbezirk, in dem sich die Versammlungsstätte befindet, war er vermutlich noch nie und Navi lesen war auch nicht seine Stärke. Raphael wies ihm mehr als einmal die Richtung…

Ich versuchte mich abzulenken, indem ich die Eindrücke dieser riesengroßen Stadt auf mich wirken ließ. Mir fielen Frauen und Männer am Straßenrand auf, die Müll sammelten. Silvana erklärte uns, dass man hier seinen Müll einfach weg wirft und Müllsammler ihn sammeln und in einem Stadtteil von Kairo bringen. Dort wird er getrennt, nach Brauchbarem und Recycelbarem durchsucht, an die Schweine verfüttert und der Rest verbrannt. Wenn ich mich an die Stadt im Zurückschauen erinnere, habe ich sie als saubere Stadt in Erinnerung. Das augenscheinlich veraltete System scheint zu funktionieren. Viele Menschen haben Arbeit und der Müll wird ordentlich getrennt.

Wohlhabende Menschen stecken Müllsammlern ab und zu einen Geldschein zu. Laut Koran sollen Reiche den Armen etwas abgeben. Ich beobachtete es selbst ein paar Mal und es hatte für mich nie den Eindruck von Almosen, sondern von Achtung und Dankbarkeit, dass jemand diese Arbeit macht.

Es beeindruckten mich die Kontraste, die ich immer krasser empfand, je länger wir unterwegs waren. Tolle Häuser, Moscheen, Einkaufsmalls und daneben halb fertig gebaute oder verfallene Bauten. Raphael erklärte uns, dass man einen Bau hoch zieht, wenn man Geld hat und, wenn es knapp wird, dann hört man halt wieder auf. Da die Inflation so hoch ist, ist das immer noch besser, als das Geld auf der Bank zu lassen…. Das ist mir zu hoch um es zu verstehen und vermutlich denke ich zu deutsch.

In den Ruinen oder halbfertigen Häusern leben viele Menschen. Wir erfuhren, dass es sich hier meistens um nicht legal in Kairo lebende Leute handelt. Man konnte die provisorischen Unterkünfte zum Teil von der Straße aus sehen. Welche Schicksale, welche Träume, welche Enttäuschungen sich wohl dahinter verbergen … nicht zu fassen für einen einzelnen Menschen.

Die Straßen waren überwiegend super ausgebaut und ohne Straßenschäden, wie wir das von Deutschland kennen. Klar, die haben keine Frostschäden und brauchen niemals Streusalz… das ist meine laienhafte Theorie und kann von der Wahrheit weit entfernt sein! *lach

Entlang der Hauptverkehrsachse wird an einer Magnetschwebebahn gebaut und Raphael bewundert bei jedem seiner Aufenthalte den Baufortschritt. Wenn das riesige Bauvorhaben abgeschlossen ist, ist das bestimmt eine große Entlastung für den Autoverkehr.

Magnetschwebebahn

Außer unzählbaren Taxen fahren genauso viele Minibusse, die absolut vollgestopft sind. Menschen stehen am Straßenrand und werden mitgenommen. Ich konnte oft keine Haltestelle erkennen, was aber nicht heißt, dass da keine war.

Übrigens ist man in Ägypten meistens sehr deutschfreundlich. Häufig erkennt man das an den Autokennzeichen, wenn unter dem ägyptischen ein deutsches Kennzeichen hervorschaut. Wir haben sogar ein Kennzeichen mit PF für Pforzheim gesehen *lach. Leider war ich zum Fotografieren zu langsam.

Die geplante Dauer der Fahrt zum Gottesdienst von 1 Stunde für 45 km verlängerte sich Dank der Fahrkünste unseres Taxifahrers um mehr als 30 Minuten. Ich machte mir nach dem Aussteigen ernsthafte Sorgen, ob er jemals ohne Hilfe wieder nach Hause finden würde.

Sorgen mussten wir uns auch machen, ob wir in den Gottesdienst kommen könnten… Silvana informierte zwar andere Gottesdienstteilnehmer von unterwegs per WhatsApp, dass wir etwas zu spät kommen würden. Leider schaute offensichtlich niemand kurz vor dem Gottesdienst auf sein Handy – eigentlich ja lobenswert *lach. So standen wir vor der abgeschlossenen Türe und hörten sie drinnen singen…. schade… Wir machten uns mit Pfiffen und am Tor rütteln bemerkbar und freuten uns sehr, dass wir gehört und eingelassen wurden.

Die anwesenden Gottesdienstteilnehmer schauten interessiert, wer denn da noch so spät dazu kommt. Die Predigt war natürlich auf Arabisch und die Seele hatte mehr Arbeit als der Verstand *lach. Ich mag das, wenn man sich einfühlen und Stimmung aufnehmen kann.

Ein kleiner Predigtteil war auf Englisch aber ich konnte nicht recht folgen, denn a) ist mein Englisch nicht gut genug, b) das Vokabular fehlt mir und c) war ich schon wieder ziemlich k.o.

Während der Predigt wird durchaus einmal kurz telefoniert (was will man machen, wenn gerade jemand anruft?). Es entsteht auch mal ein Dialog zwischen Prediger und Gottesdienstteilnehmer und wenn jemand (ein Erwachsener!) einschläft, wird er liebevoll und heiter wieder aufgeweckt…. Ganz anders als zu Hause. Ich wünschte, dass so Mancher, der sich in Deutschland an unsinnigen Regeln festbeißt, einmal so etwas miterlebt *lach.

Nach dem Gottesdienst verabschiedeten wir uns alle voneinander und wieder war diese Herzlichkeit zu spüren. Wir sprechen nicht die gleiche Sprache und sind kulturell komplett anders geprägt aber trotzdem im Herzen einander nah – wie bereits geschrieben: ich mag das.

Ägyptisches Museum

Wir hatten schon im Vorfeld besprochen, dass wir auf dem Heimweg ins bekannte ägyptische Museum gehen wollten. Das steht in jedem Reiseführer als dringende Empfehlung. Also riefen wir über die App wieder ein Taxi und wurden für die miese Hinfahrt entschädigt: ein Taxi de Luxe nahm uns mit und der Fahrer des super gepflegten und sauberen Fahrzeugs freute sich über unsere Freude *lach.

Wir fuhren zum neuen ägyptischen Museum. Es wurde bereits teileröffnet und wenn es komplett fertig ist, soll es das größte archäologische Museum der Welt werden. Die Architektur ist super beeindruckend und hat durchaus eine Dimension der Superlative. Von weitem sieht es schon super aus, aber je näher man kommt, erkennt man die Größe und kann sie kaum fassen.

Eine zentrale Rolle im Inneren dieses Bauwerkes spielt Ramses II, jener Herrscher der 93 Jahre alt wurde, 66 Jahre an der Regierung gewesen sein und über 100 Kinder gezeugt haben soll. Eine 11 Meter hohe Statue von ihm, die 3200 Jahre alt ist, steht inmitten der großen Eingangshalle. Von dort aus kann man in mehrere Hallen gehen. In einer Halle kann man einen Film in 3D ansehen und ist mitten im Geschehen der vergangenen Jahrtausende. In einer anderen Halle sind mehrere Sarkophagen ausgestellt. In dem für ägyptische Verhältnisse recht hohen Eintrittspreis war auch eine Führung auf Englisch enthalten. Silvana hat mir ein paar Eckdaten übersetzt. Mein Kopf war wieder nicht auf englischen Empfang eingeschaltet *lach. Eine weitere Halle diente der Stärkung des Leibes und einige ansprechende Lokale warteten auf Besucher.

Als wir nach diesen erlebnisreichen Stunden wieder zu Hause waren, war es dringend Zeit für Siesta, die wir auch ausgiebig nutzten. Den Abend ließen wir bei einem super leckeren Abendessen in gehobener ägyptischer Gastronomie ausklingen. Wir bezahlten zu viert übrigens etwa so viel, wie in Deutschland in einem normalen Mittelklasse-Lokal für zwei Personen.

Markt / Bazar

Der Samstag ist in Ägypten so wie der Samstag in Deutschland. Ich finde es allerdings schöner, erst einen Break der Woche zu haben, sich zu besinnen und am Samstag entspannt den freien Tag zu genießen. In Deutschland hetzt man meist am Samstag noch herum (außer man ist Rentner), besinnt sich am Sonntag und startet gleich wieder in die Woche.

Silvana hatte den Vorschlag, den Bazar in Kairos Altstadt zu besuchen. Super, ja: Markt ist immer schön zum Bummeln. Meine Idee von Bummeln auf dem Markt und die Wirklichkeit lagen wieder weit auseinander…

Schon der Weg dorthin war wieder einmal ein Erlebnis. Ich konnte nur mit offenem Mund im Taxi sitzen und staunen. Da fuhren Transporter, die hatten große und kleine Menschen, auf der Ladefläche sitzen. Einer hatte 3 Schafe auf das Dach seines Transporters gebunden – lebende Schafe – versteht sich…. Ein Moped transportierte hochkant eine Holz-Eingangstüre: der Hintermann hielt die Türe fest und sie lehnte am Rücken des Fahrers. In einem Auto zählte ich vorne 3 Personen, hinten 5 Personen und Helmut sah im Kofferraum noch 3 Kinder, niemand davon angeschnallt, logisch – dass nenne ich mal eine effektive Fahrt. Die vielen vollen Kleinbusse und Mopeds mit entweder mehreren Personen drauf oder sehr viel Gepäck irgendwohin gebunden, prägen das Straßenbild. Hammer, Hammer, Hammer *lach. Je näher wir an die Altstadt kamen, desto voller wurden die Straßen und desto langsamer war das Vorankommen. Es wurden uns irgendwelche Sachen ins Auto hinein feilgeboten. Wir mussten wirklich die Fenster schließen…

Einen Blick konnten wir auf den Nil erhaschen und wir sahen den Iconic Tower, der mit 394 Metern Höhe das höchste Gebäude Afrikas ist. Mir wurde bei dieser Erklärung erst bewusst, dass wir uns auf dem Afrikanischen Kontinent befanden.

Als uns der Taxifahrer aussteigen ließ, traf uns das ägyptische Marktleben mit voller Wucht. Wir wurden von allen Seiten angesprochen. Man wollte uns führen (natürlich zu den eigenen Leuten) und quatschte uns auf alle möglichen Sprachen an. Von Silvana kam die Order: „einfach weiter gehen und nicht beachten, das hört an der nächsten Ecke auf.“ Das war allerdings leichter gesagt, als getan, denn die Leute waren sehr anhänglich. Angst hatte ich keine, dafür gab es auch keinen Grund – ich war nur überfordert *lach.

Der Bazar Khan el-Khalili ist einer der ältesten Basare im Nahen Osten und eine beliebte Touristenattraktion. Der Markt ist 24 Stunden geöffnet und soll nachts besonders schön sein, wegen der Beleuchtung. Wir waren tagsüber dort – und das war für mich gut so! Silvana war schon mehrere Male auf dem Markt und war tatsächlich noch nicht überall. In der Recherche für diesen Bericht bin ich auf eine Größe von 5 x 2 km gestoßen. Unendlich viele Gassen mit unendlich vielen Angeboten: Klamotten, Stoffe, Bett- und Tischwäsche, Mitbringsel, Geschirr, elektronische Geräte, Galvanik-Betriebe, Schmuck usw. Ich glaube es gibt nichts, was es dort nicht gibt.

Die Gassen sind eng und voll. Trotzdem fahren Mopeds durch und es scheint ok zu sein. Man macht halt Platz, wenn ein Moped durch will. Manchmal dachte ich, dass es für das Moped zu schmal sei, aber offensichtlich wurde es schon mehrfach probiert und es passte durch die engsten Gassen und Kurven. Auch Fahrräder sind viele unterwegs. Besonders beeindruckte uns ein junger Mann, der mit seinem Fahrrad sehr geschickt durch das Gewühl steuerte und auf seinem Kopf ein Blech mit Fladenbroten transportierte (davon gibt es leider nur ein Video und kein Foto). Auch andere Waren wurden auf den Köpfen balanciert und wir staunten über die Geschicklichkeit der Träger. Das sind Bilder, die man normalerweise nur im TV sieht und dann gar nicht verinnerlichen kann. Wir haben nirgendwo Geschimpfe gehört, sondern die gesamte Atmosphäre war leicht, heiter und schön.

Irgendwann war Aufnahmestopp in meinem Kopf und ich machte den Vorschlag, ein Plätzchen zu suchen, wo wir uns hinsetzen und ausruhen könnten. Tatsächlich fanden wir dies bei einem Imbiss. Wir tranken einen leckeren Tee und Raphael versorgte uns mit einer Tüte Chips. Der Körper verliert beim Schwitzen Salz und der Ausgleich durch den Verzehr der salzigen Chips tat unwahrscheinlich gut. Das erlebte ich so auch noch nie *lach. Wir ließen das bunte Treiben auf uns wirken. Frauen mit und ohne Schleier, Kinder, Männer, Familien – alle waren an diesem Ort unterwegs um etwas zu besorgen oder um zu bummeln. Die heitere Stimmung tat wohl und ich denke heute noch gerne an diese Augenblicke inmitten des Markt-Getümmels zurück.

Mit meinem Orientierungssinn hätten wir nie wieder aus dem Markt heraus gefunden. Gottseidank hatte sich Silvana schon einige Eckpunkte gemerkt und wir schlenderten Richtung Hauptstraße, um wieder ein Taxi zu finden. Trotzdem nahmen wir zum Schluß doch noch Google Maps zur Hilfe, um nicht ständig im Kreis zu laufen. Der Fahrer des Taxis war schnell bestellt, aber an dieser Stelle, an der wir einsteigen wollten, hatten diese Idee wohl noch viele. Vielleicht ist es dort auch immer so? Für den Taxifahrer war es nicht so einfach, ein Plätzchen zum Halten zu finden. Silvana und er hatten Telefonkontakt und trotzdem dauerte es eine ganze Weile, bis wir ihn gefunden hatten. Während dieser Wartezeit hatten uns schon x andere Taxifahrer angesprochen – aber wir hatten ja den Deal mit dem Fahrer von Uber. Raphael erklärte uns, dass man mit Uber-Fahrern auf der sicheren Seite sei, da diese Fahrer zertifiziert sind und einen Führerschein haben sollen …. Okeee!!!

Als wir wieder zu Hause waren, war niemandem mehr nach Essen gehen oder kochen zumute. Deshalb ließen wir uns etwas bringen. Die Fahrer der Bringdienste hatten wir schon oft auf den Mopeds gesehen. Es scheint dort ganz normal zu sein, sich Essen bringen zu lassen. Bei uns ist es vielleicht mal eine Pizza, die man kommen lässt und meistens bin ich dann enttäuscht über Qualität und Service. In Kairo waren wir sehr positiv überrascht über das leckere Essen, das heiß auf dem Tisch stand.

Heimreise

Am Sonntag machten wir uns wieder auf den Weg nach Deutschland. Für Silvana begann die neue Arbeitswoche und Raphael bestellte auf 6.30 Uhr den Fahrer zum Flughafen. Er ließ es sich nicht nehmen, uns dort hin zu begleiten. Der Plan war, dass er, wenn wir eingecheckt haben, wieder nach Hause fährt. Der Fahrer wartete solange auf ihn.

Die Wirklichkeit war die, dass uns der Fahrer nicht zum Haupteingang des Flughafens fuhr, sondern zu einem Nebeneingang – und da durfte Raphael nicht mit hinein. Also hieß es ziemlich überhastet Abschied zu nehmen. Eine strenge Dame zeigte uns, wo wir unsere Koffer, Jacken, Taschen und Tascheninhalte hinlegen sollten, damit es auf einem Band durch den Automaten fährt, der sich die Sachen genauer anschaut. Das Problem war, dass es keine Schalen gab, in die wir z. B. unseren Tascheninhalt hinein legen konnten. Außerdem war das Band so schmutzig, als wäre vorher ein landwirtschaftlicher Hänger entladen worden. Manchen Situationen muss man sich stellen und gute Miene zum blöden Spiel machen. Die gute Miene verfinsterte sich, als wir nach der Kontrolle Helmuts Handy nicht mehr fanden. Die strengen Herrschaften brauchten eine Weile um zu verstehen, woher unsere Aufregung kam. Das Handy war durch die Schlitze gefallen und einer tastete in dem Dreck herum und fand es schließlich. Während der ganzen Zeit stand Raphael hinter der Glasscheibe und merkte nur dass etwas nicht stimmt und konnte uns nicht helfen. Das war bestimmt ein blödes Gefühl für ihn. Ein kurzes Winken und unser Weg führte uns in das Flughafengebäude. Übrigens ein toller und blitzblanker Flughafen. Keine Ahnung, was wir da für einen Eingang erwischt haben.

Problemlos fanden wir unseren Schalter und konnten unsere Koffer abgeben. Ich weiß nicht mehr, wie viele Kontrollen wir durchlaufen mussten, zum Teil auf Strümpfen, da man die Schuhe ausziehen musste. Der Heimflug war auch kein Problem – außer, dass es ziemlich spät etwas zum Essen gab *lach. In Deutschland mussten wir auch mehrere Kontrollen passieren bis wir wieder freien deutschen Boden unter den Füßen hatten.

Diese Reise hat unseren Horizont ein ganzes Stück geweitet und wir stellten wieder einmal fest: alles ist wie zu Hause, nur ganz, ganz anders! Die Eindrücke sind in unseren Herzen eingebrannt und werden so manche Betrachtung von fremden Menschen, Ländern und Situationen beeinflussen!

Ein herzliches Dankeschön an unsere Gastgeber, dass sie Geduld mit uns Landeiern hatten und uns diese tolle Gelegenheit geboten haben. Wir haben uns wirklich sehr wohl mit und bei ihnen gefühlt und diese wenigen Tage sehr genossen!

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2024.08._Süd-England Auf R. Pilchers Spuren

Als ein Prospekt mit der Reise „Auf Rosamunde Pilchers Spuren“ ins Haus flatterte, waren die Landschaften unser Motiv, diese Reise zu buchen. Aus gemachten Erfahrungen ist der August als Hauptreisezeit mit dem Wohnmobil nicht nach unserem Geschmack und deshalb wählten wir diesen Reisezeitraum für die Englandreise.

Anreise nach London

Ich reise ja wirklich sehr, sehr gerne. Jede Reise hat aber etwas, was wirklich nervend ist: a) packen und b) in diesem Fall die frühe Flugzeit. Schon um 3 Uhr klingelte der Wecker, damit wir pünktlich um 5:30 Uhr am Flughafen sein konnten. Um 7:40 Uhr sollte es losgehen und um 8:20 Uhr starteten wir dann wirklich.

Kurz vor dem Boarding gab es einen kleinen Schrecksekunde: ein Teenie kollabierte, wenn ich es richtig beobachtete. Die kleine Schwester war total hysterisch und die Mutter kümmerte sich um beide. Der Vater hütete das Gepäck. Was mich sehr beeindruckte war, wie schnell das Flughafenpersonal reagierte. Eine der ersten Fragen war nach den Koffern. „Wie viele Koffer haben Sie aufgegeben“. Sanitäter waren super schnell zur Stelle und kümmerten sich um das Mädel. Sie war ziemlich schnell wieder fit und konnte mitfliegen. Wäre das Mädel nicht flugtauglich gewesen, hätten alle Koffer wieder ausgeräumt werden müssen, um die Koffer der Familie zu finden. Es darf bekanntlich kein Koffer ohne mitfliegende Person transportiert werden. So entstehen Verspätungen…

Unser Flug verlief problemlos. Der Landeanflug auf London-Heathrow dauerte etwas länger, weil wir 3-mal über London kreisten, bis wir die Erlaubnis zur Landung bekamen. Kurz bevor wir unten waren, startete die Maschine nochmal durch (so etwas haben wir immer nur in Filmen gesehen, aber noch nie selbst erlebt) um dann endlich, nach der nächsten Schleife über London auf englischem Boden zu landen.

Das Hotel war ganz in der Nähe vom Flughafen und der Transfer ging ruckzuck. Die Zimmer konnten wir erst ab 15 Uhr beziehen und es stellte sich die Frage, was wir bis dahin machen sollten. Aufgrund der Zeitumstellung waren wir noch eine Stunde früher als zu Hause. Wir erhielten von der Reiseleitung, die uns in Empfang nahm, viele gute Tipps für leichte Unternehmungen und diverse Bahn- und Busverbindungen in die City. Eigentlich waren wir aber todmüde und nicht darauf eingestellt, uns ins englische Getümmel zu stürzen.

London Hotel Lageplan als erste Orientierung

Wir kamen mit Doris und Gisela ins Gespräch und die beiden hatten die gleichen Ideen wie wir: ein wenig zu Fuß die Gegend erkunden und irgendwo einen Kaffee trinken. Auf diese Weise konnten wir auch die ersten vorsichtigen Schritte mit unseren Sprachkenntnissen machen.

Bei unserem Spaziergang fiel uns auf, dass offensichtlich alle Fenster nach außen aufgehen. Wie kann man die denn putzen?? Gisela hatte schon ein wenig England-Erfahrung und erklärte uns, dass regelmäßig Fensterputzer in ganzen Straßenzügen die Fenster von außen putzen. Diese Aussage wurde uns später von unserer Reiseleiterin Alex bestätigt.

Polperro Fenster nach aussen mit Schiffdeko

Wir waren ziemlich happy, als wir nach unserer Order in einem Restaurant oder Café oder Pub (keine Ahnung, wo wir da gelandet waren) bekamen, was wir auch bestellt hatten: Kuchen und Kaffee. Yes, geht doch!! Sogar ein wenig Obst im Supermarkt konnten wir kaufen und waren froh, ein paar englische Pfund in bar dabei zu haben. Meistens konnte man auf unserer Reise zwar mit Karte bezahlen, aber ab und zu eben nicht.

Hotel Schirmverleih
Schirmverleih-Automat

Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, freuten wir uns sehr, denn wir hatten direkten Blick auf den Flughafen. Der Fluglärm war im Zimmer nicht zu hören und wir beobachteten fasziniert, wie fast im Minutentakt Flugzeuge in alle Welt starteten. London-Heathrow ist der größte britische Flughafen und mit 79 Millionen Passagieren im Jahr 2023 der größte Flughafen Europas und der Viertgrößte weltweit…. und wir saßen in der ersten Reihe am Fenster und konnten dem unglaublichen Flugverkehr zuschauen.

Heathrow Flughafen 1
Heathrow Flughafen nachts 1

Wir gingen nur kurz zum Abendessen aus dem Zimmer und nahmen dann unsere Logenplätze wieder ein. Das Essen war übrigens genau nach meinem Geschmack: indische Küche in Buffetform!

Londonrundfahrt

Den zweiten Tag begannen wir ausgeruht und freuten uns auf die neuen Eindrücke. Das Frühstücks Büfett bot unter Anderem warme Gerichte wie Reis, Gemüse und Dal. Ich ließ mich drauf ein und es ist mir wunderbar bekommen. Vor dem original English Breakfast mit den Würstchen und Bohnen hätte mir gegraust *lach.

Unsere Gruppe war um 15 Personen reduziert: das Flugzeug aus München konnte am Vortag nicht starten, wenn ich es richtig verstanden hatte, wegen eines Unwetters. Schade für die Beteiligten! Dass sich unser Programm an diesem Tag änderte, war für die Münchner allerdings von Vorteil. Schloss Windsor hat am Mittwoch Ruhetag und deshalb wurde der Reiseplan ein wenig umgestellt.

Wir machten zunächst mit dem Bus eine Rundfahrt durch London. Das klingt wenig spektakulär. Der Londoner Straßenverkehr hat es allerdings in sich. Schon an dieser Stelle gebührt unserem Busfahrer Pit großer Respekt, wie er uns sicher und entspannt durch dieses Getümmel führte! Mein Hirn hatte sich noch nicht an den Linksverkehr gewöhnt – das allein beeindruckte mich schon sehr. Die Fülle an Autos, Bussen und Fußgängern ließ uns staunen. Trotzdem erschien es mir nicht hektisch oder aggressiv, wie ich es zu Hause manches Mal empfinde. Es waren (und sind vermutlich immer) sehr viele Touristen zu Fuß unterwegs, was der Stadt ein fröhliches und offenes Gepräge gibt.

London Haeuser 4

Man kann London wie eine Dartscheibe betrachten. Die City ist in der Mitte und folglich sind alles andere die Außenbezirke. In der City leben ca. 9 Millionen Einwohner und in den Außenbezirken 12 Millionen. Dazu kommen Millionen von Touristen. London ist eine der ältesten Städte der Welt und hat ihren Ursprung schon in der Zeit der Römerzeit.

Wenn man in die Nähe der City kommt, fällt auf, dass es keine großen Werbeflächen und Werbeplakate mehr gibt – außer an Piccadilly Circus. Man befindet sich im Hoheitsgebiet des Königshauses und dort ist das nicht gewünscht.

Das Thema Müll finde ich interessant. In Great Britain gibt es keine Mülltonnen, wie wir das von Deutschland kennen. Man hat Plastikbehälter oder Mülltüten und stellt diese vor das Haus, hängt sie an den Zaun oder an einen Baum. Da das mit den Terminen zur Müllentleerung nicht funktioniert (ich vermute, aufgrund der Verkehrslage ist da nichts berechenbar), fährt die Müllabfuhr 24/7. Das Thema Mülltrennung wird ganz langsam bekannt und umgesetzt … London in der City fand ich sehr sauber. Auf unserem Spaziergang am Vortag rund um das Hotel hatte ich diesen Eindruck nicht.

Vermieter werden übrigens Landlady oder Landlord genannt *lach.

Unsere Reiseleiterin Alex erzählte uns auf ansprechende und humorvolle Weise was es links und rechts der Straße Interessantes zu sehen gab.

So wies sie uns auf die vielen Schornsteine auf den Häusern hin. Nachdem im Jahre 1666 4/5tel von London abgebrannt waren (bekannt unter „The great fire“), wurde ein Feuerschutzgesetz erlassen, das besagt, dass jede Feuerstelle im Haus einen Schornstein haben muss. Das bedeutete: viele Schornsteine = viele Feuerstellen und man konnte so seinen Wohlstand präsentieren. Schornsteine sind also ein Statussymbol und es dauerte nicht lange, bis die eine und andere Attrappe auf den Dächern ihren Platz fand.

London Haeuser3

Wir fuhren durch den Stadtteil Kensington und man konnte schon an den Fassaden erkennen, dass es sich um die teuerste Wohngegend Londons handelt. Natürlich standen auch entsprechende Fahrzeuge vor den Häusern. Für eine kleine Wohnung bezahlt man ca. 3.000 englische Pfund (entspricht ca. 3.500€) pro Woche – kalt, versteht sich. Das Thema Mieten und Lebenshaltungskosten greife ich später noch einmal auf.

London Haeuser1

Vom Kensington Palast konnten wir beim Vorbei fahren einen Blick auf den Garten erhaschen. Der Garten ist öffentlich zugänglich und kann besichtigt werden. An der Royal Albert Hall machten wir einen Fotostopp. Es finden dort von Symphonie- und Popkonzerten bis hin zu Sportveranstaltungen wie Boxkämpfen alle möglichen Veranstaltungen statt. Das Gebäude erinnert an ein römisches Amphitheater und kann besichtigt werden. Wir staunten über eine Gedenkstätte, die zu Ehren von Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, dem Gemahl von Königin Victoria errichtet wurde. Sie steht gegenüber der Royal Albert Hall im Kensington Garden.

London Royal Albert Hall

Auch den Hidepark konnten wir nur kurz beim Vorbeifahren auf dem Weg zum Buckingham Palast wahrnehmen. Leider wurde kurz vor unserer Ankunft am Buckingham Palast die Straße gesperrt. Wir erfuhren von Alex, dass dies in London normal sei. Es kann sein, dass ein hoher Politiker anreist, dann wird einfach kurzfristig alles gesperrt.

Wenn allerdings eine Eskorte mit 6 Motorrädern einen Wagen begleitet, weiß man, dass Mitglieder der Königlichen Familie darin unterwegs sind. Sind es nur 4 Motorräder, dann ist es „nur“ der Premierminister.

Wir drehten unsere London-Bustour also weiter und Alex gab uns wissenswerte Informationen:

Staatliche Galerien sind in Großbritannien kostenfrei zu besuchen. Ausgenommen sind natürlich Sonderausstellungen.

Vorherrschende Religion ist der anglikanische Glaube, der seit dem 15. Jahrhundert als Church of England selbständig ist. Die Anglikaner sind zugleich katholisch und evangelisch geprägt.

Ab und zu fielen uns große Tore auf, in denen Pferde und Reiter Wache hielten. Die sogenannten Horsegards stehen 1 Stunde mit ihren Pferden am zuständigen Ort und werden dann ausgewechselt. Eigentlich bewachen sie den königlichen Trakt von Gebäuden. Obwohl heute sehr viel frei zugänglich ist, wird die schöne Tradition aufrechterhalten. Den Touristen gefällt es – und den Londonern bestimmt auch.

Dank des hohen Verkehrsaufkommens konnten wir den Trafalgar Square langsam passieren und einen Eindruck bekommen. Trafalgar Square gilt als die Mitte der Stadt. Die 51 m hohe Nelson Säule wurde 1842 erbaut und dem Admiral Nelson gewidmet, der sich in der Schlacht von Trafalgar (1805) verdient gemacht hat. Die 51 m hohe Säule ist so hoch wie Nelsons Schiff, die HMS Victory, vom Kiel bis zur Mastspitze war.

London Picadilli Circus Statue

Alle möglichen Standbilder von wichtigen Leuten stehen an Straßenecken und erinnern an Menschen, die sich um die Stadt und das Land verdient gemacht haben.

London Statue

Auf und um den Platz gilt übrigens seit 2000 ein strenges Fütterungsverbot von Tauben. Die Ausscheidungen der Tauben beschädigen die historischen Gebäude.

Mehr als einmal an diesem Tag nahm ich mir vor, London im Rahmen einer Städtetour auf eigene Faust zu besuchen und zu Fuß und mit Ruhe alles anzuschauen!

Gegen Mittag machten wir eine Bootsfahrt auf der Themse. Vom Wasser aus das „Eye of London“, Big Ben und die vielfältige Architektur zu bewundern machte Spaß. Leider waren die offensichtlich humorvollen Ausführungen und Erklärungen eines Mitarbeiters an Bord auf Englisch und für mich leider nur sehr unvollständig zu verstehen. Trotzdem war die Bootstour ein tolles Erlebnis!

London Eye
London 5
London 2

Dem Tower of London von der Wasserseite aus näher zu kommen war schön. Wir hatten nach dem Ausstieg ausreichend Zeit, uns verpflegungstechnisch zu versorgen und auch – natürlich – die Tower Bridge zu besuchen. Kurz zusammen gefasst kann man sagen: viele, viele Autos, Busse und Touristen aus aller Welt mit und ohne Selfie-Stangen in der Hand wollten die Brücke passieren, fotografieren und nervten sich gegenseitig. Ich war froh, dass wir vom Wasser aus einen tollen und entspannten Eindruck dieses geschichtsträchtigen Bauwerkes genießen konnten.

London Towerbridge drauf

Mitten in der City war unser Treffpunkt und wir staunten, als wir sahen, dass es ein unterirdisches Parkhaus nur für Busse gibt. Die Fahrkünste der Busfahrer waren gefordert, aus diesem engen Parkhaus ohne Schrammen herauszukommen. Viele schwarze Streifen an den Wänden zeigten, dass nicht alle Fahrer so gut wie unser Pit waren *lach.

Wenn man übrigens in England nach einem Bus fragt, wird man zu den roten Bussen des öffentlichen Nahverkehrs verwiesen. Wir als Gruppe waren mit einem Coach-Bus unterwegs. Das war wichtig zu wissen, wenn man den vereinbarten Treffpunkt nicht gleich findet und nach dem Weg fragen muss…

London Taxi
Die Taxis sehen süß aus.

Oxford

Da das Programm umgestellt wurde, machen wir uns auf den Weg nach Oxford. Wenn man unsere Reise nicht an einem Dienstag (mittwochs Ruhetag Schloss Windsor) beginnt, dann spart man sich einiges an Kilometern im Bus (ca. 2 x 100 km). Gottseidank hatte Alex viele Informationen bereit und so war auch diese Fahrt kurzweilig.

In Großbritannien werden Entfernungen nicht in Kilometern sondern in Meilen gemessen. Eine Meile sind 1,6 Kilometer. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt auch auf Autobahnen und Schnellstraßen 70 Meilen, was 112 Kilometern entspricht. Das heißt, dass der normale Engländer nie schneller fahren darf/kann. In englischen Reiseführern für Deutschland steht deshalb oft die Empfehlung: mietet euch in Deutschland ein schnelles Auto und brettert mal über die Autobahnen. Ich musste lachen: wo kann man in Deutschland über die Autobahn brettern – ich kenne fast nur Stau …

Handwerker in Großbritannien sind nicht gut ausgebildet. Eine Lehre wie bei uns gibt es nicht. Wenn einer etwas weiß und kann, lernt er einen anderen an. Wenn man also nach UK auswandern will, hat man beruflich als ausgebildeter Handwerker oder gar als Meister super Chancen. Alex erzählte von einer persönlichen Begebenheit: sie brauchte Hilfe und rief bei 5 Handwerkern an, 3 riefen zurück und 1 kam vorbei, konnte aber nicht wirklich helfen. Wenn ihr Ehemann aus Deutschland sie besucht, kommen die Nachbarn mit vielen großen und kleinen Bitten um Hilfe bei Reparaturen.

Nach ca. 100 km erreichten wir Oxford (156.000 Einwohner) und spürten schnell den Spirit der vielen berühmten Menschen die in Oxford studierten, so z. B. Bill Clinton, Indira Gandhi, Oskar Wilde, Stephen Hawking usw. Bis dato haben 6 Könige, 5 Staatspräsidenten und 46 Nobelpreisträger in Oxford ihre Studienzeit verbracht.

Oxford Uni2

Mit 41 Colleges trägt es den Namen Universitätsstadt zu Recht. Die Geschichte der ältesten Colleges kann man bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Colleges haben verschiedene Charaktere: so ist z. B. das Balliol College bekannt dafür unkonventioneller zu sein als die anderen. Es wird kein Latein unterrichtet, es gibt keine Roben und auch Arbeiterkinder können es sich leisten, hier zu studieren. Im All Souls College wird nur geforscht, weil eigentlich alle Studenten schon alles wissen.

In der Bodleian Library, einer Bücherei steht von jedem in Great Britain erschienenen Buch ein Exemplar.

Oxford Uni

Die harmonische Architektur spricht einen an und man kann verstehen, warum viele Filme hier gedreht wurden, so z. B. Harry Potter, Inspektor Morris, Rosamunde Pilcher uvm.

Oxford Geschaeft 1

Wegen der Menge an Studenten DÜRFEN! Studenten nur Fahrrad fahren. Selbst wenn der reiche Papa seinem Sohnemann ein tolles Auto hinstellen wollte, dürfte er das nicht. .. Finde ich irgendwie gut *lach

Oxford Fahrraeder

Apropos reich und teuer: wohnen ist in Oxford sehr teuer und reiche Menschen kaufen ihren Kindern lieber Häuser, während diese dort studieren, als für wenige Quadratmeter Wohnfläche zur Miete Unsummen zu bezahlen.

Bekannt sind die Rennen der Rudermannschaften von Oxford und Cambridge, deren Tradition bis ins Jahr 1872 zurückführt. Auch Fußball und Motorradsport sind beliebte Sportarten, die man mit Oxford und die Rivalität zu Cambridge in Verbindung bringt.

Oxford ist auch eine Industriestadt. 1840 kam die Eisenbahn nach Oxford.

Anfang des 20. Jahrhunderts gründete William Morris seine Morris Motor Company und die Firma produziert dort heute noch die Minis. Auch Druckereien und Verlagshäuser siedelten sich an und die Stadt erlebte einen großen Aufschwung. Zum Glück blieb Oxford im Zweiten Weltkrieg vor Angriffen durch die deutsche Luftwaffe verschont.

Oxford Geschaeft2

Beim Durchschlendern von Oxford´s Gassen in eigenem Tempo spürten wir den Geist der vergangenen Zeiten gepaart mit der Leichtigkeit des heutigen Studentenlebens. Nach Alex´s Erzählungen ist es nicht ungewöhnlich prominente Menschen in Oxford zu treffen, die dort ihre Sprösslinge besuchen. Da mir das Gen der Menschenerkennung fehlt, würde ich es vermutlich nicht einmal bemerken *lach.

Das war wirklich ein schöner Ausflug in eine ganz andere Welt!!

Die Heimreise, zurück ins Hotel in London-Heathrow wurde uns wieder von Alex´s Erzählungen versüßt:

In UK sind viele Elektro-Autos unterwegs, die allerdings nicht gekennzeichnet sind. Manchmal ist links am Nummernschild ein grüner Balken, das ist aber keine Pflicht.

Autos haben vorne weiße Kennzeichen (reflektierend) und hinten Gelbe (reflektieren nicht). Geblitzt wird in UK von hinten und bezahlen muss immer der Fahrzeughalter.

Übrigens behalten Fahrzeuge immer das gleiche Nummernschild – ihr ganzes Autoleben lang. Man kann sich Kennzeichen auch selbst zusammenstellen nach allen Möglichkeiten, die es gibt und diese dann kaufen. Normale Kennzeichen haben 2 Buchstaben, 2 Zahlen und 3 Buchstaben. Alle anderen sind gekauft und haben oft einen persönlichen Bezug zum Fahrzeughalter – zumindest zum ersten Fahrzeughalter.

Autonummer Tintagel Hotel
… die Autonummer ist Programm – was die wohl gekostet hat??

Die Parksituation in London ist naturgemäß sehr angespannt. Deshalb gibt es seit 2006 eine sog. Staugebühr. Von Montag bis Sonntag wird diese über ein automatisches Bezahlsystem eingezogen und beträgt 15 Pfund/Tag (ca. 18 €).

Dazu kommen Parkgebühren von 10 Pfund/Stunde (12 €) oder auf einem Dauerparkplatz von 30/40 Pfund/Tag (36/48 €). Wenn man das auf den Monat hochrechnet, ergibt das eine ziemliche Summe.

Es gibt die Möglichkeit, kostenlos auf P+R-Parkplätzen in den Vororten zu parken und mit der U-Bahn in die City zu fahren. Das wird rege genutzt und man sieht oft Menschen in schicken Kleidern und bequemen Schuhen auf dem Weg zur Arbeit.

Gehälter in London liegen im Durchschnitt für einen Buchhalter bei 36.000 Pfund/Jahr (43.200 €) und für einen Lehrer bei 29.000 Pfund/Jahr (34.800 €). Außerhalb von London sind die Gehälter niedriger, in Manchester z. B. kann man ca. 10.000 Pfund weniger rechnen. Dort sind die Lebenshaltungskosten und Wohnen allerdings preiswerter.

Interessant finde ich auch, dass man sich in UK Wohnungen teilt, grundsätzlich nach dem Prinzip einer WG. Allerdings teilt man sich oft auch ein Zimmer, wenn man nicht immer dort wohnt. Am Beispiel von Reiseleitern kann man es gut erklären: solange sie mit einer Gruppe unterwegs sind, bewohnt ein Anderer/eine Andere ihr Zimmer. So kann man die sehr hohen Mietkosten reduzieren. Es erfordert eine exakte Planung, um das pannenfrei über die Bühne zu bringen.

Preise berechnen sich nicht nach Quadratmetern, sondern nach Schlafzimmern. Ein Single-Zimmer ist z. B. mit einem Schrank unter der Treppe einfach miniklein.

Übrigens werden in Great Britain die meisten Wohnungen möbliert vermietet. Da ist ein Umzug in aller Regel nicht sehr aufwändig.

Windsor Castle

Am Donnerstag ging die Reise mit gepackten Koffern weiter. Die Gruppe war nun vollständig, denn die Münchner Gäste waren alle angekommen.

Als erstes Ziel stand Windsor Castle auf dem Programm, das größte, durchgängig bewohnte Schloss der Welt. Wenn die Flagge gehisst ist, bedeutet dies, dass der König oder die Königin anwesend sind.

Windsor King Charles und Camilla

Während unseres Besuches waren sie nicht da – vermutlich hätten wir sie sowieso nicht zu Gesicht bekommen *lach. Obwohl – Alex hatte einmal das Vergnügen, dem König, damals noch Prinz, zu begegnen und ein paar Worte mit ihm zu wechseln.

In 2023 besuchten 1,37 Millionen Personen das Schloss… Ich habe ja auch gerne Besuch … aber was für eine Zahl…*lach. Wir konnten mit dem Audioguide im Ohr auf eigene Faust die der Öffentlichkeit zugänglichen Räumlichkeiten besichtigen und waren sehr beeindruckt von der Größe und Schönheit des Schlosses.

Windsor Bahnhof
Windsor Lokomotive von Elisabeth 1

Fotografieren in den Räumlichkeiten war übrigens nicht erlaubt, was ich auch in Ordnung finde!!

Windsor langer Weg durch Park

Manches kam mir bekannt vor, weil ich es im TV bei irgendwelchen Gelegenheiten schon gesehen hatte: die Plätze in der Kirche z.B., oder der lange Weg im Park, von wo aus man erwartungsvoll zum Schloss schaut, ob sich schon der erste Wagen zeigt. Der Wachwechsel ist auch immer wieder sehenswert.

Windsor Aussenansicht2

Man ist während des Besuches in einer ganz anderen Welt und ich kann wirklich jedem, auch denen, die mit Monarchie und Co nichts am Hut haben, einen Besuch dort empfehlen! Es war schon ein besonderes Gefühl, sich dort zu bewegen, wo die Königsfamilie einen großen Teil des Jahres wohnt und die Prinzen groß geworden sind. – Irgendwie verfolge ich es doch in der Presse…

Windsor Wachen

Im Anschluss an den Besuch im Schloss mussten wir uns entscheiden, ob wir Eton oder das Städtchen Windsor besichtigen wollten. Beides ging aus Zeitgründen nicht. Wir entschieden uns für Windsor und fanden es wirklich sehr ansprechend: ein Städtchen zum Wohlfühlen.

Windsor schoenes Haus

Eton wäre auch interessant gewesen: mit mehr Zeit kann man dort eine Führung im College machen. Es ist eine Privatschule und kostet 63.000 Pfund/Jahr (75.000 €) zuzüglich Kosten für Musik- und Sportunterricht sowie die entsprechende Kleidung… edel, edel …

Windsor offene Kirche
Sollte das nicht überall so sein????

Stonehenge

Unsere Reise ging weiter nach Stonehenge. Wir hatten die Möglichkeit, vom Busparkplatz aus zu den Steinen zu laufen oder mit einem Pendelbus diese Sehenswürdigkeit zu besuchen. Wir trafen die gute Entscheidung mit dem Bus zu fahren, denn der Weg dorthin zieht sich ziemlich in die Länge und es begann ein leichter Nieselregen.

Stonehenge fuer Halbstarke
Halbstarke können sich hier ausprobieren?

Auf der berühmten Anhöhe angekommen, staunten wir über die Größe und Anordnung der riesigen Felsbrocken. Warum die dort stehen und wie sie dort hinkamen ist bis heute nicht bekannt. Es gibt viele Hypothesen, die sich z. T. ergänzen, aber zum anderen Teil widersprechen. Übereinstimmung gibt es in allen Hypothesen darüber, dass es eine Ausrichtung exakt auf den Sonnenaufgang am Tag der Sommerwende gibt.

Stonehenge 2

Viel Mystik liegt an diesem Ort in der Luft und man kann sich einer gewissen Faszination nicht entziehen. Ein Stein wiegt bis zu 70 Tonnen und sie stammen nachgewiesener Weise aus Wales und Irland – wie kamen sie nach Stonehenge? Wer hat sie wie transportieren können? In vielen Sagen ist von dieser Steinformation die Rede. Seit 1.500 Jahren werden dort zur Sonnwende Rituale ausgeübt. Manche sagen Stonehenge bedeutet Totenreich und Woodhenge Lebensreich. Wer weiß es? Es gibt so viele ungeklärte Dinge zwischen Himmel und Erde: Stonehenge gehört definitiv dazu.

Seit 1918 gehört dieses Monument dem englischen Staat, der es auch touristisch erschlossen hat mit Hilfe vom English Heritage. Seit 1986 ist es Weltkulturerbe. In 2023 besuchten 1,33 Millionen Menschen Stonehenge. Ein Besucherzentrum gibt interessante Einblicke in die Forschungsarbeit bis zur Stunde.

Man darf die Monumente leider nur mit einem gewissen Abstand besichtigen. Sonderbare Zeitgenossen machten sich mit Hammer und Meißel daran, Steine als Andenken herauszuklopfen… Wenn das jeder machen würde, wäre das auf der Welt Einmalige bereits verschwunden. Manchmal will man gar nicht glauben, was man hört ….

Die Strecke zu unserem nächsten Übernachtungsdomizil war von der Länge her überschaubar. Ein Stau änderte unseren Zeitplan allerdings ziemlich. Unser Busfahrer war nicht für Fahren im Stau geboren. Mit dem „Mahnah Mahnah-Song“ bekannt aus der „Sesamstraße“ versuchte er seine Nerven zu beruhigen und pflanzte damit einen Ohrwurm in unsere Gehörknöchlein *lach. Die Zeit drängte, da unser Abendessen im Hotel bestellt war und zeitlich nur wenig nach hinten geschoben werden konnte.

Irgendwann entschied Pit – mit dem Argument: ich kenne mich hier aus – die staugeplagte Strecke zu verlassen, um auf Nebenstraßen unser Ziel zu erreichen.

Tja – eigentlich eine gute Idee – nur sind die Nebenstraßen ziemlich eng und links und rechts von bewachsenen Trockensteinmauern begrenzt – und wir mit einem großen Bus unterwegs. Ich fand es spannend und hatte feuchte Hände, wenn uns wieder einmal ein Auto entgegenkam und entweder rückwärts die nächste Parkbucht ansteuerte oder in die Hecken fuhr.

Busfahrt enge Strasse

Anwohner standen z. T. kopfschüttelnd am Straßenrand und meinten, dass wir definitiv nicht durch kommen würden. Da hatten sie die Rechnung aber ohne unseren Pit gemacht, der zeigte, dass er seinen Bus beherrschte und offensichtlich millimetergenau die Abmessungen kannte.

Normalerweise unterhielt uns Alex während der Fahrt mit interessanten Geschichten – sie war still und im Bus war es ebenfalls mucksmäuschenstill, um Pit ja nicht in seiner Konzentration zu stören. Als wir die Bundesstraße wieder erreichten, bekam Pit mächtigen Beifall!!

Ich mag Abenteuer, muss aber ehrlicherweise auch schreiben, dass die Meinungen über diese Aktion im Bus auseinander gingen. Ich weiß aber auch nicht, wie die gleichen Mitreisenden, die das nicht gut fanden, reagiert hätten, wenn unser Abendessen kalt gewesen wäre – also lieber so wie es war – und ich habe Grund, diese Begebenheit zu beschreiben *lach.

Müde von den Eindrücken an diesem Tag erreichten wir unser nächstes Hotel in Newton Abbot in der Grafschaft Devon. Das erste Abendessen gab es im urigen Pub des Hotels und war lecker. Das Hotel war schon ein wenig in die Jahre gekommen, strahlte aber einen gewissen Charme aus und es war sauber. Was will man mehr.

Hotel und Garten
Gartenwirtschaft am Pub

Durch das wunderschöne Cornwall

Am Freitag lagen wieder einige Kilometer vor uns, deshalb war bereits um 8.00 Uhr die Abfahrt. In dem Newton Abbot Hotel war es üblich, das Abendessen vorzubestellen. Also las uns Alex im Bus die Speisekarte vor und gab dann eine Liste herum, auf der jeder eintragen sollte, was er abends zum Essen möchte. Ich fand es schwierig mir Gedanken über das Abendessen zu machen, wenn ich noch satt vom Frühstück war. Vorsichtshalber schrieb ich immer auf, was wir gewählt hatten – die Zeit bis zum Abendessen war lang und prall gefüllt mit Eindrücken…

Bus Essensbestellung

Wir näherten uns der Grenze zu Cornwall und Alex kam ins Schwärmen über diesen schönen Landstrich. Der Fluss Tamar trennt die Grafschaften Devon und Cornwall.

Cornwall Grenze Tamar Bruecke
Tamar Bridge

Cornwall ist recht dünn besiedelt und es gibt wenig Industrie. Im 18. und 19. Jahrhundert war es europaweit führend im Bergbau. Die Arbeitsbedingungen mögen an wenigen Eckdaten erkennbar sein: 12 Stunden-Schichten an 6 Tagen in der Woche. Der Auf- und Abstieg in die Grube zählten nicht als Arbeitszeit. Dass bereits Kinder mitarbeiten mussten, war normal. Die Lebenserwartung eines Bergmannes betrug ca. 25 Jahre.

unterwegs Bergwerkskamin
vereinzelt sieht man noch Bergwerkskamine

Es wurden Zinn und Kupfer abgebaut. Nach dem zweiten Weltkrieg sanken die Preise, da in anderen Teilen der Welt preisgünstiger abgebaut werden konnte. 1998 wurde das letzte Bergwerk geschlossen. Ganz aktuell werden 2 Bergwerke wieder aktiviert und mit neuer Technologie ausgerüstet. Das gibt wieder Arbeitsplätze in diesem schönen aber armen Landstrich.

Arbeitsplätze bietet die Cornish Pasty-Herstellung. Dieses typische Gericht gibt es in Cornwall an jeder Ecke zu kaufen und ist wirklich lecker. Natürlich gibt es dazu auch wieder eine Geschichte: Ungefähr im 13. Jahrhundert packten die Frauen der Bergleute das Essen für ihre Männer in Teigtaschen. Diese wurden mit Initialen versehen, damit sie nicht verwechselt werden konnten. Gefüllt wurden sie mit allen möglichen Zutaten. Man kann es kurz beschreiben als einen Eintopf, der in die Hand genommen werden kann.

St Ives Pasties Reklame

Man konnte und kann Pasty´s warm und kalt und einfach aus der Hand essen. Heute werden sie mit Rind, Lamm und verschiedenem Gemüse gefüllt.

Im Frühling werden in Cornwall Narzissen angebaut. Bestimmt hatte mancher, der im März Osterglocken kauft Produkte aus Cornwall in der Vase.

In den weiten, dünn besiedelten Landschaften gibt es Wildpferde und Ponys. Die typischen Trockensteinmauern, die viele Straßen und Grundstücke begrenzen dienen dem Naturschutz für Insekten und allerlei kleinem Getier. Naturschutz ist ein großes und wichtiges Thema in Cornwall. An anderer Stelle will ich darüber mehr berichten.

unterwegs Landschaft mit Sandsteinmauer

St. Ives

Unser erstes Ziel an diesem Tag war St. Ives, welches früher vom Fischfang lebte. Irgendwann gab es zu wenige Sardinen und Krabben und die Fischer zogen weg. Künstler und Maler erkannten die Schönheit dieses kleinen Ortes und machten ihn berühmt. Die am Meer gelegene Galerie Tate St. Ives bietet wechselnde moderne Kunstausstellungen. In dieser Künstlerkolonie leben ca. 11.000 Menschen und gehen ihrem Kunsthandwerk nach: töpfern, Glaskünstler, Bildhauer, Maler… Rosamunde Pilcher wurde übrigens in der Nähe von St. Ives geboren – um den Titel unserer Reise aufzunehmen.

In einer ausgiebigen Mittagspause konnten wir uns einen Eindruck von diesem schönen Ort verschaffen und – natürlich ein leckeres Cornish-Pasty verspeisen – auf einer Bank am Wasser, im Sonnenschein…

In Sichtweite nach St. Michael´s Mount, in Pensence machten wir einen kurzen Fotostopp. St. Michael´s Mount ist eine Gezeiteninsel an der Südwestspitze Englands, also am „Eingang“ zum Ärmelkanal. Der Atlantik ist in Sichtweite. Bei Niedrigwasser kann man über einen Damm zu Fuß auf die Insel gelangen. Seit dem 17. Jahrhundert verwaltet die Familie St. Aubyn die Insel. Der Hausherr macht ab und zu Führungen oder sitzt im Garten und beobachtet seine Gäste. Im Jahr 2023 waren etwa 400.000 Menschen auf der Insel um dieses Kleinod in Cornwall zu besichtigen. Schade, dass es für uns nicht möglich war.

Insel St Michael
St. Michael´s Mount

Lands End

Mein persönliches Highlight an diesem Tag war Land´s End, der westlichste Punkt Great Britains. Der Blick auf das weite Meer und die schroffen, bis zu 60 m hohen Klippen zogen mich ganz in ihren Bann. Wenn ich jetzt, beim Schreiben, die Augen schließe, kann ich die Landschaft vor meinem inneren Auge sehen, das Meer riechen und das Gefühl von Weite spüren.

Landsend Schild

Im einzigen Hotel vor Ort konnten wir den berühmten Cream Tea mit Blick auf diese herrliche Landschaft genießen. Ich glaube, daran könnte ich mich gewöhnen: nachmittags einen leckeren Tee, Scones, Clotted Cream (oder weniger authentisch, Schlagsahne) und Marmelade.

Landsend Tea Time

Man kann auf den Klippen herrliche Wanderungen machen und die Natur auf sich wirken lassen.

Manche Landschaften kamen mir bekannt vor: ja, ich habe schon den einen und anderen Rosamunde Pilcher-Film gesehen* lach. Auf Land´s End wurden einige Filme bzw. Szenen gedreht.

Wie im Flug vergingen die 2 ½ Stunden auf Land´s End.

Landsend 6 1

Die Fahrt zurück zum Hotel wurde uns im Bus mit dem Rosamunde Pilcher Film: „Wenn das Herz zerbricht“ versüßt?/versauert? – je nach Geschmack. Auf alle Fälle hatte beim Happy End mindestens die Hälfte aller Businsassen feuchte Augen *lach.

Heinrich der VII.

Alex machte es sich zur Aufgabe, uns jeden Tag auf der Rückfahrt ins Hotel die Geschichte von Heinrich VIII und seinen 6 Ehefrauen nahe zu bringen. 6 Ehefrauen – 6 Reisetage … als wäre es so geplant gewesen. Ich möchte in diesem Reisebericht die zum Teil gruseligen Geschichten nicht berichten. Eine Kurzfassung davon mag genügen:

Heinrich VIII. (1491-1547) war von 1509 bis 1547 König von England und ab 1541 auch König von Irland. Als jüngerer Sohn von König Heinrich VII. und Elizabeth von York wurde er nach dem frühen Tod seines älteren Bruders Arthur im Jahr 1502 Thronerbe. Seine Krönung im Juni 1509 war nach den englischen Rosenkriegen die erste friedliche Thronbesteigung seit beinahe 100 Jahren. Als erster humanistisch gebildeter König von England war Heinrich ein typischer Renaissancefürst: Er sprach mehrere Sprachen, verfasste Gedichte, komponierte und zeigte großes Interesse an religiösen Themen. In seiner Jugend war er ein athletischer, charismatischer Mann, dessen Herrschaftsantritt freudig begrüßt wurde, in späteren Jahren jedoch war er fettleibig, chronisch krank und galt bei Vielen als Tyrann. Eigentlich war Heinrich VIII. Katholik, überwarf sich allerdings mit dem Papst und ebnete dem Protestantismus in England den Weg. Er förderte den Druck einer englischsprachigen Bibel.

  • Seine erste Ehefrau war Katharina von Aragon (1485-1536). Sie heirateten 1509 und die Ehe wurde annulliert, da sie ihm nur Mädchen, aber keinen Thronfolger schenkte. Die Tochter Mary überlebte und wurde später als Bloody Mary bekannt.
  • Die zweite Ehefrau war Anne Boleyn (1501-1536) – die Hofdame Katharinas. Sie heirateten 1533 und sie wurde aus dem gleichen Grund hingerichtet – sie gebar nur Mädchen. Sie weigerte sich allerdings in eine Scheidung einzuwilligen. Ihre Tochter Elisabeth wurde später Königin Elisabeth I.
  • Die dritte Ehefrau war Jane Seymour (1507-1537). Sie heirateten 1536 – 2 Wochen nach der Hinrichtung von Anne. Sie starb nach der Geburt des lang ersehnten Thronfolgers Edward (1537- 1553).
  • Die vierte Ehefrau war Anna von Kleve (1515-1557). Sie heirateten 1540 aus politischen Gründen. Heinrich kannte sie nur von einem gemalten und offensichtlich geschönten Bild und konnte so gar nichts mit ihr anfangen. Er ließ die Ehe schnell wieder annullieren.
  • Die fünfte Ehefrau war Catherine Howard (1525-1542). Sie heirateten 1540. Sie genoss das Leben und ihr alter Ehemann konnte nicht mehr mithalten. Da sie keine Kinder bekam und irgendwann das Leben ohne ihren Mann zu sehr genoss, wurde sie hingerichtet.
  • Die sechste Ehefrau war Catherine Parr (1512-1548). Sie heirateten 1543 und sie überlebte Heinrich. Sie kümmerte sich auch um die „Stiefkinder“ und bekam den Titel Königin von England und von Irland. Sie heiratete kurz nach Heinrichs Tod ihre große Liebe Thomas Seymour und verlor damit ihre Titel wieder.

Nach Heinrichs Tod fiel die Krone nacheinander an seine drei überlebenden Kinder: zunächst an seinen neunjährigen Sohn Eduard, der früh, mit 16 Jahren, verstarb, dann an die älteste Tochter Maria und schließlich an seine Tochter Elisabeth. In der Populärkultur ist Heinrich VIII. vor allem für seine sechs Ehen bekannt.

*lach, das war die Kurzversion! Schaurige Zeiten, schaurige Sitten – aber auch das gehört zur Geschichte Englands und war interessant zu hören.

Als wir im Hotel in Newton Abbot ankamen war dort Hochbetrieb. Es fand die Hochzeit von Christine & Charlie statt (stand auf einem Schild) und wir fragten uns, wie die Nacht wohl werden würde… man weiß, dass die Engländer feiern können (siehe Bericht über die Irlandreise)… Wir hatten eine ruhige Nacht – gottseidank *lach.

Polperro

Am 5. Tag, dem Samstag begrüßten wir zuallererst ein Geburtstagskind im Bus mit dem obligatorischen Geburtstagsständchen. Mit nun 81 Jahren diese Tour zu machen, zeigt, dass sie noch ziemlich fit war (und hoffentlich noch ist)!

Unsere Fahrt führte uns an diesem Tag über Plymouth und die Tamar-Brücke nach Polperro. Unterwegs erfuhren wir wieder interessante Tatsachen.

So werden aus dieser Gegend Englands Töpfereien mit Lehm versorgt, der hier abgebaut wird.

Gräber bleiben in England immer bestehen und werden nach einer gewissen Zeit nicht abgebaut/weg gemacht – oder wie immer man das nennen mag. Irgendwann sieht man auf einer Grasfläche nur noch die verwitterten Steine stehen.

Friedhof
Friedhof

Man bezahlt im Vereinigten Königreich keine Kirchensteuer. Kirchen finanzieren sich durch Erbschaften, Gönner, Cafés usw.

Im Vereinigten Königreich wird sehr auf Naturschutz geachtet. King Charles ist z. B. der Schirmherr von „The National Trust“. Dieser Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, besondere Orte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Verarmte Adelige überlassen ab und zu dem Staat ihre Herrenhäuser und Parks, der es dann dem National Trust übergibt. Die ehemaligen Besitzer behalten oft ihr Wohnrecht.

Polperro The National Trust

Die Instandhaltung wird über Eintrittsgelder finanziert. Mit einer Mitgliedschaft kann man diesen Verein unterstützen. Die Kosten von 60/70 Pfund/Jahr (72-84€) sind überschaubar. Man hat dann den Vorteil, dass Eintritte vergünstigt sind, Parkgebühren entfallen und man Informationen über das Anwesen und den Verein bekommt. Mit ca. 6 Mio. Mitgliedern kann der Verein viel Gutes für die Natur bewirken. So werden z. B. die Küstenlandschaften besonders geschützt und darauf geachtet, dass sie nicht verbaut werden. Feriengäste sind willkommen, übernachten aber nicht in Bettenburgen, sondern in den Herrenhäusern.

Herrenhaus

Übrigens sind die Engländer sehr hundefreundlich. Nach dieser Information fiel uns erst auf, dass wirklich viele Menschen mit Hunden unterwegs waren.

Plymouth sahen wir nur vom Bus aus, erfuhren aber von Alex, dass es eine der wichtigsten Hafenstädte England ist. Berühmte Personen wie Sir Francis Drake, James Cook und Charles Darvin starteten von hier aus auf ihre abenteuerlichen Reisen in die große, weite Welt.

Der Fluss Plym bildet die Stadtgrenzen.

Ein lustiges Kuriosum ist das Plymouth Ski Centre, wo man das ganze Jahr über Ski fahren und Ski-Kurse besuchen kann. Eine Werbefigur des Ski Centres ist Eddie the Eagle, der 1986-1988 die Skisprungwelt als schlechtester Skispringer aller Zeiten beschäftigte.

Ski edited

Unser erstes Ziel, Polperro hat den Ruf, eines der schönsten Fischerdörfer Cornwalls zu sein. Der Bus parkte etwas außerhalb, da das Städtchen a) ziemlich eng und b) größtenteils verkehrsfrei war. Die Straße ins Dorf hinab war angenehm zu laufen. Links und rechts konnten idyllische Häuser, schöne Gärten, weißgetünchte Fischerhütten und Geschäfte bewundert werden. Kunsthandwerk und Süßwaren, Backwaren und Fisch wurden angeboten.

Polperro Fischerhaeuser
Polperro schoenes Anwesen

Bei unserer Ankunft war Ebbe und ich fand es besonders reizvoll zu sehen, wie die Boote im Schlick aufsaßen. Der Tidehub beträgt übrigens 3,5 m im Hafenbecken, das finde ich ganz schön viel!

An manchen Straßen fielen uns über die Straße gespannte Drähte auf. Diese dienen dazu, Fledermäuse zu ihrem Schutz „umzuleiten“.

Zum Thema Fisch bekamen wir einen Tipp von Alex: bei „Kitti“, einer Fischbude gäbe es den besten frischen Fisch, Rollmöpse, Austern, Hummer und Fischbrötchen. Was soll ich sagen: mir fehlte der Vergleich zu anderen Geschäften, aber bei Kitti war es einfach nur lecker!!! Ich glaube, dass jeder aus unserem Bus bei Kitti zum Essen war *lach. Kitti spricht übrigens auch ein wenig deutsch.

Polperro Kitty

Die Geschichte Polperro´s spiegelt sich an manchen Stellen wieder und ein wichtiger Bestandteil dieser Geschichte war: Schmuggel. Die Lage bot sich dazu an. Der Hafen liegt gut versteckt hinter hohen Felsformationen mit einer schmalen Zufahrt vom Wasser aus. Ein Schmugglermuseum lud ein, sich in diese Zeit versetzen zu lassen.

Polperro Smugglerhouse

Da man bei so einem kurzen Ausflug nicht alles sehen kann, entschieden wir uns gegen das Museum und für die herrliche Natur. Wir spazierten bis ans Meer und genossen die schmalen Pfade, die auf die Felsen führten. Sie wurden übrigens vom National Trust angelegt und gepflegt.

Polperro Pfad am Meer

Wir konnten uns lebhaft vorstellen, wie Schiffe von Irrlichtern irritiert wurden und auf Grund liefen. Sie waren dann ein leichte Opfer für Polperro´s Bewohner, die sich damit ihren Lebensunterhalt verdienten. Ein Lehrer war übrigens der „Chef“ der Schmuggler. Er war bekannt als der „Pate von Polperro“. Nachdem die Zeit der Schmuggelei vorbei war, starb dieser friedlich und ehrenwert.

Polperro Berg

Polperro ist wirklich einen Ausflug wert und man kann sich dort durchaus einen ganzen Tag aufhalten, ohne dass einem langweilig würde.

Herrenhaus Lanhydrock House

Der nächste Besuch führte uns nach Lanhydrock House einem Herrenhaus mit riesigem und wunderschön angelegtem Landschaftspark. Viele Teile des Hauses stammen aus einer Zeit um 1550. Es war damals ein klösterlicher Bauernhof und ging später in Privatbesitz über. Die vielen Familien, die es in diesen Jahren besaßen, will ich gar nicht erwähnen.

Lanhydrock mit Park

Nachweislich begann im Jahr 1621 der damalige Eigentümer das Herrenhaus in dem Stil zu erbauen, den es heute noch hat. Im Laufe der Zeit wurden immer neue Flügel angebaut. Zu manchen Zeiten war der Garten eingezäunt und es wurde dort Rotwild gehalten. Zwischenzeitlich war das Haus komplett heruntergekommen, und es wurde in Erwägung gezogen, es abzureißen. Doch immer wieder fanden sich Menschen, die dem Charme dieses Gemäuers erlagen und auch die nötigen finanziellen Mittel hatten, um es wieder schön herzurichten.

Im April 1881 zerstörte ein Großbrand einen großen Teil von Lanhydrock House. Die Bewohner blieben unverletzt, verstarben aber kurz danach. Der Erbe, Thomas Charles, ließ das Herrenhaus wieder aufbauen. 1954 wurden die ersten 6 Zimmer des Herrenhauses der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Besucherzahlen stiegen beständig an und erreichten im Jahr 2023 die stolze Zahl von 179.000 Personen. Lanhydrock House war Filmkulisse in manchen Filmen, natürlich auch in Rosamunde Pilcher Filmen *lach.

Wir wandelten durch die geschichtsträchtigen Räumlichkeiten. Mit massivem Holz und großen schweren Möbeln drückte man damals vermutlich seinen Wohlstand aus. Besonders hat mir die riesengroße Küche gefallen und ich konnte mir gut vorstellen, wie dort köstliche Leckereien gezaubert wurden. Wenn man bedenkt, dass dort ca. 80 Personen als Personal 12 Bewohner*innen bedienten, war das bestimmt ein ziemliches Gewusel.

Lanhydrock Thank you for not touching
… geht auch nett!

Bei einem Spaziergang durch den Garten konnten wir wunderschöne Pflanzen sehen. Ich kenne mich leider in der Botanik nicht gut aus. Einige Pflanzen sahen für mich aber so aus, als ob sie nicht in jedem englischen Garten wachsen.

Lanhydrock Blumen
Lanhydrock Park

Super gepflegte Rasenflächen mit Hecken und Bäumen luden dazu ein, betreten zu werden! Ja, liebe Leser*innen, da standen Schilder, dass Kinder spielen dürfen und man sich auf dem Rasen bewegen darf – nicht wie ich es von Deutschland kenne: „Betreten verboten!“ Abnutzungsspuren habe ich übrigens nicht gesehen *lach.

Lanhydrock Spielwiese

An diesem Abend waren wir etwas früher als sonst im Hotel und vor dem Abendessen war sogar Zeit für einen Saunagang, eine Runde Schwimmen und um im Whirlpool zu entspannen.

RHS Garden Rosemoor

Am 6. Tag fuhren wir in die Nähe von Torrington zum RHS Garden Rosemoor. RHS ist ein Verein, der zum Ziel hat, Gartenkunst zu fördern. Seit mehr als 200 Jahren gibt es diesen Verein schon und in 5 Gärten, die im Vereinigten Königreis verteilt sind, lassen sich jährlich mehr als 3 Millionen Gäste von den Arrangements verzaubern. Alex legte Wert darauf, früh genug dort zu sein, damit wir ganz entspannt dieses 26 Hektar umfassende Paradies genießen konnten.

Garden Rosemoor Seerosen

Mit Worten ist das eigentlich nicht zu beschreiben, deshalb will ich an dieser Stelle nur ein paar Bilder sprechen lassen und die Empfehlung aussprechen: wer sich – auch nur ein wenig – für Blumen, Pflanzen und Natur interessiert, soll Gelegenheiten wahrnehmen, einen RHS-Garden zu besuchen.

Garden Rosemoor BaumKissen
Garden Rosemoor Seerosenteich
Garden Rosemoor Vogelscheuche

Tintagel

Auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel an diesem Tag, Tintagel, erzählte uns Alex wieder einiges Wissenswertes über Land und Leute:

Wenn man genügend Geld hat, ist es in Cornwall bezaubernd. Leider haben das nicht Viele. In der Regel hat man 2-3 Jobs, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Rente alleine reicht normalerweise nicht zum Leben und die alten Menschen verdienen sich noch etwas hinzu oder müssen von der Familie unterstützt werden.

Der Brexit wurde sehr einseitig propagiert. Die Vorteile der EU wurden nicht offen gelegt und so wurden die Folgen des Brexit´s beim normalen Volk unterschätzt.

Junge Menschen wandern in die Städte ab, weil sie dort Arbeit finden. 30 % des Bruttoinlandproduktes macht der Tourismus aus. Im Sommer liegt die Arbeitslosigkeit bei 1 % und im Winter bei 30 %. Rentner mögen das milde Klima in Cornwall und deshalb sind ca. 22 % der Einwohner Cornwalls Rentner.

Das durchschnittliche Jahreseinkommen in Cornwall beträgt 15.000 Pfund, das sind ca. 18.000 €.

Eine durchschnittliche Miete liegt bei 700 Pfund = ca. 850 €/Monat.

Die Immobilienpreise sind in den vergangenen Jahren explodiert. Hat jemand vor 12 Jahren ein Haus für 200.000 Pfund gekauft, verkauft er es derzeit für 2,5 Mio. Pfund. Die Banken geben hohe Kredite, auch an Rentner. Oft läuft das dann unter Immobilienrente, was heißt, dass Rentner eine WG bilden und so die Miete bezahlen. Eine Schufa wie bei uns gibt es nicht. Die Banken haben aber einen Score, bei dem das Verhältnis der Einnahmen und Ausgaben ausschlaggebend für die Kreditvergabe sind.

Hinterhof

Im Badeort Newquay leben im Sommer 5-mal mehr Personen als im Winter. Viele Wohnungen werden an reiche Londoner verkauft. Diese sind meist über den Sommer in ihrem Feriendomizil. Im Winter sind die Badeorte wie ausgestorben und sogar die Supermärkte haben geschlossen.

Das Gesundheitssystem ist auch ganz anders als in Deutschland, nämlich seit 1948 kostenlos.

Gesundheit ist ein Grundbedürfnis, soll kostenlos sein und medizinisch notwendig. Es finanziert sich über Steuern und diverse Abgaben. Auch Touristen werden kostenlos behandelt. Wer im Gesundheitssystem arbeitet, ist bei einem Top Arbeitgeber beschäftigt. Es wird dafür gesorgt, dass die Versorgung mit Allgemeinärzten und Apotheken gewährleistet ist. Allgemeinärzte behandeln alles, auch Arbeitsunfälle, chronische Erkrankungen und sind zuständig für Bescheinigungen aller Art. Es gibt nur wenige Fachärzte und derzeit herrscht ein akuter Mangel an Zahnärzten, denn da geht ein Allgemeinmediziner nicht dran *lach. Freie Arztwahl gibt es nicht. Jeder Arzt hat einen bestimmten Bereich zu betreuen und da muss man hin.

Mit diesen Informationen beantwortete Alex viele Fragen, die von Mitreisenden gestellt wurden. Sie sind für mich auch ein Grund, warum ich die geführten Gruppenreisen so mag! Die Zeit verging wie im Fluge und unser Ziel, Tintagel war in Sicht.

Tintagel Ortsstein

Tintagel ist vor allen Dingen für seine Burg Tintagel Castle bekannt. Eng verbunden ist dieser Ort auch mit der Sage von König Arthus, da Arthus am Strand angespült worden sein soll und vom Zauberer Merlin in dessen Höhle aufgezogen wurde. Tintagel gilt als eines der beliebtesten Reiseziele in England und entsprechend voll kann es werden.

Die Ortschaft selbst hat einen gewissen Charme, die Häuser aus Schieferstein geben Tintagel eine ganz besondere Note. Schiefer wird dort in der Gegend abgebaut und man findet wirklich jedes Mäuerchen und viele Häuser (vor allen Dingen die älteren Häuser) mit Schiefergestein erbaut.

Tintagel Haus mit Sandsteinmauer

Die spektakuläre Landschaft unterstreicht die mystischen Geschichten um die Sage um König Artus. In vielen Geschäften, Cafés und Restaurants kann man regionale Gerichte probieren. Ich habe auf unserer Reise schnell gelernt, dass es Sinn macht, sich auf Alex´s Empfehlungen zu verlassen. So pries sie uns einen Straßenverkaufs-Imbiss als sehr gute Adresse für fish & chips an. Was soll ich sagen: sie hatte mal wieder Recht. Sogar die Empfehlung, zu zweit nur eine Portion zu nehmen hat sich bewährt *lach.

fish chips

Schon im Bus bekamen wir Vorschläge von Alex, was wir in unserer freien Zeit dort machen könnten. Wer gut zu Fuß war, konnte sich die Burg anschauen. Wer das nicht wollte, dem standen Geschäftebummel oder ein Hotel gegenüber der Burg mit schöner Aussicht und einem Café zur Auswahl. Ich hatte ausnahmsweise keine Lust auf marschieren und besichtigen und so steuerten wir das Hotel an. Wow, da hatten wir für uns eine gute Wahl getroffen: einzigartige Lage, mit feudaler Einrichtung und von der Terrasse aus ein unbeschreiblicher Ausblick auf die Burg und die gigantische Brücke dort hin.

Tintagel Blick vom Hotel auf Bruecke zur Festung

Ich war dort übrigens auf der edelsten Toilette, die ich bisher gesehen hatte….

Tintagel Hotel Toilette

Mitreisende, die sich für die Burg entschieden berichteten später, dass es für die Zeit, die wir zur Verfügung hatten zu weit war und der Eintrittspreis für die Burg sich deshalb nicht rentierte.

Auf dem Weg zurück zum Bus fand ich eine Kreditkarte auf dem Boden liegend. Nach kurzer Beratung mit ein paar Mitreisenden gab ich die Karte im fish & chips-Laden ab. Am Bus erzählten wir von unserem Fund und – siehe da – die Karte gehörte einer Mitreisenden. Puh, da wäre die Aufregung groß gewesen, hätte sie den Verlust erst später bemerkt.

Für Autos gibt es in England übrigens keine TÜV. Die Hauptuntersuchung heißt MoT Test und ist seit 1960 einmal jährlich Pflicht. Oldtimer sind frei.

Betreuung für Kinder, die noch nicht in der Schule sind, steckt noch in den Kinderschuhen. Die wenigen Plätze sind rar und man regelt die Beaufsichtigung der Kinder mit Au-pairs oder Nannis. Kinder kommen mit 5 Jahren in die Schule und der Unterricht geht bis 15.30 Uhr. Teure Privatinternate nehmen Kinder ab 3 Jahren auf und bis zum Abitur mit 18 Jahren können sie dort bleiben. Ein Jugendamt gibt es nicht.

Auch Mutterschutz und Co. gibt es nicht. 3 Monate nach der Entbindung muss die Mutter wieder arbeiten und die Lücke wird mit einer privaten Nanni geschlossen. Wie kann es anders sein: Kindergarten ist sehr teuer. 19.000 Pfund (fast 23.000€) kostet für ein 1-jähriges Kind 1 Jahr Kinderbetreuung. In London ist es noch teurer.

Bei London gibt es eine einzige deutsche Schule. Kinder haben meist ein falsches Bild von Deutschland. Sauerkraut, Lederhose, Dirndl verbinden sie mit Deutschland und sie glauben tatsächlich, dass Adolf Hitler noch lebt und man sich mit ausgestrecktem Arm begrüßt. Mann, Mann, Mann, da fällt mir nichts mehr ein …

Polperro Defibrilaor
praktische Lösung

Mit vielen Gedanken im Kopf kamen wir im Hotel an und bereiteten nach dem Abendessen unsere Koffer für den kommenden Morgen vor, weil uns die Reise wieder Richtung London führte.

Bath

Schon um 8 Uhr war Abfahrt Richtung Bath. Bath mit seinen ca. 86.000 Einwohnern war für mich erst Liebe auf den zweiten Blick. Die Farbe der Häuser war honigfarben und gefiel mir zunächst überhaupt nicht. Ich hatte die weißen Fischerhütten im Kopf und brauchte einen Moment, um mich an diesen Farbton einer Stadt zu gewöhnen *lach. Alex hatte uns im Bus vorbereitet, aber ich konnte es mir nicht vorstellen. Prag nennt man z. B. die goldene Stadt und Bath nennt man die gelbe Stadt, da die Häuser mit dem gelben Sandstein, der in dieser Gegend abgebaut wird, erbaut wurden. Architektonisch ist Bath mit seinen historischen Gebäuden sehr interessant und imposant.

Bath gelber Sandstein

Die natürlichen Thermalquellen – die einzigen heißen Quellen Englands – machten Bath zu einem Heil- und Kurort für den reichen Teil der Bevölkerung. Eine Geschichte dazu gibt es auch: Ein Königssohn erkrankte an einer Hautkrankheit die niemand heilen konnte und er wurde vom Königshof verbannt. Er arbeitete dann als Schweinehirte und beobachtete, dass die Schweine sich im Schlamm und den heißen Quellen suhlten und deren Wunden heilten. So tat es der Königssohn ihnen gleich, wurde gesund und durfte an den Königshof zurückkehren.

Wenn viele reiche Menschen dort Urlaub machen bzw. dort leben, gibt es natürlich auch Schulen für die Kinder. So ist die Durham University ein College, welches Kinder wohlhabender Eltern im Alter von 3-18 Jahren aufnimmt. Es ist die drittälteste Universität Englands und es wird viel Forschungsarbeit dort betrieben.

Es gibt auch eine Militärakademie. König Charles machte dort seine Ausbildung. Prinzessin Diana sorgte dafür, dass Prinz William dieses erspart blieb. Es herrschten wohl ziemlich strenge Sitten.

Bath The Circus

Interessant fand ich „The Circus“. Die Architekten John Wood sen. & jun. verwirklichten 1754-1969   ihre Ideen und errichteten 30 Reihenhäuser aneinandergebaut in einem Halbkreis. Parken können Anwohner in einer Tiefgarage unter dem Park in der Mitte dieses Gebäudekomplexes. Alles liegt fußläufig zur Innenstadt. Manche Promis wohnen in diesen Häusern. Alex hat tatsächlich schon einmal Jonny Depp gesehen – ich Dussel würde ihn vermutlich nicht mal erkennen *lach.

Bath The Circus Reihenhaeuser vorne

Nach einem ausgiebigen Bummel durch die Stadt schlenderten wir zum vereinbarten Treffpunkt an der Abteikirche und erlebten wieder einmal einen magischen Moment auf unserer Reise: ein junger Mann spielte mit seiner Trompete auf dem Vorplatz der Kirche schöne Melodien, unter anderem „Time to say goodbye“. Uns wurde bewusst, dass wir morgen um diese Zeit schon auf dem Weg nach Hause sind und unsere schöne Reise zu Ende ist.

Beeindruckt und ein wenig melancholisch bestiegen wir unseren Bus und ließen uns von Pit zu unserem nächsten Ziel bringen.

Unterwegs beantwortete Alex wieder Fragen zum normalen Leben in England. So bezahlt man z. B. 20-45% Steuern – gestaffelt nach Einkommen. Auch die Mehrwertsteuer liegt bei 20 % mit ein paar Ausnahmen. Gewerbesteuer als Einnahmequelle für Kommunen gibt es nicht. Auch soziale Abgaben sind nicht sehr hoch (siehe Gesundheitssystem ist kostenlos).

Arbeitnehmer haben 38 Tage Urlaub, darin enthalten sind allerdings 8 gesetzliche Feiertage. Arbeitslosengeld gibt es nicht.

Rente: Frauen arbeiten bis zum 60. und Männer bis zum 65. Lebensjahr. Eine Anhebung auf 68 Jahre ist geplant. Früher in den Ruhestand zu gehen ist nicht möglich.  Eine Grundrente gibt es nach 30 Beitragsjahren, diese ist allerdings niedriger als Sozialhilfe (130 Pfund/wöchentlich = 150€ für Alleinstehende und 199 Pfund/wöchentlich/Paar = 240€). Es gibt eine staatliche Zusatzrente, die sich aus dem durchschnittlichen Verdienst des Arbeitnehmers errechnet. Die betriebliche Altersversorgung (ist Pflicht in England) macht den größten Anteil, nämlich 47 % an der Rente aus. Die 4. Säule der Rente ist die Immobilienrente. Etwa 40 % der Bewohner haben Eigentum und profitieren von der Wertsteigerung. Positiv finde ich, dass ab 60 Jahren alle öffentlichen Verkehrsmittel umsonst sind.

Es gibt in jedem Land etwas was mir gefällt und etwas was ich nicht gut finde. Wenn ich mir überall die Rosinen herauspicken könnte, müsste ich mir über deren Finanzierung Gedanken machen *lach. Es ist leicht, darüber zu reden, was woanders besser ist, wenn man nur die Hälfte weiß… (mein Beitrag zum Wahlkampf *lach)

Salisbury

Letzte Station an diesem Tag und auf dieser Reise war Salisbury. Wieder wurden wir auf die besonderen Sehenswürdigkeiten von Alex im Bus bestens vorbereitet. Ich ertappte mich allerdings – vermutlich voll und müde von den vielen Eindrücken der vergangenen Tage – bei dem Gedanken, dass ich jetzt nichts Neues mehr sehen möchte – und schon gar keine Kirche …. Gottseidank gab ich diesem Gedanken keinen großen Raum, denn „The Cathedral Church of St Mary“ in Salisbury hat mich sehr beeindruckt und ich werde diese Bilder nie wieder vergessen!!

Bereits im Jahr 1220 wurde der Grundstein gelegt und im Jahr 1258 zur Kathedrale geweiht. 1310 wurde der herrliche Kreuzgang fertiggestellt, der in vielen Verfilmungen sichtbar ist.

Salisbury Kreuzgang mit Garten

Immer wieder wurde an der Kathedrale gebaut. Der Kirchturm mit seinen 123 Metern Höhe ist der höchste Kirchturm in United Kingdom. Der Eintritt zur Kathedrale kostete 12 Pfund (knapp 15€), die sich wirklich gelohnt haben!

Salisbury Kathedrale mit Taufbecken

In einem kleinen Nebenraum konnten wir die original Magna Carta besichtigen. Ich muss gestehen, dass ich bis dahin nicht wusste, was das ist. Eines der wichtigsten rechtlichen Dokumente der Entwicklung der modernen Demokratie mit seinem Ursprung im Jahr 1215 liegt hier aus und kann besichtigt werden. Erst jetzt, bei der Recherche, wird mir die Einmaligkeit dieses Dokumentes bewusst. Seit so langer Zeit kämpfte man um Demokratische Verhältnisse und ist gerade dabei sie wieder zu verlieren….

Ob die Anzahl der Säulen oder der Buntfenster – alles entspricht einer Symbolik, die ich hier nicht näher beschreiben will. Mein absoluter Höhepunkt war das Taufbecken, welches erst in 2008 neu geschaffen wurde. Es fließt stetig Wasser hinein und es hat eine vollkommen glatte Oberfläche, die wie ein Marmortisch wirkt.

Salisbury Taufbecken ohne Menschen
Man kann das Taufbecken kaum erkennen: die Glasfenster spiegeln sich darin

Es spiegelten sich die kunstvollen Buntfenster und das Holzgebälk an der Decke im Wasser – je nachdem, aus welcher Perspektive man schaute. Sorry, dass ich nur schwärmen kann.

Salisbury Taufbecken Gewoelbe

Alex warnte uns schon im Vorfeld, auf diesem „Tisch“ ein Handy oder eine Handtasche abzulegen. Da konnte ich mir noch gar nicht vorstellen, was sie meint…. Sie selbst hatte bei einem früheren Besuch beobachtet, wie eine Mutter ihr Baby dort ablegen wollte und im letzten Moment ein ungeplantes Vollbad des Säuglings verhindert.

Mit einem Bummel durch das Städtchen und einer kurzen Einkehr in einem Café beendeten wir unsere freie Zeit und machten uns auf den Weg zum verabredeten Treffpunkt, einem Busparkplatz. 2 unserer Mitreisenden hatten sich verlaufen und wir mussten 15 Minuten warten, bis sie bei uns eintrafen. Das war, soweit ich mich erinnern kann, die einzige verspätete Abfahrt.  Für ca. 50 Mitreisende war das ein guter Schnitt!!

Bei der Abfahrt aus der wirklich engen Busparkplatz-Lücke lief eine ältere Frau ohne nach links oder rechts zu schauen über die Straße und Pit musste ziemlich stark abbremsen. Mit einem leise gemurmelten „stuped cow“ verschaffte er sich Luft und Alex kriegte sich nicht mehr ein vor lauter Lachen. Das zählt seitdem zu meinen Lieblingsschimpfworten *lach.

Unsere Reise nahm im gleichen Hotel wie am Anfang in London-Heathrow ihr Ende. Wir ließen uns ca. 1.900 km von Pit durch Englands Süden fahren und nehmen außer dem einen und anderen englischen Pfund (Achtung: Wortspiel) viele superschöne Eindrücke mit. Nette Kontakte konnten wir auch knüpfen und abends an der Bar ließen wir den Tag ausklingen.

Um 6.20 Uhr morgens wurden wir im Hotel mit einem Lunchpaket versorgt und zum Flughafen gebracht. Der Flug war problemlos und zur Mittagszeit waren wir wieder in der Heimat.

Ankunft Stuttgart

Da an diesem Tag unser Hochzeitstag war, feierten wir bei einem leckeren Essen den Hochzeitstag und die tolle Reise.

Danke, an alle, die daran mitgewirkt haben. Besonders an Alex, die uns mit viel Geduld und noch mehr Humor geführt hat und natürlich fürs Korrekturlesen. Wie so eine Reise aus der Perspektive einer Reiseleiterin aussieht, kann man übrigens lesen: „Fräulein, the Käse is out of order!“ von unserer Alex Nagel (ISBN: 425202132200×6). Ich habe es gelesen und mich köstlich amüsiert!

Einen kleinen Nachtrag habe ich noch:

Flagge

so setzt sich die englische Flagge zusammen… auch interessant, einmal gesehen zu haben.

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2024.04._Niederlande

Kiffen ist für uns kein Thema, aber jeder Dritte, dem wir erzählten, dass wir nach Holland wollen, brachte unsere Pläne damit in Verbindung…Selbst wenn es ein Thema für uns wäre, gäbe es keinen Grund mehr, dafür nach Holland zu reisen, da es mittlerweile in Deutschland auch legal ist.

So, diese Einleitung passt nun gar nicht zu unserer tollen Reise *lach. Sie war nur inspiriert von Bemerkungen aus dem persönlichen Umfeld.

Frühling noch nicht in Sicht, trotzdem ….

Erste Lernlektion für mich war: wir fahren in die Niederlande – nicht nach Holland. Nordholland und Südholland sind zwei Provinzen von Zwölfen in den Niederlanden. Wenn es ganz korrekt sein sollte, müsste man Königreich der Niederlande sagen. Warum nicht nur wir dieses kleine, feine Land nach ein oder zwei Provinzen benennen, weiß ich nicht.

Wir wollen nicht so gerne viele Kilometer an einem Tag fahren. Wenn man allerdings ein Ziel hat, sollte man schon dran bleiben. Trotzdem war Helmut nach guten 250 km müde und wir fanden einen Stellplatz in Mendig. Dort in der Nähe sind das sehenswerte Benediktinerkloster Maria Laach, und ein Vulkanmuseum. Mit Kindern und Menschen, die es interessiert, ist das eine klare Empfehlung zum Halten, da viel Wissenswertes geboten ist. Nach einer Stärkung und einem ausgiebigen Schläfchen war Helmut wieder so fit, dass wir bis Viersen weiter fuhren. Das waren 400 Tageskilometer und das reichte dann auch für diesen Tag. Der Stellplatz in Viersen kostete 15 € und man bekam Gutscheine für Schwimmen im Hallenbad, Klettern in der Kletterhalle, Paddeln auf der Niers und eine Kugel Eis dazu. Wir gingen früh schlafen, und nutzten die Gutscheine nicht – man kann nicht alles haben *lach.

Leider waren die Wetteraussichten für den nächsten Tag nicht toll: Dauerregen war angesagt.

Von Viersen aus waren wir recht schnell über der Grenze in den Niederlanden und unser Ziel war ein Stellplatz in Oirschot.

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Wir wollten gerne etwas abseits der üblichen Touristenpfade unterwegs sein. Der Stellplatz war allerdings so abseits, dass wir ihn nicht fanden. Irgendwann vermuteten wir eine Richtung, hatten aber keine Lust mehr, weiter zu suchen. Wenn unsere Vermutung stimmte, liegt er irgendwo an einem Kanal in einem verträumten kleinen Ort. Das Regenwetter machte uns die Entscheidung weiter zu fahren leicht. Am Jachthafen de Turfaart bei Breda fanden wir den Stellplatz Etten-Leur und dort ein Plätzchen, welches auch bei Regen ok war. In einer Regenpause schauten wir uns das Städtlein an, bummelten durch die Geschäfte und versuchten uns mit der niederländischen Sprache vertraut zu machen.

Um diese Jahreszeit und vielleicht auch aufgrund des Wetters hatten wir auf unserer Reise nie Probleme, einen Stellplatz zu finden. Selbst abends konnten wir noch Plätze anfahren.

Zeeland, Middelburg, Vlissingen

Am nächsten Tag fuhren wir auf die Halbinsel Zeeland und fanden in Middelburg auf dem Stadtcampingplatz ein schönes Plätzchen. Am frühen Nachmittag war die Regenfront vorbei und wir erkundeten mit dem Fahrrad die Studentenstadt Middelburg, ein wirklich schönes und gepflegtes Städtchen mit einer großen, weiten Fläche vor dem historischen Rathaus. Wasserspeier und Statuen verleihen dem großen Platz eine besondere Note und diverse Märkte und Feste werden hier gefeiert.

Der 90 m hohe bekannte Abteiturm „De lange Jan“ war leider geschlossen. Die angeschlossene Kirche war allerdings geöffnet und wir kamen in den Genuss eines kleinen Orgelkonzertes. Kleine, hübsch dekorierte Gassen mit vielen Geschäften Cafés und Restaurants luden zum Erkunden ein. Das heitere Ambiente des Städtchens ließen wir in einem Straßencafé auf uns wirken, bevor wir wieder gemütlich in unser fahrbares Zuhause zurück radelten.

Am Samstag war Markttag und wir wollten uns mit allerlei Lebensmitteln eindecken. Auf dem großen Platz vor dem Rathaus – wir kannten uns ja schon ein wenig aus – waren die Stände aufgebaut. Wir bekamen was wir brauchten und probierten auch verschiedene Käsesorten. Leider war für mich keine dabei, die mich ansprach. Neue Lernlektion: nur weil Käse aus Holland kommt, muss er mir nicht schmecken*lach.

Am Nachmittag radelten wir nach Vlissingen. Die wunderschöne Dünenlandschaft beeindruckte uns sehr. Man konnte mit dem Fahrrad auf einem geteerten Weg durch die Dünen fahren – es war einfach herrlich. Mit der Seeluft um die Nase und dem Sonnenschein im Gesicht waren wir rundherum zufrieden.

Der Magen gab die Order zur Umkehr und wir gönnten uns wirklich leckere Kibbelinge mit Remouladensoße. Kibbelinge sind frittierte Fischfiletstücke, die mit einem Backteig überzogen sind und man bekommt sie in den Niederlanden an vielen Imbissbuden. Ursprünglich bezeichnet das Wort Kibbeling gesalzene Abfälle des Kabeljaus, *lach, macht nix, schmeckt sehr lecker. Der Geschmack steht und fällt natürlich auch mit der Soße. Da hat so jeder seinen Liebling.

Den Cappuccino zum Dessert nahmen wir in einem Café zu uns, das direkt an der Einfahrt zum Hafen von Antwerpen liegt. Schiffe gucken war Programm. Riesige Schiffe fuhren ziemlich nah am Ufer vorbei. An dieser Stelle gehen die Schiffslotsen an Bord. Man kann von Land aus beobachten, wie ein kleines Boot an dem riesigen Schiff anlegt und ein Lotse die Leiter hinauf klettert. Mit einem Fernglas kann man das sehr genau beobachten – unseres lag im Womo…

Irgendwann frischte der Wind auf und über dem Meer türmten sich sonderbare Wolken. Vor Naturgewalten und dem Wetter an der Küste haben wir einen Heidenrespekt und machten uns deshalb zügig auf den Heimweg. Außer dass wir ziemlich schnell wieder am Wohnmobil waren ist allerdings nichts passiert.

Der nächste Tag war ein Sonntag und wir besuchten in Vlissingen einen Gottesdienst. Die Parkplatzsuche mit dem Wohnmobil war dank eines nahe gelegenen Einkaufszentrums kein Problem. Nach dem Gottesdienst führten wir noch interessante Gespräche mit Einheimischen und anderen Urlaubern bevor wir Richtung Domburg fuhren. Dort ergatterten wir einen Parkplatz direkt an der Küste, und konnten die Weite und den gepflegten Strand bewundern. Sonntagnachmittags war natürlich viel los (auch außerhalb der Saison) und so hielten wir uns nicht sehr lange auf, obwohl uns mehrfach berichtet wurde, wie schön Domburg sei. Ja, das können wir uns gut vorstellen *lach.

Noord-Beveland, Zeelandbrug

Unser Ziel war die Halbinsel Noord-Beveland, die noch zu Zeeland gehört. Auf der Landkarte sprachen die verschiedenen Brücken und/oder Dämme meine Neugier an. Der Oost-Westweg führte über den Damm und auf einem großen Parkplatz konnten wir eine Pause einlegen um dieses Ambiente auf uns wirken zu lassen: auf der einen Seite das große, weite Meer und auf der anderen Seite ruhige Wasser mit Booten. Lustig fand ich den Spielplatz, der von Wasser umgeben war und nur mit Badekleidung oder hoch – also sehr hoch – gekrempelten Hosen zu erreichen war. Da kann man Kinder parken und weiß, dass sie nicht weglaufen können *lach.

Unser Stellplatz in Kats nannte sich Mini-Camping Weizicht und war an einen kleinen Campingplatz angeschlossen. Alles was wir brauchten war vorhanden und wir fühlten uns wohl.

Ganz in der Nähe war die Zeelandbrug, die wir bei der Anfahrt auf den Stellplatz kurz erblickten. Sie führt über die Oosterschelde und verbindet die Inseln Schouwen-Duiveland und Noord-Beveland. Die Konstruktion sieht sehr imposant aus! Wir wollten sie uns aus der Nähe anschauen und – zack fuhren wir drüber. Sie hat eine Länge von über 5 km und war bis 1972 die längste Brücke Europas.

Wir unterschätzten auf dem Rückweg den Gegenwind und unseren Hunger und konnten mit reinem Gewissen, einiges später als geplant, unser Abendessen verzehren – genügend Bewegung hatten wir an diesem Tag.

Windmühlenpark Kinderdijk

Zum Start in die Woche war unser Ziel der Camperpark Kinderdijk in Alblasserdamm. Meine Güte, wie lange habe ich gebraucht, bis ich diesen Namen behalten konnte. Mit dem Fahrrad machten wir uns auf, die historischen Windmühlen in Kinderdijk zu besuchen. Es gibt detaillierte Radkarten die es ermöglichen, Fahrradrouten kinderleicht zu planen. Sogenannte Knotenpunkte sind in allen Radkarten verzeichnet und man muss sich nur die Nummern der Knotenpunkte merken und erreicht schnell sein Ziel. Blöd war, dass es uns erst hinterher einfiel, uns darüber zu informieren. Wir fuhren so ungefähr in die Richtung, in der wir die Windmühlen vermuteten und bemühten schließlich Google Maps, um sie zu finden. Eine schöne Radtour war es trotzdem *lach.

Die 19 historischen Windmühlen sind UNESCO-Weltkulturerbe. Sie wurden um 1740 erbaut und einige sind von innen zu besichtigen. Sie zählen zu den meistfotografierten Motiven der Niederlande.

Unzählbar viele Menschen aus aller Herren Länder waren zur gleichen Zeit wie wir dort und wurden z. T. mit Knopf im Ohr geleitet. Wir mussten schmunzelnd an unsere Busreisen denken, bei denen wir in Gruppen unterwegs waren – und sein werden… Der Nachteil der individuellen Reise ist, dass man sich alle Informationen – wenn man sie denn haben will – selbst anlesen muss. Die Vorteile brauche ich nicht näher zu beschreiben.

Wieder in Alblasserdamm angekommen konnten wir den Abend in dem sehr gepflegten Campingparkt bei herrlichem Sonnenschein genießen. Die Nacht war etwas unruhig, denn ein heftiges Gewitter entlud sich gefühlt genau über uns. Donnerwetter! – machte seinem Namen wirklich alle Ehre. Die Temperaturen kühlten sich auf 11 Grad herunter.

Rotterdam

Trotzdem machten wir uns am Dienstag per Wasserbus auf den Weg nach Rotterdam. In knapp 40 Minuten ist man für weniger als 13 € für 2 Personen mit Fahrrädern, hin und zurück, dort.

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Die Fahrt mit dem Wasserbus kann ich nur empfehlen, das hat richtig Spaß gemacht und – man hat das ja wirklich nicht überall. Für die Menschen, die dort wohnen ist das so normal, wie bei uns eine Busfahrt. Man kann im Boot innen und außen Platz nehmen und natürlich wollten wir den Fahrtwind spüren und blieben draußen.

Auf dem Weg wurden wir von französisch sprechenden Mitreisenden darauf hingewiesen, dass wir an der Arche Noah vorbei fahren. Ohne wirklich zu verstehen, was sie meinen, hab ich die Arche mal fotografiert und später gegoogelt: ein naturgetreuer Nachbau der Arche Noahs, den man besichtigen kann… klingt interessant, passte aber leider nicht in unseren Plan.

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Arche Noah-Nachbau

In Rotterdam beeindruckte uns die phänomenale Architektur. Gefühlt ist kein Haus quadratisch oder mit geraden Mauern. Irgendetwas Besonderes ist fast an jedem Haus zu sehen.

Unser Ziel war die Markthalle, die als sehenswert in jedem Reiseführer empfohlen wird. Der Platz davor war mit vielen Marktständen belegt und eine riesige ovale Glasfläche ließ uns die MarktHALLE dahinter vermuten. Staunend betraten wir das riesige Gebäude, das uns mit tollen 3D-Bildern von allen möglichen Lebensmitteln an der Decke beeindruckte. Die Decke alleine hat eine Fläche von 11.000 qm. Es war wie ein Eintritt in eine andere Welt. So etwas Gigantisches hatten wir nicht hinter der großen Glasfläche vermutet.

Ein Markt, auf dem man Gemüse und Co. kaufen kann, ist es übrigens nicht. Es gibt dort Spezialitäten aus vielen, vielen Ländern zu essen. Die Auswahl fiel uns bei über 100 Ständen schwer und wir ließen uns Zeit, das für uns Passende zu finden. Im „ersten OG“ der Stände sind in aller Regel Sitzplätze um mehr oder weniger gepflegt speisen zu können. Man kann das Treiben von oben betrachten, die internationale Atmosphäre genießen und Leute gucken.

Ein paar Fakten zur Markthalle sind ganz interessant: von 2009 bis 2014 wurde sie erbaut und hat 11 Stockwerke (wovon einige nach unten gehen). Das Konzept sollte Marktstände, Wohnen, Parken und Geschichte in dem hufeisenförmigen Gebäude vereinen. Geschichte ist der historische Grund, auf dem die Markthalle steht und wo Rotterdam entstanden ist. In den Bildern an der Decke kann man Fenster sehen, die zu den Wohnungen gehören – wirklich großartig! Was dort eine Wohnung kostet, haben wir nicht erfragt *lach.

Wir spazierten später ein Stückchen die Fußgängerzone entlang und tranken bei MC D einen Cappuccino – mit dem Hintergedanken, dort auch die Toiletten aufzusuchen. Selbst für Kunden werden 80 Ct. fällig… Rotterdam halt …

Erasmusbrug in Rotterdam

Helmut hatte großes Interesse an der Erasmusbrug, die wegen ihrer besonderen Architektur den Spitznamen „de Zwan“, („der Schwan“) hat. Schon vom Wasserbus aus war es ein toller Blick auf die Brücke. Über die Brücke führen die Stadsroute 106, die Straßenbahnlinie 20, ein Fahrrad- und ein Fußgängerweg. Die Konstruktion verbindet eine Schrägseilbrücke und eine Klappbrücke und ist 802 m lang. 1996 wurde sie fertig gestellt. Benannt ist sie nach dem Philosophen Erasmus von Rotterdam.

Freudig radelte Helmut auf die Brücke zu und bedeutete mir, dass wir da drüber radeln. Na klar machen wir das, wenn wir schon mal da sind und ihm so viel dran liegt *lach. Ich sah rechter Hand eine große schwarze Wolke und hoffte, dass sie uns nicht zu interessieren hat. Nachdem wir jenseits des Nieuwe Maas (also des Flusses, den die Brücke überspannt) waren, frischte der Wind auf und wir machten schnell kehrt, um wieder auf die Seite des Flusses zu kommen, auf der uns unser Wasserbus heimwärts bringen sollte. Als wir ungefähr das erste Drittel der Brücke gefahren waren, entlud sich diese Wolke gefühlt punktuell über der Brücke und dem Hafengebiet. Ein mächtiger Gegenwind – nein Gegensturm peitschte uns den Regen ins Gesicht und innerhalb von Sekunden waren wir pitschenass. Der Sturm machte mir die Weiterfahrt unmöglich und ich suchte Schutz an einem der vielen und erstaunlich dicken Pfeiler. Außer mir standen dort noch einige andere tropfnasse Radler und suchten Schutz vor dem Sturm. Ich wollte wirklich nicht mit großen Lettern in der Zeitung stehen: deutsche Urlauberin mit Fahrrad von Erasmusbrug geweht…

Helmut bekam gar nicht mit, dass ich aufgegeben hatte und kämpfte sich über die Brücke. Als er merkte, dass ich fehle, wartete er auf mich – nass war er schon. Nasser als nass geht nicht. So schnell wie der Spuk begann, so schnell war er auch wieder vorbei. Ich radelte irgendwann weiter und sah Helmut schon von weitem auf mich warten. Das Programm des restlichen Tages war klar: heimwärts…. Klitschnass fuhren wir im Wasserbus wieder zurück, dieses Mal allerdings im Innenraum. Als wir am Wohnmobil ankamen war auftauen und trocknen angesagt und – lachen, denn das war mal wieder ein tolles Abenteuer…

Schiffe gucken

Nach den vielen Eindrücken in der großen Stadt brauchten wir ein wenig Erholung und fuhren am Mittwoch einen Stellplatz in Maassluis an. Der Stellplatz liegt direkt an der Wasserstraße auf der die meisten Schiffe den Hafen Rotterdam erreichen.

Nette Nachbarn klärten uns über das Bezahlsystem Aanuit auf. Per App oder über die Webseite kann man sich an- und abmelden, später bekommt man dann eine Rechnung und es wird abgebucht. Die Webseite hat den Vorteil, dass man die Sprache einstellen kann und im Nachgang kann ich sagen, dass der ganze Vorgang super geklappt hat.

Ein wenig im Womo rumwursteln, aufräumen und dabei Schiffe gucken war genau das Richtige für uns an diesem Tag. Bewegung verschafften wir uns, indem wir mit dem Rad die Wasserstraße (keine Ahnung, wie die heißt) entlang fuhren und nach 15 km zum „Hoeck van Holland“ kamen. Hoeck van Holland = Ecke von Holland. Dort beginnt das offene Meer und ein herrlicher Sandstrand erinnert ein wenig an Südsee. Wir genossen die Aussicht bei einer Tasse Kaffee und freuten uns mal wieder, dass wir ohne zu suchen, so ein schönes Plätzchen gefunden hatten.

Vom freundlichen Nachbarn bekamen wir abends noch den Tipp, dass man von diesem Stellplatz aus bequem mit der Tram nach Rotterdam fahren kann. Die Tageskarte von 9€/Person gilt sogar bis Hoeck van Holland.

Schiffe gucken bis zum Schlafen gehen – und darüber hinaus – war angesagt. Immer wenn ich am Einschlafen war, hörte ich das typische Geräusch eines herannahenden Schiffes und hatte schnell das Rollo an meinem Bett wieder unten, um zu sehen ob es vielleicht ein berühmtes Kreuzfahrtschiff o. ä. war.

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Die Nacht war also mehr als unruhig, schon alleine durch meine Neugierde. Der Stellplatz liegt ziemlich nah an der Stadt und auch deshalb vernahmen wir viele ungewohnte Geräusche, die uns nicht tief schlafen ließen.

Irgendwann wurde ich wach, weil nochmal ein neues, ungewohntes Geräusch dazu kam, welches ich nicht deuten konnte. Ich schaute durch den Spalt an meinem Rollo und sah 2 blonde Köpfe an der Türe zu unserer Wohnmobil-Garage.

Einbruch… das fehlte jetzt noch: ich ließ das Fliegengitter hochschnappen, öffnete so schnell als möglich das Fenster und brüllte raus: „Was wollt ihr hier, haut ab….“. Vier große Augen blickten mich erschrocken an. Einer der Burschen ging einfach gemächlich weg, der andere etwas langsamer, drehte sich um und sagte: „Sorry“… Hä, was war das denn…

Als mein Hirn so ganz langsam alle Details zusammengesetzt hatte, war mir klar, was die Beiden wollten: sich ein wenig vor dem Wind schützen, um sich eine Zigarette zu drehen und anzuzünden. Dass wir das drinnen mitbekommen könnten, hatten die beiden gar nicht bedacht.

Jetzt gab es noch einen Grund schlecht zu schlafen: ich konnte nicht mehr aufhören zu lachen über mich und die ganze Situation.

Gouda

Nachdem diese Nacht wirklich Käse war, machten wir am Donnerstag mit Käse weiter. Wir hatten in Prospekten gelesen, dass in Gouda von April bis September donnerstags vormittags rund um den Rathausplatz Käsemarkt ist und wollten uns das Spektakel gerne anschauen. Offensichtlich hatten viele andere diese Prospekte auch gelesen, denn der Stellplatz und die Stadt waren voll. Die Stadt Gouda war gut vorbereitet und stellte einen Ausweichplatz für Wohnmobile und Busse etwas außerhalb des Zentrums zur Verfügung. Die Anzahl der Wohnmobile und Busse ließ uns erahnen, was beim Käsemarkt los sein würde. Mit den Fahrrädern waren wir ruck zuck mitten im Geschehen.

Mit Pferdekarren wurden riesige Käselaibe hin und her transportiert. Käsejungen in der typischen Tracht luden die Käse aus, wogen sie auf De Goudse Waag und Bauern und Käsehändler waren am Feilschen und präsentierten immer wieder den berühmten Handschlag, mit dem der Deal dann besiegelt wurde.

Inmitten des Getümmels entdeckten wir die beiden Franzosen, mit denen wir auf dem Wasserboot in Rotterdam Kontakt hatten. Sie freuten sich, als sie uns erkannten. Obwohl wir einander nicht verstanden, waren wir uns sympathisch.

Auf dem Markt konnte außerdem historische Handwerkskunst bewundert, allerlei Leckereien mit und ohne Käse probiert und natürlich Käse verkostet und gekauft werden.

Der Gouda Käse – übrigens eine Sorte die mir schmeckt, wird seit dem 14. Jahrhundert auf Käsebauernhöfen in den Orten rund um Gouda hergestellt und ist wohl eine der bekanntesten und am häufigsten gegessenen Käsesorten der Welt.

Frisch gebackene Sirupwaffeln kann ich übrigens empfehlen! Sie haben nichts mit dem zu tun, was wir im Supermarkt unter diesem Namen zu kaufen bekommen.

Die historische Innenstadt mit den typischen Grachten ist wirklich schön und wir stellten es uns mit weniger Menschen sehr angenehm vor.

Wir sehnten uns nach Ruhe und fuhren deshalb weiter nach Nieuw Vennep auf den Stellplatz Decemberhoeven. Dort war nicht viel bzw. nix los und wir konnten uns ausruhen und die letzten Tage reflektieren lassen. – Dazu gibt es nicht einmal ein Foto – so sehr genossen wir die Ruhe *lach.

Keukenhof und Tulpen

Die Zeit unserer Reise war eigentlich die Zeit der Tulpenblüte. Wir wunderten uns, dass wir noch nirgendwo ein Tulpenfeld erblickt hatten. Der berühmte Keukenhof befand sich in der Nähe Von Nieuw Vennep und wir schauten im Internet nach Öffnungszeiten, Preisen und allen möglichen Informationen.

Mancher gab uns auf der Reise den Tipp, neben dem Keukenhof die Tulpenfelder zu besichtigen, dann könne man sich den Eintritt sparen. Wir überlegten hin und her und entschieden uns für Onlinebuchung im Keukenhof. Wir staunten nicht schlecht, als wir sahen, dass für den kommenden Tag nur noch ein Zeitfenster um 8.30 Uhr zu buchen war. Um die Besucherströme ein wenig zu steuern, werden für den Einlass alle halbe Stunde Zeitfenster zur Verfügung gestellt.

Da wir mit dem Rad mehr als 30 Minuten unterwegs sein sollten, war angesagt, am kommenden Morgen um 6.30 aufzustehen und um 7.45 Uhr loszuradeln. Das ist definitiv gegen meinen Biorhythmus, war aber die einzig richtige Entscheidung. Helmut grinste sich eins, als er mein mürrisches Morgenmuffelgesicht beim Radeln beobachtete. 

Der Name „Keukenhof“ bedeutet „Küchenhof“ und hat seinen Ursprung im 15. Jahrhundert. Zu dieser Zeit wurden dort Kräuter für die Schlossküche angebaut. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts erstellte ein Gartenbauarchitekt einen Gartenplan und seit Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der 32 Hektar große Garten zu dem, was er heute ist.

Der Schwerpunkt liegt auf Tulpen, es werden aber auch Hyazinthen und Narzissen gepflanzt. 4,5 Millionen Tulpenzwiebeln in ca. 100 verschiedenen Variationen werden jährlich von Hand gepflanzt.

In den 8 Wochen, in denen der Garten geöffnet ist, bewundern ca. 1,4 Millionen Menschen diese Pracht (das sind pro Tag 25.000 Besucher), ca. 80 % davon aus dem Ausland. In mehreren Pavillons werden zu wechselnde Themen Ausstellungen präsentiert.

Da wir so früh am Tag waren, konnten wir ganz entspannt die Wege entlang schlendern und die unglaubliche Pracht bewundern. Wir haben ca. 500 Fotos von Tulpen und Arrangements gemacht. Keine Bange, die wurden mittlerweile reduziert *lach. Es ist mir unvorstellbar, welche Ideen und wieviel Arbeit darin steckt, solch ein Kunstwerk zu schaffen. Ja, ich behaupte tatsächlich, dass dieser Garten ein Kunstwerk ist – ohne genau zu wissen, wie sich Kunstwerk definiert.

Im Fortlauf des Tages füllten sich die Wege und wir waren froh, dass wir den Garten morgens ziemlich ungestört genießen konnten. Wir ließen den Tag im Keukenhof ausklingen, indem wir die Begeisterung der Menschen für so viel Schönheit beobachteten. Egal, welche Sprache sie sprachen, wir sahen nur sehr beeindruckte Menschen.

Auf dem Heimweg bewunderten wir die Tulpenfelder rund um den Keukenhof. Nach Farben sortiert geben sie ein wirklich imposantes Bild ab. Wenn ich jetzt, während des Schreibens daran denke, sehe ich die ganze Pracht vor meinem inneren Auge.

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Wer wirklich überlegt, „nur“ die Tulpenfelder zu besuchen, dem kann ich Mut machen, den Keukenhof zu besuchen – das Blumenerlebnis ist, glaube ich, nicht zu toppen (ich war allerdings noch nicht überall).

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Welches waren nochmal unsere Räder?????? (Morgens waren es nur eine Handvoll)

Haarlem

Da wir am späten Nachmittag wieder am Womo waren, fuhren wir weiter nach Vijfhuizen, zum Camperpark N 205. So hatten wir noch ausreichend Zeit, die traumhaften Eindrücke des Tages zu verarbeiten und waren am nächsten Tag schon vor Ort, um – entweder weiter zu chillen, oder um neue Eindrücke aufzunehmen. Die Entscheidung darüber verschoben wir auf den nächsten Morgen.

Beim Einchecken unterhielten wir uns mit dem Platzbetreiber über unsere Pläne, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Amsterdam fahren zu wollen. Vom Platz aus fährt für wenig Geld alle paar Minuten ein Bus nach Haarlem und von dort nach Amsterdam. Im Gespräch ergab sich, dass Haarlem auch „Kleine Schwester von Amsterdam“ genannt wird. Es sei sehr beschaulich und alles was es in Amsterdam gibt, gäbe es dort auch – nur eben in klein. Das hörte sich gut an und so entschieden wir uns morgens gegen Amsterdam (ein Grund nochmals in die Niederlande zu fahren *zwinker) und für Haarlem.

Mit dem Fahrrad waren wir schnell im Zentrum von Haarlem. Es war Samstag und Wochenmarkt, was meine Freude natürlich nochmal steigerte. Wir kosteten einige uns unbekannte Leckereien und deckten uns mit frischen Lebensmitteln ein. Schade war, dass rings um die Kirche gerade Kirmes war und deshalb von dem historischen Zentrum nicht viel zu sehen war. Die laute Musik und die großen und kleinen Fahrgeschäfte waren gar nicht nach unserem Geschmack und wir schlenderten durch die Gassen, die abseits des Trubels lagen.

Während einer Grachtenfahrt wurden uns geschichtliche Hintergründe von Haarlem erzählt und erklärt, welche Häuser links und rechts des Wassers stehen. So gibt es z. B. ein Haus für alleinstehende Frauen und ein Kinderheim für Kinder, die für ein Kinderheim schon zu groß sind. Ein Seniorenheim gehört natürlich auch in eine Stadt, genauso wie ein Theater und eine bzw. mehrere Kirchen. Es war schön, sich entspannt an den historischen Fassaden vorbei schippern zu lassen. Viele kleine Boote waren auf dem Wasser und es herrschte eine entspannte Atmosphäre. Wir ergatterten später in einem Café ein Plätzchen direkt am Wasser und genossen das schöne Flair.

Am Sonntagmorgen fuhren wir schon zeitig los, denn wir wollten noch einen Abstecher nach Haarlem in die Kirche machen, um einen Gottesdienst zu erleben. Wir konnten der Spur nach verstehen, was Inhalt der Predigt war und hatten nach dem Gottesdienst schöne und inspirierende Gespräche mit Einheimischen, die heute noch in uns nachklingen.

Texel

Unser nächstes Ziel sollte die Insel Texel werden. Ein Wohnmobilstellplatz liegt ziemlich nahe der Fähre nach Texel in Den Helder und heißt Jachthaven Willemsoord. Unser Plan war, mit der Fähre und dem Fahrrad am nächsten Tag überzusetzen. Der Stellplatz liegt übrigens auf einem ehemaligen Werftgelände mitten in einem Marinemuseum, nahe des Hafens, nahe der Stadt und nahe der Fähre nach Texel und hat alles was ein Wohnmobilist braucht – besser geht nicht!

Ein Problem hatten wir an diesem Sonntagnachmittag den Stellplatz zu erreichen, denn es fand ein Marathon statt und die Strecke führte auch durch Den Helder, was heißt, dass viele Straßen gesperrt waren. Als Ortsunkundige wurden wir durch enge Gassen gelotst und standen schließlich direkt vor dem Platz – getrennt durch die abgesperrte Marathonstrecke. Mit meinem freundlichsten Lächeln und wenig niederländischen Sprachkenntnissen verhandelte ich mit einem Ordner, der schließlich zustimmte, in einer Läuferpause, also, wenn gerade keine Läufer kamen, die Absperrung für uns zur Seite zu räumen, damit wir auf den Platz kamen. Puh, danke nochmal!!! Die Sperrungen waren vermutlich auch der Grund, warum wir noch einen freien Platz bekamen, denn gegen später war alles belegt.

Der beste Plan taugt nichts, wenn das Wetter nicht mitspielt. Den einzigen Dauerregentag in diesem Urlaub hatten wir an diesem Montag, trotzdem wollten wir die Insel besuchen. Wir verwarfen allerdings die Idee, die Fahrräder mit nach Texel zu nehmen. Ein Bus fährt regelmäßig alle Ortschaften der Insel an und mit einem Tagesticket kann man überall hinkommen. Die Fähre hin und zurück kostete übrigens 2,50 €/Person. Ein paar wenige Unverwüstliche wie wir machten sich auch trotz des Wetters auf den Weg – es beruhigt mich immer ein wenig, wenn ich nicht die einzige Bekloppte bin *lach.

Texel ist die größte niederländische Wattenmeerinsel und wirbt mit atemberaubender Natur, allen möglichen Aktivitäten für alle Altersgruppen, gemütlichen Dörfern und einzigartiger Flora und Fauna. Unsere Realität war ziemlich nass und wir wechselten von kleinen Geschäften zu Cafe´s und zurück. In einer regenfreien Viertelstunde wagten wir uns an den Strand und der Sturm blies uns den Sand ins Gesicht, so dass es auf der Haut piekte.

Trotzdem hat es uns sehr gut gefallen und – es ist definitiv ein weiterer Grund nochmal in die Niederlande zu reisen. Texel hat für mich einen Hauch von Sylt, nur gemütlicher und kleiner.

Die klugen Leser werden sich denken: „Warum sind sie nicht einfach einen Tag länger geblieben und haben das an einem trockenen Tag gemacht?“ … In diesen Tagen erhielten wir eine Trauernachricht aus der Familie und es war klar, dass wir unseren geplanten Urlaub um 5 Tage verkürzen um an der Trauerfeier teilnehmen zu können…

Wieder am Festland angekommen hörten wir im Womo wie sich die Boote in der nahen Marina im Sturm aneinander rieben und die knarzenden Geräusche begleitenden uns die ganze Nacht. Das waren für uns komische Geräusche und wir machten uns Gedanken, ob wir am nächsten Tag über den 32 km langen Abschlussdeich fahren können, der das Ijsselmeer und das Wattenmeer voneinander trennt. Bei Sturm wird er schon mal gesperrt. Beim Auschecken am Dienstag teilten wir unsere Sorgen mit der Hafenmeisterin. Diese lachte nur und meinte, das sei doch noch gar nichts… oje, da will ich bei echtem Sturm nicht in dieser Gegend sein.

Zwischen Jisselmeer und Wattenmeer

Der Abschlussdeich wurde 1932 gebaut und bewahrt das Hinterland vor den schlimmen Fluten der Nordsee. Es verlaufen die Autobahn 7, ein Rad- und ein Gehweg auf dem Damm und es wurden künstliche Inseln aufgeschüttet. Auf einer davon liegt der kleinste bewohnte Ort der Niederlande mit einer eigenen Postleitzahl: Breezanddijk. Im Jahr 2009 waren dort 4 Einwohner gemeldet und es gibt eine Tankstelle.

Die Fahrt verlief problemlos und wir staunten über dieses gigantische Bauwerk. Es war ein eigenartiges Gefühl 32 km quasi durch das Meer zu fahren und wir dachten an die Zeit des Aufbaues und die segensreichen Auswirkungen des Mutes der damaligen Zeitgenossen.

Lemmer

Auf dem Stellplatz „Jachthaven Lemmer Binnen“ in Lemmer verbrachten wir einen gemütlichen Tag am Wohnmobil. Die Erlebnisse der letzten Tage machten uns müde. Natürlich gehörte zu diesem gemütlichen Tag auch ein Spaziergang durch Lemmer, einem hübschen maritimen Ort mit den typischen Grachten.

Ab und zu waren wir in Supermärkten zum Einkaufen. Ich könne mich stundenlang darin verweilen um zu schauen, was man in anderen Ländern so einkaufen kann. Auffällig waren für mich die vielen Nüsse, die in verschiedenen Mischungen und Verpackungsgrößen angeboten wurden. Über Brot kann man sich streiten… wir mögen lieber kompaktes Brot und freundeten uns mit den weichen Toastbroten verschiedenster Sorten nicht wirklich an. Nächstes Mal nehme ich Vollkornmehl mit und backe selbst – wie zu Hause *lach. Eine tolle Leckerei fanden wir in der Kühlabteilung: Schoko- und Vanillepudding im 1-Liter-Tetrapack. Beide Sorten kommen beim Ausgießen gleichzeitig aus der Öffnung. So viel Pudding haben wir lange nicht mehr gegessen *lach.

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Zwolle, Hattem – beides hatten wir vorher nie gehört…

Das Ziel unserer nächsten Etappe Richtung Heimat sollte Zwolle werden. Ein Stellplatz war mitten in der Stadt und eigentlich ganz ok für eine Stadtbesichtigung. Übrigens eine sehr schöne Stadt, ergab unser Eindruck beim Durchfahren. Allerdings war Kirmes rund um diesen Stellplatz und somit war er für uns keine Option. Es gibt einen zweiten Stellplatz am Hafen, der eigentlich auch schön war, aber Helmut hatte Bedenken wegen des sandigen Untergrundes. Es hatte in den vergangenen Tagen viel geregnet und wir wollten das Risiko des Festfahrens nicht eingehen.

Die nächste Möglichkeit war in wenigen Kilometern Entfernung in Hattem.

Dort war noch Platz für uns, der Untergrund war befestigt, wir hatten traumhafte Aussichten auf den Jachthafen und Wiesen und das Städtlein war auch in der Nähe. Wieder ein super schönes und gepflegtes Städtchen mit gut erhaltener Stadtmauer.

Wir bummelten durch die Fußgängerzone und erwischten wohl das teuerste Café am Platz *lach, aber lecker war es. Gerne denken wir an den Boule-Platz zurück, bei dem wir länger verweilten und den Profis beim Spielen zuschauten. Street-Art zierte manche Hauswand mit zur Gegend passenden Motiven.

Abends setzte wieder Regen ein und wir hatten vor dem Womo einen Pool.

Nachts ist uns Regen egal. Morgens war der Himmel wieder strahlend blau, das Wasser war ruhig und spiegelte die Häuserfront und die Natur wieder. Wir konnten uns nicht satt sehen an diesen herrlichen Eindrücken.

Auf unserem Heimweg lag Winterswijk und die meisten Camper wissen, dass dort Obelink ist. Obelink ist so etwas wie IKEA für Camper. Man braucht eigentlich nichts und hat am Ende doch einiges im Einkaufswagen *lach.

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Auf dem Stellplatz Het Winkel war noch reichlich Platz und wir konnten uns einen Platz aussuchen, der nicht so sehr matschig war. Später Ankommende hatten diese Möglichkeit nicht…. Die letzte Nacht in den Niederlanden…

Heimwärts

Die Heimreise gestaltete sich nicht sehr angenehm. Wir hatten Stau, Stau und nochmal Stau und brauchten im Ruhrgebiet für 100 km 2,5 Stunden. Da erst fiel uns auf, dass es in den Niederlanden entspannt zu fahren war und der Verkehr floss – dort gilt Tempo 100 auf den Autobahnen…

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In Montabaur hatten wir uns eine ausgiebige Pause verdient, die wir zum Bummeln durch das autobahnnahe Outlet nutzten.

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auweia, Schuhe zum Beinebrechen …

Abends war noch ein Stopp bei der Familie vorgesehen und nach einem lebhaften Frühstück mit einem Teil der Enkel fuhren wir am anderen Tag nach Hause.

Als alles ausgepackt war und das Wohnmobil an seinem Platz stand setzte Schneeregen ein – na toll… am 20. April will ich das nicht mehr!!! Nach der Reise ist vor der Reise – das tröstete mich *lach

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2024.03._Nordportugal und Galicien

Anreise mit Hindernissen

Der Norden Portugals und auch Galicien waren uns gänzlich unbekannt und so kam die angebotene geführte Busrundreise gerade recht. Eine für uns sehr angenehme Abflugzeit um 13.50 Uhr versprach einen entspannten Anreisetag. Das Boarding verzögerte sich um ein paar Minuten – aber das ist ja meistens so… Unüblich war allerdings dass, nachdem die ersten Passagiere schon im Flugzeug waren, diese wieder aussteigen mussten. Es wurde uns mitgeteilt, dass das Flugzeug auf dem Hinweg eine Kollision mit einem Vogel hatte und dieses erst genauer untersucht werden muss. Wir hatten ein flugzeugnahes Gate und konnten den Mechanikern bei der Arbeit zuschauen. Mich faszinieren bei solchen Gelegenheiten immer die Menschen, die hinter der Scheibe „fachkundige“ Ratschläge geben *lach.

Eine Mitreisende hatte eine App der Fluggesellschaft auf dem Handy und verkündete sehr laut und stolz wie Bolle jede kleinste Veränderung, die auf der App sichtbar war. Wir verließen uns lieber auf die Aussagen der Crew, die uns in regelmäßigen Abständen informierte. Ich mache es kurz: es stand die Überlegung im Raum, ob wir ein anderes Flugzeug bekommen oder ob der Schaden repariert werden sollte. Irgendwann war klar, dass wir mit einem anderen Flugzeug gen Portugal starten. Also wurde das Gate gewechselt und wieder ging die Warterei los. Ich dachte an so manches Bild im Fernsehen, in dem Familien mit Kindern in solchen Situationen waren und fand jede Meckerei von Erwachsenen absolut überflüssig.

Nach 2 Stunden bekamen wir einen Verzehrgutschein über 10 € und alle wartenden Leute waren eine Weile beschäftigt, diesen in irgendetwas Ess- oder Trinkbares einzutauschen.

Schön war, dass wir uns schon am Flughafen mit einigen Mitreisenden bekannt machen konnten. Aus einer Reisegruppe aus dem Jahr 2023 trafen wir sogar 2 Mitreisende wieder und freuten uns sehr. Wir hatten sie von damals in sehr angenehmer Erinnerung.

Nach etwas mehr als 3 Stunden Verspätung konnten wir endlich starten. Eine super freundliche Stewardess klärte uns darüber auf, dass, wenn ein Vogel ins Triebwerk gerät die Federn verbrennen und dieser Duft in die Lüftung des Flugzeugs gelangt. Mit diesem Duft nach verbrannten Federn wollten wir vermutlich alle nicht fliegen. Außerdem erfuhren wir, dass es immer Personal in Bereitschaft gibt. Diese Menschen müssen innerhalb einer Stunde am Flughafen sein, wenn z. B. ein Fall wie der unsrige eintritt. Da die Arbeitszeiten genau geregelt sind, war klar, dass die Crew des geplanten Fluges mit der Verspätung außerhalb des gesetzlichen Rahmens gewesen wäre und deshalb kam die Ersatzmannschaft zum Einsatz und deshalb entstand die lange Verspätung.

Mit diesen Erklärungen war ich zufrieden.

Porto

Anstatt nach unserer Ankunft in Porto noch einen schönen Strandspaziergang zu machen, gingen wir sofort nach der Ankunft im Hotel zum Abendessen. Während des Abendessens ging mehrere Male das Licht aus und wir saßen im Dunkeln. Erst musste ich lachen, erinnerte ich mich doch an unsere letztjährige Reise. In einem anderen Hotel in Porto ging auch mehrmals das Licht aus und sogar der Feuermelder an…. Vielleicht ist das in Porto normal??

Nach dem Essen verzogen wir uns ziemlich schnell auf unser Zimmer. Die nun doch lange Reise steckte uns spürbar in den Knochen. Im Zimmer war es dunkel = kein Strom. Mich begann es zu nerven: müde und k. o. im fremden Zimmer ohne Licht, Handy fast leer, Koffer noch nicht auf…. Ich kann ganz schön schimpfen *lach. Vermutlich hat das Schimpfen geholfen: irgendwann funktionierte alles wieder und wir sanken todmüde in die Kissen.

Über Portugals Geschichte, Kork und Portwein werde ich in diesem Bericht nicht viel schreiben, sondern ich verweise zu diesen Themen auf den Bericht von 2023, in dem ich dazu ausführlich berichtete.

Der zweite Tag begann zu einer entspannten Uhrzeit. Um 8.30 Uhr wurden wir zu einer Panoramafahrt durch Porto abgeholt. Unsere Reiseleiterin Raquel stellte sich vor und war uns gleich sympathisch. Mit viel Wissen über Land, Leute und Geschichte, gewürzt mit einer angenehmen Portion Humor begleitete sie uns durch unsere Urlaubwoche.

Wir wurden mit vielen Zahlen, Daten und Fakten versorgt, die ich zum Teil nachstehend aufführe. Vollständig ist diese Aufführung nicht und der Reihe nach ebenfalls nicht *lach.  

Porto ist nach Lissabon mit 220.000 Einwohnern die größte Stadt des Landes.

Porto und Lissabon stehen seit alter Zeit in Rivalität. Dies äußert sich in Sätzen wie: Portugal ist Lissabon, der Rest ist Landschaft. Das Beste an Porto ist die Autobahn nach Lissabon.

Spitzname für die Einwohner Portos ist Tripeiros = Kuttelesser. Das stammt aus einer Zeit, als sie die Seefahrer mit gepökeltem Fleisch versorgten und selber die Innereien der Tiere aßen. Man kann aus dieser kleinen Geschichte schon erahnen, dass Portugal ein armes Land war. Auch heute sieht man, dass wenig Geld für nötige Sanierungen der alten Häuser vorhanden ist. Viele Häuser sind in schlechtem Zustand. Als Tourist lässt man das Flair auf sich wirken, wenn man aber einmal genauer hin schaut, fragt man sich schon, wo das hin führen soll. Das besondere Flair wird unterstrichen durch den verbauten dunklen Granit und die bergige Landschaft. Das historische Zentrum Portos zählt zum UNESCO-Welterbe.

Für manche Sachen ist dann aber doch Geld da: so wird z. B. derzeit an der U-Bahn gebaut und es gibt viele Baustellen.

Auf der einen Seite des Flusses Douro liegt Porto, auf der anderen Seite Gaia. In Gaia leben 300.000 Einwohner. Die Mieten sind dort erheblich günstiger als in Porto. Das Bruttodurchschnittsgehalt in Portugal liegt bei 1.300 €, der Mindestlohn bei 820 €. Sozialabgaben gehen natürlich auch noch ab. Für eine kleine Wohnung in Porto bezahlt man ca. 800 €.

Der Douro entspringt in der spanischen Provinz Soria und mündet nach etwa 897 Kilometern bei Porto in den Atlantik. An der Mündung des Douro ist es wunderschön und deshalb auch teuer. Grundstücke kosten etwa dreimal so viel wie im Zentrum von Porto.

Einer der größten Häfen des Landes liegt in Porto. Er heißt Porto de Leixoes und ist größter Arbeitgeber in Nordportugal. Es werden viele Waren exportiert, z. B. Hüte aus Filz (in vielen Filmen zu bewundern, z. B. Dallas), Kork, Granit und Marmor, Schuhe, Holz für Papierverarbeitung, Wein (z. B. Vinho Verde), Portwein, Kiwis uvm.

Für Touristen ist Porto durchaus sehr sehenswert. Allerdings schrecken circa 150 Regentage im Jahr Sonnenanbeter ab. Oft ist es vormittags nebelig und trübe und klart erst mittags auf.

Deshalb machen die Bewohner des Nordens Portugals meistens an der Algarve Urlaub. Dort scheint die Sonne im Jahr etwa 3.000 Stunden und das Wasser ist warm. Der Atlantik ist nach Meinung unserer Reiseleiterin sowieso nicht für Menschen, sondern eher für Pinguine zum Baden gedacht.

Die durchschnittliche Temperatur im Norden beträgt 13 Grad, im Süden 18 Grad. Unter 0 Grad ist es allerdings selten.

Etwa 800.000 Ausländer leben im Land Portugal und etwa 5 Millionen Portugiesen leben im Ausland.

Portos Brücken

Ein Thema, welches in Porto sehr wichtig ist, sind die 6 Brücken von Porto über den Douro nach Gaia. Die Namen der Brücken lauten:

  • Ponte Dom Luis I, ist die am häufigsten fotografierte Brücke und hatte den größten Brückenbogen aus Schmiedeeisen, als sie 1886 gebaut wurde. Seit 2003 fährt die Metro auf dem Oberdeck und auf dem Unterdeck öffentliche Verkehrsmittel wie Busse und Taxis.
  • Ponte Infante D Henrique, dem Namen von Heinrich dem Seefahrer, mit 4 Fahrbahnen, mit einem 280 m langen Stützbogen, der weltweit für viele Brücken als Vorbild dient. Sie wurde im Jahr 2003 erbaut und ist somit die jüngste unter den Brücken.
  • Ponte Donna Maria Pia, ist eine seit 1991 stillgelegte Eisenbahnbrücke, entworfen von Gustave Eiffel (dem Architekten des Eifelturms). 
  • Ponte de Soa Joao, eine eingleisige Eisenbahnbrücke mit minimalistischer Architektur.
  • Ponte da Arrabida, bei dieser Brücke mündet der Douro ins Meer, die Autobahn A1 verläuft darüber, in den Säulen befinden sich Aufzüge, eine Treppe führt über 262 Stufen auf 65 Meter Höhe über dem Flussbett.
  • Ponte do Freixo, wurde 1995 eröffnet, 4 Fahrbahnen werden täglich von ca. 100.000 Autos genutzt. Eigentlich sind es 2 Brücken, denn sie sind in der Mitte um 10 Zentimeter voneinander getrennt.

Auf unserer Rundfahrt durch Porto kamen wir am Haus der Musik „Casa da Musica“ vorbei. Für dieses Kunstwerk begann die Planungsphase bereits 1999, 2005 wurde es mit 4 Jahren Verspätung eingeweiht. Der Architekt Rem Koolhaas hat es entworfen und er bekam dafür einen Architekturpreis. Auf allen 1.300 Plätzen hat man das gleiche Klangerlebnis. Die Idee des Architekten war: „Ein weißer Meteorit fällt vom Himmel“… Ich bin wirklich kein Kunstkenner. Wenn Raquel uns nicht darauf aufmerksam gemacht hätte, was sich Großartiges hinter diesem großen Betonklotz verbirgt, hätte ich es nicht als wertvoll erkannt.

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weißer Meteorit, der vom Himmel fällt

Eine große Menschenschlange erregte unsere Aufmerksamkeit. Die Menschen standen an, um in „Livraria Lello“, einen der schönsten Buchläden Europas zu kommen. Es wird der Buchhandlung ein Zusammenhang zu Harry-Potter-Geschichten nachgesagt. Die Autorin der Bücher lebte eine Zeitlang in Porto und soll sich gerne in der Buchhandlung Lello aufgehalten haben. Ein Grund für Harry-Potter-Fans, sich in die Warteschlange zu stellen.

Vom 75 Meter hohen Glockenturm Torre dos Clerigos hat man einen tollen Ausblick auf Porto und Gaia. Gottseidank war nur der Anblick von außen in unserem Programm enthalten: 240 Treppenstufen wären mir doch recht viel geworden.

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Der Bahnhof Porto Sao Bento ist einer der schönsten Bahnhöfe der Welt. 20.000 Azulejos (blaue Kacheln) zieren die Wände und erzählen Geschichten aus alter Zeit. Ich konnte mich kaum satt sehen an den wunderschönen Bildern. Je länger man schaute, desto mehr Details konnte man erkennen. Die Erklärungen von Rachel zeigten uns viele Zusammenhänge auf.

Eine Stunde freie Zeit bekamen wir für den Besuch der berühmten Markthalle Mercado do Bolhao. Alleine die Architektur der Überdachung ist sehenswert. Es war schön, im eigenen Tempo an den Ständen vorbei zu schlendern und zu schauen, was es so alles gibt. Frische Fische, Austern, Oliven und vieles mehr ließen mir das Wasser im Munde zusammen laufen. Wir gönnten uns einen leckeren Expresso (das ist die portugiesische Schreibweise) und Pastel de Nata.        

Zum Mittagessen wurde uns ein Lieblingsgericht der Portuenser versprochen: Francesinha – die kleine Französin – ein Sandwich aus Kochschinken, Wurst und Steak mit geschmolzenem Käse übergossen.

Wir betraten durch einen von außen sehr unscheinbaren Eingang eine festlich geschmückte Halle: und hatten wieder einmal einen spontanen Wow-Effekt. Die Tische waren festlich gedeckt und die Bewirtung begann zügig. Was soll ich sagen, meine Vorstellung war ein Sandwich mit etwas drauf. In der Realität waren die Sandwichscheiben sehr groß und was drauf war, war mein Fleischbedarf von mindestens einer Woche. Steak, Bratwurst, etwas Frikadellen-ähnliches, viel, viel Käse und dazu Tomatensoße. Irgendwie hat es mir geschmeckt. Es lag nur ziemlich lange und schwer im Bauch.

Bei herrlichem Wetter konnten wir ein wenig freie Zeit am Douro verbringen. Das bunte und gemütliche Treiben ließ uns in das portugiesische Lebensgefühl eintauchen. Um diese Jahreszeit waren noch nicht viele Touristen da. Ich mag es sehr, wenn mehr Einheimische als Touris da sind – obwohl ich ja auch eine Touristin bin *lach.

Unser Heimweg führte uns an der Küste entlang Richtung unser Hotel in Povoa de Varzim.

Einen kurzen Stopp machten wir am Castelo do Queijo, der Käseburg. Direkt auf den Felsen gebaut bildet sie eine kleine Anhöhe, von wo aus man schöne Ausblicke auf den Atlantik und das Terminal, an dem die Kreuzfahrtschiffe anlegen, hat. Ganz Mutige wagten sich sogar mit den Füßen ins Wasser.

Als hätten wir lange nichts mehr gegessen, stürzten wir uns im Hotel ans Büfett. Ich kann mich selbst nicht verstehen*lach, zu Hause hätte ich noch einen Joghurt gegessen und der hätte gereicht….

Richtung Galicien in Spanien

Am dritten Tag waren wir um 8.00 Uhr mit unseren gepackten Koffern am Bus, denn für die kommenden drei Nächte hatten wir ein Hotel in Galicien. Für die bevorstehende Zeitumstellung auf Sommerzeit in Deutschland eine gute Übung: in Portugal waren wir eine Stunde zurück gegenüber Deutschland, in Spanien hatten wir wieder die gleiche Zeit wie in Deutschland und am Rest unserer Reise wieder portugiesische Zeit. Der Blick auf die Uhr erforderte also höchste Konzentration *lach.

Nach gut eineinhalb Stunden Fahrtzeit durch den stark besiedelten Norden Portugals, erreichten wir die Grenze zu Spanien. Am Fluss Rio Minho liegt auf portugiesischer Seite die Stadt Valenca und auf der spanischen Seite die Stadt Tui.

Mit interessanten Geschichten über Portugal und Spanien gestaltete Raquel die Fahrt kurzweilig. So ist z. B. im Vergleich zu Portugal die finanzielle Situation in Spanien etwas höher angesiedelt: Durchschnittsbruttolohn liegt bei 1.822€ und der Mindestlohn bei 1.134€.

Über den Dichter Luis Vaz de Camoes erfuhren wir, dass er als Nationaldichter verehrt wird. Sein Todestag am 10. Juni wird als portugiesischer Nationalfeiertag hoch gehalten. Eine Büste von ihm steht in Porto. Ein bemerkenswertes Werk ist wohl ein Buch über die Geschichte Portugals in Versform.

Die Legende von Pedro und Ines erzählt von einer verbotenen Liebe zwischen dem Infanten D. Pedro und der Ines de Castro, der Begleitdame seiner Gattin D. Constanca Manuel. Die Geschichte handelt von Mord, Heimtücke, Rache, Macht und allem was zu einer Liebesgeschichte dazu gehört, wenn sie Jahrhunderte überleben soll. Sie hatte übrigens kein Happy End.

Wissenswertes über Spanien

Auch das politische Spanien wurde uns näher gebracht. So unterteilt sich Spanien in 17 sogenannte autonome Gemeinschaften. Sie heißen Andalusien, Aragonien, Asturien, Balearen, Baskenland, Extremadura, Galicien, Kanarische Inseln, Kantabrien, Kastilien-La-Mancha, Kastilien, Katalonien, La Rioja, Madrid, Murcia, Navarra und Valencia. Davon abgesehen, dass ich viele der Namen noch nie gehört habe, beeindruckt mich diese Anzahl von politischen Bezirken. Jede Region hat einen besonderen Charakter. Wenn man die Bewohner der einzelnen Gebiete fragt, woher sie kommen, sagen sie selten, sie seien Spanier. In aller Regel nennen sie den Landstrich oder Regierungssitz – wie immer man das korrekt nennt.

Unsere Reise ging nach Galicien. Der Ursprung ist keltisch und Galicien hat eine Größe von 29.000 qkm. Es unterteilt sich in 4 Provinzen und die Hauptstadt ist Santiago de Compostela. Man nennt es auch das Land der 1.000 Flüsse. Viele Rias gibt es, das sind überflutete Flusstäler.

Wir fuhren an der Stadt Vigo vorbei, die einen großen Hafen hat und Fisch in alle Herren Länder exportiert. Peugeot und Citroen produzieren hier einige Autotypen. Das heißt, dieser Landstrich steht wirtschaftlich gut da.

In Portugal werden 60 kg Fisch/Kopf/Jahr verzehrt, in Spanien 46 kg/Kopf/Jahr. Es wird oft diskutiert, warum Fisch so hochpreisig ist. Raquel klärte uns auf, welche Kosten ein Fischer hat: Diesel für sein Boot, Netze die ca. alle 6 Monate ersetzt werden müssen, seine Mitarbeiter, die Verkäufer usw.

Miesmuschelproduktion im Ria Arousa

Unser erstes Tagesziel war der Ria Arousa und wir machten eine Bootsfahrt mit Besichtigung einer Miesmuschelproduktionsstätte. Ich esse gerne Muscheln, habe mir aber noch nie darüber Gedanken gemacht, wo oder wie diese wachsen. Deshalb fand ich die Einblicke in die Zucht mit den Erklärungen sehr interessant.

Ich versuche, in Kurzform ein wenig Wissen weiter zu geben: Die Muschelmännchen geben ihren Samen ins Wasser ab und die Weibchen ihre Eizellen. Da die Muscheln dicht beieinander leben, finden Samen und Eizellen zueinander, befruchten sich und entwickeln sich zu Larven. In den Zuchtstätten hängen an Flößen aus Holz viele Seile, die sich im Wasser bewegen und an denen heften sich die Larven an. Die Holzflöße sind mit Ketten am Meeresboden befestigt. Die Muscheln brauchen bis zu ihrer Ernte kein zusätzliches Futter, sondern ernähren sich vom Plankton im Wasser. An einem Meter Seil können bis zu 10 kg Muscheln wachsen. Bis zur marktfähigen Größe von 8 – 10 cm wachsen sie in 9 bis 15 Monaten heran. Normalerweise haben die die Muscheln keine Bodenberührung und sind vollkommen sandfrei. Etwa 20 % der Weltproduktion wird in Galicien erzeugt. 

Bei schönem Wetter ist so ein Ausflug auf dem Ria Arousa super. Die Kunst ist, es auch super zu finden, wenn das Wetter nicht so toll ist. Wir hatten ziemlich starken Wind und Helmut und viele andere Mitreisende entschieden sich gleich, die Tour im geschützten Innenbereich des Schiffes zu erleben. Wenn schon Schifffahrt, dann will ich draußen sein und den Wind spüren…

Wir sollten Muscheln zum Probieren bekommen und so saßen Hildegard, Karin und ich an einem Tisch und genossen die Reise. Eine Flasche Wein und Plastikbecher sowie eine große Schale mit frischen Muscheln wurden uns gereicht. Ich war hin und hergerissen zwischen Begeisterung und Vernunft. Morgens um 10 Uhr Wein zu trinken bin ich überhaupt nicht gewohnt. Ich habe die Begeisterung gewinnen lassen und ließ mir Muscheln und Wein schmecken. Frische Muscheln …. Ich kann das Wort nur auf der Zunge zergehen lassen, den Geschmack kann man nicht beschreiben.

Blöd war, dass zu dem starken Wind auch noch Regen kam. Ich hatte ein Regencape dabei und fand, dass man es damit auch gut draußen aushalten kann *lach. Mit zunehmendem Regen verschwanden zunächst Hildegard und kurz danach auch Karin in die trockenen unteren Räume des Schiffes. Als ich mich umschaute, waren nur noch wenige Robuste an einem windgeschützten Unterstand. Ich gesellte mich dazu und wir hatten schöne Musik und unseren Spaß *lach.

Nach der wirklich feuchtfröhlichen Bootsfahrt hatten wir freie Zeit und waren ziemlich dringend der Meinung, dass wir etwas essen sollten um aus dem Kicher-Karussell wieder aussteigen zu können. Es war gar nicht so einfach etwas zu finden, denn wir waren noch sehr früh im Jahr und die meisten Lokale hatten zu. Wir fanden eine Eisdiele und mangels ausreichender Sprachkenntnisse auf beiden Seiten ließen wir uns überraschen, was wir bestellt hatten. Es kamen frisch gebackene Waffeln und das war ok.

Insel Illa da Toxa

Unsere Fahrt führte uns weiter zu der kleinen Insel Illa da Toxa, die über eine Brücke mit der Halbinsel O Grove verbunden ist. Durch eine kleine Geschichte, die uns Raquel erzählte, verstanden wir, wie vor langer Zeit die heilende Wirkung des Thermalschlammes und der Heilwasserquellen entdeckt wurde: Ein Pfarrer musste auf Reisen gehen. Er hatte einen alten, kranken Esel, den er auf der Insel zurück ließ und war sich sicher, dass dieser bei seiner Rückkehr gestorben sei. Bei seiner Rückkehr war der Esel jedoch wieder putzmunter und der Pfarrer glaubte, dass dieses nur von dem Schlamm, in dem der Esel sich gewälzt hatte, kommen konnte. Im Garten neben einer Kirche steht eine Skulptur des Esels und die Außenfassade der Kirche ist komplett mit Muscheln verkleidet. Ein sehr beindruckender Ort mit schöner Parkanlage und heute noch ein bekannter Heilkurort in Galicien.

Kein Reisebericht ohne Toilettenabenteuer: wir waren mit 2 Bussen auf der gleichen Route unterwegs. Die Abfahrtszeit der beiden Busse rückte näher und einige der Mitreisenden suchten eine Toilette. Wir fanden diese auch: 1 Toilette für ca. 100 Menschen… das dauert… Neben dem Toilettenhaus war ein Geschäft und wir kamen mit der Verkäuferin ins Gespräch… normalerweise sind hier 5 Toiletten offen, aber der Herr, der diese reinigt und bewacht, machte gerade Pause. Sie versuchte ihn telefonisch zu erreichen. Er kam dann auch, als fast alle fertig waren…. Gottseidank warteten unsere Busse.

Santiago de Compostela

Unser Hotel für die kommenden drei Nächte war in Santiago de Compostela. Nach einem ausgiebigen und leckeren Abendessen verzogen wir uns in unsere Zimmer um ausgeruht in den kommenden vierten Tag starten zu können.

Passend zum Sonntag stand Santiago de Compostela auf dem Programm. Nach nur 10-minütiger Fahrt vom Hotel ins Zentrum machten wir mit Raquel einen Rundgang. Ihre Erläuterungen erleichterten es, uns in der anschließenden Freizeit gut zurecht zu finden. Ausnahmsweise war kein gemeinsames Ende der freien Zeit angesetzt, sondern um 17 Uhr ein Treffpunkt am Bus und wer da war, konnte mit dem Bus nach Hause fahren. Es war auch kein Problem, zu Fuß ins Hotel zu gelangen. Auch eine Taxifahrt war möglich und nicht teuer. Also ein Tag mit freier Zeiteinteilung, ganz nach unserem Geschmack.

Das Ende des Rundganges mit Raquel war im Paradores de Santiago de Compostela, einer prunkvollen Herberge direkt an der Kathedrale, welches heute zu den Parador-Hotels gehört. Mit einer Auswahl an leckeren Kuchen und Kaffee genossen wir das edle Ambiente. So würde mir pilgern auch gefallen.

Gestärkt von den Leckereien schlenderten wir durch die Gassen und mussten uns sputen, um an der 12-Uhr-Messe teilzunehmen. Wir gehören nicht dem katholischen Glauben an, und alles war für uns hochinteressant. Katholische Mitreisende erklärten uns später, dass die Liturgie gleich wie zu Hause war. Uns gefiel die gelebte Spiritualität und fühlten uns sehr wohl. Wenn der Geist die Sprache nicht versteht, dann muss die Seele etwas mehr Stimmung aufnehmen.

Die Kirche war bis auf den letzten Platz belegt und ich konnte mir nicht vorstellen, wie das zur Hochsaison aussieht. Im Fernsehen sahen wir einmal, dass nach der Messe der Weihrauchkessel durch die Kirche geschwenkt wird…. das war bei dieser Messe leider nicht der Fall. Einige unserer Mitreisenden hatten sich auch darauf gefreut.

Nach der Messe besichtigten wir ausgiebig diese tolle Kirche mit ihrem ganz besonderen Spirit. Im vergangenen Jahr machten wir u. a. einen Besuch in Fatima. Im Vergleich zu Santiago de Compostela fanden wir in Fatima die Energie wesentlich schwerer. Santiago de Compostela fühlte sich für uns leichter an.

Santiago de Compostela ist die Hauptstadt von Galicien und hat etwa 100.000 Einwohner. Davon sind 28.000 Studenten. Jährlich kommen circa 3 Millionen Besucher. Viele kommen als Pilger auf den beiden bekanntesten Pilgerwegen. Der berühmteste ist der französische Pilgerweg mit 760 km Länge. Der portugiesische Weg ist nur 250 km lang und angenehmer zu gehen. Es gibt klare Regeln, über die man sich im Vorfeld informieren sollte, wenn man sich mit dem Gedanken trägt, den Jakobsweg gehen zu wollen. Raquel erzählte uns einige davon, die ich aber vergessen habe. Wenn ich denn den Weg gehe, informiere ich mich *lach.

Überall in der Gegend um Santiago de Compostela findet man das Zeichen der Muschel. Die Muschel hat mehrere Bedeutungen, eine davon gefällt mir besonders: sie symolisiert eine offene Hand, die gibt.  

Besondere Tiefe an diesem besonderen Ort gab uns ein Gespräch mit Heinz. Heinz verlor im Jahr 2022 seine Tochter im Alter von erst 43 Jahren. Um diesen Schicksalsschlag irgendwie zu verarbeiten, fuhr er alleine mit dem Fahrrad 2357 km von seinem Heimatort nach Santiago de Compostela. In der Kapelle des Heiligen Franziskus versteckte er eine kleine Muschel für seine Tochter. Unsere gemeinsame Reise machte er unter anderem, um seiner Frau vieles zu zeigen, was ihn auf seiner Reise und an diesem Ort prägte und um nach der versteckten Muschel zu schauen.

Wir begleiteten die Beiden gerne um mit ihnen diesen intensiven Moment zu erleben. Die Muschel war nicht mehr auffindbar. Das war zu erwarten. Trotzdem hatten wir den Eindruck, dass Heinz an diesem Ort sehr stark mit seiner Tochter verbunden war und ihm dieser Besuch gut tat.

Es setzte leider Regen ein und wir machten uns gemeinsam auf die Suche nach etwas Essbaren. Ein Schild, das Tapas versprach, erweckte unsere Aufmerksamkeit. Wir waren in einem Lokal gelandet, das von der üblichen Norm abwich, „100 Montaditos“ – falls es mal jemand sucht. Auf jedem Tisch lagen Zettel mit über 100 verschiedenen Gerichten. In englischer Sprache bekamen wir eine kleine Einweisung von einem Gast am Nebentisch: auf dem Zettel aussuchen, dann Zettel abgeben, dann warten bis der Name ausgerufen wird und dann genießen.

Wir wurstelten uns mit Handyübersetzer und nach dem Ausschlussverfahren durch und waren am Ende satt, ein bisschen stolz * lach – und lecker war es auch!

Wir bummelten noch ein wenig durch die Gassen dieser wirklich besonderen Stadt und ließen uns zum Abschluss nochmals in der Kathedrale nieder. Ein guter Ort um diesen intensiven Tag zu reflektieren.

Galiciens Norden und Spaniens Geschichte

Der fünfte Tag führte uns in den Norden Galiciens und war somit mit einigen Kilometern im Bus verbunden. Raquel verstand es wieder sehr gut, die Zeit im Bus interessant zu gestalten und uns einiges nahe zu bringen, über das wir uns noch nie Gedanken gemacht hatten.

Zum Beispiel die Geschichte Spaniens hat mich noch nie interessiert, aber wenn man so durch die Lande fährt und das eine und andere erzählt bekommt, finde ich es schön, Zusammenhänge zu sehen und zu verstehen. Geschichte zählte nie zu meinen Lieblingsfächern in der Schule. Mittlerweile bin ich in einem Alter, in dem ich selbst schon Geschichte erlebt habe und deshalb verstehe ich manche Zusammenhänge besser als früher. Besser spät als nie! Ich versuche mal wieder eine verständliche Kurzversion von hunderten von Jahren zu schreiben:

Griechen, Kelten, Iberer und Römer versuchten sich die Halbinsel zu Eigen zu machen. Eine Zeitlang hatten die Römer die Oberhand, dann wieder die Westgoten und danach auch muslimische Heere. Danach waren die Mauren an der Macht und danach gewannen die Christen. Wenn man das so Revue passieren lässt, kann man sich vorstellen, dass jede Kultur Spuren hinterlassen hat.

1492 entdeckte Kolumbus Amerika. Zu dieser Zeit wollte man aus Spanien heraus ein einheitliches katholisches Reich bilden. Das Land war auch hundert Jahre später noch in Kriege mit Frankreich, den Niederlanden, England und auch dem Reich der Osmanen verwickelt.

Um 1700 wütete ein Krieg in weiten Teilen Westeuropas. Napoleon eroberte Spanien und setzte seinen Bruder als König ein. Aus dem Untergrund wurde dies bekämpft. Napoleon verlor und Ferdinand VII. wurde als König von Spanien eingesetzt. Seine Tochter Isabella II. folgte ihm auf den Thron.

Nach der Revolution von 1868 entstand die spanische Republik. Die Unruhen blieben und die Kämpfe zwischen den katalonischen Anarchisten und der republikanischen Regierung führten 1936 bis 1939 zu einem Bürgerkrieg. Die Nationalisten unter Franco setzten sich durch.

Aus dem zweiten Weltkrieg hielten sich die Spanier heraus. Durch die Diktatur geriet das Land allerdings in eine politische und wirtschaftliche Isolation. Nachdem 1975 Franco verstarb konnte sich einiges verändern. Es entstand eine Monarchie unter Juan Carlos I., der dafür sorgte, dass es keine Diktatur mehr gab. Unter Ministerpräsidenten Adolfo Suarez wurden die nötigen Reformen eingeführt, die letztendlich zur Einführung einer Demokratie führten. Seit 1985 ist Spanien Mitglied der NATO und gehört seit 1986 zur Europäischen Gemeinschaft. Juan Carlos I. dankte im Jahr 2014 ab und sein Sohn Felipe VI. wurde Nachfolger.

Puh, das ist geballte Geschichte, die noch vieles mehr beinhaltet, ich weiß. Das würde den Rahmen dieses Reiseblogs allerdings sprengen. Wieviel Leid und Elend mag es gegeben haben – unfassbar! Wenn ich heute auf so manche Nachricht aus Spanien achte, dann verstehe ich mehr und hoffe, dass dieses von Kriegen gebeutelte Land Frieden behalten kann.

… so fährt man durch die Lande und merkt gar nicht, wie viele Kilometer man schon geschafft hat *lach.

Wasserfall Fervenza do Ezaro

Ein erstes Ziel an diesem fünften Tag war der Wasserfall Fervenza do Ezaro. Der Rio Xallas fällt ca. 30 Meter tief in den Atlantik in einer atemberaubend schönen Gegend. Über einen langen Holzsteg kann man ziemlich dicht an den Wasserfall kommen und wir konnten tolle Fotos machen. Die Realität kann ein Foto leider nicht einfangen. Der Wasserfall dient auch der Stromversorgung der Region.

Kap Finisterre – das Ende der Welt

Ans Ende der Welt wollte ich immer schon mal – ohne zu wissen, wo das war *lach. Kap Finisterre ist die Lösung. Es liegt etwa 60 km westlich von Santiago de Compostela. Pilger, für die Santiago de Compostela noch nicht das Endziel bedeutet, gehen bis hier her. Hier befindet sich der Nullpunkt des Pilgerweges.

Über viele Jahrhunderte glaubte man, dass hier die Welt endet und sich dahinter nur Abgrund und Wasser befindet. Der Ort wird auch „Tor zum Jenseits“ genannt und ich fand, er hat wirklich etwas Mystisches. Der steile Abhang und das wilde Meer lassen einen verstehen, warum diese Küste auch Todesküste genannt wird.

Hier werden auch Entenmuscheln geerntet. Eine höchst riskante Arbeit. Ein Kilogramm der Muscheln kostet etwa 200 €. Ich sah mal eine Dokumentation über die Ernte und mein Respekt wächst mit den Eindrücken vor Ort.

Der Öltanker „Prestige“ verunglückte 2002 vor dieser Küste und 64.000 Tonnen Schweröl flossen ins Meer. Man las davon in den Zeitungen…

A Coruna

Auf dem Weg nach A Coruna erfuhren wir wieder einige Vergleiche zwischen Spanien und Portugal. So dauert z. B. die Schulpflicht in Portugal 12 Jahre, von 6 bis 18 Jahren. In Spanien dauert sie nur 10 Jahre, von 6 bis 16 Jahre. In beiden Ländern ist es üblich, die Kinder ab 3 Jahren in einen Vorschule zu schicken. In Portugal lernen die Kleinen ab der 3. Klasse bereits Englisch. In Spanien lernen sie ab 6. Jahren die Sprache der Region in dem sie wohnen, also galizisch, baskisch etc. Englisch ist als Fremdsprache ebenfalls in der Grundschule angesagt.

Picasso lebte in jungen Jahren in A Coruna und erlebte viele prägende Momente in dieser Stadt. Auch seine Liebe zur Kunst hat hier ihre Wurzeln.

Der Künstler Salvadore Dali wollte übrigens Mitte der Siebziger mit John Lennon und 100 Hippies den Jakobsweg gehen und daraus einer Art Happening machen. Leider kam es nicht mehr dazu. Seine Schwester ist den Weg in seinem Gedenken gegangen.

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A Coruna Ist eine Hafenstadt auf einer Landzunge im Nordwesten Spaniens. Viele Häuser haben vorgebaute Glasbalkone, sog. Galerias. Das gibt der Stadt einen besonderen Charme und auch den Beinamen „Stadt aus Glas“. In A Coruna leben ca. 21.000 Studenten. Sie haben die Möglichkeit unter 20 verschiedenen Studienzweigen zu wählen. Bevorzugt wird Architektur gelehrt. Kein Wunder, wenn man sich die prächtigen Bauten der Stadt anschaut. Die mittelalterliche Altstadt ist ansprechend und wir freuten uns über freie Zeit. Den kleinen Hunger zwischendurch zu stillen war nicht einfach, da wir außerhalb der Mittagszeit waren und es noch so früh im Jahr war und man noch nicht auf Touristenströme eingestellt war. Wir fanden mit Heinz und Brigitte eine nette Pizzeria und ließen uns die italienische Spezialität in Spanien schmecken.

Zur verabredeten Zeit fanden wir uns wieder am Bus ein, bis auf 2 Personen. Wir warteten und warteten – ca. 20 Minuten lang, dann kamen die Beiden ziemlich aufgelöst mit einem Taxi angefahren und entschuldigten sich sehr: sie hatten sich einfach verlaufen…

Mir hat es wieder gezeigt, dass es durchaus Sinn macht, sich gleich am ersten Tag einer solchen Rundreise die Kontaktdaten, die immer bekannt gegeben werden, ins Handy zu speichern oder mitzunehmen. Wir hatten sie auch nicht dabei…. Buh-Rufe im Bus fand ich mehr als unpassend.

Herkulesturm

Eine kurze Fahrt führte uns zum Herkulesturm, einem römischen Leuchtturm mit Panoramablick auf die Küste in einer schönen, großzügigen Parkanlage. Wir sollten 1 Stunde Zeit bekommen, um uns auf eigene Faust umsehen zu können.

DER notorische Motzer im Bus (er wusste wirklich zu fast allem etwas – Negatives natürlich) beschwerte sich, was wir denn eine Stunde lang dort machen sollten… Gottseidank reagierte Raquel sehr souverän und ließ abstimmen. Alle anderen Mitreisenden wollten gerne diese eine Stunde haben und im Nachgang kann ich sagen, 2 Stunden hätten wir auch sehr gut dort verbringen können!!!

Im Park war ein Skulpturenpark angelegt und wir hätten durchrasen müssen, um einen Eindruck zu bekommen. So konzentrierten wir uns auf die herrliche Aussicht und den Turm. Er gilt als ältestes aktives Sichtzeichen der Seeschifffahrt und ist seit 2009 UNESCO-Welterbe.

Wie wir es schon öfter mitbekamen, ranken viele Geschichten um solche Orte. Eine davon ist, dass der Legende nach der Turm auf einem Felsen entstand auf dem Herkules und der Riese Geryon drei Tage und drei Nächte gekämpft haben sollen. Herkules gewann und aus Dankbarkeit wurde der Leuchtturm auf den Felsen gebaut.

Müde und voll von Eindrücken gingen wir gleich nach dem Abendessen schlafen. So viele Eindrücke müssen verdaut werden. Ich könnte unmöglich am Ende eines solchen Tages Reise-Blog schreiben. Ein paar Notizen und Fotos genügen allerdings, um zu Hause die Emotionen und Eindrücke wieder zu wecken und aufzuschreiben.

Combarro – ein Kleinod!

Am sechsten Tag packten wir morgens unsere Koffer und die Reise ging wieder Richtung Portugal.

Ein ganz besonderes Schmankerl war ein Stopp in Combarro. Ein super idyllisches kleines Dorf mit 1.600 Einwohnern, direkt am Meer. Wir schlenderten mit unserm Knopf im Ohr hindurch und lauschten den Erklärungen von Raquel. Kleine wunderschöne Gassen, Lokale direkt am Wasser und eine sehr entspannte Stimmung zogen uns ganz in ihren Bann.

Eine Besonderheit in diesem Landstrich sind die Getreidespeicher. Kleine Häuser stehen auf Stelzen und es werden heute noch Vorräte darin aufbewahrt. Der Aufbau der Häuser ist so gut durchdacht, dass keine Mäuse oder sonstiges Ungeziefer hinein kommen können, gute Durchlüftung dafür sorgt, dass nichts schlecht wird oder schimmelt und dazu sieht es wirklich sehr apart aus.

Wir freuten uns über die Informationen und darüber, dass uns Raquel auch auf Details aufmerksam machte. Als wir wieder im Bus waren, schaute ich sofort in meiner Wohnmobil-Stellplatz-App nach, ob es hier eine Möglichkeit zur Übernachtung gibt: es gibt *lach. Wenn uns einmal der Weg mit dem Wohnmobil in diese Gegend führt, will ich auf alle Fälle hier einige Zeit verbringen!!

Der Motzer fiel mir wieder unangenehm auf. Der Satz: „Wer glaubt denn sowas“, wenn man etwas erklärt bekommt was man nicht kennt, macht mich sprachlos. Solche Leute sollten nicht in Gruppenreisen unterwegs sein. Gottseidank saß er im Bus nicht so nah bei uns, dass ich alle dämlichen Kommentare hören musste *lach

Tui und Valenca = Galicien und Portugal

Weiter ging die Fahrt Richtung Portugal. Schon auf dem Hinweg hörten wir einiges über die beiden Städte Tui (auf spanischer Seite) und Valenca (auf portugiesischer Seite) am Grenzfluss Minho. Zwei Brücken verbinden die beiden Städte: die Autobahnbrücke und eine 318 Meter lange Gitterträgerbrücke. Sie wurde 1885 erbaut und dient bis heute dem Straßen- und dem Eisenbahnverkehr.

Wir machten einen Halt in Valenca und staunten über die wunderschöne Altstadt, die unter Denkmalschutz steht. Der gesamte Ort ist von einer Festungsmauer umgeben. Wir hatten von dort einen herrlichen Blick zurück nach Galicien. Viele Spanier kommen nach Valenca zum Einkaufen, weil es preisgünstiger ist. Entsprechend sind die Souvenirläden ausgestattet. Wir hatten ausreichend Zeit, das Städtlein zu erkunden und sogar, einen portugiesischen Expresso in der Sonne zu genießen.

Beide Busse hatten eine ähnliche Abfahrtszeit ausgemacht und die Parksituation für Busse war auf diesem öffentlichen Parkplatz etwas schwierig. Deshalb war Pünktlichkeit angesagt, was auch gut klappte. Wenn natürlich ca. 100 Personen in 2 Busse einsteigen wollen, dauert das eine Weile.

Es näherte sich ein kleines Auto und fuhr langsam aber ständig auf unsere Gruppe zu. Der Ruf „Auto kommt“ ließ uns wohl zusammen rücken, aber irgendwann ging nicht mehr. Ich sah wie in Zeitlupe, wie der vordere Autoreifen auf die Sohlen (also hinten auf die Sohlen) von Karin´s Schuhen fuhr. Sie merkte, dass ihr das Auto zu nahe kam, wollte ausweichen, konnte aber die Füße nicht weg bewegen, da das Auto auf den Sohlen stand. Karin verlor den Halt, wollte sich instinktiv an jemandem festhalten, diese Frau stürzte mit ihr zu Boden und schubste noch eine Weitere mit. Puh, was für eine Aufregung.

Ich will den Spannungsbogen nicht weiter ausdehnen: es ist gottseidank nichts wirklich Schlimmes passiert. Was uns allen sehr leid tat war, dass die Letzte die umgeschubst wurde ausgerechnet eine unserer ältesten Mitreisenden war, die sich tapfer mit Gehwägelchen und Stöcken (je nach Bedarf) auf allen schwierigen Pfaden geschlagen hatte. Sie hatte eine Platzwunde am Kopf und war ziemlich unter Schock. Unter Schock standen die beiden anderen und die „Zuschauer“ ebenfalls. Die beiden Busfahrer und Reiseleiterinnen kümmerten sich hervorragend um alles. Unser Bus fuhr weiter, denn die Beteiligten waren aus dem anderen Bus. Es kamen Polizei und Krankenwagen, aber alle konnten die Reise fortsetzen.

Braga

Auf dem Weg nach Braga, was als nächstes Ziel für diesen Tag vorgesehen war, erzählte uns Raquel einiges über Religionen. Der Spruch: „In Braga betet man, in Coimbra studiert man, in Porto arbeitet man und in Lissabon amüsiert man sich“, sagt einiges über die „Qualität“ dieser Orte aus.

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Braga, eine weitläufige und quirlige Stadt

Man hat in Portugal für jede Lebenssituation, jedes Problem einen Heiligen: gegen Augenprobleme Luzia, gegen Bauchschmerzen Anna, gegen Kopfschmerzen Stefan, wenn die jungen Damen einen Traummann suchen Anthonius, wenn ältere Damen einen Traummann suchen Gonzalo, auf Reisen Ulrich von Augsburg, gegen Schlaflosigkeit Hubertus von Lüttich, und so weiter. Hier kann man für und gegen fast Alles einen passenden Heiligen finden.

Um das zu verstehen, muss man in die Geschichte von Staat und Kirche in Portugal einsteigen. Etwa 80 % der Portugiesen gehören dem römisch-katholischen Glauben an und ca. 14 % keiner Kirche. Wallfahrtsorte und die Schutzheiligen spielen eine wichtige Rolle im alltäglichen Leben. Bis ins Jahr 1911 waren Staat und Kirche eine Institution und schrieben die Art, wie Religion zu leben war, vor. Erst im Jahr 2001 wurde die Religionsfreiheit in der Verfassung verankert.

Die Zahlen in Spanien sind ähnlich wie in Portugal, mit 60 % Katholiken. Die Trennung von Staat und Kirche und die Einführung der Religionsfreiheit waren dort bereits im Jahr 1978.

Wenn ein großer Teil der Bevölkerung diese Religiosität lebt, dann fällt es dem Einzelnen bestimmt leichter, „mit dem Strom zu schwimmen“. Ich höre manchmal die Frage, warum sich fremde Religionen bei uns so breit machen können und stelle gerne die Gegenfrage, warum wir nicht unserer Christentum öffentlicher leben und bekennen…

Zurück zur Stadt Braga (ca. 190.000 Einwohner), eines der wichtigsten religiösen Zentren Portugals mit herausragenden religiösen Festen. Die Osterprozession, die nachts stattfindet, ist weit über die Grenzen hinaus bekannt. Die interessante Mischung aus Antik und Modern zieht einen rasch in den Bann. Seit 2017 hat Braga die UNESCO-Auszeichnung City of Media Arts. Über 30 Kirchen befinden sich in der Stadt. Die älteste Kathedrale Portugals, die Se de Braga und die bedeutende Wallfahrtskirche Bom Jesus do Monte möchte ich an dieser Stelle nennen.

Bekannt ist Braga unter anderem für seine filigrane Handarbeiten und den filigranen Schmuck. Auch dazu gibt es viele Geschichten. So tragen neugeborene Mädchen ab dem 4. Tag bereits Ohrringe und bekommen diese in aller Regel von der Patin. Witwen tragen tropfenförmige Ohrringe. In vielen Schaufenstern kann man die Kunst bewundern. Die Handwerkskunst der Glockengießerei ist ebenfalls in Braga zu Hause. Die Glocke von Notre Dame in Paris z. B. wurde hier gegossen.

Ein typisches Gebäck in Braga ist die Tibia de Braga und wir konnten diese Spezialität probieren. Ich vermute, dass es ein Brandteig, der mit Pudding gefüllt ist, war. Lecker war´s!!

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Wallfahrtskirche Bom Jesus do Monte

Mit der ältesten funktionstüchtigen Wasserballastbahn der Welt fuhren wir hinauf zur Wallfahrtskirche Bom Jesus do Monte. Einer unserer Mitreisenden hatte aufgrund Höhenangst Bedenken sich in die Bahn zu setzen. Raquel nahm sich seiner an und er fand es nach den 3 Minuten Fahrt dann gar nicht so schlimm wie befürchtet. Die Geräusche der Bahn konnten einem auch ohne Höhenangst Bange machen *lach. Übrigens hat ein Schüler von Herrn Eifel, dem Erbauer des Eifelturmes, diese Bahn im Jahr 1882 gebaut.

Über 116 Meter Höhenunterschied führen barocke Monumentaltreppen mit 581 Stufen hinauf zu diesem Wallfahrtsort. Eine sehr gepflegte Parkanlage und die beeindruckende Kirche ließen uns staunen und genießen. Bereits im 17. Jahrhundert wurde die Kirche errichtet und unter den verschiedenen Bischöfen und Herrschern erweitert und ausgebaut. Man hat einen herrlichen Blick über Braga. Wen wundert es, dass wir schon wieder einmal mitten in einem UNESCO-Kulturerbe standen.

Dieser Tag war wieder einmal prall gefüllt mit Erlebnissen, Eindrücken und Informationen. Redlich müde ließen wir den Abend ausklingen.

Dourotal

Der siebte Tag begann etwas früher, denn wir hatten einige Kilometer im Bus vor uns. Schon ab 6.30 Uhr gab es Frühstück und um 7.45 Uhr war Abfahrt mit dem Bus in Richtung Dourotal.

Der weltweit berühmte Portwein wird im Dourotal produziert. Schon im Jahr 1703 gab es einen Vertrag zwischen Portugal und England, in dem festgelegt wurde, dass Textilien gegen Portwein getauscht wurde.

Ein paar Jahre später, in 1756 veranlasste die Regierung die strenge Abgrenzung des Portweingebietes mit Namen Alto Douro. Wenn ich es richtig verstanden habe, darf nur Wein mit Trauben aus diesem Gebiet sich Portwein nennen. Es gibt roten und weißen Portwein und viele verschiedene Qualitätsstufen. Mehr zu dem Thema habe ich bereits letztes Jahr beschrieben und ist hier zu finden.

Als besondere und aktuelle Leckerei hat uns Raquel auf ein Getränk namens „Port Tonic“ hingewiesen: weißer Portwein mit Tonic und Minze. Leider habe ich es irgendwie nie probiert – ein Grund, dort nochmal hin zu fahren.

Der Douro entspringt in der spanischen Provinz Soria und mündet nach etwa 897 Kilometern bei Porto in den Atlantik. Viele Schleusen ermöglichen auf dem portugiesischen Teil des Douro auf ca. 213 km Länge die Schifffahrt. In Spanien gibt es keine Schleusen. Auf 112 km Länge bildet er die natürliche Grenze zwischen den beiden Ländern.

Der Nordosten Portugals ist dünn besiedelt mit 46 Einwohnern pro qkm. 9 Monate im Jahr sind Winter und 3 Monate im Jahr ist es super heiß mit 40 Grad. Die typische Lebensart sind solidarische Gemeinschaften. So hat z. B. einer einen großen Backofen und die anderen nutzen den mit. Jeder macht etwas für jeden mit allen Rechten und Pflichten. In solch karger Landschaft macht das Sinn.

Für kleine Winzer wird es wirtschaftlich schwierig zu überleben. Sie bekommen ca. 25 ct. pro Kilo Trauben für die Produktion von Tafelwein und 1,20 € für die Produktion von Portwein. Davon können sie nicht leben. Deshalb verkaufen viele kleine Winzer ihre Weinberge und so entsteht Stück für Stück ein Monopol i. S. Portwein. Das Problem Erntehelfer zu finden kennen wir in Deutschland auch. Hier in Portugal helfen Menschen aus aller Welt bei der Traubenlese mit.

Die Douro-Boys sind z. B. ein Zusammenschluss von Winzern, die sich miteinander organisieren, in neue Technologien investieren und auf Messen die Vermarktung optimieren. Die Douro-Kids ist schon die nächste Generation, die diese aufgeschlossenen Wege beschreitet.

Übrigens trinkt man in Portugal 56 Liter Wein/Kopf und Jahr. Das kam mir ziemlich viel vor, bis ich es ausgerechnet hatte … 153 ml/Tag würde sogar ich schaffen *lach.

Im Dourotal dürfen die Weinberge normalerweise nicht bewässert werden. Nur wenn die Temperaturen zu hoch liegen darf mit Genehmigung eines Prüfinstitutes eine Ausnahme gemacht werden. Der Grund liegt nicht, wie ich annahm am Wassermangel, nein: wenn die Trauben gegossen werden, werden sie nicht so süß. Diese Süße ist für den Portwein sehr wichtig.

Sehr imposant anzusehen sind die Steilhänge, an denen der Wein angebaut wird. Oft sind die Hänge durch Mauern gestützt. An vielen Stellen sieht man Schilder, auf denen „Quinta“ steht. Quinta heißt Weingut.

Im Dourotal wachsen nicht nur Trauben, sondern auch Oliven, Kork, Mispel, Mandeln, Zitronen, Rosmarin usw.

Durch landschaftlich sehr interessante Gegenden führte uns der Weg nach Pinhao, von wo aus unsere zweistündige Schifffahrt auf dem Douro startete. Es war sehr beeindruckend diese herrliche Landschaft zu genießen. Das Wetter war schön und wir bekamen eine Kostprobe des leckeren Portweines. Ich kann von mir sagen, dass ich rundherum zufrieden war. *lach

Zum Mittagessen fuhren wir nach Favaios auf die Quinta Da Avessada. Dieses Weingut ist auf viel Besuch mit vielen Bussen eingestellt. Trotzdem hatte ich nicht das Gefühl als Massentourist abgefertigt zu werden. Alles war super und liebevoll organisiert.

Die Quinta liegt etwa 600 Meter über dem Meeresspiegel und dort wird der Muskatellerwein angebaut. Wir wurden mit Akkordeon-Musik begrüßt, vermutlich um uns gleich ein wenig in Stimmung zu versetzen. Ein Gläschen Muskatellerwein tat das Seine für die gute Stimmung. Das Essen war traditionelle Kost und jeder Gang wurde mit einer netten Geschichte im Vorfeld angekündigt. Mir hat es geschmeckt und gefallen. Den liebevoll gestalteten Garten konnten wir nach dem Essen noch eine Weile genießen bevor wir gegen 16 Uhr die Fahrt ins Hotel antraten.

Raquel brachte uns wieder ein paar Geschichten nahe, der volle Bauch und der Alkohol ließen den Großteil der Businsassen allerdings in einen Döse-Zustand verfallen. Mit einem freundlichen „Kuckuck liebe Gäste“ weckte sie uns sanft kurz vor dem Hotel wieder auf.

Schade, schon wieder vorbei

Der achte Tag war der Abreisetag. Unser Transfer zum Flughafen war für 13 Uhr angesetzt und so hatten wir ausreichend Zeit, gemütlich zu frühstücken und früher Abreisenden nachzuwinken. Ein letzter portugiesischer Expresso in einem typisch portugiesischen Café und ein kleiner Spaziergang am Strand machten diesen Tag rund.

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Wir lernten auf dieser Reise wieder super nette Menschen kennen und nehmen viele beeindruckende Bilder und Geschichten mit. Ein Dank an Raquel, die ihre Begeisterung für Geschichte und die Liebe zu ihrem Land sehr ansprechend vermittelte. … und für´s Korrektur lesen ein Extradank!!

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2023.04._Toscana im Frühling

Bevor ich unsere Toskana-Erlebnisse erzähle frage ich in die Runde: sind die Berichte zu lang? Mir wurde empfohlen, jeden Tag in eine neue Mail zu packen. Meine Idee ist, dass man den Bericht in mehreren Etappen lesen kann. Was meint ihr? Gebt gerne ein Statement in den Kommentaren ab oder auch persönlich an mich. – Danke!!

Nachtrag: Das Problem der langen Berichte habe ich nun mit einem Inhaltsverzeichnis gelöst. Man kann dort hin springen, wo man aufgehört hat *freu

Der Plan war, in einem freien Zeitfenster von 4 Wochen die Toskana zu bereisen. Leider raubte uns eine hartnäckige Erkältung eine halbe Woche und wir konnten erst ein paar Tage später als geplant starten. Manchmal muss man halt vernünftig sein.

Das Wetter war zu Hause nass und viel zu kalt für Mitte April (10 Grad) und die Vorstellung auf angenehme Temperaturen in der Toskana fiel mir schwer. Diese Vorstellung sollte man beim Packen des Wohnmobils aber schon haben…

Sehr wichtig war mir, dass wir noch in Deutschland eine neue, zweite Gasflasche kauften, damit wir genügend Gas zum Heizen hatten. Kurze Hosen und T-Shirts packte ich natürlich auch ein, aber – so weit will ich schon einen Vorausblick geben: viel zu wenige. Pullis und Jacken blieben ab Tag 2 in den unteren Regionen der Kleiderbox und die zweite Gasflasche hätten wir auch nicht gebraucht *lach.

Fahrt durch die Schweiz

Den ersten Stopp machten wir noch in Deutschland in Efringen-Kirchen auf dem Stellplatz Gutenau. Man kann dort ruhig stehen, hat Ver- und Entsorgungsmöglichkeit und wird von einer WebCam bewacht. Was will man mehr? Für den zweiten Tag war die Fahrt durch die Schweiz gen Italien geplant. Den Rat lieber Menschen gebe ich an dieser Stelle gerne weiter: in der Schweiz (und auch schon davor), sollte man im Handy das Roaming ausschalten. Die Schweiz gehört nicht zur EU und somit können Telefongebühren anfallen. Die schweizer Netze sind ziemlich stark und schon einige Kilometer vor und nach der Grenze sind die Handys mit Netzen der Eidgenossen verbunden. Da wir mit Google-Maps navigieren, machte es in der Vorbereitung Sinn, die geplante Route herunterzuladen.

Die Fahrt war entspannt und wir bewunderten die imposante Landschaft. Interessant fanden wir unter anderem, dass an ganz normalen Parkplätzen an der Autobahn Ladestationen für E-Autos eingerichtet waren.  

Kurz vor dem Gotthardt-Tunnel machten wir eine ausgiebige Pause und stellten uns dann in den – nicht angekündigten – Stau. Im Radio vernahmen wir später: 1,5 Stunden Stau vor dem Gotthardt-Tunnel. Gut dass wir unserer Intuition und dem Blasendruck nachgegeben hatten – so war der Stau zwar lästig, aber nicht wirklich schlimm. Die fast 17 km Fahrt durch den Tunnel lehrten mich: ich kann 15 Minuten die Luft anhalten *lach. Es geht einspurig mit Gegenverkehr durch den Tunnel. Wir waren froh, endlich wieder Tageslicht zu sehen. Es wird an einer zweiten Röhre durch die Berge gebaut und wenn diese fertig ist und der Gegenverkehr im Tunnel weg fällt, ist die Fahrt bestimmt wesentlich angenehmer. Laut Internetrecherche soll dies 2029 sein.

Endlich Italien

Unser Ziel für diesem zweiten Tag war ein Stellplatz in Como in Italien. Der Stellplatz liegt relativ nahe an der Grenze und es hatten offensichtlich noch einige Wohnmobilisten die gleiche Idee wie wir: nach der Schweiz, ganz oben auf der Landkarte, in Italien zu übernachten. Der Stellplatz war voll besetzt, aber davor konnten wir noch ein Plätzchen ergattern. Die Stadt Como kennt wohl die Thematik und duldet die Übernachtungsgäste wurde uns erzählt. Gleich nach der Ankunft war Kleiderwechsel angesagt, denn bei sonnigen 20 Grad abends um 17 Uhr waren die mollig warmen Pullover definitiv out. Irgendwie kamen wir uns vor wie Träumer. Die vielen Eindrücke der Schweizer Bergwelt wirkten noch in uns nach und auf einem kleinen Spaziergang an den Comer See genossen wir bereits mediterranes Flair.

Comer See

Parma

Der dritte Tag führte uns durch die Poebene nach Parma. Ein schöner Stellplatz mit allem was wir brauchten war vor Ort. Sogar ein Supermarkt lag gleich nebenan und wir füllten unsere Vorräte auf. Mir gefällt es, zu schauen was man woanders einkauft und isst. Deshalb kann ich viel Zeit in Supermärkten zubringen *lach. Die Übersetzer-App im Handy leistete uns wertvolle Hilfe, wenn wir ratlos vor manchen Leckereien standen. Jede Menge Fisch und allerlei Meeresgetier taten es mir besonders an. Da erst andere Lebensmittel verarbeitet werden sollten, verschoben wir den Einkauf auf später…. Ein Fehler, wie sich „später“ herausstellte, denn so eine tolle Angebotspalette in Sachen frischer Fisch fanden wir auf unserer Reise leider nicht mehr. Lehre: gleich zugreifen, wenn etwas beeindruckt!

Mit den Rädern fuhren wir in die Innenstadt von Parma. Von der Piazza Garibaldi aus erkundeten wir die Straßen und Gassen zu Fuß. Viele Geschäfte mit eleganter Herrenmode und extravaganter Damenmode fielen uns auf. In den Gassen erfreuten kreative Hingucker unseren Blick. Bars, Cafés und Restaurants luden zum Ausruhen ein. Das Geschäft, an dem ich nicht vorbei kam, war ein Spezialitätenladen mit Parmaschinken. Ich musste natürlich eine Kostprobe kaufen. Ein Espresso am Tresen einer Bar war für Helmut das Highlight.

Parma Musikgasse

Was man alles in Parma sehen und besichtigen könnte, sahen wir nicht. Dafür müsste man eine Städtetour buchen – diesen Plan hatten wir auf dieser Tour allerdings nicht. Glücklich und zufrieden verspeisten wir abends am Wohnmobil die gekauften Köstlichkeiten und freuten uns auf den nächsten Tag.

Der vierte Tag begann mit einem Schreck, denn Helmut touchierte beim Ausparken ganz leicht das hinter uns stehende Wohnmobil. Die Frau des Besitzers war gerade im Bad, stürzte leicht und hatte sich natürlich sehr erschrocken. Wir tauschten die Adressen aus und hofften, dass kein körperlicher Spätschaden auftrat (nach Monaten zu Hause denken wir, dass alles gut ausgegangen ist!). Blechschaden war keiner. Die Mitwohnmobilisten waren sehr nett und nahmen unsere Entschuldigung an.

Mann, Mann, Mann: eine klitzekleine Unaufmerksamkeit und schon gab es einen Grund, der den Puls ziemlich hochtrieb…

Pisa

Hellwach und konzentriert machten wir uns auf den Weg nach Pisa. Wir überquerten Flüsse, die sehr ausgetrocknet waren. Wir lasen schon zu Hause von der anhaltenden Trockenheit in Italien. Das in live zu sehen war schon beeindruckend. Es sprengte unsere Vorstellungsgabe, wie es mit normalem Wasserstand aussehen könnte. Waren die Flüsse dann ganz voll? Sind sie sowieso immer im Sommer ziemlich trocken… viele Fragen und keine Antworten…

Die Landschaften links und rechts der Autobahn waren sehr abwechslungsreich: weite Landschaften die sehr dünn besiedelt sind, Berge mit und ohne Häuser, Burgen auf Berghöhen, kleine Orte, die wie in die Bergwelt geklebt wirkten. Wir stellten uns das Leben in diesen Regionen recht einsam und auch anstrengend vor. Alleine zum Einkaufen müsste man ziemlich weit fahren.

Schon von weitem sah man das Marmorgebirge mit knapp 1900 Metern Höhe. Dort wird der weltberühmte weiße Carrara-Marmor abgebaut. Da unser Ziel die Toskana war, ließen wir diese bestimmt auch sehr interessante Region auf der Autobahn an uns vorbeirauschen. Wir konnten Blicke auf riesige Blöcke des weißen Marmors erhaschen, der dort gelagert wurde.

Maut

Einen kleinen Absatz möchte ich den Mautstationen widmen. Wir hatten uns eingelesen, dass wir auf den gelb markierten Spuren nicht fahren durften, weil wir keine Mautbox hatten. Wenn man auf die erlaubten Schranken zufährt, beginnt sofort eine weibliche Stimme – auf italienisch – logisch! – ohne Punkt und Komma zu reden. Das macht einen nervös. Die Nervosität steigt, wenn man merkt: der untere Terminal ist zu nieder, da für PKWs und der obere Terminal ist zu hoch, da für LKWs. Die Türe geht nicht auf, weil man dicht dran fahren musste. Helmut hing also so halb aus dem Seitenfenster und suchte eine Möglichkeit mit der EC-Karte zu bezahlen. Ich „half“ ihm vom Beifahrersitz aus mit klugen Ratschlägen. Um die italienische Dauerrednerin zu übertönen, mussten wir uns auch laut unterhalten. Zu guter Letzt bezahlten wir mit Bargeld und waren nur froh, als sich diese Schranke öffnete… puh, das kostete jedes Mal richtig Nerven. Da will man wirklich alles richtig machen und blickt es nicht…. Meistens mussten wir nach ein paar Kilometern herzhaft über unseren Stress lachen. Wir sind halt doch Landeier *lach.

Mautstation
… wenn ich das Foto sehe, steigt schon mein Puls *lach

… und weiteres aus Pisa

In Pisa fanden wir einen Stellplatz, der zweckmäßig war, das heißt, alles war da, was Camper brauchen. Wir fühlten uns sicher, konnten ruhig schlafen und der Weg zu den Sehenswürdigkeiten war kurz. Diesen Weg legten wir mit den Rädern zurück.

Fahrradfahren in Italien machte uns übrigens keinen Spaß. In Italien fährt man anders Auto als in Deutschland. Als Radler fühlten wir uns nicht wirklich sicher. Radwege gab es ab und zu, aber diese endeten irgendwo und man musste auf der Straße weiter fahren. Vielleicht bin ich einfach schon zu alt, um mich auf dieses Abenteuer einzulassen *lach.

Wirklich lustig war der Besuch des Schiefen Turmes. Um die Piazza dei Miracoli (Platz der Wunder) zu erreichen, passierten wir einen Straßenzug, auf dem sich Händler mit ihren Ständen platzierten und unglaublich viele Menschen an den Ständen vorbei drängten – um etwas zu kaufen, etwas zu essen oder einfach um die Piazza zu erreichen. Man bedenke, es war der 19. April – wie ist es dort im Sommer und zur Ferienzeit????

Als wir die Piazza dei Miracoli (mir gefällt dieser Name – weckt kulinarische Erinnerungen an früher *lach) erreichten, staunten wir über Menschen aus aller Herren Länder, die sonderbare Verrenkungen machten. Eine Probe fürs Theater? – Nein, alle wollten ihren ganz speziellen Schnappschuss mit dem berühmten Turm, dem Schiefen, machen. Wir natürlich auch, das ist doch klar. Irgendwann waren wir es müde und fanden ein Plätzchen auf einer Treppe und ließen dieses Treiben auf uns wirken. Viele Menschen legten einen unglaublichen Ehrgeiz an den Tag, um eine ausgefallene Pose vor und mit dem Turm zu fotografieren. Es lagen wirklich Omas auf der Straße und brauchten Hilfe zum Aufstehen – aber ein tolles Foto hatten sie – das zu beobachten war besser als jeder Film im TV: life ist live *lach.

In den Gassen Pisa´s war das Leben etwas beschaulicher. Wir bummelten an Cafés, Restaurants und vielen kleinen Läden vorbei und ließen später am Wohnmobil die Eindrücke Revue passieren.

Piazza mit Hinterhofatmosphaere

Lucca

Am fünften Tag erwachte ich mit einer kräftigen Erkältung. Trotzdem machten wir uns auf den Weg nach Lucca. Der Stellplatz dort war ein großer Parkplatz, hatte aber alles, was wir brauchten. Gleich um die Ecke waren ein kleiner Bäcker und ein Metzger, der auch Gemüse aus der Region verkaufte.

Der Bäckerladen war wirklich klein: es konnte nur ein Kunde mit Begleitung in den Verkaufsraum. So warteten wir geduldig vor der Türe, bis wir dran kamen. Es gefiel uns, wie sich die Leute begrüßten. Helmut und ich unterhielten uns über den schönen Klang der italienischen Sprache und kamen so mit einer italienischen Frau ins „Gespräch“ – also sie auf Italienisch und wir auf Deutsch über die Musik der Sprache. Wenn man „Bon Giorno“ und „Guten Tag“ gegenüber stellt, kann man es sehr gut erkennen *lach.

Ein Gewitter am frühen Nachmittag kam mir gerade recht, denn ich konnte mich ausruhen und meine Erkältung pflegen. Gegen später schauten wir uns das Städtlein an. Auf uns wirkte es ein wenig duster, da die Häuser ziemlich hoch und die Gassen mit ihrem Kopfsteinpflaster ziemlich eng waren.

Die Piazza dell´ Anfiteatro war sehenswert. Die Römer erbauten hier ein Amphitheater und bis heute ist es in seiner historischen, ovalen Form erhalten. Auch das bekannteste Wahrzeichen von Lucca besuchten wir und beradelten es ein Stück: die gut erhaltene Stadtmauer, die das historische Stadtzentrum umgibt. Breite Wege auf den Festungswällen aus dem 16. und 17. Jahrhundert werden heute zum Spazierengehen, Radfahren, Joggen genutzt. Viele Bäume spendeten Schatten und man konnte das bunte Treiben auf einer Parkbank sitzend auf sich wirken lassen.

Früh schlafen gehen, war an diesem Abend mein Wunsch und es lohnte sich, denn am sechsten Tag war mein Befinden schon wieder wesentlich besser als am Vortag.

San Miniato

Auf der Landkarte hatten wir einen kleinen Ort mit Namen San Miniato gefunden. Einen Stellplatz sollte es dort auch geben und da es nicht so weit von Lucca entfernt war, nahmen wir uns das als nächstes Ziel vor. Herrliche Landschaften begleiteten uns und schon von weitem sahen wir auf einem Hügel wie gemalt das schöne San Miniato. Leider konnten wir den Stellplatz nicht finden. Auch Fragen an Einheimische halfen uns nicht weiter. Eine große Herausforderung war, dass die Straßen zu Sträßchen wurden und vermutlich irgendwann zu Gassen und Gässchen. Helmut weigerte sich an einem bestimmten Punkt weiter zu fahren. Mit viel Geschick konnte er das Wohnmobil wenden. Das war auf diesem engen Raum wirklich eine Herausforderung. Auf die Schnelle musste ein neues Ziel her, denn Plan B hatten wir nicht.

Montaione

In der Stellplatz App fand ich einen Ort mit Namen Montaione. Der Weg dorthin führte über kleine Nebenstraßen. Das klingt jetzt vielleicht nicht besonders interessant, aber mit dem großen Wagen und den wirklich engen Straßen war es schon sehr besonders. Landschaftlich war es ein Traum, so abseits der touristischen Pfade unterwegs zu sein.

In Montaione fanden wir den Stellplatz sehr schnell: er war für zwei Wohnmobile vorgesehen, hatte Ver- und Entsorgung, Strom, Müllbehälter und – tara: kostete nichts. Das erlebten wir in Italien ein paar Mal und waren und sind es immer noch: sehr begeistert. Manche Orte wissen, wie man Touristen positiv stimmt. Wir honorierten das auf Touristenart und unterstützten die dortige Gastronomie. Auch unsere Vorräte füllten wir wieder auf.

Wenn sich der ängstliche Typ Leser jetzt fragt, ob der Platz auch sicher war: wir denken schon. Mehrmals am Tag und Abend hielt die Polizei auf einem Parkplatz in der Nähe und die Polizisten daddelten auf ihren Handys. Der Platz war in einem Wohngebiet und obwohl das zweite Wohnmobil abends weg fuhr, hatten wir keine Bange, sondern eine ruhige und angenehme Nacht.

Ach ja, Montaione per Pedes zu erkunden lohnte sich auch sehr. Wir empfanden es als ein nettes kleines Städtchen mit fantastischen Aussichtspunkten ins weite Land!

Volterra

Für den siebten Tag, einem Samstag, nahmen wir uns vor nach Volterra zu fahren. Wir suchten nach einem Plätzchen, an dem wir uns evtl. etwas länger aufhalten konnten, denn Dienstag war ein Feiertag in Italien und wir konnten uns ausrechnen, dass Italiener an Feiertagen das Gleiche machen wie wir in Deutschland: die Brückentage nutzen für Ausflüge u. a. mit dem Wohnmobil.

Volterra war für mich kein wirklich interessantes Ziel, denn ich hatte im Vorfeld gelesen, dass sich Schreiber von Vampir-Romanen dort inspirieren ließen. Das passt überhaupt nicht zu meinen Vorlieben und das Vorurteil war fertig! In Gesprächen unterwegs wurde uns allerdings immer wieder erzählt, wie schön es dort sei und so gab ich meiner Neugierde nach – gottseidank!

Aber nun der Reihe nach, denn der Besuch in Volterra barg viele Abenteuer in sich. Als wir so von Montaione nach Volterra fuhren begeisterte uns wieder die herrliche Landschaft. Volterra ist eine Festung auf einem Berg und schon von weitem konnte man sie sehen.

Je näher wir dem Ort kamen, desto voller wurden die Straßen. Ein deutsches Wohnmobil, welches uns entgegen kam, hielt an und informierte uns, dass „alles dicht sei, es sei Markt, die Polizei würde sofort abschleppen lassen und man käme nicht einmal zu dem Stellplatz“. Na toll… Helmut wendete bei nächster Gelegenheit und ich zückte meine Stellplatz-App. Im Vorbeifahren sah ich im letzten Moment ein kleines Schild, das einen Weg zum Wohnmobil-Stellplatz wies. Reaktionsschnell konnte Helmut abbiegen. Nach der nächsten Kurve sahen wir den Stellplatz und viele, sehr viele, eigentlich viel zu viele Wohnmobile. Mit großen Augen stellten wir uns erst einmal in die Reihe. Wie erwartet, waren es fast nur italienische Fahrzeuge und wir merkten: unsere Idee, sich einen Stellplatz für ein paar Tage zu suchen war grundsätzlich richtig, wir waren nur zu spät dran. Jedes Plätzchen war belegt, ob es ein vorgesehener Parkplatz war oder nicht. Wild gestikulierend liefen Männer auf dem Platz herum und wiesen Wohnmobile ein.

Manchmal habe ich so eine unerklärliche bockige Art und mag Situationen nicht so sehen, wie sie wirklich sind. Also stieg ich aus und marschierte auch über den Platz. In einer Ecke stand doch tatsächlich noch ein Wohnmobil mit deutschem Kennzeichen und ich sprach die Bewohner an. Deutsche unter sich im fremden Land sollten das so tun *lach. Hocherfreut vernahm ich die Botschaft, dass sie in wenigen Minuten weg fahren wollten. Sie wollten noch so lange warten, bis Helmut sich mit unserem Wohnmobil durchgekämpft hatte. Also war ich jetzt auch wild gestikulierend auf dem Platz unterwegs und lotste Helmut an den frei werdenden Platz. Puh, das war eine große Erleichterung, als wir endlich dort standen. Wir saßen lange im Wohnmobil und sahen durch unsere Frontscheibe einen Film der allerbesten Sorte!

Man stelle sich die Situation in Deutschland vor: der Stellplatz ist voll – fertig.

In Italien versuchte man durch zusammen rücken und miteinander reden so viele Wohnmobile wie möglich unterzubringen. Wichtig zu sagen ist mir auch, dass immer darauf geachtet wurde, dass niemand zugeparkt wurde und jederzeit eine Abreise möglich war. Sogar eine Reservierung mit einem Campingstuhl wurde respektiert. Es standen abends auf dem Wohnmobil-Stellplatz für offiziell 30 Wohnmobile (lt. App) mehr als 60 Wohnmobile. Auch auf dem benachbarten Parkplatz standen die fahrbaren Wohnungen und niemand störte sich dran, sondern man freute sich, dass so viele ein Plätzchen gefunden hatten.

Typische italienische Lebensart konnten wir auch in der Situation beobachten, als Tische und Stühle herausgeräumt wurden. Neben den Womos war kein Platz mehr dafür. Kurzerhand wurde eine lange Tafel auf dem verbleibenden Fahrweg gebildet und miteinander gegessen, getrunken und gelacht. Nein, es wurde kein Gelage daraus, sondern zu ziviler Zeit war alles wieder weg geräumt und es kehrte Ruhe auf dem Platz ein.

Der Besuch in Volterra lohnte sich wirklich! An jeder Ecke gab es einen optischen Wow-Effekt. Der Stadtkern ist eine große Fußgängerzone. Handwerkskunst aus Alabaster und Olivenholz ist in kleinen Geschäften zu bestaunen. Man kann dort auch einen Turm besichtigen, von welchem man direkten Blick auf die Hofgänger des aktiven Gefängnisses werfen kann. Wir waren zu spät dran (leider? gottseidank?). Der Aufgang auf den Turm war schon geschlossen und wir ließen uns von andern Touristen davon berichten. Die prominente Lage auf dem Berg beschert in alle Richtungen wunderschöne Ausblicke in das weite Land. Musikalische Klänge einer tollen kleinen Band zauberten zusätzlich eine märchenhafte Stimmung, die wir auf der Piazza bei Eis und Espresso genossen.

San Gimignano

Von Abenteuerlust gepackt, machten wir uns am nächsten Tag trotz nahendem Feiertag und Stellplatz-Turbulenzen auf den Weg nach San Gimignano. Wir fuhren relativ früh los und unser Plan ging auf, denn in San Gimignano hatten andere Reisende die gleiche Idee und wir bekamen problemlos einen Platz auf dem angepeilten Stellplatz. San Gimignano kannte ich bereits von einer früheren Reise mit Kollegen und Kolleginnen und hatte es in wunderschöner Erinnerung. Deshalb stürzten wir uns in die Touri-Hochburg, aßen das obligatorische Weltmeister-Eis und bestaunten die schönen alten und gut erhaltenen Häuser. Sonntags sind mit Sicherheit noch mehr Touristen als normalerweise dort und deshalb nahm in unserer Planung der Wunsch nach etwas einsameren Gegenden Gestalt an.

San Gimignano Ausblick

Monteriggioni

Diesen Wunsch konnten wir uns am neunten Tag in Monteriggioni erfüllen. Ein sehr schöner Stellplatz in nicht touristisch überlaufener Lage war genau nach unserem Geschmack. Ein gemütlicher Tag am Womo mit Wäsche waschen und einem kleinen Spaziergang gab uns die Gelegenheit, unsere Reise ein klein wenig zu verdauen.

Das Bezahlsystem des Stellplatzes funktionierte wie ein Parkhaus: Ticket ziehen, dann öffnet sich die Schranke. Bei uns klappte das bei der Einfahrt, wir konnten allerdings beobachten, dass viele Fahrzeuge bei der Ausfahrt Probleme hatten und über die Sprechanlage mit der Zentrale diese Probleme klärten. Abends gegen 22 Uhr vernahmen wir ein permanentes Piepen – piep – piep – piep…. das kann schon nerven, auch wenn man nicht sehr empfindlich ist. Wir ordneten es der Schranke und den Ausfahrtproblemen zu. Mangels italienischer Sprachkenntnisse unterließen wir aber den Klärungsversuch über die Sprechanlage…. irgendwann hörte das Piepen auf.

Sienna?

Für den zehnten Tag planten wir, mit dem Bus nach Sienna zu fahren. Die Bushaltestelle war direkt am Stellplatz und wir waren pünktlich dort. Nach einer geraumen Weile mussten wir verstehen, dass an diesem Tag kein Bus kommen sollte. Die Bushaltestelle bediente u. a. eine Schule und wurde am Feiertag nicht angefahren. Unsere Enttäuschung hielt sich in Grenzen. Wir fuhren mit den Rädern ein wenig in der Gegend herum, besichtigten das Castello Monteriggioni und freuten uns darüber, dass es uns so gut ging.

Fattoria la Vialla nahe Arezzo

Der elfte Tag war für mich ein Highlight, denn unser Weg führte uns nach Castiglion Fibocchi zur Fattoria la Vialla. Die Fattoria lernte ich über kunstvolle und sehr kreative Prospekte kennen und hatte zu Hause schon einmal im Onlineshop bestellt.

Für eine Nacht darf man kostenlos auf dem Wohnmobilstellplatz bleiben, wenn man dort einkehrt oder einkauft. Gottseidank hatten wir ausnahmsweise reserviert, denn der Stellplatz war voll. Wir spürten eine richtig schöne und heitere Stimmung und fühlten uns sofort wohl. Helmut war vor dem Besuch ein wenig kritisch, weil er meine Begeisterung für Bio und Besonders kennt. Er ist nun auch infiziert *lach.

Zunächst gönnten wir uns ein Mittagessen. Es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn man sich Prospekte angeschaut hat und sitzt auf einmal in der gezeigten Szenerie. Ich bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht und genoss wirklich jeden Moment. Meine geheime Frage war ja, ob sie (die Bewohner der Fattoria) in Wirklichkeit genauso sind, wie sie es auf den Fotos vermitteln. Die Antwort darauf ist ein klares Ja. Die Fröhlichkeit des Personals springt über, die Qualität der Speisen und Getränke ist super gut und das gesamte Ambiente ein Träumchen.

Alle paar Stunden wird eine kostenlose Führung über die Fattoria angeboten und wir waren natürlich dabei. Wir erfuhren Interessantes über den Olivenanbau und die Verarbeitung zu Öl, durften im Weinkeller eine Weinprobe mitmachen und hörten, dass die Fattoria 20.000 Schafe auf Sardinien hat, die die Grundzutaten für den leckeren Pecorino liefern. Wir konnten einen Blick in die Zauberküche und die Bäckerei erhaschen und den Angestellten bei der Arbeit zuschauen.

Für unsere weitere Reise deckten wir uns im Hofladen mit Lebensmitteln ein. Super ist, dass man fast alles probieren kann und vieles erklärt bekommt. So z. B. dass aus Oliven, die aus der Gegend kommen ein geschmacklich intensiveres Öl gepresst wird, als aus den Oliven, die aus Sizilien geliefert werden. Dieses Olivenöl ist milder. Ich weiß, dass das intensivere Olivenöl wegen der Polyphenole gesünder ist, trotzdem schmeckt mir das Milde besser *lach. Die gekauften Waren werden mit einem kleinen Golfwägelchen zum Wohnmobil gebracht – eine heitere Angelegenheit, da sich jeder freut, dass er nichts den Berg runterschleppen muss.

Lustig war, dass an der Kasse eine deutsche Frau arbeitete, die uns fragte, wo wir her kämen – sie kommt aus dem Nachbarort in unserer Heimat. Die Welt ist klein. Durch sie kamen wir zu der für mich wertvollen Information, dass über den Winter in Deutschland ebenfalls probiert und eingekauft werden kann, z. B. in Horb unter dem mich verwirrenden Namen Fattoria la Vialla Speisekammer. Als Insider weiß man es…

Abends machten wir einen langen Spaziergang auf der Fattoria und genossen die entspannte Atmosphäre und die herrliche Landschaft.

Tage später trafen wir Leute, die auch auf dem Wohnmobilstellplatz waren und ihre Augen strahlten, denn sie hatten die gleiche Meinung wie wir: die Toscana ist wunderschön aber das Highlight war die Fattoria la Vialla.

Am zwölften Tag ging die Reise weiter. In der Nähe von Castiglion Fibocchi liegt Arrezzo, eigentlich auch eine Reise wert. Wir waren aber noch nicht soweit, dass wir gleich neue Eindrücke aufnehmen wollten und so legten wir Montepulciano als nächstes Ziel fest.

Toritta di Sienna

Die ca. 60/70 km lange Strecke erwies sich als sehr abenteuerlich. Die Straßen waren eng und einfach nur schlecht. Helmut war irgendwann so genervt, dass ich in der Stellplatz-App eine Lösung suchte. Auf dem Weg lag die Ortschaft Toritta di Sienna und hier sollte es einen Stellplatz geben. Als wir auf dem Stellplatz ankamen, hatten wir wieder dieses Wow-Erlebnis: herrliche Aussicht, ruhig, kostenlos sogar incl. Strom. Auf einem Spaziergang lernten wir einen netten kleinen Ort mit interessanten Ecken kennen und waren wieder einmal sehr, sehr happy.

Im Gespräch mit Womo-Nachbarn tauschten wir uns aus über woher und wohin und bekamen tolle Tipps für Ziele, die wir nicht auf dem Schirm hatten.

Montepulciano

Am dreizehnten Tag stand wieder Montepulciano auf dem Plan. Auf dem Platz, auf dem die Wohnmobile stehen dürfen, war allerdings Kirmes mit allem was dazugehört (Riesenrad, Fahrgeschäfte Essensstände…). Also ein Satz mit X und Montepulciano musste auf unsere Bekanntschaft verzichten.

Chianciano Terme

Die Stellplatz-App zeigte einen Stellplatz in Chianciano Terme. Der Platz war schön, gut organisiert und mit super sauberer Dusche, Toiletten und Waschmaschine. Normalerweise nutzen wir alles (außer Waschmaschine) im Wohnmobil. Hier habe sogar ich eine Ausnahme gemacht und die sanitären Anlagen benutzt.

Chianciano Terme scheint ein eher gehobener Badekurort zu sein. Um diese Zeit (Ende April) war allerdings noch nicht viel los und so erschienen uns die tollen Hotels und Geschäfte eher trostlos. Einen ganz normalen Supermarkt konnten wir nicht finden. Zum ersten Mal veräppelte uns Google Maps nach Strich und Faden und wir marschierten ziemlich weit vergeblich durch die Mittagshitze um einfach nur Trinkwasser zu kaufen. Lehre: lass es nie knapp werden.

Zur Frustbewältigung kehrten wir in einem kleinen Lokal ein, in dem sich offensichtlich viele Einheimische nach Feierabend trafen. Ich bestellte einen Aperol Spritz und Helmut einen Espresso mit einem Croissant. Wir bekamen ein kleines Tablett mit verschiedenen Häppchen, Nüssen und Chips dazu gereicht. Das ist offensichtlich so üblich, staunten wir und ließen es uns schmecken. Wir bezahlten übrigens 7 €. Wir ließen das la Dolce Vita auf uns wirken und beobachteten die Gespräche, die uns, da Hände und Füße intensiv beteiligt waren, manche Erkenntnisse brachten *lach.

Montalchino

Der vierzehnte Tag brachte uns nach Montalchino. Geplant war, dass wir unterwegs zunächst Wasser kaufen wollten. Google Maps versprach uns einen Supermarkt in unserem Zielort. Tja, irgendwie war der Wurm drin… Montalchino liegt auf einem Berg. In die Stadt dürfen keine Autos und natürlich schon gar keine Wohnmobile. Parkplätze sind ziemlich weit außerhalb und eher für PKWs gedacht. Also sind wir auf den Wohnmobil-Stellplatz gefahren. Montalchino liegt – ich wiederhole mich – auf einem Berg und daneben ist ein noch höherer Berg und auf diesem ist der Stellplatz *nicht lustig.

Mit Rucksäcken ausgerüstet machten wir uns per Pedes auf den steilen Weg nach unten – wohl wissend – heimwärts ist er mindestens genauso steil, dieser Weg. Wir kauften mit Maß und Ziel ein, aber es war dann doch recht viel. Helmut traute sich zu, zusätzlich zum Rucksack noch 4 2-Ltr. Flaschen Wasser zum Wohnmobil zu schleppen. Gaaanz langsam schritten wir voll bepackt den Weg nach oben. Etwa auf der Hälfte des Weges hielt ein kleiner Fiat neben Helmut und eine nette Italienerin fragte ihn, ob er zum Wohnmobilstellplatz wolle und bot ihm an, ihn mitzunehmen. Nett, wie er ist, wollte er mich mitfahren lassen, aber für uns alle war kein Platz in dem Auto, also ließ ich ihn ziehen *lach, mit der hübschen, netten Italienerin und 8 Litern Wasser.

Nachmittags marschierten wir den Weg noch einmal und besichtigten das wirklich wunderschöne Städtchen. In der Innenstadt sind die Gassen sehr eng und wir verstanden, warum keine Autos in die Stadt dürfen. Viele Geschäfte mit Wein sahen wir. Der berühmte Brunello de Montalchino kommt von hier – Weinkenner kennen ihn vielleicht – wir nicht.

Wir verwöhnten uns mit Espresso an der Bar (Helmut strahlt jedes Mal) und Eis. Wir kamen mit 4 Schwedinnen ins Gespräch und konnten uns mit unseren Englisch-Kenntnissen in Italien über unsere Reise austauschen. Wenn das mal nicht Multi-Kulti ist *lach.

Gerade rechtzeitig bevor Regen einsetzte waren wir wieder am Wohnmobil. Ohne vollen Rucksack war der Weg zwar anstrengend aber gut machbar (schreibt die, die nicht gerne Berge hoch läuft).

Da für den nächsten Tag auch viel Regen angesagt war entschieden wir, den fünfzehnten Tag noch auf dem Stellplatz zu bleiben.

In einer Regenpause schlenderten wir wieder durch die Altstadt von Montalchino, besichtigten die Kirche und staunten wieder einmal über die herrliche Landschaft, die man von dort oben sehen konnte. Wir kamen an einem Festzelt vorbei und es wurde gegessen und getrunken. Unser Magen meldete sich und wir studierten die dortigen Mahlzeiten. Nix mit Wurst und Brötchen, oder Schnitzelweck oder so… Mit der Übersetzer-App konnten wir die Speisekarte entziffern und trauten uns an den Tresen. Heute noch kann ich sagen, dass ich selten auf einem Fest so lecker gegessen habe.

Montalchino speisekarte

Den restlichen Tag verbrachten wir faul im Wohnmobil und ließen uns von den Regentropfen auf dem Dach unterhalten.

Saturnia

Schon oft sahen wir in Dokumentationen über die Toscana die warmen Quellen von Saturnia. Deshalb war es mein Wunsch, diese auch auf die Reiseroute zu packen. Am sechzehnten Tag standen sie auf dem Programm.

Die Route führte uns durch die Berge der Toscana zum Teil auf 900 Meter Höhe. Wir waren ungefähr 1,5 Stunden unterwegs – allerdings auf abenteuerlichen Straßen. Ich weiß, ich schrieb das schon das eine und andere Mal, aber es gibt immer noch eine Steigerung. Als wir am Ziel angekommen waren, hatten sich die Fahrräder in der Garage gelockert, aus jedem Schrank fiel uns etwas entgegen und – man fasst es kaum: sämtliche Kleiderbügel waren von der Stange gefallen… Helmut war vorsichtig gefahren! Daran lag es nicht!!

Gesund und durchgerüttelt fanden wir einen netten Platz auf dem Stellplatz in Saturnia. Man konnte die Nähe zu den Thermen überall erkennen, denn es hingen fast an jedem Wohnmobil Handtücher und Badebekleidung zum Trocknen.

Wir gönnten uns zunächst eine ausgiebige Mittagspause und machten dann einen Erkundungsspaziergang zu den Quellen. Auf dem Parkplatz davor waren sehr viele PKWs und Menschen, die sich umzogen. Unsere Vermutung, dass es sich um einen Besuchermagnet handelte, bestätigte sich immer mehr – als wir um die letzte Ecke bogen, hatten wir die Gewissheit … so, wie auf den Werbefotos, werden wir die Quellen nicht genießen können. Unzählbar viele Menschen standen oder lagen im Wasser. Wir fassten den Entschluss, abends noch einmal zu kommen – in der Hoffnung, dass dann weniger Menschen da sind.

Der erste kurze Besuch dort war für mich zur Einordnung sehr hilfreich: es gab keine Bank, um Kleidung abzulegen, es war überall leicht schlammig, so konnte man (also wir) auch nichts auf dem Boden platzieren und die Vernunft ließ keinen Zweifel daran, dass immer nur einer ins Wasser gehen und der Andere bei den Klamotten bleiben sollte. Das Wasser war angenehm warm und der erwartete Schwefelgeruch nicht übermächtig.

Wir hatten einen entspannten Nachmittag und machten uns gegen Abend nochmals auf den Weg, um uns auch in den berühmten und gesunden Fluten zu aalen. Wie erwartet, waren weniger Menschen da, aber immer noch zu viele. Da ich ziemlich verfroren bin, ließ ich Helmut gerne den Vortritt.

Meine persönlichen Eindrücke sprechen jetzt nicht unbedingt für die berühmten Quellen. Ich bin allerdings nicht der Maßstab, was Bewegung im Wasser außerhalb eines gechlorten Pools angeht. Ich schlurfte also durch den Schlamm ins Wasser und stellte fest (ich habe das vorher wirklich nicht so wahrgenommen) dass das Wasser nur bis zu den Knöcheln, maximal bis Mitte Wade geht. Im Wasser war der Grund mit kleinen Kieseln bedeckt. Ich fasste mir ein Herz und legte mich in diese Brühe, dass nur der Kopf herausschaut. Helmut machte ein paar Fotos und spätestens als der eine und andere Hygieneartikel an mir vorbei schwamm war meine Saturnia-Euphorie vorbei. Das angelesene Wissen über die „Würmer“ im Wasser, konkret um die Larven der Zuckmücke, die völlig harmlos sein sollen, hatte auch seine Wirkung. Gottseidank gab es Duschen vor Ort.

Wenn ich heute Fotos von den Quellen sehe, denke ich, dass es ein unglaubliches Naturschauspiel ist, welches wirklich sehens- und erlebenswert ist. Wenn ich allerdings die Menschen selig lächelnd im Wasser sehe, muss ich grinsen: ich habe mein Foto…. einmal und nie wieder *lach.

Wir kamen mit super netten Womo-Nachbarn ins Gespräch. Manchmal denkt man sich, schade, dass die Wege sich so schnell trennen. So ging es uns mit Gerhard und Bianca. Sie wollten an den Bolsena-See und wir zur Laguna di Orbetello. Als wir am nächsten Morgen, dem siebzehnten Tag, weiter zogen, hinterließ ich meine Handy-Nr. am Scheibenwischer * lach, das habe ich vorher noch nie gemacht!!! Wir hatten uns eigentlich verabredet, um uns zu verabschieden, verpassten uns aber.

Laguna die Orbetello

Quer durch das Land fuhren wir durch herrliche Landschaften – über die Nebenstraßen lasse ich mich jetzt nicht schon wieder aus. Wir machten manchen Fotostopp um die Bilderbuch-Atmosphäre einzufangen und in uns aufzusaugen. In einem klitzekleinen Ort machten wir eine Kaffeepause, in der Helmut wieder seinen geliebten Espresso am Tresen einer Bar einnahm. So gefällt uns das! Abseits der Touristenströme mit den Einheimischen in urigen Kneipen.

Von der Laguna di Orbetello hatten wir in Gesprächen mit Wohnmobilisten als sehr fahrradfreundlich erzählt bekommen. Vor Ort schaute ich mir Routen über die Komoot-App an und stellte fest, dass die meinen Leistungslevel sprengen würden: über Berge, zum Teil am Strand, zum Teil Fahrrad tragen … ne, ne…

So machten wir uns mit dem Fahrrad auf, im Nachbarort Porto Ercole einen Bäcker zu finden. Der Radweg führte uns erstaunlich lange an der Hauptstraße entlang und endete irgendwann … Etwas misslaunig radelte ich durch den Straßenverkehr hinter Helmut her, den Berg hinunter. Die Vorstellung, dass ich das alles wieder hochstrampeln musste, gefiel mir nicht. Uralte Häuser und enge Gassen vermochten meine Laune nicht positiv beeinflussen.

Als wir unten waren tat sich vor uns eine Kulisse auf, die mir kurz den Atem nahm: das Meer, der Hafen, links und rechts eingerahmt von massiven Festungsanlagen. Deren Geschichte geht bis ins 16. Jahrhundert zurück und sie ließen uns den mächtigen Schutz vor Wasser, Wind und Feinden spüren. Wieder einmal so ein Wow-Moment!!!

Linker Hand lag der Yachthafen, mit einer hübschen Promenade mit Geschäften und Lokalen und rechter Hand waren die Fischerboote. Wir hatten Glück und konnten miterleben, wie ein Fischerboot ankam. Viele Kisten verschiedenster und bereits vorsortierter Fische wurden ausgeladen. Leider war es nicht möglich, einen frischen Fisch zu kaufen, denn die Ware war schon vorbereitet für Großhändler in Rom. Trotzdem super spannend zu sehen.

Einen kleinen Bäckerladen fanden wir auch. Es gab viele kleine verschiedene Kuchen/Kekse/Kaffeestückchen und natürlich auch Brot. Die Bäckerei-Verkäuferin freute sich, als wir von vielen Keksen ein Probiererle kauften – und wir freuten uns auch.

Richtungswechsel heimatwärts – Grosetto

Ab dem achtzehnten Tag drehte sich die Himmelsrichtung unserer Reise. Wir rechneten uns den Heimweg aus, und planten genügend Zeit ein, um an schönen Plätzen verweilen zu können.

Einen ersten Stopp machten wir in Grosseto, aber außer Einkaufsmöglichkeiten fanden wir nichts, was uns zum Bleiben animierte. So freuten wir uns wieder einmal über die Freiheit des Reisens und zogen weiter.

Paradies San Vincenzo

Wir hatten in Toritta di Sienna einen Tipp für einen wunderschönen Stellplatz bekommen und dieser lag jetzt auf unserer Route: San Vincenzo. Etwas abseits auf der Höhe hat ein Aussteiger ein Stückchen Paradies für sich geschaffen und bietet einige wenige Stellplätze für Wohnmobile an. In Original-Toskana-Umgebung mit Zypressen und Kräuterwiesen, Blick übers Meer, am Horizont konnte man die Inseln Elba und Korsika erkennen Ruhe und Natur – boa, ich weiß nicht, wie ich dieses herrliche Fleckchen Erde in Worte fassen kann. Wir genossen jeden Augenblick und ich erinnere mich noch gut daran, als ich vor dem Wohnmobil kochte und gar nicht fassen konnte, in welcher traumhaften Umgebung ich gerade war.

Einen Störer gab es dann doch…. auch im Paradies gab es das *lach: Ein weiteres Wohnmobil näherte sich und der Fahrer stieg aus, besah sich alles, kam zu uns und meinte, dass dieser Platz doch sehr teuer sei (30€/Nacht) und er nicht verstehen könne, warum. Ich zeigte nur mit dem Arm auf die herrliche Landschaft und sagte: „darum“. Er blieb dann trotzdem und kam später nochmal zum Nörgeln: keine Duschen da (hallo, er hat bestimmt eine im Womo). Der Stellplatzbetreiber wies die Plätze sehr sorgfältig zu, dass jeder einen ungestörten Blick auf das herrliche Panorama hatte und auch weit genug weg war vom Nachbarn. Darüber regte der Nörgler sich auch auf und zu guter Letzt natürlich das Wichtigste: er hatte keinen Empfang mit seiner SAT-Schüssel… Mann, Mann, Mann, derartige Leute können einem echt leid tun…. Meine Freundlichkeit hat bei solchen Menschen Grenzen und ich gehe ihnen aus dem Weg…

Wir besahen uns auch die Ortschaft San Vincenzo. Der Strand ist wohl sehr bekannt, aber da wir noch in der Vorsaison waren, wurde dort noch gearbeitet und vorbereitet für die kommenden Touristenströme. Auch der riesiger Yachthafen beeindruckte uns und wir konnten uns gut vorstellen, dass im Sommer dort wirklich viel los sein würde.

Der Abend bescherte uns einen traumhaften Sonnenuntergang am Wohnmobil und ich denke, die Bilder sprechen eine eigene Sprache…

Später, als es dunkel war, hörten wir auf einmal ein Piepen: piep, piep, piep… genau das gleiche Piepen wie in Monteriggioni. Nur, hier war keine Schranke, der wir damals dieses Piepen zuordneten. Kurzerhand rief ich den Stellplatz-Chef an (er wohnt auch auf dem Platz). In meinem besten Englisch (ich muss heute noch schmunzeln) fragte ich ihn: „Outside is a „piep, piep“, what is it?“. Ich hörte wie er eine Türe öffnete, eine Weile lauschte und mich dann aufklärte: „Its a little bird. We are in nature.“ Aha….

Mit Google ist heute vieles möglich und ich konnte tatsächlich herausfinden, dass es sich um eine Zwergohreule handelte – wieder was gelernt *lach.

Schweren Herzens wollten wir uns am neunzehnten Tag auf den weiteren Weg Richtung Heimat machen, als früh morgens mein Handy klingelte und Gerhard und Bianca am anderen Ende der Leitung fragten, wo wir denn gerade wären. Das war eine Freude!! Am Bolsena-See war um diese Zeit überhaupt nichts los und sie wollten sich ebenfalls Richtung Heimat bewegen. Wir schwärmten von unserem Paradies und nach einem kurzen Check der Route kündigten sie ihr Kommen in ca. 3 Stunden an. Juchhu: noch ein Tag im Paradies mit super netten Leuten….

Wir verbrachten einen tollen Nachmittag und Abend miteinander und die schönen Gespräche klingen immer noch in unseren Herzen nach.

Marina di Pisa

Am zwanzigsten Tag siegte die Vernunft und wir fuhren weiter Richtung Norden. Auf der Höhe von Pisa gibt es einen Stellplatz in Marina di Pisa. Wenn man wollte, könnte man mit dem Fahrrad auf ausgewiesenen! Fahrradwegen nach Pisa fahren. Wir haben es nicht getestet, ob diese ausgewiesene Fahrradroute brauchbar ist.

Wir schauten uns das nette Städtchen an, genossen den schönen Hafen, gönnten uns eine Fischplatte und freuten uns wieder einmal über all das Schöne was wir erleben durften und dürfen.

Portofino

Der einundzwanzigste Tag hatte wieder einige Abenteuer für uns bereit… Unser Tagesziel war ein Stellplatz in Santa Margherita bei Portofino. Nachdem wir die Autobahn verlassen hatten, waren die Straßen so unglaublich voll, dass es höchste Konzentration bedeutete unbeschadet ans Ziel zu kommen. Rollerfahrer fuhren ohne Rücksicht einfach drauf los und vertrauten darauf, dass PKWs und Womos auf sie aufpassten. In einer Situation klappte sich unser rechter Seitenspiegel an einer Hecke ein und ich wies Helmut drauf hin, dass er weiter links fahren sollte… das war nicht möglich, da Roller an Roller die Straße vereinnahmten. Auf Hupen wurde sowieso nicht reagiert, weil – wer eine Hupe hatte hupte…. Ich sehnte mich zurück ins Landesinnere – so einen Wahnsinn erlebten wir dort nie.

Als wir endlich den Stellplatz erreichten und sogar noch den letzten freien Platz ergatterten, genügte ein Blick und wir waren uns einig: hier bleiben wir nicht. Also stürzten wir uns wieder ins Getümmel und fuhren quer über die Halbinsel nach Camogli.

Camogli

Der Stellplatz war zwar auch nicht wirklich schön, aber es war entschieden ruhiger. Womo-Nachbarn erzählten uns von Wildschweinen, die früh morgens bis an die Womos kämen – wir haben sie nicht gesehen, aber das Wissen darum gefiel uns.

Die Womo-Nachbarn waren übrigens Schweizer, die uns den Tipp gaben, dass wir doch einfach unser Essen aus Deutschland mitbringen sollten, wenn wir in die Schweiz fahren würden. Es war ihnen bewusst, dass die Schweiz für Deutsche relativ teuer ist. Auf diese Weise könnte man die schöne Schweiz erkunden und erleben.

Auf einem Spaziergang auf einem wunderschönen Höhenweg, mit Blick übers Meer bis nach Genua, konnten wir den Trubel des Tages abschütteln.

Ligurische Alpen und Po Ebene

Am zweiundzwanzigsten Tag, übrigens einem Sonntag, wurden wir um 5 Uhr morgens von der Müllabfuhr geweckt… So kamen wir wenigstens früh weg, denn wir peilten als Tagesziel den Lago Maggiore an. Die Autobahn durch die ligurischen Alpen war nicht nach meinem Geschmack: Tunnel, Brücke, Tunnel, Brücke usw. Ich war froh, als wir endlich die Poebene erreichten.

Die weite, flache Landschaft tat meinem Auge wohl und ich konnte mir gut vorstellen, einmal nur die Poebene zu bereisen, von Stellplatz zu Stellplatz zu tingeln bis an die Adria. Es ist eine fruchtbare Gegend und wir sahen sogar Reisfelder…

Lago Maggiore – Ranco

Am unteren Ende des Lago Maggiore, in Ranco fanden wir einen wunderschönen Stellplatz, der fast die Annehmlichkeiten eines Campingplatzes hatte. Wir gönnten uns auch den dreiundzwanzigsten Tag in dieser schönen Gegend, machten eine kleine Radtour, fanden einen schönen Fährhafen, eine wunderschöne Parkanlage und genossen die Sonne.

Mit der Sonne war es das dann auch. Laut Wetterkarte sollte ab dem vierundzwanzigsten Tag ein Wetterumschwung mit Regen kommen.

San Bernadino – Schweiz – heimatwärts

Auf Empfehlung vieler Reisender nahmen wir auf dem Heimweg die Route über den San Bernadino-Tunnel. Was uns nicht bewusst war, dass der Tunnel auf 1.600 m Höhe liegt = da muss man erst mal hinauf fahren. Bei schönem Wetter ist das bestimmt richtig schön. Als wir nach oben fuhren, konnte man die Hand nicht vor Augen sehen (siehe Wetterumschwung). Gottseidank hatten wir einen LKW vor uns, der mit max. 40 km/h fuhr. So konnten wir uns relativ stressfrei anhängen. Als wir auf der anderen Seite der Berge durch den Tunnel kamen, war schönes Wetter. So ein Erlebnis ist einfach jedes Mal schön.

Wir steuerten den ersten Rastplatz an und eine andere Wohnmobilistin bedankte sich bei uns, weil sie sich an uns angehängt hatten *lach… man tut was man kann.

Die Rückreise durch die schöne Schweiz, vorbei am Bodensee, mit einem Stopp bei Freunden verlief ruhig und problemlos und wir freuten uns nun auch auf ein paar Tage zu Hause, um die vielen, vielen Eindrücke zu verarbeiten.

Überraschung

** Kurz vor Weihnachten, also nach 7/8 Monaten trudelten 2 Strafzettel bei uns ein: wir hätten an 2 Mautstationen nicht bezahlt. Der nicht bezahlte Betrag lag einmal bei 9,40 € und das andere Mal bei 1,34 € – die Rechnungen von einer Anwaltskanzlei beliefen sich auf 53,08 € und 11,32 €. Recherchen im Internet ergaben, dass es an manchen Mautstraßen sogenannte Touristenfallen gäbe. Da sind wir wohl reingetappt. Sollten wir nochmal nach Italien reisen, dann werden wir uns für eine MautBox entscheiden. Damit sollte so etwas nicht passieren.

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2023.03._Rundreise durch Portugal mit vielen Highlights

Wir waren schon oft in Portugal und die Lebensart gefällt uns. Eigentlich wissen wir aber über Kultur, Geschichte und viele interessante Themen sehr wenig. So kam uns eine Rundreise gerade recht, die genau die Punkte abdeckte, die uns interessierten. Terminlich entschieden wir uns für die erste mögliche Reise Anfang März. Die Erwartungen an das Wetter waren realistisch: etwas wärmer als zu Hause und wenn wir Glück haben, schon ein paar Sonnenstunden. Nach dieser Reise erhöhen sich auch zu Hause die Chancen auf angenehmere Temperaturen und dann lockt das Wohnmobil…

Anreise nach Ericeira über Lissabon

Am ersten Tag war wieder frühes Aufstehen angesagt, um den Flughafen in Frankfurt rechtzeitig zu erreichen. Koffer packen und diese frühe Anreise sind für mich schon ziemlich nervig… ohne geht es halt nicht – und es ist Klagen auf hohem Niveau *lach.

Flug, Abholung vom Flughafen durch den Reiseveranstalter und Fahrt zum Hotel nach Ericeira klappten wie am Schnürchen. Das Hotel liegt direkt am Meer, ist schon etwas in die Jahre gekommen, hat aber einen ganz besonderen Charme. Wir kamen uns vor wie die Träumer: im eigenen Bett aufgewacht und einige Stunden später das Meer mit seinen Wellen und sogar schon einigen Windsurfern zu bestaunen. Wir erkundeten das überschaubare Städtlein auf eigene Faust und spätestens als wir einen Espresso mit einem Pastel de Nata in der Sonne genossen, fiel alle Reiseanspannung von uns ab und die portugiesische Lebensart erreichte unsere Herzen.

Abends erhielten wir von der Reiseleitung einige Informationen über unsere Reise und nach dem vorzüglichen und vielfältigen Abendessen vom Büfett freuten wir uns noch mehr auf die vor uns liegenden Tage.

Lissabon

Am zweiten Tag fuhr der Bus um 8.15 Uhr vom Hotel ab nach Lissabon. Wir fanden das eine zivile Zeit (wir hatten andere Vergleiche – siehe Skandinavien-Reise). Um diese Uhrzeit war, wie fast überall auf der Welt, relativ viel Berufsverkehr. Lissabon hat ca. 500.000 Einwohner, in der Metropolregion leben etwa 2.800.000 Menschen. Die Straßen sind gut ausgebaut.

Unsere Reiseleiterin Teresa nutze die Zeit, um uns viel Interessantes über die Region zu erzählen. Im Herzen Lissabons, dem Praca de Dom Pedro IV, begann unser Stadtspaziergang. Der Platz ist von schönen Gebäuden umgeben und hat eine entspannte und doch quirlige Atmosphäre. Besonders gefiel mir das wellenförmig verlegte Mosaik auf dem Boden. Da noch nicht sehr viele Touristen unterwegs waren, konnte man dieses Kunstwerk uneingeschränkt genießen.

Eine Kaffeepause machten wir in einem der vielen Cafés und natürlich durfte ein Pastel de Nata nicht fehlen. Man konnte bei der Herstellung zuschauen – dann schmeckt es mir nochmal so gut *lach.

Ich finde eigentlich gar nicht die richtigen Worte, um das Gefühl in dieser tollen Stadt zu beschreiben: quirlig, beschaulich, alt, neu… Mit großen Augen marschierten wir hinter Teresa her – unseren Knopf im Ohr um ihren Erzählungen zu lauschen und immer ihren orangenen Schirm im Blick, damit wir sie ja nicht aus den Augen verloren.

Der Unterschied zwischen dem auffälligen ALT und NEU führt zurück zu dem schlimmen Erdbeben zusammen mit einem Großbrand und Tsunami am 1. November 1755. Es zählt zu einer der verheerendsten Naturkatastrophen europäischer Geschichte mit unzählbar vielen Todesopfern. Bis an die Algarve hinunter blieb fast kein Stein auf dem anderen. Nur die Oberstadt und ein alter, maurischer Stadtteil Lissabons (Alfama), blieben fast völlig verschont. Die Altstadt Alfama liegt zwischen dem Castelo S. Jorge und dem Flussufer des Tejo und Touristen lieben es heute noch, durch die romantischen, engen Gassen zu schlendern.

Mit diesem Wissen schaut man noch ehrfürchtiger auf die Stadt und das ganze Land und lernt zu verstehen, warum viele alte Gebäude so gehegt und gepflegt werden und auch Ruinen Anziehungspunkte für geschichtsinteressierte Menschen sind.

Die Besichtigung der Catedral Sé Patriarcal aus dem 12. Jahrhundert war sehr interessant. Beeindruckende Fliesenbilder machten die Geschichte lebendig. Wir waren froh, so früh im Jahr hier zu sein, denn es bedurfte wenig Fantasie, sich diesen Platz im Sommer vorzustellen, wenn viele Menschen Urlaub machen.

Teresa wies uns eindringlich auf „Taschendiebe“ hin und darauf, unsere Taschen und Rucksäcke vor dem Körper zu tragen. Trotzdem wurden tatsächlich bei zwei Mitreisenden die Rucksäcke geöffnet. Gottseidank ohne Schaden, da wir gegenseitig aufeinander aufpassten und sich keine Wertsachen in den Rucksäcken befanden. Wir waren trotzdem ein wenig schockiert, wie schnell und unbemerkt das geht. Teresa erklärte uns, dass arme Menschen aus vielen verschiedenen Ländern sich solche Orte, an denen viele Menschen aufeinander treffen, aussuchen um sich widerrechtlich zu bereichern. Man kennt das ja auch aus anderen Ländern. Also immer, wenn es eng wurde, war die Aufforderung Taschen und Wertsachen vor dem Körper zu tragen.

Nach der „offiziellen“ Führung hatten wir ca. 2 Stunden Zeit für individuelle Mittagspause und/oder Besichtigungen auf eigene Faust. Wir wollten unbedingt mit der ältesten Standseilbahn, der Ascensor do Lavra fahren. Gegen eine kleine Gebühr kann man die Strecke von 182 Metern mit einer Höhendifferenz von 43 Metern zurücklegen. In jeder Dokumentation über Lissabon kann man sie sehen und mich freut es: ich bin damit gefahren und es hat mir sehr gefallen *lach. Aus Zeitgründen sind wir hoch und hinunter gefahren. Man kann auch nur eine Richtung buchen und dann in der Oberstadt spazieren gehen. Wir haben es vorgezogen, zu Fuß durch verwinkelte Gassen die Oberstadt zu erreichen und die vielen kleinen Lokale und Geschäfte zu bewundern.

In der Oberstadt hielten wir uns Richtung Elevador de Santa Justa, ein 45 m hoher, kunstvoll gestalteter Aufzug der die Ober- mit der Unterstadt verbindet und im Jahr 1902 gebaut wurde. Man hat einen herrlichen Ausblick auf Lissabon und den Tejo. Da wir bei einem früheren Besuch Lissabons bereits mit dem Aufzug gefahren waren, zogen wir es vor, zu Fuß Richtung Treffpunkt zu gehen und unterwegs eine Pasteis de Bacalhau – eine portugiesiche Stockfisch-Pastete auf die Hand mitzunehmen. Stockfisch und Kartoffelpüree als Nocken geformt in Öl ausgebacken – sie schmecken uns warm und kalt.

Die Besichtigung des Hieronymus-Klosters auf Portugiesisch: „Mosteiro dos Jeronimos“, seit 1982 UNESCO-Weltkulturerbe hat uns super gefallen. Das Kloster ist nicht mehr als solches aktiv, aber man kann die Spiritualität immer noch spüren. Kunstvolle Architektur, Fliesen die Geschichten erzählen, eine beeindruckende Kirche – ein Besuch lohnt sich und man kann verstehen, warum es selbst um diese frühe Jahreszeit schon Wartezeiten beim Einlass gibt.

Wenige Minuten Busfahrt brachten uns zum Torre de Sao Vicente im Stadtteil Belem. Der Turm wurde zur gleichen Zeit erbaut wie das Hieronymus-Kloster, stand aber zum Zeitpunkt seiner Erbauung mitten in der Tejo-Mündung. Heute liegt er am Ufer des Tejo.

Ein Espresso am Wasser, gemütliches Gemurmel einiger Touristen, aus der Ferne der Klang einer Geige … ein schönes Plätzchen zum Entspannen.

Ein weiterer Stopp am Seefahrerdenkmal rundete den Tag ab. Der 52 Meter hohe Bau wurde 1960, 500 Jahre nach dem Tod von Heinrich dem Seefahrer zu dessen Ehre und zu Ehren vieler Seefahrer, die Portugal den Handel mit Europa ermöglichten, errichtet. Sehenswert ist auch das große Windrosen-Mosaik auf dem Boden vor dem Denkmal. Es zeigt unter anderem eine Weltkarte, auf der die Orte und Routen portugiesischer Seereisen und Entdeckungsrouten zu sehen sind.

Voller Eindrücke freuten wir uns auf die relativ frühe Heimkehr ins Hotel und überlegten, ob wir uns eine Runde Sauna vor dem Abendessen gönnen sollten. Zeit genug war – theoretisch – denn beim Durchzählen vor der Abfahrt fehlte ein Mitreisender. Teresa telefonierte mit allen möglichen Stellen, wir fuhren zwischen den verschiedenen Treffpunkten hin und her – vielleicht hatte er ja etwas missverstanden. Irgendwann tauchte er auf. Mit einem fröhlichen „Tschuldigung“ war für ihn die Sache abgehakt. Leider habe ich Kommentare aufgeschnappt, die in die Richtung „die Gruppe solle sich nicht so anstellen“ gingen. Solche Menschen eignen sich wirklich nicht für eine Reise in einer Reisegruppe!!

Nach einem wieder sehr vorzüglichen Abendessen (leider ohne vorherigen Saunagang) verzogen wir uns auf die Zimmer um früh schlafen zu gehen.

Portugals Geschichte

Die Geschichte Portugals begegnete uns immer wieder und ich muss gestehen, dass ich mir nicht merken konnte, wann welcher König welche Kirche oder welches Kloster erbaut hat und deshalb ein Denkmal bekam. Während der Erzählungen von Teresa war es sehr interessant, aber die Fülle der Informationen war letztendlich zu einem Brei in meiner Erinnerung geworden. Da ich den Anspruch an mich habe, dem Leser auch ein wenig dieser Informationen weiter zu geben, bediente ich mich des Internets und will an dieser Stelle in einfacher Kurzform die Geschichte darstellen.

  • Portugal wurde im 12. Jahrhundert als unabhängiges Königreich gegründet.
  • Im 15. Jahrhundert führte Portugal unter der Führung von Heinrich dem Seefahrer zahlreiche Entdeckungsreisen durch, die zur Entdeckung neuer Gebiete und zur Gründung von Kolonien in Übersee führten.
  • Im 16. Jahrhundert wurde Portugal eine bedeutende Seemacht und kontrollierte ein weltweites Imperium, das von Brasilien bis nach Indien und China reichte.
  • In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchlief Portugal eine turbulente Phase mit politischen Unruhen, Diktatur und Revolutionen. Nach1974 verlor Portugal den Rest seiner Kolonien.
  • Seit dem Ende der Diktatur in den 1970er Jahren hat sich Portugal zu einer stabilen Demokratie und einer aufstrebenden Wirtschaft entwickelt.
  • Heute ist Portugal ein Mitglied der Europäischen Union mit interessanter Kultur und Geschichte.

Portugal hatte im Laufe seiner Geschichte viele Könige. Hier sind einige der bekanntesten Könige und ihre wichtigsten Leistungen:

  • König Dom Afonso Henriques: Er war Portugals erster König und gründete das Königreich Portugal im Jahr 1139. Er führte auch erfolgreiche Kämpfe gegen die Mauren, die damals in Portugal lebten.
  • König Dom João II.: Er war ein mächtiger König, der im 15. Jahrhundert regierte. Er förderte die Entdeckungsreisen und die Gründung von Kolonien in Übersee (zu dieser Zeit spricht man allerdings noch nicht von Kolonien…). Er war auch dafür bekannt, dass er seine Feinde schnell und unerbittlich bestrafte.
  • König Dom Manuel I.: Er regierte im 16. Jahrhundert und war während seiner Amtszeit ein großer Unterstützer der Entdeckungsreisen. Unter seiner Herrschaft wurde der berühmte Seefahrer Vasco da Gama zum ersten Europäer, der von Europa nach Indien segelte.
  • König Dom João V.: Er war ein mächtiger König im 18. Jahrhundert und regierte während einer Zeit des Wohlstands und der kulturellen Blüte in Portugal. Er förderte den Bau von prächtigen Palästen, Klöstern und Kirchen und unterstützte auch die Künste.
  • König Dom Pedro IV.: regierte nach der französischen Invasion Anfang des 19. Jahrhunderts und als sein Vater, König Portugals zurück kehrte, kämpfte er für die Unabhängigkeit Brasiliens und wurde Brasiliens 1. Kaiser. Nach dem Tod des Vaters in Portugal wurde er König Pedro IV. Als Liberaler und nach seinem Sieg über die Absolutisten gab er den Thron Portugals an seine Tochter Maria. Sie wurde Königin Maria II.

Keramikmanufaktur in Azeitao

Am dritten Tag fuhren wir wieder durch den Berufsverkehr Richtung Lissabon, allerdings dieses Mal über die Vasco da Gama-Brücke, die mit 17,2 km eine der längsten Brücken Europas ist. Den Blick auf die Brücke bzw. zurück auf Lissabon fand ich sehr eindrücklich. Es war gerade Ebbe und wir konnten die Sandbänke erkennen. Bestimmt ist Schifffahrt auf dem Tejo nicht ganz einfach.

Der erste Halt war in Azeitao in einer kleinen Keramikmanufaktur. Auf sehr anschaulicher Weise zeigte uns der Inhaber die verschiedenen Arbeitsgänge, die nötig sind, bis eine kunstvolle Fliese entstanden ist. Über mehrere Trocknungsvorgänge schrumpft das Naturprodukt kontrolliert auf die gewünschte Größe. Die typischen Azulejos, was etwa „kleiner polierter Stein“ bedeutet, sind in Blautönen gehalten. Manches Mal sieht man auch gelbe oder grüne Bestandteile und kann Rückschlüsse auf das Jahrhundert der Herstellung schließen: blau-weiß-gelb = 17. Jahrhundert, blau-weiß = Anfang 18. Jahrhundert. Ein Highlight war natürlich, dass wir selbst Azulejos bemalen durften. Es gab verschiedene Motive zur Auswahl und wir bekamen eine ausführliche Anleitung – übrigens schon im Vorfeld im Bus von Teresa, somit waren wir bestens vorbereitet. Meine künstlerische Begabung liegt jetzt nicht wirklich im Malen. Trotzdem freue ich mich an meiner Fliese und verbinde eine sehr schöne Erinnerung damit. Fertig gebrannt bekamen wir sie am letzten Tag unserer Reise überreicht.

Cascais und Sintra

Der lt. Programm geplante Besuch bei der Cristo-Rei-Statue konnte leider nicht stattfinden. Wegen Bauarbeiten ist sie derzeit nicht erreichbar. Als Ersatz machten wir einen schönen Ausflug nach Cascais, einer Küstenstadt westlich von Lissabon. Cascais ist bekannt für seine schönen Strände und den Jachthafen. Mehrere bekannte Kirchen und Paläste mit wunderschönen Azulejos geben dem Ort ein schönes Flair. Wir genossen eine ausgedehnte Mittagspause mit Zeit zum Bummeln durch die Gassen.

Über die Strandstraße fuhren wir weiter nach Sintra, einem kleinen Städtlein in den Bergen. Größter Anziehungspunkt ist der Königspalast Palácio National de Sintra. Prächtige Holzdecken und wunderschöne Wandverkleidungen mit den Azulejos ließen uns den Reichtum der damaligen Zeit erahnen. Die Kegelschornsteine der großen Küche fallen schon von weitem auf.

Beim Besuch des Palastes fiel mir auf, dass wir doch einige Personen mit Handicap, sprich mit einem oder 2 Stöcken/Gehhilfen in der Gruppe hatten. Die Begehung des Palastes war mit sehr vielen Treppen, unebenen Stufen und Wegen verbunden. Nie hatte ich den Eindruck, dass jemand Rücksicht eingefordert hat. Ich ziehe meinen Hut vor so viel Mut und Disziplin!

Müde und zufrieden kamen wir am frühen Abend ins Hotel nach Ericeira zurück und genossen noch einige Augenblicke die herrliche Brandung – nur mit Augen und Ohren– damit keine Missverständnisse aufkommen *lach. Das Hotel liegt direkt am Meer und man kann sich der grandiosen Naturgewalt nur schwer entziehen. Nach dem Abendessen bereiteten wir unsere Koffer für die Weiterfahrt am nächsten Morgen vor und sanken müde in die Kissen.

Nazare und Alcobaca

Der vierte Tag begann ein wenig früher. Schon um 7.15 Uhr sollten wir unser Gepäck zum Bus bringen, damit wir pünktlich um 7.30 Uhr abfahren konnten. Auf der Fahrt zu unserem ersten Stopp in Nazare hörten wir von Teresa viel über Könige, ihre Kinder und die danach benannten Schlösser und Klöster. Es war sehr interessant zu hören – für mich allerdings nicht zu behalten. Ich habe Probleme, im näheren persönlichen Umfeld verwandtschaftliche Bande zu verstehen.

Vieles behalten kann ich allerdings, wenn es um das Thema Essen geht. So haben verschiedene Klöster ihre Geheimrezepturen zu bestimmten Backwaren. Deshalb gibt es in vielen Städten leckere Gebäcke, die es nur dort gibt. Wir wurden von Teresa darauf aufmerksam gemacht und konnten vieles probieren. Ich muss nicht betonen, dass ich alle die ich versuchen konnte, sehr lecker fand!

Auch der soziale Aspekt des Klosterlebens hat mich beeindruckt. So konnten sich z. B. Witwen in Klöstern einkaufen und dort in Ruhe ihren Lebensabend verbringen. Zu Kriegszeiten nahmen Klöster Mädchen auf, um sie vor den Kriegsgeschehen zu schützen.

So manche Geschichte über Orte und ihre Namen wurde uns von Teresa nahe gebracht und machten die Fahrt kurzweilig.

In Nazare machten wir Pause und ließen die Landschaft auf uns wirken: ein wunderschöner, weitläufiger Sandstrand der auf einer Seite von einer über 100 Meter hohen Landzunge begrenzt wird. Die meisten Einwohner leben mittlerweile in der Strandregion. Früher war das unklug, denn der Atlantik barg viele Gefahren – nicht nur riesige Wellen, sondern auch Piraten, die leichten Zugang zur Bevölkerung gehabt hätten. Deshalb lebte man früher auf der Anhöhe. Wenn Stürme und Wetter das Meer heute aufwühlen, verbarrikadieren die Einwohner ihre Häuser mit Brettern. Durch die Möglichkeiten der Technik kann man schon früh gefährliche Wetter erkennen. Nazare zählt zu einer sehr beliebten Urlaubsregion – auch für die Portugiesen. Die Anhöhe ist mit der Strandregion durch eine Bahn verbunden und die Strandpromenade lädt ein zu bummeln und zu genießen.

Auf der einen Seite bedrohliche Naturgewalt und auf der anderen Seite zieht genau diese Situation viele Surfer aus aller Welt an. Zwischen November und Februar gibt es die höchsten Wellen und zieht die Big Wave Surfer*innen von überall nach Nazare. Mit fast 30 Metern wurde die größte Monsterwelle gemessen. Im Februar finden die Weltmeisterschaften statt. Ich habe mir im Internet ein paar Videos angeschaut und bin im Nachgang noch sehr froh, dass sich während unseres Besuches das Meer friedlich präsentierte. Unter Stichwort: „Nazare, Monsterwellen“ kannst du es bei Google bzw. YouTube anschauen.

Der nächste Halt war in Alcobaca, wo wir das Kloster Mosteiro de Alcobaca besuchten, welches seit 1989 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Es handelt sich um ein ehemaliges Zisterzienserkloster und gehört zu den größten, ältesten und berühmtesten Klöstern des Landes. Gefühlt mitten in der Stadt liegend prägt es diese sehr. Über 250.000 Besucher pro Jahr zeugen von der magischen Anziehungskraft. Eine Klosterbäckerei präsentierte die dortigen Spezialitäten, die so kunstvoll aussahen, dass man sie nur mit Ehrfurcht essen konnte.

Coimbra

Weiter ging es nach Coimbra, einer Universitätsstadt mit besonderem Flair. Rund 30.000 Studenten stillen hier ihren Wissensdurst. Die verschiedenen Studiengänge erkennt man an der Farbe der Kleidung. Die Besichtigung der Universität war ausgiebig möglich, da am Samstag keine Vorlesungen stattfanden. Die Atmosphäre von viel Geschichte und viel Wissen ließ uns ehrfurchtvoll durch die Gänge schreiten. Da die Universität in der Oberstadt liegt, hatten wir durch viele Fenster einen herrlichen Blick über die Stadt bis ins Umland hinein.

Am Rande bekamen wir einen Brauch mit, bei dem die ersten Semester eine Aufnahmeprüfung bestehen sollten. Wenn ich es richtig interpretiere, sollten die jungen Burschen in Unterhosen eine öffentliche Treppe hinunter gehen – eigentlich ziemlich harmlos und es sah aus, als hätten sie viel Spaß miteinander. Wenn man im Internet recherchiert, ist diese Universität dafür bekannt, viele studentische Traditionen zu pflegen.

In der Mittagspause schlenderten wir durch die Fußgängerzone Coimbra´s. Eine Mitreisende hatte leckeren Frischkäse entdeckt und den ließen wir uns mit einem Brötchen auf einer Parkbank schmecken. So „verbrauchten“ wir nicht so viel Zeit wie bei einem Restaurantbesuch und hatten mehr Zeit, die Stadt auf uns wirken zu lassen und natürlich die dortigen süßen Leckereien zu probieren.

Aveiro

Ganz anders geartet war unser nächstes Ziel. Aveiro liegt an einer Lagune mit Kanälen, die man mit farbenfrohen Booten befahren kann. Früher wurden diese Boote zur Seetang-Ernte genutzt. Man nennt Aveiro auch das Venedig Portugals. Heute ist Salzgewinnung ein Standbein der Wirtschaft. Schöne Fliesenbilder an den Häusern erzählen Geschichten von früheren Zeiten. Eine süße Köstlichkeit ist hier ein mit einer Eigelbcreme gefülltes Blätterteigtörtchen. Die Eigelbcreme wird mit Wasser und Zucker gekocht. Super lecker und sehr hübsch anzusehen. Die Tradition stammt aus alter Klosterzeit und erfreut heute noch die Sinne. Die übrig gebliebenen Eiweiße wurden zum Stärken beim Bügeln benötigt – vermutlich war es umgekehrt, dass die Eigelbe übrig blieben und verwendet wurden.

Feueralarm

Die nächsten beiden Nächte verbrachten wir in einem Hotel in Porto, ein Hochhaus mit 19 Stockwerken. Als wir uns für das Abendessen frisch machten, ertönte ein Feueralarmsignal. Aus vielen Türen schauten Hotelgäste auf den Flur heraus. Aus unserer Reisegruppe waren mehrere Zimmer in diesem Stockwerk belegt. Wir beratschlagten, was klugerweise zu tun ist, denn die Aufzüge funktionierten nicht mehr und telefonisch konnte man die Rezeption nicht erreichen. Wir waren in der 6. Etage untergebracht und entschieden uns, über das Nottreppenhaus nach unten zu gehen. Also schnappten wir uns Papiere, Handy und Jacke und liefen hinunter. Dort bekamen wir die Auskunft, dass eine Störung im Wellnessbereich den Feueralarm ausgelöst hätte und bereits alles wieder in Ordnung sei. Hoch konnten wir dann mit dem Aufzug fahren. Ich fand es eine interessante Erfahrung, denn so mancher Gast ließ sich von dem Alarm nicht irritieren. Beim Abendessen am 2. Abend in diesem Hotel war die gleiche Situation wieder. Wir waren allerdings schon beim Essen und ließen uns von der Gelassenheit des Personals anstecken. Wenn es einmal einen echten Notfall gibt, dann bricht Panik aus – weil mancher es aussitzt bis zum Schluss…

Porto und Duoroschifffahrt

Am fünften Tag, einem Sonntag war es möglich, sich aus dem Vormittagsprogramm der Reisegruppe auszuklinken. Diese Möglichkeit nahmen wir gerne wahr. Gegen Mittag machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt. Leider war das Wetter an diesem Tag ziemlich nass und ungemütlich. Trotzdem hatten wir schöne Einblicke in das sonntägliche Porto als wir durch die schmalen Gassen Richtung Hafen gingen.

Am Nachmittag sollte eine Schifffahrt auf dem Duoro stattfinden. Darauf freute ich mich schon zu Hause sehr, hatte aufgrund des aktuellen Wetters aber gemischte Gefühle. Ich mache es kurz: wir waren froh, als die Fahrt vorbei war *lach. Gegen den Regen waren wir durch eine Plane geschützt, gegen den Wind schützten wir uns mit unseren Regenschirmen. Meinen Schirm habe ich übrigens in Porto am Hafen gekauft *lach – eine Erinnerung. Gottseidank waren wir eine kleine Gruppe, die viel Spaß hatte und die Situation mit Humor meisterte. Wenn ich heute daran zurück denke, sehe ich uns noch auf der Bank sitzen, offene Schirme so sortieren, dass uns wenig Wind erwischt und lachen.

Von den 6 berühmten Brücken und der herrlichen Landschaft links und rechts des Flusses haben wir nicht viel gesehen und es hat uns in diesem Moment auch nicht wirklich interessiert. Es muss ja Gründe geben, nochmal nach Porto zu fahren…

Portwein

Passend zum Wetter hatten wir zum Abschluss der Douro-Schifffahrt einen Termin in einer Portweinkellerei mit Verkostung. Dort konnten wir uns wieder aufwärmen – innerlich und äußerlich.

Über Portwein und seine Herstellung hatte uns Teresa schon einiges erzählt. Vor Ort Einblick zu bekommen war sehr interessant. Ganz einfach zusammen gefasst ist Portwein ein Weinverschnitt aus jungen und älteren Weinen und hat 19-21 % Alkohol. Die Lagerung hat großen Einfluss auf den Geschmack. In 20.000-Liter-Fässern hat der Wein wenig Kontakt mit dem Holz, der Geschmack ist neutral und die Farbe rubinrot. In 600-Liter-Fässern, wird der Geschmack des Holzes intensiver und die Farbe wird bernsteinfarbig. Seit etwa dem 17. Jahrhundert wird Portwein hergestellt, indem nach Lese und Pressung der Gärprozess mit 80 %igem Brandwein unterbrochen wird. Dadurch bleibt der Zucker im Wein. Die Süße des Endproduktes kann mit der Länge der Gärung gesteuert werden. Ein Portwein-Institut macht Qualitätskontrollen und dokumentiert diese mit Stempeln auf der Flasche. Die beste Qualität ist „vintage“. Dieser Wein hat 10-12 Jahre Lagerung hinter sich. Es empfiehlt sich, diesen zu dekantieren, da sich Satz bildet. Wenn eine Flasche Portwein vintage geöffnet wird, sollte sie innerhalb 24 / 48 Stunden getrunken werden, da der Wein sonst oxidiert. Er eignet sich für besondere Anlässe. Der Portwein für „normale Gelegenheiten“ ist der LBV = LateBottleVintage.

Batalha

Der sechsteTag begann regnerisch. Im Bus erzählte uns Teresa viel Interessantes über Portugal, die gesellschaftlichen Strukturen und Sozialabgaben. Das Durchschnitts-Einkommen liegt bei ca. 700 €/Monat. Darüber kann sich jeder selbst seine Gedanken machen. Wir waren in Geschäften und in der Gastronomie und die Preise sind etwas günstiger als bei uns – allerdings bei weitem nicht in diesem Verhältnis…

Als wir an unserem ersten Ziel, in Batalha ankamen, war es wieder trocken und wir konnten das berühmte Dominikaner-Kloster Mosteiro de Santa Maria da Vitoria innen und außen bewundern. Das Kloster ist UNESCO-Weltkulturerbe und wurde im 14. Jahrhundert aufgrund eines Gelübdes zum Dank für den Sieg Portugals über Kastilien errichtet. Über viele Jahrhunderte wurde daran gebaut und es ist bis heute nicht fertig. Was nicht fertig sein soll, hat sich meinem Auge allerdings verschlossen.

06.03.2023 Batalha Kloster
Dominikaner-Kloster Mosteiro de Santa Maria da Vitoria

Fatima

Fatima war unsere nächste Station. Wir hatten genügend Zeit, diese wichtigste Pilgerstätte Portugals auf uns wirken zu lassen. Der große Platz vor der Kirche war gottseidank nicht so sehr mit Menschen gefüllt, wie man das manches Mal schon auf Fotos gesehen hat. Die Frage, ob wir Menschen gesehen haben, die auf Knien die letzten Meter zur Kirche gerutscht sind, wurde uns schon öfters gestellt: Nein, haben wir nicht gesehen. Wir konnten eine große Spiritualität wahrnehmen und waren beeindruckt wie auch junge Gläubige sehr andächtig waren. Es fällt mir schwer, diese spirituellen Momente in Worte zu fassen, was mir wieder einmal bestätigt: man kann viel lesen und erzählt bekommen – was man selbst erlebt ist etwas anderes.

In der Ortschaft Fatima holt einen der touristische Kommerz schnell wieder ein. Madonnenfiguren in allen Farben und Formen werden zum Verkauf angeboten. Das sind bestimmt für die Käufer kostbare Erinnerungen an ihre Pilgertour.

Reis, Aqädukte und Störche

Unser Weg führte uns in der Mitte des Landes vom Norden so langsam Richtung Süden. Sehr verblüfft war ich als ich an den Ufern des Tejo Reisfelder sah. Die hätte ich in Portugal wirklich nicht erwartet. Im Landesinneren sind im Sommer um die 40 Grad. Trotzdem lohnt sich in unmittelbarer Nähe zum Tejo der Anbau.

Das oberflächliche Laienauge sieht auf der Fahrt durch Portugal manches Mal Viadukte in der Nähe von historischen Städten. Teresa klärte uns auf: das sind Wasserleitungen, sogenannte Aqädukte. König Joao V. legte 1799 fest, dass Wasserleitungen auch kunstvolle Bauwerke sein könnten. Zum Teil kann man sie besichtigen.

Wasserleitungen
Äquadukt

Des Öfteren waren auch Störche die Hingucker. Auf Überlandstrom-masten oder auf Baumplantagen waren oft viele Nester zu sehen. Wir erfuhren, dass ältere Störche nicht mehr den Weg nach Afrika auf sich nehmen und in Portugal bleiben. Die Jungen fliegen noch dort hin. Wenn sie zurückkommen, müssen sie sich ein eigenes Nest bauen. Störche leben übrigens monogam.

Korkeiche

Auf den Besuch in einer Korkeichenfabrik in Azaruja, in der Nähe von Evola freute ich mich schon im Vorfeld sehr und wurde nicht enttäuscht. Mein Staunen über dieses kostbare Naturprodukt ist noch größer geworden. Eine Korkeiche muss 25 Jahre lang wachsen. Dann wird sie zum ersten Mal geschält mit einer ganz bestimmten Technik und sehr vorsichtig, denn wenn man den Baum verletzt, stirbt er. Nach diesen ersten 25 Jahren wird der Baum alle 9 Jahre geschält. Wenn man durch die Lande fährt, sieht man große weiße Zahlen auf den Bäumen. Diese sagen aus, wann der Baum das letzte Mal geschält wurde. Eine 2 steht z. B. für 2022. Die Schälung darf nur von Mai bis August durchgeführt werden. Danach kann der Baum durch die Hitze Schaden nehmen. Der geschälte Kork wird 1 Stunde lang bei über 100 Grad gekocht um Bakterien zu eliminieren. Dann wird er nach Qualität sortiert. Nach 21 Tagen findet der gleiche Prozess von Kochen und Sortieren nochmal statt. Es wird alles verwendet. Minderwertige Ware wird zu Granulat verarbeitet und dämmt gut gegen Feuchtigkeit, Lärm und Temperatur. Im zur Korkeichenfabrik angeschlossenen Geschäft konnten wir bewundern, was man alles aus Kork machen kann.

Die Früchte der Korkeiche sind übrigens normale Eicheln. In Portugal macht man daraus u. a. Eichelmehl für Brot. Eicheln werden auch an bestimmte Schweinerassen verfüttert.

Wenn ich diesen langwierigen Prozess der Korkherstellung betrachte, dann blutet mir noch mehr das Herz, wenn ich im Sommer brennende Berghänge in Portugal sehe. Die Natur hat es so eingerichtet, dass der Baum über die Wurzeln immer wieder austreibt.

Weitere Baumbestände in Portugal sind Pinienbäume. Mit ihren tiefen Wurzeln verfestigen sie den Sandboden. Pinienkerne dürfen übrigens nur Dezember bis März gesammelt werden, damit sich die Bäume gut entwickeln können. Bei dieser Fahrt, aber auch schon früher fand ich die Pinienwälder immer sehr einladend. Im Sommer im Schatten von Pinienbäumen ein Picknick zu machen stelle ich mir sehr schön vor.

Seit geraumer Zeit vermehren sich auch Eukalyptusbäume in Portugal. Diese wachsen in Monokultur und ihre Samen überleben auch bei Waldbränden ohne Probleme. Sie sind schneller in ihrem Wachstum als andere Pflanzen. Es gibt Stimmen, die behaupten, dass die Industrie mehr Vorteile im Anbau von Eukalyptus sieht, als im Anbau der traditionellen Bepflanzung mit Korkeiche und Pinien. 

Unser Hotel in Evora bot wieder alles, was das Herz begehrte und so konnten wir die Eindrücke des Tages verarbeiten und uns auf die Weiterreise vorbereiten.

Evora

Der siebte Tag begann mit mystischem Nebel in Evora, der uns anfangs auf unserem Stadtspaziergang begleitete. Mir hat diese Stimmung gefallen und sie passte auch gut zu den historischen Gebäuden, die wir betrachteten, wie den römischen Tempel von Evora. Die mittelalterliche Kathedrale von Evora ist eines der wichtigsten Denkmäler der Stadt. Mit herrlichem Innenhof und einem gotischen Kreuzgang bleibt sie in meiner Erinnerung. Die Sonne zeigte sich zum Abschied von Evora und so konnten wir uns fröhlich weiter zu unserem nächsten Ziel fahren lassen.

Ab und zu hörten wir die eine und andere Stimme, die so langsam von Kirchen und Klöster satt waren. Jo, irgendwie konnte ich es verstehen und trotzdem ist jede Geschichte wieder anders und interessant. Außerdem sollte man das Programm für die Reise anschauen – genau so hatten wir es gebucht.

Olivenölmanufaktur

Gebucht hatten wir auch einen Besuch in einer Olivenölmanufaktur. Auf dem Weg dorthin sahen wir große Plantagen mit blühenden Mandelbäumen. Seit etwa 4 Jahren werden Mandelbäume angebaut, sind also ganz neu in Mode. Die Bäume blühen erst und dann kommen die Blätter – das wusste ich auch nicht. In der Pfalz in Deutschland blühen die Mandelbäume erst im Mai, an der Algarve sogar schon im Januar.

Viele Landgüter haben eine Olivenmanufaktur und gleichzeitig auch eine Weinmanufaktur. So können die Mitarbeiter das ganze Jahr beschäftigt werden.

6-7 kg Oliven ergeben etwa einen Liter Olivenöl. Nichtfiltriertes Olivenöl ist intensiv grün und hat ca. 0,2 % Säure. Oliven werden von November bis Januar gelesen. Grüne Oliven sind nicht reif. Reife Oliven sind schwarz und schmecken bitter, würde man sie direkt vom Baum essen wollen. Deshalb werden sie in Wasser und Salz eingelegt.

Geerntet wird traditionell indem man Tücher unter die Bäume legt und den Baum schüttelt oder die Äste schlägt. Die herunter gefallenen Oliven können so sauber gelesen werden.

Wenn man in größerem Stil Oliven anbaut, pflanzt man die Bäume enger zusammen. Ähnlich wie im Weinanbau kann man dann die Oliven mit Maschinen ernten, indem man mit einem kleinen Traktor durch die Reihen fährt und die Oliven ansaugen lässt. Wenn die Olive keinen Kontakt mit dem Boden hat, wird eine Verunreinigung durch Erde vermieden, was eine bessere Qualität des Öls zur Folge hat. Die Oliven werden gewaschen, die Blätter entfernt und kommen dann in eine Mühle. 14.000 kg Oliven kann die Mühle in einer Stunde verarbeiten. Das Öl fließt während dieses Vorgangs schon ab und die erste Pressung ist fertig. Übrig bleiben das Fleisch und die Kerne. Diese bilden eine Paste, die in lauwarmen Wasserbad bewegt wird. Es entsteht die kalte Pressung, die in großen Stahlbehältern aufbewahrt wird.

Die restliche Paste – ohne die kleinen Kerne, die werden herausgesiebt – wird an Firmen verkauft, die sie weiter verarbeiten. Zwei bis dreimal kann noch Olivenöl herausgeholt werden, das in seiner Qualität aber nicht mehr gut ist. Als Seife, Creme, Futter, Dünger findet bis zum Schluss alles seine Verwendung. Die Kerne werden für die Heizung benutzt.

Tipps für die Aufbewahrung von Olivenöl gab’s vom Chef persönlich: im Kühlschrank flockt gutes Olivenöl aus. In Glasflaschen verändert es seine Farbe, wird gelb und schmeckt schnell ranzig. Also nicht in den Kühlschrank geben und darauf achten, dass die Flaschen aus dunklem Glas sind.

Auf einem Rundgang durch den Garten sahen wir einen Erdbeerbaum. In Portugal wird daraus Schnaps (Medronho) und Likör gemacht. Auch mit dem Verzehr der Früchte sollte man vorsichtig sein, denn sie gären im Magen und man kann auch davon betrunken werden.

Auch einen Pfefferbaum sahen wir. Interessant, die Pfefferkörner am Baum zu sehen. Wenn man ein Blatt reibt, riecht es wie schwarzer Pfeffer.

Die Verkostung von Olivenöl, Wein und Mandeln war sehr ansprechend gestaltet und wir fuhren fast wie Freunde vom Hofgut weiter zu unserem nächsten Ziel.

Algarve, Lagos

Gegen 16 Uhr kamen wir an der Algarve in Lagos an und nutzen die Zeit bis zum Abendessen trotz leichtem, aber warmen Regen für einen schönen Strandspaziergang.

07.03.2023 Lagos im Regen

Das Hotel liegt direkt am Strand und ließ wieder keinen Wunsch offen. Ein Teil der Reisegruppe hatte eine Verlängerungswoche gebucht und wir freuten uns mit ihnen, dass sie es so schön hatten und auch die Wetteraussichten perfekt waren.

Bevor es an´s Abschied nehmen ging, verbrachten wir aber am achten Tag noch ein paar schöne Stunden miteinander. In Sao Goncalo de Lagos bewunderten wir die herrliche Aussicht an einem Aussichtpunkt und konnten einen vorsichtigen Blick auf die unter uns liegenden Grotten werfen. Einige Teilnehmer nutzten die Gelegenheit und gönnten sich am Nachmittag eine Grottenfahrt. Wir erlebten diese schon vor ein paar Jahren und schwärmen immer noch.

08.03.2023 Postkartenmotiv
Postkartenidylle

Sagres

Wir fuhren an den südwestlichsten Punkt Europas, nach Sagres. Die wilde Natur, die sich den Naturgewalten stellen muss, beeindruckt mich bei jedem Besuch. Die Festung liegt 60/70 Meter über dem Meer und wurde von englischen Piraten zerstört. Die kleine Capela de Nossa Senhora da Graça (Gnaden Kapelle) blieb unversehrt. Der Altar hat wunderschöne Fliesen.

Übrigens war trotz des starken Windes, wie er an dieser Stelle der Welt wohl normal ist, die Temperatur so, dass Kurzarm angesagt war – so schnell kann das gehen *lach.

Sao Vincente

Die Reise ging weiter zum Cabo de Sao Vicente und wir sahen den lichtstärksten Leuchtturm des europäischen Festlands.

08.03.2023 Sao Vincent Leuchtturm

Auf dem Rückweg machten wir noch eine kleine Stadtführung in Lagos und bekamen von Teresa Informationen über das eine und andere Denkmal sowie Instruktionen, über Busverbindungen, öffentliche Toiletten, und einige praktische Hinweise, die besonders für die Teilnehmer, die eine Verlängerungswoche gebucht hatten, hilfreich waren.

Monchique

Unser neunter und letzter Tag war wieder ein wenig verregnet. Die Fahrt Richtung Lissabon bzw. Ericeira unterbrachen wir in Monchique zu einem Spaziergang in strömendem Regen. Ich gehörte eigentlich zu der Fraktion, die im Bus bleiben wollte, bin dann aber doch kurzfristig in die Regenjacke gesprungen und habe den Spaziergang mitgemacht. Gottseidank, denn es war richtig interessant und schön. Aus dem Monchique-Gebirge kommen Heilwässer, die in ganz Portugal verkauft werden. Man kann dort auch in Thermalwasser baden. Wir sahen Johannesbrotbäume, Mispelbäume, riesige Flächen mit Kapuzinerkresse, Cistrosen, einen stattlichen Gummibaum und vieles mehr.

09.03.2023 Regenspaziergang Caldes
Es war trotzdem schön!!

Silves

Der nächste Stopp in Silves verlief trocken und wir konnten entspannt die Festung besuchen und unsere Mittagspause genießen – mit „draußen essen“ *lach. Wir waren schon öfters in Silves und hatten deshalb nicht den Anspruch vieles anzuschauen.

Ericeira und Heimreise

Am späten Nachmittag kamen wir wieder in Ericeira, unserem ersten Hotel der Rundreise an. Diesmal hatten wir ein Zimmer mit Balkon und Meerblick und wir konnten uns nicht an der Brandung satt sehen. Das Meer hatte sich zum Abschied nochmal richtig ins Zeug gelegt *freu.

Am Morgen der Heimreise klappte auch alles wie am Schnürchen, wir wurden zu ziviler Zeit am Hotel abgeholt. Am Flughafen Lissabon wartete ein netter junger Mann und brachte uns zu unseren Gates. Im Nachgang bekam ich mit, dass bei einem Teil den Teilnehmer der Verlängerungswoche Probleme mit Streiks am Flughafen in Deutschland auftraten und der Reiseveranstalter deshalb kurzerhand den Urlaub um einen Tag verlängerte, damit die Urlauber ohne widrige Umstände nach Hause kamen.

Mein persönliches Fazit ist, dass mir das Inland von Portugal sehr viel mehr gefällt als die Algarve. Ich bin nicht der Mensch, der gerne stundenlang am Strand liegt und ich finde die hübschen kleinen und größeren Städtchen, die wir besuchten sehr ansprechend. Mit dem Wohnmobil hätten wir mehr Zeit …. * lach

Ein herzlicher Dank geht an Teresa, die uns mit viel Begeisterung für Geschichte und Geschichten immer wieder gut unterhielt und informierte und auf alle Belange der Gruppe und Einzelner einging, soweit es möglich war.

Ein herzlicher Gruß geht auch an unsere Mitreisenden. Jeder konnte seinen Urlaub individuell gestalten. Erst an den letzten beiden Tagen sind wir alle – so meine Beobachtung – ein wenig „aufgetaut“ und haben uns ausgetauscht.

Sehr interessant fand ich die Möglichkeit, Einblick zu bekommen, wie es sein kann, wenn man ein halbes Doppelzimmer bucht – bei den einen sehr positiv und bei anderen sehr negativ. Ich habe des Öfteren schon die Angebote gelesen und mich gefragt, wie so etwas abläuft. Mit gutem Willen und Rücksichtnahme von beiden Seiten kann das offensichtlich gut funktionieren.

Als abschließenden Tipp kann ich diese Reise uneingeschränkt weiterempfehlen!

Unsere nächste Reise steht in den Startlöchern. Als nächstes wollen wir wieder mit dem Wohnmobil schöne Erfahrungen an Orten machen, die wir noch nicht kennen… wir sind gespannt und du kannst es auch sein *lach

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2019.08._Kurztrips und viele Kilometer mit dem Wohnmobil

Rund um Geburtstage in der Familie und im Freundeskreis bauten wir zeitlich kürzere Routen. So lernten wir z. B. den Stellplatz Dörpershöhe bei Remscheid kennen – eigentlich ein Wanderparkplatz, auf dem man mit dem Wohnmobil stehen kann, wenn man denn autark stehen kann.

Bad Gandersheim

Auf dem Campingplatz Bad Gandersheim genossen wir ein paar schöne Stunden beim Grillen, Schwimmen, Minigolf spielen und vor allem mit der Familie.

Pfalz – Großkarlbach

In der Nähe von Großkarlbach feierten wir in einem Wingertsheisel (in einer Weinbergshütte) die Geburtstage von und mit Freunden und freuten uns wieder einmal an der Flexibilität des Wohnmobilisten, denn wir konnten direkt an der Hütte übernachten und mussten uns abends nicht in ein Hotel oder eine Pension bringen lassen.

Die Atmosphäre am Morgen nach so einem Fest, finden wir auch schön. Es wird aufgeräumt und man kann die Gespräche und Begegnungen noch einmal Revue passieren lassen. Die Helfer genossen noch eine nette Zeit miteinander, bis der nächste Mieter der Hütte den Platz beanspruchte. Das scheint ein sehr begehrtes Feierplätzchen zu sein – kein Wunder! Es liegt abgelegen, alles was man braucht ist vorhanden und landschaftlich ist es einfach traumhaft schön, mitten in den Weinbergen mit Weitsicht ins Pfälzer Land.

Pfalz – Bissersheim

Es bot sich an, im Nachbarort Bissersheim (vermutlich hätten wir das ohne diesen Geburtstag niemals gefunden) das „Fest der offenen Höfe“ zu besuchen. Winzer, Landwirte und Gastronomen hatten ihre Pforten geöffnet und boten ihre Köstlichkeiten an. Die Stimmung im gesamten Ort war von einer gemütlichen Leichtigkeit getragen und wir erlebten mit unseren Freunden nochmals ein paar wunderschöne Stunden.

Bergstraße

Auf dem Heimweg verbrachten wir einige Nächte auf dem uns schon bekannten Stellplatz in Lorsch. Zum Frühstück war eine in der Nähe wohnende Freundin da und wir freuten uns über die Möglichkeit des ziemlich spontanen Zusammenseins.

Wieder einmal wurde ein Enkel eingeschult und wir feierten dieses für ihn markante Ereignis mit ihm und der Familie.

Eine Wanderung in Bensheim mit Freunden, die wir auch nicht oft sehen können rundete diese Tour ab. Das Fürstenlager und das Kirchberghäuschen in Bensheim sind Tipps, die wir für Spaziergänge oder Wanderungen gerne geben. Wunderschön gelegen, geschichtsträchtig, sehenswert und nach unserem Geschmack immer wieder einen Stopp wert.

Wenn man gerne Eis isst und im kleinen Gefrierfach im Wohnmobil Platz hat, sollte man unbedingt in Heppenheim die Autobahn verlassen und sich im Fabrikverkauf der Firma Langnese mit Eis eindecken. Wir haben mittlerweile den Trick raus, bzw. ein Auge dafür, wieviel Eis ins Gefrierfach passt. Jahrelanges Tetris-Training hilft dabei. Der kleine Umweg lohnt sich.

Kurz mal nach Hamburg

Etwas verrückt (für unsere Maßstäbe) war der nächste Ausflug. Nach wenigen Tagen zu Hause zum Wäsche waschen und Besuch beim Frisör fuhren wir für 5 Tage nach Hamburg. Nein, kein Besuch in irgendeinem angesagten Musical, sondern ein Seminar, das uns damals als wichtig erschien.

Auf dem Stellplatz in Bad Nauheim verbrachten wir die Nacht (da haben wir schon öfters auf dem Weg gen Norden übernachtet), bevor wir am anderen Morgen weiter Richtung Hamburg fuhren. Sehr angenehm überrascht waren wir von dem Stellplatz Elbepark-Bunthaus, auf dem wir noch ohne Reservierung einen Platz bekamen. Das sei eine glückliche Ausnahme wurde uns gesagt.

Der Stellplatz liegt nahe am Wasser, ist umgeben von viel Natur und doch ist die Großstadt ganz nahe – das gefiel uns Landeiern gut! Man kann einen herrlichen Spaziergang zu einem Leuchtturm machen. Mit dem Bus kommt man direkt vom Stellplatz in die Innenstadt und wir nutzten unseren Ausflug zu einer Besichtigungsrundfahrt mit dem Hopp-on-Hopp-off-Bus und zu einer Hafenrundfahrt mit einem Abstecher in die Speicherstadt. Hamburg: wir kommen wieder! Dann allerdings mit mehr Zeit!!!

Lüneburg

In der Nähe von Lüneburg wurden wir zum Mittagessen bei lieben Menschen erwartet und das erleichterte uns den Abschied von Hamburg – und – was soll ich sagen: Lüneburg ist auch wunderschön.

Wir sollten unsere Reisen strukturierter planen, denn so ist das ja fast stressig: überall ist es schön und überall muss man zu schnell weiter….

Kassel

Auf dem Heimweg zeigte uns die Stellplatz-App einen netten Stellplatz in der Nähe von Kassel an, den wir zur Übernachtung anfuhren. Er befindet sich auf dem Gelände einer Jugendherberge und – so schnell kann man eigentlich gar nicht denken – waren wir wieder in einer ganz anderen Welt. Diese Welt gefiel uns auch. Den jungen Leuten wurde viel geboten an Sport und Spiel und es hatte den Anschein, dass ihnen ihr Aufenthalt gefiel.

Ladenburg

Einen Ruhetag gönnten wir uns noch unterwegs. Wir haben festgestellt, dass es uns gut tut, noch einen letzten Tag gemütlich im Wohnmobil, ohne neuen Input die Reise Revue passieren zu lassen. Bei einem Besuch auf dem Wochenmarkt in Friedberg deckten wir uns mit allem ein, was man so braucht für einen entspannten Abend mit leckerem Essen und auf dem Stellplatz in Ladenburg fanden wir noch ein freies Plätzchen, sodass wir unseren Plan ausleben konnten.

Auf dem relativ kurzen Nachhauseweg kreisten die Gedanken schon um den nächsten Urlaub. Mal schauen, was uns wieder einfiel … nach der Reise ist vor der Reise …

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2022.08_Skandinavien

Schon seit geraumer Zeit liebäugelte ich mit einer Reise nach Skandinavien. Gerne wollte ich die Länder mit dem Wohnmobil bis ans Nordkap bereisen und mit viel Zeit die Schönheiten dieser Länder genießen. Meinem lieben Mann grauste vor den vielen Kilometern, die gefahren werden müssten. So drehten sich unsere Gespräche immer im Kreis – bis eines Tages ein Newsletter ins E-Mail-Postfach flatterte und eine Reise angeboten wurde: mit dem Bus in 12 Tagen ans Nordkap und zurück. Da war er, der Kompromiss, der für uns beide gangbar war!

In der Vorbereitung lasen wir einiges und beschäftigten uns mit der Reise. Die vielen Kilometer innerhalb sehr kurzer Zeit waren uns bewusst und die Vorfreude enthielt deshalb eine gewisse Spannung. Macht das der Rücken mit? Wird das langweilig? Man kann sich ja verrückt machen, wenn man das möchte.

Start und Reise durch Deutschland

Endlich ging es los. Um 2.55 Uhr aufzustehen ist grundsätzlich gegen meinen Biorhythmus und bis dahin zu schlafen war mir nicht möglich. Das konnte ja heiter werden: so eine Reise völlig unausgeschlafen anzutreten. Wir wurden in Pforzheim mit dem Bus abgeholt. Noch 2 weitere Paare stiegen zu. Wie sich später herausstellte, waren darunter die ältesten Teilnehmer der Gruppe mit 82 und 84 Jahren. Zunächst waren wir erst mal mit uns selbst beschäftigt. bzw. ich mit mir. Zeit zum Schlafen im Bus wäre gewesen, aber wir waren viel zu neugierig auf das was kommt. In den kommenden Stopps stiegen Mitreisende zu und in Darmstadt war der Bus voll. Ich hatte mir das ziemlich blöd vorgestellt, in jedem Dorf zu halten und Leute einsteigen zu lassen. Das war es definitiv nicht. Die 6 Stopps waren gut verteilt und die Reise zu unserer ersten Übernachtung nach Hamburg konnte unkompliziert weiter gehen.

unser Bus
Unser Bus und Hauptaufenthaltsort für die nächsten 12 Tage

In Hamburg wurden wir bereits vom Reiseleiter unseres Reiseveranstalters erwartet. Wir erfuhren, dass 2 Busse die gleiche Tour machten. Der andere Bus sammelte die Leute von Freiburg bis Karlsruhe ein. Ab und zu gäbe es Berührungspunkte der beiden Busse, aber normalerweise sei jeder Bus eine eigenständige Gruppe. Es gab Informationen über die Reise und Dinge, die beachtet werden sollten, wie z. B. dass es in Skandinavien Diebstahl ist, wenn man etwas vom Frühstücksbüfett mitnimmt. In aller Regel kommt die Polizei und man bekommt eine Anzeige und eine Geldstrafe wird fällig (unsere Reiseleiterin erlebte so eine Situation schon einmal auf einer früheren Reise). Auch an die Pünktlichkeit wurde appelliert, da die Reise zeitlich straff geplant sei. Wir lernten unsere Reiseleiterin Bärbel kennen und nach einem leckeren Abendessen vom Bufett und einem kleinen Spaziergang rund um das Hotel fielen wir ziemlich k. o. ins Bett.

2022 Map 09

Durch Dänemark

Tag 2 fing ziemlich früh an: ab 5.30 gab es Frühstück im Hotel und die Abfahrt war auf 7 Uhr fest gelegt. Unser Busfahrer gab uns die Order, jeden Morgen 10 Minuten VOR Busabfahrt am Bus zu sein, da er Zeit brauchte, die Koffer einzuladen. Mein Gefühl war, dass die Zeit langsamer läuft. Ruckzuck waren wir in Puttgarden und fuhren mit der Fähre nach Rödby in Dänemark. Auf unserer Fahrt durch Dänemark erhielten wir immer wieder interessante Informationen von unserer Reiseleiterin. Die Fahrt über die Insel Lolland, durch den Guldborgtunnel zur Insel Falster und über die größte dänische Insel Zealand war sehenswert. Ich wusste schon, dass es in Dänemark viele Inseln gibt, aber in meinem Kopf war Dänemark der Zipfel oberhalb von Flensburg. Schon jetzt war mir klar, dass sich die Reise lohnt, denn ich war es zu diesem Zeitpunkt und bin es immer noch: sehr begeistert von den schönen Landschaften Dänemarks.

Kurz vor Kopenhagen machten wir Mittagspause und sollten vom Busfahrer versorgt werden. Dieses erste Mittagessen ging ziemlich in die Hose (Name: Nudelsuppe, Fakt: braunes Wasser ohne alles – und geschmeckt hat es auch nicht wurde uns berichtet). Helmut und ich merkten es gottseidank noch rechtzeitig und versorgten uns an der Rastplatz-Gastronomie mit einem leckeren Baguette. Der Busfahrer Eberhard entschuldigte sich später für die missglückte Kulinarik. OK, so etwas passiert, aber wir waren wachsam. Lecker Essen gehört zu einer gelungenen Reise dazu und wir waren gespannt, wie das weiter geht.

Kopenhagen

Als nächstes machten wir eine Stadtrundfahrt in Kopenhagen. In den knapp 2 Stunden erfuhren wir sehr viel über die Geschichte Kopenhagens, das Königshaus und Hygge, die dänische Gemütlichkeit. Wir standen vor Schloss Amalienburg, bewunderten die kleine Meerjungfrau, sahen die Börse, den Tivoli und das neue Opernhaus. Mich begeisterten die ausgebauten Fahrradwege und die Möglichkeiten, die Fahrradfahrern geboten sind. Neben den Radwegen gibt es extra abgetrennte Bereiche für Fußgänger. Mit meiner Begeisterung konnte ich leider nicht anstecken, denn wir wurden mehrfach darauf hingewiesen, wie gefährlich man als Fußgänger lebt. Die Radler seien ziemlich rücksichtslos unterwegs. Gegenseitige Rücksichtnahme ist vermutlich überall auf der Erde ein Thema. Um mir ein eigenes Bild zu machen, fehlte leider die Zeit – ein Grund, noch einmal herzukommen. 

Auf der Küstenstraße fuhren wir den Öresund entlang nach Helsingör um mit der Fähre nach Helsingborg in Schweden überzusetzen. Die Fähre fährt an Schloss Kronborg vorbei. Dort soll Shakespeare zur Handlung in Hamlet inspiriert worden sein. Man nennt es deshalb auch das Hamlet-Schloss.

In der Region Smaland in Alvesta übernachteten wir in einem kleinen gemütlichen Hotel. Das Abendessen war lecker und mit den vielen Eindrücken in uns hatten wir keine Einschlafschwierigkeiten.

2022 Map 10

Gränna

Tag 3 fing auch wieder früh an: ab 6 Uhr Frühstück, Abfahrt 7 Uhr. Von den 3 Paaren, die in Pforzheim zugestiegen waren, verstanden wir uns von Anfang an sehr gut mit Manuela und Ingo. Sie saßen auf den Plätzen vor uns im Bus und wir teilen u. a. den gleichen Humor. Ingo und Helmut frühstücken gerne lang und ausgiebig. Die beiden waren von der kurzen Frühstückszeit etwas gestresst: musste doch in relativ kurzer Zeit ziemlich viel an Nahrung aufgenommen werden, damit es bis zur Mittagspause reichte. Zwar waren wir mit Keksen etc. versorgt, aber das war nicht wirklich zufriedenstellend.

Wir fuhren den Vätternsee entlang, der ca. 3,5 x so groß wie der Bodensee ist. In Gränna hielten wir bei einer Zuckerfabrik und ich brauchte viel Disziplin, meinen Einkauf in Grenzen zu halten. Da wir vorher von Bärbel schon die Geschichte der Zuckerfabrik erfahren hatten, schauten wir mit anderen Augen darauf. Nur in Kurzform: aus der Not geboren von einer Mama, die ihre Kinder irgendwie durchbringen wollte und vom Erfolg der Geschäftsidee überrascht war. Ein jeder kennt bestimmt die rot-weißen Zuckerstangen, die man z. B. an den Weihnachtsbaum hängen kann…. Die kommen hier her!

Zuckerfabrik in Graenna scaled e1667652545838

Apropos Einkauf, außer in Finnland konnte man nirgendwo mit Euro bezahlen, aber mit EC-Karte. Selbst kleinste Beträge waren kein Problem mit der Karte. Wir brauchten in keinem Land Geld umtauschen.

Götakanal

Die Mittagspause verbrachten wir in Berg am Götakanal. Darüber hatte ich wenige Wochen zuvor eine tolle Dokumentation im TV gesehen und stellte fest: in echt ist es noch viel schöner!!! Ein Wohnmobilstellplatz neben unserem Bus-Parkplatz ließ mir ein wenig das Herz bluten…. Der Götakanal ist 190 km lang und hat einen Höhenunterschied von 91 Metern, der mit 57 Schleusen ausgeglichen wird. Ein geschichtsträchtiges Bauwerk in herrlicher Landschaft.

Mit Hackbällchen, Soße und Brötchen versöhnte uns Eberhard übrigens mit dem missglückten Mittagessen vom Vortag.

Stockholm

Wer meint, das wäre alles nicht zu toppen, der hat noch keine Stadtführung in Stockholm gemacht. Als Überschrift kann man setzen: eine tolle Stadt!! Eine Stadt, die auf 14 Inseln liegt, die durch mehr als 50 Brücken verbunden sind. Wir konnten die Wachablösung am Schloss erleben (muss man gesehen haben, auch wenn ich eigentlich drüber lachen muss, weil es so aus der Zeit gefallen wirkt), durch die Altstadt gehen und einen Eindruck vom Flair der Stadt mitnehmen. Quirlig, traditionell, architektonisch interessant und vieles mehr trifft auf Stockholm zu. Auch der Begriff teuer passt: Grundstücke kosten wohl zwischen 8.000 und 12.000€/qm.

Mit der Fähre durch das Schärenmeer

In Stockholm aßen wir zu Abend, da wir um 19 Uhr über Nacht mit der Fähre durch das Schärenmeer nach Turku in Finnland fahren wollten. Vor dieser Überfahrt war mir ein wenig bange, da Innenkabinen gebucht waren und ich unter Platzangst leide. Gottseidank konnte ich es aus meinen Gedanken ausblenden, wo sich die Kabinen befanden und hatte sogar einen angenehmen Schlaf in der minikleinen Kabine.

Den Abend verbrachten wir an Deck bei herrlichem Wetter und später erhaschten wir noch einen Blick auf den fast vollen Mond. Diese Bilder haben sich mir ganz tief eingeprägt – soo schön!! Man merkte übrigens bereits, dass es später dunkel wurde, weil wir schon ziemlich weit im Norden waren und wir musste den Tag aus Vernunftgründen nach der Uhr beenden.

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Turku und erste Eindrücke von Finnland

Der vierte Tag begann richtig gut! Frühstück auf der MS Galaxy am Panoramafenster bei der Einfahrt in den Hafen von Turku, der ältesten Stadt in Suoni – das heißt Finnland. Das Frühstücks Bufett ließ keinen Wunsch offen, das Ambiente war traumhaft – auch dieser Tag konnte nur super werden! Über die Uhrzeit des Frühstücks reden wir gar nicht mehr: 6 Uhr und um 7 Uhr war Abfahrt. Der Bus wartete außerhalb der Fähre auf uns, da im Bauch der Fähre kein Platz zum Ein- und Aussteigen war.

Angeberwissen: Finnland hat etwa die Größe von Deutschland, allerdings mit 5,5 Mio. Einwohnern. Diese leben überwiegend im Süden des Landes. Im Norden leben ca. 0,5 Einwohner auf einem Quadratkilometer. Man nennt Finnland auch das Land der tausend Seen. Als See darf sich allerdings erst eine Wasserfläche von 5a nennen. Ca. 86 % Finnlands sind Waldfläche und ab September ist mit Schnee zu rechnen.

Helsinki

Um kurz nach 10 Uhr erreichten wir bereits Helsinki. Wieder stieg eine sehr nette Stadtführerin zu und brachte uns ihren Lebensraum nahe. Mittelpunkt in Helsinki ist der schneeweiße Dom mit seinen türkisfarbenenenen Kuppeln. Viele Künstler verwirklichten sich hier und geben der Stadt ein schönes Bild. Wir machten am Fußballstadion eine kurze Pause, und stellten fest, dass am Abend vorher ein Fußballspiel von Eintracht Frankfurt gegen Real Madrid stattgefunden hatte. Die Fußball-Interessierten im Bus waren ziemlich elektrisiert. Wir fuhren am Opernhaus vorbei, standen am Denkmal von Paavo Nurmi, einer Läuferlegende und bewunderten eine Skulptur von Passio Musicae, der 1967 verstarb. Lustig ist auch die Idee, in einem Riesenrad eine Saunakabine zu installieren, die man buchen kann. Ein kleiner Sprachkurs in finnischer Sprache kam im Bus sehr gut an und wir übten fleißig ein paar einfache Worte, z. B. Bussikuski für Busfahrer oder yksi (eins), kaksi (zwei), kolme (drei), kippis (Prost) und natürlich kiitos (danke).

Mich beeindruckten die Ausführungen der Stadtführerin zur finnischen Lebensart. Auf dem Glücksatlas steht Finnland auf Platz 1. Sie nannte als Grund dafür, dass die Finnen ein zufriedenes Volk sind und sich als Gemeinschaft empfinden. So weiß jemand, wenn er Müll in die Landschaft wirft, dass ein anderer aus seiner Gemeinschaft diesen wegräumen muss und unterlässt es. Man ist zufrieden mit der Regierung und den Gegebenheiten, die das Leben mit sich bringt. Was geändert werden sollte wird diskutiert und dann findet man eine Lösung, mit der wieder alle zufrieden sind. Ich finde, daran kann man sich eine große Scheibe abschneiden, besonders, wenn man aus einem Land kommt, in dem Nörgeln und Besserwissen chic sind.

Die Mittagspause war ebenfalls nach unserem Geschmack: eine ganze Stunde Zeit auf einem Markt am Hafen von Helsinki und man konnte finnische Leckereien probieren. Wir sahen einige Frankfurt-Fans mit ihren Koffern. Sie nutzten den Ausflug zu ihrem Verein auch dazu, ein wenig von der Stadt zu sehen. Der Platz, an dem die Helsinkier feiern liegt ebenfalls am Hafen. Mitten auf dem Platz steht ein Brunnen mit einer nackten Dame als Bronzestatue. Wir hörten einige lustige Begebenheiten zu dieser Statue und rund um den Brunnen.

Weniger lustig ist die Tatsache, dass im Hafen einige große Schiffe als Eisbrecher bereit stehen. Da Finnland nichts vom Golfstrom abbekommt, frieren die Wasserstraßen recht schnell zu.

Lathi

Zur Kaffeezeit erreichten wir Lahti, eine durch den Wintersport sehr bekannte Stadt. Im Sommer ist der Auslauf der großen Schanze ein großes Freibad. Doppelte Nutzung ist eine gute Idee!! Überhaupt ist Lahti die heimliche grüne Hauptstadt, weil schon sehr früh wirtschaftliches Wachstum mit Umweltschutz verbunden wurde. Wieder etwas, von dem andere Länder lernen können.

In Finnland werden übrigens viele Rastplätze an der Autobahn bzw. Hauptverkehrsstraßen mit Supermärkten bereichert. Wir fanden das super, denn so konnten wir uns immer wieder mit frischem Obst und Keksen o. ä. eindecken.

Noch eine Weile genossen wir die Fahrt durch die finnische Seenplatte und übernachteten in einem tollen Sport & SpaHotel in Leppävirta.

Ein ganz spezielles Thema möchte ich nur kurz anreißen: Pippi-Pausen. Alle 2 – 2,5 Std. gab es einen Stopp zu diesem Thema mit klaren Hinweisen, wo sich die Toiletten befanden. Für dringende Notfälle stand uns die Toilette im Bus zur Verfügung. Aus Erfahrung kann ich sagen, das funktioniert auch! In Deutschland sind die Toiletten kostenpflichtig in den anderen Ländern nicht! Wir fanden immer saubere Örtchen vor – geht also auch ohne Kosten….

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Pyhäjärvi, Oulu, östlichste Küste der Ostsee

Der fünfte Tag hatte wieder ein pralles Programm und versprach in der Vorschau Höhepunkte der Reise.

Zunächst war „ausschlafen“ angesagt: Abfahrt war erst um 7.30 Uhr – man wird bescheiden.

Ein erster Stopp im Glockenmuseum in Pyhäjärvi ließ uns über die Menge der ausgestellten Glocken in allen Größen staunen. Natürlich ließen wir die eine und andere Glocke erklingen und hatten unseren Spaß dabei.

Vorbei an Oulu, der größten Stadt Nordfinnlands mit 200.000 Einwohnern wurden wir an den östlichsten Punkt der Ostsee, im Bottnischen Meeresbusen in Finnland gefahren.

Herrliche ursprüngliche Landschaft und ein rauer Wind begeisterten uns und wir ließen uns das „Dreigangmenü“ Brötchen, Wurst, Senf zur Mittagszeit schmecken. Mit einem Blick auf die Landkarte wurde das Staunen immer größer, denn wir waren schon ganz schön weit im Norden unterwegs.

Polarkreis und Weihnachtsmann

Die Zeit drängte und so ging es zeitnah weiter Richtung Polarkreis und der Heimat des Weihnachtsmannes in Rovaniermi. Ja, alles ist touristisch aufgezogen, aber trotzdem kam das Kind in den meisten hervor. Die Taufe zur Polarfrau bzw. zum Polarmann war lustig und ein Besuch beim Weihnachtsmann weckte Gefühle aus frühen Kindheitstagen. Den Auswirkungen der Pandemie war es geschuldet, dass viele Geschäfte früh schlossen, da einfach noch nicht viele Kunden da waren. Unsere Portemonnaies waren dankbar. Bestimmt hätte man einiges für Weihnachtsdeko ausgeben können.

Mit weihnachtlichen Melodien im Ohr legten wir das letzte Stück Wegs für den heutigen Tag zurück.

Levi

Wir übernachteten im Skigebiet Levi, das den Wintersportfans bestimmt bekannt ist. Levi liegt in einer traumhaften Landschaft und wenn wir nicht so hungrig und müde gewesen wären, hätten wir gerne noch einen Spaziergang gemacht. Beim Einchecken ins Hotelzimmer funktionierte unsere Karte nicht. Helmut machte sich auf den Weg zur Rezeption, um den Fehler zu melden. Die Karte wurde neu aufgeladen und voller Freude wollte er die Zimmertüre öffnen – funktionierte wieder nicht. Etwas knurrig ging er wieder zur Rezeption, ich sang ein beständiges Ommmmm vor mich hin und bewachte unsere Koffer. Die sehr nette Rezeptionistin kam dieses Mal mit, um nach dem Fehler zu schauen, denn das konnte sie sich nicht erklären. Auweia, wie peinlich: wir standen am falschen Zimmer. Die vielen Eindrücke erschöpften und Helmut hat sich bei der Übergabe der Zimmerkarten irritieren lassen und sich die falsche Nummer gemerkt. Auf den Zimmerkarten stand keine Zimmernummer drauf…. Ich bin bei dem Thema sowieso draußen, denn Zahlen sind normalerweise Helmuts Welt *lach.

Endlich konnten auch wir unsere Zimmer beziehen, uns kurz frisch machen und uns dem Abendessen widmen. Wieder waren wir begeistert von dem leckeren Essen vom Buffet.

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Lappland

Der sechste Tag begann mit einer abenteuerlichen Fahrt durch Lappland. Etwa 40 km ungeteerte Straße verlangsamten unsere Reise. Es kam uns ungefähr pro halbe Stunde ein Auto entgegen, ab und zu sahen wir Rentiere links und rechts der Straße und ab und zu auch auf der Straße.

Wir erfuhren einiges Interessantes über Lappland und ihre Einwohner. In meiner Erinnerung an lange zurückliegenden Schulunterricht heißen die Einwohner von Lappland Lappen. Das empfinden diese allerdings als Schimpfwort. Die Einwohner von Lappland sind die Samen. Es leben wenige Menschen in diesen Regionen. Unsere Reiseleiterin legte eine CD mit traditioneller Musik von den Samen auf und wir genossen die Landschaft, die an uns vorüberzog. Typische Holzhäuser standen ab und zu in Sichtweite zur Straße zum Teil von Bäumen verdeckt. Bären leben hier auch – leider (oder gottseidank?!) hat sich uns keiner gezeigt.

Unter dem Eindruck dieser ganz besonderen Musik und Landschaften verlor ich mein Herz an Lappland. Jetzt, da ich Monate später diese Zeilen schreibe, kann ich noch den Emotionen und Eindrücken der Weite, der Ursprünglichkeit und der Lebensfreude nachspüren.

Inarisee

Am Inarisee (Inarijärvi), dem drittgrößten See Finnlands machten wir eine schöne Pause und staunten wieder über die Gegensätze, die dieses Land zu bieten hat. Auf dem See schaukelten große Yachten, Motorboote und Wasserflugzeuge. Wasserspiele auf dem See erzeugten ein Gefühl von Urlaub und Entspannung. Shopping durfte natürlich auch nicht zu kurz kommen und in den kleinen aber feinen Geschäften konnte man sich mit Kleider aller Art für den kommenden Winter eindecken. Hier weiß man, was gut gegen Kälte ist *lach.

In Gesprächen in der Gruppe kam die Frage auf, wie es sich bei einem medizinischen Notfall in dieser einsamen Gegend verhält. Wir kamen oft an Hubschrauberlandeplätzen vorbei, am Inarisee standen die Wasserflugzeuge und man hat wirklich überall Handyempfang. Sorgen braucht man sich meines Erachtens nicht zu machen. In Deutschland steht der Notarzt auch nicht sofort am gewünschten Ort.

Norwegen und Porsanger Fjord

Kurz nach dem Inariesee sahen wir den ersten Wegweiser zum Nordkapp: noch 343 km. Gegen Mittag überquerten wir die Grenze nach Norwegen und fuhren den Porsanger Fjord entlang Richtung Nordkapp. Der Porsanger Fjord ist der viertlängste Fjord in Norwegen und zum Teil 310 m tief. Dass man bei Fjorden auch Ebbe und Flut in großer Deutlichkeit sieht, überraschte mich. Die Dimension der Landschaft in seiner Größe und Weite beeindruckten uns sehr.

Die Mittagspause am Fjord bei Ebbe ermöglichte es, weit in den Fjord hinein zu gehen. Wieder gab es „Dreigangmenü“ mit Brötchen, Wurst und Senf. Brötchen wurden frisch aufgebacken, Wurst gibt es mit Abstand bessere. Einmal auf dieser Reise hätte gereicht. Eine Ausweichmöglichkeit gab es nicht. Apropos Essen, in dieser Gegend, so hoch im Norden wächst die Moltebeere. Sie ist eine gute Vitamin C-Quelle für die Menschen, die hier leben. Die Natur ist schon sehr klug!

Nordkapp

Wir fuhren den Porsanger Fjord entlang, machten in Olderfjord nochmal eine kleine Pause und freuten uns auf das Ziel unserer Reise: das Nordkapp. Schon die Anfahrt machte uns sprachlos ob der unbeschreiblichen Natur. Die Dimension der Landschaft sprach ich schon an und ich könnte es immer wieder tun…. man kommt sich vor wie ein kleines Krümelchen auf dieser Erde und kann nur staunen.

Abenteuerlich waren die vielen engen und nur mäßig gut ausgebauten Tunnels. Da doch erstaunlich viele Menschen das Nordkapp mit dem Fahrrad anfahren (ich weiß nicht, wie ich dazu stehen soll…) ist die Situation auf den Straßen noch mehr angespannt. Die Tunnel sind selten beleuchtet, Fahrradwege gibt es nicht und in den Tunnels kommen 2 große Autos (z. B. Bus, LKW, Wohnmobil) gerade so aneinander vorbei.

Es ist also höchste Konzentration vom Fahrer gefragt. An dieser Stelle ein dickes Lob und Dankeschön an unsere beiden Busfahrer, die uns immer das Gefühl der Sicherheit vermittelten. Dieses Lob und Dankeschön gehört eigentlich an den Abschluss eines jeden Tages!!! Wenn wir uns beim Essen labten und dann müde unsere Zimmer bezogen, sorgten sie für Sauberkeit und Ordnung im Bus, bereiteten mit Bärbel zusammen die exakte Route für den kommenden Tag vor usw. Wenn uns unterwegs einmal die Augen zufielen waren sie entspannt und trotzdem hochkonzentriert am Steuer.

Eberhards Frueh und Spaetsport Danke
Busfahrer Eberhards Sportprogramm: morgens Einladen und abends wieder Ausladen

Endlich waren wir am Ziel dieser Reise! Man kann darüber auf verschiedene Arten berichten: Es regnete, war kalt und stürmisch und man sah nicht viel… und zu Hause waren 34 Grad. Schade, wenn man das so empfindet.

Ich hatte so meine Vorstellungen vom Nordkapp… man fährt durch den Tunnel und ist dann auf der Insel und am Nordkapp…. jo, nicht falsch, aber eigentlich überhaupt nicht richtig. Dass die Insel 925,7 qkm hat ist der erste Punkt, den ich mir nicht vorstellen konnte. Es sind fast 50 km auf recht engen Straßen durch einsame schroffe Natur und unendlicher Weite vom Nordkapptunnel bis ans Nordkapp zu fahren. „Das Nordkapp ist der nördlichste vom Festland aus auf dem Straßenweg erreichbare Punkt Europas“, sagt Wikipedia.

Ich war tief beeindruckt und sog jede Kleinigkeit in mich auf. An der Kugel zu stehen war für mich ein Erlebnis, das ich vermutlich nur in diesem einen Zeitfenster von 2 Stunden in meinem Leben hatte. Der Regen störte mich nicht, er gehört in diesen Breitengraden dazu, genauso wie der Wind. Im Museum wurden uns in einem Film Eindrücke über das Leben auf der Nordkapp-Insel gezeigt und unser Staunen wurde immer größer. Hier leben ca. 3000 Menschen mit der Natur und der sehr rauen Witterung.

Unser Hotel befand sich in Kamoyvaer auf der Nordkapp-Insel und war urig und gemütlich. Es gab die eine und andere negative Stimme dazu – uns gefiel es. Es war blitzsauber und unser Bad war renoviert. Ich versuchte mir vergeblich vorzustellen, wie man hier in monatelanger Dunkelheit bei Wind und Wetter und jeder Menge Schnee leben kann.

Nach dem Abendessen hatten wir die Gelegenheit bei der Künstlerin Eva Schmutterer einen Besuch zu machen. Dieses Angebot nahmen wir gerne an: super, mit jemandem reden zu können, der hier wirklich lebt!! Sie kam vor vielen Jahren der Liebe wegen von Deutschland in diese Region. Gerne beantwortete sie unsere Fragen und wir erfuhren vieles über das alltägliche Leben auf dieser Insel. Eine Situation, die in unseren Breitengraden unvorstellbar wäre ist z. B. die, dass man sich im Winter zum Einkaufen verabredet, hinter dem Schneepflug im Konvoi in die nächste Stadt nach Honningsvag fährt und genauso auch wieder zurück. Wenn die Bewohner von Kamoyvaer im Winter einmal einige Zeit von der Außenwelt ganz abschnitten sind, schicken sie dem Bürgermeister per Mail ihre Einkaufslisten und sobald es irgendwie möglich ist, werden die Waren per Boot angeliefert. Das ist jedes Mal ein Fest im Ort und wer es möglich machen kann steht an dem kleinen Hafen und bejubelt die Ankunft des Bootes.

Mit speziellen Lichtlampen gleichen sie den Mangel an Licht aus und sogar die Haustiere haben jeden Tag ihre Zeit, unter der Lichtlampe ihre Serotonin-Depots aufzufüllen. Die Häuser sind im Boden verankert, damit ihnen der Sturm nichts anhaben kann. Spezielles Fensterglas kann sich nach innen wölben und so dem Wetter trutzen. So eine ganz andere Welt, andere Gegebenheiten, extreme klimatische Verhältnisse usw. beeindrucken mich zutiefst und ich habe großen Respekt vor Menschen, die sich dort zurechtfinden und sogar wohl fühlen.

Wir erfuhren übrigens im Nachgang, dass am Tag vor und am Tag nach unserem Besuch am Nordkapp dieses wegen Orkan gesperrt war. Wohnmobile können direkt am Nordkapp stehen und bei dem Orkan seien einige umgefallen…. das erste Mal, dass ich richtig froh war, mit dem Bus dort zu sein.

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Das Frühstück am siebten Tag war wie zu Hause nur mit Blick auf einen kleinen Hafen und mit mehr Menschen. Es gab kein Buffet, sondern alles stand auf dem Tisch. Ich fand es gemütlich und passend für diese Gegend. Die Rezeption muss man sich wie ein großes Wohnzimmer vorstellen, auf mich wirkte alles sehr heimelig. Die Frau, die strickend in dem überdimensionalen Sessel saß, verstärkte diesen Eindruck noch. Ich wäre gerne noch geblieben…

Das Nordkapp verabschiedete sich von uns mit einem herrlichen Regenbogen.

Richtung Vesteralen und Lofoten

Die Fahrt ging Richtung Vesteralen und Lofoten. Ich war froh, dass ich die Landschaft vom Bus aus auf mich wirken lassen konnte und wenig intensives Programm geplant war. Es klangen die vielen tollen und intensiven Eindrücke der letzten Tage noch in mir nach.

Eine Pause machten wir an der Nordlicht-Kathedrale in Alta und eine weitere auf dem Gildetun Rastplatz, von wo aus wir einen herrlichen Blick auf die grandiose Landschaft hatten. Interessant war auch, im Fjord die kreisrunden Lachsbecken zu sehen. Ich weiß nicht, wie sie korrekt heißen.

Tromsö

Unser nächstes Hotel war in Tromsö am Hafen und nach dem Abendessen erkundeten wir noch auf eigene Faust die Gegend. Im Sommer kann es hier 20 Grad werden. Da der Golfstrom hier vorbeikommt, ist das Klima angenehm. Tromsö hat einen Flughafen und einen Hausberg, auf den man mit einer Seilbahn hinauf fahren kann. Das wäre doch auch nochmal eine Reise wert.

Unterschiedliche Mitreisende

Einen Absatz widme ich den lieben Mitreisenden und meinen Beobachtungen dazu. Man wächst schnell zu einer Zweckgemeinschaft zusammen und jeder respektiert den Freiraum des Anderen. So hatten wir nicht den Eindruck, irgendwelche Gespräche aufgedrückt zu bekommen. Gemeinsames Interesse waren die vielen unglaublichen Eindrücke dieser Reise. Mit einem Schmunzeln denke ich an unsere beiden Senioren, die offensichtlich nicht wissen, dass eine Warteschlange hinten beginnt *lach. Auch die beiden Damen, die weite Strecken einfach verschlafen haben, störten niemanden. Ganz interessant finde ich immer noch die Geschichte der beiden Frauen mit dem gleichen Nachnamen. Warum das so ist? Sie waren beide einmal mit dem gleichen Mann verheiratet. Familien-geschichten können auch friedlich und schön enden. Auch die Mitreisende mit der lauten Stimme störte mich nicht – aber nur, weil ich ziemlich vorne im Bus saß und sie ziemlich hinten. Verwundert habe ich ab dem 5./6. Tag Gespräche mitbekommen, wo man sich ernsthaft Gedanken darüber machte, ob das Taxi für die Heimfahrt bestellt ist und ob man sich darauf verlassen könnte. Es ist schon interessant, was für unterschiedliche Menschen in einem Bus zusammengewürfelt sind. Einige Kontakte haben sich bis heute gehalten und ich freue mich, wenn ich von dem einem oder anderen etwas höre oder sehe.

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Bei den Samen konfrontiert mit Hightech

Der achte Tag versprach wieder interessante Eindrücke. Die erste Pause machten wir an einem Samenzelt, wo die Samen warme Schuhe, Jacken, Mützen, Trolle uvm. verkauften. Urig fand ich das offene Lagerfeuer mitten im Zelt. Von der knapp bemessenen Pausenzeit verloren wir wertvolle Minuten an der Hightech-Toilette. Natürlich stand wieder eine Schlange an und wir freuten uns, dass wir vor dem zweiten Bus angekommen waren. Das Problem war, dass die Türen immer wieder aufgingen und niemand sich die Zeit nahm, die Technik zu verstehen und das Wissen dann weiterzugeben. So war helle Aufregung, wer wem die Türe zuhält. Ganz besondere Herausforderungen auf so einer Reise *lach. Die Gegensätze Hightech-Toilette und Verkaufszelt der Ureinwohner beeindruckten mich wieder einmal.

Geschichte, Natur und mieses Essen

Auf der weiteren Reise erfuhren wir geschichtliche Hintergründe, denn Bardufoss, wo wir vorbei fuhren, ist heute ein wichtiger Standort militärischer Einrichtungen und die meisten der 2500 Einwohner sind wirtschaftlich direkt oder indirekt davon abhängig. Der Flugplatz war im 2. Weltkrieg strategisch wichtig. Vor Narvik gab es 1940 ein großes Seegefecht – ein unschönes Kapitel deutscher Geschichte.

Ab Narvik fuhren wir den 80 km langen Ofotfjord entlang, der 550 m tief ist und von 1700 m hohen Bergen umgeben ist. Hier sind wir wieder beim Thema Dimensionen.

Zum Mittagessen gab es nun zum 3. Mal Brötchen, Wurst und Senf. Nur der Hunger trieb es rein und ein leckeres Softeis musste den Frust stillen. Das hat das Eis auch geschafft!!! Eis in Skandinavien ist lecker und obwohl die Temperaturen frisch sind, wird unendlich viel Eis gegessen. An jeder sinnvollen Möglichkeit steht ein Geschäft oder ein Stand mit Softeis. Das Softeis ist übrigens mit dem, was wir in Deutschland kennen nicht vergleichbar.

Wieder ein wenig Angeberwissen:

Über die Tjeldsundbrücke kamen wir auf die Vesteralen, eine Inselgruppe, die den Lofoten vorgelagert ist. Man kann den Unterschied leicht erkennen: die Vesteralen haben runde Bergkuppen, da in der Eiszeit der Eispanzer darüber gegangen ist. Die Lofoten haben spitze und zackige Berggipfel – sie schauten aus dem Eispanzer heraus. Endlich habe ich verstanden, was ich vor vielen Jahren in der Schule lernen sollte….

Auf Verkehrsschildern stand eine Ortschaft mit Namen A i Lofoten, ein Tipp fürs Kreuzworträtsel.

In dieser Gegend leben die Menschen in erster Linie vom Fischfang. Kabeljau wird zu Stockfisch verarbeitet und in alle Welt verkauft. Erst an zweiter Stelle kommt der Tourismus.

Es gibt sogenannte submarine Tunnel, die als Ersatz für Fähren unter dem Wasser durchführen. Man kann es spüren, denn zunächst fährt man leicht bergab und dann wieder bergauf.

Das größte Tier auf den Lofoten ist der Fuchs.

Lofoten

Eine schöne Fotopause machten wir in der Nähe von Sildpollnes am Austnesfjord in der Gemeinde Vagan. Eine Kirche steht auf einer Landzunge, dazu wieder die Dimension der Landschaft – diese Schönheit lässt wirklich den Atem stocken. Wir hatten herrliches Wetter mit strahlend blauem Himmel und angenehmen Temperaturen. Genauso hatte ich mir das vorgestellt. Bärbel wies uns immer wieder darauf hin, dass wir großes Glück mit dem Wetter hatten. Sooo wunderschön zeigen sich selbst die Lofoten nicht immer.

Die größte norwegische Holzkirche, auch Lofoten Kathedrale genannt, steht in Kabelvag und hat 1200 Sitzplätze. Wenn ich über die Bevölkerungsdichte nachdenke, ist das eine riesengroße Kirche. Die Holzbauweise vermittelt eine schöne Atmosphäre und schafft architektonische Möglichkeiten, die bei uns nicht bekannt sind.

Ein besonderes Schmankerl war eine Bootsfahrt von Svolvaer aus und die Möglichkeit die Lofoten und Vesteralen vom Wasser aus zu bewundern. Der Bootsführer lockte Möwen mit Futter an und automatisch auch Seeadler. Wer wollte, durfte sich an der Fütterung beteiligen. Mir war es zu riskant, mit der Verdauung der Möwen konfrontiert zu werden – und das war auch gut so.

Im Hotel in Sortland kamen wir recht spät an und nach einem leckeren Abendessen sanken wir todmüde in die Kissen. Ach ja, nachts wurden wir durch leise Geräusche geweckt: von unserem Hotelfenster aus konnten wir sehen, wie die berühmten Hurtigruten anlegten. Ganz dunkel war es auch mitten in der Nacht nicht.

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Richtung Heimat mit vielen schönen Stopps

Ein Blick auf den Reiseverlauf und die Landkarte machte uns klar, dass viele Kilometer Heimweg vor uns lagen und wir viel weniger Zeit als für den Hinweg hatten. Der neunte Tag begann mit der Fährüberfahrt von den Lofoten zurück aufs Festland nach Bognes. Die Überfahrt dauerte etwa 1 Stunde und es wehte ein laues Lüftchen bei 22 Grad. Das waren Temperaturen, die wir lange nicht mehr hatten. Im Wandergebiet Steigen zeigte uns die Reiseführerin Bärbel eine tolle Flusslandschaft und wir staunten wieder über die Kraft und Schönheit der Natur. In der Nähe von Sorfold machten wir einen kurzen Stopp an einem Wasserfall, dem Kobbelv Vertshus, der von einem Troll bewacht wird.

Wir fuhren dort vorbei, wo der in aller Welt berühmte Marmor in den Farben rosa, weiß und hellgrau abgebaut wird. Sogar das UNO-Hauptquartier in New York hat den Marmor aus dieser Gegend verbaut. Die Mittagspause durften wir in einem Einkaufszentrum individuell gestalten. Im Hotel wurde morgens gegen Gebühr ein Lunchpaket angeboten und das hatten wir gekauft. Also war unsere Mittagspause sowieso gerettet. Diese Idee will ich im Hinterkopf behalten, denn auf Nachfrage gibt es das bestimmt in den meisten Hotels.

Kurz vor der Grenze nach Schweden überraschte uns Reiseleiterin Bärbel mit einer „Belohnung“ für unsere Pünktlichkeit: über eine Hängebrücke gelangte man zu einem schönen Fleckchen Erde an einem Fluss. Diesen Stopp kann sie nur einlegen, wenn die Gruppe gut in der Zeit ist. An dieser Stelle kann deshalb gerne ein Dank an die ganze Gruppe stehen, dass wirklich jeder die angegebenen Zeitfenster eingehalten hat. Es ist ärgerlich, wenn ein Teilnehmer zu spät kommt und die ganze Gruppe darunter leiden muss, weil der Tag nun mal nur 24 Stunden hat und die Zeit stramm getaktet ist.  

Schweden

Ungefähr ab der Grenze zu Schweden führte unsere Straße über die Skanden, die bis zu 2400 m hoch sind. Bereits ab 800 m gibt es keine Vegetation mehr und die Landschaft sieht wie glattgeschliffen aus. Große runde Findlinge liegen überall herum. Das waren schöne Eindrücke und wieder ganz anders als alles bisher Gesehene.

Mit einem großen Schild ist der Polarkreis auf dieser Strecke ganz unspektakulär gekennzeichnet. Wir machten eine Pause für ein Gruppenfoto.

Arjeplog

Unser Hotel lag in Arjeplog. Die Gegend ist charakterisiert von riesigen Seen. Im Winter sind diese zugefroren und bilden eine riesige Eisfläche, auf der die Autoindustrie seit 1973 Wintertests durchführt. Die Stadt hat ca. 2000 Einwohner, im Winter leben für rund 3 Monate mehr als doppelt so viele Menschen dort. Fast jede namhafte Automarke ist dort vertreten. Nach Erlkönigen dreht sich dort niemand um.

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Kurzweilige Heimfahrt durchs Abba-Land

Am 10 Tag musste ich beim Frühstück etwas schmunzeln. Nicht nur ich suchte Joghurt …. irgendwann entdeckte ich ihn: im 1 Liter-Quetschbeutel. Andere Länder andere Joghurtbehältnisse….

Um uns die Rückreise ein wenig kurzweilig zu gestalten, legte Reiseleiterin Bärbel eine Instrumental-CD von ABBA auf. Man mag zu der Musik stehen wie man will, aber wenn man durch´s ABBA-Land fährt, ist diese Musik passend (ich mag ABBA sowieso). Bei diesen beschwingten Melodien die Landschaften vorbei ziehen zu sehen machte Spaß. Zwischendurch bekamen wir immer wieder interessante Informationen, wie z. B. dass die Eisenbahn nur ungefähr bis zum Polarkreis fährt. Irgendwo ungefähr in der Mitte Schwedens machten wir eine kurze Mittagsrast und bemerkten, dass die Zivilisation schon näher kam.

Eine DVD über die Öresundbrücke war hochinteressant und eine gute Vorbereitung für den übernächsten Tag. Nur ein paar kurze Informationen an dieser Stelle: die Verbindung zwischen Nord- und Ostsee ist der Öresund. Die Verbindung besteht zwischen Kopenhagen und Malmö und ist 16 km lang. Es ist eine Kombination zwischen Brücke und Tunnel. Um das verwirklichen zu können, wurde in der Mitte auf offener See eine Insel aufgeschüttet. Würde man das gesamte Bauprojekt hochkant stellen, wäre es ein 60-stöckiges Bauwerk. Eine 4-spurige Autobahn ist im Obergeschoß und im Untergeschoß fährt die Eisenbahn auf 2 Gleisen. Der Hammer ist: nach 5 Jahren Bauzeit, genau nach dem Zeitplan, war alles fertig!!!!

Rätsel: 46 Menschen rasen im Gänsemarsch durch den Park eines wunderschönen Freilichtmuseums. Kurz vor Ende biegen die Männer nach rechts und die Frauen nach links ab und bilden von oben gesehen ein Y. Auflösung: Das Y ist uninteressant! Es handelte sich um eine Pippi Pause mit klarer Ansage wo was ist *lach.

In einer Sportarena in Östersund hatten wir Mittagspause mit einem riesigen Buffet. Da auf die Entfernung von ca. 900 km ein Termin zum Abendessen nur stressen würde, wurde die Hauptmahlzeit auf den Mittag verlegt. Uns kam das entgegen. Wir sind eher Mittagesser und ich wollte noch gar nicht wissen, was die Waage zu Hause sagt. Ungefähr die Hälfte des Tagesplanes an Kilometern war geschafft.

Mit der DVD „Michel bringt die Welt in Ordnung“ versüßte Bärbel uns die nächsten Kilometer. Im Bus breitete sich schläfrige Stimmung aus. Die Anstrengungen der letzten Tage machten sich doch bemerkbar.

In Sveg, einer 2500-Seelen-Stadt kaufte jeder individuell in einem Supermarkt für sich das Abendessen ein. Mir machte das Spaß und mit dem Übersetzer im Handy war das auch kein Problem. Wir warfen noch einen kurzen Blick auf die größte Bärenskulptur der Welt und weiter ging die Reise durch die Dalarna Provinz. Wir erfuhren, dass es hier keine Bodenschätze, Landwirtschaft oder sonstige Industrie gibt, nur Wald. Früher schnitzten die Bewohner die Dala-Pferdchen um sie zu verkaufen. Heute werden sie in Nusnäs produziert. Die Originale sind rot, grün und weiß und sind wohl überall auf der Welt bekannt (ich kannte sie nicht).

Wir fuhren an Mora am Siljansee vorbei. Mora ist bekannt durch den Wasa-Lauf. Es treffen sich jährlich am 2. März tausende Skilangläufer um eine Strecke von 90 km zu überwinden zum Gedenken an Gustav Wasa, der vor langer Zeit einmal König war und sich im Freiheitskampf Schwedens einen Namen gemacht hat. Ich kannte nur das Knäckebrot, das knäcke ich jetzt auch bewusster.

Ein Toilettenstopp irgendwo im nirgendwo kostete uns kostbare Minuten *lach. Irgendwer (die „Verursacherin“ hatte sich gleich geoutet … ) drückte auf einen Knopf in der WC-Kabine und laute Sirene und Blinklicht ließen sich nicht mehr stoppen. Alle technikbegabten Männer versuchten vergebens, den Alarm zu beenden. Nach kurzer Beratung, entschieden wir (keine Ahnung, wer das entschied) dass wir trotzdem weiterfahren – und siehe da, es war wohl ein Alarm mit einem Zeitsensor, denn auf einmal war Ruhe und auch das Blinklicht erlosch. Puh, da waren wir alle mal kurz richtig wach *lach.

Wir waren froh, als wir nach fast 900 km unser Hotel in Borlänge erreichten und jeder zog sich auf sein Zimmer zurück und genoss es, nicht im Bus zu sitzen. Auf ein Phänomen möchte ich hinweisen: schon ab dem 3./4. Tag hatte ich ab und zu ein leichtes Schwindelgefühl, wenn ich außerhalb des Busses zur Ruhe kam. In Gesprächen zeigte sich, dass einige Mitreisende das auch bei sich bemerkten. Bärbel hatte des Rätsels Lösung: das kommt vom vielen Busfahren, denn wie ein Matrose auf See, der sich erst wieder an das Festland gewöhnen muss, muss sich unser Gleichgewicht nach vielen Stunden im schaukelnden Bus an den festen Boden gewöhnen. Der Leser mag nun nicht erschrecken: das Schaukeln im Bus war ganz normal – wir hatten einen ziemlich neuen Bus mit besten Stoßdämpfern *lach.

Wadköping, Vätternsee, Schloss Vadstena und Elchpark

Tag 10 sollte ein klein wenig entspannter werden, bevor dann der Endspurt kommt, wurde uns versprochen. Geplante 600 km sind ja fast ein Klacks…. Die Temperaturen waren wieder so, dass man mit kurzen Hosen und T-Shirt ausreichend angezogen war. Im Bus war es allerdings an unserem Platz recht frisch, da die Klimaanlage den vorderen Teil des Busses ziemlich unterkühlen musste, damit der hintere Teil des Busses angenehme Temperaturen hatte. Ich hatte gottseidank eine Decke eingepackt, die mir während der ganzen Fahrt gute Dienste leistete.

Eine erste Pause machten wir in Örepro, einer Studentenstadt. Es gibt leider keine schöne Altstadt, da die gesamte Stadt früher abgebrannt war. In einem Freilichtmuseum in Wadköping konnten wir wundervolle Einblicke in das frühere Leben in diesen Gefilden nehmen.

Ein großes Stück führte uns der Weg den Vätternsee entlang und unsere Mittagspause machten wir am Schloß Vadstena, das von einem mit Wasser gefüllten Wallgraben umgeben ist und ein tolles Fotomotiv darstellt. Gustav Wasa (der aufmerksame Leser hat den Namen schon mal gelesen) ließ es 1545-1620 erbauen. Apropos Mittagspause: Ravioli gab´s – habe ich gefühlte 100 Jahre nicht mehr gegessen und hatte sie besser in Erinnerung.

Am Nachmittag besuchten wir einen Elchpark in Laganland. Vielleicht wird man durch die vielen Eindrücke leicht abgestumpft – mir gefallen Rentiere wesentlich besser. Trotzdem war es schon ein Erlebnis vor einem ausgewachsenen lebendigen Elch zu stehen. Die sind ganz schön groß!! Im Schwedenshop habe ich natürlich Elchwurst gekauft. Es gibt Dinge, die muss ich einfach probiert haben *lach.

Ein letztes Hotel bezogen wir in Helsingborg und genossen ein leckeres Abendessen.

2022 Map 19.20
Falsches Datum… ist natürlich der August

Endspurt nach Hause

Der 11. Tag reichte bis in den 12. Tag hinein und wurde bis zum Moment der Abfahrt um 7 Uhr erfolgreich aus unseren Gedanken verdrängt. Bis zu uns nach Hause waren es 1200 km.

Ich will nur in Stichpunkten die Eindrücke dieser Stunden niederschreiben: die Fahrt am Öresund entlang nach Malmö wurde von Bärbel kurzweilig gestaltet, indem sie uns Interessantes über die Gegend und die Geschichte von Malmö nahebrachte. Die Fahrt über die Öresundbrücke und durch den Öresundtunnel war dank der Vorbereitung mit der DVD vor 2 Tagen hochinteressant und sehr beeindruckend.

Wie schon auf dem Hinweg ging es zack durch Dänemark *lach und schon um kurz nach 10 Uhr erreichten wir die Fähre von Rodby nach Puttgarden. Auf der Fähre wurden unter anderem Würstchen verkauft – der Duft in der Nase lies mir kurzfristig übel werden…

In Puttgarden verließ uns unsere Reiseleiterin Bärbel und ich muss sagen, in diesen schönen vergangenen Tagen ist sie mir sehr ans Herz gewachsen. Man merkte ihr die Begeisterung für Skandinavien an und wir profitierten vom Schatz ihrer Erfahrungen und ihres Wissens. Auch wie sie mit der Gruppe und mit Problemen Einzelner umging hat mir sehr gut gefallen. Ihre positive und fröhliche Art kam bei mir richtig gut an und deshalb an dieser Stelle 100 Punkte mit Sternchen für Bärbel!

Wieder in Deutschland hatten wir alle einen kleinen Kulturschock: sooo viele Autos und sooo viele Menschen. Alleine für die Strecke bis hinter Hamburg brauchten wir 3 Stunden. Richtige Pausen gab es nicht mehr, nur noch Toilettenpausen – aber das war auch in unserem Sinn. Jetzt wollte jeder nur noch nach Hause. Auffällig war, wie verschmutzt deutsche Rastplätze waren – boa, so etwas haben wir auf der ganzen Reise nicht gesehen.

Um 2.00 morgens kamen wir in Pforzheim an. Unser Taxi brachte uns nach Hause und wir waren müde und sehr, sehr dankbar für alles, was wir auf dieser Reise erlebt haben.

Das Schlusswort widme ich gerne noch unseren beiden Bussikuskis, die einen unglaublichen Job gemacht haben. Ingrid ist Eberhards Frau und hat den Busführerschein erst seit wenigen Jahren. Pandemiebedingt konnte sie wenig Fahrpraxis erlangen. Das hat man nie gemerkt!!! Mit ihrer Frohnatur und Eberhards Routine haben sie die 8000 km in 12 Tagen fantastisch gemeistert und für diese Leistung vergebe ich ebenfalls gerne jeweils 100 Punkte mit Sternchen.

Die Kulinarik ist in dieser Bewertung nicht enthalten und ich biete gerne meine Dienste als Beraterin an. Von Busreisenden anderer Touren bzw. Bussen wurde uns von leckeren Mahlzeiten berichtet – will heißen: es ist möglich…

Fazit:

Alle Befürchtungen bezüglich Rücken, Langeweile, Mitreisenden, jede Nacht ein anderes Hotel und vieles andere haben sich nicht erfüllt. Uns hat die Reise sehr gefallen und sie hat Lust gemacht, die Länder im hohen Norden näher kennen zu lernen.

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2022.06._Fränkische Seenplatte und Altmühltal

Schon oft hörten wir von Urlaubern, die im Altmühltal waren: „da ist es sooo schön!“ Sie hatten Recht!

Davon überzeugten wir uns jetzt mit eigenen Sinnen. 4 Wochen hatten wir Zeit und diese Zeit erschien uns in der Vorschau endlos lang.

Gunzenhausen

Der erste Weg führte uns zum Stellplatz Surfzentrum Altmühltal Schlungenhof. Wir fühlten uns schnell wohl. Mit dem Fahrrad kann man den See relativ zügig umrunden, eine Strecke von ca. 13 km. In Gunzenhausen gibt es alles was man braucht um einzukaufen, sogar einen schönen Bioladen fanden wir. Ein Marktplatz mit viel unterschiedlicher Gastronomie lädt zum Verweilen ein und viele schöne Details, welche die Stadt schmücken, sieht man erst, wenn man sich mit Ruhe umschaut.

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Schönes Gunzenhausen

Auf Wohnmobilstellplätzen liegt es in der Natur der Sache, dass man meistens außer einem kurzen Smalltalk mit den Wohnmobil-Nachbarn relativ wenig zu tun hat. Auf diesem Stellplatz war das anders, denn wir lernten Menschen kennen, die uns sehr beeindruckten. Ralf hat eine unheilbare, fortschreitende Krankheit und ist überwiegend mit dem Rollstuhl unterwegs. Andrea meistert alle Arbeit, die beim Camping anfällt alleine. Die beiden strahlten Ruhe und Freude aus und wir verbrachten lustige Abende zwischen unseren Wohnmobilen. Wie oft wünschen wir uns Gegebenheiten im Leben anders und beklagen uns – von den Beiden haben wir eine große Lektion fürs Leben gelernt. Danke dafür und für die Zukunft alle Kraft, die Ihr braucht!

Eine Radtour zum Brombachsee können wir sehr empfehlen. Das Radwegnetz ist super ausgebaut und beschildert. 50 km muss man rechnen, wenn man den Brombachsee umrunden will und am Stellplatz Surfzentrum Altmühlsee Schlungenhof startet. Die Strecke geht zum Teil durch den Wald auf gut ausgeschilderten Radwegen und ist überwiegend eben. Das Fränkische Seenland, wie dieser Landstrich auch genannt wird, ist eine in den 70-er Jahren künstlich angelegte Seenlandschaft. Auf der Vogelinsel im Altmühlsee, kann man die Entstehung anhand von Fotos verfolgen. Ich versuchte mir vorzustellen, wie groß die Empörung damals in der Bevölkerung war als Visionäre ihre Idee von zwei relativ großen Badeseen, Naturschutzgebiet und Förderung des Tourismus kund taten – im Rückschauen war es das Beste was man für diese Region machen konnte.

Cham

Als nächstes stand Cham auf unserem Wunschzettel – eine kleine Stadt in der Oberpfalz in Ostbayern. Der kleine Stellplatz am Regen war einfach nur super. Gegen Abend landeten Kanuten mit ihren Booten, bauten ihre Zelte auf und verbrachten die Nacht auf der angrenzenden Wiese. Es war interessant zu beobachten, was zu dieser Art Aktivurlaub so dazugehört. Für mich habe ich entschieden: Kanufahren ja, im Zelt auf einem schönen Platz übernachten nein *lach. Ein weiterer Pluspunkt für diesen Stellplatz ist die Tatsache, dass aufgrund des Kanu-Zeltplatzes die Toiletten und Duschen immer geöffnet waren. Normalerweise braucht das der Wohnmobilist nicht. Wenn aber alles so blitzblank sauber ist, erfreue sogar ich mich an diesem Luxus.

Der Grund Cham anzufahren war, dass wir unsere neu kennengelernten Freunde von unserem Istanbul-Abenteuer besuchen wollten. Groß war die Freude, diesmal unter ganz entspannten Umständen ein paar sehr schöne Tage miteinander zu verbringen. Marianne verwöhnte uns kulinarisch und wandernd konnten wir ein paar schöne Eindrücke dieser herrlichen Landschaft sammeln. Da es in diesen Tagen sehr heiß war, genossen wir auch entspannte Stunden plaudernd im Garten unter einem Apfelbaum.

Donaustauf mit Walhalla

Die weitere Reise führte uns nach Donaustauf. Diesen Ortsnamen hatte ich vorher noch nie gehört. Des Rätsels Lösung ist ganz einfach: Regensburg hat keinen Stellplatz und Donaustauf liegt in der Nähe. Wenn man autark stehen kann, ist das ein schöner Platz für 1-2 Tage. Die Walhalla ist in wenigen Minuten mit dem Fahrrad erreichbar. Sie hatte ich schon so oft aus der Ferne von der Autobahn aus gesehen und natürlich jedes Mal gedacht: da will ich mal hin! Nicht nur wegen des herrlichen Ausblicks, sondern auch wegen des wunderschön angelegten Areals ist die Walhalla einen Ausflug wert!

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Ein beeindruckender Bau: Walhalla

Mit dem Fahrrad ist man von Donaustauf in ca. 30 Minuten in Regensburg. Das Radnetz ist super ausgebaut und beschildert. Auch in Regensburg ist man mit dem Fahrrad besser bedient als mit dem Auto. Wir schauten uns die Innenstadt an und aßen natürlich in der historischen Wurstküche neben der Steinernen Brücke ein paar Bratwürstl mit Sauerkraut.

Kelheim mit Donaudurchbruch

Der Stellplatz Kelheim war unser nächstes Ziel. Wir hatten Glück und konnten auf dem regulären Stellplatz unterkommen. Es ist alles, was man als Wohnmobilist braucht vorhanden und das auch noch für günstiges Geld (8,50 € im Sommer 2022). Kelheim hat zusätzlich noch einen Ausweichstellplatz, der für eine Nacht auch ok ist.

Das Wetter war nicht sehr einladend und wir wollten nur einen kleinen Rundgang machen, um uns zu orientieren. Als wir am Schiffsanleger vorbei kamen, war gerade ein Schiff startklar Richtung Donaudurchbruch (die Donau hat den Durchbruch übrigens ganz alleine geschafft – hat nur gedauert…) und zum Kloster Weltenburg. Kurz entschlossen fuhren wir mit. Leider wurde das Wetter unterwegs sehr ungemütlich. Es begann zu regnen und wurde ziemlich frisch – und wir waren kleidungstechnisch überhaupt nicht drauf eingestellt. Am Ziel angekommen schauten wir uns vor Ort nur kurz um und entschlossen genauso spontan, wie wir die Schifffahrt machten, dass wir mit dem gleichen Schiff wieder mit zurück wollten. Wir können also sagen: wir waren im Kloster Weltenburg, auch in der Asam-Kirche – aber ehrlicherweise haben wir nichts gesehen. Ein weiterer Grund nochmal in diese Region zu fahren *lach.

Der nächste Tag entschädigte uns wettertechnisch wieder und wir machten eine Radtour zur Befreiungshalle, die über Kelheim thront. Wie die Walhalle bei Regensburg ein sehr beeindruckender Ort.

Beeindruckend auf ganz andere Art war eine weitere Radtour zum Zusammenfluss vom Main-Donau-Kanal und der Donau. Viel Natur und Ruhe taten uns gut. Abends genossen wir in einem der vielen Biergärten in der Region typische Leckereien der Region.

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Hmmm, lecker…Obatzter, Wurstsalat und Radler

Neustadt an der Donau

Wenn man so lange unterwegs ist, Hochsommer und Hitze herrschen, braucht man irgendwann ein Plätzchen zum Wäsche waschen. Deshalb steuerten wir den Campingplatz Felbermühle in Neustadt an der Donau an – ein kleiner aber sehr feiner Stellplatz. Der Stellplatz ist von Wasser umgeben (kleiner Bach) deshalb ist mit kleinen Kindern Vorsicht geboten. Sehr angenehm fanden wir, dass auf der Hälfte des Platzes Hunde willkommen sind und auf der anderen Seite nicht. Beide Teile sind naturgemäß durch einen Bachlauf getrennt. Das sei auch für Hundebesitzer entspannend wurde mir von einer Hundebesitzerin berichtet.

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… da braucht man keine Wimpel mehr

Im Internet las ich etwas von einem Wochenmarkt in Bad Gögging, einem Ortsteil von Neustadt an der Donau. Das fand ich eine gute Gelegenheit unsere Vorräte wieder aufzufüllen. Leider war das ein Mini-Mini-Markt und wir fanden nichts, was wir gebraucht hätten. Gottseidank gibt es Lebensmittelmärkte.

Da wir in Bad Gögging die Limes-Therme besuchen wollten wechselten wir vom Campingplatz Felbermühle auf den Stellplatz Bad Gögging an der Therme. Im Sommer ist das Erlebnis Sauna und Therme ein anderes als im Winter, wir mögen das auch … und … ein Honigpeeling im Dampfbad tut zu jeder Jahreszeit gut.

Abensberg

Porentief rein und tiefenentspannt radelten wir am nächsten Morgen nach Abensberg. Das ist ein sehr nettes Städtchen und hat unter anderem die touristischen Magnete: Hundertwasserturm und Kuchlbauer Brauerei. Während einer Besichtigung erfuhren wir interessante Hintergründe. Die Werke des Künstlers Hundertwasser stehen an vielen Orten und beeindrucken durch ihre Vielfältigkeit, Farbenpracht und Genialität. Der Turm in der Brauerei Kuchlbauer soll das letzte Werk des Künstlers sein. Übrigens schmeckte uns sogar das Bier dort, obwohl wir keine Biertrinker sind. Ehrlicherweise haben wir nur eine Sorte probiert: das Sportbier mit 2,8 % – Biertrinker lächeln vermutlich jetzt nur müde.

… und wieder Altmühltal

Nun wollten wir aber unseren ursprünglichen Plan, das Altmühltal zu bereisen wieder aufgreifen. Der Stellplatz Riedenburg war deshalb unser nächstes Ziel. Der Stellplatz hat alles was man braucht in bester Lage an der Altmühl.

Gut in Erinnerung ist mir bis heute der Hahn, der von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang krähte. Gegen Abend klang er schon ziemlich erschöpft – armer Kerl…

Da der Stellplatz direkt am Radweg liegt, kann man sich gut orientieren: wir fuhren einen Tag Richtung Kelheim bis Essing und am anderen Tag nach Dietfurt. Beide Wege sind landschaftlich wunderschön. Am Anfang fand ich es irritierend, dass die Altmühl einmal ein richtiger Fluss und dann wieder ein stilles Gewässer war. Wer reist, lernt was: Ab Dietfurt läuft der Main-Donau-Kanal in ihrem Bett und deshalb ist Schifffahrt möglich. Es gibt immer wieder links und rechts des Kanals ruhige Seitenarme die das Naturerlebnis unterstreichen. Die Altmühl ist auch als Bootswanderfluss bekannt und wir fanden es schön, immer wieder die Kanus in der zum Teil sehr ursprünglichen Natur zu sehen.

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Das sieht sehr entspannt aus!

Eichstätt

Das nächste Ziel war der Stellplatz in Eichstätt eine vielschichte Stadt an der Altmühl. Kreisstadt, Bischofssitz, Hauptsitz der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt – hier ist viel geboten. Für uns interessant war das Altstadtfest. Seit der Pandemie waren wir eigentlich nicht mehr auf Festen unterwegs – es gab ja auch keine. Hier freuten wir uns auf bayrische Küche und urige bayrische Atmosphäre und wurden nicht enttäuscht.

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Fahrrad von Eichstätt nach Dollnstein. Das war wieder eine wunderschöne Strecke. Unterwegs versorgten wir uns mit Lebensmitteln, die zu einem guten Picknick gehören und begeisterten uns für die herrliche Landschaft, schauten Kletterern zu, wie sie die zum Teil steilen Felsen erklommen und freuten uns wieder einmal darüber, wie gut es uns geht. 

Weißenburg

Als nächstes stand Weißenburg auf unserem Plan. Für eine Stadtbesichtigung war das kein guter Plan, denn es war viel zu heiß dafür. Auch der Stellplatz sagte uns wenig zu (er liegt auf einem Parkplatz am Freibad und ist abends und nachts ziemlich laut) und so blieben wir nur eine Nacht und fuhren dann weiter nach Treuchtlingen auf den Wohnmobilstellplatz. Dort war es zwar auch heiß, aber näher an der Natur ließ sich die Hitze besser ertragen.

Treuchtlingen

Der Stellplatz in Treuchtlingen am Kurpark darf auch den Namen „TOP-Platz“ tragen und das wirklich zurecht. Von dort aus konnten wir unsere Altmühl-Fahrradtour fortführen und entschieden uns für die Richtung nach Dollnstein.

Pappenheim

Endlich wissen wir auch, wo die Pappenheimer herkommen, nämlich aus Pappenheim. Mit einem Schmunzeln im Gesicht wurde ich diesen Satz nicht mehr los. Dort gibt es unter anderem eine wunderschöne Weidenkirche mit toller Atmosphäre. Ein wirklich schöner Platz zum Innehalten.

Kurz vor Dollnstein beschlossen wir nach einem Fußbad in einem extra angelegten Kneipp-Becken in der Altmühl umzukehren, weil wir Hunger bekamen. Wie wir feststellten, waren wir hier doch ziemlich abgelegen und kein Biergarten o. ä. wie auf den anderen Strecken war in Sicht.

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Solnhofen

In Solnhofen wurden wir fündig und bekamen im Klosterbrot Museums-Cafe eine sehr urige fränkische Brotzeit. Alleine dafür würde ich nochmal dorthin fahren. Danach hatten wir auch wieder Augen und Sinne für die schöne Landschaft. Die Felsformation „die 12 Apostel“ fanden wir beeindruckend. Sie ist wohl eine sehr oft fotografierte Felsformation und wir fragen uns immer noch, wie man auf die Idee kommt, 12 Felsen 12 Apostel zu nennen.

Markt Berolzheim

Am nächsten Tag sollte sich ein Kreis auf unserer Reise schließen und wir wollten mit dem Rad Richtung Gunzenhausen fahren. In Markt Berolzheim hatten wir ein nettes Gespräch und erfuhren, dass es dort keinen Lebensmittelmarkt mehr gibt und ein paar Menschen der Dorfgemeinschaft aktuell einen SB-Laden auf Vertrauensbasis eröffnet haben. Dort gibt es fast alle Dinge für den täglichen Gebrauch und eine Kasse, bei der man selbst eingibt, was man gekauft hat und dann per EC-Karte bezahlt. Wir wünschen den Bürgern, dass der mutige Schritt funktioniert!!

Es war wieder drückend heiß und der Fahrtwind tat gut. Sobald man stehen blieb, machte der Ausflug keinen Spaß. Deshalb bogen wir in Markt Berolzheim ab in Richtung Weißenburg und belohnten uns dort mit einem leckeren Eis.

Vielleicht aufgrund der Hitze, vielleicht aufgrund verwirrender Schilder – wir hatten Mühe, den Fahrradweg in die richtige Himmelsrichtung Richtung Heimat-Stellplatz zu finden. Ich fragte einen Fahrradfahrer danach und er fuhr ca. 1 km mit uns, bis er uns auf dem richtigen Weg wusste. Es gibt schon supernette Menschen!!!

… nochmal Gunzenhausen

Unser Urlaub neigte sich dem Ende zu und wir wollten dort, wo alles begann auch den Abschluss machen. Deshalb fuhren wir nochmal zum Stellplatz Surfzentrum Altmühltal Schlungenhof. Am Wasser sitzend, den Kite-Surfern und den Surfkurs-Teilnehmern zuschauend konnten wir die vielen Eindrücke der schönen Landschaften und intensiven Begegnungen an unserem inneren Auge vorbei ziehen lassen und ein wenig verarbeiten. Es war soo schön!

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Den Wassersportlern kann man stundenlang zuschauen.

…aber auch noch nicht ganz zu Ende, denn Helmut traf zufällig 2 Bekannte aus früheren Zeiten, die mit ihrem Wohnmobil auf dem Stellplatz in Muhr standen, nur 15 Minuten von uns entfernt. Die Freude war auf beiden Seiten riesengroß und wir verbrachten ein paar schöne Stunden miteinander.

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Nächtliche Heimfahrt vom Treffen mit Freunden.
Dieses Bild hätten wir sonst verschlafen…

Schaffelle in Leutershausen

Auf dem Heimweg stoppten wir in Leutershausen: auch hier schloss sich ein Kreis. An unserem ersten Tag auf dem Stellplatz Surfzentrum Altmühltal erzählten uns Wohnmobilnachbarn von der Gerberei Georg Oechslen GmbH in 91578 Leutershausen (eine Webseite gibt es leider nicht) , die dort biologisch arbeiten, Schaffelle aus der Gegend bekommen und dazu noch ziemlich preiswert sind. Sie hatten damals ein Schaffell gekauft und ich konnte mich von der Qualität überzeugen. Da ich schon lange ein solches Schaffell haben möchte, lag es nicht nur auf der Hand, sondern auch auf dem Heimweg…. Wir haben nun auch Schaffelle und einiges an Wissen über Pflege und Handhabung derselben.

Zu Hause brauchten wir ein paar Tage länger als sonst zum Einleben und Verarbeiten, aber wer uns kennt, weiß, dass schon wieder neue Reisepläne im Gespräch sind und ich kann dem geneigten Leser versprechen: die nächste Reise wird gaaaaanz anders aber bestimmt auch super interessant: Mit einer Reisegesellschaft im Bus nach Skandinavien bis ans Nordkap….

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2019.06. Warum in die Ferne schweifen

Kennt ihr auch den Widerspruch in euch? Man ist noch kaputt von der letzten Tour und hat so viele Eindrücke zu verarbeiten, aber man will trotzdem wieder mit dem Wohnmobil los … Genau so erging es uns und wir beschlossen, ein wenig in der Umgebung zu bleiben und das Nützliche mit dem Entspannten zu verbinden oder besser gesagt, das Entspannte mit dem Nützlichen.

Fernziel: Messe in Villingen-Schwenningen

Die Himmelsrichtung gab die Südwesse in Villingen-Schwenningen vor, auf der wir uns für ein Projekt in unserer Wohnung umschauen wollten. Ja, eine Wohnung gibt es auch und auch sie braucht ab und zu etwas Pflege und Optimierung.

Haigerloch

Gemütlich treiben lassen, das war unser Plan. Auf dem Stellplatz in Haigerloch machten wir für einen Tag Station.

Haigerloch
Vorbildlich beschriftet für Wohnmobilisten zur Orientierung.
Danke Haigerloch!

Der Stellplatz liegt in der Nähe einer Schule und auf einem Erkundungsspaziergang entdeckten wir Tischtennisplatten auf dem Schulhof. Es waren Ferien und wir störten niemanden. Flugs holten wir unsere Tischtennisschläger im Womo und tobten uns an der Tischtennisplatte aus. Wir sind keine Tischtennisprofis, spielen aber sehr gerne, sobald sich Gelegenheiten bieten.

Abends saßen wir noch eine Weile vor dem Wohnmobil und kamen mit unseren Nachbarn ins Gespräch. Ihr Wohnmobil war sehr betagt und die beiden Insassen ebenfalls. Sie hatten schon die halbe Welt bereist und erzählten gerne davon – in breitestem Schwäbisch und sehr laut, da der Chef am Steuer nicht mehr gut hörte. Auf unsere Frage nach Fremdsprachen und Verständigungsmöglichkeiten lernten wir, dass man die halbe Welt bereisen kann, wenn man nur Schwäbisch spricht. Man zeige mit dem Finger auf etwas was man möchte, was zu bezahlen ist, stünde auf dem Display an der Kasse – mehr braucht es nicht! Alle Achtung! Dieser Mut fehlt uns.

Mössingen

Der nächste Stopp war auf dem Stellplatz in Mössingen.

Moessingen
Manche Städte wissen wie es geht.
Auch hier: Danke Mössingen für die Info´s.

Mit dem Fahrrad erkundeten wir das Städtchen, gönnten uns ein Eis und verbrachten wieder einen entspannten Abend vor dem Wohnmobil. Da es recht warm war, wollten wir endlich einmal unsere Außendusche ausprobieren. Auf dem Stellplatz hatten wir einen Randplatz, außerdem war der Platz nicht sehr voll und es drängte sich nahezu auf, draußen, hinter dem Womo zu duschen. Wir versuchten eine Weile einen Sichtschutz zu basteln mit offenen Türen von Garage und Gasflaschenfach und Handtüchern. Irgendwann gaben wir es auf: es kam sowieso niemand hier vorbei. Wie Gott uns schuf brausten wir uns ab und fanden, dass wir mit dem Kauf der Außendusche eine gute Entscheidung getroffen hatten.

Schreck lass nach: wir waren gerade in unsere Handtücher gewickelt, als 2 halbwüchsige Mädels einen Trampelpfad direkt hinter dem Wohnmobil entlang gingen. Den Trampelpfad konnten wir vorher nicht sehen … wären die Mädels sehr wenige Minuten früher hier entlang gekommen, hätten wir erheblich Ärger bekommen können. Puh – Glück gehabt.

Waldenbuch und Ritter sport

Wenn man schon in der Gegend ist, sollte man unbedingt einen Abstecher zu Ritter Sport in Waldenbuch machen wurde uns erzählt. Stimmt!! Man erfährt viel über Kakao und Schokolade, kann nach Anmeldung seine eigene Schokolade kreieren und im Shop natürlich gnadenlos zuschlagen *lach. Auch für und mit Kindern ein unvergessliches Erlebnis und sehr empfehlenswert.

Ritter Sport
Herz, was begehrst du?

Da uns der Stellplatz in der Nähe von Waldenbuch nicht gefiel, fragten wir nach, ob wir auf dem Parkplatz von Ritter Sport die Nacht verbringen dürften. Cool: wir durften! Offensichtlich war die Security-Mannschaft eingeweiht und wir haben vermutlich noch niemals so gut bewacht geschlafen. Bei jeder Runde um das Gebäude war unser Womo mit im Blick. Ich hoffe, dass jetzt nicht jeden Tag dort Wohnmobile nächtigen möchten und sich auf diesen Beitrag beziehen *lach.

Villingen-Schwenningen

Am kommenden Tag besuchten wir wie geplant die Südwest Messe in Villingen-Schwenningen und konnten unser Wissen zu dem Vorhaben zu Hause erweitern. Unsere platten Füße ließen wir abends auf dem Stellplatz Herrenberg ausruhen. Das ist ein neuer und sehr schöner Stellplatz in der Nähe der Autobahn. Nach unserer Meinung zeigt hier die Stadt Herrenberg positiv, wie es gehen kann mit den Stellplätzen. Einziger, für uns erkennbarer Nachteil ist, dass nachts öfters Martinshorn zu hören ist, da ein Krankenhaus in der Nähe liegt. Aber damit können wir umgehen.

Bietigheim-Bissingen

Ein paar Termine zu Hause ließen uns eine kurze Womo-Pause einlegen aber dann ging es gleich wieder weiter. Die Bundesgartenschau in Heilbronn lockte und wieder wollten wir ohne Stress und gemütlich unser Ziel erreichen. Zu Hause hatte ich auf der Stellplatz-App von Promobil „Stellplatz-Radar“ einen Platz in Mühlacker herausgesucht. Zur Abendessenszeit kamen wir dort an, fühlten uns aber nicht wohl. Manches Mal hat man ein Gefühl und kann es nicht erklären…

Wir fuhren deshalb weiter nach Bietigheim-Bissingen und fanden auf dem riesigen Stellplatz einen Platz. Schöner war der Stellplatz in Mühlacker schon, das muss man ehrlich sagen, aber wie geschrieben – das Gefühl sagte etwas anderes, warum auch immer… Der Stellplatz in Bietigheim ist eigentlich nur ein großer Parkplatz mit einem markierten Teil für Wohnmobile. Ver- und Entsorgung ist möglich und nachts ist es erstaunlich ruhig, trotz der belebten Straße, die daran vorbei führt.

Die Altstadt von Bietigheim-Bissingen ist fußläufig zu erreichen und sehr sehenswert. Wir blieben gleich zwei Nächte, weil wir uns in dem Städtchen sehr wohl fühlten. Samstagvormittags besuchten wir den Wochenmarkt (ich liebe es) und kauften verschiedene regionale Produkte für ein Festmahl am Wohnmobil.

Essen im Wohnmobil ist auch so ein Thema, an dem sich die Geister scheiden. Wir beobachten viele Wohnmobilisten, welche die Gastronomie unterstützen und essen gehen. Da ich sehr gerne koche, bereiten wir meistens unser Essen im bzw. am Wohnmobil zu. Ja, es muss anschließend gespült werden, aber das geht zu zweit ruckzuck und macht uns meistens nichts aus. Das gemütliche Essen vor dem Womo entschädigt uns für das bisschen Arbeit mehrfach.

Bundesgartenschau Heilbronn

Abends fuhren wir weiter nach Heilbronn zur Bundesgartenschau. Die Stadt Heilbronn hatte für Wohnmobilisten einen Stellplatz an der Theresienwiese eingerichtet (keine Ahnung, ob der außerhalb der Veranstaltung auch existiert) und wir fanden alles super organisiert um mit dem Bus die BUGA zu erreichen.

BUGA Zwerge
Niedliche Begrüßung durch die BUGA-Zwerge

Am kommenden Tag spazierten wir durch die wunderschön hergerichtete Anlage, hörten interessante Vorträge und genossen einen sehr inspirierenden Tag. Es wurden wechselnde Abendveranstaltungen angeboten und wir schauten uns im Open Air-Kino von Abba „We do it again“ an. Vermutlich wären wir für den Film nie in irgendein Kino gegangen, aber die schöne Atmosphäre unter freiem Himmel und bei herrlichem Wetter bescherte uns einen besonders schönen Abend, der noch lange in uns nachklang.

Am anderen Tag bummelten wir noch durch Heilbronns Innenstadt und ließen das fröhliche Treiben auf uns wirken, bevor wir uns wieder auf den Heimweg machten.

Immer wieder wurde uns bewusst, wie gut es uns geht, dass wir die schönen Seiten des Lebens genießen können.

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2019.06. Grenzerfahrungen

Internationaler Jugendtag

Ende Mai bis Anfang Juni 2019 fand in Düsseldorf der Internationale Jugendtag, kurz: IJT statt. Da wir normalerweise aus verständlichen Altersgründen keine Möglichkeit mehr haben, an einem Jugendtag teilzunehmen, nutzten wir die Gelegenheit, als wir den Aufruf nach ehrenamtlichen Helfern vernahmen. Super, eine riesige Veranstaltung mit 30.000 jungen Christen versprach eine sehr interessante Zeit mit viel Spaß. Wir machten keine Einschränkungen bei der Auswahl der Tätigkeiten und ließen uns überraschen.

Schlafhalle in Halle 15

Wir wurden in einer Schlafhalle, genauer in Halle 15 eingeteilt. Die Aufgabe war, als Ansprechpartner für die Jugendlichen da zu sein und darauf zu achten, dass kein Unbefugter in die Halle kommen konnte. Wer schon einmal in Düsseldorf auf einer Messe war, kann sich die Dimension der Größe der Hallen vielleicht vorstellen: Es gab alleine sieben Schlafhallen, in denen die Jugendlichen wie im Matratzenlager in Reihen nebeneinander in ihren Schlafsäcken nächtigten. Da uns jegliche Festival-Erfahrung oder ähnliches fehlt, war alleine dieser Anblick für uns schon ein Erlebnis.

Die Hallen wurden rund um die Uhr von verschiedenen Schichten mit je 8 freiwilligen Helfern „bewacht“. Die Aufgabe war durchaus ernst zu nehmen; wir wurden immer wieder von der Messeleitung kontrolliert und auf die Wichtigkeit hingewiesen. So eine Mammutveranstaltung soll ja ein schönes Event sein und auch bleiben. Deshalb war Wachsamkeit in allen Bereichen notwendig.

Die Schichten wechselten alle 8 Stunden und so kam jeder einmal zu jeder Schicht dran. Wenn tagsüber ein wenig Zeit war, konnte man sich in das muntere Treiben stürzen und auch den einen oder anderen Programmpunkt mitnehmen.

Müde in Tag 2

Schon ab dem 2. Tag waren wir nur noch müde. Wir wollten uns in einer Pause eine Halle anschauen, von der wir wussten, dass dort viel Interessantes aus aller Welt geboten wird. Schnell merkten wir, dass wir überhaupt nicht mehr aufnahmefähig waren und in einer sogenannten Chill-Ecke war ein Riesensitzsack für Zwei frei – ein Blick zur Verständigung genügte und wir ließen uns niedersinken und schliefen sofort ein…. in einer Halle in der es laut und geschäftig zu geht – das war davor für mich undenkbar.

Schlaf Sitzsack
Wenn man müde genug ist, schläft man sehr gut darauf 🙂

Wohnmobilstellplatz an den Messehallen

Wir waren mit dem Wohnmobil angereist. Der Stellplatz am Messegelände bietet alles was man braucht. Was man wissen sollte ist, dass er in der Einflugschneise des Flughafens Düsseldorf liegt. Ab 6 Uhr morgens war an Schlaf nicht mehr zu denken, erst abends ab 23 Uhr war Ruhe. Es ist durchaus sehr interessant, sich aus der Nähe die großen Flugzeuge von unten zu betrachten – man konnte wirklich fast das Profil der Reifen erkennen (ich übertreibe – aber nur ein bisschen!). Nur tagsüber schlafen, das kann man vergessen – und genau das hätten wir in diesen Tagen gebraucht.

Nachtschicht und die Folgen

In der dritten und letzten Nacht hatten wir den Nachtdienst und sind eigentlich ein bisschen stolz, dass wir das so gut hinbekommen haben. Wir sind die ganze Nacht in der Halle herumgelaufen und haben den Schlaf der jungen Menschen bewacht. Irgendwann kommt die Phase, bei mir wenigstens, da finde ich alles nur noch lustig… in der Phase war ich in dieser Nacht… Am anderen Morgen war in der Arena der große Abschlussgottesdienst vorgesehen und nachdem unser Dienst zu Ende war, konnten wir zeitlich gesehen daran teilnehmen. Physisch gesehen, standen wir ziemlich neben uns. Auf die Idee, dass wir ins Wohnmobil gehen und schlafen könnten, kamen wir nicht. Ich leide manchmal an Verpassens-Angst – die Angst etwas zu verpassen…

Gottesdienst
Gottesdienst einmal anders als gewohnt

Als der Gottesdienst vorbei war – mir wurde später erzählt, das er schön war – ich hatte nur zu kämpfen, dass ich nicht schlafend vom Stuhl falle – sollten wir noch mithelfen, die Schlafhalle zu räumen, damit sie besenrein an die Messeleitung übergeben werden konnte. Eine Dankesrede der Verantwortlichen nahmen wir auch noch mit und wankten schließlich zu unserem Wohnmobil. Die Womo-Nachbarn warteten schon auf uns und wollten besprechen, was wir – evtl. gemeinsam – vorhaben: schlafen…. sonst nix!!!

Endlich schlafen

Das konnten wir dann ab ca. 15 Uhr trotz Flugzeugen die in kurzen zeitlichen Abständen über unser Wohnmobil flogen. Am anderen Morgen gegen 9 Uhr wurden wir wach… die Flugzeuge ab 6 Uhr störten uns bis dahin überhaupt nicht…. Nachts soll ein heftiges Gewitter die Mitcamper in Angst und Schrecken versetzt haben – wir hörten nichts.

Also hier ein Tipp für diesen Stellplatz: entweder ausgeruht sein und zwischen 23 Uhr und 6 Uhr schlafen, oder soooo übermüdet sein, dass einen nichts mehr stört.

Erholung am Meer mit Hindernissen

Ziemlich gestärkt von dem langen Schlaf schlossen wir uns den Nachbarn an und fuhren gen Holland nach Zoutelande auf einen wunderschönen Campingplatz direkt am Meer. Dort wollten wir die vielen Eindrücke der vergangenen Tage verarbeiten und nachklingen lassen.

Strand Holland einsam 1
Ruhe und Weite, genau so wollten wir es!

Leider bekam Helmut in der Nacht Magen-/Darmprobleme mit hohem Fieber. Das ist unter normalen Umständen schon nicht schön, im Wohnmobil aber noch weniger…. Ich möchte hier nicht auf Einzelheiten eingehen. Wer Wohnmobile und die Bäder, bzw. Nasszellen ist die korrekte Bezeichnung und trifft es genauer, wer die von innen kennt, kann sich vorstellen, was ich meine. Für mich bedeutete die Auszeit Ruhe und Erholung. Helmut holte sich die, indem er nur schlief, nachdem sich die Situation im Magen-Darmtrakt beruhigt hatte.

Eine neue Herausforderung hatte diese Situation allerdings für mich und ich schob sie den ganzen Tag vor mir her – wissend: ich muss es tun: die Campingtoilette ausleeren… Es hatte sich seit Beginn unseres Camperlebens so ergeben, dass sich eine gewisse Aufgabenverteilung einschlich. Toilette leeren war Helmuts Teil. Ich wusste schon in der Theorie Bescheid, habe aber nie nach der Praxis verlangt. Das holte mich nun ein. Irgendwann war der Füllstandsanzeiger so rot, roter ging nicht und ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und marschierte mit der vollen Toilettenkassette Richtung Entsorgungsanlage. Tschaka, ich schaffe das!!! So schlimm, wie es mir vorstellte, war es gar nicht und ich war wieder mal ein bisschen stolz, eine Herausforderung gemeistert zu haben. Ein bisschen grinsen musste ich auch, denn jeden Tag tun das Menschen und stellen sich nicht so an….

Strand Holland

Helmut war am nächsten Morgen wieder gesund und wir machten uns noch einen gemütlichen Tag mit Strandspaziergang und viel Ruhe im schönen Zoutelande.

Luxemburg

Für den Heimweg wählten wir eine Route über Luxemburg und machten Halt auf dem Stellplatz in Vianden. Der liegt an einem herrlich idyllischen Bach mit Blick auf Schloss Vianden.

Wir besichtigten das Schloss und waren hellauf begeistert, wie leicht eingängig die Geschichte des Schlosses und der Stadt erklärt wurden. Licht-Animationen ließen uns Ritter bei ihrem Rundgang beobachten und technische Finessen zeigten uns im Zeitraffer Jahrhunderte lange dauernde Bauabschnitte und Veränderungen. Das Schloss ist eine klare Besuchsempfehlung, auch mit Kindern!

Der Campingplatz Luxemburg Kockelscheuer war unser nächstes Ziel. Aus Erzählungen hatten wir schon einiges vom wunderschönen Flair der Stadt Luxemburg gehört und wollten uns das anschauen. Organisatorisch war es perfekt gelöst, denn man konnte direkt vom Platz aus mit dem Bus in die Stadt fahren. Laut unserer Information war/ist es geplant, dass man ab dem Jahr 2020 sogar kostenfrei mit Bus und Bahn unterwegs sein kann. Luxemburg Land und Stadt sind definitiv eine Reise wert und wir werden dort bestimmt wieder einmal einen Stopp einlegen – auch für ein paar Tage länger als dieses Mal.

Auf dem Heimweg machten wir – mal wieder – einen Besuch bei der Familie und freuten uns danach auf ein paar ruhige Tage zu Hause. Diese Reise hatte es in sich und brauchte Zeit zum Nachsinnen und Erholen.

…aber keine Bange, der nächste Reisebericht ist schon in Arbeit!!

Wenn dir meine Erzählungen gefallen, dann mache gerne Werbung für meinen Blog. Wenn du Fehler findest oder Verbesserungsvorschläge hast, dann nimm Kontakt mit mir auf.

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2019.05. Altes Land – Bremerhaven – Bad Zwischenahn

Anfang Mai 2019 zog es uns in den Norden. Auf dem Weg dorthin machten wir wieder bei Familie einen Stopp. Praktisch sind die Besuche, bei denen man mit dem Wohnmobil direkt vor dem Haus stehen kann. Auch für die Besuchten ist es praktisch, haben die Gäste doch das eigene Bett und Bad dabei.

York

Unsere Tour führte uns auf der Landkarte links an Hamburg vorbei, die Elbe hoch, Richtung Nordsee, zunächst auf den Stellplatz „Am Yachthafen“ bei Jork. Direkt hinter dem Deich können 12 Wohnmobile angenehm ruhig stehen. Es war alles vorhanden, was man brauchte. Auf dem Deich ist ein kleines Café, das „Café Möwennest“, das einen sehr netten Eindruck machte.

schoen geschuetzter Stellplatz 1
schöner geschützter Stellplatz „Am Yachthafen“ bei Jork

Wir radelten durch die Apfelplantagen im Alten Land und bewunderten die herrliche Landschaft mit ihrer ganz besonderen Ausstrahlung. Schließlich erreichten wir den Bio-Herzapfelhof Lühs. Zufällig startete gerade eine Führung und wir konnten uns anschließen. Das waren sehr interessante und beeindruckende Erzählungen, denen wir lauschen konnten. Seitdem essen wir Äpfel mit mehr Bewusstsein für Anbau, Vertrieb, Sorte und Geschmack. Ein leckerer, selbst gebackener Kuchen und ein Tässchen Kaffee im hofeigenen Café ließen uns den Reichtum dieses Landstriches schmecken.

Herzapfelhof ... der Name ist Programm
…der Name ist Programm

Stade

Der kommende Tag führte uns auf einen Stellplatz nach Stade. Als wir dort ankamen, stellen wir fest, dass wir einen sogenannten „Top Platz“ erwischt haben. Ja, er machte diesem Namen alle Ehre. Moderne Bezahlmöglichkeiten ließen zwar manchen Mitcamper verzweifeln, wir mögen das so (das Moderne, nicht die verzweifelten Mitcamper). In Stade war an diesem Sonntagvormittag Flohmarkt in der ganzen Innenstadt. Normalerweise sind wir nicht die Flohmarkt-Fans, aber in diesem Fall genossen wir das bunte Treiben und die unglaubliche Vielfalt der angebotenen Dinge.

Stade

Drochtensen

Es zog uns wieder ans Wasser und so ließen wir uns auf dem Stellplatz „Am alten Hafen“ in Drochtensen nieder. Das war ein echter Glücksfall, denn hinter dem Stellplatz war Gebüsch und hinter dem Gebüsch ein Sandstrand, der uns denken ließ, wir wären in der Südsee gelandet. Das Wetter war super und wir erhielten die Information, dass am vergangenen Wochenende in Hamburg der Hafengeburtstag gefeiert wurde und die großen und bekannten Schiffe in diesen Tagen wieder Richtung Meer fahren. Schnell hatte ich eine App herunter geladen, die uns sagte, wann welches Schiff in Drochtensen vorbei kam. Es machte richtig Spaß, am Sandstrand zu sitzen und die tollen Schiffe vorbei ziehen zu sehen. Wirklich vorstellen kann man sich die Dimension nicht, wenn man noch keine Kreuzfahrt gemacht hat.. …So eine Kreuzfahrt machen wir auch einmal, das war eine Idee, die hier entstand.

Weil es wirklich ein wunderschöner Platz dort war, verlängerten wir um einen Tag. Erwähnte ich schon, dass man mit dem Wohnmobil sehr viel Freiheit genießen kann? Das war wieder so ein besonderer Augenblick der Freiheit.

wirklich an der Elbe
… das ist wirklich an der Elbe!

Die Freiheit hat aber auch ihre Grenzen, nämlich dann, wenn man sich verabredet hat oder auf eine Feier eingeladen ist…

Bremerhaven

Wir fuhren weiter nach Bremerhaven und kamen gerade dazu, als der Platzwart des Stellplatzes „An der Doppelschleuse“ eine Hafenrundfahrt mit einem Bus bewarb. Diese Gelegenheit nahmen wir natürlich wahr und waren extrem beeindruckt, von der Größe und Logistik des Hafengeländes. Fotografieren war leider verboten. So viele Informationen über Schiffe, Verlademöglichkeiten und Abläufe innerhalb dieses Unternehmens erschlugen uns fast. Deshalb vertrödelten wir den restlichen Tag gemütlich am Wohnmobil und sortierten die Eindrücke in uns.

Der Stellplatz an der Doppelschleuse ist für sich eigentlich schon ein Abenteuer und die Funktion der Doppelschleuse ließ uns staunen. Wir kommen wieder, das war uns klar. Zumal Bremerhaven sehr viel mehr zu bieten hat!

Stellplatz Alte Schleuse in Bremerhaven
vom Stellplatz in Bremerhaven ist alles Sehenswerte fußläufig zu erreichen

Bad Zwischenahn

Zunächst mussten wir allerdings weiter nach Bad Zwischenahn – übrigens auch eine Reise wert! Als Ruheständlerin waren ich und mein Mann von meinem ehemaligen Arbeitgeber zum 30-jährigen Firmenjubiläum eingeladen. Das Wohnmobil parkten wir auf dem Hotelparkplatz und zogen für zwei Nächte in ein tolles Hotel. Ja, das Hotel war toll, aber geschlafen hätte ich im Wohnmobil besser und es wurde mir wieder ein fast vergessener Grund klar, warum wir –auch- ein Wohnmobil haben: ich kann in einem anderen Bett in der ersten Nacht nicht schlafen.

Es war schön, die alten Kollegen (nee, die ehemaligen Kollegen, denn eigentlich bin ich ja die Alte) wieder zu sehen und eine gute Zeit miteinander zu erleben.

Ein besonders schönes Geschenk ist in unserer Erinnerung: ein Gutschein zum Ruhestand von zwei Kolleginnen die Helmut und mich in den „Park der Gärten“ in Bad Zwischenahn einluden. Sie verwöhnten uns mit leckerem Sekt und Häppchen und machten den ohnehin wunderschönen Park zu einem ganz besonderen, unvergesslichen Erlebnis.

Auf dem Heimweg gab es wieder eine Möglichkeit, Verwandtschaft zu besuchen und am nächsten Morgen traten wir sehr dankbar den restlichen Heimweg an. Dankbar für die tolle Zeit, die vielen Eindrücke und dafür, dass wir so ein tolles Leben überhaupt führen können.

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2019.04. Startschwierigkeiten

Bad Bergzabern

Endlich konnten wir Ende März den Frühling spüren und die Reiselust wollte ausgelebt werden. Als erste Tour nahmen wir uns einen kleinen Abstecher nach Bad Bergzabern vor, um uns wieder mit der Technik und dem Handling unseres Wohnmobils vertraut zu machen. Total happy saßen wir wie die Könige in unserem fahrbaren Zuhause und freuten uns auf ein schönes Wochenende.

Wasser im Wohnmobil

Am Stellplatz angekommen wollten wir zunächst Wasser auffüllen. Ordentlich wie wir sind, wurde zunächst in der Bedienungsanleitung geschaut, was alles nach dem Womo-Winterschlaf zu erledigen ist und nach diesen anweisungen gingen wir vor. Ein Plätschern unter dem Wohnmobil ließ uns aufhorchen. Na toll, da lief das Wasser gerade wieder heraus – aber an einer anderen Stelle, wo wir es einfüllten. Erfahrene Camper werden jetzt grinsen – ja dieser Fehler ist vermutlich jedem am Anfang passiert – wir wollten ihn auch nicht auslassen. Der Warmwasserboiler muss geschlossen und verriegelt werden, sonst läuft das Wasser eben wieder heraus. Das wissen wir aber erst seit jenem Tag.

Zunächst sind wir ganz entspannt nochmal Schritt für Schritt vorgegangen – mit dem gleichen Ergebnis. Nachdem uns zum dritten oder vierten Mal das Wasser unter dem Wohnmobil herausgelaufen war – und zwar restlos, wurden wir doch nervös. Wir fragten den einen und anderen Camper auf dem Stellplatz und bekamen abenteuerliche Vorschläge. Wir hatten zwar keine Ahnung, wussten aber im Hinterkopf, dass es eigentlich einfach sein muss.

So langsam wurde es dunkel und wir überlegten, wie wir weiter vorgehen. Wir beschlossen, dass eine Katzenwäsche aus dem mitgenommenen Trinkwasserkanister reichen musste und wir am anderen Morgen direkt zu unserem Händler fahren würden. Trotzdem war es schön, sich wieder im kuschelig engen Wohnmobil zu bewegen und wir verbrachten einen gemütlichen Abend. Am anderen Morgen machten wir uns zeitnah auf dem Weg. Bei unserem Händler war nur ein Mitarbeiter anwesend, der sich nur mäßig mit Wohnmobilen auskannte (es ist eine Fiat Werkstatt, die auch Wohnmobile verkauft). Diesen Kniff wusste er aber gottseidank und zeigte uns in welche Richtung man den Warmwasserboiler verschließt und mit welchem Knopf man den Boiler verriegelt. Tststs – so einfach…. Es klebt seitdem in der Bedienungsanleitung ein Zettel mit dieser Information.

Der Mitarbeiter war so nett, mit uns gemeinsam die nächsten Schritte zu gehen: Wasser einzufüllen und die Wasserhähne zu öffnen, damit die Pumpe die Leitungen füllen kann. Während wir ganz erleichtert waren und uns bei ihm bedankten, bemerkten wir, dass am Fußboden Wasser aus der Wand lief, hinter der sich das Bad befindet. Hääh, was ist das denn??? Der Mitarbeiter schaltete schnell: da muss die Armatur der Dusche defekt sein. Och manno, dass es so ist wie es ist – und gottseidank ist das gleich vor Ort bemerkt worden. Wir vereinbarten zeitnah einen Termin zur Reparatur.

Stellplatz Schwetzingen

Der nächste Ausflug führte uns zunächst auf den Stellplatz in Schwetzingen. Wir hatten am anderen Morgen ein ADAC-Sicherheitstraining mit dem Wohnmobil gebucht und wollten ausgeschlafen vor Ort sein.

Ich denke, wir sollten diesen Wunsch nicht mehr haben, denn irgendwie erfüllt er sich selten. Der Stellplatz in Schwetzingen liegt bei verschiedenen Einkaufsmärkten und die bekommen nachts Ware. Die Mitarbeiter, die Waren anliefern machen ihren Job und nehmen keine Rücksicht auf evtl. schlafen wollende Wohnmobilisten. Keine Ahnung, ob wir nur Pech hatten oder ob das dort immer so ist – wir waren dort seitdem nicht mehr. Trotz unruhiger Nacht waren wir gespannt darauf, was der neue Tag so bringen sollte.

ADAC-Sicherheitstraining

Ein ADAC-Sicherheitstraining können wir wirklich sehr empfehlen. Zunächst wurden die Wohnmobile inspiziert. Ein Wohnmobil durfte gar nicht teilnehmen, weil die Reifen zu alt waren. Der Trainer hatte Sorge, dass bei den Bremsmanövern die Reifen platzen. Die Geschichte dahinter ist nicht schön. Die Eltern der Teilnehmerin hatten dieses Wohnmobil gebraucht gekauft und diese Reifen waren drauf. Vom Profil her noch ok, aber der Fachmann erkannte sie als uralt und porös.

Der Trainer schaute sich auch die Garagen und die Schränke in den Wohnmobilen an. Wurde alles so verpackt und verstaut, dass nichts zum gefährlichen Flugobjekt werden kann? Auch hier mussten ein paar Teilnehmer während des Sicherheitstrainings einige Sachen am Rand der Anlage parken. Immer wieder hatten wir ein paar theoretische Einlagen, bei denen uns anschaulich erklärt wurde, wie die Schwerkraft funktioniert und warum alles ordentlich verstaut werden soll. Ich will nur am Rande erwähnen, dass wir und unser Wohnmobil keinen Grund zur Beanstandung gegeben haben… *lach.

ADAC Sicherheitstraining
Gute Erklärungen beim Sicherheitstraining für Wohnmobile und Wohnwagen-Gespanne

Der praktische Teil war abenteuerlich und Helmuts größte Herausforderung war, eine Vollbremsung zu machen. Ich hatte mit dem PKW schon einmal ein Sicherheitstraining absolviert und hatte damals genau die gleiche Thematik – übrigens haben das wohl die meisten Teilnehmer. Auf alle Fälle machte es einen riesigen Spaß!

Erholung

Zur Erholung nach diesem Tag gönnten wir uns noch einen Tag in der Therme in Schönborn. Da ist ein schöner Stellplatz dabei und unsere kleine Welt war sehr in Ordnung.

Ende April lösten wir einen Gutschein bei einem Enkel ein. Wir verschenken Gutscheine zum Geburtstag: einen Ausflug mit dem Wohnmobil mit Übernachtung – sofern sie das wollen natürlich. Da wir aufgrund Patchwork eine stattliche Anzahl von Enkeln haben, ist das ein schönes Geschenk für die Kinder. Wir nehmen sie übrigens nur einzeln und erst ab einem Alter von 6 Jahren mit. So haben wir alle etwas davon.

Lindenfels im Odenwald

Wir besuchten einen Campingplatz in Lindenfels im Odenwald. Nach einem Rundgang auf dem Campingplatz planten wir, gemütlich das Abendbrot vorbereiten.

Campingplatz Lindenfels im Odenwald
Lindenfels im Odenwald

Es zogen jedoch ziemlich rasch dunkle Gewitterwolken auf und Helmut entschied, noch schnell vor dem Essen duschen zu gehen. Er schaffte es nicht mehr, vor dem Gewitter das Wohnmobil zu erreichen. Es platschte ein sehr heftiges Gewitter hernieder. Im Wohnmobil konnte man sein eigenes Wort nicht verstehen, weil der Regen so sehr drauf prasselte. Der Enkel saß mit großen Augen auf seinem Lieblingssitz und wusste nicht genau, ob er meine Begeisterung teilen oder Angst haben sollte. Helmut kam erst wieder, als der Regen nachließ und dann war der Kleine wieder entspannter. Wir hatten trotzdem einen schönen Abend und das Abenteuer Schlafen im Wohnmobil gefiel ihm sehr gut. Am anderen Tag brachten wir ein beeindrucktes Kerlchen nach Hause zurück. 

Für den Mai war die nächste größere Tour geplant und wir genossen die Vorfreude und die Planung und malten uns schon schöne Bilder in die Köpfe …

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2018 – Erste Erfahrungen mit dem neuen Wohnmobil

Praktische Planung

Welche Freude, welche Freude, unser Wohnmobil stand endlich vor dem Haus. Wer uns bisher gefolgt ist, hat sicher schon bemerkt, dass wir Planer sind. Einen genauen Plan hatten wir natürlich auch in Sachen Zubehör kaufen. Unsere erste Tour sollte uns nach Holland zum großen O führen. Für alle Nichtcamper zur Erklärung: das große O ist ein riesiges Fachgeschäft für Campingzubehör mit Namen Obelink. Selbst wenn man nichts mehr braucht, findet man dort immer noch etwas, was unverzichtbar ist. Man kann es mit IKEA für Camper vergleichen. Wir hatten uns eingelesen und online Preisvergleiche gemacht. Obelink wurde in verschiedenen Facebook Gruppen lobend erwähnt und wir beschlossen, dort einen Großeinkauf zu machen.

Da Familie in der Mitte Deutschlands wohnte und die Einschulung eines Enkels anstand, wurde die Route so geplant, dass wir dort einen Stopp einlegen konnten. Mit Wohnmobil ist man ja sehr flexibel.

Wir packten das Nötigste zusammen und los ging die Fahrt. Die erste Nacht wollten wir noch ohne Familie und Verpflichtungen verbringen und steuerten einen Stellplatz oberhalb von Kassel an. Kabel, Wasserschlauch und ähnliches hatten wir noch nicht. Strom brauchten wir nicht, da wir Solarzellen und einen Wechselrichter einbauen ließen. Wir waren so stolz und beobachteten vom Wohnmobil aus das Kommen und Gehen der anderen Wohnmobilisten. Da der Stellplatz nahe der Autobahn lag, war er am späteren Abend ziemlich voll. Uns interessierte nahezu alles, was wir sehen konnten.

Merke: überlege, wo du gedenkst zu schlafen

Zur Schlafenszeit erkannten wir den Fehler im System. Der Stellplatz lag nicht nur nahe an der Autobahn, sondern zu nahe an einem Autobahn Zubringer. Jedes Auto und jeder LKW musste abbremsen und dann wieder beschleunigen. Mit einem gleichmäßigen Lärmpegel hätten wir uns anfreunden können, aber das unregelmäßige und doch beständige Quietschen der Bremsen und Aufheulen der Motoren raubte uns den Schlaf. Mit dem Wissen, etwas Wertvolles gelernt zu haben fuhren wir am nächsten Morgen ziemlich gerädert Richtung Enkel-Einschulung. Dort verbrachten wir einen schönen Tag mit unseren Lieben und zeigten stolz das Ergebnis der Planungen der letzten Jahre.

Aasee

Am nächsten Morgen fuhren wir weiter Richtung Holland. Da man ja mit dem Wohnmobil sehr flexibel ist – ich erwähnte es bereits – machten wir wieder einen Stopp für eine Nacht am Aasee bei Ibbenbüren. Ein sehr schöner Platz an einem See. So langsam wuchs der Wunsch: wir wollen auch Stühle und einen Tisch usw. haben und vor dem Wohnmobil sitzen und freuten uns auf Obelink. Der endlich für den nächsten Tag geplant war.

Großeinkauf

Obelink hielt alles, was versprochen und geschrieben wurde. Wir fanden, was wir benötigten und sogar noch vieles mehr. Das Klappern von Glas und Porzellan während der Fahrt ist ein unschönes Geräusch. Unsere Gläser und Tassen sind nun eingebettet in Schaumstoff mit genau passenden Ausschnitten. Die Teller (von IKEA) werden durch kleine Schutzschoner voneinander getrennt. Einen Tisch mit 4 verstellbaren Füßen haben wir gefunden. Das ist praktisch, wenn der Boden uneben ist. Wir kauften Stühle, Wasserschlauch, Stromkabel, Anschlüsse, Gießkanne mit Schraubdeckel auch am Ausgießer (die hatten wir am Vorabend bei einem Nachbarn gesehen), Auffahrkeile, Gasgrill, Außenteppich, Kabel mit Stecker uvm.

Besitzen heißt nicht unbedingt beherrschen

Völlig platt fuhren wir abends auf einen sehr netten Campingplatz Het Winkel in Winterswijk und probierten unsere Einkäufe aus. Das war gar nicht so einfach und ein netter Campingnachbar zeigte uns, wie man z. B. den Stromanschluss richtig bedient. Da kommt noch viel zu Lernen auf uns zu, das war uns klar.

Am nächsten Morgen fuhren wir Richtung Heimat. In der Nähe von Köln und in Bingen am Rhein machten wir noch je eine Nacht Pause.

2018 Rhein 1

Gernsbach – und wieder alles umräumen

Gleich ein paar Tage später fuhren wir knapp 30 km auf einen Stellplatz in Gernsbach um mit Ruhe alles auszuprobieren und ein- und umzuräumen. Aus- und Einräumen sollte uns noch eine Weile begleiten. Bis alles seinen gut erreichbaren und sinnvollen Platz hatte, bedurfte es schon einige Zeit des Probierens und es gab immer wieder eine Möglichkeit des Optimierens.

d. u. heißt dauernd unterwegs

Viel Zeit verbrachten wir nicht zu Hause. Wir waren in Bensheim zu einer Feier eingeladen und verlängerten die Anreise und Abreise um je einen Tag. Im Hotel fragten wir an, ob wir die Nacht nach der Feier auf dem Parkplatz übernachten dürften, was uns gerne zugesagt wurde. Lustig waren die neugierigen Blicke der anderen Parkplatzbenutzer.

Nachdem wir ein wenig Sicherheit hatten, trauten wir uns, eine etwas weitere Reise zu unternehmen. Es sollte Richtung Bayern gehen. Auf dem Weg planten wir einen Stopp bei der Firma Bike Holder ein. Die haben Befestigungen für Fahrräder in der Garage des Wohnmobils, die sehr gut in unsere Ordnung passten, wenig Platz wegnehmen und praktisch im Handling sind. Die sehr freundliche Beratung und Bedienung der Firmeninhaberin hat uns gefreut. So konnten wir wieder ein Stück von unserer ToDo-Liste streichen.

Niederbayern

Wir landeten auf dem Campingplatz Bayerbach und blieben dort für ein paar Tage. Wenn man die Vorzüge dort nutzt, ist es durchaus eine Option ab und zu einen Campingplatz zu besuchen. Auf dem Campingplatz Bayerbach gibt es Sauna, Thermalbad, Gastronomie – alles sehr schön und gemütlich. Mit dem Fahrrad kann man herrliche Touren unternehmen. Bad Birnbach ist nicht weit. Ein liebenswerter kleiner Kurort mit dem ersten autonomen Bus Deutschlands. Zu Fuß ist man zwar schneller unterwegs, aber trotzdem war es nett, einmal mit zu fahren. Auf dem Heimweg machten wir noch einen Schlenker zu einem ehemaligen Kollegen und zu Verwandtschaft und freuten uns über die Flexibilität unseres neuen Lebens.

Pfalz zur Weinlese

Zur Weinlesezeit sollte man einen Besuch in der Pfalz auf einem Weingut machen, meinten wir. Was wir nicht bedachten war, dass diese Idee viele Menschen mit Wohnmobil haben. Das Ziel unserer Reise sollte ein Stellplatz in St. Martin sein. Freunde hatten sich dort schon vor längerer Zeit einen Platz reserviert. Stellplätze reservieren entspricht nicht unserer Idee von der Freiheit des Wohnmobil-Reisens. Also sind wir ohne Reservierung dort hingekommen. Tja – alles war voll, aber es gab einen Ausweichplatz am Friedhof. Ok, auch eine Erfahrung. Da wir mit den Freunden einen netten Tag verbringen wollten und zu Friedhof und Tod ein abgeklärtes Verhältnis haben, sagten wir zu und bereuten es nicht

Weintrauben
Weinlese

Das Getümmel mit den vielen Touristen in der Weingegend war uns am nächsten Tag dann aber doch zu viel und wir zogen weiter nach Germersheim auf einen Stellplatz. Dort konnten wir bei herrlichem Wetter radeln und machten eine ausgiebige Radtour nach Speyer und zurück.

Therme in Bad Rotenfels

Thermenbesuche mit dem Wohnmobil, auch davon hatten wir gelesen und konnten uns das gut vorstellen. Einen Versuch machten wir in Bad Rotenfels und fanden es richtig gut. Man kann im Bademantel über den Parkplatz gehen und muss hinterher nicht lange nach Hause fahren.

EuraMobils Geburtsstätte

Eine letzte Tour im Jahr 2018 führte uns zur Geburtsstätte unseres Wohnmobils: zu EURA in Sprendlingen. Es war während einer Besichtigung sehr spannend zu sehen, wie ein Wohnmobil entsteht. Die Transparenz der einzelnen Bauabschnitte hat uns wirklich begeistert und wir waren wieder einmal sicher, für uns die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Wohnmobil Innenleben

Rhein geht immer

Da uns der Stellplatz in Bingen am Rhein sehr gut gefallen hatte, verbrachten wir dort auch noch ein paar Tage. Die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung sind dort unendlich. Wir fuhren mit der Fähre über den Rhein und dann mit dem Fahrrad zum Niederwalddenkmal hinauf. Ein wunderschöner unvergesslicher Ausflug!

Niederwalddenkmal

Am nächsten Tag radelten wir den Rhein entlang und genossen wunderschöne Landschaften. Den letzten Abend verbrachten wir mit Freunden bei leckerem Essen in einem Weingut.

Winter kommt

Termine und das Wetter ließen uns dieses aufregende erste Wohnmobiljahr gegen Ende Oktober 2018 beenden. Wenn es draußen nasskalt wird, mögen wir dann doch lieber in unserem festen Zuhause sein.

Ordentlich lasen wir die Gebrauchsanleitung, wie man ein Wohnmobil winterfest macht und gingen Schritt für Schritt vor, alles umzusetzen.

Im Winter machten wir ab und zu einen Spaziergang zum Abstellplatz unseres Wohnmobils, ließen eine Weile den Motor laufen und träumten vom Frühjahr und neuen Abenteuern.

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2010 ein Traum beginnt: wir kaufen ein Wohnmobil

Träume

Schon oft schaute ich den vorbeifahrenden Wohnmobilen nach und träumte, dass es bestimmt ein schönes, freies Gefühl ist, in so einem Ungetüm Urlaub zu machen. Ich verspürte immer mehr den Wunsch, dieses einmal zu erleben. Familieninterne Vorschläge stießen bei meinem Mann zunächst auf blankes Entsetzen: „so ein Zigeunerleben ist gar nichts für mich….“ war sein Kommentar dazu. Wie wir Frauen halt so sind, brachte ich dieses Thema immer wieder ins Gespräch und nach langer Zeit (Jahren) gab er nach, allerdings unter der Bedingung: „Nur kurz! Auf keinen Fall eine ganze Woche lang!“

… Kompromiss mit Folgen

Ok, ich nenne so etwas Kompromiss und suchte nach einem Vermieter von Wohnmobilen, der diese für einen Zeitraum von 3 Tagen vermietete (normalerweise wird wochenweise vermietet). Endlich hatte meine Suche Erfolg und wir konnten im Juli 2010 einen allerersten Trip mit einem kleinen Camper Van, dessen Fabrikat ich nicht mehr weiß, machen und das heiß ersehnte Freiheitsgefühl genießen. Sorgfältig plante ich eine kleine Route, die gar nicht weit entfernt von uns war.

Nach der Einweisung durch den Vermieter in die Technik des Wohnmobiles hatten wir eigentlich mehr Fragen als Antworten, denn wir hatten wirklich keine Ahnung, was alles in einem Camperleben normal ist. Trotzdem wurde frohen Mutes gepackt – wir bekommen das schon hin – und los ging´s.

Am schönen Rhein

Einen kleinen Parkplatz direkt am Rhein hatte ich mir auf der Landkarte ausgesucht und das Abendessen zu Hause schon ein wenig vorbereitet. Hach, wie stellte ich mir das sooo romantisch vor: Vater Rhein zieht gemächlich an uns vorüber und freut sich über so viel Idylle, die Sonne geht unter, wir sitzen vor dem Camper und genießen den Abend und der Weg ins eigene Bett ist auch nicht weit… ja, so stellte ich mir das vor.

Einiges davon erfüllte sich auch, denn Vater Rhein zog gemächlich an uns vorüber, die Sonne ging auch unter, aber unzählige Schnaken fanden diesen Platz und uns ebenfalls ganz idyllisch… Ganz ohne Übung hatten wir ruckzuck alles eingepackt und ergriffen die Flucht. Mit viel Durchzug versuchten wir während der Fahrt die meisten Schnaken zur Freiheit zu animieren – der Rest hat es nicht überlebt…

Erste Nacht „wildcampen“

Auf einem öffentlichen Parkplatz mitten in einem kleinen Ort in der Nähe (weit weg vom Wasser) fanden wir ein Plätzchen und legten uns nach diesen Aufregungen zur Ruhe. An erholsamen Schlaf war nicht wirklich zu denken, denn der ungewöhnliche Schlafplatz ließ uns immer wieder hoch schrecken und aus dem Fenster schauen um zu sehen, was denn draußen vor sich ging (nichts Besonderes eigentlich). Ein großer Vorteil war: direkt um die Ecke war ein Bäcker und Helmut holte morgens sehr früh frische Brötchen. Damit war der Traum von Freiheit wieder etwas realistischer geworden und wir konnten uns köstlich über die Aktion vom Vorabend amüsieren. Gottseidank auch mein lieber Mann!

2 Biere
Das haben wir uns verdient

Stellplatz in der Ortenau und Abenteuer

Für den zweiten Tag nahmen wir uns vor ein wenig durch die Gegend der Ortenau zu fahren. Bodersweier und Endingen waren nette kleine Ortschaften. Das Wetter war herrlich und wir genossen den Tag und die Unabhängigkeit. Wir sahen ein Schild am Straßenrand mit dem Hinweis auf eine schöne Aussicht und schon bogen wir ab. Die Strecke führte durch die Weinberge auf eine Anhöhe. Wir stellten das Wohnmobil ab, kochten Kaffee, stellten Stühle raus und waren einfach nur happy. Gegen Abend fuhren wir weiter und überlegten, wo wir die kommende Nacht verbringen wollten. Ohne Schnaken, ruhig und sicher sollte es sein. Ich hatte über sogenannte „Stellplätze“ gelesen und siehe da, ein kleines Schild mit einem schwarzen Wohnmobil drauf schien auf so einen Stellplatz hinzuweisen.

Der „Womopark Ortenau“ war ein herrlicher Platz, ganz neu hergerichtet und wir die einzigen Urlauber dort. Das gefiel uns sehr. Wieder freuten wir uns auf einen gemütlichen Abend und machten nach dem Essen noch einen Spaziergang über die Wiesen. Ganz in der Nähe war ein See – wir waren ganz überwältigt von der Schönheit der Natur und der Situation. In der Dämmerung schlenderten wir gemütlich über die Wiese zurück zum Wohnmobil als auf einmal von überall her große schwarze Brummtiere flogen. Der geneigte Leser wird es bereits erkannt haben: wir sind nicht so auf Tiere eingestellt… Es sah so aus, als ob sie aus der Erde kamen. Erdhummeln? Keine Ahnung! Wir spurteten die letzten 100 Meter zum Wohnmobil um dieses für uns ungewöhnliche Naturschauspiel von drinnen zu beobachten. Mittlerweile war noch ein weiteres Wohnmobil angekommen und wir fühlten uns sicher und einer ungestörten Nachtruhe stand nichts im Wege – theoretisch – denn es war tagsüber und auch nachts sehr warm. Aus Angst vor Schnaken und sonstigem Getier trauten wir uns kaum die Fenster zu öffnen und waren am anderen Morgen ziemlich gerädert.

Campingplatz Riegel

Da unser Wohnmobil keine Dusche hatte (meinten wir) nahmen wir uns vor, für die dritte und letzte Nacht auf alle Fälle einen Campingplatz anzufahren.

Dafür gab es noch einen weiteren Grund: am Abend gab es ein – für manche Menschen – wichtiges Fußballspiel und da wir keinen Fernseher hatten, war auf einem Campingplatz die Wahrscheinlichkeit am größten, dieses Spiel anschauen zu können. In der Nähe von Riegel fanden wir einen Campingplatz. Eine ausgiebige Dusche war sehr wohltuend und das Fußballspiel erfreute die Fußballfans. Mir genügte die Information, dass eine der beiden Mannschaften gewonnen hat. Wir genossen die Vorzüge eines Campingplatzes und machten uns nach einer erholsamen Nacht gemütlich wieder auf den Heimweg.

Eis und Espresso

Abschlussbesprechung

Wohnmobil komplett ausräumen und putzen ging recht zügig und mit glänzenden Augen brachten wir das lieb gewordene Gefährt dem Händler zurück. Als einzige „Reklamation“ hatten wir den Umstand der fehlenden Dusche anzubringen. Im Vorteil ist, wer bei der Einweisung gut aufpasst, denn durch das Badfenster hätte man den Wasserhahn herausgeben können und hätte eine Außendusche gehabt. Hätte hätte Fahrradkette… nächstes Mal wissen wir Bescheid!

Die Folgen dieser kleinen Tour

Nächstes Mal? Ja, diese 3 Tage Wohnmobil-Urlaub sollen nicht die letzten gewesen sein. Helmut und ich waren komplett im Wohnmobilfieber. Noch Jahre später schwärmten wir von diesen 3 Tagen Urlaub. Die Vernunft sagte uns allerdings, dass in unserer damaligen Lebenssituation die Anschaffung eines eigenen Wohnmobils unsinnig war. Ein Plan für den Ruhestand war allerdings gemacht!

Diverse Lebensumstände ließen das Thema Wohnmobil in den Hintergrund treten, aber nie aus den Augen verlieren. Im Jahr 2015 war ein Ende des Arbeitslebens absehbar und wir schauten uns auf der CMT in Stuttgart erstmalig um. Wir wurden komplett von der Vielfalt der Modelle, Größen und Möglichkeiten erschlagen.

Stück für Stück

Um die Thematik aktuell und präsent zu haben, mieteten wir im Sommer 2015 nochmal ein Wohnmobil. Die Wahl fiel auf einen mit Alkoven und Stockbetten im Heck.

Wir nahmen ein paar Tage einen Enkel mit und vergessen niemals die großen Augen, als er vor dem Wohnmobil stand und wusste, dass er mitfahren darf. Ziel war dieses Mal die Gegend im Sauerland rund um den Biggesee und natürlich auch am Biggesee. Sehr bewusst schauten wir darauf, wie Schränke eingeteilt waren, wie wir die Schlafsituation empfanden usw. und verglichen alles mit den Eindrücken der verschiedenen Modelle, die wir auf der CMT gesehen hatten.

Es gibt diverse Untersuchungen, die darüber berichten, dass die meisten Wohnmobilisten sich mindestens 2 Wohnmobile im Leben kaufen: das Erste unter dem Gesichtspunkt Preis und „das reicht uns schon“ und das Zweite dann nach ihren Wünschen und Bedürfnissen. Wir wollten den ersten Schritt überspringen und uns sehr genau vorbereiten. Deshalb hatten wir verschiedene Vorgaben: Helmut wollte auf keinen Fall ein Fahrzeug, das länger als 6 Meter ist und preislich war natürlich auch eine Grenze gesetzt. Ein Sitz neben dem Eingang stand auch auf dem Wunschzettel, ebenso eine große Garage, die 2 Fahrräder fasst.

Betten

Im Alkoven schliefen wir erstaunlicherweise sehr gut. Die Tatsache, dass wir das Wohnmobil lange Zeit fahren wollen und wir nicht wissen, wie sich unser Gesundheitszustand entwickelt, ließ uns aber trotzdem davon abrücken. Die Leiter hoch und wieder runter zu klettern stellten wir uns im Alter beschwerlich und gefährlich vor. Die Querbetten waren uns zu schmal. Auf 1,40 m Breite können wir nicht schlafen. Ich bin eine unruhige Schläferin und hätte ständig die Sorge, Helmut in seinem Schlaf zu stören. So lief es immer mehr auf Längsbetten heraus. Die Länge der Betten fordern ihren Tribut: das Fahrzeug wird länger als man vorher plant.

Die Erkenntnisse verdichten sich

Eine weitere Vorgabe war, dass es keine Stufen (außer die zum Bett) geben sollte. Meine erste Besichtigung auf der CMT in einem Wohnmobil hätte blöd enden können, denn ich stolperte über eine solche Stufe, die mitten im Gang war. Der Händler erklärte mir, dass die Versorgungsleitungen irgendwo hin müssen und ich frage mich, wie andere Fabrikate das ohne solche Stolperfallen hinbekommen.

Die CMT 2016 besuchten wir schon mit einem konkreten Plan. Wir hatten uns im Vorfeld über verschiedene Gruppen bei Facebook, über die Fachzeitung Promobil und bei Besuchen anlässlich „Tagen der offenen Tür“ bei verschiedenen Händlern informiert. Trotzdem war es sehr schwierig eine Auswahl zu treffen. Erste Gespräch über Zubehör und Preise wurden geführt. Echte Preisvergleiche waren nicht möglich, da jedes Fabrikat andere Zubehörpakete verkauft.

Das Thema Wohnmobil wurde zum bestimmenden Thema in unserem Leben. Wir nutzen jede Gelegenheit uns zu informieren und die Hinweise auf uns und unsere Gewohnheiten und Wünsche zu übertragen.

Letztendlich entstand eine Checkliste, mit unseren Wünschen und mit dieser Checkliste gingen wir im Januar 2018 auf der CMT zu den favorisierten Händlern. So konnten wir blumige Werbegespräche und undurchsichtige Angebote entzerren und auf unsere Wünsche herunter brechen. Das gefiel nicht jedem Händler!

Entscheidung

Im Jahr 2017 sollte eine Entscheidung fallen, da ab 2018 endlich der Ruhestand winkte. Der Kreis der in Frage kommenden Womos wurde durch unser Vorgehen auf der CMT kleiner und wir konzentrierten uns nur noch auf Eura Mobil und Sunlight. Eigentlich war unser Favorit der preislich interessantere Sunlight. Aufgrund der Unmenge von Informationen ist uns allerdings ein Denkfehler unterlaufen: der Sitz neben dem Eingang war nur in dem Modell verbaut, das 7,40 Meter lang war. Diese Länge wollten wir definitiv nicht und so blieb „nur“ noch Eura Mobil Profilia T 695 EB übrig.

Unser Wohnmobil
Endlich… unser Wohnmobil

Nun stand noch die Frage im Raum, welcher Händler in Frage kommen könnte. Nachdem wir auch hier eine Auswahl nach dem Prinzip der Checkliste trafen, entschieden wir uns für einen Händler in der Nähe. Sehr häufig hatten wir in Sachen Reklamationen und Garantiearbeiten von umständlichen Aktionen gehört und gelesen, weil die Händler zu weit weg waren. Unser Händler war zwar ca. 500 € teurer aber eben in der Nähe bzw. im Umkreis von 40 km und er hat auch noch den Vorteil, parallel eine Fiat-Werkstatt zu betreiben. Das bedeutet, eine Anlaufstelle zu haben, egal ob mit dem Motor oder mit dem Wohnmobil Probleme auftauchen. 

Unsere anfänglichen Vorgaben bezüglich Größe und Preis konnten wir nicht realisieren. Als ich diese Zeilen schrieb, begann bereits die 5. Saison mit unserem eigenen Wohnmobil und wir sagen beide: für uns haben wir alles richtig gemacht.

Im November 2017 unterschrieben wir den Vertrag mit Liefertermin August 2018. Ein Traum, der im Juli 2010 begann, erfüllte sich endlich.

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2019.03. Irland

Erste Pauschalreise im Leben

Unser erster großer Schritt aus der normalen, uns bisher bekannten Urlaubswelt war eine Reise nach Irland.

Ich wehrte mich bis dato vehement gegen sog. „Rudel-Reisen“. Wollte ich doch gerne individuell ein Land erkunden und Landschaften und Leute kennen lernen. Mein holder Gatte fand in einem Prospekt eine Rundreise/Pauschalreise durch Irland und war total begeistert. Nach anfänglichem Knurren und Zögern gab ich nach und wir buchten – und – ich muss es ehrlich gestehen – ich freute mich auch drauf!

Über Irland wussten wir nicht viel. Der Begriff „die grüne Insel“ und die Aussage, dass es dort viel regnet war eigentlich alles…

Der Flug verlief problemlos und am Flughafen Dublin wurden wir von unserem Reiseleiter Peter in Empfang genommen. Es wirkt schon abenteuerlich, wenn man noch nie am Linksverkehr teilgenommen hat. Wir waren selbst als Fußgänger hoch konzentriert. In Deutschland lehrt man schon den Kindern wenn sie die Straße überqueren: „schau links, schau rechts“. Bei Linksverkehr heißt das genau umgekehrt.

Ankunft am Saint Patricks Day

Was wir nicht wussten war, dass der 17.03. – unser Ankunftstag – in Irland Nationalfeiertag ist, nämlich Saint Patricks Day.

Was wir auch nicht wussten war, dass dieser Tag sehr gefeiert wird.

Und was wir auch nicht wussten war, wie die Iren feiern.

Für alle, die das auch nicht wissen hier eine kleine Beschreibung. Die Iren feiern den Namenstag des Nationalheiligen und Schutzpatrons der Grünen Insel. Die alles bestimmende Farbe ist grün. Die Kleidung, Hüte, Deko – egal was einem da einfällt ist grün. Die Farbe Grün hat in diesem Fall Symbolcharakter.

Cliffs of Moher
Cliffs of Moher

Da ich auch gerne feiere, lies ich mich gerne von der fröhlichen Stimmung anstecken und wir staunten über alles Fremde und darüber, was es so alles gibt, obwohl es gar nicht weit weg von zu Hause ist. Straßenumzüge fanden statt, vergleichbar mit Fastnachtsumzügen bei uns – nur eben in grün.

Ganz erschlagen von den vielen Eindrücken gingen wir abends ins Bett. An Schlaf war allerdings nicht zu denken, denn in Irland wird Saint Patricks Day gefeiert!!! Offensichtlich wird das auch sehr laut und sehr lange getan. Am anderen Morgen beim Frühstück saßen glückliche, grün bekleidete Iren schon oder noch im Frühstücksraum und sangen fröhliche Lieder. Wir bewunderten dieses Durchhaltevermögen.

Lisdoonvarna

Ein Ausflug führte uns in das verschlafene Lisdoonvarna. Wir kamen in einem sehr ursprünglichen Hotel unter. Im ersten Moment überlegte ich, ob das ein Museum sein könnte, aber – ach du liebe Güte – das war wirklich das Hotel… Aus unserer Reisegruppe waren ein paar Teilnehmer ganz entzückt, dass wir so original irisch nächtigen durften. Ich wollte mich nicht als Kulturbanause outen. 2 Nächte blieben wir dort. Sehr viel Plüsch, alte Bilder, schräge Treppen, vollgestopfte Räume usw. waren für mich erst auf den zweiten Blick sehr liebenswert! Ein Abend im Pub mit irischer Folklore, Ale, dem irischen Bier und Paddy, einem regionalen Whiskey rundeten diese schöne Reise in die Vergangenheit ab.

Paddy Irish Whiskey 2

Lisdoonvarna hat außer ein paar kleinen Hotels, einem Pub und einem kleinen Geschäft eigentlich nichts. Nur einmal im Jahr, im September ist dort der Bär los: das Matchmaking Festival = ein Heiratsvermittlungs-Festival. Die Idee dazu ist ein aus einer Viehversteigerung herausgewachsener Heiratsmarkt, der europaweit bekannt ist. 10.000 bis 15.000 bindungswillige Menschen treffen sich dort, feiern und schauen, ob sich vielleicht doch der Partner fürs Leben findet. Lisdoonvarna hat übrigens auch ein eigenes Lied, das uns vom Reiseleiter im Bus vorgespielt wurde und sich als extremer Ohrwurm einnistete.

Kylemore Abbey

Für den nächsten Tag konnte ein zusätzlicher Ausflug nach Kylemore Abbey gebucht werden. Da das Hotel sehr abgelegen war und man eigentlich nichts dort hätte machen können, fuhren wir mit. Insgesamt 6 Stunden Busfahrt fanden wir im Nachhinein ganz schön lang. Kylemore Abbey wurde gerade umgebaut und wir konnten dort nur ein wenig im Park spazieren gehen.

Kylemore Abbey
Kylemore-Abbey

Connemara

Sehr schön und beeindruckend war die Landschaft der Region Connemara durch die wir fuhren: weites Land mit sanften Hügeln und nach jeder Kurve sah es komplett anders aus. Das hat uns mit dem Tagesausflug versöhnt.

Einblicke in die Städte Limerick, Tralee, Burren Center, Killaney mit Muckross House, Cork und Killkenny sowie natürlich der Ring of Kerry verteilten sich auf die letzten Tage in Irland. Alles sind sehr ursprüngliche und interessante Orte und Landschaften, die einen ganz besonderen Charme haben.

Irischer Regen

Der befürchtete irische Regen hat uns nicht gestört. Man stellt sich einfach kurz unter und schon ist der Schauer wieder vorbei. Am Anfang kramten wir rasch unsere Regenjacken aus dem Rucksack und als wir sie an hatten, brauchten wir sie nicht mehr.

Kulinarik

Auch kulinarisch waren wir sehr angetan. Die irische Küche ist bodenständig und lecker. Das typische Frühstück mit Bacon, Rührei, gebratener Blut- und/oder Leberwurst, weißen Bohnen und Schweinswürstchen fanden wir gewöhnungsbedürftig aber es gab ja genügend Alternativen. Wir bekamen vom Reiseleiter wertvolle Tipps, wo lecker und typisch irisch gegessen werden konnte und waren immer hoch zufrieden.

Eindrücke einer „Rudelreise“

Meine Bedenken in Sachen „Rudel-Reisen“ waren absolut unbegründet. Jeder hatte den Freiraum, den er brauchte und die Gespräche untereinander waren inspirierend und interessant. Auch die „Geborgenheit“ innerhalb einer Gruppe sollte nicht unterschätzt werden. Wenn wir z. B. einen Spaziergang in einem der idyllischen Städtchen machten und Gruppenteilnehmer trafen, konnten wir uns gegenseitig schöne Tipps geben und die Möglichkeiten vor Ort besser ausschöpfen.

In mir steht der Wunsch, Irland einmal mit dem Wohnmobil zu bereisen und die phantastische Natur zu genießen. Das kommt im Rahmen einer Pauschalreise ein wenig zu kurz. Man bekommt allerdings durch den Reiseleiter sehr viele Informationen über Land und Leute. Das müsste man sich als Individualreisender alles anlesen, wenn es einen interessiert.

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2022 – Das kann man nicht buchen – Istanbul einmal ganz anders

Hoffungsfrohe Reisepläne

Im Mai 2021 flatterte ein Prospekt ins Haus mit einem Reisevorschlag nach Istanbul, Dubai und Abu Dhabi, der uns sofort begeisterte. Tolles Rahmenprogramm mit Besichtigung vieler Sehenswürdigkeiten, einem Ausflug in die Wüste und einem Abendessen auf einem Schiff vor der Kulisse Dubais. Ich war sofort hin und weg.

Corona war immer noch ein großes Thema, aber optimistisch wie ich bin, war ich mir sicher, dass dieses Thema immer kleiner wird und man ganz bestimmt wieder problemlos Urlaub buchen und genießen kann. Eine kleine Beruhigung war die Tatsache, dass wir in 2020 eine Barcelona-Busreise über den gleichen Reiseveranstalter gebucht hatten, die pandemiebedingt abgesagt werden musste. Unser Geld (wir hatten bereits den vollen Betrag bezahlt) bekamen wir ohne Probleme wieder zurück.

Das blöde Wort mit C

Die mentale Vorbereitung war dann doch eine Herausforderung, denn Corona war treuer als uns lieb ist. Täglich änderten sich die Regeln und wir waren auch darauf gefasst, dass die Reise abgesagt werden musste.

Letzte Informationen ergaben, dass wir mit einem negativen PCR-Test reisen können, geimpft und geboostert – versteht sich von selbst – und den Test selbst bezahlt natürlich auch. Wir mieden Kontakte noch mehr und hielten die Luft an, als die „Positiv-Meldungen“ von Kindern, Enkeln und dem einen und anderen Bekannten sich häuften.

Dienstag, der 15.02.2022 war endlich der finale Testtag und wir waren sehr froh, dass dieser PCR-Test negativ war. Nun stand einer Winterflucht und einem Ausflug in eine ganz andere Welt nichts mehr im Wege.

Donnerstag 17.02.2022

Am Reisetag waren heftige Sturmtiefs in Deutschland unterwegs. Auf dem Weg zum Flughafen hörten wir im Autoradio, dass von Stuttgart aus alle Flüge starten können. Gut!

Auf der Anzeigetafel im Flughafen sahen wir schon: Flüge nach Hamburg waren gecancelt… oje, blöd für alle Betroffenen.

Beim Einchecken ging alles zügig voran und wir schüttelten mal wieder den Kopf über die sich ständig ändernden Corona-Regeln: den PCR-Test hätten wir gar nicht mehr gebraucht….

Der Flug war recht holprig, aber wenn es weiter nichts ist, wollen wir nicht klagen. Am Flughafen in Istanbul bekamen wir die Nachricht, dass Flüge mit Gruppenteilnehmern aus Berlin und München erst spät am Abend bzw. in der Nacht ankommen und unser Programm sich an diesem Tag deshalb ändert. Für uns war es etwas dadurch entspannter. Wir aßen mit den Teilnehmern aus Düsseldorf, Köln und Frankfurt gemeinsam zu Abend, lernten uns schon etwas kennen und kamen früh ins Bett.

Die Berliner Teilnehmer erreichten um 23 Uhr in der Nacht das Hotel und die Münchner um 1.30 Uhr erfuhren wir am anderen Morgen.

Freitag 18.02.2022

Nach dem Frühstück sind wir als komplette Gruppe von 16 Personen in einen interessanten Tag gestartet: Besichtigung des Topkapi-Sultanspalast, historische Wasserzisternen mit beeindruckender Video-Animation und einem Besuch des großen Bazars.

Um 16.30 Uhr wurden alle Teilnehmer im Hotel PCR getestet. Das war für die Einreise nach Dubai am kommenden Abend nötig. Abends erlebten wir eine Dinner-Cruise auf dem Bosporus mit Folklore Darbietungen. On Top hatten wir noch eine Vollmondnacht und die Bilder mit dem vollen Mond über der Bosporus Brücke waren und sind es heute noch sehr beeindruckend. Voller Vorfreude auf einen weiteren interessanten Tag in Istanbul und dann auf Dubai gingen wir abends schlafen.

Samstag 19.02.2022

Nach dem Frühstück wurden die PCR-Ergebnisse verteilt… 3 Frauen waren leider positiv – darunter auch ich. Eine hatte eine leichte Erkältung, ich und die andere nichts.

Nun mussten rasch Entscheidungen gefällt werden: wollen die Männer nach Dubai weiterreisen? Puh, offensichtlich sind unsere Beziehungen ok – nein, sie wollten bei uns bleiben.

Wollen wir in ein Krankenhaus oder im Hotel bleiben? Auch diese Entscheidung fiel uns leicht: wir fühlen uns gut und entschieden uns für Hotel. Die Reiseleiterin sagte zu, sich wieder zu melden. Sie musste sich der Gruppe und den geplanten Tageszielen zuwenden. Wir Frauen schickten unsere Männer noch auf den Ausflug mit. Bis auf einen haben sie dieses Angebot angenommen. Wie sie später berichteten, konnten sie den Ausflug natürlich nicht genießen. Aber wenigstens waren sie etwas abgelenkt.

Das Hotel stellte im Erdgeschoß, am äußersten Ende des Hotels und des Flures 3 Doppelzimmer als Quarantänestation zur Verfügung. Das Hotel ist ein 5*Haus und die Zimmer sind geräumig, schön und sehr sauber. Auch das Essen war lecker. Nachteil war, dass unser Zimmer in Richtung einer schmalen Gasse lag und auf der anderen Straßenseite wieder mehrstöckige Häuser standen. Dadurch kam nur wenig Tageslicht in die Zimmer. Normalerweise ist man nur zum Schlafen im Zimmer, aber in unserem Fall hätten wir schon gerne etwas Himmel gesehen.

Wir räumten unsere Zimmer ein und trafen uns immer wieder auf dem Hotelflur um uns gegenseitig Mut zusprechen.

Sonntag, 20.02.2022

Die Informationen die uns erreichen über Quarantäneregeln in der Türkei waren widersprüchlich. Das einzige, was bisher sicher schien war, dass man mit positivem Test sieben Tage in Quarantäne sein muss und sich ab dem 5. Tag frei testen kann. Allerdings muss man trotzdem die sieben Tage in der Türkei bleiben.

Wir Frauen saßen viel auf dem Hotelflur und richteten uns dort „wohnlich“ ein. Wir, das sind Margit (mit Volkmar) aus der Gegend um Berlin, Marianne (mit Sepp) aus der Gegend um Cham und Monika (mit Helmut) aus der Nähe von Karlsruhe.

Die Männer machten immer wieder mal einen Erkundungsmarsch und wir Frauen spielten Rommee und erzählten uns aus unseren Leben. Schon nach kurzer Zeit waren wir uns recht vertraut. Abends bestellten wir Essen im Hotel und holten es vor der Zimmertüre ab – das war gewöhnungsbedürftig aber es gibt Schlimmeres. Anschließend saßen wir wieder im Hotelflur und erzählten uns Geschichten und desinfizierten mit Blutwurz unseren Rachen. Wieder waren wir ein gutes Team: jeder hatte etwas von Deutschland dabei: Halstabletten, Taschenmesser, Blutwurz usw. „Wir machen das Beste draus“, das war immer wieder unsere Parole.

Montag 21.02.2022

Tag 4 der Quarantäne zeigte, dass die Unsicherheit in der Situation doch an allen Nerven zerrte. Wie sind die Regeln? Wie verhalten wir uns korrekt im Hotel. Über unsere Reiseleiterin bekamen wir immer wieder Informationen, die wir nicht verstanden. Bisher gingen die Männer immer an die Rezeption und bestellten z. B. Essen für uns, das uns dann vor die Zimmertüre gestellt wurde. Das sollte nur noch telefonisch geschehen und die Männer sollten sich, außer zum Frühstück nicht im Hotel blicken lassen.

Wir versuchten Verständnis für die Situation des Hotels zu haben: sie wollen den frechen Virus nicht im Haus haben und wußten nicht, wen sie mit uns im Haus haben und wer irgendwelche Kosten übernehmen würde.

Unser Essen kam auf Plastik mit Plastikbesteck in Unmengen Alufolie eingepackt. Auf Room Service warteten wir gar nicht erst.

Marianne hatte ein längeres Telefonat mit der Reiseleiterin und wir bekamen die frohe Kunde, dass wir durch einen Hintereingang in den Hotelgarten dürfen und Teller, Besteck und Gläser gebracht bekommen. Dies haben wir täglich selbst gespült. So mußten wir wenigstens unser Obst nicht über dem Waschbecken essen und konnten ein bisschen Esskultur genießen.

wichtige Utensilien
wichtige Utensilien

Helmut und Sepp waren auf dem Markt und versorgten uns mit Obst, Tomaten, leckerem Käse usw. Auch Spüllappen haben sie gefunden! Die Spaziergänge im Hotelgarten waren eine willkommene Abwechslung. Tageslicht zu sehen und frische Luft zu atmen: welche Wohltat!! Sonderbar war es trotzdem. Wir wurden vom Wachmann des Hotels beobachtet, vermutlich um zu sehen, ob wir uns auch an die Regeln halten. Das taten wir natürlich vorbildlich!!! Der Gedanke, dass wir gar nicht mehr raus dürften, bei Missachtung der Regeln, war uns ein Graus.

So langsam wurden unsere Köpfe etwas klarer und wir stellten uns natürlich die Frage, welche Kosten kommen auf uns zu, welche Versicherung tritt ein usw. Wir besprachen auch hier einen gemeinsamen Weg, der alle Aktivitäten auf zu Hause verschob. Dort wollen wir Informationen sammeln und dann weiter entscheiden. Erst mal relativ unbeschadet aus dieser Situation heraus kommen war das Ziel. Helmut hatte die Deutsche Botschaft angeschrieben mit der Bitte, uns über die aktuellen Bestimmungen zu informieren. Hoffentlich kommt niemand wirklich in Not, denn die Deutsche Botschaft hat nie geantwortet. (Nachtrag: als wir zu Hause waren antwortete die Deutsche Botschaft und entschuldigte sich: sie sind/waren Corona bedingt personell unterbesetzt…. na sowas).

Der Reiseveranstalter meldete sich. Frau H. ist sehr nett, hörte sich unsere Sorgen an und sagte zu, sich intensiv um uns zu kümmern.. Die Bitte, doch jeden Tag kurz durchzurufen, verstand sie und verspach, das auch zu tun.

Eine besondere Art von Humor stellte sich ein: Galgenhumor. Wir machten „Frühsport“ auf unserem ca. 5 m langen Hotelgang. Die Reaktionen auf dem WhatsApp-Status mit diesem Video waren groß und viele Mutmachkommentare erreichten uns.

Das Wetter hatte sich unserer Situation angepasst: es war kalt und regnete in Strömen. Man bedenke, dass wir 2 Tage Türkei und 8 Tage Dubai gebucht hatten. Entsprechend sah die Kleidung in unseren Koffern aus. Unterhosen haben gereicht, der Rest war knapp und wir haben immer wieder mal was durchgewaschen. Ich vermisste sehr meine Wärmflasche und eine warme Jacke. Im Hotelflur saßen wir meistens im Anorak. Ja, die Heizung hat super funktioniert: eine Klimaanlage die warme Luft bläst und das 24 Stunden am Tag war allerdings nicht sehr angenehm. Wenn man sie niedriger eingestellt hatte, war es gleich zu kalt und fußkalt war es sowieso. Also legten wir uns ab und zu aufs Bett und wärmten die Füße unter der Decke.

Wenn die Männer in Istanbul unterwegs waren, kam Helmut meist mit nassen Füßen ins Hotel zurück. Dubai-Schuhe taugen nichts für Istanbuls nassen Vorfrühling. Er fand eine Stelle im Zimmer, an der das Gebläse der Heizung besonders gut ankam und trocknete dort über Nacht seine Schuhe. Es hat funktioniert und zeigt wieder einmal, dass man doch einfallsreich wird, wenn es nicht so läuft, wie man sich das vorgestellt hat.

Dienstag 22.02.2022

Die täglichen Anrufe der Reiseleiterin vor Ort entwickelten sich zum Nervenkrieg. Wir hatten das Gefühl, überwacht zu werden… Heute kam die Information, dass morgen für uns Frauen Antigentests vorgesehen sind und die Männer PCR getestet werden sollen. Wer eins und eins zusammenzählen kann, der kann sich ausrechnen, wie groß die Wahrscheinlichkeit war, dass wir unsere Männer angesteckt haben. Trotz FFP2-Maske – die wir zum Schlafen natürlich nicht auf hatten. Das würde heißen, dass für denjenigen, den es trifft, die Quarantänezeit wieder neu beginnt = wieder sieben Tage. Das einzige was sicher war, war die Tatsache, dass Deutschland keinen Test zur Einreise verlangte. Frau H. vom Reiseveranstalter versuchte von Deutschland aus Informationen zu bekommen, ob ein PCR-Test  zur Ausreise nötig ist. Nach ihrer Schilderung war auch das nicht leicht, weil jede offizielle Stelle andere Informationen hatte. Am Spätnachmitttag kam dann der erlösende Anruf: die Frauen bekommen PCR Tests und die Männer brauchen keinen. Puh, da sind viele Steine von 6 Herzen gefallen. Eine Stunde später erreichte uns wieder ein Anruf der Reiseleiterin, die unsere Informationen nicht für wahr hielt. Erst ein sehr scharfer Ton meinerseits bewog sie, beim Reiseveranstalter oder ihrer Agentur oder wo auch immer nochmal nachzufragen. Eine knappe WhatsApp: Die Frauen bekommen PCR-Tests und die Männer brauchen sich nicht testen lassen war dann die Reaktion. Unsere Erfahrungen mit ihr sagten uns, dass sie mit diese Entwicklung nur schwer umgehen kann…

Mittwoch 23.02.2022

So langsam hatten wir einen geregelten Tagesablauf: Frühstück auf dem Hotelflur. Die telefonische Bestellung klappte auch immer besser. Ich spreche nur ein wenig englisch und am Telefon ist das schwieriger als von Angesicht zu Angesicht mit Händen, Füßen und Mimik.

Fruehstueck 1 1
Türkisches Frühstück

Gegen Mittag kamen zwei Personen und haben uns getestet (mouth and nose … kannte ich so auch nicht).

Sepp und Helmut gingen wieder auf Istanbul-Tour besser gesagt auf Einkaufstour, wir Frauen drehten unsere Runden im Hotelgarten, übrigens ein großer gepflasterter Platz… Hotelgarten klingt schön….. Eine ehemalige Kollegin reagierte auf ein Foto mit der Bemerkung: „das ist ja wie Knast“ – ich war da noch nie, aber so stelle ich es mir auch vor. Ein kleines Video im WhatsApp-Status lies Verwandte und Freunde teilhaben.

Hinterhof vom Hotel 1
Hinterhof des Hotels

Das Warten auf das Testergebnis war erträglich, hatten wir doch noch Zeit bis Freitag… wenn heute noch nicht negativ, dann eben morgen. Nachmittags kam dann das Ergebnis: Margit und ich waren negativ, Marianne noch positiv. Ich war erleichtert, konnte mich aber gar nicht richtig freuen. Marianne hat den Schreck mit den positiven Gedanken: „dann eben morgen“, weg gesteckt. Ein Anruf der Reiseleitung machte dies wieder zunichte, denn sie behauptete, dass man 48 Stunden warten müsse, um einen neuen PCR-Test zu bekommen. Frau H. vom Reiseveranstalter wurde sofort wieder per Mail kontaktiert und sagte zu, dass jeden Tag ein PCR-Test gemacht wird. Wieder kam nur eine kurze WhatsApp von der Reiseleitung „morgen früh neuer PCR-Test für Marianne“.

Wir staunten über uns und unsere Emotionen: wie eng Menschen, die sich vorher gar nicht kannten und sehr verschieden sind in so einer Situation zusammen wachsen. Jeder war geknickt und hat mit Marianne gelitten. Ihre Erkältung bekämpften wir mit allem, was uns einfiel. Sepp und Helmut waren mehrfach in Apotheken und kauften Paracetamol, Vitamin C (das wird in der Türkei empfohlen), Globulis, Vitamin D. Ja, das hilft nur gegen die Symptome, nicht gegen das Virus – ich weiß, trotzdem klammerten wir uns an alles…

Unseren Frust konnten wir mit lustigen Ideen im Griff halten: kegeln mit leeren Wasserflaschen. Volkmar formte aus den vielen Alufolien, in die unser Essen eingewickelt und abgedeckt wurde, einen Ball – und fertig war die Kegel-Kugel.

Das abendlich bestellte Hotelessen war zwar immer noch lecker, aber wir hatten so langsam Appetit auf Gemüse oder einfach auf etwas anderes.

Donnerstag 24.02.2022

Der sechste Quarantänetag brauchte mehr Kraft, positiv zu denken, als bisher. Das Warten auf Mariannes PCR-Test und das Ergebnis – das sehr spät abgenommen und übermittelt wurde machte uns mürbe. Wir freuten uns, dass wir miteinander diese Tage durchleben und nicht alleine in dieser Situation steckten. Irgendwann fiel uns ein, dass in Deutschland aktuell Weiberfastnacht ist und flugs war eine neue Idee geboren: Polonaise: verkleidet mit Kopftuch und Sonnenbrille – wieder ein Lacher bei den WhatsApp-Status-Followern. Nun ja, wie es uns wirklich ging, erzählen wir dann später…

Im TV erreichten uns die schrecklichen Bilder aus der Ukraine. Das lag uns sehr schwer auf der Seele bzw. tut es noch. Ein Blick auf Google Maps zeigte noch einen Grund, zügig nach Hause zu kommen: wir sind ziemlich nah dran. Nein, Kriegsangst brauchten wir nicht zu haben, aber wenn die Welt so ins Straucheln gerät, will man zu Hause sein.

Es half in diesen Tagen sehr, mit vielen lieben Menschen über WhatsApp Kontakt zu haben. Da war natürlich zuerst die Familie, aber auch viele Freunde, Bekannte, Kollegen, Nachbarn, nahmen auf wirklich schöne Art Anteil und sandten immer wieder per WhatsApp einen Lichtstrahl.

Sepp und Helmut waren wieder mal zu Fuß unterwegs und als sie ins Hotel zurück kamen, bekam Sepp das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht: er lies sich bei einem Barbier verwöhnen. Helmut machte Fotos und Filme, damit wir Frauen und Volkmar auch ein wenig daran teilhaben konnten: Haare schneiden, rasieren mit Schaum und Klinge, Nasenhaare mit Heißwachs entfernen, Ohrenhaare mit Heißwachs und offenem Feuer abflammen, zum Abschluss noch eine Gesichtsmassage. Das sei ein unvergessliches Erlebnis gewesen, war sein Kommentar. Volkmar liebäugelte auch damit und als Sepp und Helmut ihm zusagten, ihn zu begleiten, nahm er seinen Mut zusammen und lies sich auf das Abenteuer ein. Da ihm der Barbier eine ganz andere Frisur verpasste als er es sich vorstellte, bekam er am Anfang einen Schreck, wenn er in den Spiegel blickte. Unsere Begeisterung für den neuen Volkmar sprang dann aber auch auf ihn über.

Mariannes Test war wieder positiv und wir alle am Boden zerstört. Wir wollten am Samstag ALLE nach Hause fliegen und nicht Marianne und Sepp zurück lassen müssen. Die beiden trösteten sich ein wenig damit, dass sie dann trotz positivem Test ab dem siebten Tag das Hotel verlassen und sie mit ihrem Mann in Istanbul unterwegs sein dürfte (verstehe einer diese Regeln). Aber eigentlich wollten weder sie noch wir diesem Gedanken Raum geben.

Sich gegenseitig Mut zu machen, das war unser Bestreben. Jeder hatte mal einen Durchhänger und die Gruppe hat es aufgefangen. Tag für Tag wurde dies aber anstrengender.

Abends hatten wir ein besonders schönes Erlebnis: Auf dem Hotelflur – außerhalb der Seuchenstation (Quarantänezimmer) waren noch mehr Zimmer mit Gästen. Wir hatten schon ab und zu mit ein paar jungen Männern gesprochen. Einer davon war ein Doktor und sprach Englisch, mit den anderen haben wir mit Händen und Füßen geredet und fanden sie nett und lustig. Einer aus dieser Gruppe, ein 29-jähriger Iraker stellte uns ein Päckchen vor unseren Hotelflurabschnitt mit der Bemerkung: „a gift for you“. Da war eine leckere Vorspeise für 6 Personen drin, die wir sofort begeistert teilten (Fladenbrot, gegrilltes Fleisch, verschiedene Dips, Soßen und Salate). Beschämt haben wir uns gefragt, ob wir das umgekehrt auch gemacht hätten. Vermutlich nicht. Wir hätten uns viel zu viele Gedanken gemacht: was sollen wir machen, mögen die das, usw … wieder etwas gelernt!!

Leckeres Geschenk edited scaled
leckeres Geschenk: Vorspeise für Zwei

Den Doktor fragten wir nach einem Zaubertrank gegen Corona Viren. Wenn es einen gegeben hätte, hätte er ihn uns gerne besorgt. Wir konnten spüren, wie leid ihm unsere Situation tat.

Der tägliche Anruf von Frau H. hätte normalerweise große Freude auslösen können: Für Margit und Volkmar sowie Helmut und mich waren die Flüge am Samstag gebucht, für Marianne und Sepp nur angemeldet. Erst mit negativem Ergebnis können sie fest gebucht werden.

Das ist alles super und korrekt und lag trotzdem wie ein Stein auf allen Herzen. Frau H. sagte zu, dass die Buchung auch kurzfristig am Freitag umgesetzt werden kann.

Freitag 25.02.2022

Ich habe es beibehalten, mit Marianne im Hotelflur zu frühstücken. Mir hätte es am Frühstücks Büfett nicht geschmeckt, wenn ich sie alleine im Zimmer gewusst hätte. So war uns beiden geholfen.

Relativ früh wurde der PCR-Test durchgeführt. Wir konnten an diesem Tag unsere Stimmung nicht hoch halten. Sitzen, warten, Hofgang, warten, Hunger war auch keiner da. Jeder lag in seinem Zimmer rum und versuchte sich irgendwie zu beschäftigen. Kofferpacken war definitiv noch keine Beschäftigung. Auf einmal hörten wir einen Schrei aus dem Zimmer von Marianne und Sepp, wir rannten alle zur Türe und da nahm uns Sepp schon tränenüberströmt in die Arme: sie ist negativ. Wir weinten alle miteinander vor Freude.

Noch eine gute Nachricht wurde uns von Frau H. übermittelt: Der Reiseveranstalter übernimmt die Kosten für Hotel mit Frühstück.

Super, herzlichen Dank!!, aber im Moment nicht wichtig.

Ein Plan war schnell gemacht: Koffer packen, einen Spaziergang ans Wasser machen (das war gar nicht weit weg), das von Sepp und Helmut erkundete Viertel rund ums Hotel anschauen und Abendessen im Hotel – richtig im Restaurant an einem richtigen Tisch.

Vorher kam noch der unangenehme Teil: eine persönliche Begegnung mit der Reiseleitung, denn sie sollte uns die Testergebnisse übergeben. Das war mehr als komisch und wir waren alle froh, als dieses Aufeinandertreffen vorbei war. Später kam eine WhatsApp: wir werden um 5.45 Uhr mit dem Taxi am Hotel abgeholt. Wir wunderten uns ein wenig, denn wir hatten mit früher gerechnet – aber wir kannten ja die Straßenverhältnisse um diese Uhrzeit nicht. Wir verabredeten, um 5 Uhr aufzustehen und aufeinander zu achten, dass niemand verschläft.

Samstag 26.02.2022 – endlich Abreise

Helmut stellte seinen Wecker um 4.45 Uhr. Um 4.55 Uhr klingelte das Zimmertelefon und die Rezeption teilte mit: „Your Taxi is waiting“. Ich hätte den Sinn auf Deutsch nicht verstanden – auf Englisch war es noch schwieriger. Irgendwie kam meine pragmatische Ader durch und ich sagte, dass wir uns beeilen (keine Ahnung, woher ich den Wortschatz hatte, dass der Rezeptionist mich verstand). Ein Anruf in den Nebenzimmern: „Zack Zack, aufstehen, anziehen, Koffer schließen (Gottseidank hatten wir das meiste schon gepackt): das Taxi steht schon oben“. Um 5.20 Uhr standen wir in der Hotelhalle, strubbelig, zitterig und irgendwie sauer. Wir mussten noch ein paar Minuten warten, denn das Lunchpaket war natürlich auch noch nicht fertig. Der Taxifahrer signalisierte uns, dass wir noch in der Zeit sind und das beruhigte uns ein wenig. Im Taxi haben wir uns gefragt, ob das nun Schikane, Dummheit oder ein Versehen der Reiseleitung war, denn sie hatte sich darum zu kümmern. Eine Antwort werden wir nie erfahren. Also, auf ein Neues: aufstehen, Krönchen richten und sich auf zu Hause freuen.

Der Airport Istanbul ist sehr groß. Trotzdem fanden wir uns recht schnell zurecht und beschlossen, dass wir erst unsere Koffer aufgeben, einchecken und dann gemeinsam unsere Lunchpaket verspeisen. Eine kleine Schwierigkeit stellte sich uns in den Weg, denn außer Helmut und ich hatte keiner seinen Einreiseantrag nach Deutschland digital gemacht, sondern in Papierform dabei. Das wurde an den Schaltern nicht akzeptiert. So standen wir in der Reihe der Menschen, die das auch noch machen mussten.

Margit und Volkmar signalisierten uns, dass sie Hilfe benötigen. Als ich hinkam, waren beide ziemlich am Ende: ihre Flüge wurden storniert, wurde ihnen vom Schalterbeamten der Turkish Airlines gesagt. Neee, wir wollen ALLE heim, das darf doch nicht wahr sein. Meine Rückfragen ergaben das Gleiche: da wir nicht nach Dubai geflogen sind, wurden die Flüge storniert Komisch, die von uns anderen nicht. Es gab die Gelegenheit neu zu buchen. Es war keine Zeit mehr zu überlegen und zu diskutieren. So begleitete ich die Beiden an den entsprechenden Schalter und sie buchten für 585 € wenn ich es noch richtig weiß, 2 Plätze in der Maschine. Dann mussten sie sich zum Einchecken an eine andere Schlange anstellen. Weil sie so sehr aufgeregt waren, begleitete ich sie, bis sie an dem Schalter ankamen. Die freundliche Schalterbeamtin fragte sie gerade, warum sie denn 4 Plätze gebucht hätten. Die vom Reiseveranstalter gebuchten Plätze waren ganz ordnungsgemäß auf ihrem Bildschirm, plus die beiden soeben gebuchten Plätze. Ich versuchte, es ihr zu erklären. Da die Zeit mittlerweile drängte, schrieb sie noch die Nummern der nicht genutzten Plätze auf und wir konnten gemeinsam weiter hetzen: kurz einen Schluck aus der Flasche trinken und die Zugänge zu den Gates suchen. Noch ein kurzer Stopp auf Toi, ein kurzer Drücker zum Abschied und jeder rannte zu seinem Gate. Wir haben es alle gerade rechtzeitig geschafft und landeten endlich glücklich in Deutschland.

Von der ursprünglichen Gruppe konnten wir am ersten Tag gottseidank mit Erika die Handynummer tauschen und somit im WhatsApp-Status die eigentlich geplante Reise mitverfolgen…. Wäre auch schön gewesen, aber solche Emotionen und Freunde hätten wir nicht gewonnen. Im Rückschauen kann ich ehrlich sagen: diese Erfahrungen möchte ich nicht mehr missen!

Mit ein wenig Abstand schauen wir sehr dankbar auf unseren Reiseveranstalter, die Begleitung und Unterstützung vor Ort sowie die großzügige Geste der Übernahme der Istanbuler Kosten. Auch die Zusage an Margit und Volkmar, bei der Rückerstattung von Turkish Airline zu helfen ist ein großes Lob und Dankeschön wert!!

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