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Träumen und Träume verwirklichen
Schon seit vielen Jahren sah ich ab und zu Berichte über Japan im Fernsehen und der Wunsch wurde intensiver, dieses weit entfernte und fremde Land sehen zu wollen. Wieder einmal brachte der Newsletter eines Reiseveranstalters den Stein ins Rollen.
Die gleiche Idee hatte ein lieber Mensch, den wir auf einer früheren Tour kennenlernten und „zufällig“ stellten wir fest, dass wir uns mit der gleichen Reise in der Planung befanden. Wir überlegten gemeinsam, welcher Termin für uns der optimale sein könnte, und entschieden uns, die Reise im selben Zeitraum zu machen.

Wir bereiteten uns gut vor und lasen viel über Land und Leute sowie Sitten und Gebräuche. In meinem Denken gab es nur noch die Zeitrechnung „vor Japan“ und „nach Japan“. Das Wetter sollte schön warm werden, also wurde die Kleidung entsprechend ausgewählt. Sehr bedacht war ich auf die Situation, dass man in Japan nicht viel Haut zeigt, also keine Trägershirts und ähnliches trägt. Deshalb packte ich T-Shirts und Blusen mit Ärmeln und kurze Hosen ein. Meine leichten Sommerkleider ließ ich zu Hause, da sie die Schultern nicht bedecken. Im Handy-Übersetzer lud ich mir „Japanisch“ herunter und stellte fest, dass diese Sprache sehr fremd für unsere Ohren klang. Auch eine e-Sim-Karte für das Handy für Japan hatte ich mir im Vorfeld besorgt, um z. B. mit Google Maps und auch dem Übersetzer auf der sicheren Seite zu sein.
Endlich war der Anreisetag angebrochen und wir verließen schon um 8 Uhr das Haus. Ein lieber Nachbar brachte uns zum Bahnhof und unser Zug nach Frankfurt fuhr pünktlich im Bahnhof ein. Es ist ja immer die große Frage, ob die Züge pünktlich sind, deshalb hatten wir uns für einen frühen Zug entschieden, um auf keinen Fall in Stress zu geraten, wenn Verspätungen auftreten. Tja, was soll ich sagen, auf der Strecke Karlsruhe-Frankfurt, mit dem ICE nur 2 Haltestellen, hatten wir am Ende 40 Minuten Verspätung. Gottseidank waren wir so früh dran.

Im Einchecken und Koffer abgeben waren wir schon „routiniert“ und wussten auch um die strengeren Grenzkontrollen in Nicht-EU-Länder. Vom letzten Flug nach England hatte ich die Erfahrung mitgenommen, dass man neuerdings Trinkwasser durch die Sicherheitskontrolle mitnehmen darf. So hatte ich eine angefangene und eine volle Flasche Wasser offensichtlich an meinem Rucksack (Handgepäck) angebracht. Der Mitarbeiter am Band der Sicherheitskontrolle zog meinen Rucksack aus dem normalen Ablauf heraus und mich natürlich auch. Die halbvolle Wasserflasche musste identifiziert werden und ich sollte meine Sachen zusammenpacken und mitkommen. Der normale Stress mit Gürtel auszuziehen, Hosentaschen zu leeren, Uhr auszuziehen, Handy und Powerbank sichtbar in der Box zu platzieren, manchmal auch Schuhe auszuziehen– und auf der anderen Seite alles schnell wieder anzuziehen und verstauen, weil die nächsten Reisenden schon hinter einem stehen (oder besser organisiert sind) reichte mir eigentlich schon. Ich bin bei jedem Flug in dieser Situation etwas angespannt *lach.
Nun kamen noch der offene Rucksack und die Aufforderung, dem Mitarbeiter zu folgen, zum normalen Stress dazu. Ich packte meine komplette Box und schleppte sie hinter ihm her in eine Ecke, wo er die angefangene Wasserflasche in ein Gerät stellte, ein Knöpfchen drückte und sie mir kurz danach wieder in die Hand gab.
Meine vielen Fragezeichen im Kopf konnte ich formulieren und bekam die Auskunft, dass es in Frankfurt neue und alte Sicherheitsbänder gibt. Die neuen Sicherheitsbänder können geschlossene Wasserflaschen erkennen und winken sie durch, die alten Bänder können das nicht und man muss die Wasserflaschen abgeben. Es kann also sein, dass an Band A jemand sein Wasser mitnehmen darf und an Band B nicht. – Das muss man wissen, um es zu verstehen.
Angefangene, also offene Wasserflaschen müssen getestet werden, ob da wirklich nichts anderes drinnen ist. Ich stellte mir vor, dass das vermutlich weltweit von Flughafen zu Flughafen unterschiedlich ist und nahm mir vor, in Zukunft maximal eine geschlossene Flasche Wasser mitzunehmen, die notfalls eben entsorgt wird. Zurzeit geht der Sachverhalt der neuen und alten Sicherheitsbänder durch die Presse…
Nachdem ich – wieder entspannt – meine Sachen zusammengepackt und Helmut alles berichtet hatte (er verfolgte mit großen Augen von weitem die Situation) hatten wir ausreichend Zeit, zu unsrem Gate zu schlendern, und die vielen Geschäfte zu bestaunen. Ich frage mich jedes Mal, wer das alles kaufen soll. Normalerweise packt man doch vorher…
Flug
Der Reiseveranstalter buchte unsere Flüge mit der Fluggesellschaft Emirates und mit einem Zwischenstopp in Dubai. Uns fiel auf, dass sich an Bord besonders nett um die Kinder gekümmert wurde. So wurden von den Kindern Fotos mit einer Sofortbildkamera gemacht, Spielsachen wurden ausgegeben und die Kids bekamen ihr Essen vor den anderen Fluggästen.
Apropos Essen: das fand ich lecker und es machte mir Spaß, aus den vielen Gefäßen auf engstem Raum zu speisen. Es erforderte nur ein wenig Konzentration, damit nichts oder wenig verkleckerte und war eine willkommene Abwechslung auf dem 6,5 Stunden dauernden Flug nach Dubai.

In Dubai ist die Uhrzeit 2 Stunden vor Deutschland und wir flogen in den Abend hinein. Die Zeit vertrieb ich mir damit, Tennis in Wimbledon anzuschauen *lach.

Dubai fehlt mir leider immer noch auf meiner Reiseliste. Die Gründe dazu findet man unter diesem Link.
Ich hatte gehofft, aus dem Fenster einen Blick auf Dubai erhaschen zu können, aber da wir keine Fensterplätze hatten, waren wir auf die Einstellungen der Flugzeugkameras und die Nettigkeit des Sitznachbarn angewiesen.

Um 21.45 Uhr Dubai-Zeit (19.45 Uhr in Deutschland) war es schon dunkel und wir konnten die Größe der beleuchteten Stadt nur erahnen.
Der Umstieg in Dubai Richtung Tokio gestaltete sich problemlos. Wir hatten genügend Zeit uns auf diesem riesigen Flughafen zurecht zu finden und über die Dimensionen zu staunen. Mit einem Zug fuhren wir zum Abflug zu den Gates A.

Mit einem überdimensionalen Aufzug gelangten wir auf das richtige Stockwerk und viele Laufwege mit Geschäften luden zum Verweilen ein – nein, nicht wie in Frankfurt, sondern viel, viel größer. Wie gesagt: Dubai fehlt mir – noch!! *lach

Der Flug nach Tokio startete um 2.55 Uhr Dubai-Zeit, 0.55 Uhr deutscher Zeit. Ich schreibe das, weil unser Körper natürlich noch auf deutsche Zeit eingestellt war. Zusammenfassend heißt das, man isst zu Zeiten, zu denen man zu Hause normalerweise nicht essen würde und man läuft viele Schritte, wenn der Körper eigentlich auf Schlafen eingestellt ist.
Leider war es auf diesem langen Flug von mehr als 10 Stunden nicht möglich, mit Helmut zusammen zu sitzen. Wir trösteten uns damit, dass wir sowieso schlafen würden und ab und zu einen kleinen Spaziergang machen könnten.
Kaum hatten wir eine gewisse Flughöhe erreicht, wurde uns Frühstück serviert: Lachs mit Reis, Gemüse, Croissant, Obst, Quark, Butter Marmelade *lach – das meinte ich, normalerweise esse ich das nachts um 2.30 Uhr (zu Hause) nicht. Lecker war es trotzdem und mit vollem Bauch konnte man ein wenig dösen.

Da wir in den Morgen flogen, wurden die Jalousien auf dunkel gestellt und somit die Möglichkeit zum Schlafen gegeben. Gut schlafen ist anders – aber ich tröstete mich damit, dass wir abends in Tokio ankommen würden und dann gleich eine Nacht käme…
Lunch gab es natürlich zur Ortszeit. Für mich war es Frühstück und ich habe tatsächlich nicht alles geschafft. Das passiert mir echt selten!!! Ab und zu bin ich eine Runde durch das Flugzeug gelaufen, um die Beine ein wenig zu vertreten und Helmut hallo zu sagen bzw. über seinen Schlaf zu schmunzeln.

Leider durfte man nicht in das obere Stockwerk des Airbus 380 gehen. Ich weiß also nicht, ob oben auch belegt war – das war aber auch nicht wichtig, sondern hätte nur mein Interesse befriedigt *lach.

Ab und zu gab es kleine Turbulenzen und sogar die Crew musste sich anschnallen – es fühlte sich für mich wie „holprige Straße“ an.
Da ich keine Filme anschauen kann, schaute ich auf dem Sportkanal vor lauter Langeweile Fußball an. Keine Ahnung, wer gegen wen, aber besser als nur den Vordersitz anzustarren *lach. Das Angebot an Filmen war übrigens groß – nur ich kann halt keine anschauen.
Die Fluginformationen waren eigentlich nur für einen Moment interessant, z.B. Flughöhe 41.000 Fuß (rund 12.500 Meter) und -56 Grad Außentemperatur.

Pünktlich um 17.30 Uhr Ortszeit (12.30 Uhr zu Hause) landeten wir in Tokio und hatten ruckzuck unsere Koffer. Ein paar Mitreisende hatten wir schon in Dubai getroffen und gemeinsam wurden wir von unserem Reiseleiter in Empfang genommen. Er gab uns den Hinweis, direkt am Flughafen ein wenig Geld umzutauschen. Dann fuhren wir etwa eine Stunde mit dem Bus zu unserem Hotel „Monday Toyosu“ in Tokio.

In Japan wird es aufgrund der geografischen Lage im Osten des Landes und der Nutzung einer einzigen Zeitzone, die für das gesamte Land gilt, früh dunkel. Da der Osten Japans bereits von der aufgehenden Sonne beschienen wird, werden die Tage kürzer und der Sonnenuntergang findet früher statt, verglichen mit westlicheren Ländern oder Regionen. Im Uhrenvergleich sind uns die Japaner um 7 Stunden voraus. Es wird relativ schnell dunkel bzw. hell. Eine Sommerzeit gibt es nicht. Es war um 19 Uhr bereits dunkel. Mir war das Recht, denn damit fiel es mir leichter, ins Bett zu gehen.

(Antwort von zu Hause auf meine „Bin gut angekommen-WhatsApp“)
Nach einer kurzen Vorausschau auf die kommenden Tage und vor allem auf den nächsten Tag entließ uns unser Reiseleiter mit einem Lunchpaket auf unsere Zimmer. Das Lunchpaket sah lecker aus – aber es gab als Essbesteck nur Stäbchen. Wir waren zu müde, um uns auf dieses Abenteuer einzulassen und kramten unser mitgebrachtes Besteck aus dem Koffer und ließen es uns schmecken.

Herausfordernd war der Besuch der Toilette… Hightech vom Feinsten erwartete uns. Wir hörten schon davon, konnten es uns aber gar nicht so richtig vorstellen. Dazu schreibe ich später mehr. Jetzt galt es erst einmal die vielen Knöpfe zu identifizieren und mit der Kamera des Handy-Übersetzers ins Deutsche zu übersetze.

Nur spülen wollten wir fürs erste *lach. Müde, sehr müde sanken wir in die Kissen und konnten doch nicht gut schlafen…
Zweiter oder schon dritter Tag?


Das Frühstücks Büfett bot für jeden Geschmack etwas. In Japan frühstückt man so, wie wir in Deutschland zu Mittag oder Abend essen. Ich mochte es sehr gerne, mich schon am frühen Morgen durch die vielen Köstlichkeiten durchzuprobieren.

Natürlich gab es auch eine Ecke mit Cerealien und Joghurt sowie Toastbrot und Marmeladen. Nicht jeder mag gleich in fremde Ernährungsformen einsteigen.

Gut fand ich, dass man am Eingang zum Frühstücksraum (übrigens in jedem Hotel unserer Reise) eine Karte bekam, mit der man seinen Tisch reservierte, während man sich am Büfett bedient. Wenn man mit Frühstücken fertig war, drehte man die Karte um: das Signal, der Tisch kann abgeräumt, geputzt und wieder neu vergeben werden. Ich bin ein Fan von Struktur und sinnvollen Regeln. Die Beschreibung, wie mit der Karte zu verfahren ist, erfolgte übrigens entweder in gebrochenem Englisch – oder pantomimisch mit freundlichstem Lächeln.
Interessante Fakten über Japan
Während der Stadtbesichtigungsfahrt durch Tokio erzählte uns unser Reiseleiter Franz einiges Wissenswertes über Japan, aber auch Wichtiges für unseren Aufenthalt:
Die Zimmer in japanischen Hotels sind in der Regel sehr klein. Japaner reisen mit kleinem Gepäck. Wir hatten 2 mittlere Koffer dabei und konnten sie nicht in jedem Zimmer aufgeklappt stehen lassen. Wenn es möglich war, schoben wir sie unter das Bett. Da wir fast jede Nacht in einem anderen Hotel verbrachten, lohnte es sich nicht, die Koffer auszupacken.
Unseren Abfall sammelten wir in Tüten im Bus und nahmen ihn mit ins Hotel. In Japan gibt es keine, bzw. nur sehr wenige öffentlichen Mülleimer. Der Müll wird zu Hause entsorgt.
Die Japaner sind grundsätzlich serviceorientiert und helfen gerne. So sind z. B. alle öffentlichen Toiletten kostenlos – und sehr sauber, das kann ich nach 2 Wochen Erfahrung betonen.
Das Leitungswasser ist überall in Japan trinkbar. In größeren Städten wird es allerdings etwas mehr gechlort.
Es gibt nach aktuellen Zahlen 5,5 Mio. Verkaufsautomaten in Japan. Das ist pro 23 Einwohner 1 Automat. Ein Grund dafür ist, dass sich in den sehr heißen Sommermonaten Menschen ausreichend mit Getränken versorgen können. Es gibt zu günstigen Preisen Wasser, Elektrolytdrinks, Cola, Tee, Dosenkaffee, Eiskaffee, Lebensmittel, Babywindeln und – so wurde es erzählt, manche skurrile Sachen. Für eine eisgekühlte 0,5 Liter Wasserflasche bezahlten wir übrigens weniger als 1 €. Auch die Elektrolytdrinks taten uns gut. Im Winter soll es warme Suppen in den Automaten geben.



Viele Supermärkte haben rund um die Uhr geöffnet. Geldautomaten und Geldwechselautomaten gibt es auch in Supermärkten, manches Mal sogar mit deutscher Menüführung.
In Drogerien werden nicht verschreibungspflichtige Medikamente und natürlich Körperpflege- und Kosmetikprodukte verkauft.
Japan besteht aus 47 Präfekturen. Tokio ist eine davon und hat rund 37 Mio. Einwohnern. Damit ist Tokio die bevölkerungsreichste Metropolregion der Welt. Bei dieser Zahl handelt es sich um den Großraum Tokio. Die „Kern-Stadt“ selbst hat „nur“ 14 Mio. Einwohner.
Teile der Stadt sind künstlich aufgefüllt und das Stadtbild mit vielen Kanäle zeugt davon, wie man neue Räume schaffen kann. Da Japan eine Insel ist, ist Fläche begrenzt. Mit Sicherheit ein Grund, warum man in den Städten so beeindruckend in die Höhe baut. Aufgrund der relativ jungen Geschichte findet man wenig großartige alte Architektur.

Man baut erdbebensicher, denn durchschnittlich sind 73 Erdbeben/Monat spürbar. Reiseleiter Franz gab uns mit dieser Information auch Instruktionen, wie wir uns im Falle eines spürbaren Erdbebens verhalten sollten: auf herunterfallende Gegenstände achten, den Kopf schützen, Ruhe bewahren und abwarten. Ein Frühwarnsystem merkt auch kleinste Erdstöße und soll vor größeren Beben warnen. Irgendwie bin ich froh, dass wir zu Hause diese Thematik nicht haben.
Normale Wohnungen sind klein. Manches Mal sind über dem Bad so etwas wie Schlafkojen. Im Wohnmobil nennt man das Alkoven. Die Mieten sind sehr teuer, lt. Franz definitiv teurer als in München. Die Größe der Wohnungen ist auch ein Grund, warum man selten Gäste nach Hause einlädt, sondern sich mit Freunden in Restaurants oder Cafés trifft. Auch Karaoke, ein japanisches Kulturgut, ist eine beliebte Freizeitbeschäftigung im Freundeskreis.
Mitten durch die riesengroße Stadt führen Autobahnen. Diese sind kostenpflichtig – ohne Stau an den Mautstationen *lach. Wie schon beschrieben ist Platz Mangelware in einer solchen Stadt und deshalb sind die Straßennetze zwei- und dreistöckig gebaut. Die Autobahn ist meistens die obere, dann sind mehrspurige Straßen drunter und ganz unten auch noch einmal. Manchmal sind auch Gleise des Eisenbahnnetzes in dieses geordnete Chaos eingeflochten. Es gibt keine ungenutzten Flächen, denn sogar unter den Brücken sind Läden oder Parkplätze zu finden.

Schreine, Gebete, Religion
Beeindruckt von den vielen Fakten und den Eindrücken der Fahrt quer durch Tokio erreichten wir den Meiji-Schrein, der dem verstorbenen Kaiser Meiji und seiner Frau gewidmet ist. Zwei große, wunderschöne Bäume symbolisieren den Kaiser und seine Frau als zwei Individuen, die doch miteinander verbunden sind.


In dem riesigen Park um den Schrein sollen 100.000 Bäume stehen.

Kirchliche Versammlungen, wie wir sie kennen sind in Japan eher unbekannt. Dafür unterliegen die Besuche eines Schreines oder eines Tempels besonderen Ritualen. Fast immer befinden sich Brunnen vor einem Schrein oder Tempel, an denen man sich nach einem bestimmten Ritual reinigt, bevor man vor dem Schrein betet.


Die Gebete sind sehr individuell, haben aber auch einen gängigen Ablauf. Nach zwei Verbeugungen wird zweimal in die Hände geklatscht. Das geschieht vor dem eigentlichen Gebet, um der Gottheit zu „sagen“, dass man nun da ist. Dann folgt das stille Gebet und im Anschluss daran verbeugt man sich wieder vor der Gottheit. Obwohl mir diese Art des Betens fremd ist, empfand ich es als heilige Momente, wenn ich solches hautnah erleben durfte.


In Japan werden die Religionen Shintoismus und Buddhismus gelebt. Ja, ich weiß, man kann darüber streiten, ob man das als Religion bezeichnen kann. Der Einfachheit halber lasse ich es in diesem Bericht so stehen. Shintoismus ist eine Naturreligion, die keinen „Gründer“ und keine Schriften hat. Die Glaubenspraxis bezieht sich auf Besuche und Anbetung der Schreine, die heiligen Gedenkstätten. Man glaubt nicht an ein Leben nach dem Tod, sondern lebt im Hier und Jetzt.
Der Buddhismus kam erst im 6. Jahrhundert nach Japan und hat als zentrale Botschaft die Wiedergeburt auf irgendeine Weise je nach Lebensweise. Viele Japaner haben beide Anschauungen in ihr Leben integriert. Wie ich finde, passen beide Weltanschauungen gut zueinander. Mir erklärt es die freundliche und im besten Sinne demütige Haltung der Japaner.
Das Christentum spielt keine große Rolle in der japanischen Glaubenskultur. Etwa 1 % der Bevölkerung gehört zu einer christlichen Gemeinde. In der Edo-Zeit (1600-1800) war das Christentum verboten und Christen wurden sogar verfolgt. Seit ca. 1900 besteht wieder Religionsfreiheit und Christen können nach ihrem Glauben leben.
Weihnachtstraditionen und christliche Hochzeitsrituale wurden zum Teil in die japanische Kultur übernommen.
Tokio von oben
Von weitem sahen wir den Sky Tree, einen 634 Meter hohen Fernseh- und Rundfunksendeturm. Er wurde erst 2012 eröffnet und ist der höchste Fernsehturm und nach dem Burj Khalifa in Dubai und dem Merdeka 118 in Kuala Lumpur das dritthöchste Bauwerk der Erde. Er bietet eine tolle Aussichtsplattform, die zurzeit aber umgebaut wird und wir deshalb nicht hinauf konnten.

Ein weiteres interessantes Bauwerk ist der rote Tokio Tower, welcher mit 332 Metern Höhe einer der höchsten selbstragenden Stahltürme der Welt ist. Wir konnten immer wieder vom Bus aus einen Blick darauf erhaschen. Leider war ich mit der Kamera immer zu spät dran.
Einen unfassbar herrlichen Blick auf diese riesengroße Stadt hatten wir von der 260 Meter hohen Aussichtsplattform des Mori-Towers. Deshalb lasse ich einfach nur die Bilder sprechen…





Shibuya und mitten in Tokio
Unsere Fahrt ging weiter zur bekanntesten Kreuzung der Welt, der Shibuya-Kreuzung, welche auch die ALLES GEHT Kreuzung genannt wird, und die der gefühlte Mittelpunkt Tokios ist. Wenn man sich in der Stadt verabredet, dann macht man das häufig an dieser Kreuzung.

Alle Ampeln schalten zur gleichen Zeit auf grün und tausende Menschen überqueren gleichzeitig die Kreuzung in alle Richtungen. Man kann googeln, dass täglich bis zu 500.000 Menschen die Kreuzung überqueren. Manche Quellen schreiben sogar von doppelt so vielen. Eigentlich ist die Zahl egal – ich kann es mir sowieso nicht vorstellen. Als wir dort waren, war es verhältnismäßig ruhig. Vom Starbucks Café aus hat man einen guten Blick auf das Geschehen. Naturgemäß hat dieses Starbucks Café die meisten Kunden Japans.

Nahe der Kreuzung ist der Shibuya-Bahnhof, der als der verkehrsreichste Bahnhof des Landes mit 2,4 Millionen Fahrgästen täglich gilt. Der Bahnhof hat über 100 Ausgänge – die Wahrscheinlichkeit, sich dort zu verlaufen ist groß.

Über das Bahnnetz kann ich nicht sehr viel schreiben, da es sehr komplex ist. Unglaublich viele Züge fahren sekundengenau im 2 ½ – 4 Minutentakt von A nach B. Farblich gekennzeichnet, erkennt der Pendler seine Route. Meistens bezahlten Firmen ihren Mitarbeitern eine Pendlerkarte. Damit wird der innerstädtische Verkehr entlastet und viele Menschen benötigen kein Auto.
Die Geschichte von Hachiko, einem treuen Akita-Hund, kennt bestimmt mancher Tierfreund. Seine Statue steht zwischen der Kreuzung und dem Bahnhof und man hätte sich lange anstellen müssen, um ein Foto mit ihm zu machen.

Wir hatten unsere Mittagspause inmitten von Tokio und schlenderten gemütlich durch die Straßen und staunten über den Lärm, das bunte PlingPling und das Getümmel. Es war kein bisschen so, wie ich Japan erwartet hätte.

Ein Teil unserer Gruppe folgte dem Tipp von Franz und ging Sushi essen. Wir wollten lieber die Stadt auf uns wirken lassen und es reichte uns ein belegtes Brötchen *lach, ja auch das kann man in Japan finden, wenn man denn lange sucht. Man isst übrigens nicht auf der Straße, sondern in Cafés und Restaurants.
Eine wichtige Information war auch, dass man in Japan kein Trinkgeld gibt. Nach japanischem Empfinden denkt man in so einem Fall, die Bedienung würde zu wenig verdienen – und das verletzt ihren Stolz.
Auffallend war, dass überall viel Personal Hilfestellung für alles Mögliche gab – immer super freundlich und zuvorkommend. Am Anfang befremdete es uns ein wenig, dass sich die Menschen leicht vor uns und überhaupt verbeugen. In unseren Köpfen hatte es eine andere Wirkung. Je länger wir aber in Japan waren, gefiel uns diese Geste. Sie erschien uns immer ehrlich und wir empfanden es als ein Zeichen des Respektes voreinander.
Ich war wenige Wochen vor unserer Japanreise in London und dort erklang gefühlt im 10-Minuten-Takt das Martinshorn von Feuerwehr, Polizei oder Krankenwagen. Nun befanden wir uns im Herzen Tokios und hörten nichts dergleichen. Wenn ich es heute reflektiere, dann hörten wir auf der ganzen Reise vielleicht 5-mal ein Martinshorn. Gegenseitiger Respekt und Rücksichtnahme wirken sich offensichtlich aus.
Senso-ji
Nachdem wir mit einem Shintoismus-Schrein den Tag begannen, war unser nächstes Ziel ein buddhistischer Tempel, der Senso-ji. Er ist Tokios ältester und bedeutendster Tempel.

Die fünfstöckige Pagode ist wirklich sehenswert. Pagoden gibt es nur in buddhistischen Tempeln und sie dienen der Meditation und dem Gebet.

Der Legende nach angelten zwei Fischer eine Statue aus dem nahegelegenen Fluss und erkannten diese als Buddha Statue. Ihr zu Ehren wurde der Tempel erbaut und die Statue soll verhüllt ihren Platz im Inneren des Tempels haben.

Wir sahen viele junge Frauen in Kimonos und Franz erklärte uns, dass man Kimonos leihen kann und es oft ein Geschenk für und mit Freundinnen ist, einen Tag im Kimono und entsprechend geschminkt zu verbringen.


Wenn ich die beiden Besuche der religiösen Stätten an diesem Tag vergleiche, dann war der buddhistische Tempel sehr vom Kommerz geprägt. Man konnte alles Mögliche und Unmögliche kaufen, aber Spiritualität konnte ich trotz Weihrauchdüften nicht erspüren. Es hatte für mich ein bisschen was von Jahrmarkt, beeindruckend, schön, aber eben nicht spirituell.
Stadtteil Ginza
Einen letzten Stopp machten wir im Stadtteil Ginza. Kurz zusammengefasst kann man sagen: Gold, Geld, Einkaufsmeile. Nach diesem Tag voller Kontraste und Eindrücke hatte ich null Lust auf Einkaufsmeile – eigentlich habe ich das im normalen Leben auch selten.



Trotzdem marschierten wir die Straße auf und wieder ab und waren ziemlich früh an der verabredeten Stelle, an der uns der Bus wieder aufsammeln sollte. Wir waren nicht die Einzigen aus unserer Gruppe, die erschöpft waren *lach – kein Wunder.
Nach einer schnellen Dusche im Hotel gingen wir zu Fuß in ein nahegelegenes Restaurant und hatten ein leckeres Abendessen.

Die Herausforderung waren wieder die Stäbchen. Ich stellte mich der Herausforderung und bin ein bisschen stolz, dass ich es im Laufe der Reise immer besser hinbekam. Es war auf alle Fälle immer lustig und ich vergesse nie den Satz einer Mitreisenden, die meinte: „Zuerst esse ich mich mit der Gabel satt und dann probiere ich mit Stäbchen zu essen.“ Nicht in allen Restaurants konnte man Messer und Gabeln bekommen. Es war schon klug, im Reisegepäck entsprechendes Besteck dabei zu haben.

Nach einem wunderschönen Verdauungsspaziergang durch das schon dunkle Tokio waren wir früh im Hotel und gingen bald schlafen.
Dem Datum nach der 4. Tag

Aufgrund der Zeitumstellung musste ich mich immer noch an Fakten halten – mein normales Zeitgefühl hatte sich noch nicht eingestellt. Wir hatten ausnahmsweise den Luxus, ohne gepackte Koffer in den neuen Tag zu starten. Das Frühstück gestaltete sich etwas lebhafter als am Vortag, denn mehrere Schülergruppen frühstückten mit uns. Ja, es war lauter als am Vortag, das lag in der Natur der Sache: mehr Menschen, mehr Gespräche. Ich war höchst beeindruckt über das gute Benehmen der Kinder. Niemand rannte herum, sie unterhielten sich normal, waren höflich untereinander, brachten ihr Geschirr ordentlich zurück und hinterließen einen sauberen Platz.
Als wir schon im Bus saßen, beobachteten wir die Kinder, wie sie sich im Hof versammelten. Einer von ihnen trat vor die Gruppe, hielt eine kleine Ansprache, verbeugte sich und setzte sich wieder. Alle anderen hörten aufmerksam zu. Die Lehrer waren im Hintergrund. Franz erklärte uns, dass vor und nach dem Unterricht ein Appell in Japans Schulen normal sei. Auch normal ist, dass schon ab der Grundschule die Schüler ihre Klassenräume und das Schulgebäude selbst reinigen.
Für uns stand ein Ausflug zum Fuji-san auf dem Programm. Das bedeutete, einen langen Tag im Bus zu verbringen.

Pausen auf Rastplätzen an der Autobahn waren natürlich auch Programminhalt. Wir lernten eine neue Begrifflichkeit: „Harmonie herstellen“, was Toilettengang bedeutete. Der Begriff kommt wohl nicht aus dem japanischen, aber Franz gefiel das und uns auch. Es ist doch angenehmer, den Bus zu einem Stopp zu animieren mit der Bitte: „Ich möchte Harmonie herstellen“, als zu sagen: „Ich muss aufs Klo“. *lach.

Auf den Rastplätzen war immer die Möglichkeit sich etwas zu essen, zu trinken oder zu knabbern zu kaufen. In diesem Fall war es eine gute Idee, sich mit Verpflegung einzudecken, denn für eine ausgiebige Mittagspause mit Einkehrmöglichkeit war das Zeitfenster an diesem Tag zu knapp. Es war spannend, zu schauen, was es in Japan so alles zu kaufen gab und ich war richtig froh über meinen Handy-Übersetzer. Einen Fehlgriff hatten wir dadurch nie. Manches was lecker aussah, entsprach überhaupt nicht dem, was wir uns ausgemalt hatten.


Einkommen, Renten und ähnliches
Reiseleiter Franz erzählte uns viel über Land und Leute. Unter dem Thema: „Frag doch mal den Reiseleiter“, beantwortete er unsere Fragen.
Das durchschnittliche Jahreseinkommen der Japaner lag 2023 bei 4,9 Mio. Yen, was etwa 28.000€ (in Deutschland 45.552€) entspricht. Wohnen ist teuer, je näher man an Städten wohnt, desto teurer. Die Lebenshaltungskosten sind eher gering.
Arbeitslosen-, Renten- und Krankenversicherungen gibt es ebenfalls. Die Arbeitslosengelder sind allerdings niedriger als in Deutschland und werden für einen kürzeren Zeitraum bezahlt. Das Rentenniveau liegt bei ca. 38 % des Einkommens und Altersarmut ist durchaus ein Thema. Viele Rentner nehmen nach Renteneintritt Teilzeitjobs an, aber nicht nur des Geldes wegen, sondern auch, um dem Tag Struktur zu geben.

Das Renteneintrittsalter liegt ähnlich wie bei uns bei 65 Jahren, in manchen Betrieben bereits ab 60 Jahren. Der Mindestlohn beträgt ca. 6-7 €/Std.
Die Arbeitslosenquote liegt in Japan bei 2,5 % und in Deutschland bei 6,2 %. Der Unterschied zwischen den beiden Ländern liegt in der Mentalität: Japaner empfinden es als große Schmach in die Situation der Arbeitslosigkeit gerutscht zu sein und bemühen sich, schnellstmöglich wieder herauszukommen. Oft verheimlichen sie in ihrem Umfeld die Misere. Es werden auch gering bezahlte Arbeiten angenommen, um diesen Zustand rasch zu beenden. In Deutschland herrscht oft (nicht immer!!) die Meinung vor, dass irgendwer dafür verantwortlich ist und helfen muss.
Im Krankheitsfall werden 70 % der Arztkosten übernommen. Den Rest muss man selbst erbringen. Es wird von allen sparsam mit den Ressourcen umgegangen.
Die Lebenserwartung bei Frauen liegt bei 88 Jahren (83,2 in Deutschland) und bei Männern bei 83 Jahren (78,5 in Deutschland). Es gibt auch Pflegeheime – ähnlich wie in Deutschland. Allerdings wird die Familie stärker in die Pflege eingebunden.

Die lange Busfahrt verging zügig, auch dank der interessanten Informationen von Franz. Wir bewunderten die herrliche Natur. Die Landschaft war grün, also ich meine aufgrund des feuchten Klimas richtig satt grün sowie bergig. Durch die plattentektonischen Prozesse sind auch viele Berge vulkanischen Ursprungs.

Japan hat ca. 68 % Waldfläche, Deutschland im Vergleich 31 %. Nach jeder Biegung der Straße konnte man aufs Neue staunen und fotografieren. In den Wäldern leben Bären und wilde Affen, die durchaus bis an die Straße kommen.
Fuji
Wir fuhren weiter Richtung Fuji und kamen kurz vor unserem Ziel in der Stadt Fujiyoshida an einem großen Vergnügungspark vorbei, dem Fuji-Q Highland. Dort gibt es einige rekordverdächtige Achterbahnen.

Eine davon konnte man von der Autobahn aus gut sehen. Wenn man auf ihr den höchsten Punkt erreicht hat, kann man – im besten Fall – den Fuji sehen und danach geht es steil bergab. Uii – ich denke an meine einzige Achterbahnfahrt im Leben zurück und schwanke zwischen Begeisterung und Entsetzen. *lach.

Arakura Sengen Schrein und Pagode
Als wir an unserem Ziel ankamen, waren wir schon darauf vorbereitet, einen ausgiebigen Fußmarsch vor uns zu haben. Was wir im klimatisierten Bus verdrängten, war die erbarmungslose Hitze und Luftfeuchtigkeit von 68 %. Frohen Mutes machten wir uns trotzdem auf den Weg zum Arakura Sengen Schrein. Dieser befindet sich in einem wunderschönen Park am Hang des Berges Arakura. Der Schrein wurde im 9. Jahrhundert zu Ehren einer Göttin errichtet, die mit dem Fuji und den Kirschblüten in Verbindung steht.
Dem aufmerksamen Leser ist bestimmt das Wort „am Hang“ aufgefallen…. Ja, es ging beständig bergauf. Man spricht von 400 Stufen – es führte aber auch ein etwas angenehmer zu gehender Fußweg nach oben.

Die Bemerkung eines Mitreisenden: „Es gibt Stellen, an denen man schwitzen kann, die kannte ich vorher gar nicht,“ mag unseren Zustand ein klein wenig beschreiben. Hätte jemand die Herausforderung nicht angenommen und wäre im Bus geblieben, hätte er wirklich etwas verpasst.

DAS Postkartenmotiv mit dem Fuji (leider in Wolken – aber egal) im Hintergrund, die rote, fünfstöckige Chureito-Pagode und die Kirschbäume im Vordergrund waren die Schinderei wert. *lach. Selbst fotografiert und nicht gekauft – dieses Erlebnis nimmt uns niemand!

Die Pagode hat eine recht junge Geschichte: sie wurde 1963 im Gedenken an Kriegsopfer und für den Frieden erbaut.
Interessantes zum Fuji
Fuji oder Fuji-san sind die japanischen Schreibweisen. Das bei uns bekannte „Fudschijama“ wurde aus dem englischen Fujiyama „eingedeutscht“. Ich bleibe hier bei der Schreibweise Fuji.
Dieser 3.776 Meter hohe Vulkanberg ist seit 2013 UNESCO-Weltkulturerbe und liegt in der Präfektur Yamanashi. Schon seit Jahrhunderten wird er als heilig verehrt und selbst die Kaiser Japans beugten sich vor dieser „Gottheit“, um sie und ihre Ausbrüche milde zu stimmen. Aufgrund der symmetrischen Kegelform gilt er als einer der schönsten Berge der Welt. Er inspirierte manchen Poeten zum Verfassen von Gedichten und Liebesgeschichten. Manche Sage rankt sich um diesen mystischen Berg. Mittlerweile wurde die Landschaft um den Fuji zum Naturdenkmal und Nationalpark ernannt.

Der Klimawandel ist auch hier spürbar: Ende Oktober 2024 lag erstmals, seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, noch kein Schnee auf dem Fuji. Normalerweise beginnt die Schneesaison dort Anfang Oktober.
Leider verhüllt sich der Fuji an vielen Tagen im Jahr in Wolken. Wir hofften auf einen klaren Blick und bekamen ihn nicht. Ein beeindruckendes Erlebnis, dem Fuji so nahe zu sein, war es trotzdem. Deshalb kann ich nicht von „Enttäuschung“ sprechen.
Reisezeiten mit verschiedenen Effekten
Die Chance auf einen klaren Blick auf den heiligen Berg hat man übrigens am ehesten in den Monaten Oktober bis Februar. Die Kirschen blühen im April, dann wollen das allerdings sehr viele Menschen sehen, fotografieren und erleben… von Vorteil sind dann die angenehmeren Temperaturen – man kann nicht alles haben…
Regenzeit in Japan ist Juni/Juli, der August ist schwül – hm wir waren im Juli dort und hatten es sehr schwül aber trocken – die statistischen Angaben sind vermutlich fließend. Eine schöne Jahreszeit ist auch der Herbst, wenn der Ahorn seine Blätter rot färbt. Im Oktober und November liegen die Temperaturen bei angenehmen 20-25 Grad.
Ashisee
Auf dem Rückweg zum Bus kauften wir die größten Äpfel ever. Sauber gewaschen und auf Wunsch zerteilt ließen wir sie uns auf der Fahrt zum nächsten Ziel schmecken.

Durch den Nationalpark fuhren wir quasi um den Fuji herum zum Ashinokosee kurz Ashisee. Er entstand vor 3.000 Jahren bei einem Vulkanausbruch und hat keinen natürlichen Zu- oder Ablauf. Aufgrund des vulkanischen Untergrundes friert er im Winter nie zu. Er liegt auf 700 Metern Höhe.
Kluge Geschäftsleute machten diese Region zu einer Touristenattraktion, Piratenschiffe sind ein Teil davon.

Wenn man Glück hat, kann man den Fuji auf einer solchen Bootsfahrt sehen. Wir erfreuten uns an dem Wissen, dass er sich hinter den Wolken versteckt und genossen den Fahrtwind.

Um den Fuji herum gibt es viele heiße Quellen. Man kann es bei entsprechenden Temperaturen schon von Weitem am aufsteigenden Dampf erkennen.
Pazifik
Über Odawara ging unsere Reise am Pazifischen Ozean entlang Richtung Kamakura. Wir konnten gut verstehen, dass die schönen Badeorte und Strände viele Einheimische, Urlauber und Surfer anzogen.

Franz beschrieb diese Gegend als Hawaiianisch – ich war noch nie auf Hawaii, aber wenn es dort so aussieht, dann gefällt mir das.
Insel Enoshima
Die kleine Insel Enoshima hat auch den Namen „Liebesinsel“. Wenn man auf die Insel Enoshima eingeladen wird, kann man davon ausgehen, dass eine Liebeserklärung geplant ist. Die Japaner sind eher zurückhaltend mit ihren Liebesbezeugungen und zeigen dies lieber durch symbolische Gesten. Der 14. Februar ist auch in Japan der Valentinstag, allerdings beschenken Mädels die Jungens. Der Ausgleich kommt am 14. März, dann ist White Day und dann werden die Mädels von den Jungens mit Gaben bedacht.
Enoden
Durch Influenzer wurde eine Eisenbahnlinie sehr berühmt und wir waren Zeugen, wie sich viele junge Menschen genau dort mit dem Zug fotografierten. Es handelt sich um den Enoshima Electric Railway, kurz Enoden genannt.

Die Strecke, die der Zug fährt, soll wunderschön sein, da sie genau an der Küste entlang führt.

Mir erschließt sich der Sinn, sich mit dem Zug zu fotografieren nicht. Mitfahren ja, aber ein Foto von mir und dem Zug????
Kamakura – Großer Buddha
Letzte Etappe dieses 4. Reisetages war in Kamakura der Besuch des Tempels Kotoku-in mit der berühmten großen Buddha-Statue. Der Buddha wiegt 121 Tonnen und ist 13 Meter hoch.

Gegen eine kleine Spende kann man das Innere der Statue besichtigen – ich war natürlich auch drin. Aha, alles war hohl *lach – und doch war es ein eigentümliches Gefühl, IN einem Buddha zu stehen.

Nette Reisebegleiter meinten später, sie haben gesehen, wie wir dem Buddha in den Allerwertesten gekrochen wären… *lach – so kann man das auch sehen.
Der Buddha stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist eine der am meisten besuchten Sehenswürdigkeit Japans. Rund um den Buddha gibt es kleine Verkaufsstände. Mich hat besonders die wunderschöne Parkanlage beeindruckt. Ich empfand den Ort als friedlich und schön. Vielleicht lag es auch daran, dass wir gegen Abend dort waren und die meisten Besucher schon weg.
Heimwärts am 4. Tag
Vorbei an Yokohamas Skyline, die in der untergehenden Sonne gut zur Geltung kam, fuhren wir zu unserem Hotel in Tokio.

Abendessen gab es in Büfett-Form im Hotel. Wir entschieden uns, ungeduscht und zügig zum Essen zu gehen, damit wir danach frühzeitig auf die Zimmer konnten, um die Koffer für den nächsten Tag vorzubereiten und auch zur Ruhe zu kommen.



Das Büfett war super und ich aß zum ersten Mal im Leben Königskrabbenbeine. Das dazu benötigte „Werkzeug“ lag neben den Krabben und ein netter Kellner zeigte mir, wie es benutzt wird – eher pantomimisch wieder *lach. Ja, es ist mühselig, bis man alles herausgepult hat, aber es schmeckte dann auch lecker!!!

Wie ich später mitbekam, versuchten sich noch mehrere Mitreisende zum ersten Mal an dieser Köstlichkeit. Man muss die Gelegenheiten nutzen, wie sie kommen!!
5. Tag

Beim Frühstücken war ich mittlerweile von den vielen Eindrücken nicht mehr so erschlagen und beobachtete, wie Japaner die erste Mahlzeit des Tages zu sich nahmen. Was mir auffiel war, dass durchaus auch zu einem Toastbrot mit Marmelade gegriffen wurde. Mangels Messer wurde die Butter mit einem kleinen Holzspatel aufgetragen – in manchen Hotels waren kleine Buttermesser im Einsatz.
Ansonsten ging alles mit Stäbchen, sogar ein hartgekochtes Ei wurde mit Stäbchen aus der Schale gelöffelt – ist das falsche Wort: gestäbelt? *lach. Suppen, Reis, Currysoßen, Fisch in allen möglichen Varianten machten gut satt und stark für den Tag.
Messer und Gabel waren in den Hotels für Touristen vorhanden. Japaner benötigen sie nicht. Ich verglich es mit einem Besuch von Japanern in Deutschland: Sie hätten, wären sie nicht darauf vorbereitet, durchaus ihre Schwierigkeiten alles mit Messer und Gabel zu essen und würden unser Besteck liegen lassen, wenn Stäbchen angeboten würden.
Im Bus wurden wir mit einem neuen Mitreisenden bekannt gemacht: Mario, der sich überlegte, selbst als Reiseleiter tätig zu werden und bei Franz zum Lernen mitfahren sollte. Ich denke, da hatte er einen wirklich guten Lehrmeister, denn Franz konnte ziemlich schnell eine gute Verbindung zu allen Reisenden herstellen und auch komplizierte Situationen souverän meistern.

Unsere Fahrt ging Richtung Norden nach Nikko. Entlang des Arakawa-Flusses in Tokio sahen wir viele Menschen, die Sport trieben.

Am frühen Samstagmorgen waren schon zahlreiche Sportsfreunde unterwegs, um sich mit Baseball oder Fußball fit zu halten. Baseball ist in Japan Nationalsport.


Nachdem wir das Zentrum Tokios hinter uns gelassen hatten, waren die Häuser nicht mehr so überdimensional groß. Die kleineren Häuser werden oft in Fertigbauweise gebaut und gehen bei Erdbeben leichter kaputt. Sie werden nicht für die Ewigkeit gebaut, sondern es ist normal, dass Häuser nach einer gewissen Lebensdauer abgerissen und neu erbaut werden.

Franz erzählte uns auf dem Weg wieder allerlei Interessantes. Z. B. gibt es in Japan viele Liebeshotels. Der Grund ist, dass zu Hause meistens wenig Platz ist und die Wände dünn…
Geschichte
Auch über die Geschichte Japans erfuhren wir Wissenswertes:
Vor etwa 30.000 Jahren kamen erste Menschen über eine Landbrücke von Korea und Sibirien nach Hokaido. Diese Landbrücke gibt es schon lange nicht mehr.
Eigentlich ist Japan eine Inselkette, mit den 4 Hauptinseln: Hokkaido, ganz im Norden, Honshu, der größten und bevölkerungsreichsten Insel, Shikoku und Kyushu im Süden. Zum japanischen Archipel gehören weitere 6800 kleine und kleinste Inseln.

In früheren Zeiten hatte das Militär mit seinen Shogunen viel Macht. Die Samurai waren die Berufskrieger. Bei Bürgerkriegen ging es in aller Regel um die Macht zwischen Familien. Kaiser Tokugawa Ieyasu einigte das Land im 16. Jahrhundert mit dem Leitsatz: „Vertrauen und Kontrolle“, das funktioniert bis heute.
Während der Edo-Zeit, also der Zeit, als die Shogune regierten (von 1603 bis 1868) hatte Japan kaum Beziehungen zu anderen Ländern und Ausländern war die Einreise verboten. Nachdem die Shogune gestürzt waren und der Kaiser zurückkam, öffnete sich das Land Stück für Stück.

Bis auf die Zeit etwa 600 v. Chr. lässt sich die Geschichte der Kaiser in Japan zurückverfolgen.
Der Legende nach soll der erste Kaiser von der Sonnengöttin Amaterasu abstammen. Die Familie des ersten Kaisers stellt bis heute den Kaiser. Im 6./7. Jahrhundert gab es auch Kaiserinnen, ansonsten wurden nur männliche Thronfolger zum Kaiser ernannt. Ein anderes Wort für Kaiser ist Tenno, was so viel wie himmlischer Herrscher bedeutet. Japan hat die älteste durchgängige Monarchie der Welt. Der aktuelle Kaiser ist seit 2019 Kaiser Naruhiito, seine Frau ist Kaiserin Masako. Beide leben im kaiserlichen Palast in Tokio.


Wir fuhren an dem schönen Park vor dem Palast vorbei. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges (1945) hat der Kaiser „nur noch“ repräsentative und zeremonielle Verpflichtungen. In der letzten Phase des Krieges fanden die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki statt. Dazu später mehr.
Nikko
Wir merkten gar nicht, wie unter den Erzählungen die Zeit verging und wir an unserem ersten Ziel, dem Nikko-Futarasan-Schrein ankamen. Da es in der Nähe noch einen Futarasan-Schrein gibt, wird der Name der Stadt, in unserem Fall Nikko, vorne angestellt. Die Anlage ist in den großen und großartigen Nikko-Nationalpark eingebettet, der mit seiner gesunden Natur und Spiritualität an vielen Stellen einfach nur wohltuend war.
Die wunderschön geschwungene Shinkyo Brücke war der erste Blickfang, den wir vom Bus aus sahen.

Im Jahr 782 wurde der Futarasan-Schrein gleich neben dem Toshogu-Schrein und dem Taiyuin-Tempel von einem Mönch gegründet. Der Tempel ist den umliegenden drei heiligen Bergen gewidmet.
Der prunkvolle Toshogu-Schrein ist Tokugawa-Ieyasu, dem Gründer der gleichnamigen Dynastie zu Ehren erbaut worden. Als Teil der Holzschnitzerei kann man die wohl älteste Darstellung der bekannten drei Affen, mit ihrer Symbolik: „nichts (Böses) sagen, nichts (Böses) hören und nichts (Böses) sehen“, an der Stirnseite des Toshogu-Schreines sehen.

Das prachtvolle Bauwerk hat viele schöne Schnitzereien, aber die drei Affen erlangten quasi Weltruhm.
Vor der goldenen Hasenstatue in der Nähe des Toshogu-Schreines kann man für Glück, Erfolg und gute Beziehungen beten.

Im Futarasan-Schrein sind 2 Schwerter aufbewahrt, die zu Japans Nationalschätzen gehören. Die Gesamtheit der Bauwerke auf dem Gelände ist seit 1999 UNESCO-Weltkulturerbe.
Über 200 Stufen führten hinauf zum Mausoleum, von wo aus wir einen herrlichen Blick über die gesamte Anlage hatten.

Dieser Weg war bis ins Jahr 1960 nur dem Kaiser vorbehalten.

An dem Tag, als wir dort waren, wanderte eine nicht enden wollende Menschenmenge die steilen Treppen nach oben und nach unten.

Bemerkenswert fand ich ein Tor, auf das uns Franz aufmerksam machte. Auf der einen Seite waren über dem Torbogen eine schlafende Katze und wenn man durch das Tor ging, auf der Rückseite, kleine Vögel zu sehen. Sinnbildlich wird hier dargestellt, dass man durchaus friedlich miteinander leben kann: die Katze bewacht die Vögel und die Vögel warnen die Katze, wenn Gefahr droht.


Wir hatten Zeit, uns umzuschauen und den herrlichen Park in eigenem Tempo zu bewundern.

An jeder Ecke war ein Kleinod zu entdecken und wir hätten durchaus noch länger bleiben können.

In unserer Reisegruppe waren auch Menschen dabei, die sich sehr für Architektur und Bauweise der Tempel interessierten. Sie sind hoffentlich beim Lesen dieses Berichtes nicht enttäuscht. Ich persönlich habe von Architektur wenig Ahnung und kann nur meine eigenen Eindrücke wiedergeben. Dass da noch viel Interessantes zu berichten wäre, ist mir klar.
Richtung Nagano
Auf der Weiterreise nach Nagano erreichte uns die Nachricht, dass ein Koffer aus unserer Reisegruppe im Hotel in Tokio stehen geblieben war. Groß war der Schreck bei der alleinreisenden Besitzerin. Sie hatte verstanden, dass die Koffer vom Hotel in den Bus gebracht würden und deshalb ihren Koffer an dem vereinbarten Platz im Hotel stehen lassen. Japan wäre nicht Japan, hätte man dieses Missgeschick nicht reibungslos lösen können: am nächsten Tag war der Koffer ins neue Hotel nachgeliefert worden (für einen kleinen Obolus!). Einen Abend/Nacht musste sie ohne den Inhalt ihres Koffers zurechtkommen. Es wurde von vielen Seiten Hilfe angeboten und ich denke, dass das Hauptproblem in dieser Situation sie selbst war, weil sie sich über sich so sehr ärgerte *lach. Das kann ich gut verstehen. Ein großes Lob an Franz, der die Sache ruhig und souverän klärte.

Franz brachte uns auf der etwas länger dauernden Busfahrt die japanische Sprache nahe und zeigte an ein paar wenigen einfachen Schriftzeichen die Komplexität dieser Sprache auf. Mein Respekt für Menschen, die japanisch lernen ist riesengroß!!! Kleinste Unterschiede ergeben eine komplett andere Bedeutung. Mein Sprachschatz beschränkte sich auf: Arigato, das heißt Danke. Das R wird eher weich ausgesprochen und so sprachen wir es immer als „Aligato“ aus und ich hatte das Gefühl, dass sie es verstanden. Hai heißt ja und Ohayo heißt guten Morgen.

Auf dem letzten Stück Wegs ins Hotel und nach einer Pause auf einem Autobahnrastplatz, genoss ich es, die herrliche, sattgrüne Landschaft an mir vorbeiziehen zu lassen und die vielen unglaublichen Eindrücke sacken zu lassen.
Nagano
Bevor wir im Hotel in Nagano eincheckten, aßen wir in einem kleinen Lokal zu Abend. Eigentlich war uns allen nach Duschen zumute, aber wenn wir erst ins Hotel gefahren wären, hätte es ziemlich spät Abendessen gegeben, deshalb war ich persönlich mit dem Kompromiss einverstanden. Das Abendessen war wieder ganz anderer Art, als wir es bisher kennen gelernt hatten. Viele kleine Schälchen – das kannten wir schon, aber dann wurde auf einem vorbereiteten Kocher auf dem Tisch gebrutzelt und jeder nahm sich seine Portion. Eine besondere Sorte Bohnen, die man aus der Schale pult, war eine neue und leckere Erfahrung.

In dem Lokal waren wir auf mehrere kleine Räume verteilt. Franz ging von Tisch zu Tisch, um zu erklären, was wir vor uns stehen hatten. Glücklicherweise hatte Mario an unserem Tisch einen Platz gefunden und wir konnten ihn mit unseren Fragen löchern.
Bemerkenswert finde ich, dass in allen Lokalen Trinkwasser kostenfrei angeboten wird.
Onsen
Satt und müde erreichten wir unser Hotel Kokusai 21 in Nagano. Trotzdem machte sich eine kleine Gruppe Frauen – ich natürlich mit dabei – noch auf, in einen öffentlichen Onsen zu gehen. Wenn man ganz einfach erklären möchte, was ein Onsen ist, könnte man sagen: ein Thermalbad. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn zum Onsen gehören, wie ich das in Japan mittlerweile schätzen gelernt hatte, viele Rituale. Onsen sind fester Bestandteil der japanischen Badekultur und haben eine lange Tradition. Japaner gehen zum Teil mehrmals in der Woche in einen Onsen.
Männlein und Weiblein sind getrennt. Tattoos sind verboten. Kleine Tattoos können abgeklebt werden, Menschen mit größeren Tattoos werden nicht eingelassen. Für sie bleibt nur der Besuch in einem privaten Onsen. Die Schuhe wurden am Eingang ausgezogen und in einem Schließfach deponiert. In einer Umkleidekabine entkleidete man sich und hatte ein weiteres Schließfach für die Kleidung und persönlichen Dinge.
Normalerweise werden Onsen von Quellen gespeist, die aus vulkanischen Aktivitäten entstanden sind. Deshalb spricht man ihnen eine besondere Heilkraft zu. Ein Onsen ist ein Ort der Ruhe und Entspannung – außer es sind deutsche Touristinnen drin *lach. Bevor man den Onsen betritt, reinigt man sich nach einem bestimmten Ritual. Ich konnte den korrekten Ablauf nicht genau erkennen und wollte natürlich die anderen nackten Ladys nicht unangemessen beobachten. Mindestens 3-mal seift man sich ein, incl. Haare – und duscht sich jedes Mal wieder gründlich ab – so viel konnte ich unauffällig erkennen. Geduscht wird im Sitzen auf kleinen Hockern, denn würde man stehen, könnte man andere Onsen Besucher*innen nass spritzen. Danach legt man sich für 10-15 Minuten in das sehr warme Thermalwasser und lässt die Ruhe und Wärme auf sich wirken.
Auf der Toilette hatte ich übrigens zum ersten Mal Kontakt mit den ab und zu beschriebenen Toilettenschuhen: Man zieht auf der Toilette besondere Hausschuhe an, die außerhalb dieses Raumes nicht getragen werden. Ich las davon, hatte im Hotel aber nie welche gesehen. Vermutlich wird das eher in privaten Haushalten so gehandhabt.
Eine kleine Sauna war in diesem Onsen auch vorhanden, sowie ein Abkühlbecken. Ich glaube, in dem Abkühlbecken fielen wir unangenehm auf, denn wir waren ziemlich laut und hatten unseren Spaß. Nachdem wir den ganzen Tag den sehr feuchtwarmen Temperaturen ausgesetzt waren, tat uns eher die Abkühlung nach der Sauna als die Hitze gut.
Gut gelaunt und völlig entspannt gingen wir zum Hotel zurück und schliefen wie die Babys. Fotos gibt es von diesem Programmpunkt naturgemäß nicht *lach. Im Internet kann man sich eine Anleitung über Verhaltensweisen im Onsen anschauen.
6. Tag

Meine Begeisterung für japanisches Frühstück wuchs von Tag zu Tag und ich wurde immer mutiger. Der frühen Stunde war es geschuldet, dass ich nicht mit Stäbchen frühstückte – diese Konzentration hob ich mir für den Abend auf und da funktionierte es schon ganz gut.


Eine für uns erkennbare Besonderheit hatte unser Hotel in Nagano: Jedes Zimmer hatte einen Schirm in einem abschließbaren Schirmständer. Vermutlich musst du das Foto etwas länger betrachten, um es zu erkennen *lach.

Leider sahen wir nicht viel von Nagano, sondern mussten weiterziehen. Das liegt in der Natur einer Rundreise…


Wieder genoss ich die Fahrt durch die herrliche, grüne Landschaft. Neu an der Landschaft war, dass es bergig wurde.

Franz erzählte uns, dass es in der kühleren Jahreszeit am Dunst gut sichtbar sei, wo sich im Wald Onsen, also vulkanische heiße Quellen, befinden.
Jigokudani Monkey Park
Unser erstes Ziel an diesem Sonntag war der Jigokudani Monkey Park.

Er wurde 1964 gegründet, um das Verhalten der Schneeaffen zu erforschen. In dieser Gegend liegt im Winter sehr viel Schnee und durch die hohen Berge kommen nur wenige Sonnenstrahlen im Tal an. Die Schneeaffen, auch Japanmakaken genannt, kamen schon immer im Winter zu den heißen Quellen, um sich beim Baden zu erwärmen. Um sie erforschen zu können, wurden sie mit Futter zu bestimmten Tageszeiten angelockt. Bis heute kommen die Schneeaffen zu den heißen Quellen und werden mit Futter „belohnt“.
Ein wunderschöner Weg führte dorthin.





Es war ein schwülheißer Tag und die Affen hatten offensichtlich keine Lust, sich in das heiße Wasser zu legen.

Die Tiere sind sehr scheu und aufmerksame Mitarbeiter der Forschungsstation beobachteten genau, wenn wir den Tieren zu nahe kamen und griffen dann sofort ein.

Wir kennen Affen eigentlich nur aus dem Zoo und mir fiel es schwer, zu begreifen, dass es sich hier um wildlebende Affen handelt, die nach einer geraumen Zeit (Stunden) wieder in die Wildnis zurückkehrten. Sie waren weder eingezäunt noch sonst irgendwie eingeschränkt. Es war ihre eigene Entscheidung, bzw. die ihres Magens und Belohnungssystems an diesen Quellen zu bleiben, solange sie Lust hatten.


Viele Schneeaffen-Mamis hatten kleine Babys und uns gefiel das natürlich sehr. „Wie süß“, diesen Ausruf hörte man mehr als einmal. Ich habe eine Unmenge von Fotos gemacht.
Was tun bei Hitze?
Die Hitze des Tages machte uns zu schaffen und wir waren froh, dass eine längere Busfahrt im klimatisierten Bus vor uns lag. Gegen die schwüle Hitze hatte jeder seine eigene Methode entwickelt.
Ich war froh über mein feuchtes Kühltuch, welches ich mir um die Stirn band und die Bändel mir noch den Nacken kühlten. Es sah nicht gut aus und die Frisur war schnell dahin, aber das war mir sehr egal!!
Helmut tat es gut, sein Kühltuch um den Arm zu binden, um den Puls zu kühlen. Auf Fotos sieht er oft aus, als ob er einen Verband am Arm hätte – auch egal! Die kühlenden Tücher wurden übrigens von manchen Mitreisenden in Japan gekauft.
Eine weitere Methode waren Fächer. Man konnte sich damit ein wenig Erleichterung verschaffen. Ich mochte sie nicht so gerne, weil man immer etwas in der Hand halten musste.
Kleine Hand-Ventilatoren waren auch im Einsatz. Da bekam ich manches mal mit, dass die Akkus leer waren und erst wieder neu geladen werden mussten. Das war dann natürlich ärgerlich.
Auch ein Spray zur Kühlung war im Einsatz und ich glaube, dass der Wassernebel die Erleichterung bringen sollte.
Bei manchen Japanern, vor allen Dingen bei denen, die draußen arbeiteten, beobachteten wir, dass sie sehr dicke Jacken trugen. Franz erklärte uns, dass Ventilatoren in den Seiten eingenäht seien, die die Jacke aufblasen und durch den Wind kühlen. Tatsächlich kann man das auch in Deutschland schon kaufen…

Bei jeder Pause wurden kalte Getränke aus den Automaten gezogen. Zu Hause vertrage ich keine eisgekühlten Getränke – dieses Problem hatte ich in Japan nicht.
Ich kaufte mir einen Schirm, der 98 % UV-Strahlung abhält, und fand ihn eigentlich gut, außer dass man eben wieder etwas in der Hand hält.
Bei diesem Kauf erlebte ich wieder einmal, wie sehr unsere Kultur in unseren Knochen steckt. Ich wusste, dass man sich in Japan niemals per Handschlag begrüßt oder verabschiedet. Die Verkäuferin des Schirmes, mit der ich via Übersetzer kommuniziert hatte, reichte mir nach Abschluss des Bezahlvorganges die rechte Hand über den Tresen – meinte ich. Natürlich ergriff ich reflexartig die Hand, um mich zu verabschieden. Ihr entgeistertes Gesicht ließ mich schnell merken, dass irgendetwas nicht stimmte… Ich hatte den Einkaufskorb noch in der Hand und wollte diesen zurückbringen – sie wollte ihn mir abnehmen. Mehr nicht. Als sie dann mein entsetztes Gesicht (über mich) sah mussten wir beide herzlich lachen. Mit der bereits gut gelernten Verbeugung verabschiedete ich mich dann so, wie es sich in Japan gehört.
„Frag doch mal den Reiseleiter“
Auf der langen Fahrt bot uns Franz immer wieder die Fragerunde: „Fragt doch mal den Reiseleiter“ an. Das taten wir gerne und bekamen gute und verständliche Antworten:
Dienstleistungsunternehmen wie Post und Baumärkte sind an 7 Tagen in der Woche geöffnet. Rund um die Uhr ist das nur bei Lebensmittelmärkten der Fall. Die Arbeitszeit ist normalerweise von 9-18 Uhr mit 1 Stunde Pause.
Japaner haben 10 Tage Urlaub im Jahr. Bei längerer Betriebszugehörigkeit können es im Laufe eines Arbeitslebens bis zu 20 Tagen werden. Bezahlte Krankheitstage gibt es nicht. Wenn man wirklich für einen Tag krank ist, nimmt man Urlaub.

An diese Stelle passt das Thema „Mundschutz“ ganz gut. Unter den gegebenen Umständen will man nicht gerne krank sein und seine Urlaubstage verplempern.
Wo viele Menschen sind, kann man sich anstecken – oder – wenn man selbst erkältet ist, will man rücksichtsvoll die Menschen in seiner Umgebung schützen. Das geht am besten mit einer Maske.
Manche Menschen haben Heuschnupfen, der mit einem Mund-Nasenschutz ebenfalls gelindert wird.
Wer im Service arbeitet, ist verpflichtet, eine entsprechende Maske zu tragen.

Schulsystem:
Normal sind 9 Schuljahre: 6 Jahre Grundschule, 3 Jahre Mittelschule und danach absolvieren 95 % der Kinder für weitere 3 Jahre die Hochschule.
Kinder werden sehr früh zur Selbständigkeit erzogen. Es ist nicht unüblich, dass Kinder mit 4 Jahren schon – kindgerecht – allein einkaufen gehen. Bei uns schickt man sie auch schon mal zum Bäcker mit abgezähltem Geld.
Schüler reinigen die Klassenräume und Schulgebäude selbst. Das erwähnte ich schon einmal, finde es aber so bemerkenswert, dass ich es ein zweites Mal schreibe.
Mahlzeiten werden von Schülern bereitet und ausgeteilt. Es gibt Unterricht in Ernährungskunde, damit die Kinder lernen, wie wichtig ausgewogene Mahlzeiten sind.
In der Grundschule wird mehr Wert auf Vermittlung von Werten und Normen als auf den Lernstoff gelegt. So lernen die Kinder Respekt, Höflichkeit, wie man Reis anbaut und auch Hauswirtschaft.
Schon in manchen Grundschulen tragen Kinder Schuluniformen. Ein Schulranzen kostet ca. 400 €.
In der Mittelschule geht es schwerpunktmäßig um den Lernstoff. Ab der Mittelschule tragen alle Kinder eine Schuluniform. Diese kostet 200-300 €. Staatliche Zuschüsse können beantragt werden.
Wer zur Hochschule will, muss eine Aufnahmeprüfung machen. Es gibt staatliche und private Hochschulen, beide kosten Schulgeld. Schüler müssen 92 % der Unterrichtstage anwesend sein, um einen Abschluss der Hochschule zu bekommen.
Viel soziales Leben findet an der Schule in Klubs statt, in denen die Kinder ihren Interessen nachgehen können, wie z. B. Sport oder Musik.
Oft haben die Kinder samstags Unterricht. Das liegt im Ermessen der einzelnen Schule. Normalerweise beginnt der Unterricht um 8.30 Uhr mit einer Klassenleiterstunde. Das ist eine Besprechung über das, was an diesem Tag anliegt. Der Unterricht hat 6-7 Schulstunden á 45 Minuten mit einer kleinen Mittagspause. Danach gibt es 20/30 Minuten Klassenappell und die Schüler reinigen ihren Klassenraum. Später sind die Klubaktivitäten und falls nötig gehen sie zur Nachhilfe. Hausaufgaben sind oft Förderprogramme.
Das Image einer Schule liegt den Schülern am Herzen. An ihren Schuluniformen kann man erkennen, auf welche Schule sie gehen. Eine Schule mit einem hohen Ansehen bekommt evtl. mehr Spenden und Zuschüsse und kann damit den Kindern mehr bieten.

Schüler haben 6 Wochen Ferien.
Um studieren zu können muss man eine Aufnahmeprüfung machen und die findet an 1 Tag im Jahr statt. Hat man die verpasst, muss man ein Jahr warten.
Berufsausbildung dauert zunächst 2 Jahre und findet in einer Berufsschule statt, die Praxisausbildung erfolgt danach in den Betrieben.
An Grenzen stößt dieses geordnete System, wenn Kinder nicht angepasst sind und im Rahmen ihrer Pubertät ihre Grenzen austesten. Freigeistiges Denken und Kreativität haben wenig Platz in der japanischen Gesellschaft und die Kinder werden unter Druck gesetzt. Einige bekommen psychische Probleme oder geraten auf Abwege. Eine Möglichkeit der Abgrenzung ist es, sich die Haare bunt zu färben. Das war lange Zeit verboten und ist ein ganz neuer Weg, sich anders darzustellen. Ich kann mir gut vorstellen, dass japanische Eltern völlig überfordert sind, wenn sich ihr Kind unangepasst entwickelt. Da sie selbst nichts anderes kennen, machen sie sich bestimmt große Sorgen. Bilder, die vom anderen Ende der Welt (Deutschland, Europa) zu ihnen kommen, machen da gewiss keinen Mut…
Das Bildungsniveau ist in Japan sehr hoch. Auch gebildete Leute verrichten Arbeiten niederer Art.

Kindergärten gibt es in Japan wenige. Auch Krippen und Tagesmütter sind unüblich. Wenn keine Oma oder ähnliches zur Betreuung des Kindes greifbar ist, bleiben die Mütter bei den Kindern zu Hause, bis diese in die Schule kommen. Diese Entwicklung ist aber laut Internet-Recherche im Wandel begriffen, da in vielen Haushalten beide Eltern zur Arbeit gehen.
Im Jahr 2024 erblickten in Japan weniger als 700.000 Babys das Licht der Welt. Mit 1,15 Kindern pro Frau hat die Geburtenrate in Japan einen historischen Tiefstand erreicht und damit steuert Japan in eine ernsthafte demographische Krise.
Wenn Frau Kinder bekommt sind die finanziellen Einbußen sehr groß. Schwangere Frauen werden eher kritisch gesehen, weil sie dem Arbeitsmarkt lange Zeit nicht zur Verfügung stehen. Was Emanzipation angeht, hinkt Japan dem deutschen Anspruch deutlich hinterher.
Ein Arbeitgeber kann seinen Arbeitnehmer nur sehr schwer entlassen. Man umgeht diesen Prozess, indem man ihm nur stumpfsinnige Arbeiten gibt und mobbt ihn auf diese Weise aus der Firma. Fällt jemand in die Arbeitslosigkeit, verheimlicht er das sehr oft in seinem unmittelbaren Umfeld. Normalerweise ist eine Bindung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aber dauerhaft und gibt somit beiden Sicherheit.

Grundsätzlich kann man sagen, dass in Japan viel gearbeitet wird, aber nicht immer effizient. An jeder Ecke stand ein freundlicher Mensch, der einem den Weg wies, oder aufpasste, dass man sich so verhielt, wie es vorgesehen war. Das bringt naturgemäß eine gewisse Unflexibilität mit sich. Ich erkenne Vor- und Nachteile.
Nur Japaner können Beamte werden und der Anspruch an ihre Arbeitsleistung ist hoch.
Bettler gibt es sehr wenige, weil es als persönliches Versagen und Schmach empfunden wird. Obdachlose gibt es wenige, die offizielle Zahl lautet 0,02 %. Aber hier kann angenommen werden, dass die Dunkelziffer höher liegt, da Wohnraum sehr teuer ist und die Situation eher verheimlicht wird.

Der Ausländeranteil liegt bei unter 3 %. Meistens handelt es sich um Chinesen, Thailänder, Koreaner und Philippinos. In Deutschland liegt diese Zahl bei 15 %.
Die Antwort auf die Frage, warum Franz in Japan lebt, verstand ich sehr gut: er schätzt die Harmonie, die Freundlichkeit und die Ordnung. Die Haltung, immer das Gesicht zu wahren und diese Möglichkeit auch dem Gegenüber zu geben, bestimmen die Grundstimmung und den Umgang miteinander. Über work & holiday kam er nach Japan und lernte die Sprache in einer zertifizierten Schule.
Einen interessanten Faktor fand ich die Regelung des Güterverkehrs: der findet nämlich auf den Schienen statt. LKW´s werden normalerweise nur im Nahverkehr eingesetzt. Das erklärt, warum wir keine LKW-Schlangen auf den Autobahnen sahen…
Eine gute Erklärung bekamen wir auf die Frage, warum in Japan Linksverkehr herrscht: Das kommt aus der Zeit, als noch viele Samurai unterwegs waren. Sie trugen links ihre Schwerter und um sich nicht ins Gehege zu kommen, war man zu Fuß rechts unterwegs. Das wurde dann auf den Straßenverkehr übertragen. Böse Zungen behaupten, dass es dazu mehrere Erklärungen geben soll…
In Japan gibt es ca. 10.000 Straßentunnel. Einer der Längsten auf unserer Strecke war 12 Kilometer lang.
Nahe dem Japanischen Meer machten wir unsere Mittagspause an einem Rastplatz an der Autobahn. Wir konnten wie immer leckere Sachen finden, die wir uns schmecken ließen. Tische und Bänke – natürlich sehr sauber – im Schatten mit Blick aufs Meer luden zum Picknick ein.

Auf der Weiterfahrt ließ uns Franz weiterhin an seinem Wissen über Japan und die Japaner teilhaben:
Kuriose Eigenarten
Eine Sammlung von kuriosen Eigenarten der Japaner zeigt auf, wie viele Fettnäpfchen überall lauern können:
- Suppe wird leise geschlürft
- Nase wird hochgezogen (Nase putzen gilt als unfein)
- Absolutes NoGo ist essen während des Gehens. Der Respekt dem Lebensmittel gegenüber verbietet das.
- Die Verbeugung beim Begrüßen und beim Verabschieden – wie tief, wie lange … muss man lernen oder sehr genau beobachten.
- Händeschütteln macht hier niemand.
- Drängeln gibt es nicht.
- In öffentlichen Verkehrsmitteln herrscht absolute Ruhe. Wenn man per Handy während einer Bahnfahrt angerufen wird, wird der Anruf weggedrückt – das ist für alle Beteiligten ok.
- Toilettenslipper – Hausschuhe, die nur im Toilettenraum getragen werden.
- Balkonschlappen – Schuhe, die man nur auf dem Balkon trägt.
- Schuhe ausziehen, wenn man eine Wohnung betritt. (Das machen wir zu Hause auch *lach)
- Stäbchen niemals senkrecht in den Reis stecken (das bringt Unglück).
- Heiligabend bei KFC verbringen. Weihnachten ist in Japan rein kommerziell.
- Die 4 ist eine Unglückszahl.
- Es gibt für viele Tiere Inseln, so z. B. Haseninsel, Hirschinsel etc.
- Züge haben im Durchschnitt 18 Sekunden Verspätung im Jahr. Der Shinkansen sogar nur 6 Sekunden. In Deutschland waren es im Jahr 2024 10,3 Minuten. Der Zug gilt in Deutschland allerdings als pünktlich, wenn er weniger als 6 Minuten Verspätung hat *lach.
- Trinkgelder sind unüblich, denn guter Service gilt als selbstverständlich.
- Die Vielzahl an Automaten für Getränke, Essen und sonstige Dinge, die man so braucht.
- Obst ist relativ teuer, aber lecker und schön anzusehen.
- Eine Kaffee- und Kuchenkultur, wie wir sie kennen, gibt es eher nicht.
Shirakawago
Unter den vielen Erzählungen erreichten wir unser letztes Ziel an diesem Tag: das Dorf Shirakawago.


Es ist UNESCO-Weltkulturerbe, ein Museumsdorf, welches bewohnt ist und liegt in Japans schneereichster Region auf 1736 Metern Höhe. Seine Besonderheit liegt an der einzigartigen Architektur. Beim Bau der Häuser wurden keine Nägel oder andere Metallmaterialien verwendet. Diese Art zu bauen nennt man Gassho.


Die Dächer sind ziemlich steil, damit im Winter der Schnee herunterrutscht. Nicht selten sind dort Schneehöhen von 2 Metern zu messen. Alle 10-15 Jahre müssen die Dächer erneuert werden und alle Einwohner des Dorfes helfen sich gegenseitig bei dieser Arbeit.
Eines der Häuser war für die Öffentlichkeit zugänglich.

Am Eingang wurden ordentlich die Schuhe ausgezogen und ich empfand es als sehr angenehm auf den japanischen Fußbodenmatten, den Tatami, zu gehen. Sie bestehen hauptsächlich aus Reisstroh und gehören zur japanischen Wohnkultur. Wenn sie gut gepflegt werden, haben sie eine Haltbarkeit von 20 Jahren.

Die Wohnkultur zu sehen, fand ich sehr interessant. Steile und enge Stiegen führten uns in die oberen Etagen und wir konnten viele Gegenstände des alltäglichen Lebens bestaunen.

Ich kann mir vorstellen, dass vieles davon heute noch genauso benutzt wird.
Interessantes über Reis
Bei einem Bummel durch die Straßen des sehr ansprechenden Dorfes konnten wir uns kaum an den vielen schönen Details satt sehen.

An vielen Häusern waren Reisfelder. Ich hatte im Kopf, dass Reis immer terrassenförmig angebaut wird und im Wasser steht, und mich schon gewundert, warum ich auf der Fahrt durch die Lande viele Reisfelder in der Ebene sah. Übrigens ein wunderschönes Bild!

Leider konnten wir nicht sehr viel über Reisanbau erfahren und ich habe ein wenig gegoogelt, um meine Wissenslücke zu schließen: Im Frühling sind die Reisfelder wassergefüllt, wie ich das schon auf Fotos sah.

Im Sommer fallen die Felder durch ihr sattes Grün auf – so sahen wir es auf unserer Reise.

Im Herbst verfärben sich die Felder und leuchten goldgelb. Der Reis wächst in Rispen an der Pflanze und ist goldgelb, wenn er erntereif ist. Die Reiskörner fühlen sich dann fest und trocken an. Geerntet wurde früher mit Sicheln und anschließend händisch gedroschen. In modernen Anbaugebieten übernehmen heute Mähdrescher die Ernte und das Dreschen. Angebaut wird je nach Region terrassenförmig, aber auch in den Ebenen.
Vermisst
Franz gab uns wie üblich eine Uhrzeit vor, wann wir am Bus sein sollten, um nach diesem langen Tag im Bus zum Abendessen und in das nächste Hotel zu fahren. Beim obligatorischen Durchzählen fehlte eine Person. Franz hatte uns am 1. Tag für diesen Fall eine Notfallkarte mit seiner Telefonnummer gegeben. In japanischen Schriftzeichen stand da drauf, dass man sich in einer misslichen Lage befindet und er angerufen werden sollte. Die sollten wir im Fall der Fälle irgendwem geben … Japaner sind nett und kümmern sich!! Manche Mitreisenden hatten sich eine japanische SIM-Karte gekauft oder, so wie ich auch, schon zu Hause eine e-SIM eingerichtet. Nach geraumer Zeit des Wartens kam endlich der erlösende Anruf: die Vermisste hatte in dem kleinen Dorf irgendwo eine falsche Abzweigung genommen und kam am anderen Ende des Dorfes heraus. Sie wunderte sich, dass weder Bus noch andere Reisende zu sehen waren. Franz flitzte los, um sie zu finden. Das Flitzen war bei der herrschenden Temperatur eine äußerst anstrengende Angelegenheit. Mario übernahm für kurze Zeit das Zepter im Bus und nach einer Weile bekam er telefonisch die Order, mit dem Bus an einen bestimmten Punkt zu kommen, wo die Beiden dann zustiegen. Nach den wenigen gemeinsamen Tagen waren wir als Reisegruppe schon so weit zusammengewachsen, dass wir nur erleichtert waren, dass alles gut ging!
Das Abendessen in Takayama war ausgesprochen lecker und wieder etwas anderes, als wir bisher hatten.



Eine Besonderheit in diesem Lokal war es, die Schuhe draußen zu lassen …
Privater Onsen im Hotel
Später im Hotel angekommen, entschieden Helmut und ich, in den hoteleigenen, privaten Onsen zu gehen. Ich war ja bereits im öffentlichen Onsen, aber Helmut kannte es nur aus meinen Erzählungen. Private Onsen in diesem Hotel waren große, mit heißem Wasser (Thermalwasser?) gefüllte Wannen unter freiem Himmel. Davor gab es einen Raum für das Reinigungsritual. Alles war mit Bambus im japanischen Stil wirklich schön dekoriert… Man kann es sich kaum vorstellen: da schwitzt man den ganzen Tag wie dolle und abends tut die Hitze im Onsen gut…
Die Hotels, die einen Onsen haben, stellten auch spezielle Kleidung zur Verfügung – so haben wir es wenigstens verstanden.

Damit läuft man dann im Hotel herum *lach. Da wir nicht die Einzigen in dieser Bekleidung waren, wird es wohl richtig gewesen sein.
Obwohl wir viele Stunden und Kilometer im Bus saßen, hatte ich übrigens doch über 11.000 Schritte auf meinem Schrittzähler…
Start in den 7. Tag in Takayama

Nach einem ausgiebigen Frühstück hatten wir an diesem Tag nur 15 Minuten Anfahrt zu unserem ersten Ziel: dem Morgenmarkt in Takayama. Es war gut, dass Franz uns trotzdem schon um 8 Uhr aus dem Hotel scheuchte, denn um diese Uhrzeit war es auf dem Markt noch sehr ruhig und wir konnten in aller Ruhe die schöne Altstadt besichtigen.


Heute noch werden in Takayama Filme gedreht, die in alter Zeit spielen.

Nach einer Führung durch die Altstadt mit Franz, der uns auf viele Besonderheiten aufmerksam machte, an denen wir achtlos vorbeigelaufen wären, hatten wir noch reichlich Zeit, durch die Geschäfte und Stände auf dem Markt zu bummeln. Wir merkten den stetig ansteigenden Besucherstrom …





Wir nahmen an einer Sake-Verkostung teil und konnten die geschmacklichen Unterschiede feststellen. Sake hat einen Alkoholgehalt von etwa 15-20 % und wird durch die Fermentierung von Reis hergestellt. Oft wird er als Reiswein bezeichnet, ist aber aufgrund seiner Herstellungsweise eher mit Bier vergleichbar. Wir trinken wenig Alkohol und vom Sake hat uns keine Geschmacksrichtung überzeugt. – Wir sind in dieser Thematik aber eher die Außenseiter.

Was mich sehr begeisterte, war die Verkostung von Miso. Miso ist eine japanische Würzpaste aus fermentierten Sojabohnen, Reis und Gerste. Sie wird oft als Grundlage für Suppen, als Zutat in Saucen und Dressings verwendet. Der Geschmack kann von mild und süß bis kräftig und salzig variieren. Da es durch seinen Herstellungsprozess reich an essenziellen Nährstoffen, Probiotika und Antioxidantien ist, ist Miso sehr gesund. Im Netz wird es auch als Superfood bezeichnet.

Auch Sojasoßen konnten probiert werden und ich wunderte mich über die vielen unterschiedlichen Geschmacksnuancen. Selbstverständlich deckte ich mich mit Miso und Sojasoße ein – so viel Platz war im Koffer… Für eine Teetasse war auch noch Platz – die bringe ich mir gerne von weiten und besonderen Reisen mit und schwelge dann beim Teetrinken in Erinnerungen.

Wir waren übrigens im Großraum Kobe unterwegs und manchem Fleischliebhaber wird das Kobe-Fleisch etwas sagen. Bei uns ist es fast unbezahlbar, dort gab es Kobe-Fleisch als Streetfood fast an jeder Ecke.

… und nochmal: „Fragt doch mal den Reiseleiter“
Die längste Busfahrt unserer Reise, fast 400 km, lag vor uns. Franz versprach uns 5/6 Stunden Fahrt mit 2 Pausen – und dem beliebten Spiel: „Fragt doch mal den Reiseleiter“:
Die an vielen Orten zu sehende Winkekatze hat in Japan die Bedeutung, Glück und Wohlstand anzulocken.

Müll wird getrennt in brennbar, nicht brennbar, recyclebar und organisch. Müllsäcke werden gekauft, das entspricht der Müllgebühr. Die Säcke sind durchsichtig das erleichtert die Identifizierung des Mülls. Es gibt Müllsammelplätze und am Abend vor der Abholung werden die Beutel rausgestellt.

Wir sahen manchmal, dass die Müllsäcke mit Netzen abgedeckt waren, vermutlich damit sie bei Wind nicht weg fliegen oder damit sich keine Tiere daran zu schaffen machen – oder beides…

Sperrmüll wird angemeldet und bei der Anmeldung muss man einen Aufkleber kaufen, welcher der Gebühr entspricht.
Das Thema Nachhaltigkeit ist in Japan leider noch nicht wirklich angekommen. Es war für uns als Reisende durchaus praktisch, dass man alles in kleinen Portionen abgepackt kaufen konnte. In Summe handelt es sich aber um eine riesengroße Menge von unnötigem Plastikmüll. Es gibt zum Glück eine größer werdende Bewegung, die für Kreislaufwirtschaft und Müllvermeidung steht.

Windkraft wird wenig eingesetzt. Der Grund ist verständlich, denn die Winde sind zum Teil unberechenbar stark. Damit können Windenergieanlagen nicht gut umgehen. Die Hauptenergiequelle ist nach wie vor Atomstrom.
Es wird genau geprüft, wer ins Land einreist, damit niemand illegal einwandert und untertaucht. Einbürgerung dauert bis zu 10 Jahre. Bei hochqualifizierten Arbeitskräften und Selbständigen geht es schneller. Doppelte Staatsbürgerschaften gibt es nicht.
Deutsche sind bei Japanern aufgrund des Sinnes für Ordnung beliebt. – Sie sind vermutlich nicht auf dem aktuellen Stand *lach

Unbeliebt sind Chinesen, da diese drängeln und laut sind (schöne Grüße vom Vorurteil – bestimmt gibt es auch andere Chinesen).
Japan gilt als eines der sichersten Länder der Welt mit einer sehr niedrigen Kriminalitätsrate. Es gibt im Vergleich zu Deutschland deutlich höhere Strafen, und die Verurteilungsrate ist sehr hoch. Bei Körperverletzung wird sehr streng geurteilt, bei Kavaliersdelikten wird auch mal ein Auge zugedrückt. Die Dunkelziffern in häuslicher Gewalt und sexueller Belästigung werden ziemlich hoch vermutet. Da steht sich der japanische Grundsatz „Leben und Leben lassen und andere nicht belästigen“ selbst im Weg…
Die japanische Gesellschaft ist bei Veränderungen sehr träge. Das Gute daran ist Verlässlichkeit.
Uns fiel auf, dass Japaner nicht so viele Hunde haben wie wir das von Deutschland kennen. Wenn, dann haben wir eigentlich nur kleine Hunde gesehen und diese wurden zum Teil mächtig verwöhnt.

Sogar ein Gaschäft für Hundebekleidung sahen wir.

Autobahn-Rastplatz de Luxe
Einer der beiden Rastplätze, die wir an diesem Tag anfuhren, war ein Rastplatz de Luxe! Wir wunderten uns schon über die Vorfreude von Franz, dass er uns dieses Erlebnis bescheren konnte. Alle bisher angefahrenen Rastplätze waren um ein Vielfaches besser als die, die ich von Deutschland kenne, dieser hob sich aber sehr ab. Ich lasse mal ein paar Fotos sprechen…




Toiletten *lach – eine Überschrift wert!!
An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen, um über die Toiletten in Japan zu berichten: Ich hatte 1-mal eine weniger saubere Toilette – das war an einem Platz, an dem sich viele Touristen aus aller Herren Länder trafen.
Alle anderen Toiletten waren sehr sauber. Die Toilettenbrillen sind beheizt, was für ein sehr angenehmes Sitzgefühl sorgt. Es gibt die berühmte Dusche in der Toilette, der Wasserstrahl kann je nach Vorlieben und für Männlein und Weiblein unterschiedlich eingestellt werden. Sollte es bei der Sitzung mal etwas lauter werden, kann man Musik oder Vogelgezwitscher laufen lassen, damit der Toilettennachbar nicht gestört wird. Die Bedienung dieser Hightech-Toiletten bedarf am Anfang sehr viel Zeit, um mit der Übersetzer-App auf dem Handy die Beschriftungen zu entziffern und die Symbole zu verstehen. Aber es lohnt sich *lach. Ich bekam von zu Hause die verwunderte Anfrage, warum man von Toiletten Fotos verschickt – tja – das muss man wirklich erlebt haben.
Himeji am Abend
Wir erreichten am frühen Abend unser Hotel „Monterey Himeji“ in Himeji.


Zum Abendessen machten wir einen kleinen Spaziergang in ein Restaurant, wo wir wieder lecker speisten.

Für den Abend bot Franz als Programmpunkt einen Karaoke Abend an. Die Teilnehmer*innen am Karaoke Abend waren sehr begeistert über den tollen Abend, kamen allerdings auch recht spät nach Hause. Das hatten wir befürchtet und aufgrund der benötigten Nachtruhe entschieden wir uns dagegen und machten lieber einen Erkundungsgang durch das abendliche Himeji.

Die schön beleuchteten Straßen hatten etwas von Weihnachtsstimmung – nur die Temperaturen passten nicht dazu. Wir spazierten bis zur beleuchteten Burg und erfreuten uns an schönen Effekten, die durch die Lichter erzeugt wurden.




8. Tag

Der Speisesaal des Hotels befand sich im 14. Stock und bot einen grandiosen Ausblick auf die Berge, die Stadt und die Burg Himeji.

In dem Hotel werden auch Hochzeiten gefeiert und entsprechend waren die Räumlichkeiten – einfach nur super schön!!!

Das Frühstücksbüfett ließ wieder keinen Wunsch offen und ich konnte die Schönheit des Augenblicks kaum fassen.



Die Abfahrt war an diesem Tag erst um 8.30 Uhr, die Anfahrt mit dem Bus zur Burg Himeji kurz – das versprach einen entspannten Tag – so kann man sich täuschen….
Mit über 500.000 Einwohnern ist Himeji eine sehr ansprechende Stadt. Große Einkaufsmeilen und schöne Parks bestimmen das Stadtbild. Über der Stadt thront die Burg Himeji, die seit 1993 UNESCO Weltkulturerbe ist und zu den nationalen Kulturschätzen Japans zählt. Die Mischung aus Moderne und Tradition findet man in Japan oft, in Himeji war sie mir besonders präsent.
Burg Himeji
Die weithin sichtbaren weißen Außenmauern und Dächer gaben der Burg schon vor langer Zeit den Beinamen: Weißer-Reiher-Burg. Die ältesten Bauwerke der Burg stammen aus dem 13. Jahrhundert. Der Grundriss ist spiralförmig und eine architektonische Meisterleistung. Die Wehranlagen waren so gut durchdacht, dass die Burg als uneinnehmbar galt. Sie war nie zum Wohnen gedacht, nur zur Verteidigung. In mehreren Bauabschnitten unter verschiedenen Machthabern wurde die Burg zu dem, was sie heute ist: ein 7-stöckiger Bergfried.

Am Ende des zweiten Weltkrieges wurde Himeji bombardiert, die Burg überstand dies jedoch fast unbeschädigt. Auch Erdbeben bereiteten ihr keine nennenswerten Schäden.

In der Burg wurden berühmte Filme gedreht (z. B. James Bond 007, Shogun, Last Samurai). Der Park um die Burg gilt als ein besonders schöner Ort zur Zeit der Kirschblüte, wenn ungefähr 1.000 Kirschbäume ihn in zartes Rosa färben.

Franz führte uns durch den Park zu manchem schönen Fotostopp und erzählte uns die Geschichte der Burg. Wir freuten uns, dass wir so früh am Tag ungehindert Fotos machen konnten.

Das Thermometer zeigte um diese Uhrzeit allerdings bereits 33 heiße und feuchte Grad an und wir suchten bei jeder Gelegenheit den Schatten.

Auf dem Weg zur Burg hinauf unterstützten uns wieder einmal alle möglichen Hilfsmittel, die Hitze zu ertragen. Aufgeben war keine Option – schließlich waren wir vermutlich nur einmal im Leben hier.


Am Eingang der Burg wurden wieder die Schuhe ausgezogen. Um bei dem normalerweise großen Besucheransturm kein Schuh-Chaos zu produzieren, bekam jeder Besucher eine Plastiktüte, mit der er seine eigenen Schuhe durch die Burg trug – die Tüte hatte damit übrigens ihren Zweck erfüllt und wurde uns am Ende der Tour abgenommen und entsorgt… Nein, sie wurde nicht irgendwo hineingestopft, sondern ein fleißiger Mitarbeiter nahm sie uns ab und legte sie in einen großen Behälter…
Schon auf der ersten Ebene wurden wir mit einem tollen Blick auf die Stadt belohnt.

In der Burg selbst waren die Temperaturen aufgrund eines leichten Durchzuges etwas erträglicher und wir erklommen über steile Stiegen Stockwerk für Stockwerk, bis wir den 7. Stock erreichten.





Neben einem herrlichen Weitblick über die Stadt und das Umland, erblickten wir in der Mitte des obersten Raumes einen kleinen Schrein, welcher der Gottheit Osakabe gewidmet ist, die als Schutzgottheit der Burg gilt – sie scheint bisher gut aufgepasst zu haben.

Die Wege nach oben und unten waren Einbahnstraßen und jeder konnte in seinem Tempo wieder Richtung Ausgang kommen.

Franz führte uns zu einem wunderschönen japanischen Garten und entließ uns dann in unsere freie Zeit.





Die Idee, in diesem wirklich herrlichen Garten viel Zeit zu verbringen verwarfen wir, denn die Hitze war zu belastend und wir folgten ziemlich bald dem Tipp von Franz, über das überdachte Einkaufszentrum zu unserem Treffpunkt am Bahnhof zu gelangen. Es war genügend Zeit für eine kleine Einkehr, um bei einem kalten Getränk die Lebensgeister wieder zu wecken.
Shinkansen – ein tolles Abenteuer
Ein weiteres Highlight an diesem Tag war eine Fahrt mit dem Shinkansen.

Unser Bus war mit den Koffern bereits unterwegs nach Hiroshima und benötigte für die ca. 300 km bestimmt wesentlich mehr Zeit als wir mit dem Shinkansen. Shinkansen klingt für uns sehr exotisch und geheimnisvoll. Es heißt aber schlicht und einfach: „neue Hauptlinie“ und beschreibt seinen Zweck: zwischen den Millionenstädten schnell und effizient zu verkehren. Bis zu 320 km/h sind möglich, je nach Strecke. Fast alle großen Metropolen werden ungefähr im 10 Minuten-Takt erreicht. Zwischen Tokio und Osaka kann man sogar im 4-Minuten-Takt fahren. Die Strecke nach Sapporo im Norden auf der Insel Hokkaido ist in Planung. Seit der Inbetriebnahme im Jahr 1964 kam es zu keinem Unfall mit Todesfolge. Wenn es Unfälle gab, waren diese meistens in Verbindung mit Erdbeben. Jeder Shinkansen-Zug hat ein Erdbeben-Frühwarnsystem installiert und kann früh genug stehen bleiben.
Ein Shinkansen-Zug hat normalerweise 16 Wagen und bietet 1360 Sitzplätze, niemand steht während der Fahrt im Gang.

Alle Fahrgäste fahren vorwärts. Für die Rückfahrt werden die Sitzreihen mit einem Handgriff umgedreht.

Meistens sind drei Zugbegleiter an Bord: vorne, in der Mitte und hinten.

Franz verstand es, diesen Programmpunkt zu zelebrieren. Wir waren früh genug am Bahnhof um vor unserer Fahrt zwei Shinkansen-Züge vorbeirauschen zu sehen. Die Shinkansen-Züge fahren nicht im normalen Bahnhof ab, sondern haben eine eigene abgegrenzte Station, in die man nur mit einem entsprechenden Ticket hineinkommt.


Die viel gerühmte Pünktlichkeit konnten wir vor Ort selbst bestaunen: 6 Sekunden Verspätung im Jahr für alle Shinkansen-Züge zusammen ist eigentlich gar nicht zu fassen.
Interessant war es auch, das Schienenkonzept zu sehen und zu verstehen. Für diese Hochgeschwindigkeitszüge wurden separate Schienen gelegt, in jede Richtung – versteht sich. Für Züge, die anhalten gibt es eine separate Spur, auf der sie vor dem Bahnhof verlangsamen können – ohne die durchfahrenden Züge zu blockieren.

Wer darüber mehr wissen möchte, kann sich im Internet über viele interessante Fakten informieren, es lohnt sich!
Wir hatten Gruppentickets und in der Regel sitzen Gruppen in den hinteren Bereichen des Zuges. Unsere Platzkarten waren für Wagen 16. Der Zug hielt exakt an der am Boden markierten Stelle. Entspannt stiegen Menschen aus und wir ein. Alles ging mit Ruhe vonstatten: kein Drängeln, kein Schubsen – einfach relaxt. Mein Gedanke war, dass die Zeit, in der Passagiere ein und aussteigen in den Fahrplan großzügig miteingearbeitet war. Dieses Gefühl habe ich in Deutschland manchmal nicht.

Viel Platz und bequeme Sitze erwarteten uns und wir fühlten uns sehr privilegiert, mit diesem Zug fahren zu dürfen. Eine Stunde dauerte die Fahrt von Himeji nach Hiroshima. Sie führte durch viele Tunnels und schöne Landschaften. Es war eine sehr angenehme Fahrt ohne Geratter und laute Fahrtgeräusche.
Ach ja, die Zugtoilette war es auch wert, fotografiert zu werden *lach.

Hiroshima

Über die Geschichte Hiroshimas braucht man, so denke ich, nicht viel schreiben. Fast jeder, der in der Schule ein wenig aufgepasst hat weiß, dass Hiroshima am 6. August 1945 Ziel des ersten kriegerischen Kernwaffeneinsatzes der Welt war.

Morgens um 8.16 Uhr explodierte die Bombe in ca. 600 Metern Höhe und zerstörte ca. 90 % der Stadt. 70.000 Menschen waren sofort tot und bis Ende des gleichen Jahres starben schätzungsweise 140.000 Menschen. Noch lebende Opfer dieses Angriffes leiden bis heute an den Folgen der Verstrahlung.
Intensiver empfindet man diese Fakten, wenn man vor Ort ist und sieht, wie sich Hiroshima augenscheinlich wieder zu einer weltoffenen Stadt erholt hat. Auf der anderen Seite erfühlt man aber, dass sich eine Stadt/ein Land niemals von so einer Katastrophe erholen kann.

Im Hiroshima Peace Memorial Museum wurde sehr anschaulich von der schlimmen Zeit berichtet. Franz gab uns den Hinweis, dass jeder für sich sorgen und darauf achten solle, was er erträgt… Mit dem Audio-Guide im Ohr begaben wir uns auf Zeitreise und ich konnte es schon nach wenigen Minuten kaum aushalten. Relativ zügig ging ich durch die Ausstellung und meine Augen „scannten“ die vielen Bilder. Am Ende der Ausstellung befand sich eine große Sitzecke und dort hörte ich mir die zu den Bildern gehörenden Geschichten vieler Einzelschicksale an. So dosiert war es für mich erträglich.

Zutiefst bewegt schauten wir uns im Hiroshima Peace Memorial Park und dem Friedenspark um und versuchten manche Symbolik von Denkmälern und Gedenkstätten zu verstehen.
Da gibt es z. B. die Geschichte und das Monument von Sadako Sasaki. Sadako überlebte den Atombombenabwurf als Kind, bekam später aber Leukämie. Sie glaubte, dass sie geheilt würde, wenn sie 1.000 Papierkraniche falten würde. Sie verstarb, bevor sie ihr Ziel erreichte. Ihre Geschichte wurde bekannt und die Papierkraniche wurden zu einem Symbol für Frieden und Heilung. Sie sind an vielen Orten in Hiroshima präsent.


Jedes Jahr zum Jahrestag finden an der Atombombenkuppel Gedenkfeiern statt, um für den Frieden zu beten und um der Opfer zu gedenken. Das Gebäude mit der Kuppel ist die Ruine der früheren Industrie- und Handelskammer der Präfektur Hiroshima und stand im Epizentrum der Tragödie. Es war ein eigentümliches Gefühl vor diesem Hausgerippe zu stehen. Da die Bombe direkt darüber in der Luft explodierte, zerstörte die Druckwelle quasi alles um das Gebäude herum.

Zwischen der Atombombenkuppel und dem Hiroshima Peace Memorial Museum wurde 1952 ein weiteres steinernes Denkmal erbaut. Das Kenotaph (leeres Grab) beinhaltet eine Liste von verstorbenen Opfern aller Nationalitäten. Die Liste wird stetig erweitert und enthielt im Jahr 2015 fast 300.000 Namen. Auf dem Stein steht geschrieben: „Lasse alle Seelen hier in Frieden ruhen, denn wir werden das Böse nicht wiederholen“.
In der Mitte dieser beiden Denkmäler steht ein Gebilde, welche zwei zusammengelegte Hände darstellt, die sich wie ein Kelch nach oben öffnen. In der Mitte brennt seit dem 1. August 1964 eine Flamme des Friedens, die so lange brennen soll, bis alle Atomwaffen von der Erde verschwunden sind – dauert also noch eine Weile – leider.

Es gibt vor dem Museum eine Stelle, an der man alle drei Mahnmale sehen kann.

Etwas abseits in einem kleinen Park steht ebenfalls seit 1964 die Friedensglocke. Auf der runden Oberfläche der Glocke ist eine Welt ohne Grenzen eingeprägt – ein schöner Traum!! Die Glocke und ihre Aufhängung sind von einem Wasserbecken mit Lotosblumen umgeben.

Immer wieder beobachteten wir Menschen, die andächtig der Glocke einen Ton entlockten. Auch viele aus unserer Reisegruppe taten das und stellten sich ordentlich an, bis sie an der Reihe waren. Ich bot mich an, den einen und anderen bei dieser Handlung zu fotografieren. Zum Schluss wollte ich, gemeinsam mit Helmut, auch den Gong ertönen lassen. Es stand eine kleine Schülergruppe mit ihrem Lehrer am Eingang und warteten, bis die Glocke frei war. Ich bedeutete, dass ich nur „geschwind“ zu Helmut wollte …. Fettnapf, da bist du …
In scharfem Ton sprach der Lehrer mich an. Ich verstand kein Wort und wusste doch, was er sagte: in Japan wird nicht gedrängelt!!! Ich entschuldigte mich sofort bei ihm und den Kindern, die mit großen Augen die Situation beobachteten und stellte mich ordentlich hinten an. Einige Mitreisende fragten mich später, warum ich mich von der Gruppe abdrängen ließ. Der Lehrer habe doch genau gesehen, dass ich zu der Gruppe gehöre. Meine Haltung dazu ist ganz klar: ich habe einen Fehler gemacht, denn ich bin Gast in diesem Land und will mich an die Gepflogenheiten dort halten. Das Gleiche erwarte ich auch von Gästen in unserem Land. Ein wenig Milde walten zu lassen, wenn mal die alte Tradition (in dem Fall meine) mit einem durchgeht, will ich aus dieser Situation lernen.
Die Opfer und das Leid der Menschen in Nagasaki sollen an dieser Stelle nicht vergessen werden. 3 Tage später ereilte sie das gleiche Schicksal wie die Menschen in Hiroshima. Hoffentlich haben die Verantwortlichen in dieser Welt etwas gelernt und es geschieht nie wieder so eine gnadenlose Dummheit.
Abendessen: Okonomiyaki
Das Lokal zu unserem Abendessen befand sich in unmittelbarer Nähe zum Friedenspark im Orizuru Tower. Es gab eine typische Spezialität aus Hiroshima: Okonomiyaki.



Zu Hause würde ich sagen, alles was weg muss kommt in die Pfanne, Nudeln dazu, Ei drüber und fertig … in Hiroshima hat es diesen unaussprechlichen Namen. Die Geschichte dieser Speise hängt mit den Ereignissen von 1945 zusammen. Die Menschen mussten irgendwie ernährt werden und es wurde alles was an Lebensmitteln aufzutreiben war in Pfannen gebraten und an die Überlebenden ausgegeben. Im Gedenken daran gibt es dieses Essen und dieses Lokal. Geschmeckt hat es übrigens sehr lecker!!
Als wir unser Hotelzimmer im „Orient Hotel“ betraten, musste ich erst mal lachen, denn es sah aus wie im Krankenhaus.

Eine Glasscheibe trennte das Bad und den Schlafbereich. Gott sei Dank konnte man einen Vorhang zuziehen, um diesen Krankenhaus-Effekt zu mildern. Der Blick aus dem Fenster auf das abendliche Hiroshima war dafür sehr schön.

Ein Tag voller Emotionen und intensiver Eindrücke ging zu Ende und müde fielen wir ins Bett.
9. Tag

Der 9. Tag begann mit ein paar Hindernissen. Eine Mitreisende hatte etwas im Zimmer vergessen und musste kurz vor der Abfahrt des Busses noch mal nach oben. Deshalb kamen wir einige Minuten später weg. Der erste und einzige Stau auf unserer Reise war natürlich auch an diesem Vormittag und unser Zeitplan dadurch durcheinander geraten.
Insel Miyajima
Die von Franz angepeilte Fähre auf die Insel Miyajima erreichten wir nicht, aber mit Disziplin von allen Gruppenteilnehmern hasteten wir gerade noch rechtzeitig zu einer späteren Fähre, und erreichten diese, bevor sie uns vor der Nase wegfuhr.

Die Überfahrt dauerte nur 10 Minuten. Miyajima zählt zu den schönsten japanischen Landschaften, liegt etwa 20 km südwestlich von Hiroshima, hat ungefähr 2.000 Einwohner und ist ca. 30 qkm groß.

Auf der Insel laufen zahme Rehe und Hirsche frei umher und in der Mitte der Insel, im bergigen Teil bewegen sich Japanmakaken, also Schneeaffen ohne Scheu zwischen den Besuchern. Die Rehe „begrüßten“ uns schon gleich nach der Fähre und waren zum Teil recht aufdringlich.


Meine Begeisterung für Tiere hält sich in Grenzen und ich sehe sie ganz gerne von weitem. Die frei lebenden Affen sahen wir während unseres Besuches auf der Insel nicht – das ist aber nicht schlimm *lach.
Früher durfte auf der Insel weder geboren noch gestorben werden, das galt als unrein – und Frauen dürfen die Insel erst seit dem 20. Jahrhundert betreten… mir würde sehr viel dazu einfallen, aber ich erspare es mir und euch, liebe Leser, mich dazu auszulassen – es ist ja schließlich vorbei ….
Schon vom Schiff aus konnte man eines der meistfotografierten Wahrzeichen Japans erblicken: das rote, hölzerne Torii. Es stammt aus dem Jahr 1875 und steht bei Flut vollständig im Wasser. Bei Ebbe kann es von der Insel aus zu Fuß erreicht werden.


Es steht vor dem Itsukushima-Schrein, dessen Grundform schon im Jahr 593 entstand. Die heute noch erhaltene Struktur wurde im 12. Jahrhundert erbaut. Der Schrein ist drei weiblichen Göttinnen mit für mich unaussprechlichen Namen (Ichikishima-hime-no-mikoto, Tagori-hime-no-mikoto und Tagitsu-hime-no-mikoto) gewidmet, der Göttin des Meeres, des Transports und des Glücks und der Künste.

Die Hauptgebäude stehen auf erhöhten Plattformen, deren Pfeiler bei Flut im Wasser stehen. Es wirkt, als ob die ganze Anlage schwimmen würden, das konnten wir auf Fotos sehen. Über einen 280 Meter langen überdachten Korridor sind die Gebäude miteinander verbunden.

Die Überdachung spendete uns Schatten, über den wir sehr froh waren, denn die Sonne brannte wieder ziemlich erbarmungslos vom Himmel.

Seit 1996 zählen der Schrein und das Torii zum UNESCO Weltkulturerbe. In dieser malerischen Umgebung werden sehr gerne traditionelle japanische Hochzeiten ausgerichtet – wenn Geld keine Rolle spielt!



Wir hatten die Möglichkeit, uns auf der Insel umzusehen oder über die sehr nette Einkaufsstraße zurück Richtung Fähre zu gehen. Franz bot eine kleine Führung in einen höher gelegenen Schrein an. Uns war es zu heiß und deshalb schlenderten wir in aller Ruhe Richtung Fähre.
Wir hatten genügend Zeit, die kulinarische Spezialitäten der Insel, gegrillte Austern und mit roter Bohnenpaste gefüllte Kleingebäcke zu probieren.



Beides mochte ich sehr gern! Die Austernbänke vor der Insel versprachen superfrische Qualität.

Gegen 12 Uhr – nein, das stimmte so nicht, sondern um 11.55 Uhr – wir waren schließlich in Japan *lach, legte unsere Fähre Richtung Festland ab. Uns erwarteten ca. 6 Stunden Busfahrt bis nach Kyoto.
Erlebnisse und Beoabachtungen unterwegs

In der ersten Pause auf einem Rastplatz an der Autobahn wollte Helmut sich ein Getränk an einem der Automaten kaufen, aber der Automat wollte seine Yen-Stücke nicht annehmen. Ausnahmsweise konnte nur mit einer japanischen Kreditkarte bezahlt werden. Ein Japaner beobachtete Helmuts vergebliches Bemühen, an eine Flasche Wasser zu kommen, zückte seine Kreditkarte und bedeutete ihm, sich am Automaten zu bedienen. Das Bargeld wollte er nicht annehmen. Helmut war sehr beeindruckt über so viel Freundlichkeit!!!
Die Fahrzeit nutzte Franz, uns die japanischen Schriftzeichen nahe zu bringen und mit der beliebten Fragerunde: „Frag doch mal den Reiseleiter“.

Die meisten Fragen und Antworten habe ich schon in die vorigen Frage- und Antwortrunden, nach Themen geordnet, eingebastelt, weshalb der Eindruck täuscht, wir hätten auf dieser Tour weniger Informationen erhalten. *lach
Mir fielen sehr viele Frauen und auch Männer mit Schirmen auf. Auch wenn die Sonne nicht schien, wurden sie benutzt.

Die Sorge vor der schädlichen UV-Strahlung scheint in Japan größer als bei uns zu sein, wo man sich immer noch in die Sonne legt und brutzelt wie ein Würstchen, bis man braun ist. Franz und auch Mario cremten sich immer mit Sonnenschutzcreme ein, bevor wir den Bus für längere Zeit verließen. Es gibt auch lange Ärmel (also nur die Ärmel) zu kaufen, um die Arme vor der Sonne zu schützen.
Kyoto
In Kyoto wohnten wir für zwei Nächte im „Monday-Hotel Karasumanijo“.

Zum Abendessen wurde uns in einem Restaurant ein Teppanyaki serviert und es machte Spaß, in unserer mittlerweile obligatorischen 6er-Gruppe auf dem Tischgrill Fleisch, Fisch und Gemüse zuzubereiten.


Abends trafen wir uns noch in kleiner Runde im Foyer des Hotels und tauschten uns über unsere vielen, vielen Eindrücke aus, bevor wir wieder k. o. ins Bett fielen.

10. Tag

Ein traumhaftes Frühstücksbüfett erfreute uns und die Tatsache, dass wir morgens ein bisschen mehr Zeit als sonst hatten, da wir ohne unsere Koffer auf diese Tagestour gingen. Außerdem waren nicht viele Bus-Kilometer geplant. Einem entspannten Tag stand also nichts im Wege:
Kyoto liegt am Kamogawa-Fluss (Kamo-Fluss) und war bis 1868 Hauptstadt von Japan. Nach wie vor ist es ein kulturelles und historisches Zentrum und eine der wichtigsten Städte Japans – und natürlich ein beliebtes Touristenziel. Mit fast 1,5 Mio. Einwohnern eine große Stadt, in der man sich leicht verlaufen kann, weil viele Kreuzungen ähnlich aussehen. Da Kyoto im Krieg vor Zerstörung verschont blieb, gibt es noch zahlreiche buddhistische Tempel, wunderschöne Gärten, Kaiserpaläste, Shinto-Schreine und traditionelle Holzhäuser. Im historischen Gion-Viertel lebt eine Tradition, die Weltruhm erlangte: die japanischen Gesellschaftsdamen, die Geishas.
Der Kamo-Fluss bietet an seinen Ufern viele Möglichkeiten zu flanieren, in Restaurants zu genießen und zu entspannen.

Bekannte große, aber auch mittelständische Firmen haben ihren Sitz in Kyoto, wie z. B. Nintendo, Shimano, Nissan.
An vielen Sehenswürdigkeiten gibt es buchbare Zeitfenster für die Busse. An diesem Tag sollte es wieder sehr heiß werden und unsere Parkplatzreservierung war um 11 Uhr. Franz versuchte das Programm umzustellen und die Reservierung früher zu bekommen, was ihm auch gelang: schon um 8.20 Uhr durften wir auf den Parkplatz fahren. Immer, wenn etwas gut klappte, hatte Franz den zufriedenen Spruch auf Lager: „Das freut den Franz“. Mich freute, dass Franz seinen Job mit so viel Herzblut und Umsicht macht, dass er sich freute, wenn ihm für uns etwas Gutes gelang. Danke dafür!!!
Altstadt von Kyoto und Yasaka-Pagode
In der fast menschenleeren und wunderschönen Altstadt (die Geschäfte waren noch geschlossen) boten sich tolle Fotomotive.

Die Yasaka-Pagode befindet sich auf einer Anhöhe und ist mit ihren 46 Metern Höhe ein markantes Wahrzeichen der Stadt. Jedes der fünf Stockwerke ist frei schwingend um einen durchgehenden Kern gebaut und kann deshalb jede Erschütterung auffangen = erdbebensicher.


Weiter oben am Berg, am Eingang des Kiyomizudera Tempels steht das schöne Niomon-Tor. Bei der Gelegenheit passt ganz gut der Hinweis, dass man nicht in der Mitte durch heilige Tore und Schreine gehen sollte, sondern am Rand. Die Mitte ist den Göttern vorbehalten.

Kiyomizudera Tempel
Der Kiyomizudera Tempel zählt zu den bekanntesten Tempeln Japans und nachdem man die vielen Treppen nach oben geschafft hat, wird man mit einem gigantischen Blick über Kyoto belohnt.






Die meisten der 30 buddhistischen Gebäude auf dem Tempelgelände stammen aus dem Jahr 1633 und wurden 1994 zum UNESCO-Welterbe ernannt.

Der Tempel liegt am Otowa-Wasserfall und mit Schöpfkellen kann man das reine Wasser schöpfen.

Natürlich steht wieder viel Symbolik dahinter: Der Wasserfall unterteilt sich in drei Rinnsale und jedem wird eine andere Bedeutung zugemessen (Gesundheit, Langlebigkeit und Erfolg). Aus allen drei Wassern zu trinken, gilt als gierig. Ich sehe das eher pragmatisch: wenn man schon mal da ist … Wir beobachteten die Menschen eine Weile und ließen uns wieder in den Bann der Spiritualität ziehen, mit der ganz einfache Dinge mit Hingabe getan werden.

Wir haben übrigens nicht getrunken *lach.
Sehr angenehm bei der Hitze fanden wir die natürlich angelegten Schattenplätze, in denen feiner, feuchter Nebel verteilt wurde. Für Naturlocken suboptimal (wer sie hat, weiß, wovon ich rede), aber ich empfand es als eine Wohltat, eine Weile darunter zu verweilen.




Auf dem Weg zurück zum Bus bot sich uns ein völlig anderes Bild von der Altstadt in Kyoto: Die Geschäfte waren offen und viele Menschen schoben sich durch die Gassen Richtung Tempel.

Wir waren sehr froh, dass wir so früh waren und in Ruhe alles betrachten konnten!!! Jetzt hatten wir noch genügend Zeit den einen und anderen Blick in Geschäfte zu werfen, die es zu Hause eher nicht gibt. Einen Laden nur für Fächer z. B., das sah ich vorher noch nie.

In einem anderen Geschäft gab es alles, was eine Geisha braucht. Ich war ganz schön froh, keine Geisha zu sein…



Nijo-Schloss
Das nächste Ziel an diesem Tag war die ehemalige Kaiservilla, das Nijo-Schloss. Am Eingang gab es neben vielen anderen Sprachen sogar deutsche Prospekte. Im Jahr 1601 wurde das Schloss vom ersten Shogun sehr großzügig angelegt und diente als Residenz für die Kaiser, wenn diese in der Stadt waren. 1994 wurde auch dieses Bauwerk zum UNESCO Weltkulturerbe.
Sehenswert ist das Karamon-Tor, durch welches man in den inneren Bereich der Burg kommt.

Bevor wir die Räume des Schlosses betreten durften, hieß es wieder: Schuhe ausziehen. Man war auf viele Besucher eingestellt, und man musste sich nur einen Buchstaben merken, damit man das Abteil wieder fand, in dem die eigenen Schuhe während des Besuches parkten.
Im Inneren der Räume durften keine Fotos gemacht werden. Ich kann aus der Erinnerung heraus sagen, dass es sehr prunkvoll bemalte Räume waren und die Lebensart der damaligen Kaiser/Shogune und ihrer Besucher darstellte. Der Fußboden zirpte leise beim drüber gehen und wird deshalb Nachtigallenboden genannt. Der Sinn des Knarrens war, dass niemand unbemerkt in die Räume kommen konnte. Die Töne entstehen beim Betreten des Bodens durch Verschiebung von Zapfen, mit denen die Dielen befestigt sind. Diese Form von „Alarmanlage“ findet man ab und zu in Japans alten Gebäuden. Da ohne Nägel gebaut wurde ist es beweglich und somit erdbebensicher.
Aufgrund der Hitze fand ich es in den Räumen sehr stickig und deshalb anstrengend den Ausführungen von Franz per Audioguide zu folgen. Ich war froh, als wir wieder draußen, in dem wunderschön angelegten Park um das Schloss herum waren. Dort war auf alle Fälle die Luft besser, wenn auch genauso heiß wie drin.


Nishiki-Markt
Für die Mittagspause brachte uns unser Busfahrer Herr Kandar, oder wie es richtig heißen müsste: Kandar San (San heißt Herr und wird an den Namen drangehängt) zu einem Einkaufszentrum mit angeschlossenem Markt, dem Nishiki-Markt. Franz gab uns den Hinweis, nirgendwo einzukehren, wo keine Preise ersichtlich waren, denn dort würde man als Tourist abgezockt werden – und – wir sollten auf unsere Taschen und Wertgegenstände aufpassen, da viele Touristen und Menschen sich durch den Markt drängeln – die erste und einzige Warnung dieser Art auf unserer Reise.

Der Ausflug durch den Markt war wieder sehr bemerkenswert. Unglaublich viele Spezialitäten auf engstem Raum zu sehen, überforderte unser Hirn und wir konnten lange keine Entscheidung treffen, was wir essen wollten.

Bzw. was ich essen wollte, wusste ich eigentlich schon: alles mal probieren – aber das war unmöglich. Da wurde gebraten und mit offener Flamme hantiert, dass es mir angst und bange wurde.

Es gab Dinge, die habe ich noch nie gesehen.

Wir gönnten uns Shrimps am Spieß.



Am Ende des Marktes kehrten wir in einem Café ein und aßen Brötchen mit „keine Ahnung was da drauf war“ und tranken Cappuccino.

Man konnte sitzen und die Ruhe nach dem Getümmel genießen. Wir waren nicht die einzigen aus der Gruppe, die dort gestrandet waren.
Die Hitze des Tages war auf dem Markt erträglich. Er war überdacht und in den Geschäften war alles klimatisiert.
Wir gingen gemächlich Richtung Treffpunkt zurück und ich hielt die Augen offen nach einem Kleid oder Rock. Tatsächlich wurde ich fündig und wollte das nette Teil anprobieren. Mit Händen und Füßen und sehr viel Freundlichkeit verständigte ich mich mit der Verkäuferin und machte wieder eine neue interessante Entdeckung: Schuhe zieht man VOR der Umkleidekabine aus… Leider passten Rock und ich nicht gut zusammen, trotzdem war ich für die Erfahrung dankbar.
Ryoanji-Tempel
Frisch gestärkt erreichten wir den Ryoanji-Tempel, der schon 1499 gegründet wurde und so viel wie „der zur Ruhe gekommene Drache“ heißt.


Als Zentrum des Tempels gilt der wohl berühmteste Zen-Garten Japans. Er besteht aus einer Fläche fein gerechtem Kies, ist 25 mal 10 Meter groß und stammt aus dem 15. Jahrhundert. 15 scheinbar zufällig platzierte große und kleine Steine stellen dem Betrachter die Aufgabe, alle 15 Steine gleichzeitig zu sehen, aber von keinem Blickwinkel aus sind alle 15 Steine sichtbar (außer von oben – aber Drohnen gab es damals noch keine).


Am Tempel befindet sich eine überdachte Sitzterrasse, von wo aus man den Steingarten betrachten kann. Auch der Park um den Tempel mit vielen versteckten Schönheiten gefiel uns sehr gut.

Seit 1994 ist dieses Plätzchen ebenfalls UNESCO-Weltkulturerbe. Klein, fein und nicht überlaufen würde ich es zusammenfassen und ich wäre gerne noch länger an diesem Platz gesessen und hätte Steine geschaut – ommm.
Kinkakuji – Goldener Pavillon
Als fünfter Programmpunkt für diesen Tag stand Kinkakuji auf dem Plan. Eigentlich war ich so langsam müde, Tempel und Schreine zu besichtigen aber jedes neue Ziel war so interessant und spannend, dass ich im Rückschauen froh und dankbar war, es erlebt zu haben.

Kinkakuji heißt Goldener Pavillon und ist ein im Jahr 1397 erbauter Zen-Tempel in Kyoto. Seine beiden oberen Stockwerke sind komplett mit Blattgold bedeckt. Er steht direkt am Kyokochi-Teich und wenn die Sonne drauf scheint, ist das ein unglaublich schönes Bild.

Im Pavillon befinden sich Buddhas Reliquien (Buddhas Asche) und er ist für Besucher nicht zugänglich. Seine Architektur ist in Japan einzigartig, denn jede Etage ist in unterschiedlicher Bauweise gefertigt.
Im Jahr 1950 brannte er komplett ab, wurde aber bis Oktober 1955 neu aufgebaut. Er ist, wie könnte es anders sein, von einem herrlichen Park umgeben und es war ein schönes Erlebnis, die Wege um den Pavillon herum zu beschreiten.


Ich traf nicht, bin aber mit meinem Glück sehr zufrieden!!!


Ich empfand diesen Ort erhaben und besonders schön. Selbstverständlich handelt es sich um ein UNESCO-Weltkulturerbe.
Abendessen
Nach einer kurzen Busfahrt in den Osten Kyotos spazierten wir durch einen schönen Park Richtung Abendessen und waren gespannt, was sich hinter dem vielversprechenden Namen: Shabu-Shabu-Fondue verbarg.



Es gab bei manchen Mitreisenden etwas Unmut, weil wir doch extrem verschwitzt vom Tag waren und jeder gerne vor dem Essen unter die Dusche gesprungen wäre. Dieses Zeitfenster war aber leider nicht vorhanden und ich tröstete mich damit, dass wir alle gleich „babbisch“ waren*lach, in hochdeutsch: klebrig, verschwitzt, nicht mehr frisch usw.
Schuhe ausziehen war mittlerweile schon Standard. Einen Schreck bekam ich, als ich das Restaurant von innen sah, denn die Tische sahen aus, als müssten wir alle auf dem Boden sitzen. Ich konnte schon runterkommen, aber wie ich am Ende der Veranstaltung wieder hochkommen sollte, war mir ein Rätsel. Etwas Erleichterung stellte sich ein, als wir merkten, dass sich versteckt unter den Tischen Aussparungen für unsere Beine befanden. Gedanken über das Aufstehen verschob ich auf später.

Vier Personen „opferten“ sich für den einzigen Tisch ohne Aussparung für die Beine. Sie saßen den ganzen Abend im Schneidersitz auf dem Boden. Es handelte sich nicht um Senioren unserer Gruppe *lach.
Shabu Shabu hat seinen Ursprung aus der Zeit, als in einem Pott für alle gekocht wurde. Auf unserem Tisch stand eine große Schüssel mit heißer Brühe auf einem Kocher. Doch zunächst wurden uns kleine Köstlichkeiten als Vorspeise gereicht.


Sehr freundliche Mitarbeiterinnen des Lokales waren uns behilflich, als sie unsere ratlosen Blicke sahen: „was sollen wir jetzt damit machen?“ Sie auf Japanisch, wir auf Deutsch und alle mit Händen und Füßen: einfach nur schön!! Ich liebe es, wenn man versucht, sich zu verstehen.
Irgendwann war Schluss mit leckeren Vorspeisen und eine große Schale, gefüllt mit allerlei mundgerecht geschnittenen Lebensmitteln, wurde auf den Tisch gestellt.

Wir versuchten zu erraten, was das sein konnte. Pilze erkannten wir, aber nicht um welche Art Pilze es sich handelte – egal, das wird hier so gegessen. Sehr dünn geschnittenes Fleisch erkannten wir auch, genauso wie Chinakohl und Nudeln. Der Rest sah gut aus, auch wenn wir nicht wussten, was es war. Dazu wurden zwei verschiedene Soßen als Dip und Reis in den obligatorischen Schälchen gereicht.

Die japanischen Mädels bedeuteten uns, dass wir portionsweise von allem etwas in die Brühe geben sollten und, wenn es gar ist, herauszufischen. Vier Leute teilten sich einen Topf und es war lustig.
Beim Recherchieren erfuhr ich, dass normalerweise jeder ein Körbchen für seine zu garenden Zutaten hat und am Schluss die Brühe als Suppe getrunken wird. Beides war bei uns nicht der Fall. Vermutlich wären wir alle überfordert gewesen, auch noch die Brühe in kleine Schälchen umzugießen. Vielleicht gibt es auch, wie so oft im Leben, mehrere Möglichkeiten.
Geisha live erleben
Gespannt waren wir auf die Vorführung einer Geisha und Maiko. Der Begriff Maiko war mir fremd und wir erfuhren, dass eine Maiko eine Auszubildende zur Geisha ist. In Kyoto nennt man Geisha auch Geiko. Eine Geisha ist eine professionelle Künstlerin, die Gäste bei Banketten und sonstigen Veranstaltungen mit Tanz und Musik unterhält, so z. B. unsere Reisegruppe aus Deutschland. Anfassen ist übrigens verboten!
Nach dem Abendessen wurde zügig aufgeräumt und wir entknoteten unsere Beine unter den Tischen. Jeder suchte sich ein entspanntes Plätzchen auf dem Fußboden und lehnte sich irgendwo an.

Der große Moment kam und „unsere“ Maiko und Geisha betraten den Raum. Auf kleinstem Raum boten sie uns ihre Künste dar. Die Geisha im Gesang und Ukulele-Spiel, die Maiko tanzte dazu. Irgendwie war es eine bezaubernde Stimmung und wir genossen die Darbietungen.


Die Geisha übergab am Ende der Vorstellung der Maiko die Bühne und wir durften Fragen stellen:
- Schon im 17. Jahrhundert entwickelte sich diese Kultur und die Samurais wurden mit dem Tanz unterhalten.
- Das Make-up wird deshalb in Weiß gehalten, damit man auch im Mondlicht die Schönheit sehen kann.
- Sie brauchte für das Make-up ca. eine Stunde und machte es selbst.
- Um den Kimono anzuziehen, benötigte sie Hilfe und brauchte dazu etwa 15 Minuten.
- Die Haare werden von einem bestimmten Frisör gestylt und diese Frisur bleibt dann für eine Woche. In dieser Woche schläft sie auf speziellen Kissen, um die Frisur nicht zu zerstören. Spätestens an dieser Stelle stellte ich fest: das wäre nix für mich.
- Man kann sich bei einer Agentur für die 5 – 6 Jahre dauernde Ausbildung bewerben. Während der Ausbildung wohnt man bei der Ausbilderin. Geld verdient man auf Veranstaltungen, auf denen man seine Künste zum Besten gibt.
- Wenn man heiratet, ist der Job weg.
- Derzeit ist die älteste Geisha 93 Jahre alt. Unsere Maiko befand sich im 2. Lehrjahr. Die Tradition ist eher am Aussterben. Nur wenige junge Frauen fühlen sich für ein Leben als Geisha berufen.
- Die Tänze folgen einer festen Choreografie und die Lieder handelten von Veränderungen im Leben.
Zum Abschluss durften noch Fotos mit der Maiko gemacht werden. Der Weg zum Bus führte durch den gleichen Park zurück und sah nun ganz bezaubernd aus. Mittlerweile war es dunkel geworden und alles war wunderschön beleuchtet.

Wieder einmal sehr beeindruckt fuhren wir ins Hotel zurück. Duschen und schlafen – mehr wollten wir an diesem ereignis- und kontrastreichen Tag nicht.
11. Tag

Ich war jeden Morgen von der Vielfalt des Frühstückes begeistert, weiß aber auch, dass diese Begeisterung nicht jeder teilte. Natürlich konnte man auch ganz normal Toastbrot mit Marmelade, Obst und Cerealien essen.


Eine kleine Anekdote zum Thema Marmelade fällt mir ein: in einem Hotel auf unserer Reise (ich weiß nicht mehr in welchem), waren Marmeladeportionen in einer Verpackung abgepackt, die wir beim besten Willen nicht aufbekamen. Bevor wir mit brachialer Gewalt dran gingen, bat ich einen der freundlichen Kellner pantomimisch um Hilfe. Er lachte und zeigte mir, dass man die Verpackung quasi umgedreht mit Daumen und Zeigefinger zusammendrücken musste und dann kam automatisch die Marmelade heraus. Leider habe ich davon kein Foto gemacht, um es anschaulich darstellen zu können. Eine saubere und durchdachte Angelegenheit, wenn man vom unnötigen Plastikmüll mal absieht.
Unsere Abfahrtzeiten waren meistens um 8 Uhr und wir konnten auf unseren Fahrten zum jeweils ersten Ziel die Japaner in ihrem Alltag beobachten. Die Schulkinder hatten ihren Spaß auf dem Schulweg, auch ohne laut zu lärmen und zu schubsen.


Lotsen geleiteten Kinder an den Ampeln über die Straße. Meistens machen das Rentner, die sich noch nützlich machen wollen.

Apropos Lotsen, unser Busfahrer lotste uns auch immer aus dem Bus in einen sicheren Bereich. Er trug dabei weiße Handschuhe und ich fand es ein schönes Gefühl so fürsorglich und fein geleitet zu werden.

Die Erwachsenen eilten zu ihrem Arbeitsplatz und manche Mami hatte Kinder auf dem Fahrrad dabei um sie, so vermute ich mal, irgendwo abzugeben.

Alles wirkte auf mich ohne Hektik und trotzdem zügig.

Fushimi-Inari-Schrein mit 1.000 roten Torii-Toren
Im Stadtgebiet von Kyoto besuchten wir den Fushimi-Inari-Schrein. Er ist dem Reisgott Inari geweiht, der für Fruchtbarkeit, Reichtum und Erfolg im Geschäft verehrt wird.


Bekannt ist er für seine tausende roten Torii-Tore, die von Personen, Familien und Unternehmen gestiftet wurden und lange Tunnel auf den Wegen des Berges Inari bilden.

Ein Tor kostet ca. 23 € und man hat eine Wartezeit von mindestens 3 Jahren, wenn man ein solches Tor spenden möchte. Auf der Rückseite stehen die Namen der Spender.

Auf dem Gelände sah man immer wieder Fuchsstatuen, die als Boten des Gottes gelten.

Der Schrein zählt zu den berühmtesten Schreinen Japans und wir beobachteten viele Menschen die genau wie wir, ein Foto von den Toren – möglichst ohne fremde Menschen drauf – machen wollten. Da spielte uns wieder in die Karten, dass wir recht früh am Morgen dort waren! Wir hatten nach der offiziellen Besichtigung mit Franz noch ausreichend Zeit, uns ein wenig umzuschauen, in den Geschäften zu bummeln und ein Eis zu essen.


Wenige aus der Gruppe wagten einen Marsch auf den Berg. Es wurde ein herrlicher Ausblick auf Kyoto erwartet, aber der Weg war schlecht zu finden und zugewachsen. Vermutlich bleiben die meisten Besucher bei den Toren, dem Schrein und den Geschäften und ersparten sich den Aufstieg.
Franz bot uns ein besonderes Schmankerl an und führte uns etwas abseits in einen Bambuswald. Ich denke, ohne Ortskenntnisse kann man ihn nicht finden – und das ist gut so, denn nicht weit vom Trubel entfernt, umgaben uns Natur und Ruhe.




Eine Mitreisende bat mich, diesen Tipp in meinem Reiseblog zu verschweigen, damit nicht „die Influencer“ alles kaputt machen. Ich kann versichern, dass ich diesen Blog nur zum Hobby betreibe und er so klein ist, dass bestimmt niemand der Leser aufgrund dieses Hinweises dorthin fährt.
Nara, Tempel und Hirsche
Auf unserem Weg in die alte Kaiserstadt Nara konnten wir uns ein wenig von den Eindrücken erholen und ich staune im Zurückschauen, wie verschieden die Schreine waren und die Besuche wirklich immer sehr sehens- und erlebenswert war. Das Thermometer zeigte schon vormittags 34 Grad an und aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit fühlte sich das wesentlich mehr an.



Nara ist vor allem für zwei Dinge weithin bekannt: historische Tempel und Hirsche.

Im zentralen Nara-Park leben rund 1.200 Sika-Hirsche und Rehe, die sich auch frei in der Stadt bewegen. Die Tiere gelten als göttliche Boten. Die einen mögen den näheren Kontakt mit den Tieren – ich gehöre eher zu den anderen … ich glaube, ich schrieb es schon mal *lach.

Vor lauter Getier will ich die echten Sehenswürdigkeiten nicht vergessen: wir besuchten den buddhistischen Todaiji-Tempel. Der Name bedeutet „Großer Tempel des Ostens“ und macht seinem Namen mit seinen Abmessungen alle Ehre (57.01 m breit, 50.48 m tief, 48.74 m hoch) und ist das größte, nur aus Holz gebaute Gebäude der Welt – selbstverständlich ein UNESCO-Weltkulturerbe


Die größte buddhistische Bronzestatue im Inneren des Tempels war mit 15 Meter Höhe, plus 3 Meter Sockel sehr prominent. Wie es sich für so einen großen Buddha gehört, bringt er auch ein ordentliches Gewicht mit: 452 Tonnen.

Es standen in dem Tempel noch mehrere große Statuen, deren Namen und Bedeutungen mir entfallen sind. Wenn jemand aus der Reisegruppe ein besseres Gedächnis hat, freue ich mich über eine Nachricht und trage die Daten dann nach….



Die Hitze machte mir zu schaffen und in meinem Kopf war gegen Ende unserer Reise nicht mehr viel Platz *lach. Beeindruckend anzuschauen war es trotzdem!

Mittagspause in Nara
Wir suchten für die Mittagspause ein Lokal und ich ließ mir leckeren Rahmen (Nudelsuppe mit Gemüse) schmecken und Helmut war mit seinem Reisgericht mit Gemüse ebenfalls sehr zufrieden. Kühle Getränke ließen unsere Lebensgeister wieder erwachen.Obwohl meistens viele Menschen an den Sehenswürdigkeiten und in den Lokalen waren, hatten wir nie das Gefühl, abgefertigt zu werden oder irgendwelche Pampe vorgesetzt zu bekommen. Ich kenne das von Sehenswürdigkeiten in Deutschland anders….
Als wir uns zur Abfahrt am Bus einfanden, erfuhren wir, dass ein Mädel aus unserer Gruppe ihren Rucksack in einem Restaurant vergessen hatte und Franz mit ihr auf dem Weg dorthin war. Die gute Nachricht: Der Rucksack stand noch genau dort, wo sie ihn vergaß und die weniger gute Nachricht: wir warteten 50 Minuten und hätten uns über ein ehrliches „Entschuldigung“ des Kindes gefreut.
„Frag doch mal den Reiseleiter“ – die letzte
Auf dem Weg nach Osaka, wo wir das letzte Quartier unserer Reise beziehen wollten, bot uns Franz wieder eine Fragerunde an.
- Mich interessierte, was Japaner in ihrem Alltag essen. Wir bekamen jeden Abend ein anderes köstliches Menü serviert – immer etwas komplett anderes. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass dies der Standard in Japan ist. Franz gab uns dazu die Auskunft, dass man mittags oft die relativ günstigen Angebote einer Lunchbox nutzt. Abends zu Hause gibt es Reis, Misosuppe, frittierte Hähnchen, Fleisch, Zwiebeln usw. Auch Shabu-Shabu-Fondue mit Rindfleisch und Gemüse ist ein normales Essen zu Hause. Was immer und überall geht ist Rahmen, also eine Nudelsuppe mit verschiedenen Toppings.

- Eine weitere Frage war nach den weißen Handschuhen, die unser Busfahrer trug, und die wir auch bei manchen anderen Leuten sahen. Die Bedeutung ist, eine gewisse Distanz zu wahren, aber auch eine Frage der Hygiene. Sie assoziieren Reinheit und Sauberkeit.
- Mir gefielen die kleinen praktischen Autos. Sie heißen Keijidosha oder Kei-Cars und es sind spezielle Fahrzeuge mit strengen Größen- und Hubraumvorschriften. Sie machen ein Drittel der Neuzulassungen in Japan aus und sind preisgünstig in der Anschaffung und im Unterhalt. Außerdem gibt es Steuervorteile und niedrigere Mautgebühren. Verschiedene Firmen stellen sie her, wie z. B. Honda, Daihatsu, Suzuki, Nissan und Toyota.


Osaka

Als wir Osaka erreichten, fanden wir uns – wieder einmal – in einer komplett anderen Welt wieder.

Quirlig, laut und schrill würde ich es zusammenfassend beschreiben wollen. Bekannt ist Osaka für seine moderne Architektur, das Nachtleben und die vielfältigen Imbissstände. Es leben ca. 2,8 Millionen Menschen dort und im Großraum Osaka ca. 19 Millionen und damit ist sie die zweitgrößte Stadt Japans hinter Tokio. Osaka ist eine große Hafenstadt mit vielen Kanälen. Eine besondere Bedeutung hat der Fluss Dotonbori, der mitten durch die Stadt fließt.

Franz lotste uns gleich mitten ins Zentrum. Entlang des Flusses gab es alles, was man sich vorstellen konnte: Restaurants, Bars, Geschäfte, große und kleine Lampions, überdimensionale Werbetafeln, Partyboote auf dem Fluss und: wir erblickten ein Riesenrad. Der spontane Gedanke einer Mitreisenden wurde von mir gleich aufgegriffen: na klar, da fahren wir mit, und genießen Osaka von oben.

In Shinsaibashi-suj, DER Einkaufsstraße erhielten wir von Franz Hinweise zur Orientierung und prägten uns den Treffpunkt ein (bei Starbucks – ich vergesse es nie!). Wir schlossen uns gerne anderen Reisenden an, denn diese Stadt barg die Gefahr, sich zu verlaufen.
Mit großen Augen beobachtete ich viele Menschen, die irgendein Plakat fotografierten – mit und ohne Selfiestick.

Vorsichtshalber fotografierte ich auch mal drauf los – man weiß ja nie, an welcher berühmten Plakatwand man dort stand.

Werbung für die Expo war natürlich ebenfalls noch sehr präsent.

Wir machten uns auf den Weg zurück Richtung Riesenrad und konnten gerade noch eine Mitreisende davon abhalten, Karten für eine Schiffsfahrt zu erwerben, denn eigentlich wollte sie mit uns hoch hinaus.

Gemeinsam suchten wir den Eingang und ich war wieder einmal sehr froh über meinen Übersetzer auf dem Handy. Nach langer, abenteuerlicher Suche fanden wir den Eingang zum Riesenrad schließlich in der zweiten Etage eines Kaufhauses. Vier Leute hatten in einer Gondel Platz und wir teilten uns auf 2 Gondeln auf. Was ich vor der Fahrt zwar sah, aber nicht wahrgenommen hatte war, dass die Gondel nicht rund, sondern oval war. Höchst irritiert hatte ich das Gefühl in einem freischwebenden Aufzug zu sitzen und fragte mich wieder mal, wer denn auf diese Idee kam, hier mitzufahren. Der herrliche Ausblick entschädigte für alles und über den Dächern Osakas war es ruhig und erhaben.



Gemächlich schlenderten wir nach diesen Eindrücken zurück Richtung Treffpunkt und ließen uns im Starbucks nieder. Ich hatte genug von der Stadt gesehen und wollte mich mit einem Eiskaffee belohnen. Tja, der Eiskaffee bestand aus schwarzem Kaffee und vielen Eiswürfeln…. Da hätte ich vorher etwas genauer schauen sollen. Für mich war er nicht trinkbar, aber eine Mitreisende erfreute sich dran.

Treffpunkt Starbucks Coffee – neben Eingang Einkaufsmall
letztes Abendessen auf unserer Reise
Pünktlich fanden wir uns alle am vereinbarten Treffpunkt ein und verfolgten Franz durch die Gassen.

Obwohl viele Menschen unterwegs waren, war es in den Nebengassen nicht mehr so hektisch und laut. Viele kleine Lokale sahen nett aus und ich konnte mir vorstellen, dass man hier gut seinen Abend verbringen kann.


Für uns war das Abendessen wie immer vorbestellt und wir freuten uns drauf. Misosuppe, Salat und noch zwei Köstlichkeiten standen schon am Platz und danach kam eine große Platte nach der anderen aus der Küche an unseren Tisch.

Franz erklärte wieder, was wir da vor uns stehen hatten. Sehr vieles hatten wir auf dem Markt in Kyoto gesehen und hatten nun tatsächlich die Gelegenheit, alles zu probieren.



Während wir speisten, ging draußen ein Gewitter nieder. Wir warteten, bis der Regen etwas nachließ und gingen dann mit Franz zum Bus.
Riesenschreck
Franz hatte einen ziemlich strammen Schritt drauf und aufgrund der verwinkelten Gassen hatten wir Sorge, ob die letzten der Gruppe immer die richtigen Abbiegungen fanden.

Wir bremsten ihn mit Pfeifen und Rufen aus und er wartete, bis wir alle beisammen waren.

Ein junger, sehr netter Mitreisender (nennen wir ihn S.) sprach aufgeregt mit Franz und wir bekamen mit, dass er nachmittags (also 2-3 Stunden vorher) in einem Einkaufszentrum auf der Toilette war und dort seine Gürteltasche mit Reisepass, Geld und allen wichtigen Dokumenten hängen ließ. Franz regelte die Situation so, dass er Mario mit ihm schickte, um nach der Tasche zu suchen. Sie sollten dann mit dem Taxi ins Hotel nachkommen. Uns bat er zügig zu gehen, da der Busfahrer sein Zeitlimit am Parkplatz bereits überzogen hatte und Ärger drohte.
Jeder war in Gedanken bei S. und ich glaube, dass manches Stoßgebet für ihn gen Himmel ging.
Im Hotel checkten wir zunächst alle ein. Für den letzten Tag stand „Tag zur freien Verfügung“ im Programm und Franz bot privat eine kleine Tour an. Aus diesem Grund war später ein Treffpunkt in der Lobby des Hotels mit den Teilnehmern der privat geführten Tour vereinbart.
Dort erfuhren wir, dass S. seine Tasche mit allem Inhalt wieder hatte. Sie hing noch so auf der Toilette, wie er sie vergessen hatte – für uns undenkbar in einer Stadt wie Osaka…
12. Tag

Das letzte japanische Frühstücksbufett stand auf dem Programm und übertraf wieder einmal alles, was wir bisher schon sahen:




Nach dem Frühstück wollte ich schon vor Helmut auf unser Zimmer gehen – und fand es nicht. Ich suchte es im 5. anstatt im 8. Stock… Im 5. Stockwerk waren wir im letzten Hotel. Auch daran merkte ich, dass es langsam Zeit für Verarbeitung und Ruhe wurde.


Unsere Zimmer mussten wir morgens schon räumen und auschecken. Wir stellten die Koffer in einem Aufbewahrungsraum des Hotels ab. Manche Teilnehmer unserer Reisegruppe erkundeten Osaka auf eigene Faust. Dazu hätte ich weder Mut noch Lust gehabt. Für uns war ohne Überlegung klar, dass wir uns Franz’ Programm anschlossen.
Unser Hotel lag neben dem Bahnhof und wir fuhren mit dem Zug nach Uji, der Hauptstadt des Grüntees.

Es war schön, praktisch zu erleben, was wir bisher theoretisch über die Bahn gehört hatten. Alles lief super geordnet ab.


Das Einzige, was mich störte waren unsere deutschen Mitreisenden, die sich im Zug laut unterhielten. Offensichtlich hatten sie die Information von Franz nicht gehört, der mehrfach darauf hinwies, dass in Zügen Ruhe herrscht.
Mimuroto Tempel
Mit Taxen fuhren wir zum Mimuroto Tempel. Theoretisch hätten wir auch laufen können, aber in Anbetracht der Hitze und der günstigen Taxipreise hielt Franz die Taxi-Variante für sinnvoller. Für uns war es ein weiteres nettes Erlebnis, uns von freundlichen Fahrern durch Uji kutschieren zu lassen.

Schnell stellten wir fest, dass diese Tempelanlage nicht überlaufen war und eher von Einheimischen besucht wurde. Durch das Tempeltor gelangten wir auf das Gelände und genossen den Park mit seinen Blumenbeeten. Leider war die große Blütenpracht von Hortensien, von der Franz uns erzählte schon verblüht, trotzdem war der Garten sehr schön anzusehen.

Über eine lange Treppe erreichten wir den Tempel.




Eine versteckte Pagode und Statuen von einer Kuh, einem Hasen u.v.m. erzählten Geschichten.




Für mich war der große Lotosblütengarten ein Höhepunkt in diesem Park. Lotosblumen wachsen selbst in schlammigem Wasser und deshalb sind sie ein Symbol für Reinheit, Wiedergeburt und spirituelles Wachstum. Der Lotos-Effekt ist bekannt: Wasser perlt ab und nimmt Schmutzpartikel mit, deshalb bleibt die Blüte sauber und trocken.




Wir hatten Glück: eine Gruppe Japaner trank dort anlässlich eines speziell für sie gebuchten Events Sake aus Lotosblättern. Wasser hätte ich auch daraus getrunken, aber Sake um 11 Uhr vormittags bei 34 feuchten Grad im Schatten hätte mir wahrlich nicht gutgetan. Eine Mitreisende ließ sich auf das Abenteuer ein und dieses Erlebnis nimmt ihr niemand *lach.



Teefelder
Mit den Taxen fuhren wir zurück zum Bahnhof von Uji und gingen von dort zu Fuß an Teefeldern vorbei zu einem Teemuseum.



Ich hatte vor Jahren einmal das Vergnügen in Malaysia in einer Teeplantage zu stehen, in der ganze Berghänge mit Teepflanzen bewachsen waren. So groß und erhaben war das Erlebnis in Uji nicht, aber mir als begeisterte Teetrinkerin gefiel es sehr gut.
Überraschungs-Mittagessen
Wir hatten nicht sehr viel Zeit für die Mittagspause und verließen uns auf den Tipp von Franz: „Dort geht es schnell und ist gut!“ Was er nicht wusste war, dass das Restaurant an diesem Tag sehr voll war… Wir waren 7 aus unserer Gruppe und verteilten uns auf 2 Tische. Als ich die Speisenkarte sah, war ich ein wenig enttäuscht. Es gab Pizza – mir widerstrebte es schon immer, in fernen Ländern vertraute Mahlzeiten zu bestellen. Der Zeitdruck ließ mir keine andere Wahl. Recht schnell kam das Essen und sah lecker aus. Man konnte sich außer Stäbchen auch Messer und Gabel nehmen, das vereinfachte ausnahmsweise die Nahrungsaufnahme. Die Überraschung erfolgte nach dem ersten Schnitt: denn der Boden war kein knuspriger Hefeteig, sondern Reis. Schon war ich mit der Pizzabestellung versöhnt. Die Pizza war sehr lecker und ich freute mich wieder einmal über eine schöne Erfahrung.

Der Bezahlvorgang war ein wenig kompliziert, aber wir schafften es und hatten unsere Quittung in der Hand. Am Ausgang wurden wir von einer Angestellten aufgehalten, die uns bedeutete, wir hätten nicht bezahlt. Wir hatten unsere Quittung und legten sie vor, aber sie redete wild auf Japanisch auf uns ein und wollte uns nicht gehen lassen. Zum Glück war auch Franz in diesem Lokal zum Essen und wir holten ihn zur Hilfe. Er übersetzte, dass wir zu 7 gewesen seien und die andere Gruppe nicht bezahlt hätte. Sie nannte auch eine Tischnummer, die von uns aber nicht belegt war. Franz ging allem Ärger aus dem Weg und bezahlte die Zeche und wollte sich später darum kümmern. Natürlich hatten unsere Mitreisenden auch bezahlt und besaßen darüber auch eine Quittung. Vermutlich war ein Fehler im System oder es war wirklich jemand ohne Bezahlen gegangen – allerdings niemand von uns. Franz erklärte, dass er die Rechnung mit seinen Spesen verrechnen würde. Es handelte sich um einen Betrag von unter 20 €….
Ich fragte mich, was wir ohne Franz gemacht hätten. Nach deutscher Mentalität auf unser Recht gepocht? Da hätten wir auf alle Fälle Probleme bekommen können, die wir als Urlauber lieber nicht hätten haben wollen. – Wieder etwas gelernt!
Tee-Erfahrung
Der Zeitdruck bestand, weil wir einen Termin zu einer Tee-Erfahrung (bei uns sagt man eher Tee-Zeremonie) hatten – und zwar beim Sohn des Weltmeisters in Sachen Matcha-Tee. Matcha-Tee wird aus jungen, grünen Teeblättern hergestellt und hat einen milden und angenehmen Geschmack, ohne Bitterkeit. Ist der Tee bitter, ist die Sorte minderwertig. Auch bei der Zubereitung kann man einiges falsch machen. Wenn das Wasser nicht die richtige Temperatur hat, oder die Menge des Pulvers nicht passt, schmeckt der Tee nicht gut. Das Geschäft besteht seit 500 Jahren und der Sohn des Inhabers führt es bereits in 17. Generation. Die Begeisterung für sein Handwerk konnte man ihm anmerken.

Einige Wochen vor der Ernte werden die Felder beschattet, um die Produktion von Chlorophyll und Aminosäuren zu fördern. Zarte Blätter aus der ersten Pflückung werden ausgewählt, gedämpft, getrocknet und früher von Hand in Granitsteinmühlen fein gemahlen. Ein Mahlvorgang dauerte 1 Stunde für 45 Gramm. Heute gibt es Mahlautomaten, aber der Mahlvorgang ist immer noch eine aufwändige Angelegenheit. Die sehr feinen Partikel geben dem hochwertigen Tee seine sattgrüne Farbe und den milden Geschmack.
22 Mitarbeiter arbeiten von 6-20 Uhr täglich daran, den hochwertigen Tee zu produzieren, zu verarbeiten und zu verkaufen. Ernteausfällen durch schlechtes Wetter steuern sie mit Bewässerung oder Beschattung der Pflanzen entgegen und mit beten.
Durch einen kleinen Zen-Garten wurden wir in einen Nebenraum des Geschäftes zur Teezeremonie geführt.

Alles war vorbereitet und der Meister zeigte uns, wie man Matcha-Tee zubereitet. Die richtige Menge an Pulver war schon in unseren Teeschalen und es wurde heißes Wasser aufgegossen.

Danach wurde mit dem Matcha-Pinsel kräftig gerührt – und zwar schnell und stark aus dem Handgelenk heraus. Richtig macht man es, wenn sich feiner Schaum wie beim Cappuccino bildet. Mir gelang es nicht und ich bekam Hilfe von einer netten Assistentin.

Zu den Etiketten gehört auch, wie man die Teeschale in die Hände nimmt. Wenn ich es noch richtig weiß, wird sie zweimal im Uhrzeigersinn in beiden Händen gedreht, erst dann nimmt man, leise schlürfend, einen kleinen Schluck aus der Schale. Ich mochte den Tee und erinnerte mich, dass ich vor Jahren schon einmal Matcha-Tee getrunken hatte, dieser war allerdings sehr bitter. Vermutlich hatte ich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann…
Es war noch Zeit für eine Fragestunde und ich erfuhr, dass Sencha-Tee 4–5-mal aufgegossen werden kann. Dass die Wassertemperatur max. 80 Grad betragen soll, das wusste ich, das es besser ist, wenn es noch kühler aufgegossen wird, wusste ich nicht. Sencha ist die Teesorte, die ich zu Hause gerne trinke und das neue Wissen will ich gerne anwenden.
Wird Matcha-Tee mit Milch getrunken so nennt man ihn Matcha-Latte. Es gibt auch Matcha–Salz oder Matcha-Seife, der aufgrund der enthaltenen Antioxidantien eine heilende Wirkung für die Haut zugesprochen wird. Nicht vergessen werden sollte das leckere Matcha-Eis, welches ich auf unserer Japan-Reise oft gegessen habe.

Beim Weltmeister des Matcha-Tees kann man den weltbesten Macha-Tee bestellen.

Einen kurzen Abstecher machten wir noch zum Schwager des Inhabers, einem Schweizer, der vor kurzer Zeit einen eigenen Teeladen eröffnete. Alles in deutscher Sprache zu hören, fand ich nochmal bereichernd. Ich habe mir einen Nagisa-Tee mitgenommen, einen grünen Tee, den man kalt aufgießen kann. Über die Homepage kann man Tee bester Qualität bestellen.
Entlang des Ujigawa Flusses schlenderten wir zufrieden über diesen Tag wieder zum Bahnhof und fuhren mit dem Zug zurück ins Hotel nach Osaka.


Abschied
Im Hotel holten wir unsere Koffer und zogen uns in der Hotel-Toilette um. Nach diesem Tag in der Hitze und vor der langen Heimreise machten wir uns ein wenig frisch. Ich muss heute noch über den entsetzten Blick von ein paar Japanerinnen lachen, die im Hotel zur Toilette wollten und einige unvollständig angezogene, sich waschende Frauen antrafen. – Details ersparen wir uns an dieser Stelle.
Pünktlich wie gewohnt, kam unser Bus und brachte uns zum Flughafen nach Osaka.

Dieser Flughafen hat eine interessante Geschichte. Er liegt vor der Stadt Osaka auf einer künstlich aufgeschütteten Insel. Der Untergrund verdichtet sich immer mehr und dadurch sinkt der Flughafen langsam ab. Von 1994 bis 1995 waren es 48 cm. Von 2006 bis 2015 waren es nur noch 7 cm/Jahr. Der Plan war, dass dieser Vorgang sich verlangsamt und schließlich aufhört. Die Realität ist, dass dieser Plan nicht aufgeht und wenn nicht entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen werden, der Flughafen bis 2050 unter den Meeresspiegel sinken wird.
Ein paar Gedanken machte ich mir über die Menschen, mit denen ich in den letzten 12/13 Tagen viel Zeit verbrachte. Gegenüber den bisherigen Gruppenreisen, die wir machten, war der Altersdurchschnitt sehr viel jünger. Ich denke, dass wir bei den Ältesten waren. Ich bewunderte die Eltern, die ihren pubertierenden Kindern die Welt zeigten, freute mich über die Oma, die mit ihrem Enkel unterwegs war, den Vater mit seinem Sohn und die Mutter mit ihrer Tochter. Die allein Reisenden, ob jung oder alt passten gut in die Gruppe und wir waren allesamt eine homogene Gruppe – das war wenigstens mein Eindruck. Viele Lehrer waren mit uns unterwegs. Seit ich Kind war, habe ich ein gestörtes Verhältnis zu Lehrern und manche haben mein Bild bestätigt – die meisten aber nicht. Sie waren sogar ausgesprochen nett *lach. Sogar einen Promi hatten wir an Bord. (Wenn es in deinem Sinn ist, dann melde dich bei mir und ich verlinke dich….)
Reisen in andere Kulturen bieten immer Gelegenheit, sich zu entwickeln und das Gute aus der Welt in die Heimat zu tragen. Mit etwas mehr Achtsamkeit, etwas mehr Dankbarkeit und etwas mehr Umsicht wird das eigene Leben bereichert und wir machen die Welt an unserem Platz ein wenig schöner.
Unsere Reise war auf alle Fälle sehr gelungen auch durch unseren Reiseführer Franz. Er war mit Freude bei der Arbeit und hat uns seine Liebe zu Japan vermitteln können. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an Franz.
Auch an Mario, der ab und zu als „Feuerwehr“ einsprang und ansonsten bescheiden im Hintergrund unterstützte sei ein herzlicher Dank gerichtet. Für seinen weiteren Berufsweg wünschen wir ihm alles Gute.
13. Tag
Die Heimreise führte uns wieder über Dubai und war grundsätzlich vom Reiseveranstalter gut geplant. Ein Direktflug wäre für mich angenehmer gewesen, aber vermutlich stellt sich hier die Kostenfrage. Spät abends nach japanischer Zeit flogen wir ab Osaka 9,5 Stunden nach Dubai.

Als wir unsere Plätze im Flugzeug eingenommen hatten, nahm neben uns eine Schülerklasse Platz. Sie waren schätzungsweise 12/13 Jahre alt. Ich konnte nur staunen, wie diese Jungens miteinander umgingen. Sie hatten ruckzuck die Spielekonsole im Flugzeug verstanden (ich wusste jetzt erst, dass es sowas gibt) und spielten. Sie hatten Spaß und lachten, aber alles war in normaler Gesprächslautstärke. Beim Essen ging es sauber zu und später, als die ersten einschliefen, achteten sie aufeinander. Als im Schlaf einem Jungen etwas herunterfiel, hob es der andere vorsichtig für ihn auf. Diese Achtsamkeit miteinander war für mich höchst beeindruckend!!
Hinter uns saß eine Gruppe junger Musiker aus einem anderen Land, etwa im Alter von 25/30 Jahren. Die unterhielten sich laut, als die meisten Leute schon schliefen und das Licht gedimmt war. Spannend, diese Unterschiede so hautnah zu erleben.

Wie schon auf dem Hinflug verlor ich aufgrund der 3 Zeitzonen jedes Zeitgefühl. Ständig wurde uns etwas zu Essen vorgesetzt – je nach Zeitzone Frühstück, Mittagessen, Abendessen und mein Magen spielte lange Zeit mit. Da man eigentlich nur sitzt und döst, verbraucht man kaum Kalorien und so war ich tatsächlich bei der letzten Mahlzeit noch satt. Wer mich kennt weiß, dass ich das nur habe, wenn ich krank bin *lach.
Gerächt hat sich das in Dubai, wo wir 3 Stunden Aufenthalt hatten und ich Hunger bekam. Ich aß das vermutlich teuerste Panini meines Lebens für 14 €. Es war warm, frisch und sehr lecker!!!

Von Dubai nach Frankfurt flogen wir 6 Stunden und kamen pünktlich an.

Unseren Zug nach Karlsruhe erreichten wir gut und freuten uns auf vertraute Gesichter, die uns am Bahnhof abholten.
Im Zug bekam ich schnell den „deutsche Mentalitäts-Schock“. Wir hatten keine Platzkarten reserviert, da wir nicht genau wussten, ob wir den angepeilten Zug erreichen würden. Auf diese Entfernung kann man nicht so gut planen. Wir ergatterten trotzdem Sitzplätze. Während der gesamten Fahrt mokierten sich Herrschaften am Nebentisch darüber, wie man eine Reise machen könnte und dann die 5 € für die Sitzplatzreservierung sparen wollte. Dann solle man besser zu Hause bleiben. Wenn die keine anderen Sorgen haben, geht es ihnen wirklich gut!!!
Um 18.00 Uhr waren wir zu Hause und um 18.15 Uhr schlief Helmut schon *lach. Ich hielt noch bis 20.00 Uhr durch, dann war auch mein Tag vorbei.
Die Reise in Zahlen und Schluss
30 Stunden dauerte unsere Reise vom Hotel in Osaka bis nach Hause.
13.350 Flugkilometer legten wir von Osaka nach Frankfurt über Dubai zurück. Ungefähr die gleiche Entfernung kommt für den Hinflug dazu.
Auf unserer Rundreise fuhren wir ca. 2.600 km mit dem Bus und 300 km mit dem Shinkansen.
Täglich zeigte mein Schrittzähler 11.000 – 14.000 Schritte an, meistens bei Temperaturen und einer Luftfeuchtigkeit, bei denen ich zu Hause nicht vor die Türe gehen würde.
Den Gedanken an meinen ökologischen Fußabdruck während dieser Reise blende ich aus …
Einige aus der Reisegruppe mussten montags gleich wieder arbeiten und ich frage mich, ob und wie ich das geschafft hätte – und bin über den Luxus meines Rentnerlebens wieder einmal sehr dankbar. Es dauerte fast eine Woche, bis ich wieder „ganz da“ war. Die Zeitumstellung war weniger das Problem, weil wir gleich im neuen Tag-/Nacht-Rhythmus weiterlebten. Die vielen, vielen Eindrücke waren noch sehr intensiv präsent in unseren Herzen und in den Gedanken.
Ein Dank geht an Anette, die sich die Zeit genommen hat, den Bericht vorab zu lesen und mich auf den einen und anderen Fehler aufmerksam gemacht hat.
Japan ist ein blitzsauberes Land, in dem fast alles irgendwie anders ist, die Menschen sehr freundlich, die Atmosphäre entspannt, das Essen lecker und und und – wenn es nicht so weit weg wäre, würde ich sehr gerne öfter dorthin reisen wollen.
Bei der Recherche haben mir übrigens Wikipedia, Google und KI geholfen.